Man soll die Kuh nicht zur Sau machen

Getreide

Getreide für den Menschen, Gras für die Kuh

Die Kuh verarbeitet in ihren drei Mägen Gras und Heu mit einer Effizienz von gegen 50 Prozent zu Milch. Die Sau hat einen einfachen Magen, sie braucht daher Kraftfutter, zum Beispiel Getreide, das auch dem Menschen direkt als Nahrung dienen könnte. Im Schweinemagen wird das Futter mit einer Effizienz von knapp 20 Prozent in Fleisch umgewandelt. Neben Getreide wird auch immer mehr Silomais verfüttert, damit die Kühe die grossen Leistungen, die vielerorts von ihnen verlangt werden, erbringen.

„Nun kann man eine Kuh aber nicht ungestraft zur Sau machen, indem man ihr nur leicht verfügbare Energie wie Stärke vorsetzt. Sie ist eben ein Wiederkäuer, also ein Spezialist für die Erschließung derjenigen Energie, die in Form von Fasern gebunden ist. Eine Kuh verträgt nicht mehr als 20 bis 25 Prozent Stärkeanteil in der Trockenmasse ihres Futters.“ Dies schrieb die Saaten-Union, ein Verbund von Pflanzenzüchtern, kürzlich unter dem Titel Innere Werte sind brandaktuell. Vor 20 Jahren schon verfasste Herbert Cerutti für die NZZ eine Reportage über die Schweizer Futterbauforschung von Agroscope Reckenholz-Tänikon ART mit dem Titel Man soll die Kuh nicht zur Sau machen. Ein Nebeneinander von intensiv und weniger intensiv bewirtschafteten Wiesen wurde und wird immer noch propagiert. Die nährstoffreichen Wiesen für das Milchvieh, die „Blüemli-Wiesen“ für Galtkühe (Kühe, die vor dem Kalben keine Milch mehr geben), Pferde, Schafe usw.  und nur wenig Kraftfutter in der Ration.

Die Schweizer Bauern haben in den letzten Jahren immer mehr Kraftfutter importiert. Wenn vielleicht bald schon zusätzliche Bundesgelder für den Anbau von Futtergetreide im Inland gesprochen werden, dann ist dies nicht der Weisheit letzter Schluss. Zitat aus der Bio-Verordnung des Bundes SR 910.18, Art. 16b „Wiederkäuer müssen mindestens 60 Prozent der Futter-Trockensubstanz in Form von frischem, getrocknetem oder siliertem Raufutter erhalten.“ Viel restriktiver ist Bio Suisse: Der Kraftfuttereinsatz der Knospen-Betriebe ist auf 10 Prozent limitiert. Noch weiter gehen die Fachleute am Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) mit dem Projekt «Feed no Food», welches die Milchproduzenten dazu motivieren will, weitgehend auf den Kraftfuttereinsatz in der Wiederkäuerfütterung zu verzichten. Und der Schweizer Durchschnitt? Seit Jahrzehnten spricht man von einem Kraftfutteranteil von 30 Prozent. Hat jemand diese Zahl einmal neu berechnet?

Grasgrüne Milch, Unterrichtunterlagen Arbeitsgemeinschaft zur Förderung des Futterbaus (AGFF)

13.4.11  HOME

Schlagwörter: , , , , , , , , , ,

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: