Heidi und der betrügerische Kaminfegermeister

Lachend unterschrieb der Kaminfegermeister die Bestätigung mit den betrügerisch verrechneten Posten, die ihm Heidi vorlegte.

Lachend unterschrieb der Kaminfegermeister die Bestätigung mit den betrügerisch verrechneten Posten, die ihm Heidi vorlegte.

Da war er nun, der Kaminfegermeister. Zum ersten Mal sah ihn Heidi, denn seine Arbeiter erledigten Jahr für Jahr die Arbeit. Strahlend trat er in die Küche, den Meter schwingend. Doch Heidi bremste ihn, legte dem lachenden Mann eine Bestätigung vor und drückte ihm einen Kugelschreiber in die Hand. Zuerst solle er unterschreiben und damit bestätigen was er Heidi alles ungerechtfertigt verrechnet hatte:

  • Regiearbeiten, welche nicht geleistet wurden
  • Kleinmaterial, das nicht existiert
  • Kachelofen mit sechs statt mit drei Zügen
  • Zentralheizungsherd über 20 statt unter 20 kWh

Nicht zu glauben, aber er unterschrieb ohne zu zögern! Dann nahm er die Deckel zu den drei Zügen weg und vermass sie, denn die Züge sind für ihn nicht die Züge, sondern die Länge der Züge in Metern. Dass dem nicht so ist, hatte Heidi schon im Internet gelesen; derselben Meinung war auch ein Kontrolleur der Brandschutzstelle der Gebäudeversicherung Graubünden (GVG). Die GVG schrieb: „Diese Berechnungsmethode und Verrechnungspraxis entspricht nicht dem Kaminfegertarif und ist aus der Sicht der GVG nicht korrekt.“

Der Kaminfegermeister lachte dauernd, was Heidi gewaltig nervte: „Sie haben mich Jahr für Jahr betrogen: Das ist nicht zum Lachen!“ Der Kaminfegermeister: „Wissen Sie, das ist eine dreckige Arbeit. Es ist ganz normal, dass ich Ihnen mehr verrechne. Was haben Sie gearbeitet? Sicher haben Sie mehr verdient als ich.“ Und schon lachte er wieder!

Noch nie hat Heidi diesen Mann in Arbeitskleidung gesehen. Aufgrund der Taxpunkte, welche Minuten bedeuten, schätzte sie den Stundenlohn, verglich ihn mit jenem des Elektrikers und kam zum Schluss, dass der Kaminfegermeister keinen Grund zur Klage hat. Wenn auch, als ehemaliger Vize-Präsident des Bündner Kaminfegermeister-Verbands hätte er ja Einfluss auf den Tarif nehmen können.

Tatsächlich hat der Kaminfegermeister gut Lachen, denn was passiert ihm schon? Einen anderen Kaminfeger wählen? Das ist nicht möglich, denn der Kaminfeger wird in Graubünden von Amtes wegen zugeteilt. Eine Rechnung muss innert 30 Tagen bei der GVG beanstandet werden. Die Betrügereien liegen grösstenteils mehr als fünf Jahre zurück, also sind sie verjährt. Wer klagt schon den Kaminfegermeister ein wegen eines so kleinen Betrags?

Heidi stellt die Frage: „Riskiert der Kaminfegermeister seinen Ruf indem er einen einzigen Kunden betrügt? Oder betrügt er auch andere?“

Aus der Stellungnahme der GVG: „Die GVG erwartet, dass der Kaminfeger die Kundschaft über den Mehraufwand (vorgängig, vor Ort) informiert, für spätere Rückfragen rapportiert und auf der Rechnung separat ausweist.“ Was sagte der Kaminfeger-Arbeiter: „Die Verschmutzung war nicht übermässig, weshalb es auch keine Rapporte gibt.“

„Das Kleinmaterial macht der Chef!“ antwortete ein anderer Kaminfeger auf Heidis Frage. Alles klar? Und der Posten „Administration“? Was meint der GVG dazu: „Administrationskosten sind in den tarifierten Kosten bereits enthalten. Kleinmaterial, welches zusätzlich zum üblichen, zeitgemässen Arbeitsmaterial der Kaminfegerarbeit verwendet wird, kann aus Sicht der GVG der Kundschaft verrechnet werden – es gilt auch hier der Grundsatz der Information gegenüber der Kundschaft und Transparenz in der Rechnungstellung.“

Mehr als 500 Franken verrechnete der Kaminfegermeister Heidi ungerechtfertigt. Hätte sie nicht schon früher einmal reklamiert, dann betrüge der Deliktbetrag jetzt 1’500 Franken. Im Weltvergleich ein kleiner Betrüger, aber trotzdem ärgerlich.

