Archive for the ‘Agrarpolitik’ Category

Bevölkerungswachstum, Wirtschaftswachstum, Ernährung der Weltbevölkerung …

28. Juli 2021
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Viel wird geschrieben und spekuliert über die Ernährung der Weltbevölkerung. Wie? Wo? Was? Das sind Fragen, die je nach Interesse sehr unterschiedlich beantwortet werden. Die Vorschläge sind aber keine wirklich nachhaltigen Lösungen, wenn man weitere Entwicklungen berücksichtigt wie Bevölkerungswachstum, Wirtschaftswachstum, Klimaveränderung, Bodendegradierung usw.

Urs P. Gasche schrieb am 23.7.21 im INFOsperber unter dem Titel Treiber der Erwärmung: Wirtschafts- und Bevölkerungswachstum:

«Die Entwicklung der Treibhausgasemissionen muss vor dem Hintergrund der zwei hauptsächlichen Antriebskräfte, dem Bevölkerungswachstum und dem Wirtschaftswachstum betrachtet werden.» Das schreibt Stephan Buhofer in seinem neuen Buch «Treibhausgasemissionen verstehen». Das Buch ist eine Analyse des Klimawandels im Kontext von Wissenschaft und Politik und enthält in kompakter Form die heutigen Erkenntnisse über Ursachen und Auswirkungen.

Erschienen ist das Buch im oekom-Verlag, begleitet von folgender Medieninformation: „Der Bedrohung der Erderwärmung steht das immense Wissen gegenüber, welches die Menschheit darüber besitzt. Ein gutes Verständnis der Zusammenhänge sollte aber nicht nur bei den Experten in Wissenschaft und Politik vorhanden sein – sondern auch bei den einzelnen Menschen als den Verursachern. Denn diese haben einen grossen Spielraum, Treibhausgasemissionen im persönlichen Handlungsbereich zu reduzieren. Voraussetzung dafür ist eine eigene Überzeugung.

Stephan Buhofer erläutert die klimawissenschaftlichen Grundlagen, analysiert den Ausstoss von Treibhausgasen und untersucht die weltweiten Anstrengungen zu deren Reduktion. Im Sinne eines Leitfadens bietet das Buch einen umfassenden Einblick in die technischen Aspekte des Themas – für alle, die sich eingehend informieren möchten.

„Treibhausgasemissionen verstehen“ ist also ein wichtiges Buch, das wir lesen sollten; es eignet sich auch als Ferienlektüre.

Stephan Buhofer
Treibhausgasemissionen verstehen – Der Klimawandel im Kontext von Wissenschaft und Politik
184 Seiten, Hardcover, ISBN 978-3-96238-311-4, 26,00 € (D). Auch als E-Book erhältlich.

Ernährung der Weltbevölkerung

Umwandlung der Biosphäre über 8000 Jahre. Copyright: United Nations Convention to Combat Desertification (UNCCD)

Wirtschaft und Bevölkerung beanspruchen beide Platz. Mit deren Wachstum vergrössert sich in der Regel auch die beanspruchte Fläche. Dies geht auf Kosten von Natur- und/oder Landwirtschaftsflächen. Vernetztes Denken ist gefragt, um all die ebenfalls wachsenden und miteinander verflochtenen Probleme zu lösen. Noch sind Zauberwörter wie CO2-Zertifikate, globales Einkaufen, Kreislaufwirtschaft beliebt. Wer aber die Abfallberge von nahe betrachtet, sieht rasch, dass der angebliche Kreis nie geschlossen ist, z.T. weit davon entfernt ist. Und das Sammeln, Transportieren und Wiederverwerten braucht auch Energie.

Die Entropie schieben wir nicht einfach mit Worten in den Müll. Sie bleibt. Und wenn wir den Wikipedia-Eintrag zu Entropie anschauen, dann wird klar, dass dies ein komplexes Thema ist, aber berücksichtigt werden muss. Und etwa die zunehmenden Transporte zur Effizienzsteigerung der Produktion, zur global saisonalen Lebensmittelversorgung und zur „ökologischeren“ Produktion am anderen Ende der Welt werden wie viele weitere „Kleinigkeiten“ einfach weggesteckt, oft durch irgendwelche „Ökobilanzen“ gerechtfertigt, die von Interessenvertretern bezahlt wurden.

Wirtschaftswachstum 6%

Der Internationale Währungsfonds IWF prognostiziert auch für 2022 ein starkes Wachstum der Weltwirtschaft. Damit werde sich die Erholung von der Corona-Krise weiter fortsetzen. Laut der Prognose rechnet der IWF für dieses Jahr weiterhin mit einem Wachstum von sechs Prozent, für das kommende Jahr erwartet er ein Wachstum von 4,9 Prozent. Das sind 0,5 Prozent mehr, als noch im April erwartet worden waren.

Bevölkerungswachstum 1,2%

Die Weltbevölkerung hat dieses Jahr bis heute um 55 Millionen Personen auf 7,9 Milliarden zugenommen. Für 2021 wird mit einem Wachstum von 1,2 Prozent gerechnet. Das Bevölkerungswachstum der Schweiz ist Durchschnitt, d.h. wächst ebenso schnell wie die Weltbevölkerung. Jeden Tag leben 277 Personen mehr in unserem Land.

Abnahme landwirtschaftliche Nutzfläche

Etwa 37 Prozent der weltweiten Landfläche werden durch die Landwirtschaft genutzt. Mit dem Bevölkerungswachstum hat die Ackerfläche stark zugenommen, v.a. in den Tropen. Damit verbunden ist ein dramatischer Verlust an Biodiversität und Ökosystemleistungen wie etwa die Speicherung von Wasser oder CO2. Hinzu kommt der Flächenbedarf für Siedlungen, Freizeitanlagen und Infrastrukturen.

So werden auch in der Schweiz die besten Fruchtfolgeflächen zu Industrie- und Wohnzonen sowie Strassen. Jede Sekunde wird fast ein Quadratmeter neu verbaut. Und dies seit Jahrzehnten.

