Archive for the ‘Dünger’ Category

Wir brauchen ein Nicht-Lobbyisten-Ernährungssystem!

22. November 2022
Wegen der Klimaerwärmung blühen noch ganz viele Pflanzen im Garten. Heidi hat gestern einen kleinen Strauss gepflückt. Sie widmet ihn allen, die sich für ein zukunftsfähiges Ernährungssystem einsetzen.

Wegen der Klimaerwärmung blühen noch ganz viele Pflanzen im Garten. Heidi hat gestern einen kleinen Strauss gepflückt. Sie widmet ihn allen, die sich für ein zukunftsfähiges Ernährungssystem einsetzen.

Die Zusammenarbeit zwischen den Landwirtschafts- und Wirtschaftsvertretern im Bundesrat, Parlament und in den Kommissionen führt dazu, dass wir noch weiter weg driften von einem zukunftsfähigen Ernährungssystem. Heidi schrieb im Beitrag Heidi ist soeben fast vom Stuhl gefallen ob so viel Unverstand im Schweizer Parlament über den neuen Entscheid der Wirtschaftskommission des Nationalrats, der das Versprechen des Bundesrates vor den Pestizidabstimmungen vom 13.6.21 zunichte macht.

Die Stimmbevölkerung wird immer wieder an der Nase herumgeführt. Nicht besser war es bei der Verwässerung der Volksinitiative der Fischer für lebendige Gewässer. Ist das Volk so duldsam, dass es auch den neuesten Entscheid schluckt oder wird der Nationalrat noch korrigieren?

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Heidi ist soeben fast vom Stuhl gefallen ob so viel Unverstand im Schweizer Parlament

21. November 2022

Eigentlich wollte Heidi ja einen Beitrag fertigschreiben, nochmals über Lobby, aber nun hat sie den Brief des Vereins „Sauberes Wasser für alle“ gelesen. Es zeigt sich einmal mehr, dass in unserem Parlament zuhauf Leute sitzen, die von der Welt, von naturwissenschaftlichen Erkenntnissen, von Zusammenhängen usw. keinen blassen Dunst haben, um es höflich auszudrücken.

So seien hier die Motionen des Rechtsanwalts und Notars aus dem Wallis (Beat Rieder) und der Betriebsökonomin FH aus dem Kanton Fribourg (Johanna Gapany) präsentiert bzw. die Intentionen der SVP in Sachen Landwirtschaft.

Heidi lässt Franziska Herren und ihr Team sprechen, denn sie sind in dieser Sache kompetent.

Die Wirtschaftskommission des Nationalrats bricht Versprechen an die Stimmbevölkerung.

Diesmal braucht es ein 2x Nein vom Nationalrat. Für sauberes Trinkwasser und für unsere Ernährungssicherheit.

Die Wirtschaftskommission des Nationalrats hat die Annahme der Motion Gapany empfohlen. Sie will damit die Reduktion der Nährstoffüberschüsse (20 Prozent bis 2030) streichen, die der Bundesrat kurz vor der Abstimmung zur Trinkwasserinitiative als Massnahme «für sauberes Wasser» dem Volk versprochen hatte.

Die Wirtschaftskommission bricht damit ein zentrales Versprechen an die Stimmbevölkerung – ein grosser Vertrauensmissbrauch.

Bei Annahme der Motion gehen die Überdüngung von Böden, Wäldern und Gewässern, die Zerstörung der Biodiversität, die Schädigung des Klimas durch die überintensive Tierproduktion ungebremst weiter. Diese wird weiter gefördert mit Milliarden an Steuergeldern: 82% der Agrarsubventionen fliessen in die Tierproduktion. Nur gerade 18% in den Pflanzenbau. Produktion und Konsum von tierischen Lebensmitteln werden durch diese Subventionspolitik stark gelenkt und gefördert, eine klima- und umweltbewusste pflanzliche Ernährungsweise bleibt auf der Strecke.

Doch damit nicht genug: eine weitere Motion will mit dem Segen der Wirtschaftskommission des Nationalrats die vom Bundesrat zusätzlich geplanten Biodiversitätsflächen im Ackerland von 3,5% ersatzlos streichen.

Die beiden Motionen sind perfekt ausgerichtet auf eine vorangekündigte Initiative der SVP: Sie will noch mehr Tierproduktion dafür noch weniger Ökologie. All dies gut verpackt unter dem Deckmantel der «Ernährungssicherheit». Bei Annahme der Motionen würde die SVP natürlich auf ihre Initiative verzichten. Sie wäre ja durch die Hintertüre schon umgesetzt – ohne Berücksichtigung der Stimmbevölkerung. Mehr dazu in diesem Artikel der Aargauer Zeitung.

Dabei liegt klar auf der Hand, was für unsere Ernährungssicherheit und der dafür zentrale Netto-Selbstversorgungsgrad der Schweiz zu tun wäre: Weniger tierische dafür mehr pflanzliche Nahrungsmittel produzieren und konsumieren. Dafür muss auf unseren Ackerflächen – die heute zu 60% für den Futtermittelanbau genutzt werden – vermehrt Nahrung für die direkte menschliche Ernährung angebaut werden. So lassen sich pro Hektare weit mehr Kalorien erzeugen und viel mehr Menschen ernähren. Und dies im Einklang mit der Biodiversität, die die Erträge in der Landwirtschaft zusätzlich steigert.

Gewusst? Weltweit werden für die Tierproduktion 80% der Landwirtschaftsflächen gebraucht und damit nur 11% der benötigten Kalorien für die Menschheit erzeugt.

Am 14. Dezember – fast genau 18 Monate nach der Abstimmung zur Trinkwasserinitiative – wird der Nationalrat über die beiden Motionen abstimmen. Diesmal braucht es ein 2x Nein. Für die direkte Demokratie, für sauberes Trinkwasser und für eine nachhaltige, klimabewusste Ernährungssicherheit.

Wir bleiben dran. Denn die heutige Agrarpolitik können wir uns nicht leisten. Und werden sie auch so nicht hinnehmen..

