Erfolgreiches EU-Projekt Mittelmeer-Diät

Vergleich zwischen der Schweizer Lebensmittelpyramide und der mediterranen.

Vergleich zwischen der Schweizer Lebensmittelpyramide und der mediterranen.

Die Eidgenössische Ernährungskommission empfiehlt uns, weniger Fleisch zu essen, und die Schweizerische Gesellschaft für Ernährung erarbeitete im August 2013 folgende Empfehlung: „Ich kaufe überwiegend pflanzliche Lebensmittel.“ Nur kam es nie zur Veröffentlichung dieses Slogans, weil offenbar „sehr unterschiedliche Rückmeldungen eintrafen“, siehe Ernährungsplattform (ERPLA) des BAG zum Thema Nachhaltigkeit, Vegi-Info 2013-4. Es ist eben immer noch so, dass an wichtigen Schaltstellen des Bundesamts für Gesundheit LobbyistInnen der Bauern und von Proviande sitzen. Das wird auch deutlich beim Vergleich der zwei Lebensmittelpyramiden. Besonders krass ist der Unterschied zwischen den Subventionsschwerpunkten und den Ernährungsempfehlungen des Bundes. Im Bundesamt für Landwirtschaft, das den Sektor regulieren sollte, gehen besonders viele Lobbyisten ein und aus. Wen wundert’s, dass die frühere Proviande PR-Frau Regula Kennel (Schweizer Fleisch – alles andere ist Beilage) jetzt in der Geschäftsleitung des Bundesamts für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen sitzt, als Leiterin Kommunikation?

In Grossbritannien und den USA haben gesundheitliche Überlegungen bereits zum Rückgang des Konsums von rotem und verarbeitetem Fleisch geführt, The real cost of meat, New Scientist 24.1.15.

Absolut gesicherte Ergebnisse über gesunde Ernährung gibt es kaum, jedoch klare Hinweise: Viele Früchte und viel Gemüse, moderat Fleisch, wenig Zucker, Salz, Fett und Alkohol. Wenn Sie nichts von Gesundheits- und Ethik-Empfehlungen halten, dann gibt es einen Punkt, so hofft Heidi, der Sie überzeugen muss: Die Umwelt. Denn, so kann es nicht mehr lange weitergehen, weder bei uns in der Schweiz, noch weltweit. Ein schon alter, aber eindrücklicher Film: The Hidden Costs of Hamburgers, Center for Investigative Reporting, youtube. Soeben ist der Umweltbericht des Bundesrats erschienen: Bundesrat verabschiedet den Schweizer Umweltbericht. Zitat: „… Über den Import trägt die Schweiz zunehmend zur Übernutzung der weltweiten natürlichen Ressourcen bei… „

Während wir SchweizerInnen weiterhin die Produktion von tierischen Nahrungsmitteln massiv subventionieren (inkl. Export an Reiche im Ausland), dies auch wenn wir tierische Produkte nur mit Mass konsumieren, entwickeln Mittelmeerländer eine gesunde und nachhaltige Ernährungsphilosophie. Sie entspricht nicht der ursprünglichen oder aktuellen Ernährungsweise all dieser unterschiedlichen Völker, es ist ein moderner Konsens von Wissenschaftlern dieser Region.

Der erste Teil des EU-Projekt Mittelmeer-Ernährung und Förderung der traditionellen Lebensmittel (Mediterranean Diet and Enhancement of Traditional Foodstuff – MedDiet) ist erfolgreich verlaufen, wie Med-Diet NEWS am 28.1.15 berichtet: The MedDiet Project Begins a Second Phase of Activities After a Successful First Year. Das Projektziel ist: Fördern des Bewusstseins für den Wert und die Philosophie der Mittelmeer-Küche. 13 Partner aus 6 Ländern nehmen teil (Ägypten, Griechenland, Italien, Libanon, Spanien und Tunesien).

Das MedDiet-Team hat auf der Basis von internationalen wissenschaftlichen Erkenntnissen ein Wissenssystem entwickelt, welches den KonsumentInnen hilft, sich gesund und nachhaltig zu ernähren. Die interaktive Mittelmeer-Lebensmittelpyramide ist ein Teil davon. Man kann diese hinterfragen. Der Anteil des Olivenöls dürfte für unsere Verhältnisse zu hoch sein. Heidi empfiehlt zudem, auch Rapsöl zu verwenden, das ein günstigeres Fettsäuremuster hat und in der Schweiz produziert wird, Empfehlung Kantonsspital Winterthur. In der mediterranen Ernährung ist Fleisch eine gelegentliche Beilage. Präsentiert werden diese Informationen sowie Nachrichten, Fotos, Videos, Newsletter auf http://www.med-diet.eu.

