Archive for the ‘Güllen im Winter’ Category

Von vollen Güllegruben und drainierten Böden

19. März 2018
Diese drainierte Wiese kann nicht befahren werden, aber vom Weg aus wurde Gülle ausgebracht. Sie floss ein Stück oberirdisch: Schneeschmelze! Die Drainage führt direkt in den nahen Bach. Gewässerverschmutzung ist vorprogrammiert.

Diese drainierte Wiese kann nicht befahren werden, aber vom Weg aus wurde Gülle ausgebracht. Sie floss ein Stück oberirdisch: Schneeschmelze! Die Drainage führt direkt in den nahen Bach. Gewässerverschmutzung ist vorprogrammiert.

Bachstelze & Co. sind pünktlich zurückgekehrt, aber der Frühling lässt auf sich warten. Vielerorts ist es kalt, der Boden gefroren und/oder von der Schneeschmelze durchnässt.

Das Gewässerschutzgesetz schreibt unter Art. 14, Betriebe mit Nutztierhaltung, Absatz 3 das Folgende vor:

„Im Betrieb müssen dafür (Hofdünger) Lagereinrichtungen mit einer Kapazität von mindestens drei Monaten vorhanden sein. Die kantonale Behörde kann jedoch für Betriebe im Berggebiet oder in ungünstigen klimatischen oder besonderen pflanzenbaulichen Verhältnissen eine grössere Lagerkapazität anordnen.“

Drei Monate Lagerkapazität sind zu wenig

In der EU sind sechs Monate vorgeschrieben. Die Vorgaben sind von Kanton zu Kanton unterschiedlich, es fehlt an Übersicht was wo gilt. Für Neubauten wird zum Teil eine Lagerkapazität von fünf Monaten gefordert, aber wo nicht gebaut wird oder vom Kanton keine grössere Lagerkapazität vorgeschrieben ist, haben die Bauern immer wieder Probleme mit vollen Güllegruben. Einmal ist der Winter lang, dann regnet es monatelang fast nur.

Gefahr von Gewässerverschmutzungen

Eine ausreichende Lagerkapazität bringt Flexibilität beim Ausbringen des theoretisch wertvollen Düngers. Doch wo viel Futter zugekauft bzw. importiert wird, da ist man froh, wenn die Gülle möglichst versickert (ins Grundwasser?) oder weggeschwemmt wird, in eine Hecke, den Wald, einen Bach …

Drainierte Böden sind besonders heikel, läuft doch die Gülle direkt via Drainage in den nächsten Bach. Verschmutzung von Gewässern mit Gülle und den sich oft darin befindlichen Schadstoffen wie Antibiotika und resistente Keime sind die Folge.

Man redet gerne von Überreglementierung, aber in diesem Falle müsste nur eine einzige Zahl geändert werden: 6 statt 3 Monate Lagerkapazität. Das würde dann das Bauwesen beleben und wahrscheinlich Ressourceneffizienz-Beiträge generieren.

Neue Düngeverordnung in Deutschland

Sobald Schnee liegt, egal wie viel, darf keine Gülle oder kein Gärsubstrat ausgebracht werden. Wer sich nicht an die Vorgaben hält, riskiert ein Bussgeld und Kürzungen von Fördergeldern. Einigen Landwirten scheint das noch nicht bewusst zu sein und auch einige Landwirtschaftsämtern scheinen sich mit den verschärften Vorgaben der neuen Verordnung schwer zu tun.

Gülle im Schnee – Verstöße gegen die neue Düngeverordnung, Bayerischer Rundfunk vom 9.3.18

Nährstoffe in Gewässern ist ein weltweites Problem

Zusammenfassung des Science-Artikels Declining oxygen in the global ocean and coastal waters

Beneath the waves, oxygen disappears

As plastic waste pollutes the oceans and fish stocks decline, unseen below the surface another problem grows: deoxygenation. Breitburg et al. review the evidence for the downward trajectory of oxygen levels in increasing areas of the open ocean and coastal waters. Rising nutrient loads coupled with climate change—each resulting from human activities—are changing ocean biogeochemistry and increasing oxygen consumption. This results in destabilization of sediments and fundamental shifts in the availability of key nutrients. In the short term, some compensatory effects may result in improvements in local fisheries, such as in cases where stocks are squeezed between the surface and elevated oxygen minimum zones. In the longer term, these conditions are unsustainable and may result in ecosystem collapses, which ultimately will cause societal and economic harm.

