Vater Muggli und die Sechstel-Alpschweine

Der Miststock auf der Alp Gummen saftet. Copyright: Vater Muggli

Der Miststock auf der Alp Gummen SZ saftet. Copyright: Vater Muggli

Vater Muggli war heute allein unterwegs, einmal mehr auf dem Wanderweg, der bei der Alp Gummen SZ vorbeiführt. Schweine waren keine mehr dort. Was er aber sah und für Heidi fotografierte ärgerte ihn furchtbar.

Eine Steinwüste weit und breit, auch am Waldrand. Copyright: Vater Muggli

Eine Steinwüste weit und breit, auch am Waldrand. Copyright: Vater Muggli

Die Wurzeln der Bäume im Wald leiden. Copyright: Vater Muggli

Die Wurzeln der Bäume im Wald leiden. Copyright: Vater Muggli

Rechnen mit Vater Muggli

Die Schweine, welche gemäss Foto auf Facebook der Alp Gummen im Mai 2019 ausgeladen wurden, waren schon ziemlich gross, mindestens 45 kg schwer. Es ist üblich, die Schweine auf dem Heimbetrieb vorzumästen. Also setzen die Schweine auf der Alp bis zur Schlachtreife von etwa 110 kg zwei Drittel des Gewichts an.

Die Schweine erhalten Schotte aus der Käseherstellung und pro Tag rund 2 kg Ergänzungsfutter. Gemäss dem Merkblatt von Agroscope   Schotteverwertung durch das Schwein sollte der Schotteanteil in der Ration nicht mehr als ein Viertel (Trockensubstanz) sein. Somit beträgt der Futteranteil, der von der Alp kommt zwei Drittel x ein Viertel = ein Sechstel (66% x 25% = 16,5%). Wenn man das Kraftfutter, das normalerweise die Milchkühe erhalten, noch hinzurechnet, dann ist der Anteil noch kleiner.

Ein Mangel an Struktur im Futter erhöht das Risiko für Magengeschwüre, was bei Schweinen ein häufiges Gesundheitsproblem ist. Heidi vermutet, dass die Schweine auf solchen Geröllhalden-Alpen zu wenig strukturreiches Futter bekommen, ausser vielleicht Wurzeln der Waldbäume.

Fazit: Der Alpfutteranteil an der Mastleistung der Alpschweine ist sehr klein, ein knapper Sechstel, die Zerstörung von Wald, Wiese und Boden jedoch gross und Überdüngung, Nährstoffauswaschung sowie Erosion vorprogrammiert. Dem Portemonnaie geht es aber gut, den Schweinen möglicherweise auch, sofern sie genügend strukturreiches Futter erhalten (?).

P.S. Das ist längst nicht die einzige Alp mit Mastschweinen!

Ein weiterer Teil der "Schweineweide". Copyright: Vater Muggli

Ein weiterer Teil der „Schweineweide“. Copyright: Vater Muggli

Der frühere grosszügige Grillplatz, den die Familie Muggli so gerne hatte; er wurde von den Alpschweinen zerstört. Copyright: Vater Muggli

Der frühere grosszügige Grillplatz, den die Familie Muggli so gerne hatte; er wurde von den Alpschweinen zerstört. Copyright: Vater Muggli

Der neue mickrige Grillplatz. Copyright: Vater Muggli

Der neue mickrige Grillplatz. Copyright: Vater Muggli

Magengeschwüre bei Schweinen verhindern. BIO Aktuell 21.4.20

Alpschweine erobern den Grillplatz. Heidis Mist vom 8.6.20

„Heidi, die Schweine zerstören unsere Alpweiden!“ Heidis Mist vom 28.4.20

„Heidi, die Schweine zerstören unsere Alpweiden!“ (2) Heidis Mist vom 31.5.20

6.9.20 HOME

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13 Antworten to “Vater Muggli und die Sechstel-Alpschweine”

  1. wasserundeis Says:

    Man sieht am Unterschied zwischen Grad und „Weide“ schön, wie viel Platz Schweine eigentlich für eine artgerechte Haltung benötigen. Trotzdem, besser so, als industriell.