Im Gegensatz zu Heidi ist die GVG zuversichtlich: „Wir bedauern, dass auf den Rechnungen von Herrn X nicht alle Kosten korrekt ausgewiesen wurden und werden diesbezüglich das Gespräch mit ihm persönlich noch führen. Trotz der Fragen, welche die Kaminfegerrechnungen aufgeworfen haben, haben wir Herrn X in den letzten Jahren als sehr gewissenhaften und zuverlässigen Kaminfegermeister erlebt…“

Den Kaminfegertarif erhält man nicht einfach so. Auf der Homepage des Bündner Kaminfegermeister-Verbands ist er jedenfalls nicht zu finden. Heidi hat ihn im Internet aufgespürt. Wer kein Internet hat? Bei der GVG verlangen: 081 258 90 00! Es lohnt sich also, die Rechnungen sorgfältig gemäss Tarif zu kontrollieren und allenfalls von der GVG überprüfen zu lassen. Für alle Fälle: Hier der aktuelle Bündner Kaminfegertarif.

Der Kaminfegermeister ist nicht untätig: Die 2. Mahnung seiner letzten Rechnung liegt vor Heidi. Nach soviel Aufwand die erste korrekte Rechnung. Was tun?

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6 Antworten to “Heidi und der betrügerische Kaminfegermeister”

  1. dahartmann Says:

    Wusst ich’s doch! Das mit dem „Glück bringen“ ist auch nur Betrug…

    • Heidi Says:

      Jetzt musste ich laut lachen. Wie immer: Du hast recht! Obwohl der Kaminfeger einmal in einer Zeitung explizit als Glücksbringer gefeiert wurde. Du weisst ja, die Medien!

  2. meditabondo Says:

    Ein Tarifpunkt entspricht einer Minute Aufwand nach Richt- resp. Vorgabezeiten. Wird die Richtzeit bei übermässigen oder unterdurchschnittlichen Anlagen bedingten Verschmutzungen um mehr als 20%, mindestens aber 10 Minuten unter- oder überschritten, so ist nach effektivem Zeitaufwand abzurechnen…

    Das unterschreiten der Richtzeiten dürfte keine Ausnahme sein. Trotzdem werden – so meine Einschätzung – Korrekturen zu Gunsten des Kunden kaum angewendet. Dies zumindest unsere Erfahrung.
    (Differenz von ca. 40%!)

    Anderseits habe ich vom Kaminfegermeister auch schon von Leistungen vor Ort profitieren dürfen, für die er mir keine Rechnung gestellt hat.

    Die Monopolisierung wird begründet mit Sicherheit, was absolut lächerlich ist. Monopolisierung verhindert in diesem Fall lediglich Wettbewerb. Dies ist jedoch lediglich meine Meinung.
    Hätte der Kunde die Wahl, auch nur zwischen zwei konzessionierten Kaminfeger, würden sich letztere 2 mal überlegen solche Praktiken anzuwenden. Vorausgesetzt sie sind Konkurrenten und diese sich nicht absprechen.

    Dort wo Monopolisierungen m. E. dringend angebracht wäre wird sie kaum je angewendet. Da wirtschaftlicher Wachstum und Umsatzsteigerung gegenüber Schutz (Konsumenten, Gesundheit und Umwelt) leider immer bevorzugt wird.

    • Heidi Says:

      Danke für die Stellungnahme. Heidi hat einen anderen Kaminfeger gefunden. Ein Gesuch zum Wechsel an die Brandschutzstelle der Gebäudeversicherung Graubünden war erfolgreich. Aber nicht alle Kaminfeger sind bereit einzuspringen!

