Es ist Sommer – die Grillen zirpen! Oder nicht?

Aus dem Leben der Grillen. Copyright: Sandra

Aus dem Leben der Grillen. Copyright: Sandra

Hoi Heidi

Fällt Dir auch auf, dass überall, wo gemäht und gegüllt wurde, die Grillen verschwunden sind und mit ihnen das wunderschöne Konzert.

Über 50% weg oder getötet …

Und das hat nichts mit der Temperatur zu tun, denn bei den ungemähten Wiesen war das Zirpen heute noch munter zu hören.

Wann verschwindet diese grässliche Gülle endlich von den Feldern?

Liebe Grüsse

Sandra

Liebe Sandra

Die Gülle wird nicht so schnell verschwinden. Es ist aber klar, dass in der Schweiz der Tierbestand massiv gesenkt werden muss, denn Überdüngung führt zur Verschmutzung von Gewässern – denke nur an das Grundwasser – und die Ammoniak-Emissionen sind die zweithöchsten in Europa gemäss Agrarbericht 2016. Sie schaden dem Wald, den Mooren, den Naturschutzgebieten und nicht zuletzt unserer Gesundheit. Zudem ist auch der hohe Fleischkonsum nicht gesund.

Mit dem Rückgang der Tierzahlen fällt zwar weniger Gülle an, aber es wird dann kaum extensiver bewirtschaftet werden, ausser es gibt Auflagen, die kontrolliert werden. Was geschieht mit den frei werdenden Flächen? Kaum neuer Lebensraum für Grillen.

Die Grillen leben in einer selbstgebauten Höhle im Boden und sind somit, wie du richtig beobachtet hast, stark vom Ausbringen von Gülle betroffen. In Deutschland sind die Grillen auf der roten List als „gefährdet“ eingestuft.

Pro Natura kürte die Feldgrille (Gryllus campestris) zum Tier des Jahres 2014 und schrieb: „Pro Natura macht 2014 die Bühne frei für die scheuen Meistergeiger und wirbt so für mehr artenreiche Blumenwiesen in der Schweiz.“

Die Feldgrille liebt warme, trockene Standorte bis 1’800 m ü.M. Sonnige Hänge wurden aber seit 1950 vielerorts überbaut, die Trockenwiesen verschwanden und mit ihnen die Grillen. Ein wesentlicher Grund für den Verlust solcher Wiesen ist aber die Intensivierung der Landwirtschaft und die Verbuschung von Steilhängen. Blütenreiche Lebensräume bieten unzähligen Tierarten Lebensraum. Oft gibt es nur noch kleine Inseln. Dies ist problematisch für das Überleben der Tiere.

Seit 1900 sind 95% der Trockenwiesen und -weiden in der Schweiz verschwunden. Um dem anhaltenden Rückgang dieses Lebensraums entgegenzuwirken, hat der Bundesrat die Trockenwiesen und -weiden von nationaler Bedeutung (TWW) in ein Inventar nach Artikel 18a des Bundesgesetzes über den Natur- und Heimatschutz (NHG) aufgenommen. In dieser Karte Trockenwiesen und -weiden kannst du nachschauen, ob es in deiner Nähe geschützte Flächen gibt. Grillen kommen aber auch an anderen Orten vor.

Wir müssen also dafür sorgen, dass die Artenvielfalt nicht noch mehr schwindet, und uns für eine bessere Agrarpolitik einsetzen, denn diese kommt nicht „von selbst“. Da müssen wir wacker Druck ansetzen!

Ich finde es schön, dass du Augen für die kleinen Lebewesen hast, denn auch diese sind wichtig … und was wäre ein Sommer ohne Grillenkonzert?

Herzliche Grüsse

Heidi

Tier des Jahres 2014: Die Feldgrille. Pro Natura

Feldgrille, Wikipedia

Gryllus campestris, Orthoptera

Trockenwiesen und -weiden. Medieninformation Bundesamt für Umwelt vom 29.9.17

Ammoniakemissionen: Ammoniak verändert sensible Ökosysteme. Agrarbericht 2016, Bundesamt für Landwirtschaft

16.5.20 HOME

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2 Antworten to “Es ist Sommer – die Grillen zirpen! Oder nicht?”

  1. Sandra Walser Says:

    Hoi Heidi

    Vielen Dank für Deinen tollen Artikel.

    Wie schon erwähnt, auf Dich kann man zählen: Du schreibst kompetent und zuverlässig rasch.

    Soviele Tiere/Insekten würden gar nicht verschwinden, wenn nicht alles so intensiv bewirtschaftet würde. In der Zeit des Lockdowns hat man dies sehr gut beobachten können.

    Ich würde heute so weit gehen, dass jeder, der Tierprodukte konsumiert und so zum Tierleid und der Umweltzerstörung beiträgt, eine Steuer zahlen müsste.

    Es beelendet mich jeden Tag, wie häufig gemäht und gegüllt wird.

    Wir werden immer mehr Menschen auf diesem Planeten und es kann nicht sein, dass wir so exzessiv auf Kosten der Natur weiterleben.

    Und wenn ich sehe, was alles weggeworfen wird.

    Geld und Gier sollen die Welt nicht mehr regieren, sondern Verstand und Vernunft.

    Lg Sandra

    • Heidi Says:

      Liebe Sandra
      Danke für die Blumen!
      Ich denke, dass man endlich eine Vollkostenrechnung machen müsste, denn die externen Kosten, die Schäden sind in der Preisberechnung nicht enthalten, auch bei den Pestiziden. Wir zahlen ja so viel für Umweltkosten über Steuern statt über den Preis und vieles, etwa den Verlust der Artenvielfalt, ist unbezahlbar. Und wir finanzieren sogar massiv Fleischwerbung – so etwas Absurdes! Proviande hat gute Lobbyisten in der Bundesverwaltung.
      Dein letzter Satz gefällt mir besonders: V & V statt G & G!
      Herzliche Grüsse
      Heidi

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