Declining oxygen in the global ocean and coastal waters. Science 5.1.18. Mit einem Klick auf das Bild gelangen Sie zum Artikel.Declining oxygen in the global ocean and coastal waters. Science 5.1.18.
Low and declining oxygen levels in the open ocean and coastal waters affect processes ranging from biogeochemistry to food security.The global map indicates coastal sites where anthropogenic nutrients have exacerbated or caused O2 declines to <2 mg liter−1 (<63 μmol liter−1) (red dots), as well as ocean oxygen-minimum zones at 300 m of depth (blue shaded regions). [Map created from data provided by R. Diaz, updated by members of the GO2NE network, and downloaded from the World Ocean Atlas 2009].
Mit einem Klick auf das Bild gelangen Sie zum Artikel.

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Güllen im Winter: Deutschland verlängert Sperrfrist

30. Januar 2018
Zwei Tage nachdem der Bauer ganz in der Nähe Gülle auf durchnässten Boden ausgetragen hatte, fotografierte Stefan Wasserpfützen mit Wasservögeln. Die Linthebene ist grösstenteils entwässert, daher muss Gülleaustrag besonders sorgfältig geplant werden. Copyright: Stefan.

Zwei Tage nachdem der Bauer ganz in der Nähe Gülle auf durchnässten Boden ausgetragen hatte, fotografierte Stefan Wasserpfützen mit Wasservögeln. Die Linthebene ist grösstenteils entwässert, daher muss Gülleaustrag besonders sorgfältig geplant werden. Copyright: Stefan.

Heidis Artikel über Gülle und Mist bewirken regelmässig Rückmeldungen von Leuten, welche mit offenen Augen durch die Welt gehen und lesen.

Zuerst reagierte Peter. Er schickte Heidi einen Link zur Bauernzeitung: „Letzten Samstagabend war in Ermenswil SG Gülle ins Naturschutzgebiet gelangt und hatte den Lattenbach verschmutzt, so dass die Feuerwehr dort Wasser abpumpen musste.“ Naturschutzgebiet und Trinkwasser durch Gülle verschmutzt, Bauernzeitung vom 29.1.18. Gemäss Meldung der Kantonspolizei musste eine Trinkwasserfassung durch den Brunnenmeister abgeschaltet werden. Der Bauer hatte aus der vollen Güllegrube Gülle auf einer Wiese versickern lassen.

Dann traf die Meldung eines Fischers aus dem Kanton Luzern ein. Dank Reklamationen der Fischer, dem Newsletter der Dienststelle Landwirtschaft und Wald (Lawa) sowie Aufklärungsaktionen des Luzerner Bauernverbands sind Gülleunfälle seit 1990 stark zurückgegangen. Mitverantwortlich für weniger Gülleunfälle seien aber auch Kontrollen von Anlagen. Diese hätten dazu geführt, dass rund 350 Bodenleitungen ersetzt worden seien. Gülle-Unfälle sind erstmals seit Jahren rückläufig, Luzerner Zeitung vom 15.1.18.

Markus kann es einfach nicht verstehen, dass man bei Bauern nicht den gleichen Massstab anlegt wie bei den Gewerbetreibenden. Letztere würden unangemeldet kontrolliert und bei Mängeln oder Gewässerverschmutzungen ohne Verwarnung verzeigt. Immer wieder sieht er Bauern kurz vor intensivem Regen Gülle ausbringen.

Deutschland: Gülle-Sperrfrist verlängert

Zwei Tage nachdem der Bauer ganz in der Nähe Gülle auf durchnässten Boden ausgetragen hatte, fotografierte Stefan Wasserpfützen mit Wasservögeln. Die Linthebene ist grösstenteils entwässert, daher muss Gülleaustrag besonders sorgfältig geplant werden. Copyright: Stefan.