Gemäss dem Global Land Outlook Report 2017 des Übereinkommens der Vereinten Nationen zur Bekämpfung der Wüstenbildung (United Nations Convention to Combat Desertification UNCCD) zeigten von 1998 bis 2013 etwa 20 Prozent der bewachsenen Landfläche der Erde einen anhaltenden Trend zur Abnahme der Produktivität. Dieser manifestiert sich bei 20 Prozent der Ackerflächen, 16 Prozent der Waldflächen, 19 Prozent des Graslands und 27 Prozent des Weidelands. Diese Trends sind besonders besorgniserregend in Anbetracht der steigenden Nachfrage nach flächenintensiven Nutzpflanzen und Viehzucht.

Mit Vollgas in die nächste Krise? Oder Denk-Halt?

Treiber der Erwärmung: Wirtschafts- und Bevölkerungswachstum. Urs. P. Gasche, INFOsperber vom 23.7.21

Treibhausgasemissionen verstehen – Der Klimawandel im Kontext von Wissenschaft und Politik.  Stephan Buhofer, oekom-Verlag 2021

Reiche Länder erholen sich laut IWF schneller von der Krise. Zeit online vom 27.7.21

countrymeter Weltbevölkerung

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Es stinkt: Landwirtschaft und Abwasser verschmutzen ALLE Flüsse in Grossbritannien

19. Juli 2021

George Monbiot

Aus dem Film „Rivercide“ von George Monbiot.

Umweltbehörde und Wasserbetriebe: „Wir sehen weniger Verschmutzung“; das bedeutet nicht, dass es weniger Verschmutzung gibt. Es bedeutet, dass man weniger sieht.

George Monbiot: „Unsere Flüsse und Meere werden von gierigen Unternehmen und nutzlosen Regierungen in offene Abwasserkanäle verwandelt.“

Monbiot ist ein britischer Journalist, Autor, Universitätsdozent, Umweltschützer und politischer Aktivist. Er schreibt eine Kolumne für The Guardian. In seinem neuesten Beitrag This Stinks berichtet er über die unglaublichen Versäumnisse von Regierung und Ämtern, von der Dezimierung der Umweltbehörde und deren Folgen. Hoffnung bringen Leute, welche die Verschmutzungen und Schäden sehen und in verschiedensten Formen aktiv werden, den Vollzug der Gesetze einfordern.

Immer mehr Leute wehren sich gegen die Verschmutzung der Flüsse und die Untätigkeit der Behörden. Aus dem Film Rivercide von George Monbiot.

Immer mehr Leute wehren sich gegen die Verschmutzung der Flüsse und die Untätigkeit der Behörden. Aus dem Film Rivercide von George Monbiot.

Monbiot hat eine erstaunliche Bilanz von Verschmutzung und Versagen zusammengetragen, die dazu geführt hat, dass sich Flüsse in ganz Grossbritannien in nur wenigen Jahren von blühenden Ökosystemen in offene Abwasserkanäle verwandelt haben. Der grösste Verschmutzer ist die Landwirtschaft, gefolgt von den (privatisierten) Kläranlagen. Als Livestream auf Youtube hat er Schuldige identifiziert und will sie zum Handeln drängen.

Im ganzen Land, wo Überwachung, Durchsetzung und Strafverfolgung zusammengebrochen sind, treten die Menschen am Ort auf den Plan, um die steigende Flut von Schmutz zu bekämpfen. Ein nationales Citizen Science (Bürgerwissenschaft) Projekt entsteht, bei dem Menschen im ganzen Land Proben nehmen und analysieren lassen, um dann Veränderungen zu fordern.

„Aber das ist keine Rechtfertigung für Camerons Traum von einer deregulierten „grossen Gesellschaft“, sagt Monbiot, „es ist ein Zeichen der Verzweiflung. Wir lieben unsere Flüsse. Wir wollen schwimmen und paddeln und die Enten füttern und angeln und Boot fahren, ohne uns Gedanken darüber machen zu müssen, was im Wasser ist. Wir sind nicht damit einverstanden, dass sie von rücksichtslosen Konzernen als billige Entsorgungsschächte benutzt werden, indem sie das regulatorische Versagen der Regierungen ausnutzen. Wir stimmen dem Tsunami der Scheisse nicht zu.“

Rivercide

In Grossbritannien wie auch in der Schweiz sind Hühnerfarmen wie Pilze aus dem Boden geschossen. Niemand hat in GR einen Überblick wie viele. Mit Hilfe von Citizen Science wurde in mühsamer Kleinarbeit eine Karte erstellt.  Der Mist wird im Übermass auf die Felder gebracht. Mit den zunehmend heftiger werdenden Niederschlägen wird Mist in Gewässer geschwemmt. In den Böden reichert sich Phosphor an, der dann im Laufe der Zeit aus dem Boden in die Gewässer sickert. Die Folge ist eine massive Verschmutzung der Flüsse. Aus Rivercide von George Monbiot.

In Grossbritannien wie auch in der Schweiz sind Hühnerfarmen wie Pilze aus dem Boden geschossen. Niemand hat in Grossbritannien einen Überblick wie viele. Mit Hilfe von Citizen Science wurde in mühsamer Kleinarbeit eine Karte erstellt.
Der Mist wird im Übermass auf die Felder gebracht. Mit den zunehmend heftiger werdenden Niederschlägen wird Mist in Gewässer geschwemmt. Und in den Böden reichert sich Phosphor an, der dann im Laufe der Zeit aus dem Boden in die Gewässer sickert. Die Folge ist eine massive Verschmutzung der Flüsse. Aus Rivercide von George Monbiot.