    • Heidi Says:

      „Trotzdem, besser so, als industriell.“: Das ist ein Todschlagargument. Das Problem ist, dass Schweine einst Abfallverwerter waren. Mit der „inneren Aufstockung“ der Landwirtschaftsbetriebe durch die Agrarökonomen hat man aber die Mast mit meist viel importiertem Kraftfutter gefördert, mit den heutigen Nährstoffüberschussproblemen z.B. in der Innerschweiz mit den verschmutzten Seen (Sempachersee …). Auch heute wirbt die Branchenorganisation mit Steuergeldern für einen wachsenden Absatz, obwohl in der Schweiz der Fleischkonsum aus ökologischen und gesundheitlichen Gründen massiv gesenkt werden müsste. Es gibt durchaus Anleitungen wie man diese „Abfallverwerter“ sinnvoll und tierfreundlich in die Fruchtfolge auf ebenen Flächen im Unterland integrieren könnte. Aber das Alpfleisch lässt sich halt teuer verkaufen.

    • wasserundeis Says:

      Na klar ist das ein „Toschlagargument“ – natürlich nur im direkten Vergleich. Vor Ort können die Probleme natürlich die gleichen sein.
      Bei uns in der Gegend haben wir massive Probleme durch Überdüngung, die vor allem auf die Massentierhaltung zurückgehen – Gülle (ist ja dein Thema). Den ganzen Rattenschwanz den die Thematik hinter sich her zieht hast du ja angesprochen. Da gibt es keinen Anfang und kein Ende.

    • Heidi Says:

      Bei uns läuft im Moment die Massentierhaltungs-Initiative:
      https://massentierhaltung.ch/

    • wasserundeis Says:

      Wie sind die Erfolgschancen? Ihr seid und ja in solchen Dingen oft etwas vorraus.
      In Deutschland gibt es zwar positive Zeichen, allerdings auf sehr bescheidenem Niveau. Das Billigfleisch scheint heilig.

    • Heidi Says:

      Massentierhaltung: Da sind wir weniger schlimm dran, aber auf anderen Gebieten hinken wir hintennach.
      Die Erfolgsaussichten sind schwierig abzuschätzen, eher mässig. Viel Billigfleisch wird importiert oder im nahen Ausland eingekauft.
      Aber vor zwei Jahren ergab eine Umfrage 59% JA Stimmen. Ausgerechnet Swissveg findet, das grüne Volksbegehren sei unnütz oder gar schädlich. Deren Präsident fordert einen grundsätzlich anderen Umgang mit den Tieren. Aber ein wesentlicher Teil der Bevölkerung wird weiterhin Fleisch essen, Tendenz sinkend.

    • wasserundeis Says:

      Deutschland wird wohl eine Quelle sein… Der Fleischverbrauch pro Kopf sinkt seit Jahren leicht, die poduzierten Mengen steigen hingehen. Immerhin steigt der Anteil von Bio-Produkten – auch im Fleischsektor stetig an. Ich selber bin ja auch kein Vegetarier, aber solange ich mit gutem Gewissen (dann und wann) Fleisch essen kann, ist das für mich OK.

    • Heidi Says:

      Ja, man muss nicht unbedingt Veganer werden, aber Fleisch mit Mass, da hast du völlig recht!

    • wasserundeis Says:

      Ach ja und eins ist klar. Das ganze funktioniert nur wenn man den Fleischverbrauch deutlich verringert 🙂

    • Heidi Says:

      Das Absurde ist ja, dass wir mit Steuergeldern die Fleischwerbung mitfinanzieren!!!!