Am 25.1.18 wurde ganz in der Nähe gegüllt, zwei Tage danach liegt immer noch Wasser allenthalben. Copyright: Stefan.

In Deutschland wurde die Winter-Sperrfrist für das Ausbringen von Gülle auf Grünland und mehrjährigen Feldfutterbau um zwei Wochen verlängert. Zwischen dem 15. November und dem 14. Februar darf keine Gülle ausgebracht werden. An einzelnen Orten wurde die Frist verschoben und dauert vom 29. November bis 28. Februar.

Doch auch hier scheint es mit der vorgeschriebenen Lagerkapazität von sechs Monaten nicht überall zu klappen. Wegen der langen Nässeperiode erwirkten Bauern Ausnahmegenehmigungen. Doch das Wasser in Bächen steht mancherorts auf Feldhöhe. Über Drainagen und Gräben läuft Gülle ab und gelangt in Bäche, Flüsse und die Nordsee.

Gülle-Sperrfrist kein Thema in der Schweiz

Viele Wasservögel auch nach zwei Tagen noch auf den nassen Wiesen. Für Vergrösserung auf Bild klicken. Copyright: Stefan.

Viele Wasservögel auch nach zwei Tagen noch auf den nassen Wiesen. Für Vergrösserung auf Bild klicken. Copyright: Stefan.

Während die Sperrfrist für das Ausbringen von Gülle in Deutschland verlängert wurde, gibt es in der Schweiz noch immer keine. Es ist nicht einfach, Bauern zu bestrafen, welche im Winter Gülle ausbringen wenn der Boden gefroren oder wassergesättigt ist oder Vegetationsruhe herrscht, da der Ermessensspielraum gross ist bzw. die Ämter oft den Mut nicht haben, Sünder zu überführen, denn Bauern ziehen eine Sanktion gerne an die obere Instanz weiter. Das ist extrem arbeitsintensiv und kann das Amt auch viel kosten, falls der „Beweis“ den auf diesem Gebiet unwissenden Juristen nicht genügt. Die Folge davon: Es wird häufig gegüllt auch wenn die Gefahr für Gewässerverschmutzungen gross ist. Ein Nachweis im Grundwasser ist sowieso nicht möglich.

Also sollen wir nichts unternehmen? Doch! Immer wieder Missstände zeigen in der Hoffnung auf Besserung bzw. Einführung einer Sperrfrist. Eine höhere Lagerkapazität für Gülle verlangen. Heute je nach Kanton unterschiedlich, gemäss Gesetz mindestens drei Monate. Das ist zuwenig. Aber auch hier: Es mangelt an Kontrolle!

Güllen: Grüsse aus dem Kanton Schwyz, Heidis Mist vom 27.1.18

Güllekrise: Volle Tanks und nasse Felder, NDR vom 1.2.18

Wasser und Boden – Gülle, 2018. Osmerus‘ Blog vom 1.2.18

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Güllen: Grüsse aus dem Kanton Schwyz

27. Januar 2018
Januar-Güllen auf vernässten Boden. Copyright: Stefan K.

Januar-Güllen auf vernässten Boden. Copyright: Stefan K.

Liebes Heidi

Im Anhang befindet sich ein Bild für deine Sammlung. Etwa 200 Meter entfernt haben die Graugänse in den Pfützen der Wiese gebadet und dieser Bauer bringt seinen „wertvollen Dünger“ im Januar auf den durchnässten Boden aus. So geschehen in der Landschaftsschutzzone des Nuoler Rieds …

Freundliche Grüsse aus dem Kanton Schwyz

Stefan

Lieber Stefan

Danke für deinen Brief und das Bild. Falls du auch die Graugänse in den Pfützen fotografiert hast, kannst du mir auch dieses Bild schicken? Gerne würde ich es veröffentlichen.

Ein schönes Wochenende wünscht

Heidi

Nachtrag von Elisabeth: Ich hätte auch noch Fotos von zumindest einem Bauern machen können, der vorletzte Woche gegüllt hat, aber aus privaten „Sicherheitsgründen“ habe ich darauf verzichtet. Gut gibt’s noch andere, die das auch machen.

