IG Zukunft Pflanzenschutz wirbt mit „falschen Fakten“

Typische Krautfäule-Symptome auf Kartoffelblatt.

Typische Krautfäule-Symptome auf Kartoffelblatt.

Der Geschäftsführer der IG Zukunft Pflanzenschutz, Danial Naghizadeh, ist ein Angestellter der renommierten Werbeagentur Farner, gegründet von Rudolf Farner, dessen Dackel Heidi in ihrer Schulzeit Gassi führen durfte, ein gutmütiger Hund!

Heidi hat auf der Homepage der IG einen Artikel über die Bekämpfung der Kraut- und Knollenfäule der Kartoffel gefunden und war erstaunt, das Folgende zu lesen:

„Erfolgreiche Zusammenarbeit von Produzenten, Wissenschaft und Bund

Die Kartoffelbranche (swisspatat) hat in Zusammenarbeit mit Partnern PhytoPRE entwickelt und finanziert. Das Bundesamt für Landwirtschaft, swisspatat, die Vereinigung Schweizerischer Kartoffelproduzenten, Agroscope und die Hochschule für Agrar-, Forst-  und Lebensmittelwissenschaften HAFL beteiligen sich an dessen Weiterentwicklung.“

Die Fakten!

Mag sein, dass der Werbefachmann die Fakten nicht kennt. Doch Heidi hat sie. Es ist nämlich so, dass zwei Forscher von Agroscope Zürich-Reckenholz (damals hiess diese landwirtschaftliche Forschungsanstalt noch FAP) die Idee für PhytoPRE hatten: Padruot Men Fried und Hans-Rudolf Forrer. Dank der Unterstützung durch die Eigenössischen Alkoholverwaltung konnte das Projekt 1989 starten und Hans Ulrich Gujer angestellt werden. Finanziell unterstützt wurden es am Anfang ausschliesslich von der Eigenössischen Alkoholverwaltung, welche Anfang 2018 in die Eidgenössische Zollverwaltung integriert wurde.

1995 wurde das Team vorübergehend verstärkt durch Keqiang Cao, einem Gast aus Hebei (China). Keqiang, der auf der Basis von täglichen Zählungen des Kraut- und Knollenfäulebefalls von Hunderten Kartoffelblättern in einem Feldversuch in Rümlang und mit der Erfassung von Meteodaten ableiten konnte, wann der Pilz sporuliert und unter welchen Bedingungen er sporuliert. Die Forscher Hans Rudolf Forrer und Markus Ruckstuhl beteiligten sich zudem an einem EU-Projekt, in dessen Rahmen die Regeln der Infektions- und Sporulationsperioden (HISP) des Pilzes entwickelt wurden.

Erst danach haben sich weitere Partner in kleinerem Rahmen an den Entwicklungskosten beteiligt, z.B. die Schweizerische Kartoffelkommission (heute Swisspatat), die kantonalen Zentralstellen für Pflanzenschutz und andere Branchenvertreter. An der Weiterentwicklung ist heute auch die Hochschule für Agrar-, Forst-  und Lebensmittelwissenschaften (HAFL) beteiligt.

Seit 1999 ist Tomke Musa bei Agroscope für den Bestand und die Weiterentwicklung von PhytoPRE verantwortlich. Sie war massgebend für die Entwicklung von PhytoPRE+2000, das nun Internet-basiert und den Kartoffelproduzenten bereits ab Mai 2001 für parzellenspezifische Beratungen zugänglich war. Auch für Bio-PhytoPRE, einer Variante für den Bio-Kartoffelanbau, war Tomke Musa massgebend.

PhytoPRE ist ein Beratungssystem, welches für die LandwirtInnen in Zusammenarbeit mit den LandwirtInnen entwickelt wurde. Ziel von PhytoPRE war immer, die Zahl der Pflanzenschutzmitteleinsätze möglichst gering zu halten und auf das nötige Mass zu beschränken. Das Projekt wird heute durch die Teilnehmerbeiträge, die kantonalen Zentralstellen für Pflanzenschutz, die swisspatat und Agroscope finanziert.

Wer ist die IG Zukunft Pflanzenschutz?

Die IG wurde am 9. Januar 2019 gegründet vom Verband Schweizer Gemüseproduzenten (VSGP), Schweizer Obstverband (SOV), JardinSuisse, der Swiss Convenience Food Association (scfa) sowie swisspatat mit dem Ziel, die zwei Pestizid-Volksinitiativen zu bodigen. Der Wirtschaftsverband Economiesuisse unterstützt die IG mit 1 bis 2 Millionen Franken für die Abstimmungskampagne. Bei Economiesuisse ist Scienceindustries organisiert mit der Gruppe Agro (Syngenta, Bayer, BASF usw.), welche u.a. den Internetauftritt Der Pflanzenschützer unterhält.

Und der Schweizer Bauernverband?

Der Schweizer Bauernverband (SBV) war zuerst nicht begeistert von der neuen IG, koordiniert nun aber seine Kampagne gegen die beiden Pestizid-Volksinitiativen mit jener der IG bzw. Economiesuisse.

Heidi meint: PhytoPRE ist so gut und zeitgemäss, dass man dieses geistige Eigentum sogar klaut! Wie vor 30 Jahren ist das Ziel dasselbe: Spritzen nur wenn nötig (nicht nach Spritzplan!).

Nachtrag vom 23.9.20: Nachdem zwei Mails unbeantwortet geblieben waren, konnte heute der Geschäftsführer telefonisch erreicht und folgende Änderung bewirkt werden: „Agroscope hat mit finanzieller Unterstützung von swisspatat das Prognosesystem PhytoPRE entwickelt.“ Zwar war swisspatat zu Beginn nicht beteiligt, ist auch nicht die Hauptfinanzquelle, aber was soll’s! Sie haben ihren Beitrag geleistet.

Wir sind der Krautfäule einen Schritt voraus. IG Zukunft Pflanzenschutz, abgerufen am 13.8.20

Alkohol. Eidgenössische Zollverwaltung

Informationen über PhytoPRE von Agroscope

Pflanzenschutz-Kampagnen: Droht eine Verzettelung der Kräfte? Adrian Krebs, Bauernzeitung 11.1.20

13.8.20, aktualisiert 23.9.20 HOME

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