Vom Fischer zum Öko-Aktivisten

Hamburger Hafen. Der Elbe geht es dreckig. Copyright: Ludwig Tent

Hamburger Hafen. Der Elbe geht es dreckig. Copyright: Ludwig Tent, Lebendige Bäche und Flüsse.

Am 6.8.18 ist Heinz Oestmann, der letzte Fischer von Hamburg-Altenwerder, 68-jährig gestorben. Seine Vorfahren waren schon im 18. Jahrhundert Fischer. Oestmann war 19 Jahre alt als sein Vater starb und er den Kutter übernahm. Er fischte in der Elbe, vor Helgoland und im Atlantik. Von Jahr zu Jahr wurde der Fang magerer und mehr kranke Fische waren im Netz. Die Ursache erkannte er bald: Es war die massive Umweltverschmutzung, die seine Existenz bedrohte. Er nahm dies nicht einfach hin, sondern kämpfte dagegen, wenn es sein musste auch handgreiflich.

Um 1980 verklappte Dow Chemical in Stade pro Tag zwei Tonnen chlorierte Kohlenwasserstoffe in der Elbe. Der Hamburger Senat liess mit Schwermetallen und Medikamenten belasteten Klärschlamm bei Helgoland ins Meer schütten. Regelmässig fuhren Tanker mit Dünnsäure auf die Nordsee und entsorgten dort das giftige Zeug auf Kosten der Allgemeinheit. Oestmann hinderte einen dieser Tanker der Firma Kronos Titan in einer spektakulären Aktion mit seinem Kutter am Auslaufen.

Hinzu kam das Kühlwasser aus den Atomkraftwerken. Die Kühlung saugte die Fische an und erwärmte das Wasser, was den Fluss immer wieder zum Kippen brachte. Oestermann protestierte auch gegen die immer weitere Vertiefung der Elbe.

Der zum Öko-Aktivist gewordene Fischer setzte sich für eine lebendige Elbe und sein Heimatdorf Altenwerden ein, wo jetzt der angeblich modernste Containerterminal Europas steht. Mehr als 2’000 Menschen mussten weichen. Der Kampf gegen die Umsiedlung dauerte 25 Jahre. Oestmann war zusammen mit seiner Frau und den vier Kindern der Vorletzte, der ging.

Zerstörerischer Welthandel

Der Welthandel mit immer mehr Gütern, die über immer längere Strecken transportiert werden, hat seinen Wasserpreis: Zerstörung von Flüssen wie der Elbe, Verschmutzung und Verlärmung der Ozeane. Über die absurde Sisiphus-Vertiefung der Elbe hat Heidi ausführlich im folgenden Artikel geschrieben: Alle blicken nach Davos – Heidi hat die Elbe im Visier. Heidis Mist vom 20.1.17.

Die Elbe im Sommer 2018 – leer.

Containerfrachter von Hamburg seewärts, Süsswasserwatt Fährmanssand. Ebbe, Tideniedrigwasser – alles Wasser im Schifffahrtskanal, keins für Gewässerökologie. Copyright: Ludwig Tent, <a href="http://osmerus.wordpress.com/" target="_blank" rel="noopener">Lebendige Bäche und Flüsse.</a>

Containerfrachter von Hamburg seewärts, Süsswasserwatt Fährmanssand. Ebbe, Tideniedrigwasser – alles Wasser im Schifffahrtskanal, keins für Gewässerökologie. Copyright: Ludwig Tent, Lebendige Bäche und Flüsse.

Aktuelle Informationen zur Elbe, Gewässerökologie, Containerfrachter, Ausbaggern usw.: Die Elbe im Sommer 2018 – leer. Osmerus‘ Blog, Lebendige Bäche und Flüsse vom 22.8.18.

Wie der Fischer zum Rebellen wurde. Nachruf auf Heinz Oestmann, einen Kämpfer gegen Verdrängung und GAL-Politiker der ersten Stunde, taz vom 10.8.18.

Der letzte Fischer von Altenwerder. Heinz Oestmann im Alter von 68 Jahren gestorben. Hamburger Morgenpost vom 8.8.18.

25.8.18 HOME

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