„Happy“ Truthahn für Weihnachten?

Realitätsfremde Bauernhof-Idylle im Retro-Look. Da fehlt doch die Bäuerin!

Realitätsfremde Bauernhof-Idylle im Retro-Look. Da fehlt doch die Bäuerin!

Seit Wochen suchen Leute tierfreundlich gemästeten Schweizer Truthahn und finden in Heidis Artikel Nur Schweizer Truthahn und Poulet kaufen! Hinweise auf Bezugsquellen. Nachtrag 13.12.12: Heute im Kassensturz neueste Informationen zu Trutenfleisch: Profit auf Kosten der Tiere . Eine Leserin schrieb: „Wir würden sehr gerne einen „happy“ Truthahn aus der Region bestellen. Allerdings ist dies nicht ganz so einfach. Meine Mutter fragt immer wieder am Samstagsmarkt bei den Bauern nach, aber die bieten dies nicht an. Migros und Coop fragen wir nicht, da wir denen nicht ganz trauen. Wir haben früher im Coop bestellt und danach zum Metzger gewechselt. Leider ist der Truthahn aber meistens aus dem Ausland. Wie finden wir heraus, wer in unserer Region „happy“ Truthähne züchtet? Wir sind froh um jeden Tipp. Google ist leider keine grosse Hilfe.“

Die Werbung von Migros suggeriert, dass die Tiere auf den 12’000 TerraSuisse-Bauernhöfe alle soooooooo glücklich seien; „happy“ Truthähne gibt’s gleich zwei Stück auf dem Bild. Tatsache ist, dass tierfreundlich gemästete Truthähne nicht so einfach in der Region zu kaufen sind. Heidi wollte ihrer Leserin helfen, hat aber nichts Neues gefunden. Bei Biosuisse gibt es die Kategorie „Truthahn“ auf der Produkte-Suchliste schon gar nicht. Heidis Ratschlag: Auf keinen Fall ausländischen Truthahn kaufen, weil dieser mit grosser Wahrscheinlichkeit aus tierquälerischer Mast stammt.

Das Problem ist in erster Linie der zunehmende Konsum von Geflügelfleisch; je kleiner die Tiere sind, desto schwieriger ihre Lebensbedingungen: „Happy“ Poulets gibt es in der Schweiz nur wenige, z.B. KAGfreiland, Gutsbetrieb Oeschberg usw. Man stelle sich die grossen Masthallen vor bei Normalmast: 13,3 Hühnchen pro m2 sind erlaubt, bei Mistkratzerlis (Coquelets) gar 37,5 pro m2. Das ist dichtgedrängt! 88,5 Prozent der Poulets werden in besonders tierfreundlichen Ställen (BTS) gehalten, d.h. sie haben einen Wintergarten, der mindestens 20 Prozent der Stallinnenfläche beträgt; eine weitere Dichtestress-mindernde Einrichtung sind erhöhte Sitzgelegenheiten, siehe Ethnoprogrammverordnung. Sitzstangen gibt es aus gutem Grund keine: die meisten Mastrassen sind schnellwachsend, der Brustmuskel gross, so dass die Poulets nicht dorthin gelangen und sich dort halten könnten. Heidi isst schon lange kein Geflügel mehr, ausser Hühnersuppe gegen Erkältung und Bluthochdruck natürlich, und nur noch KAG-Eier.

Muss es unbedingt Truthahn sein? Weihnachten, das Fest der Liebe, möchte man es nicht in erster Linie mit den Lieben geniessen, stressfrei? Viele versuchen, mit ihren Festtagsessen Starköche zu überbieten, ein schwieriges Unterfangen. Warum nicht einen anderen Weg gehen: Mut zum Einfachen, damit man Zeit für sich und die anderen hat. Zum Beispiel Fondue, Gschwellti (Pellkartoffeln) mit ausgewählten Käsesorten oder ein Siedfleisch-Eintopf (Rezept von der Goldküste). Heidis Tipp zu Geschwellti: Glarner Schabziger-Stöckli mit Bircherraffel fein reiben, mit wenig Schlagrahm mischen. Die besten Voraussetzungen für ein schönes Fest sind entspannte, gut gelaunte GastgeberInnen. Und denken wir auch an die Tiere, nicht nur an Weihnachten, und kaufen nur Fleisch und Eier aus besonders tierfreundlicher Haltung, Aktionen hin oder her!

Feiern Sie Weihnachten mit Rücksicht auf die Umwelt, die Tiere und die Menschen, Rezepte und Aktuelles der Schweizer Vereinigung für Vegetarismus

9.12.12 HOME

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2 Antworten to “„Happy“ Truthahn für Weihnachten?”

  1. Hansuli Huber Says:

    Salü Heidi,
    besten Dank für die guten Rezeptvorschläge (Ausnahme: Siedfleisch: Militärdienst lässt grüssen!).
    Ja, es muss weiss Gott nicht immer Fleisch sein, schon gar nicht Importe!
    CH-Geflügel wird immerhin besser gehalten, transportiert und geschlachtet als im Ausland. Dort wird bis zu 60kg Trutenfleisch/qm Stallfläche gemästet, fast doppelt soviel wie in CH. Unsere Masthühner haben Tageslicht, erhöhte Sitzstangen resp. Böden (da irrst Du, Heidi, die Gesetzgebung in der CH schreiben diese vor und sie werden genutzt, trotz extremer Brustfleischzucht), mehr Platz, Aussenklimabereich zusätzlich. Im Ausland gibt es Ställe mit 40-60’000 Tieren. Man weiss, dass im Vergleich zu Ställen mit 10’000 Tieren das Verhalten ändert bei derartigen Grössen (Mehr Ruhen, weniger Aktivität, es löscht ihnen ab…). Was bei 9 von 10 Tieren in der CH fehlt ist der Grasauslauf. Da besteht tatsächlich Handlungsbedarf! Alles in allem geht es aber einem konventionell gehaltenen CH-Masthuhn besser als einem konventionell gehaltenen CH-Mastschwein oder -muni. Deren Haltung ist tierschutzwidrig und unterscheidet sich kaum vom Ausland!
    Herzlich grüsst Hansuli Huber

    • Heidi Says:

      Lieber Hansuli
      Danke für deinen Kommentar. Ja, dem Federvieh im Ausland geht’s viel schlechter. Ich habe daher auch darüber einen Artikel verfasst: Nur Schweizer Poulet und Truthahn kaufen! Du darfst ihn keineswegs verpassen, denn es ist mein meistgelesener: 2533 Aufrufe bis heute.
      https://heidismist.wordpress.com/2011/12/16/nur-schweizer-poulet-und-truthahn-kaufen/
      Du meinst also, ich sollte auch einmal etwas über Mastschweine und -munis schreiben? Ich überleg’s mir! Früher war’s noch schlimmer. Ich habe Vorzeigeställe gesehen, wo jeweils vier Masttiere in einer Boxe standen, und nur drei konnten gleichzeitig liegen. Schon traurig!
      Grüsse aus den Bergen
      Heidi

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