Glyphosat: Hat Bern das Vorsorgeprinzip vergessen?

Weise Entscheide für eine lebenswerte Zukunft: Heidi empfiehlt den Bundesbehörden das Studium der Agenda 21.

Weise Entscheide für eine lebenswerte Zukunft: Heidi empfiehlt den Bundesbehörden das Studium der Agenda 21.

Die Glyphosat-Debatte ist hitzig, dauert an. „Im Kern geht es ums Vorsorgeprinzip: Gehört ein Wirkstoff verboten, solange nicht zweifelsfrei nachgewiesen ist, dass er unbedenklich ist? Oder soll er zugelassen bleiben, solange nicht sicher belegt ist, dass er ein Risiko darstellt?“ Diese Fragen stellte Stefan Häni im Tages Anzeiger vom 13.2.16, Bundesrat will importierte Esswaren auf Glyphosat prüfen.

VerbotsgegnerInnen vergleichen gerne den Gegenstand des Verbots mit Tabak und Alkohol, weil davon viele KonsumentInnen betroffen wären, auch ParlamentarierInnen und Bundesbeamte. Obwohl beide Stoffe nachgewiesenermassen gesundheitsschädigend sind, wäre ein solches Verbot gar nicht denkbar mit Blick auf die Prohibition in den Vereinigten Staaten. Einen Schadstoff mit einem Genuss(Sucht-)mittel zu vergleichen ist ein NoGo, meint Heidi. Nebenbei gesagt: Wir fördern mit Steuergeldern den Anbau von Tabak und „Alkohol-Pflanzen“ wie Reben.

Die Antwort auf Hänis Fragen ist einfach. Sie steht in der Agenda 21, dem Konsenspapier für eine globale nachhaltige Entwicklung. Am UNO-Gipfel für Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro im Jahre 1992 hat auch die Schweiz dieses Dokument unterzeichnet. Und seit 1999 steht in der Bundesverfassung, dass die Schweizerische Eidgenossenschaft die nachhaltige Entwicklung fördert.

Wissenschaft im Dienst der nachhaltigen Entwicklung

Agenda 21, Kapitel 35 Absatz 3: „Angesichts der Gefahr irreversibler Umweltschäden sollte ein Mangel an vollständiger wissenschaftlicher Gewissheit nicht als Entschuldigung dafür dienen, Maßnahmen hinauszuzögern, die in sich selbst gerechtfertigt sind. Bei Maßnahmen, die sich auf komplexe Systeme beziehen, die noch nicht voll verstanden worden sind und bei denen die Folgewirkungen von Störungen noch nicht vorausgesagt werden können, könnte der Vorsorgeansatz als Ausgangsbasis dienen.“

Die Feldsaison naht.
Dürfen die Bauern weiterhin Glyphosat auf die Äcker sprühen?
In den Grundwasserschutzzonen?
Direkt neben Trinkwasserfassungen?
Ist das Vorsorge?
Ist das nachhaltig?
Verfassungskonform?
Rio-konform?
Oder eher industriefreundlich?
SBV-bauernfreundlich?

Nachtrag vom 16.2.16: Der Geissenpeter meldet: „Ich habe einmal bei einem Lohnbrenner gearbeitet. Gewisse Bauern liessen regelmässig grosse Mengen Schnaps illegal und an den Steuern vorbei brennen. Das hat ihn jeweils auf die Palme gebracht; an solchen Tagen war er unausstehlich. Aber was sollte er machen? Sein Gewerbe mit einer Anzeige ruinieren?

Was der Siegfried aus Deutschland in seinem Kommentar schreibt, ist auch wichtig.“

(Ex-)Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf an der DistiSuisse-Prämierung 2015, Agroscope-Videos youtube.

15.2.16 HOME

 

 

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2 Antworten to “Glyphosat: Hat Bern das Vorsorgeprinzip vergessen?”

  1. Siegfried Gendries Says:

    Glyphosat – in der EU ein Politikum höchsten Grades. Bei der Wiederzulassung muss sich das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung BfR, das Berichterstatter in dem Wiederzulassungsverfahren war, bestenfalls gegen Dilettantismusvorwürfe wehren http://m.mdr.de/fakt/fakt-glyphosat-bfr-bewertung102.html#mobilredirect. Es gibt nämlich wissenschaftlich neutrale Studien, die eine höhere Kanzerogenität nachgewiesen haben. Das BfR soll sich vorrangig auf Industriestudien bezogen haben. Aber es geht noch schlimmer: Wer TTIP kritisch sieht, der wird bei Glyphosat wegen laxerer Grenzwerte für Trinkwasser in den USA in Schockstarre fallen. Keine schönen Aussichten.

    • Heidi Says:

      Lieber Siegfried
      Danke für die Ergänzungen. Ja, und wenn wir nicht gegen TTIP ankommen, dann werden unsere Umweltschutz-Bemühungen ins schon schmutzige Wasser gekippt.
      Grüsse nach Deutschland
      Heidi

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