Gülle im Bach: Mangelnder Vollzug Gewässerschutzgesetz

Gülle aus der Alp Moosegg VS im Bergbach. Copyright: M.K.

Gülle aus der Alp Moosegg VS im Bergbach. Copyright: M.K.

Leserbrief

Wir fuhren in unsern Ferien am 29. Juli 2019 um 12:39 Uhr mit dem Velo auf die Moosalp im Wallis. In Törbel trafen wir auf diesen Bach, der uns schon von weitem in die Nase stieg: Gülle pur (siehe Bild)! Verursacher, so fanden wir heraus, war ein Bauer auf der Moosalp, der den Stall gereinigt und soeben „den Schieber wieder zugemacht“ (seine Worte) hatte.

Wir erkundigten uns, ob so etwas denn nicht anders ginge und ob das eigentlich legal sei, diese ganze Gülle im Bach. Die Antwort war: „Ja wie sollen wir es denn sonst machen?“ Im übrigen gehe uns das nichts an, wir sollen doch das nächste Mal nicht mehr ins Wallis kommen.

Heidi erstaunt diese illegale Handlung eines Walliser Bauern nicht, denn sie hat schon einige mehr oder weniger gleichlautende Geschichten gehört und Missstände selber erlebt, v.a. in Graubünden. Wie kommt es, dass ein Bauer einen Schieber zum Bach hat?

Das Gesetz

Gewässerschutzgesetz, Art. 3 Sorgfaltspflicht: Jedermann ist verpflichtet, alle nach den Umständen gebotene Sorgfalt anzuwenden, um nachteilige Einwirkungen auf die Gewässer zu vermeiden.

Gewässerschutzgesetz, Art. 6 Grundsatz, Ziff. 1: Es ist untersagt, Stoffe, die Wasser verunreinigen können, mittelbar oder unmittelbar in ein Gewässer einzubringen oder sie versickern zu lassen.

Bereits seit 1992 schreibt das Gewässerschutzgesetz, Art. 15, Ziff. 2 vor, dass Hofdüngeranlagen regelmässig von der zuständigen kantonalen Behörde zu prüfen sind. Der Bund hat die Oberaufsicht.

Konkret heisst dies, dass alle etwa 10 Jahre (in der Nähe von Grundwasserfassungen alle 5 Jahre) Folgendes zu prüfen ist: korrekte Lagerung von Gülle und Mist, Lagerkapazität, Dichtigkeit Güllengrube, korrekte Entwässerung der Hofabwässer.

Der mangelnde Vollzug

Bildlegende: GRÜN: Diese Kantone kontrollieren; GELB: Kontrolle neuerdings angelaufen; BRAUN: keine Kontrolle, keine systematische Kontrolle oder keine Antwort auf die Anfrage von saldo 2016.

Bildlegende: GRÜN: Diese Kantone kontrollieren; GELB: Kontrolle neuerdings angelaufen; BRAUN: keine Kontrolle, keine systematische Kontrolle oder keine Antwort auf die Anfrage von saldo 2016.

Die Gewässerschutzgesetzgebung wird in vielen Kantonen betr. Landwirtschaft einfach ignoriert. Davon zeugen nicht nur zahlreiche Artikel von Heidi mit aussagekräftigen Fotos, sondern über Missstände wird immer wieder in den Medien berichtet.

Die Kontrolle der Hofdüngeranlagen hat saldo 2016 unter die Lupe genommen und unter dem Titel Bauern bauen Mist – Behörden schauen weg berichtet. Heidi hat Fakten aus diesem Artikel herausgenommen und eine anschauliche Liste erstellt. Daraus ist ersichtlich, dass die Hofdüngeranlagen in einigen Kantonen gar nicht geprüft werden bzw. die Prüfung erst angelaufen ist. Daran dürfte sich in der Zwischenzeit kaum viel geändert haben!

Heidis Fazit: Wo die Behörden nicht hinschauen, da schalten und walten die Bauern beliebig. Und viele Behörden wollen gar nicht hinschauen!