Ein Film wurde über Crowdfunding finanziert, mit der Hilfe von Freiwilligen gemacht und nutzt Bürgerwissenschaft, um Berichtslücken zu füllen. „Wenn sich etwas ändern soll, dann wird es nicht aus dem Zentrum kommen. Sie wird von den Rändern kommen“, so Monbiot. „Wir sind kein Ersatz für die Regierung, da wir keine Befugnisse haben. Aber wir können die Nachlässigkeit derer aufdecken, die behaupten, uns zu führen, und die Einhaltung der Gesetze einfordern. Sie mögen glücklich sein, sich im Dreck zu suhlen. Wir sind es nicht.“

In 60 actiongeladenen Minuten zeigt diese Live-Dokumentation wer Grossbritanniens Flüsse verschmutzt und warum niemand sie aufhält. Präsentiert vom Journalisten George Monbiot, unter der Regie von Franny Armstrong von The Age of Stupid und mit Live-Auftritten von Benjamin Zephaniah (Dichter) und Charlotte Church (Sängerin), ist Rivercide sowohl mutiger investigativer Journalismus als auch gutes Filmedrehen.

This Stinks. George Monbiot, The Guardian 13.7.21

Rivercide. Why are we not stopping them. youtube 14.7.21

Verschmutzung: Kein Fluss in England ist zum Baden sicher. Heidis Mist vom 3.8.19

Nur Bagger werden der Algen an bretonischen Küstenabschnitten noch Herr. Rod Ackermann, NZZ vom 17.7.21

Zum Beispiel: Wasser in Südfrankreich. Heidis Mist vom 16.7.21

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Roman Hüppi: Selbstversorgungsgrad neu denken!

8. Juli 2021
Copyright: Roman Hüppi

Copyright: Roman Hüppi

Der Selbstversorgungsgrad, wie er heute verstanden wird, ist ein gern zitiertes Relikt aus früheren Zeiten und wird politisch missbraucht. Eigentlich keine ernst zu nehmende Zahl, meint Heidi. Zudem gehen die Bauern von der irrigen Meinung aus, dass sie agrarpolitisch im Zentrum sind; sie haben heute auch weitgehend das Sagen WAS WIE produziert wird. Die Bauern sind zwar wichtig, aber übergeordnet sind die Ernährung der in der Schweiz lebenden Bevölkerung und die Umwelt. Wir haben ein Bundesamt für Landwirtschaft statt ein Bundesamt für Ernährung.

Es ist höchste Zeit, das wenig aussagekräftige Mass „Selbstversorgungsgrad“ zu überdenken. Genau dies hat Roman Hüppi von der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETHZ), Nachhaltige Agrarökosysteme, getan. Er sagt: „Der Selbstversorgungsgrad beurteilt die Leistung des Agrarsektors im Licht der Ernährungssicherheit. Den aktuellen Herausforderungen der Landwirtschaft wird er aber nicht gerecht.“

Ein Update für den Selbstversorgungsgrad

Roman Hüppi: „… Ernährungssicherheit ist in der Schweiz seit jeher ein wichtiges Ziel. Für aktuelle Krisen ist der klassische Selbstversorgungsgrad meiner Ansicht nach aber eine zweifelhafte Referenz: Im Kontext von Klimawandel, Artensterben und ernährungsbedingten Volkskrankheiten ist seine Aussagekraft beschränkt. Für die anstehende Debatte schlage ich vor, diesen wichtigen Gradmesser der Landwirtschaft an heutige Herausforderungen anzupassen.

Gemäss Bund beträgt der Schweizer Brutto-​Selbstversorgungsgrad der letzten Jahre etwa 60 Prozent.1 Berücksichtigt man, dass rund ein Viertel der Tierproduktion auf importierten Futtermitteln (jährlich 1.4 Millionen Tonnen) beruht, sinkt der Netto-​Wert auf 50 Prozent. Die andere Hälfte importieren wir. Hoch selbstversorgend sind wir bei tierischen Nahrungsmitteln (Milchprodukte 115 %, Fleisch 80 %). Bei pflanzlichen Produkten ist die Schweiz mit 40 Prozent hingegen eher selbst-​unterversorgt. Gerechnet wird in Nahrungsenergie.

Diese Metrik entstand in der Not der Weltkriege und ist eindimensional auf die Produktion von Kalorien getrimmt. Aus Sicht der Versorgung macht es Sinn, möglichst viele Nahrungsmittel im Inland zu produzieren. Bis heute lässt sich jede weitere Intensivierung der Landwirtschaft mit dem steigenden Selbstversorgungsgrad legitimieren.“

Weitere Informationen und die folgenden Kapitel finden Sie im Zukunftsblog der ETH:

  • Auf Kalorienproduktion getrimmt
  • Selbstversorgend – dank importierter Energie
  • Wir ernähren uns nicht nur von Kalorien

Im Folgenden noch das letzte Kapitel:

Welche Landwirtschaft wollen wir?

„Für mich ist klar: Die Landwirtschaft von morgen muss nachhaltig sein und mehrere Funktionen erfüllen. Sie muss die Menschen sicher mit gesunden Nahrungsmitteln versorgen, das Klima und das Kulturland schützen und die Biodiversität bewahren.

Wir sollten den Selbstversorgungsgrad für diese multifunktionale Landwirtschaft neu denken. Damit wäre diese zentrale Kennzahl auch für heutige Krisen relevant. Und könnte helfen, produktive und ökologische Interessen in der Agrarpolitik zu vereinen.“

Referenzen

1 Agrarbericht 2020: Selbstversorgungsgrad https://www.agrarbericht.ch/de/markt/marktentwicklungen/selbstversorgungsgrad

2 Vision Landwirtschaft: Faktenblatt Nr. 5 (2015): Multifunktionale Landwirtschaft.

3 Guggenbühl 2017: https://www.infosperber.ch/wirtschaft/landwirtschaft/die-​minus-kalorien-der-schweizer-landwirtschaft/

Ein Update für den Selbstversorgungsgrad. Roman Hüppi, Zukunftsblog ETHZ vom 16.6.21

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Wie schadet Stickstoff unserem Planeten?

