Biobauern: Trennt sich die Spreu vom Weizen?

Die beiden Plakate wurden am 6.3.21 nebeneinander beim Stall eines Berg-Milchbauern gesehen. Er hat viele Blackenwiesen.

Die beiden Original-Plakate wurden am 6.3.21 nebeneinander beim Stall eines Berg-Milchbauern gesehen. Er hat viele Blackenwiesen.

Die Delegiertenversammlung der Biobauern hatte am 11.11.20 klar ein JA zur Volksinitiative für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide empfohlen, und zwar mit 64 Ja-Stimmen, 17 Nein-Stimmen bei 15 Enthaltungen.

Der Vorstand beantragte die Nein-Parole zur Trinkwasserinitiative. Die Basis sah das jedoch anders. Das Vorstandsanliegen wurde mit 40 Ja-Stimmen und 47 Nein-Stimmen bei 9 Enthaltungen abgelehnt. Der Entscheid über die Trinkwasserinitiative wurde auf die Delegiertenversammlung Bio Suisse vom 14.4.21 verschoben.

Was läuft jetzt? Biobauern hier und dort machen Stimmung für 2x NEIN, solidarisieren sich mit dem Schweizer Bauernverband, dessen Präsident, Markus Ritter, auch Biobauer ist. Es stellt sich natürlich die Frage: Wieviel „Bio“ darf es sein?

Nun zeigt sich, dass auch einige Biobauern möglicherweise mit der Annahme der Trinkwasserinitiative ins Schleudern kämen: Nährstoffprobleme zum Beispiel. Das Hin- und Her-Karren von Futter bzw. Gülle und Mist über grosse Distanzen kommt jetzt an den Tag! Einsatz von konventionellem Hofdünger im Biobetrieb auch. Exkremente, welche vom Engadin ins Rheintal, von Schaffhausen ins Bündnerland transportiert werden … nach dem Motto: Der Energieverbrauch in der Landwirtschaft ist ja eh hoch und wir können das problemlos zahlen.

Andere wünschen sich ein JA. Diese Zerstrittenheit nützt niemandem und ist schädlich für die Weiterentwicklung einer nachhaltigen Landwirtschaft.

Besonders aktiv für 2x NEIN scheinen die Bündner Bauern zu sein. 60% sind im Kanton Graubünden Bio und profitieren heute aussergewöhnlich stark von Direktzahlungen.

Berechnungen des Bundesamts für Landwirtschaft 2013 zeigten: Um 1 Megajoule (MJ) Energie für die menschliche Ernährung zu produzieren, wurden im Durchschnitt 2,3 MJ Input an Energie benötigt. Das ist 2,7-mal höher als der EU-Durchschnitt. Würden die Sömmerungsflächen (+ 0,5 Millionen Hektaren) in die Berechnungen einbezogen, fiele der Wert immer noch rund 1,8-mal höher als der EU-Durchschnitt aus. Das Verhältnis von Input zu Output ist im Berggebiet besonders schlecht, geschätzt wird es auf 3:1.

Vielleicht wird jetzt transparent: Wer ist Biobauer aus Überzeugung? Und wer v.a. des Geldes wegen? Mehr Einheit würde der Sache dienen. Und bitte, was sollen die realitätsfremden Texte, um es höflich auszudrücken?

Nachtrag: Weil einige LeserInnen nicht glauben wollten, dass Hofdünger von konventionelle Betrieben im Biobetrieb eingesetzt werden dürfen, hier ein Auszug aus den neuesten Richtlinien:

Bio-Suisse: Ja zu Pestizidverbotsinitiative, TWI-Parole verschoben. Schweizer Bauer vom 11.11.21

Initiativen: Problem oder gute Gelegenheit für Bio? Bio Suisse

Postulates 13.3682 Die Abhängigkeit der Landwirtschaft von fossilen Brennstoffen verringern. Jacques Bourgeois vom 11.9.13

Austausch von Hofdüngern zwischen Bio- und Nichtbiobetrieben. bioaktuell vom 21.6.17

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8 Antworten to “Biobauern: Trennt sich die Spreu vom Weizen?”

  1. Michael Moos Says:

    Was ist schon dabei? Auch organischer Handelsdünger stammt grösstenteils aus konventioneller Produktion. Soll etwa jeder Gemüseproduzent noch Rinder halten? Da ausreichend Nährstoffe vorhanden sind, sollten diese auch genutzt werden.

