Eine gute Kuh frisst alles!

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Bärenklau prägt jetzt viele Prättigauer Wiesen.

An Pfingsten prägte der Löwenzahl die Prättigauer Wiesen, zum Beispiel in Klosters, jetzt sind es Bärenklau und Blacke. Alle drei sind Nährstoffzeiger, Platzräuber und verursachen bei der Dürrfutter-Bereitung hohe Bröckelverluste. Sie verdrängen wertvolle Gräser und Kräuter. Die Gülleflora zeigt, dass weiträumig etwas mit der Bewirtschaftung nicht stimmt. Heidi hat schon zahlreiche Fälle von unsachgemässem, umweltbelastendem Hofdüngeraustrag dokumentiert: Ausbringen von Gülle und Mist im Spätherbst, in der Vegetationsruhe und vor intensiven Regenfällen/-perioden. Bei zu hohen Gaben im Herbst besteht die Gefahr des Nitrataustrags und höherer Schäden durch Auswinterung, wenn das Wachstum nicht rechtzeitig gedrosselt wird. Die Pflanzen mit tiefgehenden Wurzeln profitieren von einer solchen Misswirtschaft.

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Schöner neuer Stall - Wiese zur Entsorgung der Gülle?

Hinzu kommt, dass nicht nur Hofdünger zur Unzeit ausgebracht werden, es fällt auch zuviel davon an. Es heisst zwar „Eine gute Kuh frisst alles!“, doch das hat sich mit der Züchtung von immer leistungsfähigeren Tieren und den Ansprüchen der Metzger längst geändert. Im Berggebiet wurde schon vor 20 Jahren viel Kraftfutter zugekauft. Heute werden Heu und Mais auf gut ausgebauten Strässchen in luftige Höhen transportiert, auch der Landi-Lastwagen fährt im Winter fleissig bergwärts mit all den feinen Futtermitteln. Im Stall werden die Rindvieher gut verpflegt, so dass eine schöne nährstoffreiche Weide in Hofnähe nicht mehr für die Ernährung der Tiere als wertvoll gilt und entsprechend gepflegt wird, sondern bestenfalls zum Einziehen der Bundesbeiträge für das Weideprogramm RAUS. Trotzdem fallen mit jedem produzierten Liter Milch 3,5 Liter Gülle an. Die Wiesen dienen als Abfallhalde für Hofdünger. Und da reden wir bei der Förderung der Berglandwirtschaft von Artenvielfalt! Viele der wenigen kleinen geschützten artenreichen Wiesen und Weiden sind Randstandorte und daher wenig zukunftsfähig. Prächtig sind noch immer die ausgedehnten Alpweiden. Grösstenteils ausländisches Personal betreut dort die Tiere und stellt den „Bündner“ Bergkäse her. Nachtrag 15.7.11: Und zwar sind es heute v.a. die Deutschen, siehe Schweizer Fernsehen, 10 vor 10 vom 14.7.11: Deutsche machen Schweizer Käse. Auch die Alpweiden sind bedroht: durch Intensivierung und Vergandung.

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Wohin man schaut: Bärenklau

Leistungsfähige Kühe sind des Bauern Stolz. Mit Recht, denn man fordert auch von diesem Berufsstand Leistung. Doch sollte die Leistung den natürlichen Gegebenheiten angepasst sein. Der Plantahof hat Forschung betrieben und „herausgefunden“, dass Kühe mehr Milch geben, wenn sie mehr Kraftfutter erhalten. Dazu meint Heidi: Das ist eine Binsenwahrheit (solange das Leistungspotenzial nicht erreicht ist), für das Berggebiet wären andere Zeichen nötig, zum Beispiel ein Tier, welches das Bergfutter optimal verwerten kann. Dabei darf man nicht vergessen, dass Tiere mit hohen Leistungen weniger Ammoniak- und Methanemissionen verursachen, also ein zurück zur „Natur“ heutzutage nicht unbedingt eine umweltschonende Lösung ist. Den Bauern sollte eine dem Standort angepasste umweltschonende Düngung und Nutzung empfohlen werden, also eine Optimierung der Wiesennutzung, keine Maximierung des Kraftfuttereinsatzes. Kreatives Denken, losgelöst von alten Geleisen, ist dringend nötig. Weitere Fragen sind: Wie rettet der Bauer seine degenerierten Wiesen? Wie kann die Nährstoffbilanz eines Landwirtschaftsbetriebs zuverlässig kontrolliert werden?

11.7.10  HOME

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