27. Juni 2021
Stickstoffverschmutzung kann die Ozonschicht zerstören. NASA/SCIENCE PHOTO LIBRARY

Stickstoffverschmutzung kann die Ozonschicht zerstören. NASA/SCIENCE PHOTO LIBRARY

Aus dem Englischen übersetzt mit Hilfe von DeepL

„Wenn wir uns nicht um Stickstoff kümmern, wird der Umgang mit allen anderen Umweltproblemen sehr viel schwieriger“ sagt Mark Sutton, UK Centre for Ecology and Hydrology. Er untersucht Verschmutzungen durch Stickstoff seit Jahrzehnten.

Der Wissenschaftsjournalist Andrew Zaleski berichtete im New Scientist vom 15.5.21 über das Thema, Titel: Der Stickstoff-Notstand: Wie wir unsere vergessene Umweltkrise beheben. Die Stickstoffverschmutzung vergiftet unser Wasser und setzt unserer Luft zu – und sie verschlimmert andere Umweltprobleme. Aber wenn wir uns jetzt organisieren, können wir zurückschlagen, bevor es zu spät ist.

The godfather of pollution

Andrew Zalenski beginnt seinen Beitrag über Stickstoff „The godfather of pollution“ wie folgt: „Es gibt ein unsichtbares Gas in der Erdatmosphäre, das eine Umweltkrise nährt. Die Schäden werden jedes Jahr schlimmer. Wenn die Dinge unkontrolliert bleiben, steuern wir auf eine globale Katastrophe zu. Und hier ist das Beunruhigendste an diesem Gas: Es ist nicht Kohlendioxid.

Stickstoff gilt normalerweise als harmloses Zeug, schliesslich macht dieser farblose Stoff 78 Prozent der Erdatmosphäre aus. Wenn Sie eine erfrischende Brise auf Ihren Wangen spüren, sind es meist Stickstoffmoleküle, die vorbeirauschen. In unseren Ökosystemen findet ein natürlicher Kreislauf von Stickstoff aus der Luft in und aus unseren Böden statt, wo er einen wichtigen Nährstoff für Pflanzen bildet. Das Problem ist, dass dieser Kreislauf durch die Aktivitäten des Menschen gefährlich aus dem Gleichgewicht geraten ist. Das Ergebnis ist, dass Stickstoff in schädlichen Formen die weitere Umwelt überschwemmt.

Einige der Auswirkungen dieser Krise sind schon seit langem bekannt. Wir wissen zum Beispiel seit langem, dass die Verschmutzung durch stickstoffhaltige Verbindungen zu Algenblüten führt, welche die Wasserwege verstopfen. Aber auch andere Auswirkungen rücken jetzt ins Blickfeld, wie zum Beispiel die Art und Weise, wie die Stickstoffverschmutzung Torfmoore abtötet. Stickstoffhaltige Verbindungen schädigen auch das empfindliche Gleichgewicht der Atmosphäre.“

Schweiz: forschen, forschen …

In der Schweiz wurden viele Studien zu Problemen mit Stickstoff und parlamentarische Vorstösse gemacht. Etwa die Anfrage vom 13.9.12 im Nationalrat 12.1077 „Stickstoffüberschuss in der Landwirtschaft. Forschungslücken schliessen“ von Kathy Riklin: „Stickstoff ist der wichtigste Treiber in der landwirtschaftlichen Produktion und relevant in verschiedenen Umweltbereichen …“ Aus der Antwort des Bundesrates: „… Es sind bereits heute solide Grundlagen zur Thematik vorhanden, welche durch die verschiedenen landwirtschaftlichen Akteure umgesetzt werden können … Der Bundesrat wird eine Eingabe für ein NFP (Nationales Forschungsprojekt) zum Thema Stickstoff wie alle NFP-Eingaben im Rahmen einer Gesamtschau über den aktuellen schweizerischen Forschungsbedarf beurteilen.“

Das Problem Stickstoff ist seit Jahrzehnten in der Schweizer Politik und Forschung präsent, doch ist in dieser Zeit keine wesentliche Besserung eingetreten: zweithöchste Ammoniak-Emissionen in Europa, hohe Nitratgehalte im Grundwasser der Ackerbaugebiete, überdüngte Böden, Artenvielfalt im Sinkflug.

So schadet Stickstoff unserem Planeten

1. Tote Zonen im Meer

Regen kann Nitrate in Wasserläufe und Ozeane spülen. Diese Verschmutzung durch Stickstoff führt zu Algenblüten, die bei ihrer Zersetzung Sauerstoff verbrauchen und das Leben im Wasser ersticken. Das Ergebnis ist eine wässrige „tote Zone“, von denen es mehr als 400 in den Weltmeeren gibt, darunter eine riesige im Golf von Mexiko.

2. Luftverschmutzung

Autos und Kraftwerke stossen Stickoxide aus, die zu den wichtigsten Vorläufern der Luftverschmutzung gehören, die als Feinstaub bezeichnet wird. Diese winzigen Partikel können in unsere Lungen eingeatmet werden, wo sie Gewebeschäden verursachen, welche mit einer Reihe von Gesundheitsproblemen einhergehen.

3. Versauerung des Bodens

Das gleiche Nitrat, das sich in die Wasserwege einschleichen kann, kann auch wichtige Nährstoffe aus dem Boden ziehen, einschliesslich Magnesium und Kalzium. Dadurch kann der Boden zu sauer werden, so dass die Pflanzen die Nährstoffe nicht mehr richtig aufnehmen können.

4. Ozonabbau

Durch die steigende Ammoniakbelastung nimmt der Säuregehalt der Luft ab. Bestimmte Lebensräume, wie z. B. Torfmoore, sind darauf angewiesen, dass die Luft leicht sauer ist. In Nordirland führt dieses Problem zum Abbau von Sphagnum-Torfmoosen, einem wichtigen Speicher für Kohlendioxid.

5. Alkalische Luft

Überschüssiges Nitrat kann von Bakterien in Distickstoffoxidgas umgewandelt werden. In grossen Höhen reagiert dieses mit ultraviolettem Licht und zerfrisst die Ozonschicht, die uns vor UV-Strahlen schützt. Der Schaden ist schwer rückgängig zu machen, denn Lachgas hat eine Lebensdauer von 120 Jahren.