    • Heidi Says:

      Sehr geehrter Herr Moos
      Und wie steht es mit den Stoffen in der Gülle?
      Im Biolandbau werden Antibiotika wesentlich restriktiver eingesetzt als im konventionellen, verboten ist z.B. der prophylaktische Einsatz, welcher im konventionellen Anbau per Rezept Tierarzt erlaubt ist. Mit der Gülle gelangen antibiotikaresistente Keime in den Boden. Im Schlussbericht des Nationalfonds Forschungsprojekts NFP 49 war bereits 2006 zu lesen: “… Ergebnisse zeigten, dass in der Tiermast eingesetzte Sulphonamide (SA) durch das Ausbringen der Gülle in vergleichbar hoher Konzentration wie Herbizide ins Erdreich gelangen und dort mehrere Wochen oder Monate persistieren. Darüber hinaus wurde nachgewiesen, dass das Erdreich ein beträchtliches Reservoir für Resistenzgene darstellt …” Im Jahre 2019 waren Sulphonamide die in der Nutztierhaltung am zweitmeisten eingesetzten Antibiotika (Schweizer Bauer vom 25.8.20!
      Kritische Antibiotika (auch Reserve-Antibiotika genannt) dürfen im Biolandbau nur unter strengen Auflagen eingesetzt werden. Bio Suisse ist seit jeher bestrebt den Antibiotikaeinsatz auf ein Minimum zu beschränken. Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Tiere sind durch artgerechte Haltung und Fütterung, Wahl geeigneter Rassen und Zuchtmethoden zu fördern. Auch haben natürliche Mittel und komplementärmedizinische Heilmethoden Vorrang.
      Hinzu kommt, dass möglicherweise auch Pestizide und weitere Stoffe in der Gülle sind, welche im Biolandbau nicht erlaubt sind, z.B. synthetische Pestizide.
      Sie sprechen ein weiteres unschönes Thema an: organische Handelsdünger! Es ist tatsächlich so, dass organische Handelsdünger grösstenteils aus konventioneller Produktion stammen.
      Und: Der Biobauer als Verwerter der Überschüsse der konventionellen Bauern? Gerngesehener Verwerter von Food Waste? Verwerter von Gärgülle, die an und für sich nicht unproblematisch in Umgang und Anwendung ist?
      Probleme sind da, um gelöst zu werden. Gerne schafft man neue, statt den Problemen auf den Grund zu gehen.
      Sehen Sie den Unterschied zwischen Biogülle und konventioneller Gülle?
      Freundliche Grüsse
      Heidi

    • Michael Moos Says:

      Liebe Heidi
      Ich verstehe diese Argumente. Trotzdem würde mich interessieren: Soll etwa jeder Gemüseproduzent noch Rinder halten?
      Freundliche Grüsse
      Michael

    • Heidi Says:

      Lieber Michael
      Rinder halten? Das ist wohl nicht für alle sinnvoll oder möglich. Früher dienten die Tiere ja v.a. zum Düngen der Äcker. Optimal ist, betrachtet man nur die Nährstoffe, ein gemischtwirtschaftlicher Betrieb, wo auch über Klee-Gras-Wiesen Nährstoffe hinzukommen. Ich habe viele Nährstoffbilanzen gerechnet, solche Betriebe sind in der Regel ausgeglichen.
      Natürlich wäre es optimal, wenn in der Nähe ein Biobauer mit Tierhaltung wäre, der Hofdünger abgeben kann. Vielleicht ist es möglich, den konventionellen Hofdüngerlieferanten dazu bewegen, auf Bio umzusteigen? Das wäre doch toll!
      David Eppenberger, Redaktor Gemüsebau, hat z.B. über Bio-Dünger aus dem Berner Seeland geschrieben:
      https://www.eppenberger-media.ch/bio-duenger-aus-dem-berner-seeland/
      Du könntest ihn einmal fragen wie man das Problem besser löst als mit konventionellen Hofdüngern. Er weiss da besser Bescheid als ich. Kann sein, dass er dann gleich einen fundierten Artikel zum Problem schreibt.
      Es gibt übrigens ein neues NFP72 zum Antibiotika-Problem, da steht z.B.
      Verringerung der Antibiotikaresistenz in Gülle
      Gülle und Mist werden als organische Düngemittel in der Landwirtschaft eingesetzt. Sie enthalten jedoch auch eine grosse Anzahl von Antibiotikaresistenzen. Wir erforschen Methoden, um die Anzahl und Vielfalt dieser Resistenzen zu reduzieren.
      Organische Düngemittel übertragen eine grosse Anzahl von Antibiotikaresistenzen auf landwirtschaftliche Flächen – sowohl resistente Erreger als auch einzelne genetische Komponenten, die bei der Entstehung von Resistenzen eine Rolle spielen. Gülle und Mistdünger aus Schweine- und Geflügelfarmen enthalten eine besonders grosse Menge und Vielfalt an klinisch relevanten Antibiotikaresistenzen. Wir führen Tests durch, um festzustellen, inwieweit Kompostierung oder anaerobe Vergärung die Resistenzen reduzieren kann. Gleichzeitig untersuchen wir, ob die Reduzierung von Resistenzen in Düngemittel auch die Anzahl der Resistenzgene in Boden und Pflanzen reduziert. Diese Untersuchungen führen wir in der Schweiz durch, während andere Forschergruppen die gleichen Methoden in fünf anderen Ländern testen.
      Dr. David Drissner, Agroscope Wädenswil.
      Es wird geforscht …
      Und es gibt durchaus Alternativen zur Rinderhaltung!!!!
      Herzliche Grüsse
      Heidi