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Mit grossem Dank und herzlichen Grüssen
Franziska Herren & Team

Heidi: „Wie wir von Fachleuten immer wieder hören, muss der Tierbestand um etwa zwei Drittel auf ein Drittel reduziert werden. Dies ist nur durch rasche langfristige Planung möglich, denn die betroffenen Bauern müssen ihre Infrastrukturen amortisierren können! Auch gegen die rasante Abnahme der Biodiversität muss dringend etwas getan werden; die Landwirtschaft ist zu einem wesentlichen Teil daran schuld, aber auch davon betroffen.“

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Klimakonferenz oder Notfalltreffen der Lobbyisten?

21. November 2022
Schlafende Schafe am See

Schlafende Schafe am See

Schon lange ist klar, dass der Klimawandel eine ernsthafte Gefahr für die Menschheit ist. Dringendes Handeln ist nötig. Wie auch immer: Die Natur wird sich anpassen können, wenn auch mit Verlusten, für die Menschen sieht es schlechter aus. Wichtige Probleme werden nicht angegangen wie etwa George Monbiot in seinem Beitrag The Silence of the Lambs in The Guardian vom 9.11.22 schreibt. Offensichtlich haben viele Angst um ihr Geschäft. Es geht um Gewinne, Wachstum und „weiter wie bisher“.

Unsere grossen Probleme sind Klimawandel, Bevölkerungswachstum, chemische Verschmutzung, sauberes und ausreichendes Wasser und Abfälle. Es ist also zwingend nötig, dass bestimmte Wirtschaftszweige massiv abgebaut werden. Aber die Drachen wehren sich mit allen Mitteln dagegen, die Lobbyisten schwärmen aus und finden viel zu oft Gehör.

Agrar-Lobbyisten an der COP27

So reisten denn viele Lobbyisten an die Klimakonferenz COP27. DeSmog berichtete am 18.11.22, dass die Zahl der Agrarlobby-Delegierten wie Fleischverpacker JBS, Cargill oder Bayer von 76 im Jahr 2021 auf mindestens 160 in diesem Jahr gestiegen ist. Die Analyse von DeSmog ergab einen Anstieg der Teilnahme von Unternehmen aus dem gesamten industriellen Lebensmittel- und Landwirtschaftssektor.

27 Lobbyisten, die mit den fünf grössten Pestizidherstellern der Welt in Verbindung stehen, haben sich registriert. Diese Zahl ist grösser als die einiger Länderdelegationen. Die 35 Delegierten, die mit den grössten Fleisch- und Molkereikonzernen und den dazugehörigen Lobbygruppen in Verbindung stehen, sind grösser als die Delegationen der Philippinen und Haiti, die zu den Ländern gehören, die am stärksten vom Klimazusammenbruch betroffen sind.

„Die Lobbyisten der Agrarindustrie sind dazu da, das Thema zu verwirren und sinnvolle Massnahmen zu blockieren“, kommentiert Monica Vargas Collazos von der gemeinnützigen Organisation GRAIN. „Es gibt keine Möglichkeit, die Klimakrise zu bewältigen, wenn unser Lebensmittelsystem in den Händen dieser Konzerne liegt.“

Die Landwirtschaft, die für schätzungsweise ein Drittel aller globalen Emissionen verantwortlich ist, stand bei den Klimaverhandlungen weiter oben auf der Tagesordnung als bei jeder anderen Runde. Jüngste Untersuchungen von DeSmog haben jedoch die Förderung „falscher Lösungen“ durch die Industrie aufgedeckt (wie z.B. Hightech-Pläne zur Senkung des Methananteils von Kuh-Rülpsen), die von der US-geführten AIM for Climate-Koalition befürwortet wurden, die auf der COP27 industriefreundliche, „klimafreundliche“ Innovationen propagiert hat.

Laute Stimmen der Grossen

„Es ist eine schlechte Nachricht, dass diese COP nicht nur mit Lobbyisten für fossile Brennstoffe, sondern auch mit ihren Freunden aus der grossen Agrarindustrie vollgepackt ist“, sagt Veronica Oakeshott, Leiterin des Forests Team bei Global Witness, die letzte Woche aufgedeckt hat, dass über 600 Vertreter von umweltverschmutzenden Energieunternehmen für die COP27 angemeldet waren – ein Anstieg von 25 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. „Diese Liste enthält einige der zerstörerischsten Unternehmen der Welt, und sie sollten nur mit äusserster Vorsicht an der COP teilnehmen“, erklärte sie gegenüber DeSmog. „Eine so grosse Präsenz erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass die Klimaziele verwässert werden, und übertönt die Stimmen anderer an der Landwirtschaft beteiligter Akteure, wie Landwirte, Aktivisten und Kleinbauernorganisationen.“

Im Allgemeinen haben sowohl die Unternehmen für fossile Brennstoffe als auch die Tierhaltung auf die drohenden Regulierungsmassnahmen auf ähnliche Weise reagiert: Sie wollen als wichtiger Teil der Lösung angesehen werden und sind bereit, an marginalen Änderungen herumzubasteln, anstatt über den Wandel des Systems zu sprechen, den wir so dringend brauchen.“

„Die Lobbyisten der Fleisch- und Milchindustrie wenden die gleiche Taktik an wie die der fossilen Brennstoffindustrie“, sagte Diana Ruiz von Greenpeace gegenüber DeSmog. „Sie säen öffentliche Zweifel durch Medienkampagnen und untergraben den wissenschaftlichen Konsens über den Beitrag der Viehwirtschaft zur Klimakrise.“

The Silence of the Lambs. George Monbiot, The Guardian 9.11.22

Big Ag Delegates More Than Double at COP27. Clare Carlile, Rachel Sherrington and Hazel Healy in DeSmog vom 18.11.22

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Trinkwasserverbände fordern rasche Umsetzung der Motion Zanetti

17. November 2022
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Medienmitteilung vom 17.11.22 der Internationalen Arbeitsgemeinschaft der Wasserwerke im Rheineinzugsgebiet (IAWR) und der Arbeitsgemeinschaft Wasserwerke Bodensee-Rhein (AWBR)

Die im Trinkwasser nachweisbaren Pestizidrückstände zeigen die Systemfehler und Defizite im schweizerischen Gewässer- und Trinkwasserschutz. Obwohl die Geschäftsprüfungskommission des Nationalrats und der Bundesrat diese Defizite wiederholt bestätigen, scheinen viele Kantone von den anstehenden Vollzugsaufgaben überwältigt. Die Trinkwasserverbände IAWR und AWBR fordern deshalb die rasche Umsetzung der Motion Zanetti, welche für die Kantone Planungshilfen und finanzielle Unterstützung vorsieht.

