Bundesrat gewichtet Freiheit der Bauern höher als Trinkwasserqualität

Die Schweiz hat die Gefahrensymbole dem internationalen Standard angepasst. Symbol für hochgiftig. http://www.cheminfo.ch/kennzeichnung/anwendende/gefahrensymbole.html

Die Schweiz hat die Gefahrensymbole dem internationalen Standard angepasst. Symbol für hochgiftig. http://www.cheminfo.ch/kennzeichnung/anwendende/gefahrensymbole.html

Täglich treffen in Heidis Mailbox Meldungen über Pflanzenschutzmittel(PSM)-Schäden ein: Tote Frösche, Bienensterben, Schmetterlinge in Gefahr und nicht zuletzt tote Menschen in Indien, Südamerika usw. Gestern schickte ihr ein Leser eine Publikation mit dem Titel Keine Pflanzenschutzmittel im Trinkwasser, gwa 12/2001, Schweizerischer Verein des Gas- und Wasserfachs. Diese Publikation hätte ihr viel Zeit gespart beim Schreiben des Artikels Grundwasserschutzzonen: Wer weiss Bescheid? denn er liefert Detailinformationen und Interessantes zur Geschichte der heutigen Regelungen. Vorerst ein paar Zitate.

Bauern wollen kein PSM-Verbot in der Gewässerschutzzone S2
„… Um das gefasste Grundwasser zuverlässig zu schützen, gilt es deshalb bei den Nutzungsbeschränkungen der Zone S2 auch die Landwirtschaftlichen Aktivitäten zu berücksichtigen. Zu diesem Zweck wurde Anfang 1999 ein Verbot für den Einsatz von Gülle und PSM in der Zone S2 erlassen. Diese Bestimmung hatte zum Zweck, für die Landwirtschaft gleichwertige Nutzungsbeschränkungen in der Zone S2 zu erlassen, wie sie für andere Akteure wie z.B. Bau- und Gewerbe in dieser Zone gelten. Konnte sich die Landwirtschaft mit dem Gülleverbot abfinden, so widersetzte sie sich dem Verbot der Anwendung von PSM vehement. … Aufgrund des Widerstands der Landwirtschaft setzte der Bundesrat das Verbot bis Ende 2000 aus. Er beauftragte das Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft (BUWAL/heute BAFU) in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) bis dann alle in der Schweiz zugelassenen Wirkstoffe im Hinblick auf ihre Mobilität und Abbaubarkeit sowie auf deren Anwendbarkeit in der Zone S2 zu bewerten…“ Daraus dürfte, so vermutet Heidi, die ominöse Liste der 11 verbotenen PSM des BLW entstanden sein. Soviel Arbeit bzw. Steuergelder für eine unzureichende Massnahme! Ein allgemeines Verbot in der S2 gibt es bis heute nicht.

Erschwerte Informationsbeschaffung
Weiter heisst es: „… Bei der Informationsbeschaffung hat sich gezeigt, dass für zahlreiche organisch-synthetische Wirkstoffe grundlegende Daten zu deren Eigenschaften und dem Umweltverhalten fehlen oder nicht zugänglich sind. Informationen über das Umweltverhalten, welche im Rahmen der Zulassungsbewilligung oder bei der Neubeurteilung der einzelnen Wirkstoffe zusammengestellt, aktualisiert und validiert werden, müssten jedoch allgemein zugänglich sein. Ist dies nicht der Fall oder sind die notwendigen Informationen zu den Umwelteigenschaften gar nicht vorhanden, müssten Wirkstoffe vom Markt genommen werden…“

Es lohnt sich, die Publikation vollständig zu lesen, für eilige LeserInnen wird Heidi ein paar Punkte herausnehmen und in weiteren Artikeln zusammen mit aktuellen Informationen behandeln. „Keine Pflanzenschutzmittel im Trinkwasser“ wurde vor elf Jahren geschrieben, einzelne Angaben und Daten dürften überholt sein, aber im Grundsatz, so meint Heidi, sind die Aussagen noch heute gültig.

Wann wird der Bundesrat ein PSM-Verbot in der S2 erlassen?

Mehr zum Thema: Der Gewässerraum und die Bauern, Heidis Mist

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Eine Antwort to “Bundesrat gewichtet Freiheit der Bauern höher als Trinkwasserqualität”

  1. max Says:

    Wen überraschts? Die Bauern in der Schweiz geniessen eine Omerta total. Von Links, via Bio bis ganz Rechts gilt das Recht der Scholle und dem Stall vor allen anderen Interessen. Finanziell wie auch Umweltschutz, sogar vor der Humanmedizin.

    Wegen Antibiotikamissbrauch in der Landwirtschaft kommen Bauern in den NL bei Spitalaufenthalt direkt auf Isolierstation, als potentielle Träger von resistenten Keimen. In der Schweiz, mit Ausnahme von gelegentlichen Reportagen, hört man wenig, wird das gravierende Problem totgeschwiegen oder ’studiert‘. Die wenigen beim Menschen noch wirksamen Antibiotika wollen die Veterinäre auch noch dem Vieh verfüttern damit auch diese letzte Abwehr unwirksam wird.

    Kein Aufschrei, kein WWF, keine Greenpeace Aktion. Lieber ein paar harmlosen Gmo Körner nachrennen, medial wirksam mit Schutzkleidung, Gesichtsmasken, Horrorgeschichten erfinden. Aber dass man bei der nächsten Infektion nicht mehr geheilt werden kann stört unsere lieben NGO s und die zuständigen Bundesbehörden anscheinend herzlich wenig.
    http://www.tagesschau.sf.tv/Nachrichten/Archiv/2012/03/07/Schweiz/Antibiotika-Neue-Gefahren-aus-der-Landwirtschaft

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