Rummelplatz Berg: Wie weiter?

Gebaut wird überall, auf dem Berg, am See ... Hauptsache, es wird gebaut und die Leute kommen.

Gebaut wird überall, auf dem Berg, am See … Hauptsache, es wird gebaut und die Leute kommen.

Zwei Artikel in der NZZ vom 12.7.13 sind Heidi aufgefallen. Die tägliche Weltschöpfung von Roman Bucheli über Baustellen und Lärm: „… Denn die täglich neu gebaute Welt wird nicht schöner, sie wird immer nur lärmiger (und sie wird es umso mehr, je wohlhabender ein Gemeinwesen ist) …“ Die Schweizer Gemeinwesen (und ausländischen Investoren) besitzen Geld! Der Bund hat ein nationales Schneesportzentrum ausgeschrieben, der Schweizer Tourismus-Verband (STV) fordert gar deren drei. Damit aber nicht genug. Eine Schulferienwoche soll zur obligatorischen Schneesportwoche für die 5. bis 9. Klasse erklärt werden. Der Verband der Schweizer Seilbahnbranche (SBS) will den Anteil SchneesportlerInnen in der Bevölkerung steigern.

Noch mehr Steuergelder für den Tourismus

Und wer zahlt? Der Bund soll jedem teilnehmenden Kind 200 Franken zahlen sowie die Kosten für die Benützung der Bergbahnen, für Skischulen und Mietmaterial übernehmen. Andere Branchen müssen den Gürtel enger schnallen, wenn Profit und Kosten im Ungleichgewicht sind. Die Strategie der hohlen Tourismus-Hand scheint immer wieder zu funktionieren, denn – so wird argumentiert – vom Tourismus profitieren ALLE. Stimmt das? Mindestens die Natur ist meist Verliererin Nummer EINS. STV-Präsident und CVP-Nationalrat Dominique de Buman ergänzte die Schneesportoffensive des STV mit einer Motion: Lancierung und Umsetzung einer Schneesportinitiative. Ausführlich darüber berichtete Michael Schoenenberger in seinem NZZ-Artikel Angst vor leeren Pisten.

Der Bergtourismus und die Frösche

Raubfische, wie die amerikanische Seeforelle, fressen Kaulquappen und dezimieren somit die Frösche ...

Raubfische, wie die amerikanische Seeforelle, fressen Kaulquappen und dezimieren somit die Frösche …

Die Bergbahnen brauchen im Winter die SchneesportlerInnen, im Sommer Events und z.B. die Fischer. Die negativen Seiten des Wintertourismus sind einigermassen bekannt. Der Druck auf die Natur nimmt auch im Sommer zu. Zum Beispiel wurde in den letzten zwei Jahrzehnten die Kanadische Seeforelle in Bergseen angesiedelt.

Seeforellen lieben Kaulquappen und attackieren gar Frösche: Forellen-Attacke auf Frosch, YouTube. „Das Fischen von Forellen und Saiblingen auf 2000 Meter über Meer – das erleben Sie nur auf Melchsee-Frutt…“ Der Tourismusverein zieht Fischer an, die neue Bergbahn ist in Betrieb, das neue chinesische Frutt Lodge und Spa auch, und es wird weiter gebaut. Wer kümmert sich um die Frösche?

Den Fröschen gehe es schlecht hier oben, meint ein profunder Kenner der Flora und Fauna von Melchsee-Frutt. In den USA sind die meisten Gebirgsseen mit einem Bestand von seltenen Fröschen unter Schutz, Forellen auf Frosch-Fang, Fisch & Fang. Von den 20 einheimischen Amphibienarten stehen 14 auf der Roten Liste, das schreibt Pro Natura, Tier des Jahres 2013 – Die Geburtshelferkröte. „Die Angelei ist vielerorts attraktiv geworden und dies mancherorts, ohne allzu viele Schäden anzurichten. Aber zu viele Gewässer sind durch Besatz von irgendwas weltweit kaputtbewirtschaftet worden, sei es aus wissenschaftlichem Interesse, anglerischem Interesse oder reinem Profitdenken…“, das schrieb ein Fischer und aktiver Gewässerschützer Heidi „… und es gibt viel zu tun.“

Und was meint karch, die Koordinationsstelle für Amphibien- und Reptilienschutz in der Schweiz? „… Beispiel Bergseen: In vielen Fällen sind respektive waren Bergseen natürlicherweise fischfrei. Schon seit längerer Zeit, in den letzten Jahren aber vermehrt, werden solche Gewässer bestockt. Vor allem für Angler interessante Fischarten wie Saibling und Forelle werden eingesetzt, d.h. Arten, welche einen grossen Druck auf Amphibien auswirken. Zusätzlich werden die Bestandsdichten relativ hoch gehalten, damit die AnglerInnen Erfolgschancen haben. Die Gewässer sind oft strukturarm mit wenig Versteckmöglichkeiten für Amphibien. Durch die geringe Wassertemperatur, sind sie nicht sehr produktiv, es herrscht Nahrungsknappheit. Die Auswirkungen auf die Amphibienbestände müssen dadurch als sehr gross eingestuft werden. Konkrete Untersuchungen aus den USA und Italien belegen diese Aussage…“, Amphibien und Fische, karch.

Heidis Vorschlag

Lassen wir der Jugend die wohlverdienten Ferien! Eine stressige Zukunft wartet auf sie.

Beratungsstelle für Unfallverhütung: Die bfu setzt sich im öffentlichen Auftrag für die Sicherheit ein.

Beratungsstelle für Unfallverhütung: Die bfu setzt sich im öffentlichen Auftrag für die Sicherheit ein.

Bild ohne Worte

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