  2. Martin Dobler Says:

    Guten Tag
    Als Betreiber der Alp Gummen bin ich extrem enttäuscht über ihre Berichterstattung. Wir versuchen täglich unser Bestes zu geben um vielen Bedürfnissen gerecht zu werden. So geben wir uns Mühe eine naturnahe und tierfreundliche Haltung unseren Schweinen aber auch den Kühen zu bieten, inkl artgerechter Fütterung. Aber auch der Natur tragen wir Sorge, bestossen die Alp nach den gesetzlichen Vorgaben, verwenden den alpeigenen Dünger und füttern hauptsächlich mit alpeigenem Futter, wenden extrem viel Stunden auf für die Unkrautbekämpfung und beteiligen uns an Vernetzungsprojekten und setzen uns mit unserem Handeln für Artenschutz und -vielfalt ein. Und ja nicht zuletzt müssen auch wir achten, dass unsere Arbeit finanziell etwas abwirft, da aber von Ausbeutung der Natur oder den Tieren zu reden finde ich massiv daneben und glauben sie nicht, dass wir dabei steinreich werden. Es ist die Arbeit mit der Natur, mit Tieren welche einem ans Herz wachsen, mit natürlichen Rohstoffen aus welchen hervorragende Lebensmittel produziert werden und die Möglichkeit Kunden zu bedienen welche unsere Arbeit schätzen, was uns täglich motiviert alles zu geben.
    Leider ist es so, dass es Leute gibt welche in der Arbeit anderer nur Profitgier sehen oder das Know-How fehlt, aus welchen Gründen so gearbeitet wird. Ich wünschte mir, dass Möchtegern-Journalisten und Experten bevor sie solchen Mist im Internet posten, das Gespräch zu den Bewirtschaftern suchen. Wir leben mit der Tatsache, dass jeder unsere Arbeit begutachten kann, meist sogar öffentliche Wanderwege durch unseren Arbeitsplatz führen, es ist aber mühsam und manchmal sogar zermürbend, wenn man feststellen muss, dass man anonym im Internet an den Pranger gestellt wird.
    Die Schlachtauswertung der Gummen-Alpschweine ist kürzlich erschienen und zeigt ein hervorragendes Bild bezüglich Fleischqualität aber auch Tiergesundheit! An dieser Stelle wünsche ich jedem der ein begehrtes Stück ergattern konnte „en Guete“ und den Neidern und Kritisierern etwas mehr Weitsicht und Akzeptanz. Machets Guet

    • Heidi Says:

