Unrat und Weide bedrohen ein Naturschutzgebiet

Blick in das Naturschutzgebiet, das sich in der Chegelwis in Bichwil befindet. Viel Unrat liegt herum und Alpakas weiden darin, haben freien Zugang. Das Land bis zur Strasse ist für die Tiere eingezäunt. Es gibt keinen öffentlichen Zugang zum Schutzgebiet. Klick für grösseres Bild.

Ein kleines Naturschutzgebiet ist es „nur“, das in der Chegelwi(e)s in Bichwil SG liegt. Doch gerade solche Biotope sind für die Biodiversität und Vernetzung wichtig. Oft genug verschwinden oder degenerieren sie. Viele sind heute bedroht, da kein grosses Auge über ihnen wacht. Die Naturschutzorganisationen haben Arbeit genug mit ihren Gebieten und den allgemeinen Umweltproblemen.

Zwei Enten sind am Weiher interessiert, doch wie geht es der übrigen Flora und Fauna? Kot liegt auf dem Boden.

Das Naturschutzgebiet war einst eine Kiesgrube. Nachdem die Ausbeutung aufgegeben wurde, entwickelte sich ein Biotop. Lehrer besuchten es einst mit Schülern und erklärten ihnen Mölche und Kaulquappen. Die Ökonzept GmbH erarbeitete 2007 für die Chegelwis ein Aufwertungsprojekt. Trotzdem weiden dort seit Jahren Alpakas und allerlei Unrat und Holz lagert im ebenen Teil.

Dort wo heute braune Erde ist, müssten eigentlich Büsche mit Krautsaum und hohem Gras stehen. Bald würden junge Frösche aus dem Teich kommen. Diese brauchen Grünzeug nicht nackte Erde. Wenn es noch Frösche gibt, dann steht Ihnen und den jungen Fröschchen ein kurzes Leben bevor, denn eine Hundertschaft an Alpacas trampeln die kleinen Tiere zu Tode. Ausserhalb des Naturschutzgebietes gedeihen jetzt die Wiesen, das Gras ist fast 50 cm hoch, aber im Schutzgebiet sieht Heidi viel nackte Erde.

Zustand des Naturschutzgebietes im August 2017. Damals war kein „Trockensommer“ wie 2018. Man sieht grosse kahle Flecken. Die dunkelgrünen weisen auf Überdüngung hin und allerlei Abgelagertes ist sichtbar. Klicken Sie auf das Bild zur besseren Beurteilung.

Die Gemeinde Oberuzwil kennt die Missstände seit Jahren, sie wurde zudem von Ortsansässigen wiederholt auf den miserablen Zustand des Naturschutzgebietes aufmerksam gemacht, trotzdem hat sie der zerstörerischen Tätigkeit bisher kein Ende gesetzt. Aktuell sucht man offenbar nach „Lösungen“ und revidiert die Schutzverordnung. Die Nutzung der Chegelwis widerspricht krass der Schutzverordnung, in welcher auch der Vollzug geregelt ist, inkl. Ahndung bei Zuwiderhandlungen gemäss Bundesgesetz über den Natur- und Heimatschutz (NHG). Unter Art. 12 der Schutzverordnung „Biotope und Weiher (BioT)“ ist zu lesen:

  1. Biotope und Weiher sind als naturnahe Flächen zu erhalten. Alle Tätigkeiten und Massnahmen, die eine Gefährdung dieser Gebiete mit sich bringen, sind verboten. Notwendige Pflegemassnahmen haben objektbezogen und fachgerecht zu erfolgen.
  2. Die im Plan bezeichneten Weiher mit ihrer natürlichen Umgebung dürfen in ihrer flächenmässigen Ausdehnung nicht verändert werden.

Auf den angrenzenden Wiesen liegt viel Kot, was von Kontrolleuren beanstandet werden müsste, siehe Tierschutz-Kontrollhandbuch Lamas und Alpakas BLV.

Man darf gespannt sein, wie es weiter geht. Offenbar steht ganz neu eine Baumulde beim Alpaka-Hof von Adrian Brändle, dem „Bewirtschafter“ des Hofes und des Naturschutzgebietes. Heidi weiss aber nicht wozu sie dient, denn es gibt dort auch Bauten für die nach den Aussagen eines Beamten, der nicht genannt werden will, wahrscheinlich keine Baubewilligung vorliegt. Zwar hat der Vater von Brändle schon 2013 ein Baugesuch für eine Scheune mit Alpakastall sowie Pferdeboxen und -ausläufe eingereicht, aber, wie es scheint, erfolglos, denn im Mitteilungsblatt der Gemeinde Oberuzwil vom 25. August 2017 hat Heidi Seite 7 ein „nachträgliches Baugesuch“ für „Erstellung Unterstände, Hofplatz und Pferdeausläufe“ auf Grundstück Nr. 751, Chegelwies, gefunden. Der Gesuchsteller ist Adrian Brändle, der Grundeigentümer hingegen Johann Rudolf Brändle, der Vater von Adrian Brändle. Ob inzwischen eine Bewilligung erteilt wurde, das weiss Heidi nicht. Google Street View 2013 zeigt Aufnahmen einzelner Bauten und, aus der Perspektive der Unterdorfstrasse, auch die grosse Bogenhalle. Was tun die Behörden?