Öffentlichkeitsarbeit ist ein wichtiger Teil des Projekts, besonders Schulen, Gemeinden und Städte werden informiert. Eine Arbeitsgruppe hat einen Anforderungskatalog für ein „MedDiet Quality Label“ für Restaurants erarbeitet.

Was können wir daraus lernen? Die Grundprinzipien des Essens (Pyramide), saisonal und regional einkaufen sowie gemeinsam essen. Eine Illusion in einer Zeit von Mobilität, Handy und Globalisierung? Das liegt am persönlichen Lifestyle und an der Politik!

Mediterrane Ernährung, Nutzen und wissenschaftliche Grundlagen, Pharmazeutische Zeitung online.

Mediterranean diet, UNESCO Weltkulturerbe

Rezepte zur Mediterranen Küche gibt es viele, Google-Suche

29.1.15 HOME

Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

2 Antworten to “Erfolgreiches EU-Projekt Mittelmeer-Diät”

  1. osmerus Says:

    Liebe Heidi,
    so informativ Dein Artikel auch ist – als Metzgerssohn, der in seinem Leben von intensivem Fleischkonsum (esse ich immer noch gern, aber „kontrollierter“) in „Deine Richtung“ umgestellt hat, sehe ich eine Lösung doch anders. Natürlich kann eine begrenzte Menge Bürgerinnen und Bürger großen Einfluss auf bessere Ernährung haben. Insgesamt hängt uns aber doch die Erziehung „Die gute Butter …“ und die Werbung „Wir haben den Willen zum Grillen!“ an.
    Als „law-and-order-man“, der meint, der Rahmen muss erstmal stimmen, Fachlichkeit und Recht müssen von Politik und Verwaltung vorgelebt werden, sagt mein Pragmatismus: So lange die beiden Pyramiden Subvention // Ernährungsempfehlung so divergieren und „das Geld“ klar die Sprache für billiges Fleisch, billigen Zucker und Alkohol spricht, wird sich leider wenig ändern. – Dies um so mehr, als eine andere „Sprache des Geldes“ ebenfalls krass dagegen steht: Verbraucherzentralen stehen in hartem Überlebenskampf, im reichen Hamburg wurde nach dem PR-Jahr 2011 „Hamburg ist Umwelthauptstadt Europas“ die überaus erfolgreiche und anerkannte bürgernahe Umweltberatung in den Bezirksämtern abgeschafft (war insbesondere der Nicht-Umwelt-Partei SPD mit ihrer einseitigen Wirtschaftsnähe schon immer ein Dorn im Auge!). Die public relation-Fahne wird gleichwohl weiter geschwenkt.
    Besseres wünscht sich
    Osmerus

    • Heidi Says:

      Lieber Osmerus
      Natürlich hast du recht. Sag das unseren Steuermännern und -frauen in Bern. Ich hätte auch noch über die importierte Umweltverschmutzung schreiben können, aber das hat wenigstens der Bundesrat in seinem soeben publizierten Umweltbericht getan, den ich nachträglich im Artikel verlinkt habe. Solche Berichte sind immer schön, aber danach gehandelt wird selten. Zum Beispiel ist in einer angehängten Publikation das Folgende zu lesen:

      „In den Jahren 2010–2012 belastete die Schweizer Landwirtschaft die Luft durchschnittlich mit jährlich rund 48 000 Tonnen Stickstoff in Form von Ammoniak (→ BAFU 2014d). Umweltverträglich wären jedoch 25 000 Tonnen (→ BAFU 2008). Ammoniak ist eine wichtige Vorläufersubstanz für die Bildung von Feinstaub und trägt wesentlich zur Überdüngung und Versauerung von natürlichen Ökosystemen bei.“

      Geld: Was passiert, wenn der Geissenpeter keine Subventionen mehr bezieht und einen kostendeckenden Preis für das Fleisch seiner Ziegen verlangt? Die Leute kaufen dann beim Coop aus Deutschland importiertes Fleisch. Der Geissenpeter schreibt verzweifelt Herrn Sesemann nach Frankfurt. Dieser kauft das „würzige Bergweidefleisch“ und verkauft es mit hohem Gewinn an seine Geschäftsfreunde, denn diese merken nicht, dass auch importiertes Kraftfutter drin steckt. Weil der Almöhi gegen die moderne Fütterung ist, sind die Diskussionen über die „richtige“ Fütterung der Raufutterverzehrer auf der Heidi-Alp endlos.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: