Weniger Pflanzenschutzmittel dank Ernteversicherung und besserer Spritztechnik

Frankreich ist europäische Spitze beim Verbrauch von Pestiziden. Anfang 2015 setzten die Behörden ein ehrgeiziges Ziel: Reduktion des Pestizideinsatzes bis 2020 um 25% und bis 2025 um 50%.

Frankreich ist europäische Spitze beim Verbrauch von Pestiziden. Anfang 2015 setzten die Behörden ein ehrgeiziges Ziel: Reduktion des Pestizideinsatzes bis 2020 um 25% und bis 2025 um 50%.

In Frankreich ist der Einsatz von Chemie in der Landwirtschaft gross. Besonders im Rebbau werden Chemikalien in riesigen Mengen ausgebracht, denn sie sind billig und flexibel zu handhaben: 14% der Mittel auf nur 4% des Landwirtschaftslands! Die vielfältigen Belastungen der Umwelt durch die Landwirtschaft und die Allgemeinheit wurden ernst genommen. Die französischen Behörden schufen 2009 ein Gesetz, die Grenelle I (Grenelle de l’environnement). Ein Jahr später folgte die Grenelle II, in welcher das Umwelt-Engagement mit Verpflichtungen und Verboten konkretisiert wird.

Forschende der Université Grenoble Alpes wollten die Gründe kennen, welche ausschlaggebend sind für einen hohen Pestizideinsatz. Sie untersuchten von 2002 bis 2007 den Pflanzenschutzmittel-Verbrauch von 607 Weinbaubetrieben. Den höchsten Verbrauch stellten sie in den Regionen mit „appellation de qualité“ fest: Aquitaine, Burgund und Elsass. Im Jahre 2007 untersuchten sie in 106 Betrieben die Dosiermenge. Verglichen wurde die vom Winzer angegebene Dosierung mit der maximal erlaubten. 45% der Rebbetriebe arbeiten gemäss Eigendeklaration mit zu hohen Dosierungen, 10% überdosieren sogar stark, während 55% nie unerlaubt hohe Dosierungen anwenden.

Die Resultate:

  • Pestizidanwendungen sind negativ mit der Betriebsgrösse korreliert.
  • Hohe Umsätze und Gewinne sind mit intensiverem Pestizidgebrauch verbunden.
  • Berühmte Rebsorten werden mit mehr PSM geschützt.
  • Auch ungünstiges Klima fördert den PSM-Einsatz (Krankheiten).
  • Alte Sprühgeräte führen zu PSM-Überdosierung.


Reduktion des PSM-Verbrauchs im Rebbau

Die Studie zeigt zwei Wege zur Einschränkung von PSM im Rebbau auf. Erstens könnte eine Ernteversicherung Winzer zu umweltverträglicherem Handeln motivieren. Einsatz von PSM nur dann, wenn aufgrund der Bedingungen mit einem Schaden zu rechnen ist; tritt ein solcher trotzdem ein, dann zahlt die Versicherung den Verlust. Eine bessere Dosierung mittels modernstem Spritzmaterial ist ein zweiter Weg zur Senkung des PSM-Einsatzes; diesbezüglich besteht nicht nur in Frankreich, sondern auch in der Schweiz Handlungsbedarf. Beide Massnahmen sind rasch umsetzbar, meint Heidi.

Geoffroy Enjolras von der Université Grenoble Alpes ist vom 14. bis 16.3.16 Gast in der Gruppe Agricultural Economics and Policy der ETHZ . Er informiert am 14.3.16 über einen Teil seiner Forschung in diesem Bereich. Mehr Informationen zu gegebener Zeit unter diesem Link.

Weitere Informationen in Französisch: Les déterminants de l’us et de l’abus des pesticides : Les enseignements à retirer du secteur viticole français, Agrarpolitik Blog, 8.3.16

Aubert, M., et Enjolras, G. (2014), “The Determinants of Chemical Input Use in Agriculture: A Dynamic Analysis of the Wine Grape–Growing Sector in France”, Journal of Wine Economics, Vol. 9, N°1, pp. 75-99.

Aubert, M., et Enjolras, G. (2014), “Between the approved and the actual dose. A diagnosis of pesticide overdosing in French vineyards”, Review of Agricultural and Environmental Studies, Vol. 95, N°3, pp. 327-350

9.3.16 HOME

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