Das wachsame Auge des Umweltanwalts

Im Naturschutzgebiet Vilsalpsee wurde eine 3,5 m breite Strasse bewilligt: Die Tiroler Umweltanwaltschaft hat dagegen Einspruch erhoben.

Im Naturschutzgebiet Vilsalpsee wurde eine 3,5 m breite Strasse bewilligt: Die Tiroler Umweltanwaltschaft hat dagegen Einspruch erhoben.

Heidi hat den Verlust „ihres“ Froschtümpels im Artikel Biodiversität: Natur-Wunder und -Wunden beklagt. Nichts Weltbewegendes, nur ein kleiner persönlicher Schmerz. Ein grosses Umweltzerstörungsprojekt wurde kürzlich im Tirol bewilligt. Ein Felssturz am einen Ufer des Vilsalpsees diente als Anlass für ein Projekt zum Ausbau des traktorfähigen Wanderwegs auf der anderen Seite des Sees.

Das Vilsalpsee-Gebiet steht seit 1957 unter Naturschutz. Für Flora, Fauna und Vogelwelt wurden seit 1995 schrittweise neue Schutzziele formuliert, siehe Naturschutzgebiet Vilsalpsee, Wikipedia. Die geplante Strasse mit einer Fahrbahnbreite von 3,5 m würde das Landschaftsbild und den Erholungswert massiv und irreversibel beeinträchtigen, der See seinen Charakter und seinen Wert verlieren. Laichzonen und Lebensräume von Fischen sind erheblich betroffen. Strengstens geschützt sind zwar Erdkröte, Grasfrosch, Alpensalamander, -molch u.a., aber durch die Verbreiterung des Wegs und die Aufschüttung des Seeufers würden ihnen wichtige Laichplätze genommen. Während des Wegbaus ginge auf einer Länge von 630 m das gesamte „ökologische Inventar“ verloren – etwas „lebendiger“ ausgedrückt: grosses Sterben.

Die massiven Eingriffe in das Schutzgebiet sind in der Einsprache der Tiroler Umweltanwaltschaft detailliert beschrieben. Ein öffentliches Interesse besteht nicht: die Alp kann problemlos ohne Verbreiterung der Strasse bewirtschaftet werden. Eine bessere Erschliessung sei zwar nötig, aber mit mehr Rücksicht auf den geschützten Raum. Dass der Bauer die Milch mit dem Traktor hinunter fahren müsse, das sei eine Notlösung, argumentieren die Antragsteller, der Milchwagen müsse zur Alp hochfahren können. Ja, und Erholungssuchende beklagen den drohenden Verlust der „letzten begehbaren Ruhezone am Vilsalpsee“.

Tourismus, Land- und Forstwirtschaft fordern immer neue Erschliessungen auf Kosten von Natur und Schönheit. Gut gibt’s den Umweltanwalt! Der Ziegenpeter hatte Heidi auf diese Institution aufmerksam gemacht, als er in Österreich die Schweinereien vor seiner Haustür dank dem Umweltanwalt zum Verschwinden brachte, siehe Erfolgreicher Ziegenpeter. Die Schweiz hat keinen. Private Umweltorganisationen erledigen diese Arbeit – so gut’s geht und solange das (häufig attackierte) Verbandsbeschwerderecht besteht.

Wo bleibt das öffentliche Interesse, Rundschau, Oberländer Wochenzeitung, 4.9.13

Streit um Strassenprojekt am Tiroler Vilsalpsee, der Standard, 5.7.13

Initiative Wanderweg am Vilsalpsee auf facebook mit zahlreichen Fotos und Kommentaren, z.B.:

  • „Während das Eis der Gletscher mehr und mehr schmilzt, türmt sich der Eisberg der Gleichgültigkeit gegen die Naturzerstörung immer mehr auf.“
  • „Die meisten Kompromisse sind nicht die Lösung von Problemen, sondern deren Umgehung.“

17.9.13 HOME

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