Probleme und Lösungen sind längst bekannt, aber die Politik will das Problem nicht angehen!

Lesen Sie den vollständigen Beitrag hier: The nitrogen emergency: How to fix our forgotten environmental crisis. Andrew Zaleski, New Scientist vom 15.5.21. Falls Sie keinen Zugang zum Artikel haben, schreiben Sie Heidi, sie kann Ihnen ein PDF schicken.

27.6.21 HOME

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Vandana Shiva: Wer ernährt die Welt wirklich?

21. Juni 2021

Heidis Buchempfehlung für heisse Tage.

Heidis Buchempfehlung für heisse Tage.

Das Buch „Chi nutrirà i mondo“ von Vandana Shiva, Wissenschaftlerin und Trägerin des Alternativen Nobelpreises, ist nun auf Deutsch erschienen. Sie widmet es allen Wesen, die uns Nahrung geben.

Das Versagen der Agrarindustrie und die notwendige Wende zur Agrarökologie

Agrarökologie versus Agrarindustrie In dieser Abrechnung der Wissenschaftlerin und Aktivistin Vandana Shiva wird eindrucksvoll dargelegt, wie die Agrargrossindustrie mit Chemie und Gentechnik den Planeten plündert, die Lebenswelt zerstört und unsere Gesundheit untergräbt. Und sie zeigt faktenreich und sachkundig auf, wer wirklich unsere Nahrungsgrundlage sicherstellt und wie wir den Hunger besiegen und unsere Nahrungssicherheit wieder herstellen können.

Einerseits stammen nur 30 Prozent der von den Menschen verzehrten Lebensmittel aus industriellen Grossbetrieben, 70 Prozent aus kleinen, biologisch vielfältigen Betrieben. Andererseits werden 75 Prozent der ökologischen Zerstörung unseres Bodens, unseres Wassers und unserer biologischen Vielfalt durch industrielle Anbaumethoden verursacht. Und 40 Prozent der Klimaverwüstung, die wir heute erleben, ist auf die globalisierte industrielle Landwirtschaft zurückzuführen. Das heisst: Die industrielle Landwirtschaft wird, bis sie auch nur 40 Prozent unserer Nahrungsmittelversorgung bereitstellen kann, 100 Prozent unserer ökologischen Lebensgrundlage zerstört haben. Dies ist ein Rezept für unser Aussterben, nicht für die Ernährung der Welt.

Der biologische Anbau in landwirtschaftlichen Betrieben und Gärten muss überall zur planetarischen Mission werden. Wir müssen für ein Ernährungs- und Landwirtschaftssystem innovativ tätig werden, das die Erde, unsere Gemeinschaften, unsere Städte und unsere Gesundheit regeneriert. Das ist Agrarökologie.

Wenn Heidi jetzt gerade nicht viel Zeit zum Schreiben hat, dann ist der Grund ihr produktiver und vielfältiger Garten, der auch dieses Jahr schon einiges Essbares, aber auch Flora und Fauna aller Art „produziert“ hat, viel Nahrung für Bienen, Hummeln, Heugümper … Salat, Erdbeeren für die Menschen. Die neue Spargelpflanzung scheint gut in Schwung zu kommen, alle Setzwurzeln haben gekeimt. Schnecken sind dieses Jahr bisher kein Problem.

Wirtschaftsfeindlich sei ihre Lebensmittelproduktion, das sagte kürzlich jemand mehr im Spass, denn im Ernst. Bauernkonkurrenz und Ernährungssicherheit, sind vielleicht passendere Wörter!

Vandana Shiva: Wer ernährt die Welt wirklich? ex libris

EAN: 9783890607986
ISBN: 978-3-89060-798-6

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Beschönigende Worte des Bundesrates

6. Juni 2021

Auch Biovision übt harsche Kritik am Bundesrat. Das Problem ist, dass der Bundesrat auf den Bauernverband und die Industrie hört, nicht auf unabhängige Fachleute.

Zitate aus dem Bericht von Biovision:

Am 27.5.21 nahm Viola Amherd namens des Bundesrates auf Radio SRF1 Stellung zu den beiden Pestizid-Initiativen, über die am 13.6.21 abgestimmt wird. Dabei versicherte sie der Schweizer Stimmbevölkerung, dass der Bund bereits genug für die Sicherheit und Gesundheit von Mensch und Umwelt tue, und dass es die zwei Initiativen daher nicht brauche. Biovision sieht das mit Blick auf die Faktenlage anders …

Unser Fazit

In der Abstimmungsempfehlung des Bundesrates in den SRF News wurden die problematischen Aspekte des anhaltenden Pestizideinsatzes beschönigt. Nachdem das nationale Parlament die Bestrebungen für eine umweltfreundlichere Landwirtschaft blockiert hat, braucht es jetzt die beiden Pestizid-Initiativen, um den Kurswechsel hin zu einer ökologischeren Landwirtschaft einzuleiten.

Biovision empfiehlt daher eine Annahme der beiden Initiativen am 13. Juni 2021

Lesen Sie den detaillierten Bericht hier: Beschönigende Worte des Bundesrates. Biovision

«Für die billigen Lebensmittel werden wir teuer bezahlen». Biovision vom 29.7.19

Pestizide in Gewässern und auf Feldern. Biovision vom 9.4.19

Die Welt ernähren ohne Gifte? Dossier: Unsere Berichte zum Thema synthetische Pestizide. Biovision

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Unsere St. Viola vom Heiligen Wasser

6. Juni 2021
Abstimmungsempfehlung von Viola Amherd in der Tagesschau SRF vom 30.5.21
Abstimmungsempfehlung von Viola Amherd in der Tagesschau SRF vom 30.5.21

Liebe NaNa

Herzlichen Dank für deine Sonntagsüberraschung, den „schnellen“ Cartoon!

