Schweizer Kälbermärkte: Drama in drei Akten – Erster Akt: Tränker

Das Vorführen von Kälbern auf Märkten hat seinen Antibiotikapreis: Transport, Ansteckungsgefahr und Stress sind krankheitsfördernd. Copyright: VgT Österreich.

Das Vorführen von Kälbern auf Märkten hat seinen Antibiotikapreis: Transport, Ansteckungsgefahr und Stress sind krankheitsfördernd. Copyright: VgT Österreich.

Wussten Sie, dass wir bis zum 1.7.14 Kälbermärkte mit unseren Steuern subventionierten? Da werden wenige Wochen alten „Tränker“ von weit her hingekarrt. Ihr Immunsystem ist noch ausgesprochen labil; sie sind anfällig für Krankheiten. Die Ansteckungsgefahr auf den Märkten ist gross. Gross auch der Stress. Eine darauf folgende prophylaktische  Behandlung mit Antibiotika ist vorprogrammiert.

Kälber erhalten 25% der bei Nutztieren eingesetzten Antibiotika. Es werden in der Kälbermast in der Regel 20 Tage lang oral Antibiotika verabreicht; etwa 30% der Tiere erhalten zusätzlich Antibiotika-Injektionen. Der Einsatz von Reserve-Antibiotika ist massiv, häufig sind sie die Antibiotika der ersten Wahl.

Die heute gängigen schlechten Startbedingungen der Mastkälber (überlange Transporte, Umladerei, Viehmärkte) führt dazu, dass selbst bei nachher optimaler Tierhaltung mit viel Platz, sauberer Einstreu und Auslauf der Antibiotika-Verbrauch hoch bleibt. Hingegen zeigen Studien, dass kurze direkte Transporte vom Geburts- zum Mastbetrieb und kleine, bäuerliche Kälbermästereien mit etwa 20 bis 40 Tieren zu gesünderen Beständen führen. In diesen ist der Antibiotika-Bedarf viel tiefer. Dies zeigen Studien der Universität Bern, Vetsuisse-Fakultät.

Handlungsbedarf beim Aktionsplan Antibiotika

Zum Glück wurden die Subventionen für die Kälbermärkte gestrichen, daher stellten einige Märkte den Betrieb ein, zum Teil auch wegen des mangelnden Angebots. Der Markt in Liechtensteig SG war schon früher aus anderen Gründen nicht mehr haltbar: Verkehr, Lärm, Gestank … Deshalb wurde in Wattwil – u.a. mit Geldern der Schweizer Berghilfe – eine Markthalle gebaut. Jeden Montag findet ein Kälbermarkt statt. Das Handelsvolumen der Tränker schwankt saisonal stark, z.B. am 5.12.16 (64 Stück) oder am 3.4.17 (34 Stück), siehe Kälbermarkt.

Tradition wird hochgehalten. Tradition vor Vernunft. Gemütlichkeit vor Einsicht. Geld vor Prophylaxe. Die Berghilfe ist stolz auf den Anlass: „Im Minutentakt fahren Viehtransporter vor. Hier wird eine Kuh ausgeladen, dort stürmen ein paar Kälber die Rampe hinunter…“

Kälbermärkte sind mehr als eine Kalberei. Sie tragen zum Antibiotika-Resistenz-Problem bei. Heidi meint: „Man müsste sie verbieten. Unnötig und fahrlässig werden Menschen- und Tierleben gefährdet.“

Vom Muhkonzert zur Schlagerparty, Schweizer Berghilfe, März 2017.

Antibiotikaresistenzen, Bundesamt für Gesundheit, 14.3.17

Informationsabend 2017 für Bauern und Bäuerinnen, Landwirtschaftsamt AI 2017, 2. Antibiotika-Strategie StAR.

Antibiotikaeinsatz in der Schweizer Kälbermast, Schweizer Archiv für Tierheilkunde SAT, Band 157, Heft 1, Januar 2015, 55–57, © GST | SVS

10.4.17 HOME

 

2 Antworten to “Schweizer Kälbermärkte: Drama in drei Akten – Erster Akt: Tränker”

  1. Tränker Imunglück Says:

    Der Bund subventioniert die Kälbermärkte aber immer noch, nämlich via Hintertürchen: Für jedes Tier auf dem Markt verschenkt der Bund ein Anrecht für den Fleischimport zu Spezialkonditionen. Klevere Händler karren die gleichen Kälber auf mehrere Märkte. Bei der Schlachtung gibt ’s dann noch einmal ein Anrecht!

    • Heidi Says:

      Danke, Tränker Imunglück, für den Hinweis … Dieses Thema werde ich im zweiten Akt aufnehmen. Aber das bestätigt mich in meiner Annahme, dass man mit Importkontingenten auf Kosten der armen Markttiere Geld macht.

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