Herbizide auf Alpweiden: Frage an Heidi von Heiri

Blacken wurden mit Herbizid behandelt ... und schon weiden hier Rinder!

Blacken wurden mit Herbizid behandelt … und schon weiden hier Rinder!

Liebe Heidi

Heute (15.9.19) im Unterstafel der Glattalp gesehen. Fast alle Blackenblätter gelb, das Vieh weidet friedlich darin. Warum sind die Blacken gelblich? Jemand hat mir gesagt, dass das wegen Herbiziden ist! Darf dann das Vieh auf solchen Flächen geweidet werden?

Gruss
Heiri

Lieber Heiri

Nach dem Spritzen mit Herbiziden auf einer Rinderweide muss eine Wartefrist von zwei Wochen eingehalten werden. Wenn Kühe auf der Weide sind, die Milch geben, dann beträgt die Wartefrist drei Wochen. Du erwähnst das Spritzdatum zwar nicht, aber es sieht schon so aus, als ob hier erst kürzlich gespritzt worden sei.

Diese Wartefristen basieren auf einer Risikoabschätzung aus praktischer Sicht und entsprechen „durchschnittlichen“ Bedingungen. Wissenschaftlich lassen sie sich kaum begründen, jedenfalls habe ich keine entsprechende Publikation gefunden.

Offensichtlich wachsen hier Blacken fast in Reinkultur, also gibt es im Boden zu viele Nährstoffe. Eine Herbizidbehandlung ist in einem solchen Fall unsinnig, da die Blacken oder andere nährstoffliebende Pflanzen nach der Bekämpfung wieder aufkommen. Für die Flächenbehandlung müsste zudem eine Bewilligung des zuständigen Amts vorliegen.

Herzliche Grüsse
Heidi

Eine grosse Fläche mit Blacken zeigt an, dass hier Nährstoffe im Überschuss vorhanden sind.

Eine grosse Fläche mit Blacken zeigt an, dass hier Nährstoffe im Überschuss vorhanden sind.

Liebe Heidi

Danke für die Antwort. Glaubt denn wirklich jemand, dass in dieser Zeit keine Rückstände mehr in den Blättern sind?

Gruss
Heiri

Lieber Heiri

Die Zeit, die es z.B. für den Abbau der Hälfte von Glyphosat im Labor braucht, beträgt 49 Tage = DT50-Wert (Quelle: D, Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit). Der DT50-Wert für MCPA liegt bei 7 bis 14 Tagen; dieses selektive Herbizid wird auch für dieBlackenbekämpfung eingesetzt. Je nach Bedingungen ist die Abbauzeit extrem unterschiedlich. In höheren Lagen ist sie aufgrund der tieferen Temperaturen sicher wesentlich länger als im Mittelland. Wieviel Herbizid die Tiere, welche die behandelten Pflanzen fressen, im Körper wie schnell abbauen bzw. ausscheiden, das lässt sich nicht so einfach sagen. Man müsste das einmal untersuchen oder – besser: auf Alpen Unkräuter mechanisch bekämpfen und die Nutzung anpassen, so dass solche Blackenfluren gar nicht entstehen.

Vor etwa einem Monat fragte mich eine Leserin, ob man frisch gespritzte Blacken mähen und in Siloballen verpacken dürfe. Ich habe keine entsprechenden Abbaustudien gefunden, würde aber davon abraten. Gemäss Pflanzenschutzmittelverzeichnis des Bundesamts für Landwirtschaft ist eine Wartefrist für Grünfutter oder Konservierung von 3 Wochen vorgeschrieben.

Beste Grüsse
Heidi

Liste der bewilligten Herbizide gegen Wiesenblacken und Alpenblacken in Wiesen und Weiden des ÖLN-Betriebes

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17.9.19 HOME

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4 Antworten to “Herbizide auf Alpweiden: Frage an Heidi von Heiri”

  1. Sandra Walser Says:

    Keine normaler Mensch würde dort Vieh weiden lassen; das ist gemeingefährlich gegenüber Vieh, Natur und Mensch.

    Wenn man Ohren und Augen offen hält, meint man nur Idi…. zu sehen.

    • Heidi Says:

      Es ist noch nicht allzu lange her, da waren Wiesen und Weiden Chemie-frei. Aber es ist halt so bequem zu spritzen. Oft hat das Alppersonal keine grosse Ahnung von den Pflanzen und dem richtigen Einsatz der Herbizide. Sie spritzen häufig einfach wenn sie Zeit haben, was allenfalls nicht einmal etwas nützt. Also Gift in der Umwelt ohne Wirkung!
      Ja, man sieht und hört viel, was einem unglaublich vorkommt. Erzählen wir davon!

  2. Hanspeter Reber Says:

    Nun hat die Chemie also auch die Alpweiden erreicht. Alpidylle pur! Und ich dachte bis anhin der Alpkäse sei noch rein. Es müsste nun ein Gütesiegel geschaffen werden, das mir garantiert, dass keine Herbicide und Kunstdünger bei der Produktion von Alpkäse verwendet werden. Ich frage mich wie weit denken diese so genannten Naturmenschen?

    • Heidi Says:

      Die Chemie hat längst die Alpweiden erreicht. Besonders die seit ein paar Jahren ausgeschütteten zusätzlichen Sömmerungsbeiträge fördern diese Unsitte, denn Unkraut muss bekämpft werden, sonst gibt es Abzüge. Also ist Gift vermehrt im Alpschrank.
      Es gibt Alpkäse ohne Herbizide und Kunstdünger; er stammt von Bio-Alpen. Meistens werden die Alpen gemeinschaftlich bewirtschaftet, also nicht von einem einzigen Bauern. Solche Alpen können nicht Bio-zertifiziert werden, also darf man!

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