80% unseres Trinkwassers stammt aus Grundwasser, weshalb diese Ressource besonderen Schutz verdient. Dies haben unlängst sowohl die Geschäftsprüfungskommission des Nationalrats wie auch der Bundesrat bestätigt. In seinem Mediencommuniqué vom 4.10.2022 fordert der Bundesrat, „dass die in vielen Kantonen bestehenden Defizite rasch beseitigt werden müssen und ein besserer Schutz der Trinkwasserressourcen gewährleistet werden soll.“ Konkret soll den Kantonen bis Ende 2034 eine Frist gesetzt werden, um die bestehenden Vollzugsdefizite bei Grundwasserschutzzonen und -arealen zu beheben.

„Viel entscheidender aber als die Grundwasserschutzzonen und -areale sind die Zuströmbereiche“, sagt Roman Wiget, Präsident des Trinkwasserverbands AWBR beim heutigen Treffen der Wasserversorger in Lausanne. „Da viele chemisch-synthetische Pestizide fast nicht abbaubar, aber sehr wassergängig sind, legen sie lange Fliesswege zurück und können bis in Trinkwasserfassungen gelangen“, so Wiget. „Deshalb reicht es nicht aus, die kleinen Grundwasserschutzzonen zu sichern, sondern es braucht Massnahmen in den viel grösseren Zuströmbereichen“, doppelt Matthias Maier nach, Präsident des Trinkwasserverbands IAWR.

Aufgrund der erheblichen Grösse der zu schützenden Flächen und des erwarteten Widerstands der Landwirtschaft, haben die meisten Kantone bisher keine Zuströmbereiche ausgeschieden, obwohl die Pflicht seit 25 Jahren besteht. Zumindest überall dort, wo das Wasser durch Pestizidrückstände oder Nitrat belastet ist. Und diese Belastung ist im gesamten Mittelland eine seit Jahren nachgewiesene Tatsache.

„Deshalb braucht es die Motion Zanetti“, erklärt Wiget, „denn die Motion sieht vor, die Kantone mit planerischer und finanzieller Hilfe bei diesen wichtigen trinkwasserbezogenen Vollzugsaufgaben zu unterstützen.“ „Diese Motion bietet den Kantonen, was bisher gefehlt hat“, ergänzt Maier, „und die erste Phase ist eine rein hydrogeologische Zonenausscheidung.“

Dass die Ausscheidung von Zuströmbereichen durchaus machbar ist, zeigt beispielsweise der Kanton Schaffhausen, welcher innerhalb der nächsten Jahre mindestens die Hälfte der prioritären Zuströmbereiche ausgeschieden haben wird. Die Präsidenten Maier und Wiget sind überzeugt, dass dieser Prozess mit der Motion Zanetti beschleunigt und in allen Schweizer Kantonen umgesetzt werden kann und muss: „Zum Schutz unseres wichtigsten Lebensmittels“, betont Maier, „denn der Klimawandel wird in vielen Fassungsgebieten die Belastung durch Pestizide und Nitrat bei rückläufigen Grundwasserständen noch deutlich verschärfen, sofern jetzt keine wirksamen Massnahmen ergriffen werden.“

Ähnliche Forderungen stellen die Trinkwasserverbände IAWR und AWBR auch auf EU-Ebene, wo mit der „Zero Pollution“- und der „Farm-to-Fork“-Strategie (Vorschlag Pestizidverordnung/SUR) bereits heute sehr ambitionierte Trinkwasserschutzziele verfolgt werden.

Internationale Arbeitsgemeinschaft der Wasserwerke im Rheineinzugsgebiet (IAWR)

Arbeitsgemeinschaft Wasserwerke Bodensee-Rhein (AWBR)

Wirksamer Trinkwasserschutz durch Bestimmung der Zuströmbereiche. Eingereicht von Roberto Zanetti

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Um die Zukunft der Lebensmittelsysteme tobt ein Kampf der Ideen.

9. November 2022

Das Internationale Expertengremium für nachhaltige Lebensmittelsysteme hat die aktuell häufig zitierten Ernährungssysteme untersucht.

Das Internationale Expertengremium für nachhaltige Lebensmittelsysteme hat die aktuell häufig zitierten Ernährungssysteme untersucht.

IPES-Food ist ein unabhängiges Expertengremium, das die Debatten über den Übergang zu nachhaltigen Lebensmittelsystemen auf der ganzen Welt mitgestaltet. In der zweiten Ausgabe ihres Briefings über die Steuerung von Lebensmittelsystemen analysiert IPES-Food drei Konzepte – „Agrarökologie“, „naturbasierte Lösungen“ und „regenerative Landwirtschaft“ -, die um Aufmerksamkeit konkurrieren. Sie werden zwar oft zusammengefasst, können aber sehr unterschiedliche Dinge bedeuten.

„Naturbasierte Lösungen“ gewinnen auf internationalen Gipfeltreffen rasch an Bedeutung. Dem Konzept fehlt es jedoch an einer einheitlichen Definition und einer transformativen Vision. Und es wird oft mit riskanten, unbewiesenen Kohlenstoffkompensationsprogrammen kombiniert. Das Ergebnis ist eine Verwässerung der Transformation des Lebensmittelsystems.

„Regenerative Landwirtschaft“ ist im politischen Raum weniger präsent. Akteure des nachhaltigen Lebensmittelsystems verwenden den Begriff, um die Regeneration der natürlichen Ressourcen zu betonen. Führende Agrar- und Lebensmittelunternehmen (darunter Walmart, Pepsi und Cargill) berufen sich jedoch in einigen Fällen in ihren Nachhaltigkeitsprogrammen auf die „regenerative Landwirtschaft“, oft in Verbindung mit Kohlenstoffkompensationsprogrammen, denen die Dimension der sozialen Gerechtigkeit fehlt.

