Pestizide: Verlorene Zeit, verlorenes Geld

Vor dem Hauptsitz von Monsanto (für die Region Europa, Afrika und den Mittleren Osten) in Morges VD demonstrierten am Samstag 1600 Personen.  Weitere Demonstrationen fanden in Basel und Bern statt. Copyright PANSWISS. http://panswiss.org/

Vor dem Hauptsitz von Monsanto (für die Region Europa, Afrika und den Mittleren Osten) in Morges VD demonstrierten am Samstag 1600 Personen. Weitere Demonstrationen fanden in Basel und Bern statt. Copyright PANSWISS. http://panswiss.org/

Die Geschichte wiederholt sich: Ein neues Gift gegen Unkraut oder Schädlinge, Hurra! Die Daten sind super, kaum Nebenwirkungen bei korrekter Anwendung, baut sich schnell ab, klammert sich im Boden an Tonmineralien, wird nicht ausgewaschen … Nach Jahren oder Jahrzehnten kommen Zweifel auf. Es wird geforscht: Ach, es schädigt die Krebslein im Bach! Nicht so schlimm, das sieht niemand, und es braucht „richtige“ Beweise … Ein einmal bewilligtes Pflanzenschutzmittel ist nicht so leicht wieder aus der Welt zu schaffen. Der Erfinder und Produzent droht mit Klage, die Bauern jammern …

30 Polizisten schützten das Monsanto-Areal. Copyright PANSWISS.

30 Polizisten schützten das Monsanto-Areal. Copyright PANSWISS.

Ämter und Regierungen warten ab oder ziehen gar falsche Schlüsse aus Studien, wie das Beispiel der Schädigung von Bienen durch Neonicotinoide in Grossbritannien zeigt. Die Forscherin Helen Thompson der Food and Environment Research Agency (Fera) sah (fälschlicherweise oder eher absichtlich?) keine klare Beziehung zwischen Pestizidrückständen und Gesundheit der Bienen; sie hat inzwischen von der Fera zu Syngenta gewechselt! UK drew wrong conclusion from its neonicotinoids study, scientist says, The Guardian, 26.3.15.

Mit Musik gegen Gift. Copyright PANSWISS.

Mit Musik gegen Gift. Copyright PANSWISS.

Der Wunsch der Bevölkerung nach Pestizide-freien Produkten und sauberem Wasser wächst, siehe z.B. Petition Gesundes sauberes Wasser für alle. Angesichts der aktuellen Lage und des drohenden Verbots von Glyphosat hat die chemische Industrie ihre Werbung ausgebaut und eine Informationsplattform aufgeschalten: Pflanzenschützer.ch geht online! 29.4.15. Sie wird von scienceindustries betrieben, dem Wirtschaftsverband Chemie Pharma Biotech. Der neueste Artikel: Glyphosat: keine Belege für schädliche Gesundheitsauswirkungen in der Praxis, 19.5.15.

Coop hat Glyphosat bereits aus dem Sortiment genommen, Migros wird in den nächsten Tagen dasselbe tun, siehe Glyphosat: Die Branche reagiert schneller als der Bund, SRF vom 19.5.15. Die Landi verkauft zwar weiterhin Produkte mit Glyphosat, wird sie aber langfristig ebenfalls aus dem Sortiment nehmen. Einmal mehr zeigt sich, dass Zeitzeichen von Nicht-Regierungsstellen gesetzt werden.

Gut bewachte Demonstrantinnen. Copyright PANSWISS.

Gut bewachte Demonstrantinnen. Copyright PANSWISS.

Wie würde unsere Landwirtschaft heute aussehen, wenn konsequent für eine gewässer-, boden- luft-, fauna- und menschenschonende Produktion geforscht worden wäre? Und zwar in der Industrie gleichermassen wie in den von uns Steuerzahlenden finanzierten Institutionen? Viel umweltfreundlicher, meint Heidi, und wir hätten Zeit und Geld gespart. Eigentlich ist die heute weit verbreitete Produktionsweise mit Pestiziden unverständlich, denn die schädlichen Auswirkungen waren schon vor vielen Jahrzehnten bekannt, die mögliche Resistenzbildung gar schon im 19. Jahrhundert (in den USA 1908, siehe San Jose scale > Management, Washington State University).

Organisationen und Private fordern eine Reduktion des Pestizid-Einsatzes, doch der Widerstand ist gross. Was tun? Hartnäckig eine Pestizid-Wende fordern! Nicht nur einen vagen Reduktionsplan.

No comment! Copyright PANSWISS

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25.5.15 HOME

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2 Antworten to “Pestizide: Verlorene Zeit, verlorenes Geld”

  1. Christine Dobler Gross Says:

    Danke, Heidi! Einfach toll immer wieder, deine fundierte Berichterstattung und Dein ungebrochener Kampfgeist. Es ist ansteckend…..

  2. Franz Says:

    Guten Tag Heidi,

    Siehe http://www.pro-beef.ch infos

    Wir haben Insider infos auf unserer Homepage Betreff Herbizid Anwendung in Palmölplantagen in Malaysia und Indonesien aufgeschaltet.

    Der wahre Skandal dort ist nicht das „Landgrabbing“ und Abholzungen, sondern was nachher passiert, Herbizidanwendungen (auch Paraquat – Grammaxon) in unglaublichen Mengen.

    Zur Info. Ich habe von 1979 bis 1991 in verschiedenen Ländern Südamerikas und Asien als Landw. Experte gearbeitet. In Peru lebten wir am Rande einer Baumwollplantage, die regelmässig mit Pestiziden (Bleiarsen etc.) besprüht wurde. Meine Frau war damals schwanger und den Pestiziden ausgesetzt. Wir erkannten die Gefahr der Pestizide damals noch nicht, es waren ja alle „harmlose“ Mittel! Unser jetzt 30-jähriger Sohn hat eine geistige Behinderung, die Ursache konnte nicht geklärt werden. Wir vermuten, dass die Pestizide, denen meine Frau und ich während der Schwangerschaft und Stillen ausgesetzt waren, die Ursache ist. Es gibt darüber Berichte und Studien. Seine Behinderung ist in etwa gleich wie bei einem Kind das während der Geburt zu wenig Sauerstoff erhalten hat, er arbeitet in einer geschützten Werkstatt.

    Mit den besten Grüssen,

    Franz J. Steiner

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