Klima: REDD+ Waldprojekte in Drittweltländern – Wem nützen sie?

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REDD+ ist ein moderner Ablass-Handel unter dem Motto „Lieber selber nichts gegen den Klimawandel tun, aber einen Obulus in eine Kasse zahlen und nicht so genau wissen, was und wem dies nützt.“ Die Projektbetreiber loben ihre Arbeit in höchsten Tönen, Forschung zweier Organisationen zeigt schwerwiegende Probleme auf.

Wir können das alles nicht prüfen … was sollen wir glauben? Was sicher ist: Wir müssen hier und jetzt viel tun und sollten mit „unseren Händen“ nicht zur Zerstörung anderswo beitragen – wie dies aktuell rund um den Erdball der Fall ist. Auch in Drittweltländern könnten wir reiche Länder viel Gutes bewirken, wenn wir nur wollten. Plünderung und einseitige Schaffung von Naturraum für „unser Klima“ ist nicht der Weg.

Wikipedia: REDD+ (Reducing Emissions from Deforestation and Forest Degradation and the role of conservation, sustainable management of forests and enhancement of forest carbon stocks in developing countries, dt. etwa „Verringerung von Emissionen aus Entwaldung und Waldschädigung sowie die Rolle des Waldschutzes, der nachhaltigen Waldbewirtschaftung und des Ausbaus des Kohlenstoffspeichers Wald in Entwicklungsländern“) ist ein seit 2005 auf den Verhandlungen der internationalen Klimarahmenkonvention (UNFCCC, United Nations Framework Convention on Climate Change) diskutiertes Konzept, mit dem der Schutz von Wäldern als Kohlenstoffspeicher finanziell attraktiv gemacht werden soll.

Forschungsbericht über zwei Projekte

Ein aktueller Bericht von Action pour la Promotion et Protection des Peoples et Espèces Menacées (APEM) und Rainforest Foundation UK untersucht die sozialen Auswirkungen von zwei REDD-Projekten in der Provinz Mai Ndombe in der Demokratischen Republik Kongo. Der Bericht basiert auf Basisforschung, die über zwei Jahre hinweg durchgeführt wurde. Das Forschungsteam befragte mehr als 400 Menschen in 26 Dörfern innerhalb von zwei REDD-Projekten: dem Integrated REDD+ Plateau Project (PIREDD Plateau), das vom World Wide Fund for Nature (WWF) geleitet wird, und dem Wildlife Works Carbon (WWC) Mai Ndombe REDD+ Projekt.

Schwerwiegende Probleme

Der Bericht fasst die Probleme wie folgt zusammen:

  • Die Projekte holten nicht die freie, vorherige und informierte Zustimmung der lokalen Gemeinschaften für REDD+ Aktivitäten ein, was zu Verwirrung und Konflikten in den Projektgebieten führte.
  • Es gibt ein erschreckend geringes Mass an Einbezug der Leute in den Gemeinden, die REDD+-Aktivitäten umsetzen sollen, insbesondere bei Frauen.
  • Viele der versprochenen Leistungen sind entweder noch nicht erbracht worden oder die Gemeinden sind mit der Umsetzung unzufrieden.
  • Lokale Entwicklungskomitees, die als Schnittstelle zu den Projekten eingerichtet wurden, repräsentieren die Gemeinden nicht angemessen, ihre Mitglieder sind nicht ausreichend darüber informiert, was REDD+ ist, und ihnen fehlen oft die notwendigen Ressourcen, um REDD+-Aktivitäten umzusetzen.
  • Es gibt unzureichende Bemühungen, die Besitzverhältnisse der lokalen Gemeinschaften zu klären und zu stärken, was sie anfällig für Landspekulation und Migration macht.
  • Die Pläne zur Bewirtschaftung der natürlichen Ressourcen im PIREDD-Plateau bilden die traditionellen Landnutzungssysteme der Gemeinden nicht angemessen ab und haben zu Streitigkeiten über Landgrenzen geführt. Frauen wurde die Lebensgrundlage entzogen und in einigen Dörfern hat die Aktivität zu Nahrungsmittelknappheit geführt.
  • Das Fehlen funktionierender Beschwerdemechanismen für die beiden Projekte bedeutet, dass die Gemeinden kaum eine Möglichkeit haben, Hilfe für die Lösung dieser Probleme zu erhalten.
  • Die Fähigkeit der lokalen Regierung, das REDD+ Programm zu beaufsichtigen, ist trotz jahrelanger sogenannter „REDD Readiness“-Aktivitäten immer noch sehr mangelhaft.
  • Die Interventionen scheinen auch wenig Einfluss auf die Reduzierung von Entwaldung und Degradierung zu haben und haben in einigen Fällen sogar den Waldverlust beschleunigt.

Lesen Sie weiter: REDD-Minus: New report reveals the reality of REDD in Mai Ndombe, Democratic Republic of Congo. REDD-Monitor vom 3.3.21

Aus der Perspektive der Projektbetreuer

MAÏ-NDOMBE : Remarkable achievements with the Integrated REDD+ project – PIREDD. WWF 28.8.18

Wildlife Works Carbon (WWC) Mai Ndombe REDD+ Projekt

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3 Antworten to “Klima: REDD+ Waldprojekte in Drittweltländern – Wem nützen sie?”

  1. Jakob Meier Says:

    Liebe Heidi, leider kann ich das, was in diesem Bericht steht, nur bestätigen. Ich war mehrere Jahre in verschiedenen Ländern als Entwicklungshelfer tätig und habe solche Projekte gesehen. Oft werden Aufforstungen in der Nähe von Strassen gemacht. Aber nur so weit, damit die „überwachende“ Instanz das vom Auto aus sehen kann. Später brennen diese Aufforstungen eh wieder ab. Brandschutzmassnahmen sind keine vorgesehen, in der Trockenzeit brennen das vertrocknete Gras und Büsche wie Zunder……

  2. osmerus Says:

    In der Tat, Ablasshandel!
    Und derweil wird hierzulande – bis hin zu Kahlschlägen! – „munter“ weiter geholzt!
    Hartnäckige Initiativen gegen solch Treiben, die glücklicher Weise inzwischen durch Gerichtsprechung bestätigt werden, sind zu beglückwünschen, wie z.B. beim Leipziger Auwald.
    https://www.nukla.de/
    Aus dem Norddeutschen Tiefland grüßt
    Ludwig

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