Grüsse auch vom Alpöhi

Heidi

Bundesrätin Viola Amherd und die Trinkwasserinitiative: von logischem Denken und Ehrlichkeit. Heidis Mist vom 6.6.21

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Bundesrätin Viola Amherd und die Trinkwasserinitiative: von logischem Denken und Ehrlichkeit

6. Juni 2021

Bundesrätin Viola Amherd, Tagesschau SRF vom 20.5.21.

Bundesrätin Viola Amherd, Tagesschau SRF vom 30.5.21.

Diese Geschichte fängt mit einer Kaffeetasse an. Eine Leserin schrieb Heidi am 31.5.21: „Kannst du Ansprachen wie gestern die von Viola Amherd in der Tagesschau über die Initiativen noch hören? Hast du nicht so eine Wut, dass du die Kaffeetasse gegen den TV wirfst??“ Heidi antwortete, dass sie das gar nicht tun könne, denn sie hat keinen TV. Der Compi ist ihr zu schade dafür, die Tasse auch. Heidi trinkt selten Kaffee, wenn dann aus einer Mokkatasse, welche sie als Fünfjährige mit Blumen bemalt hatte; das Geld war mühsam von der Mutter zusammengespart worden.

Damit schien die Sache erledigt.

Pestizide: kein Schaden für Mensch und Umwelt

Heute (6.6.21) aber berichtete Urs P. Gasche im Infosperber über eben diese Ansprache. Also startete Heidi diesen Teil der Tagesschau vom 30.5.21 und hörte einleitend von Viola Amherd schöne beruhigende Worte. Zuviel wurde es ihr dann als Amherd sagte: „… Ich kann Ihnen versichern, unser Wasser kann bedenkenlos getrunken werden. Der Bund sorgt bereits heute mit strengen Vorschriften dafür, dass in der Landwirtschaft nur so viel Pflanzenchutzmittel eingesetzt werden dürfen, dass weder Mensch noch Umwelt zu Schaden kommen. Diese Vorschriften werden laufend verschärft.“

Die Verteidigungsministerin verteidigt also LandwirtInnen und PolitikerInnen mit schönfärbenden Worten. Was nützen strenge Vorschriften, wenn sie nicht kontrolliert und eingehalten werden? Woher nimmt die Verteidigungsministerin das Wissen, dass weder Mensch noch Umwelt zu Schaden kommen, wo doch wissenschaftlich erwiesen ist, dass für einen namhaften Teil des Biodiversitätsverlusts die Pestizide verantwortlich sind. Das Sterben findet statt, denn Pestizide wurden entwickelt zum Töten, zum Töten von Insekten, Pilzen und Pflanzen, aber es trifft auch Nützlinge und Unbeteiligte und kann unserer Gesundheit schaden. Das ist heute Allgemeinwissen. Wer das in der Funktion eines Bundesrates bestreitet, ist nicht unwissend, sondern lügt. Auch den Vögeln geht es schlecht.

Zudem hat der Bund keine seriöse Statistik über die Pflanzenschutzmittelverkäufe, ist auf die Angaben der Chemischen Industrie angewiesen. Wie ehrlich diese sind, weiss niemand. Und wer, wie Heidi, regelmässig das Pflanzenschutzmittelverzeichnis des Bundesamts für Landwirtschaft konsultiert, weiss welche Gefahren mit dem Einsatz vieler Pestizde verbunden sind. Es sind zahlreiche Mittel zugelassen, welche das Kind im Mutterleib, die Fruchtbarkeit oder die Fortpflanzungsfähigkeit schädigen können. Zudem sind sehr, sehr viel Pestizide sehr schädlich für Wasserorganismen mit langfristiger Wirkung.

Kein Schaden, aber laufend Verschärfung der Vorschriften?!

Amherd sagt also, dass nur so viele Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden dürfen, dass weder Mensch noch Umwelt zu Schaden kommen … und fährt fort: „Diese Vorschriften werden laufend verschärft.“ Das ist eine äusserst erstaunliche Aussage und zudem sehr unökonomisch oder eher unlogisch. Vorschriften sind unbeliebt, da sie einschränken und meistens kosten. Wie kommt der Bundesrat auf die Idee, Vorschriften laufend zu verschärfen, wenn die heutigen Vorschriften schon genügen, weder Mensch noch Umwelt schädigen? Oder sind etwa die Vorschriften gut, aber die LandwirtInnen die Bösen? Tatsache ist, dass wir ein grosses Umweltproblem haben, und zwar seit Jahrzehnten. Etwa beim Nitrat im Grundwasser seit drei Jahrzehnten kein Fortschritt, bei den Ammoniakemissionen sind wir an dritter Stelle in Europa usw. Dazu gibt es viele Berichte, Berichte, Berichte, Bundesratsberichte, Agrarberichte, Umweltberichte … aber genützt haben sie bisher wenig.

Prophylaktischer Antibiotika-Einsatz ist immer noch erlaubt

Das Halbieren eines Verbrauchswertes wie beim Verkauf von Antibiotika ist nicht aussagekräftig, wenn der Ausgangswert hoch war. Amherd: „Das Kernanliegen der Initiative wurde also bereits umgesetzt.“ Das ist eine klar Lüge, denn die Trinkwasserinitiative will den prophylaktischen Einsatz von Antibiotika verbieten. Entgegen den Behauptungen von Markus Ritter, Präsident Schweizerischer Bauernverband (SBV) & Co., ist dieser nach wie vor erlaubt und Tierärzte verdienen gut daran, verschreiben auch Reserve-Antibiotika, die für die Menschen wichtig wären. Wussten Sie, liebe LeserInnen, dass noch vor wenigen Jahren die Bauern Antibiotika auf Vorrat einfach im Medikamentenschrank hatten? Prophylaktischer Einsatz ist ein Zeichen für schlechte Haltungssysteme und muss daher grundsätzlich angegangen werden. Der Antibiotiaeinsatz ist noch immer ein Problem. Wieso gibt es das zweite Nationale Forschungsprogramm zum Problem? NFP72: „Gülle und Mist, die in der Landwirtschaft als organische Dünger verwendet werden, sind mit vielen Antibiotikaresistenzen belastet. Wir untersuchen, mit welchen Behandlungen die Anzahl und Vielfalt der Antibiotikaresistenzen reduziert werden kann.“