Brändle kaufte die Liegenschaft zusammen mit dem Naturschutzgebiet, wusste also von Anfang an, dass sein Sohn dieses nicht nutzen darf. Die Schutzfläche wurde also willentlich massiv geschädigt. Der Stall, welcher vor der Übernahme des Landwirtschaftsbetriebs durch Brändle bestand, enthält Pferdeboxen und ist vermietet.

Der CVP-Politiker, ehemalige Kantonsrat, ehemalige Berufs- und Laufbahnberater des Bezirk Untertoggenburg, ehemalige Bundesdelegierter der CVP des Kantons St. Gallen und erfolgreiche Sportler Johann Rudolf Brändle, Jahrgang 1943, konnte den Landwirtschaftsbetrieb um die Jahrtausendwende kaufen, dies obwohl die Voraussetzungen für den Kauf gemäss Bundesgesetz über das bäuerliche Bodenrecht (BGBB) nicht gegeben waren, denn er ist nicht Selbstbewirtschafter. Lesen wir doch den Art. 63 des BGBB Verweigerungsgründe: „1 Die Bewilligung zum Erwerb eines landwirtschaftlichen Gewerbes oder Grundstücks wird verweigert, wenn: a. der Erwerber nicht Selbstbewirtschafter ist.“ Das Landwirtschaftsamt SG hatte trotzdem den Segen gegeben.

Dass überall Futter bereitsteht ist klar, wenn man solche Weiden sieht. Es gilt, die 150, oder bisweilen 250, Alpakas zu ernähren. Das Futter muss in erheblichen Mengen zugekauft werden. Von Biodiversität keine Spur.

Seit 2000 betreibt Brändles Sohn, siehe seine Internetseite, eine PERU Alpakazucht. Er hält nach eigenen Angaben 150 Alpakas. Auch wenige Pferde sind auf dem Hof mit Reitplatz. Der Reitplatz liegt unmittelbar neben dem Naturschutzgebiet; er war aber schon vom früheren Besitzer gebaut worden. Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) hat Brändle als Organisation für die Ausbildung von Lama- und Alpaka-Halter/innen anerkannt. Auf der am 21.8.19 aktualisierten Liste ist erfreulicherweise Brändle nicht mehr aufgeführt.

Blick auf den „Hof“. Zeitweise soll der Mist in der Bogenhalle meterhoch liegen. Der Mist wird mit dem Mistzetter ausgebracht. Schon bald, manchmal schon nach wenigen Tagen, stehen die Alpakas in der Weide. Tiere mögen kein mit Mist „gewürztes“ Futter. Dies ist auch vom hygienischen Standpunkt aus problematisch. Krankheiten und Parasiten können so leicht übertragen werden.

Blick auf Hof, Weiden und Naturschutzgebiet im August 2017. Wer das Bild mit einem Klick vergrössert, sieht die geneigte kahle Fläche im Naturschutzgebiet. Wer die Luftansicht von Google Earth anschaut, stellt grosse kahle Flächen fest; die Aufnahme stammt höchstwahrscheinlich vom 1.8.18, nicht, wie fälschlicherweise von Google deklariert, „2019“.

Heidis Fragen: Gibt es für solche „Landwirtschaft“ Direktzahlungen? Wo ist die Nachhaltigkeit? Was trägt dieser Betrieb zur Ernährungssicherheit bei? Wieso hat die Gemeinde Oberuzwil so lange nichts gegen die illegalen Bauten und die zerstörerische Bewirtschaftung des Naturschutzgebietes unternommen?

Heidi wird das Naturschutzgebiet (ehemalige Kiesgrube) und die Chegelwis, im Auge behalten, denn wo einflussreiche Leute tun und lassen was ihnen gefällt, auch Gesetzeswidriges, und die Behörden wegschauen, da braucht es Öffentlichkeit.