  3. reimmann Says:

    Mit Interesse Ihren Beitrag zum nicht ganz so astreinen Kaminfegerwesen in GR gelesen! Vielen Dank für die ‚Enthüllungen‘. Frage: Wie erkennt man ob ein Kachelofen 3 oder 6/7 Züge hat? Stehen vor der gleichen oder aber ähnlichen Fragestellung. Für die Reinigung eines Kachelofens zur Beheizung eines einzigen Raumes (d.h. ohne jegliche Abgänge in andere Räume) wurden früher 5 zusätzliche Züge verrechnet, seit einiger Zeit sind es plötzlich – ohne jegliche Änderung vor Ort – 6 zusätzliche Züge. GVG konnte (oder aber wollte!) nicht erklären, was ein Zug (oder aber Züge) sind! Auch unnötige Zusatzkosten werden ohne vorherige Absprache, etc., verrechnet. Neuerdings ohne Detaillierung, wohl damit es nicht so auffällt!

    Kaminfegerwesen in Luzern: das bisherige Monopol ist gefallen; ab 1. Juli 2019 kann der Kaminfeger selbst gewählt werden; und siehe da, ab sofort sind die Kosten um knapp 2/3 gefallen! Erst jetzt kann man erkennen, wie die Bürger betrogen wurden! Vorher: Besuch des Kaminfegers pünktlich jedes Jahr mit angeblicher Ausführung eines teuren ‚Total-Reinigungsprogramms‘, obwohl gemäss Vorschrift nur alle 2 Jahre eine Kontrolle mit evtl. Reinigung nötig wäre! Verrechnung von nicht abgesprochenen Zusatzkosten noch + noch. All die verrechneten Kostenpositionen konnten innerhalb der mieterseits rapportierten 10-15 Minuten auf der Anlage gar nicht ausgeführt werden – Abzocke à-gogo… Die Monopole müssen fallen – tout-de-suite!

    Danke für Ihre Antwort wie man auf die Spur zuviel verrechneter Züge kommen kann. Freundliche Grüsse

    • Heidi Says:

      Inzwischen weiss ich, dass wir nicht die einzigen Geprellten sind. Offenbar muss man den Kaminfegern auf die Finger schauen. Wir haben jetzt mit dem Einverständnis des Amts den Kaminfeger wechseln dürfen, obwohl uns EINER von Amtes wegen zugewiesen war. Der neue ist sehr nett und ehrlich, rechnet korrekt, kostet aber trotzdem mehr (korrekt berechnet!), weil der Weg länger ist.
      Wie bestimmt man die Züge? Ich habe damals ausgiebige Recherchen im Internet gemacht und bin auf dasselbe Ergebnis gekommen wie das zuständige Amt in Graubünden, denn ein Angestellter ist bei uns vorbeigekommen und hat alles kontrolliert. Man nimmt die Abdeckungen weg, die zu den Zügen führen. Diese muss der Kaminfeger entfernen, wenn er putzt. Dann sieht man den oder die Kanäle oder Züge. Bei uns sind es zwei Öffnungen. Bei einer Öffnung ist 1 Kanal und in der zweiten 2 Kanäle: Der Ofen hat also 3 Züge. Genau so rechnet auch unser Ofenbauer und die Leute auf dem Internet, die ich gefunden habe.
      Offenbar ist es so, dass Kaminfeger die Züge anders als das Amt berechnen möchten, und zwar möchten sie lieber die Anzahl Meter verrechnen statt die Anzahl der Kanäle. Aber diese Rechnungsweise ist nicht reglementskonform. Trotzdem wendete unser früherer Kaminfeger diese Methode an.
      In der Regel braucht der Kaminfeger weniger Zeit als für das Reinigen an Punkten vorgesehen ist. Bei starkem Unterschreiten der Zeit dürfte er eigentlich nicht die volle Punktzahl verrechnen, aber das tun wohl die wenigsten. Wenn sie dann länger haben, dann kommt der Zuschlag sicher!
      Ich hoffe, dass dies weiterhilft. Viel Erfolg!

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