Paraguay: Sojaanbau tötet Kleinbauern

Unser Hunger nach Fleisch tötet in vielen Ländern Kleinbauern und ihre Kinder.

Unser Hunger nach Fleisch tötet in vielen Ländern Kleinbauern und ihre Kinder.

In Paraguay kümmert sich ein Bischof um Menschen, die durch den Anbau von Gensoja ihre Gesundheit und Existenz verlieren. Ein Viertel dieses Gensojas kommt zur Tiermast nach Europa. Ein paar Stichworte zum Film des Bayerischen Fernsehens vom 19.12.12: Landgrabbing, Wälder abholzen, Trinkwasser vergiften, Glyphosat, Haustiere sterben, Menschen auch, Soja-Pflanzer wollen Beweise, In der Universitätsklinik von Acanciòn sterben Menschen an Leukämie, Leiter Genehmigungs- und Kontrollbehörde besitzt Agrochemie-Unternehmen, ein Viertel der paraguayanischen Soja gelangt nach Europa als Kraftfutter für die Nutztiere, Paraguay: Tödliches Gensoja. Haben Sie nach dem Film noch Lust auf Fleisch oder kommen Ihnen eher die Tränen? Danke Grünwolf, dass du mir den Hinweis auf diesen Film zugespielt hast.

In einem 66-seitigen Dossier eines Lehrforschungsprojekts am Institut für Politikwissenschaften der Justus-Liebig-Universität Giessen, ist zu lesen: „Aufgrund des Konflikts leben nach Schätzungen der landesweit tätigen Kleinbauern-Organisation Mesa Coordinadora Nacional de Organizaciones Campesinas de Paraguay (MCNOC) rund 2,4 Millionen der ca. 6,5 Millionen Einwohner Paraguays in Armut, 1 Million davon sogar in extremer Armut. Dieser Zustand ist eine direkte Folge der Landverteilung und der damit verbundenen Verdrängung traditioneller Landwirtschaft durch Sojamonokulturen.“ Der Paraguay-Konflikt, Dossier zur zivilen Konfliktbearbeitung, Leitung: Dr. Hanne-Margret Birckenbach.

Aus dem Fazit der Studie: „Abschließend bleibt im Hinblick auf die deutsche Leserschaft Folgendes festzuhalten:

  • Eine kritische Prüfung der bundesrepublikanischen Interessen und Aktivitäten in Paraguay verdeutlicht, dass diese die dortigen Missstände aufrechterhalten und teilweise sogar fördern.
  • Jede/r einzelne kann durch ihr/sein individuelles Konsumverhalten zum Ausdruck bringen, wie sie/er zum dargestellten Konflikt steht: Ein Verzicht auf die als konfliktverschärfend zu klassifizierenden Lebensmittel kann eine Transformation des Konfliktes positiv beeinflussen.
  • Agrosprit sollte gemieden und umweltschonendere Energiequellen bevorzugt werden.
  • Um Aufmerksamkeit für den Konflikt zu schaffen, sollte jede/r, die/der mit diesem vertraut ist, ihren/seinen Bekannten und Verwandten davon berichten.
  • Ein friedliches Zusammenleben in Paraguay darf nicht als eine rein paraguayische Angelegenheit betrachtet werden. Der Einfluss anderer Staaten und wirtschaftlicher Akteure darf nicht unterschätzt bzw. bei Transformationsbemühungen des Konflikts vernachlässigt werden.

Insgesamt kann Paraguay als Exempel für andere Länder mit ähnlichem Konflikt gesehen werden. Gerade in Südamerika, beispielsweise Bolivien, birgt die starke Ungleichverteilung der Ländereien Konfliktpotenzial, eine Eskalation ist abzusehen. Daher kann dieses Dossier nicht nur zur Gewinnung von Aufmerksamkeit für Paraguay betrachtet werden, sondern auch als Ansatz für eine Transformation von ähnlichen Konflikten.“

Paraguay rodet 1000 Hektar Wald pro Tag, Video Die Welt 27.3.13 (Grünwolf).

