Das Ende der Maya: Wasserknappheit kann Kulturen zerstören

Warum wurden nach der "klassischen Periode" keine Maya-Tempel mehr gebaut? Copyright: Thomas Oudega

Warum wurden nach der „klassischen Periode“ keine Maya-Tempel mehr gebaut? Copyright: Thomas Oudega

An der Technischen Universität (TU) Wien werden Rechenmodelle entwickelt, in denen gesellschaftliche und hydrologische Effekte analysiert werden. Das bringt nicht nur Einblicke in alte Kulturen, sondern auch in unsere eigene Zukunft.

Niedergang der Maya

Innert kurzer Zeit erlebte die blühende Hochkultur der Maya einen Einbruch. Der Grund ist bis heute umstritten, eine mögliche Erklärung liefern nun Modellrechnungen der TU Wien: Die Bewässerungstechnik, die den Maya in Dürrezeiten oft wichtige Dienste geleistet hat, könnte die Gesellschaft verwundbarer gegenüber grossen Katastrophen gemacht haben.

Daraus könnten wir für unsere Zeit wichtige Schlüsse ziehen: Man muss mit natürlichen Ressourcen sorgsam umgehen – wenn technische Massnahmen bloss die oberflächlichen Symptome einer Ressourcenknappheit bekämpft, ohne dass man das Verhalten anpasst, wird die Gesellschaft verwundbar.

Ein neues Forschungsgebiet: Die Sozio-Hydrologie

Linda Kuil, Dissertantin von Prof. Günter Blöschl, TU Wien: „Das Wasser beeinflusst die Gesellschaft und die Gesellschaft beeinflusst das Wasser. Der Vorrat an Wasser bestimmt, wie viel Nahrung zur Verfügung steht, und beeinflusst somit das Bevölkerungswachstum. Umgekehrt wird bei einer Bevölkerungszunahme auch in den natürlichen Wasserkreislauf eingegriffen – etwa durch den Bau von Wasserreservoirs.“

An der TU Wien versucht man, die Wechselwirkungen zwischen Soziologie und Hydrologie in mathematische Modelle zu fassen, z.B. Zusammenhang zwischen Wasserknappheiten in jüngerer Vergangenheit und dem gesellschaftlichen Willen, neue Wasserreservoirs zu bauen. So entstand das Forschungsgebiet der Sozio-Hydrologie.

Fluch und Segen der Wasserreservoirs

Das Modell zeigt, dass Wasserreservoirs tatsächlich helfen, kleinere Dürreperioden gut zu überstehen. Während die Maya-Bevölkerung in der Simulationsrechnung ohne Reservoirs nach einer Dürre zurückgeht, kann sie mit geeigneten Wasservorräten immer noch weiterwachsen. Das macht aber die Population in bestimmten Fällen verwundbar: Das Verhalten bleibt gleich, der Wasserbedarf pro Kopf wird nicht gesenkt, aber die Bevölkerung wächst weiter. Kommt es dann abermals zu einer Dürre, kann das zu schlimmen Konsequenzen führen – mit einem Populationseinbruch, der dramatischer ist, als er ohne Wasserreservoirs gewesen wäre.

Bewusst mit Ressourcen umgehen

Ob Wasserknappheit der Grund für den Niedergang der Maya war, wird sich wohl nie eindeutig klären lassen. Es ist eine Möglichkeit unter anderen, zeigt aber, wie verwundbar eine technisierte Gesellschaft sein kann.

Linda Kuil: „Wenn man es mit knappen Ressourcen zu tun hat, dann sind die scheinbar einfachsten Lösungen nicht immer die besten. Man muss das Verhalten ändern, man muss die Abhängigkeit der Gesellschaft von dieser Ressource überdenken und den Verbrauch reduzieren – sonst kann es trotz kluger technischer Lösungen passieren, dass die Gesellschaft nicht sicherer, sondern im Gegenteil immer katastrophenanfälliger wird.“

Das Ende der Maya: Wasserknappheit kann Kulturen zerstören, Technische Universität Wien, 23.8.16

Conceptualizing socio-hydrological drought processes: The case of the Maya collapse, AN AGU JOURNAL, Online Library Willey, 16.8.16

25.8.16 HOME

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