Die „Agrarökologie“, ein umfassenderer Weg zur Nachhaltigkeit des Lebensmittelsystems, ist durch integrative Governance-Prozesse klar definiert worden. Doch trotz ihrer konzeptionellen Reife wird sie bei Gipfeltreffen zu Lebensmittelsystemen, Klima und Biodiversität ausgeklammert.

IPES-Food ruft dazu auf, Lösungen abzulehnen, denen es an Definitionen mangelt, die sich Unklarheiten zunutze machen und hinter denen sich das übliche Agrobusiness verbirgt. Es reicht nicht aus, die Lebensmittelsysteme auf die globale Agenda zu setzen: Wir müssen für integrative globale Prozesse sorgen, die auf einem gemeinsamen Verständnis des Wandels der Lebensmittelsysteme und einer umfassenden (sozial und ökologisch) nachhaltigen Vision der Lebensmittelsysteme basieren.

There’s a battle of ideas over the future of food systems. IPES, International Panel of Experts on Sustainable Food Systems

Lesen Sie das ausführliche Briefing Smoke and Mirrors Oktober 2022

Hier finden den ausführlichen Bericht. Agroecology, regenerative agriculture, and nature-based solutions: Competing framings of food system sustainability in global policy and funding spaces. DS & IPES-Food, 2022.

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Deutschland: Verbot chemisch-synthetischer Pflanzenschutzmittel in Trinkwassergewinnungsgebieten gefordert

8. November 2022

Heidi meint: „Ähnliche Forderungen sind in der Schweiz an den Wänden des Bundeshaus ungehört verhallt.“

Medienmitteilung vom 3.11.22: Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), Deutscher Verein des Gas- und Wasserfaches e.V. (DVGW) und Bioland e.V. Verbändebündnis fordert mehr Ökolandbau und ein Anwendungsverbot für chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel in Trinkwassergewinnungsgebieten.

BDEW, DVGW und Bioland e.V. fordern ein Anwendungsverbot für chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel und die Ausweitung des Ökolandbaus in Einzugsgebieten, die der Trinkwassergewinnung dienen.

Erstmals äussern sich dazu gemeinsam Akteure aus der Wasserwirtschaft und dem Ökolandbau und unterstützen entsprechende Pläne der europäischen Kommission.

Martin Weyand, BDEW-Hauptgeschäftsführer Wasser/Abwasser: “Fast zwei Drittel unseres Trinkwassers stammt aus dem Grundwasser. Das macht es besonders wichtig, diese Wasserressource zu schützen. Genau hier muss die Politik endlich ins Handeln kommen. Jahrzehntelang wurden die Probleme der Verunreinigungen durch chemisch-synthetische Pestizide und der Überdüngung nicht ernst genommen. Ziel muss es sein, von der intensiven Landwirtschaft wegzukommen und so Einträge von chemisch-synthetischen Pestiziden und erhöhte Nitratfrachten ins Grundwasser zu vermeiden. Der Ökolandbau hat bereits die Antworten auf unsere Probleme und ist die geeignetste präventive Massnahme, unser Grundwasservorkommen vor Kontaminationen aus dem Bereich zu schützen.”

Trotz strenger Zulassungsvorschriften werden Pflanzenschutzmittelwirkstoffe (PSM-Wirkstoffe) und ihre Abbauprodukte (Metaboliten) regelmässig in Grund- und Oberflächenwasser nachgewiesen. Die Konzentrationen liegen laut der Wasserverbände teilweise oberhalb der geltenden Schwellenwerte und Umweltqualitätsnormen.

Seit vielen Jahren unvermindert hoch sei auch die Nitratbelastung des Grundwassers in vielen intensiv landwirtschaftlich genutzten Regionen. Gleichzeitig sei mittlerweile bekannt, dass das natürliche Nitratabbauvermögen in den Grundwasserleitern endlich ist, was unmittelbar einen weiteren Anstieg der Nitratkonzentrationen im Grundwasser zur Folge hat.

Dr. Wolf Merkel, Vorstand Wasser DVGW: “Trinkwasser ist unser Lebensmittel Nummer eins und es gelten strenge Grenzwerte zum Schutz vor Belastungen mit chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln und ihren Abbauprodukten. Um diese Grenzwerte einzuhalten, müssen Wasserversorgungsunternehmen teilweise viel Aufwand und Geld in eine kostenintensive Trinkwasseraufbereitung investieren. Damit wird das Verursacherprinzip auf den Kopf gestellt, denn die Verbraucherinnen und Verbraucher müssen über einen erhöhten Wasserpreis die von der Intensivlandwirtschaft verursachten Folgekosten der Trinkwasseraufbereitung bezahlen. Daher plädieren wir dafür, dass der ökologische Landbau in Wasserschutzgebieten und den Einzugsgebieten von Wassergewinnungsanlagen die erste Wahl sein muss. Wir brauchen umgehend politische Rahmenbedingungen, die den Ausbau des Ökolandbaus in den Einzugsgebieten der Trinkwassergewinnung stärken und die ökologischen Leistungen dieses Anbauverfahrens ausreichend finanziell fördern.”

Im Ökolandbau sind chemisch-synthetische Düngemittel und Pestizide verboten. Die wenigen zugelassenen Wirkstoffe im Pflanzenschutz führen wegen ihrer hohen biologischen Abbaubarkeit oder geringen Mobilität zu keinen Konflikten mit dem Grundwasserschutz, so Bioland. Im ökologischen Landbau werden in aller Regel nur in Dauer- und Sonderkulturen Pflanzenschutzmittel auf Naturstoffbasis eingesetzt, darüber hinaus werden keine herbiziden Wirkstoffe verwendet.

EU-Verordnung über die nachhaltige Anwendung von Pflanzenschutzmitteln: Die EU-Kommission leitet ihren Verordnungsentwurf über die nachhaltige Anwendung von Pflanzenschutzmitteln (SUR) aus der Farm-to-Fork Strategie ab. Diese beinhaltet zwei wichtige Ziele: Die Verwendung und das Risiko von Pestiziden sollen bis 2030 um 50 Prozent verringert werden. Zudem soll europaweit die Ökofläche in der EU auf 25 Prozent der gesamten Anbaufläche steigen. Der Vorschlag der Europäischen Kommission für ein Pflanzenschutzmittel-Anwendungsverbot in ökologisch empfindlichen Gebieten bietet bei entsprechender Umsetzung die Möglichkeit, den Einsatz von chemisch- synthetischen Pestiziden zu beenden.