Nachtrag vom 7.8.19: Im Kanton Wallis werden, gemäss Aussagen des Amts für Umwelt, die Hofdüngeranlagen von Neubauten geprüft. Der Gewässerschutz bestehender Anlagen wird regelmässig im Rahmen der Kontrollen überprüft. Das Amt wird den aktuellen Fall untersuchen.

Bauern bauen Mist – Behörden schauen weg: Viele Bauern ­verstossen mit ihren Misthaufen und Güllegruben gegen das Gewässerschutzgesetz. Das zeigen Kontrollen im ­Kanton Thurgau. Doch andere Kantone ­kontrollieren kaum. Eric Breitinger, saldo 4/2016 vom 2.3.16

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4 Antworten to “Gülle im Bach: Mangelnder Vollzug Gewässerschutzgesetz”

  1. Andreas M. Montemitro Says:

    Grüezi Heidi

    Und der Präsident resp. Ritter des Bauernverbandes ist im Kt. Thurgau als Bio-Bauer tätig (es lachen die Hühner). Unglaubliche Fakten, die Du immer wieder zu Tage bringst. Und warum klagen wir nicht das Amt für Landwirtschaft an, wegen Unterlassung der Aufsichtspflicht?

    Werde alles versuchen, die Stimmbürger zu motivieren, die Trinkwasser-Initiative anzunehmen.

    Gruss ins Bündnerland. (werde demnächst Pany besuchen)

    • Heidi Says:

      Hoi Andreas
      Schön von dir zu hören!
      Ritter ist zwar im Kt. St. Gallen Bio-Bauer, aber auch dort mussten viele Hofdüngeranlagen beanstandet werden: „nur“ jede dritte. Wenigstens kontrolliert man dort.
      Du hast recht, eigentlich müsste man die Ämter einklagen! Aber wer nimmt sich die Zeit und einen Anwalt dafür? Eine Organisation oder Partei müsste das tun oder eine reiche engagierte Person.
      Ich danke dir ganz herzlich, dass du auf Stimmenfang für die Abstimmung Trinkwasserinitiative gehst. Leute wie dich brauchen wir.
      Pany soll das sonnenreichste Dorf im Prättigau sein, also hoffe ich, dass das Wetter stimmt.
      Liebe Grüsse
      Heidi

  2. Sandra Says:

    Hoi Heidi

    Unglaublich, die Narrenfreiheit der Bauern ist immens und das Wegschauen der Behörden kriminell.

    Ich finde es super, wie Du Dich für die Umwelt einsetzt und Missstände aufdeckst.

    Gülle einfach in den Bach lassen, aber blöd tun, wenn man Hundegagis liegen lässt.

    Das steht in keinem Verhältnis; die Bauern machen so unsere Umwelt kaputt. (Güllen und mähen und Pestizide einsetzen; andere Umweltsünden sind ein anderes paar Schuhe)

    Die Kontrollen viel zu large.

    Wenn die Behörden zu feige sind, die Situationen zu klären, dann muss die Bevölkerung sich aufbäumen.

    Es reicht. Stimmt für die Trinkwasserinitiative!

    Gruss Sandra

    • Heidi Says:

      Liebe Sandra
      Es freut mich, dass du meine Arbeit wertvoll findest.
      Apropos Hundekot. Dieser kann den einzelligen Parasiten Neospora caninum enthalten und dadurch die Krankheit Neosporose verursachen, was beim Rind zu Aborten oder embryonale Schäden führen kann. Daher muss Hundekot zwingend von Wiesen und Weiden entfernt werden. Viele Leute wissen das leider nicht.
      Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen hat dazu die folgenden Informationen bereitgestellt:
      https://www.blv.admin.ch/blv/de/home/tiere/tierseuchen/uebersicht-seuchen/alle-tierseuchen/neosporose.html
      Wir müssen einfach immer wieder informieren.
      Herzliche Grüsse
      Heidi

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