      Sehr geehrter Herr Dobler
      Ich könnte es mir einfach machen und einen Freund und Bergbauernsohn zitieren. Er isst seit vielen Jahren keinen Alpkäse mehr, weil er die heutige Art der Bewirtschaftung nicht mehr verantworten kann. Ich möchte Sie aber auf ein paar Tatsachen und Gesetze hinweisen, welche die Alpschweinehaltung betreffen. Alpschweinehaltung ist in, es gibt wohl um die mind. 60 solche Alpen.
      Schotte ist nicht ideal für die artgerechte Schweinefütterung, weshalb Agroscope einen Anteil von nur 25% in der Ration empfiehlt. Die Alpschweine BRAUCHEN grosse Mengen von Ergänzungsfutter (Gerste usw.), welches nicht „alpeigenes“ Futter ist und sie brauchen strukturreiches Futter, in Ihrem Fall dürften das Rinden und Wurzeln von Waldbäumen sein! Nicht zu vergleichen ist dies mit der früher üblichen Eichelmast von Schweinen im Wald, wo die Bäume nicht beschädigt wurden.
      Für Ihre 80 Schweine braucht es an Kraftfutter etwa 80 x 2 kg/Tag x Alpsaison mind. 100 Tage. Die Fütterungsempfehlung z.B. für Silvestri-Schweine beträgt 2 kg/Tag. Weil die Tür zum Kraftfutterraum auf der Alp Gummen offen stand, als Vater Muggli einmal vorbeiwanderte, fotografierte er ein volles Palett Futtermittelsäcke. Da die Schweine Mitte Mai auf die Alp kommen und in etwas mehr als 60 Tagen schlachtreif sind, d.h. etwa Mitte Juli, scheint es mir wahrscheinlich, dass im Laufe des Sommers eine zweite „Schicht“ Alpschweine zur Mast kommt, daher „Alpsaison mind. 100 Tage“.
      Haben Sie schon einmal die Nährstoffbilanz der kleinen „Schweineweide“ berechnet? Der Input dürfte den Output weit übersteigen.
      Direktzahlungsverordnung
      Art. 26: Die Sömmerungs- und Gemeinschaftsweidebetriebe müssen sachgerecht und umweltschonend bewirtschaftet werden.
      Akzeptiert wird die Einzelstockbekämpfung von Unkräutern mit Herbiziden, so wie es auf Ihrer Alp auch üblich ist (Fotos von Vater Muggli). Auch dürfen Dünger (ausser Stickstoff) und allerlei Futtermittel zugeführt werden, brauchen doch auch die heutigen Milchkühe Zusatzfutter.
      9.3 Pufferstreifen:
      Es sind anzulegen: a. entlang von Waldrändern ein Pufferstreifen von mindestens 3 m Breite;
      Anhang 2, 1 Flächen, die nicht beweidet werden dürfen
      1.1 Folgende Flächen dürfen nicht beweidet werden und müssen vor Tritt und Verbiss durch Weidetiere geschützt werden:
      a. Wälder, ausgenommen traditionell beweidete Waldformen, wie die Waldweiden oder wenig steile Lärchenwälder in den inneralpinen Regionen, die keine Schutzfunktionen erfüllen und nicht erosionsgefährdet sind;
      Pufferstreifen gemäss ÖLN: Der Streifen muss das ganze Jahr aus einem sichtbaren Grün- oder Streueflächenstreifen bestehen.
      Es gibt zusätzlich zur DZV weitere Gesetze, die befolgt werden müssen.
      Gewässerschutzgesetz
      Art. 3 Sorgfaltspflicht: Jedermann ist verpflichtet, alle nach den Umständen gebotene Sorgfalt anzuwenden, um nachteilige Einwirkungen auf die Gewässer zu vermeiden.
      Art. 6 Grundsatz: 1 Es ist untersagt, Stoffe, die Wasser verunreinigen können, mittelbar oder unmittelbar in ein Gewässer einzubringen oder sie versickern zu lassen.
      Art. 27 Bodenbewirtschaftung: 1 Böden sind entsprechend dem Stand der Technik so zu bewirtschaften, dass die Gewässer nicht beeinträchtigt werden, namentlich nicht durch Abschwemmung und Auswaschung von Düngern und Pflanzenbehandlungsmitteln.
      Chemikalien-Risikoreduktions-Verordnung
      Anhang 2.6 Dünger (Die Alpschweine düngen die „Geröllhalde“)
      3.2.1: Stickstoffhaltige Dünger dürfen nur zu Zeiten ausgebracht werden, in denen die Pflanzen den Stickstoff aufnehmen können. (Auf der „Schweineweide“ gibt es keine Pflanzen!)
      3.3.1: Dünger dürfen nicht verwendet werden: 5) Die Verwendung von Düngern im Wald sowie in einem Streifen von drei Metern Breite entlang der Bestockung ist verboten. (Die Schweine düngen auch den Wald und den Pufferstreifen am Wald.)
      Auch wenn viele dasselbe tun wie Sie … es ist nicht gesetzeskonform.
      Freundliche Grüsse
      Heidi

  3. osmerus Says:

    „… von Ausbeutung der Natur oder den Tieren zu reden finde ich massiv daneben und glauben sie nicht, dass wir dabei steinreich werden …“ sagt der vom Blog-Beitrag enttäuschte Betreiber. –
    Die Fotos sprechen ihre eigene Sprache: Doch, es wird „steinreich“! Die Steine wachsen aus dem Boden! Sowas (erzeugt aus falscher Subventionierung mit extremer angestiegenere Schafhaltung) habe ich mal in Irland gesehen. Da entstanden plötzlich „schöne Sandstrände“ im Atlantik vor Extrem-Erosion. Bis dann, ausgelöst von schwindenden Lachs- und Meerforellenbeständen angesichts zerstörter Laichbäche, Agrar-, Wirtschafts- und Tourismusministerium kooperierten. Die irrwitzige Subvention wurde gestoppt, die Bäche wieder restauriert. Das haben wir uns auf einer internationalen Konferenz Anfang der 2000er angesehen.
    Sowas wünsche ich mir für solch Foto-dokumentierte Landschaften in der Schweiz auch.
    Herzlich grüßt aus dem Norddeutschen Tiefland
    Ludwig

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