Wieso kehren indonesische Bauern Palmöl den Rücken?

In der indonesischen Provinz Lampung fällen immer mehr Bauern ihre Ölpalmen. Copyright: DIan Wahyu

In der indonesischen Provinz Lampung fällen immer mehr Bauern ihre Ölpalmen. Copyright: DIan Wahyu

Lampung ist eine indonesische Provinz an der Südspitze der Insel Sumatra. Immer mehr Landwirte fällen dort ihre Ölpalmen und wechseln zu anderen Kulturen. Sie legen Mischkulturen mit Ölpalmen an oder stellen vollständig auf andere landwirtschaftliche Nutzpflanzen um.

Rückgang der Palmölproduktion, Daten gemäss Central Statistics Agency (BPS) Lampung:

2015: 546’242 Tonnen
2016: 398’539 Tonnen
2017: 194’324 Tonnen
2018: 190’339 Tonnen.

Es gibt verschiedene Gründe für diesen Wechsel. Viele Bauern haben die Palmölplantagen 1993 gepflanzt, weshalb die Ölproduktion wegen des Alters der Pflanzen stark zurückgegangen ist. Nach einer Neupflanzung braucht es 4 bis 5 Jahre bis die Palmen Ertrag abwerfen. Weil die Kleinbauern sich die hohen Düngermengen nicht leisten können, sind ihre Erträge geringer als jene der industriellen Plantagen, durchschnittlich 2 Tonnen pro Hektare. Zudem besitzen viele Bauern zu wenig Land, um Palmölplantagen rentabel zu betreiben.

Der Befall durch Schädlinge wie den Ganodermapilz und den Hornkäfer ist ein weiterer Grund für den Ausstieg aus der Ölproduktion. Und es gibt lukrativere Kulturen wie Agroforest mit Papaya, Zitrusfrüchten usw. oder Mais oder Reis mit Süsswasserfischen, während der Erlös für Palmöl unsicher ist. Die beste Alternative sei eine vielschichtige Zusammensetzung wie Agroforst. Mit Ersatzkulturen für Palmöl kennen die Bauern sich gut aus.

Einige Bauern nutzen das Regierungsprogramm zur Wiederbepflanzung mit Ölpalmen. Die Unterstützung ist aber gering im Vergleich mit den hohen Kosten für eine Neupflanzung.

Ketika Petani Sawit di Lampung Mulai Beralih ke Tanaman Lain. Mongabay 26.9.20

Genozid in Zeitlupe

Problem gelöst? Nein! Denn viele Bauern haben ihr Land verloren durch Versprechungen und Landraub. In anderen Gebieten, anderen Ländern, auf anderen Kontinenten geht es weiter. Und in Indonesien werden die grossen Plantagen neu auf gerodeten Flächen anpflanzen, was dann als „nachhaltig“ zertifiziert wird.

Lesen Sie dazu auch den folgenden Bericht von Karin Wenger SRF:

«Die Regierung verkauft unsere Wälder an grosse Unternehmen und füllt damit ihre Taschen mit Geld. Für uns besteht das Leben aus mehr als bloss Geld», sagt Inui Yeq in einem jüngst veröffentlichten Film der NGO Forest Peoples Programm.

… Während auf Borneo und Sumatra bereits grosse Flächen des Regenwaldes in Palmölplantagen umgewandelt wurden, hat die Palmölindustrie seit einigen Jahren Westpapua für sich entdeckt – zum Leid der Indigenen, so Heinzpeter Znoj vom Institut für Sozialanthropologie der Universität Bern: «In Westpapua sind die letzten grossen Regenwaldflächen, die jetzt nach und nach besetzt werden, wo gewaltige Palmölplantagen angelegt werden.»

Auch dort würden Indigene vertrieben, teils kompensiert mit geringen Zahlungen, so Znoj. «Die einheimische Bevölkerung wird zunehmend ihrer Ressourcen beraubt. Man spricht in der Literatur von einem Genozid in Zeitlupe.»

Indonesien Palmölproduktion – ein «Genozid in Zeitlupe» an den Indigenen. Karin Wenger, SRF von 20.2.21

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23.2.21 HOME

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