Sperrfristen Güllen im Winter: Schweiz NEIN, EU JA

Sommergülle-Wirbel

Sommergülle-Wirbel

Eigentlich wollte Heidi dieses Jahr zum ersten Mal nichts schreiben über gute landwirtschaftliche Praxis beim Güllen im Herbst bzw. genügend grosse Güllegruben, denn ihre folgenden Artikel werden laufend gelesen

… doch im Postfach liegt seit dem 9.11.15 ein Brief aus Deutschland mit dem Gedicht von Gerhard Laukötter Sperrfristen. Und immer noch sieht Heidi Güllefässer unterwegs. Auch in den Bergen wurde, wie jedes Jahr, Gülle „unter den Schnee gelegt“, wo doch die wertvollen Futterpflanzen Ruhe bräuchten, um den Winter gesund zu überstehen. Laukötter beschreibt so schön das, was im Boden mit der unsachgemäss ausgebrachten Gülle geschieht, dass Heidi ein paar Verse für Sie, liebe Leserinnen und Leser, herausgepickt hat.

Sperrfristen

… Bis Mitte November darf auf Grünlandflächen
die deftige Sprache der Düngung noch sprechen.
Die Güllebunker müssen für den Winter geleert.
Das widrige Wetter eine späte Ausfuhr versperrt.

… Die Gülle ist ratlos – keiner kann sie jetzt brauchen.
Da muss sie ganz tief ins Grundwasser abtauchen.

… Der Stickstoff wird heimatlos, irrt hin und her
und macht es dem Umweltschutz ziemlich schwer.

… Einem schlafenden Gast ein üppiges Mahl zu bereiten,
gehört in dieser Branche zu den Üblichkeiten.
In einer Woche ist das Gülleaufbringen verboten.
Wollt ihr noch mehr von solchen Anekdoten?

Ja, natürlich, lieber Dichter! Hier der Link zum vollständigen Gedicht
Sperrfristen. Die Lektüre lohnt sich.

26.11.15 HOME

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4 Antworten to “Sperrfristen Güllen im Winter: Schweiz NEIN, EU JA”

  1. Spinatbueb Says:

    Ich habe kürzlich gelesen, Gülle sei eigentlich Sondermüll, der die Gewässer belastet. Und die Landwirte dürfen ihn legal „entsorgen“, indem sie ihn auf den Feldern verteilen. Sehen Sie das auch so?

    • Heidi Says:

      Lieber Spinatbueb
      Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland bezeichnete 2010 Gülle als Sondermüll, und zwar Gülle aus industriell betriebenen Schweinemastanlagen und anderen Massentierhaltungen. Diese sei hochgradig mit Hormonen, Arzneimitteln und Desinfektionsmitteln verseucht und müsste eigentlich als Sondermüll entsorgt werden.
      Grundsätzlich ist Gülle ein wertvoller Dünger. Auch bei uns gibt es (zu viele) intensiv produzierende Schweine-, Kälber- und Rindviehmastbetriebe. Wo das Wohlbefinden der Tiere kein Thema ist, sie nicht an die frische Luft und Sonne dürfen, da häufen sich Krankheiten, und entsprechend viel Antibiotika usw. werden eingesetzt. Antibiotikaresistenz entsteht, resistente Keime gelangen mit der Gülle in die Umwelt, übertragen die Resistenz auf harmlose Bakterien wie Bodenbakterien …
      Weil viel Kraftfutter importiert wird, gibt es auch zu viel Gülle. Das ist vor allem in Betrieben ein Problem, die neben der Viehwirtschaft keinen Ackerbau betreiben. Zwar müssen die Bauern eine Nährstoffbilanz für den Betrieb führen, aber diese kann einfach gefälscht werden, was – wie ich kürzlich gehört habe – zunehmend der Fall ist. Eigentlich sollte ich schon lange darüber schreiben! Sempacher- und Hallwilersee sind nicht sauberer geworden, weil die Bauern rundherum besser wirtschaften, sondern weil die Gülle mit (unseren) Steuergeldern abtransportiert wird, siehe 30 Jahre Sempachersee-Sanierung
      https://heidismist.wordpress.com/2013/12/28/30-jahre-sempachersee-sanierung/
      Auch Zusätze in Futtermitteln wie Kupfer und Zink belasten über die Gülle die Umwelt…
      Häufig werden die Pufferstreifen an Bächen nicht eingehalten, es wird auf Schnee gegüllt oder auf nassen oder gefrorenen Boden, so dass dann Gülle abgeschwemmt wird oder versickert und in Gewässer, auch ins Grundwasser, gelangen kann.
      Man darf die Gülle nicht in Bausch und Bogen verdammen, vielmehr muss man von unseren Bauern verlangen, dass sie tier- und umweltfreundlich wirtschaften UND DIE GESETZE EINHALTEN, denn dafür bezahlen wir jährlich mehr als drei Milliarden Franken.
      Daran müssen wir arbeiten, denn offenbar ist eine gute landwirtschaftliche Praxis nicht selbstverständlich.
      Ich bleibe dran!
      Herzliche Berggrüsse
      Heidi

      • Spinatbueb Says:

        Danke für die ausführliche Antwort und für deinen Einsatz! *Daumen hoch*

      • Heidi Says:

        … übrigens hat das Bundesamt für Gesundheit (BAG) am 18.11.15 die Schweizer Antibiotika-Strategie veröffentlicht.
        Damit Antibiotika auch morgen noch wirken
        Antibiotikaresistenzen nehmen zu – auch in der Schweiz. Der Bund geht das Problem nun mit einer nationalen Strategie an. Diese beinhaltet 35 Massnahmen in acht Handlungsfeldern. Die Umsetzung erfolgt wie die Erarbeitung zusammen mit den Kantonen und weiteren wichtigen Akteuren.“
        Hier findest du die Details dazu. Natürlich wehren sich zum Teil Bauern und Tierärzte (Verdienst: Antibiotika-Verkauf soll gesenkt werden). Die Umsetzung wird noch viel zu reden geben, doch die Bio-Bauern erarbeiten eine gute Strategie für die Kälbermast.
        http://www.bag.admin.ch/themen/medizin/14226/index.html?lang=de
        Grüsse von Heidi

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