Ein breites Verbändebündnis hat dazu ein Positionspapier (Verbändepapier: Trinkwasserschutz und Ökolandbau stärken | BDEW) verfasst und an Bundesagrarminister Cem Özdemir, Bundesumweltministerin Stefanie Lemke und die Berichterstatterin des federführenden Ausschusses des EU-Parlaments, Sarah Wiener, verschickt. Darin fordern sie wichtige Nachbesserungen.

Gerald Wehde, Geschäftsleiter Agrarpolitik bei Bioland: “Wir begrüssen im Grundsatz den Vorschlag der EU-Kommission. Allerdings umfasst das Anwendungsverbot in ökologisch empfindlichen Gebieten sämtliche Pflanzenschutzmittel und damit auch solche natürlichen Ursprungs. Damit macht das Anwendungsverbot den ökologischen Landbau in den empfindlichen Gebieten unmöglich. Das Anwendungsverbot muss daher auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel spezifiziert werden. Nur wenn die für den Ökolandbau zugelassenen Naturstoffe einschliesslich mineralischer Stoffe weiterhin zugelassen bleiben, ist dieser zukunftsfähig.”

So solle für eine kohärente Verwendung von Wirkstoffkategorien die SUR an die EU-Öko-Verordnung (EU) 2018/848 so angepasst werden, dass anders als im jetzigen Entwurf, nicht zwischen chemischen und biologischen Wirkstoffen, sondern zwischen chemisch-synthetischen und Naturstoffen (inkl. mineralischen Ursprungs) unterschieden wird.

Die Verbände sind sich einig, der Ökolandbau müsse auch in den ökologisch empfindlichen Gebieten gefördert werden. “Die vollständige Honorierung der ökologischen Leistungen des Ökolandbaus über die GAP muss dazu zukünftig auch in denjenigen Gebieten möglich sein, wo Verbote des Einsatzes chemisch-synthetischer Pflanzenschutzmittel gelten. Nur so sind die europaweiten Ziele der Farm-to-Fork Strategie mit der Halbierung des Pestizideinsatzes und 25 Prozent Ökolandbau erreichbar. Entscheidend ist eine gute kohärente Umsetzung der SUR in Verbindung mit der EU-Ökoverordnung und der GAP”, ergänzt Wehde.

Verbändebündnis fordert mehr Ökolandbau und ein Anwendungsverbot für chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel in Trinkwassergewinnungsgebieten. Medienmitteilung Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), Deutscher Verein des Gas- und Wasserfaches e.V. (DVGW) und Bioland e.V. 3.11.22

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Für ein neues krisentaugliches Ernährungssystem

19. Oktober 2022

Gutes Ackerland soll für die direkte Ernährung der Menschen genutzt werden und nicht für die Produktion von Tierfutter. Foto: Heidi

Gutes Ackerland soll für die direkte Ernährung der Menschen genutzt werden und nicht für die Produktion von Tierfutter. Foto: Heidi

Das Forschungsinstitut für biologischen Anbau (FiBL) veröffentlichte am 13.10.22 einen zukunftsweisenden Beitrag in der Agrarforschung Schweiz mit dem Titel Für krisentauglichere Ernährungssysteme: weniger tierische Produkte, weniger Abfälle. Er zeigt auf, dass wir Produktion, Wertschöpfungsketten und Konsum ändern müssen, um aktuelle und künftige Krisen besser bewältigen zu können. Klar und deutlich wird geschrieben, dass kurzfristige schnelle Lösungen mit möglicherweise erheblichen negativen Langzeitfolgen zu vermeiden sind. Es braucht eine sorgfältig geplante langfristige Strategie.

Der wissenschaftliche Artikel ist auf Deutsch verfasst. Heidi hat ein paar Passagen herausgepickt. Es lohnt sich aber, den ganzen Beitrag zu lesen.

Input-abhängige Ernährungssysteme

Die Grösse der Ernährungssysteme zu reduzieren, sei wohl der effektivste Ansatz, um die Herausforderungen hinsichtlich der Umweltwirkungen, der Ernährungssicherung und der globalen Märkte anzugehen. Im Artikel werden drei für eine solche Reduktion der Grösse der Ernährungssysteme zentrale Aspekte diskutiert: die Futter-Nahrungsmittel-Konkurrenz sowie Abfälle, die Rolle von Inputabhängigkeiten und geschlossenen Kreisläufen und die Sicherung der Produktionsgrundlagen.

Die Ernährungssysteme der Industrieländer sind extrem von externen Inputs abhängig und charakterisiert durch hohe Anteile von Nahrungsmittelabfällen und -verlusten sowie eine grosse Anzahl von Tieren, die mit Erzeugnissen vom Ackerland gefüttert werden. Die Ernährungssysteme sind dadurch sehr gross, gemessen an ihrem Massen-, Nährstoff- und Energieumsatz, sowohl pro Hektare als auch pro Produkteinheit oder pro Kopf.

Transformation sorgfältig planen

Es wird auch darauf hingewiesen, dass es nicht sinnvoll wäre, ganz auf Nutztiere zu verzichten, denn nur Wiederkäuer können Gras in Nahrungsmittel für uns Menschen umwandeln.

Viele der nötigen Veränderungen für diese Transformation können jedoch nicht schnell umgesetzt werden und bedürfen guter Vorbereitung. Ein Beispiel sind Infrastrukturinvestitionen spezialisierter Mastbetriebe, die genügend lange produzieren können müssen, um die Investitionen zu amortisieren. Umso mehr sollte man aber die Enden der Investitionszyklen nutzen, um Veränderungen in Richtung extensiver und zirkulärer Systeme anzustossen. Umstellungen auf reduzierte Düngernutzung, biologischen Pflanzenschutz oder gesamthaft biologische Produktion benötigen ein adäquates Wissen und unterstützende Beratung.