Bundesrat ignoriert Klimaerwärmung und Empfehlungen WHO

Einmal mehr wird das Märchen vom Mehrimport erzählt. Wenn der Bundesrat das Klimaproblem und die Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation ernst nehmen würde, dann müsste man auch in der Schweiz den Fleischkonsum drastisch senken, und zwar auf einen Drittel des heutigen Konsums. Viel Ackerland würde dann frei für den Anbau von pflanzlicher Nahrung, so dass der Selbstversorgungsgrad markant steigen und der Import sinken würde. Auch könnten wir weniger tierische Produkte wie Käse exportieren. Das muss man in den nächsten zehn Jahren sowieso angehen, aber vermutlich ist der Wille nicht da! Die Trinkwasserinitiative kann hier einen Beitrag leisten, indem sie den Import von Futtermitteln unterbinden will, was den Tierbestand senken würde, ein Ziel das in AP 22+ vorgesehen war, aber vom Parlament auf Wunsch von Markus Ritter im trüben Wasser versenkt wurde.

Geringer Nutzen des Ökologischen Leistungsnachweises

Mit dem Ausstieg aus dem Ökologische Leistungsnachweis (ÖLN) wird regelmässig Angst gemacht, weil das Volk die Realität nicht kennt. Er ist in wesentlichen Punkten nicht einmal das Gesetz, hat seit dessen Existenz wenig zur Verbesserung der Umweltsituation gebracht, also bringt der Ausstieg aus dem ÖLN den Bauern, die sich an die Gesetze halten, wenig, wie das ehrlicherweise ein grosser Gemüseproduzent im Seeland Heidi gegenüber zugegeben hatte. Auch er wirtschaftet am Limit und könnte gar nicht weiter intensivieren.

Viel BlaBla in 2:57

Amherd: „Bundesrat und Parlament schützen unser Wasser, unsere Gesundheit und unsere Natur bereits heute. Aus all diesen Gründen empfehlen Ihnen Bundesrat und Parlament, die Volksinitiative für sauberes Trinkwasser und gesunde Nahrung abzulehnen.“

Unglaublich, wieviele Lügen, Halbwahrheiten und Schönrederei in zwei Minuten und 57 Sekunden Platz haben!

Wir und die Umwelt brauchen 2x JA

Heidi empfiehlt Ihnen, beide Initiativen anzunehmen: 2x JA. Umweltanliegen werden regelmässig in der Umsetzung stark verwässert. Es ist also klar, dass weder die Volksinitiative für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide noch die Trinkwasserinitiative gemäss den Wünschen der InitiantInnen umgesetzt werden. Die Initiative der Fischer war ein trauriger Beweis für die Mentalität unseres Parlaments in Umweltfragen. Selbst die damalige Bundesrätin Doris Leuthard hatte das Parlament diesbezüglich energisch gerügt – ohne Erfolg!

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Urs P. Gasche, Infosperber vom 6.6.21:

Doch, Viola Amherd, unser Trinkwasser ist gefährdet

In Landwirtschaftszonen enthält Hahnenwasser Rückstände von durchschnittlich 5 Pestiziden. Das ergab eine Stichprobe des K-Tipp.

In ihrer Abstimmungsbotschaft am Fernsehen meinte Bundesrätin Viola Amherd treuherzig:
«Ich kann Ihnen versichern, unser Wasser kann bedenkenlos getrunken werden
Kaum damit einverstanden sind die 2500 Einwohnerinnen und Einwohner der Gemeinde Höri im Zürcher Unterland: Ihr Trinkwasser enthält Rückstände von 16 verschiedenen Pestiziden. Es war der höchste Wert einer Stichprobe, die der K-Tipp in zwanzig Haushalten in der Nähe von Landwirtschaftszonen in der Deutsch- und Westschweiz erhoben hat. Im Durchschnitt fand der Kassensturz Rückstände von vier verschiedenen Pestiziden.

Die Schweiz ist das Wasserschloss Europas. Unsere gesamte Gewässerverschmutzung ist hausgemacht. Noch sind wir stolz darauf, dass man in der Schweiz – im Gegensatz zu vielen anderen Länder – das Trinkwasser auch ohne grossen Chlorzusatz bedenkenlos trinken kann. Doch dieses Privileg riskieren wir zu verlieren.

… Werden an bestimmten Standorten zu hohe Werte an Pestizidrückständen gemessen, kommt die Taktik verdünnen zum Einsatz. Das Wasser wird mit dem Wasser saubererer Quellen vermischt, so dass die Grenzwerte der einzelnen Pestizid-Rückstände eingehalten werden. Solange diese Verwässerungspolitik möglich ist, kann die Bunderätin weiterhin verkünden:

«Bedenkenlos trinken».

Lesen Sie hier weiter: Doch, Viola Amherd, unser Trinkwasser ist gefährdet, Urs P. Gasche, Infosperber vom 6.6.21

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«Wir lagern viele Probleme unseres Ernährungssystems aus»

27. Mai 2021
«Es ist wichtig, nicht nur über die landwirtschaftliche Produktion zu sprechen»: Theresa Tribaldos. Foto: CDE

«Es ist wichtig, nicht nur über die landwirtschaftliche Produktion zu sprechen»: Theresa Tribaldos. Foto: CDE

Interview von Gaby Allheilig mit der Wissenschaftlerin Theresa Tribaldos vom Centre for Development and Environment (CDE):

„Aktuell debattiert die Schweiz darüber, wie ihre Landwirtschaft produzieren soll. Finnland geht einen anderen Weg und ist daran, sein ganzes Ernährungssystem – samt internationalen Auswirkungen – klimatauglich zu machen. Lässt sich dieser Ansatz auf die Schweiz übertragen? Was bräuchte es dafür? CDE-Wissenschaftlerin Theresa Tribaldos über die Notwendigkeit, über den eigenen Tellerrand zu blicken und auch die Frage der Gerechtigkeit zu stellen.