Nachtrag vom 15.5.19: Was die Tierhaltung anbetrifft, hat die kantonale Behörde viel Aufwand für Verbesserungen betrieben, die Einhaltung von Gesetzen gefordert und auch geklagt. Doch der Tierhalter war nicht einsichtig, machte Rekurs. Die Richter des Kreisgerichtes Wil haben ihn am 3.4.12 freigesprochen.

Der Fall Bichwil: Wenn Richter den Vollzug verhindern, Heidis Mist vom 15.5.19

Futternapf

Alpakas auf der „Weide“.

Plan Naturschutzgebiet Chegelwis

Plan Schutzwald

Das Naturschutzgebiet befindet sich in der Grünnutzungszone, nicht in der Landwirtschaftszone.

Die Wiesen und das Naturschutzgebiet liegen im Gewässerschutzbereich AU

Das BLV will nichts mit Bichwil zu tun haben! Heidis Mist vom 7.5.19

Der Spiegel von Behörden und Gesellschaft, Seite 29 und 30

Jetzt geht es den Amriswiler Alpakas an die Wolle, Tagblatt vom 28.6.18

Alpakas grasen auf vielen Märkten, Tagblatt vom 25.7.12

Gemeinde- und Schulrat verkleinern? Tagblatt vom 21.5.10

Athletisch wie seine Vierbeiner, Pferde Woche vom 16.8.11

Alpacastallnet: Forum einer weiteren Internetseite von Adrian Brändle, seit 2008 nicht mehr aktualisiert.

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4 Antworten to “Unrat und Weide bedrohen ein Naturschutzgebiet”

  1. Ferdi Proer Says:

    Das passt doch perfekt in die Schweizer Landwirtschaft: Jeder macht wie und was er möchte und St.Gallen scheint einmal mehr die vielen, vielen Vorschriften einzuhalten. Für ca. 4.5 Mia. Direkt- und Oekozahlungen im Jahr kann nicht allzuviel erwartet werden.

    • Heidi Says:

      Es erstaunt mich eigentlich nicht mehr, wenn Behörden solche Missstände jahre-/jahrzehntelang dulden. Vetternwirtschaft und Geldgier treiben allenthalben ihr Unwesen. Aber trotzdem macht es mich traurig und wütend, wenn ich sehe wie die Natur leidet und man von „Nachhaltigkeit“, „Biodiversität“ usw. redet. Mehr Redlichkeit täte Not, dann würden auch Massnahmen folgen, hoffe ich!

  2. Treuer Leser Says:

    Also da fragt man sich als Leser, ob das vor 20 Jahren war oder ob das heute so real existiert?
    Da scheint ja der Halter der Tiere durch alle Maschen der Gesetze zu schlüpfen. Tierschutz, Gewässerschutz, Naturschutz, Bauvorschriften.
    Dass in heutiger Zeit ein Heidi auf Derartiges aufmerksam machen muss, ist schlicht bedenklich und ein Armutszeugnis.
    Letztlich ist aber nicht nur der „Täter“ verantwortlich für die Schweinerei, sondern in hohem Masse die Behörden.
    Da ist Handlungsbedarf und nicht Zuschauen dringend notwendig.
    Offensichtlich ist die Gemeindeverwaltung Oberuzwil entweder nicht willens oder nicht fähig die rechtswidrigen Zustände in der Chegelwis in Bichwil zu beheben.
    Wie kann so ein Fall über Jahre bestehen?
    Es ist Aufgabe der Behörde Druck auszuüben oder laufende Verfahren zu beschleunigen und nicht tatenlos zuzusehen wie jemand die Gesetze und Verordnungen in schändlicher Weise mit Füssen tritt.
    Aber vielleicht handelt es sich ganz einfach um eine unsägliche Vetternwirtschaft.
    Der Vater des Tierhalters kaufte anscheinend die Liegenschaft und ist in der CVP stark verankert!
    Der Gemeindepräsident Cornel Egger ist ebenfalls CVP Mitglied und sitzt trotz seines Amtes im Kantonsrat für die CVP. Als Gemeindepräsident ist man geneigt zu sagen, dass, wenn er sein Amt gewissenhaft ausübt, er keine Zeit hat für ein weiteres Amt als Politiker beim Kanton.
    Eine Schande für Bichwil und Oberuzwil möchte man fast sagen.
    Und wenn sie nicht gestorben sind, so vetternwirtschaften sie immer weiter.

    • Heidi Says:

      Danke, lieber „Treuer Leser“ für diesen Kommentar, der es auf den Punkt bringt. Leider ist die Vetternwirtschaft weit verbreitet und es braucht viel Energie und Hartnäckigkeit, um ihr zu begegnen.
      Herzliche Grüsse
      Heidi

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