Die Konsumentinnen und Konsumenten schliesslich müssen ihr Verhalten anpassen, damit die Nachfrage im Einklang mit einem zunehmend reduzierten Angebot tierischer Produkte bleibt. Verarbeitung, Handel und Detailhandel müssen entsprechende Alternativen bereitstellen und ihre Geschäftsmodelle so anpassen, dass sie auch mit viel weniger tierischen Produkten profitabel wirtschaften können.

Produktionsgrundlagen sichern

Um eine für die Ernährungssicherheit genügende Produktion zu gewährleisten, auch unter Berücksichtigung der Reduktion von Abfällen sowie der Futtermittelproduktion beziehungsweise von tierischen Lebensmitteln, muss auch die Verfügbarkeit von und der Zugang zu Produktionsgrundlagen in ausreichender Menge und guter Qualität sichergestellt werden. Dies umfasst gesunde fruchtbare Böden, Biodiversität, intakte Ökosysteme mit deren Leistungen wie Bestäubung und als Basis für biologischen Pflanzenschutz, aber auch gut ausgebildete Betriebsleiterinnen, Betriebsleiter und Mitarbeitende sowie eine breite innovative Wissensbasis und ein funktionierendes landwirtschaftliches Wissens- und Informationssystem.

Kurzfristig hängt Ernährungssicherheit natürlich davon ab, dass genug zu essen bereitgestellt werden kann. Längerfristig hängt sie aber viel mehr davon ab, dass die Produktionsgrundlagen in ausreichender Menge und Qualität vorhanden sind, um genug Lebensmittel zu produzieren, und zwar unter sich immer wieder verändernden Wetterbedingungen, auf unterschiedlichen Böden und mit der Fähigkeit, sich langfristig an den Klimawandel anzupassen. In dieser Hinsicht haben agrarökologische und biologische zirkuläre Produktionssysteme Vorteile, da sie auf gesunden Böden und geschlossenen Nährstoffkreisläufen basieren. Sie überschreiten die Tragfähigkeitsgrenzen der lokalen Ökosysteme nicht und stellen deren zentrale Leistungen für eine resiliente landwirtschaftliche Produktion sicher.

Alle müssen am gleichen Strang ziehen

Der Bericht schliesst wie folgt: „Ein alleiniger Fokus auf die Produktion wird nicht zu den notwendigen Veränderungen führen. Es braucht eine Politik und Institutionen, die dezidiert die Transformation zu einem zukunftsfähigen und in Bezug auf Nährstoffumsatz und Inputnutzung kleineren Ernährungssystem unterstützen. Ein solches Ernährungssystem wäre resilienter, fähig mit den zukünftigen Herausforderungen umzugehen und es wäre besser gewappnet gegen Krisen wie die heutigen.“

Heidis Frage: „Worauf warten wir noch?“

An agribusiness greenwashing glossary

13. Oktober 2022

Copyright: GRAIN

Copyright: GRAIN

GRAIN ist eine kleine internationale gemeinnützige Organisation, die Kleinbauern und soziale Bewegungen in ihrem Kampf für gemeinschaftlich kontrollierte und auf biologischer Vielfalt basierende Lebensmittelsysteme unterstützt. Greenwashing ist heute schon fast ein Geschäftsstandard. GRAIN hat am 7.9.22 ein interessantes Glossar veröffentlicht: „… Auf den folgenden Seiten versuchen wir, einige der wichtigsten Greenwashing-Konzepte und falschen Lösungen zu identifizieren und zu entmystifizieren, mit denen Lebensmittel- und Agrarkonzerne wirksame Massnahmen gegen die Klimakrise verhindern wollen.

Stichwörtern sind ‘Net Zero’, Carbon offsets, Nature-Based Solutions, Zero deforestation, Climate smart agriculture, Agriculture 4.0, Regenerative agriculture, Carbon Farming, Bioeconomy and Green finance.

Check out the Greenwashing Toolkit infographic in GRAIN’s Instagram and Facebook. Hier gibt es zusammenfassende Bilder/Texte.

Das Glossar enthält viele Links und Literaturangaben. Den ersten Link, den Heidi im Text unter „Carbon offset“ ausgewählt hat war carbon colonialism; er führte zu einem Artikel von George Monbiot, der am 26.1.22 in The Guardian veröffentlicht wurde.

Heidi empfiehlt Ihnen, einen Blick in dieses Glossar zu werfen, besonders wenn Sie sich noch von diesen Schlagwörtern blenden lassen.

An agribusiness greenwashing glossary. GRAIN 7.9.22

Fossils, Fertilizers, and False Solutions

7. Oktober 2022

Lesen Sie den Bericht bzw. mindestens die Zusammenfassung und schauen Sie sich das Video an mit Klick auf das Bild.

Lesen Sie den Bericht bzw. mindestens die Zusammenfassung und schauen Sie sich das kurze Video 1:58 an mit Klick auf das Bild.

Wie die fossile Düngemittelindustrie auf Scheinlösungen setzt und damit Klima und Menschenrechte in Gefahr bringt.

Die Zusammenfassung des am 6.10.22 veröffentlichten Berichts des Center for International Environmental Law (CIEL) endet wie folgt:

„… Angesichts der starken Abhängigkeit des globalen Nahrungsmittelsystems von chemischen Inputs, der weit verbreiteten Übernutzung und ungerechten Verteilung dieser Inputs sowie der Unterbrechung der Getreide- und Düngemittelausfuhren durch die russische Invasion in der Ukraine besteht Grund zur Sorge, dass eine weitere Verschlechterung des Zugangs zu Düngemitteln die durch die Invasion selbst verursachten kurzfristigen Bedrohungen der Ernährungssicherheit noch verstärken wird. Die Wurzeln des Problems liegen jedoch in den systemischen Fehlern der industriellen Nahrungsmittelproduktion und nicht in der Verknappung eines Produkts, das in Wirklichkeit nicht die Ernährungssicherheit fördert, sondern die Ernährungssouveränität untergräbt. Wie dieser Bericht im Einzelnen darlegt, gab es noch nie einen besseren Zeitpunkt und eine dringendere Notwendigkeit, das derzeitige System zu überdenken, insbesondere die Rolle von fossilem Dünger.