  2. Michael Moos Says:

    Liebe Heidi
    Dieser Bio-Dünger aus dem Berner Seeland stammt grösstenteils aus Federmehl aus Italien. Dies scheint mir nicht gerade energieeffizient. Zudem werden damit noch mehr Nährstoffe ins Land gebracht. Da ist der Austausch unter Nachbarn doch viel effizienter. Ob die Keime wirklich ein Problem sind, kann ich nicht beurteilen. Aber da gibt es sicher bessere Lösungen als Dünger zu importieren. Mein Nachbar zum Beispiel hat nicht mal ein IP Label, macht aber wunderbaren Kompost aus seinem Hofmist.

    Freundliche Grüsse
    Michael

    • Heidi Says:

      Lieber Michael
      Ich habe mich auch gefragt betreffend energieeffizient. David Eppenberger ist sonst ein kritischer Mensch. Je weiter weg, desto weniger weiss man, z.B. auch über die Haltung des Federviehs und die „Ernte“ der Federn. Da ist grundsätzlich der Nachbar schon besser, da hast du Recht! Ich habe einmal eine Käfighaltung in der Schweiz besucht: schrecklich! Auch bei uns hatten sich die Bauern gegen deren Abschaffung vehement gewehrt. Heute machen sie mit tierfreundlicher Haltung Werbung.
      Die resistenten Keime sind aber ein grosses Problem, sterben doch auch in der Schweiz jedes Jahr viele Leute daran, weil Antibiotika nicht wirken. Dass das Problem nun schon ein zweites Nationalfondsprojekt generiert hat, zeugt ebenfalls vom Ernst der Lage. Eine Expertenkomission wollte Antibiotika in der Tierhaltung ganz verbieten.
      Es kommt natürlich auf die Tierhaltung an. Je nach dem braucht es viel Antibiotika (Kälbermast, Hochleistungsmilchkühe, Geflügel …) oder es braucht wenig und der Bauer verzichtet auf Reserveantibiotika. Das weiss ich natürlich nicht … und es ist nicht jeder IP- oder Biobauer ein guter Bauer, aber es gibt auch gute konventionelle Bauern.
      Dein Nachbar macht also wunderbaren Kompost aus dem Mist. Dann macht er das hoffentlich auch grundwasserschonend. Bei uns im Bünderland transportierten viele Bauern den Mist einfach direkt vom Stall aufs abgeerntete Feld oder eine Wiese, auch über dem Grundwasser des Rheintals, wo er dann ungedeckt monate- bis jahrelang liegenblieb (z.B. Maienfeld, daher „Heidis Mist“). Das Landwirtschaftsamt meinte dazu, sie hätten das Kompostieren förrdern wollen! Wenn der Mist richtig und gewässerschonend kompostiert wird, dann ist das für den Gemüsebau eine gute Quelle. So bereite auch ich Kompost für das Gemüse und die Beeren, allerdings aus Unkraut usw.
      Das Berner Seeland, die Gemüsekammer der Schweiz hat ein anderes grosses Problem, nämlich: der Boden ist eigentlich nicht für Ackerland geeignet, nur für Grasland. Das weisst du sicher auch. Ob die Berner Bodenschutzfachstelle in neuester Zeit eine Lösung gefunden hat, weiss ich nicht. Andererseits macht Peter Thomet Stimmung für eine dritte Juragewässerkorrektion, was nicht gerade sinnvoll ist. Aber wir müssten uns schon Gedanken machen, wo und wie Gemüse produziert wirde, denn der Import aus der Gemüsekammer Europas (Almeria) ist auch nicht gerade schön, dies umso mehr als dort besonders viele gefälschte Pestizide landen.
      Vielleicht kannst du deinen Nachbarn für das Antibiotikaresistenz- und Pestizidproblem sensibilisieren, falls das nötig ist. Im Moment ist ja das Wetter nicht gerade gut für Feldarbeiten.
      Ich wünsche dir eine gute Gemüsesaison.
      Freundliche Grüsse
      Heidi

  3. Hanspeter Reber Says:

    Die Zollrückerstattung für Treibstoff muss der Bauernschaft gestrichen werden. Nur so hört der Güllentourismus auf.

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