Theresa Tribaldos, Sie forschen zusammen mit finnischen und brasilianischen WissenschaftlerInnen zur Frage, wie wir zu gerechten Ernährungssystemen kommen. Was fällt Ihnen aus dieser Sicht bei der Debatte um die Schweizer Agrarpolitik und den beiden anstehenden Volksinitiativen auf?

In erster Linie fällt mir in der jetzigen Debatte auf, dass die Landwirtschaft losgelöst von Verarbeitung, Handel, Vertrieb und Konsum diskutiert wird. Dabei hängt das alles eng zusammen bzw. voneinander ab. Die Frage, ob wir den Einsatz von synthetischen Pestiziden herunterfahren wollen, stellt sich meines Erachtens so gar nicht – wir müssen. Aber zu glauben, dass die Probleme gelöst sind, wenn die Bauern ohne synthetische Pestizide produzieren, und sonst alles weiter so läuft wie bisher, ist fern der Realität.“

Heidi empfiehlt Ihnen, das ganze Interview zu lesen. Hier die wichtigen Punkte:

«Die Initiativen bringen ein sehr wichtiges Thema aufs Tapet»

«Im Agro-Food-Bereich hat eine enorme Machtkonzentration stattgefunden»

«Die Probleme, die mit der Agrarindustrie verbunden sind, betreffen nicht nur den Konsum von tierischen Produkten»

«Nur schon wegen der Klimaerwärmung müssen wir die Ernährungssysteme stark umgestalten»

«Wir müssen uns fragen, wie wir vom Futtermittel-Soja wegkommen»

… Die Finnen haben ein grosses Interesse daran, etwas gegen die Klimaerwärmung zu unternehmen. Ein wichtiger Baustein davon ist die Veränderung des Ernährungssystems. Finnland will dabei auch Gerechtigkeitsfragen berücksichtigen.

«Finnland schaut nicht nur die eigene Produktion an, sondern blickt vermehrt auch auf globale Wertschöpfungsketten»

«In der Schweiz herrscht oft noch ein sektorielles Denken vor»

Link zum vollständigen Interview: «Wir lagern viele Probleme unseres Ernährungssystems aus». Interview Gaby Allheilig, Centre for Development and Environment (CDE), Universität Bern, 25.5.21

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Synthetische Pestizide: Vortrag von Johann G. Zaller, Universtität für Bodenkultur Wien

25. Mai 2021
Mythen_Montage

Klicken Sie auf das Bild für Vergrösserung! Copyright: Johann G. Zaller, BOKU Wien

Dass synthetische Pestizide wirken, bezweifelt niemand. Was an der einen Stelle zum gewünschten Erfolg führt, bringt an der anderen Stelle jedoch unerwünschte Nebenwirkungen. «Es ist heutzutage praktisch unmöglich, nicht mit den Rückständen von Pestiziden in Berührung zu kommen», sagt Professor Zaller von der Wiener Universität für Bodenkultur. Darüber, dass synthetische Pestizide nicht so gut getestet sind, wie immer vorgegeben wird, und von deren Wirkung auf Boden, Wasser, Pflanzen, Tiere, Menschen, Umwelt und Klima spricht Prof. Dr. Johann Zaller in seinem Vortrag.

Synthetische Pestizide – Fluch oder Segen? Prof. Dr. Johann G. Zaller, Universtität für Bodenkultur. Video 1:12:29. Bio-Stiftung Schweiz

Heidi hat ein paar Vortrags-Folien kopiert. Die Reihenfolge entspricht nicht jener im Vortrag. Klicken Sie auf die Darstellungen für Vergrösserung.

Copyright: Augler et al. 2018, Universität Augsburg

Copyright: Augler et al. 2018, Universität Augsburg

Copyright: Johann G. Zaller, BOKU Wien

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Rote Balken = normale Dosierung. Von Links nach rechts: Fungizid Headline (Pyraclostrobin), Fungizid BAS 500 18 F (Pyraclostrobin), Herbizid Curol B (Bromoxyniloctanoate), Fungizid Captan Omya (Captan), Herbizid Dicomil (Fenoxaprop-P-ethyl, Fungizid Prosper (Spiroxamine), Insektizid Roxion (Dimethoate). Brühl et al. 2013. Sci Rep. Terrestrial pesticide exposure of amphibians: An underestimated cause of global decline? https://www.nature.com/articles/srep01135

Copyright: Gaupp-Berghausen et al. 2015, https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/26243044/

Copyright: Gaupp-Berghausen et al. 2015, https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/26243044/

Copyright: Katzmann & Schrom 1986

Copyright: Katzmann & Schrom 1986

Copyright: Johann G. Zaller, BOKU Wien

Copyright: Johann G. Zaller, BOKU Wien

Arch. Toxicol.

Mostafalou & Abdullahi 2017. Arch Toxicol. https://link.springer.com/article/10.1007/s00204-016-1849-x

agrarheute

agrarheute

Copyright: Johann G. Zaller, BOKU Wien

Copyright: Johann G. Zaller, BOKU Wien

Copyright: Klaus Staeck 1983

Copyright: Klaus Staeck 1983

Synthetische Pestizide – Fluch oder Segen? Prof. Dr. Johann G. Zaller, Universtität für Bodenkultur. Video 1:12:29. Bio-Stiftung Schweiz

Unser täglich Gift. Johann G. Zaller

Daily Poison- Pesticides an Underestimated Danger, erweiterte Ausgabe von „Unser täglich Gift“. Johann G. Zaller

Johann G. Zaller auf Twitter: Laufend interessante Meldungen aus der Wissenschaft.

Weitere Webseiten der Bio-Stiftung Schweiz:

Bodenfruchtbarkeitsfonds 

Pestizidmythen 

Das Gift und wir

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