Theoretisch war das Parlament schon lange grün und weiblich

Ständeratssitze im Nationalratssaal. Die Hand berührt ein Tableau des Kantons St. Gallen mit Brombeerstaude und Fuchs. Bildschirmaufnahme vom 22.10.19 SRF. Copyright: SRF

Es wird viel geredet und geschrieben über das neue Parlament. Grüner und weiblicher sei es geworden.

Wer im Nationalratssaal die Ständeratssitze betrachtet, sieht viel Natur. Die Rückwände sind geschmückt mit Bäumen, Blumen, Mais, sogar Granatäpfel hat der junge Künstler Otto Weber in Flachschnitztechnik dargestellt … da ein Steinadler, dort ein Bär – eine grosse Pflanzen- und Tiersammlung, nicht immer passend zum Kanton und nur etwa die Hälfte der Pflanzen sind einheimische. Der leitende Kunsthandwerker Ferdinand Huttenlocher hat sich offensichtlich künstlerische Freiheiten erlaubt. Zum Beispiel ist auf einem der zwei Tessiner Sitze ein Papagei abgebildet.

Rücklehne des Ständeratssitzes Kanton Schwyz mit Cyclamen-Motiv. Copyright: Naturforschende Gesellschaft in Zürich

Die Rücklehnen und Sitzflächen der Ständeratsstühle hat die Halbschwester von Otto Weber in Lederschnitt-Technik verziert. Nicht sicher überliefert ist, ob die damals 27-jährige Kunsthandwerkerin Anna Haller sogar die Jugendstilmotive selber entworfen hatte.

Anna Haller erhielt 1899 als erste Frau einen Lehrauftrag am Westschweizerischen Technikum in Biel. Sie war Mitbegründerin der Berner Sekti­on der 1907 gegründeten Gesellschaft Schweizerischer Malerinnen, Bildhauerinnen und Kunstgewerblerinnen. Frauen konnten erst 1972 der bereits 1866 gegründeten Gesellschaft Schweizeri­scher Maler und Bildhauer beitreten; um 1900 lehn­te es deren Präsident Ferdinand Hodler vehement ab, Frauen als Mitglieder in die Vereinigung aufzunehmen oder sie an Ausstel­lungen teilnehmen zu lassen, nach dem Motto: «Mir wei kener Wyber».

Werke der als Blumenmalerin bekannten Anna Haller sind im Neuen Museum in Biel zu sehen sowie im Mili Weber Haus in St. Moritz, denn Anna Haller war eine Halbschwester der vielseitigen Malerin Mili Weber.

Woher hat Heidi diese Informationen? Rosmarie Honegger, Prof. em. Institut für Pflanzen­ und Mikrobiologie der Universität Zürich, hat die Geschichte der Ständeratssitze im Nationalratssaal zusammengetragen und alle Sitze genau dokumentiert. Zu jeder geschnitzten Pflanze hat sie eine lebende hinzugefügt. So ist ein farbiges Werk entstanden mit vielen Informationen zu den abgebildeten Pflanzen und Tieren. Das interessante Buch wurde von der Naturforschenden Gesellschaft in Zürich als Neujahrsblatt 2018 herausgegeben und ist online verfügbar.

Heidi meint: Die Natur und eine tüchtige Frau sind seit 1902 im Nationalratssaal spürbar, wenn der Rat jetzt tatsächlich grüner und weiblicher wird, dann ist es höchste Zeit.

Das Schlusszitat des Buches ist von Goethe: Habt Ehrfurcht vor den Pflanzen, alles lebt durch sie!

Berner Bundeshausbotanik, Die Ständeratssitze im Nationalratssaal, Rosmarie Honegger, Naturforschende Gesellschaft in Zürich, Neujahrsblatt 2018

Männerlastige Kunstwelt Künstlerinnen sollen sichtbarer werden. Künstlerinnen stehen oft im Schatten ihrer männlichen Kollegen. Aber es ändert sich was – auch in der Schweiz. SRF vom 22.10.19

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