Da die Welt dringend von der fossilen Wirtschaft wegkommen muss, muss sie auch das derzeitige, auf fossilen Brennstoffen basierende Modell der intensiven, industriellen Landwirtschaft angehen und aufgeben, mit dem Ziel, widerstandsfähige, regenerative Modelle zu entwickeln, die die Nahrungsmittel- und Energiesouveränität verbessern, im Interesse der Ökosysteme und Menschen, die von ihnen abhängen. Ein solcher Übergang kann nur erreicht werden, wenn wir das mit fossilen Brennstoffen betriebene System, das die Erde und ihre Bewohner:innen über kritische planetarische Grenzen hinaus treibt, in den Blick nehmen. Vor dem aktuellen Hintergrund der multiplen Krisen war die Notwendigkeit für ein Umsteuern noch nie so klar wie heute.

Weil der Bericht so wichtig ist, kopiert Heidi die auch in Deutsch verfügbare Zusammenfassung vollständig:

In den letzten sechs Jahrzehnten hat sich die weltweite Produktion und Verwendung von Stickstoffdüngern verneunfacht: von 12,9 Millionen Tonnen im Jahr 1961 auf über 123 Millionen Tonnen im Jahr 2020. Länder mit hohem Einkommen wie Japan, die Vereinigten Staaten und Teile Westeuropas verbrauchen 85-135 Kilogramm (kg) Stickstoffdünger pro Kopf, während sich die Industrie darauf konzentriert, den Düngemitteleinsatz im globalen Süden drastisch zu erhöhen. Die Produktion und der Einsatz von Pestiziden haben sich ähnlich entwickelt, wobei sich der anfänglich dramatische Anstieg des Pestizideinsatzes in Nordamerika und Europa in den letzten Jahrzehnten zu einer starken Konzentration auf den Export von Pestiziden in den globalen Süden verschoben hat, da Verbraucher:innen und Regulierungsbehörden im globalen Norden sicherere Alternativen fordern. Seit 1960 ist der Wert der weltweiten Pestizidexporte um 15.000 Prozent gestiegen und wird im Jahr 2020 41 Milliarden US-Dollar erreichen.

Überwältigende wissenschaftliche Beweise zeigen, dass der jahrzehntelange übermäßige Einsatz von synthetischen Düngemitteln und Pestiziden – zusammenfassend als Agrochemikalien bezeichnet – und die allgegenwärtige Ausbreitung einer industriellen Landwirtschaft, die auf diesen Agrochemikalien basiert, zu einem katastrophalen Zusammenbruch der biologischen Vielfalt und einer Verschmutzung mit toxischen Chemikalien beiträgt, die Erde über kritische planetarische Grenzen hinaus belastet und zu weit verbreiteten Menschenrechtsverletzungen führt, insbesondere im globalen Süden. Diese übermäßige Nutzung hat auch Auswirkungen auf die Menschen, die direkt neben den Produktionsstandorten der Petrochemie leben – sowohl im globalen Norden als auch im Süden. Diese negativen Auswirkungen werden durch die bedeutende, aber oft übersehene, Rolle von Düngemitteln und Pestiziden bei der sich beschleunigenden Klimakrise noch verstärkt.

Die Landwirtschaft ist für etwa ein Drittel der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich, und fossiler Dünger – also chemische Düngemittel, die aus fossilen Rohstoffen gewonnen werden – tragen maßgeblich, jedoch unbeachteterweise, zu dieser Zahl bei. Eine im August 2022 veröffentlichte wissenschaftliche Studie ergab, dass allein die globalen Klimaauswirkungen von Stickstoffdünger die des kommerziellen Luftverkehrs übersteigen und etwa 2 Prozent aller globalen Treibhausgasemissionen ausmachen. Diese Emissionen entstehen sowohl durch die emissionsintensive Düngemittelproduktion als auch durch die anhaltenden und vielfältigen Klimaauswirkungen, wenn Stickstoffdünger auf landwirtschaftliche Böden ausgebracht wird.

So werden beispielsweise bei der Herstellung des Ammoniaks (NH₃), auf dem Stickstoffdünger basiert, schätzungsweise 450 Millionen Tonnen Kohlendioxid (CO2) pro Jahr freigesetzt – das entspricht den gesamten Emissionen des Energiesystems Südafrikas. Ebenso ist die Landwirtschaft für etwa zwei Drittel der weltweiten Lachgasemissionen (N2O) verantwortlich, ein Treibhausgas, das 265 Mal stärker wirkt als Kohlendioxid.

Landwirtschaftliche Böden, die mit Stickstoffdünger behandelt werden, sind eine der Hauptquellen dieser Emissionen. Jüngste Studien belegen, dass die beobachteten Lachgaskonzentrationen in der Atmosphäre selbst die pessimistischsten Klimamodelle des Weltklimarats (IPCC) der Vereinten Nationen zu übertreffen
beginnen.

Darüber hinaus könnte der anhaltende übermäßige Einsatz von Pestiziden und Düngemitteln die Fähigkeit des Bodens, Kohlenstoff zu absorbieren und zu binden, beeinträchtigen. Trotz dieser Risiken geht die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) alarmierenderweise davon aus, dass der Einsatz von Stickstoffdüngern bis 2050 um weitere 50 Prozent steigen könnte.

Sowohl die agrochemische Industrie als auch die fossile Industrie werden davon profitieren. Schon jetzt verbraucht die Synthese von Ammoniak für Stickstoffdünger schätzungsweise 3 bis 5 Prozent des weltweiten fossilen Gases.

Die Internationale Energieagentur (IEA) geht davon aus, dass die Petrochemie bis 2026 für mehr als zwei Drittel des weltweiten Ölnachfrageanstiegs und bis 2050 für mehr als die Hälfte (55 Prozent) des gesamten Erdölverbrauchs verantwortlich sein wird. Plastik und Düngemittel, die zusammen fast drei Viertel (74 Prozent) aller produzierten Petrochemikalien ausmachen, sind die Haupttreiber dieses Wachstums. Der IEA zufolge stellen Düngemittel den größten kurzfristigen Wachstumssektor für den Einsatz von Erdölrohstoffen dar, wobei für die Düngemittelproduktion im Jahr 2025 ein Bedarf von mehr als 100 Milliarden Kubikmetern (bcm) Erdgas prognostiziert wird und für die weltweite Ammoniakproduktion ein Anstieg bis 2050 um bis zu 30 Prozent.