Deutschland: Die Billigfleisch-Weltmacht, Süddeutsche, 10.1.13, von Max Biederbeck. „Das Filet bleibt hier, der Rest geht um den Globus: Deutschland entwickelt sich zum größten Fleischexporteur der Welt. Das hat drastische Folgen, für Tiere, Menschen und die Umwelt.“

Massentierhaltung: Deutsche Fleisch-Fabriken werden immer grösser, Süddeutsche, 17.1.13, von Thorsten Denkler. „Es sind Bilder, der jeden erschaudern lassen, der sie einmal gesehen hat: Hühner, die im Millisekunden-Takt von Maschinen getötet werden. Küken, die geschreddert werden, weil sie männlich sind, und sich darum ihre Mast nicht lohnt. Schweine, denen die Ringelschwänzchen abgeschnitten werden, weil sie sich die sonst unter dem Stress der Massentierhaltung gegenseitig abknabbern würden.“

Weitere Informationen: Lugo scheut den Landkonflikt, Lateinamerika Nachrichten, Januar 2010.

Zum Thema Fleischkonsum, Regenwald, Soja und Proforest siehe auch Bill Clinton ist Vegetarier, Heidis Mist

17.1.13 HOME

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Eine Antwort to “Paraguay: Sojaanbau tötet Kleinbauern”

  1. Heidi Says:

    Heidi hat folgenden Kommentar per Mail erhalten, mit Einwilligung zur Veröffentlichung:

    „Ich weise Sie darauf hin, dass es sich bei diesem Dossier nicht um eine offizielle Studie der Justus-Liebig-Universität Gießen handelt. Vielmehr ist das Dossier im Rahmen eines Lehrforschungsprojekts der Gießener Monitoring-Gruppe am Institut für Politikwissenschaft entstanden. Das Projekt, welches unter der Leitung von Frau Prof. Dr. Birckenbach stand, verfolgt(e) das Ziel, die TeilnehmerInnen mit theoretischem und methodischem Wissen zur zivilen Konfliktbearbeitung vertraut zu machen, so dass diese durch das angeeignete Instrumentarium in die Lage versetzt werden, Konflikte selbst zu analysieren. Teil der Analyse war es darüber hinaus, kreative und realistische Handlungsempfehlungen zu formulieren.

    Verantwortungsbewusst produzierte Soja aus Paraguay erscheint uns im Rahmen der oben dargelegten Aufgabenstellung als ein Weg, den analysierten Konflikt zu entschärfen. Insbesondere dann, wenn die Soja von Kleinbauern – also nicht von Agrokonzernen -, etwa auf vor Übergriffen geschützten Landflächen, in Mischkulturen angebaut und später dem organischen und fairgehandelten Markt zugeführt werden könnte. Unsere Intention war, dass für die Kleinbauern hierduch eine Möglichkeit geschaffen werden könnte, ein Einkommen zu erzielen und diese so nicht von ihren Ländereien verdrängt werden. Zugleich würden auch die negativen Auswirkungen monokultureller Landwirtschaft auf diesen Flächen verhindert werden. Unsere Überlegungen zielen somit darauf ab, sowohl Kleinbauern als auch Ländereien zu schützen.
    Natürlich darf bezweifelt werden, ob solche Produktionsmethoden die weltweit enorme Nachfrage an Soja decken könnten. Unserer Meinung nach sind hierfür noch viele weitere Schritte, die jedoch nicht im Rahmen unseres Dossiers analysiert werden konnten, nötig.

    Es gibt keine Kurzform er Studie. Das Fazit unserer Untersuchung resultiert aus den vorangegangen Arbeitsschritten und baut auf diesen auf. Wir sind uns daher nicht sicher, ob es sinnvoll ist, ausschließlich dieses zu veröffentlichen.“

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