Diese Interessenkonvergenz der fossilen und Agrarindustrie spiegelt sich in den tiefgreifenden und weitreichenden Verflechtungen zwischen den Konzernen selbst wider. Während die weitreichende Rolle der Öl- und Gasunternehmen beim Ausbau der Petrochemie und der anhaltenden Plastikkrise gut dokumentiert ist, haben die Verbindungen zwischen der fossilen Brennstoff- und der Agrochemieindustrie weit weniger Aufmerksamkeit erhalten. Von acht führenden Düngemittelunternehmen, die für diesen Bericht untersucht wurden, wiesen sieben in der Vergangenheit oder gegenwärtig weitreichende Verbindungen zur fossilen Industrie auf, und zwar durch Verflechtungen in den Aufsichtsräten, durch die Eigentumsstruktur des Unternehmens oder durch direkte Beteiligung an der Produktion fossiler Brennstoffe. Dies gilt zusätzlich zu den bekannten historischen Verbindungen zu fossilen Brennstoffen bei langjährigen Marktführern der Agrochemie wie DuPont und Dow.

Es überrascht daher vielleicht nicht, dass agrochemische Unternehmen immer stärker die Lobbystrategien der fossilen Industrie nachahmen und argumentieren, dass sie die massiven Auswirkungen der Düngemittelproduktion auf das Klima durch den weit verbreiteten Einsatz von Kohlenstoffabscheidung und –speicherung (CCS) und andere Scheinlösungen zum Verschwinden bringen können.

Noch beunruhigender – und von den Medien und der Zivilgesellschaft weitgehend unbemerkt – ist die Tatsache, dass Öl-, Gas- und Agrochemieunternehmen Partnerschaften für eine Vielzahl an neuen Projekte eingehen, bei denen CCS und verwandte Technologien eingesetzt werden, um sogenannten „blauen“ Ammoniak (und seinen Vorläufer „blauen“ Wasserstoff) auf der Basis von fossilem Gas nicht nur als wichtigen Düngemittelbestandteil, sondern auch als Energieträger und als brennbaren Kraftstoff für Transport und Energie zu produzieren.

Unternehmen aus dem Bereich Düngemittel und fossile Brennstoffe betreiben, entwickeln oder erforschen aktiv Dutzende solcher Projekte in mindestens neun Ländern weltweit. Dieser Bericht hebt insbesondere die Ausbaupläne in den USA hervor, wo Projekte in acht Bundesstaaten geplant oder unterwegs sind. Es überrascht nicht, dass dieselben Staaten und Gemeinden, die bereits mit den negativen Auswirkungen der petrochemischen und CCS-Produktion konfrontiert sind, auch die Hauptziele für die Expansion der fossilen Düngemittelindustrie in Richtung blauer Wasserstoff und blaues Ammoniak sind.

Wissenschaftliche Untersuchungen belegen eindeutig, dass solche Kraftstoffe nicht nur technisch und wirtschaftlich für die meisten Verwendungszwecke unbrauchbar sind, sondern dass sie für das Klima genauso schlecht oder noch schlechter sind als die direkte Verbrennung von fossilem Gas. Indem sie dieses fossile Gas mit CCS-abgeleitetem Ammoniak als saubere Energiequelle positionieren, nutzen beide Industrien nicht nur das Vermarktungspotenzial vermeintlich „sauberer“ und nachhaltiger Kraftstoffe, sondern auch massive staatliche Subventionen für Infrastrukturinvestitionen im Namen des Klimaschutzes. Vereinfacht ausgedrückt, arbeiten die Düngemittelindustrie und die Industrie für fossile Brennstoffe zunehmend zusammen, um fossile Brennstoffe – insbesondere Erdgas – als eine ständig wachsende Quelle sowohl für „saubere“ Energie als auch für „saubere“ Agrochemikalien zu vermarkten. Doch wirklich sauber, grün oder nachhaltig ist keines von beidem. Die Beschleunigung dieser Vorschläge und die ihnen zugrundeliegenden Narrative drohen jedoch, die globale Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen und industrieller Landwirtschaft auszuweiten und zu vertiefen, während weltweit die Erkenntnis wächst, dass beides dringend reduziert werden muss. Abgesehen von den Gefahren für die biologische Vielfalt, die menschliche Gesundheit und das globale Klima stellt die tiefe Verflechtung von fossilen Brennstoffen und industriellen Agrochemikalien eine tiefgreifende Bedrohung für die globale Ernährungssicherheit dar – wie die Marktschocks von 2022 bei den Lebensmittel-, Kraftstoff- und Düngemittelpreisen eindrucksvoll zeigen. Bei Redaktionsschluss dieses Berichts Mitte September 2022 haben akute Benzinknappheit und massive kurzfristige Preisspitzen führende Düngemittelhersteller dazu veranlasst, kurzfristige Produktionskürzungen anzukündigen, während gleichzeitig langfristige Investitionspläne ausgeweitet werden

Der letzte Absatz steht am Anfang!

Lesen Sie den Bericht report.

Schauen Sie das kurze Video an: explanatory video.

Fossils, Fertilizers, and False Solutions: How Laundering Fossil Fuels in Agrochemicals Puts the Climate and the Planet at Risk (October 2022). Center for International Environmental Law (CIEL) 6.10.22

Zurück an den Phosphat-reichen Zugersee!

29. September 2022

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NaNa: „Das neue Wappen ist da!“

Heidi meint: „Nicht nur der Kanton Zug braucht ein neues Wappen … der Vollzug Gewässerschutz ist in zahlreichen Kantonen im Argen, und sogar das Trinkwasser an vielen Orten verschmutzt!“

Mit Phosphor verschmutzte Seen, z.B. Zugersee. Heidis Mist 15.9.22

Dazu passen die Gewässerschutzprojekte, Heidis schon etwas ältere Beiträge (1) bis (6) sind hier verlinkt:

Gewässerschutzprojekte: Sind sie nachhaltig? (6) Nitratprojekt Wohlenschwil. Heidis Mist 26.11.16

30 Jahre Sempachersee-Sanierung. Heidis Mist 28.12.13

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