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Bergzone III: Güllen Ende November!

30. November 2017
Austrag von Gülle in hohem Bogen durch die Luft, Bergzone III, 25. November 2017. Copyright: Manu.

Austrag von Gülle in hohem Bogen durch die Luft, Bergzone III, 25. November 2017. Copyright: Manu.

Was sagen die Fachleute dazu?

Merkblatt Agridea Hofdünger – gezielt eingesetzt, Copyright Agridea.

Merkblatt Agridea Hofdünger – gezielt eingesetzt, Copyright Agridea.

Wenn zuviel Dünger im Betrieb ist, d.h. hoher Einsatz von Kraftfutter, dann legt der Bauer keinen Wert auf gezielten Einsatz der Nährstoffe. Die Umweltgefährdung interessiert ihn nicht, doch die tiefwurzelnden Unkräuter wie Blacke und Bärenklau freuen sich. Die Biodiversität leidet, Hanggrundwasser auch sowie weiter unten liegende Quellen.

Schnee liegt jetzt über der Gülle.

In der Schweiz gibt es keine Sperrfrist für Düngeraustrag im Winter, dies im Gegensatz zur EU. Die Schweizer Behörden basieren ihre Regelungen gerne auf Eigenverantwortung, was häufig nicht funktioniert. Das weiss man auch in der Bundeshauptstadt. Betroffen ist nicht in erster Linie der Bauer, sondern die Bevölkerung und die Umwelt sind es.

Nachtrag 30.11.17: Kaum veröffentlicht, melden weitere Leute Gülle-Austrag in den Bergen, sogar auf 1’800 m ü.M. ein Fass nach dem andern. An anderen Orten eine dicke Gülle-Schicht. Güllen ist ein Dauerbrenner. Frage über Frage liegt in Heidis Postfach: „Was ist denn nur los, haben die Flächenbeiträge und die Beiträge für Öko-Flachen nicht gewirkt? Muss man immer mehr Vieh halten? Wird von Bio Suisse wirklich kontrolliert? Der Markt spricht ja eigentlich voll dagegen …“

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Sperrfristen Güllen im Winter: Schweiz NEIN, EU JA

26. November 2015
Sommergülle-Wirbel

Sommergülle-Wirbel

Eigentlich wollte Heidi dieses Jahr zum ersten Mal nichts schreiben über gute landwirtschaftliche Praxis beim Güllen im Herbst bzw. genügend grosse Güllegruben, denn ihre folgenden Artikel werden laufend gelesen

… doch im Postfach liegt seit dem 9.11.15 ein Brief aus Deutschland mit dem Gedicht von Gerhard Laukötter Sperrfristen. Und immer noch sieht Heidi Güllefässer unterwegs. Auch in den Bergen wurde, wie jedes Jahr, Gülle „unter den Schnee gelegt“, wo doch die wertvollen Futterpflanzen Ruhe bräuchten, um den Winter gesund zu überstehen. Laukötter beschreibt so schön das, was im Boden mit der unsachgemäss ausgebrachten Gülle geschieht, dass Heidi ein paar Verse für Sie, liebe Leserinnen und Leser, herausgepickt hat.

Sperrfristen

… Bis Mitte November darf auf Grünlandflächen
die deftige Sprache der Düngung noch sprechen.
Die Güllebunker müssen für den Winter geleert.
Das widrige Wetter eine späte Ausfuhr versperrt.

… Die Gülle ist ratlos – keiner kann sie jetzt brauchen.
Da muss sie ganz tief ins Grundwasser abtauchen.

… Der Stickstoff wird heimatlos, irrt hin und her
und macht es dem Umweltschutz ziemlich schwer.

… Einem schlafenden Gast ein üppiges Mahl zu bereiten,
gehört in dieser Branche zu den Üblichkeiten.
In einer Woche ist das Gülleaufbringen verboten.
Wollt ihr noch mehr von solchen Anekdoten?

Ja, natürlich, lieber Dichter! Hier der Link zum vollständigen Gedicht
Sperrfristen. Die Lektüre lohnt sich.

26.11.15 HOME

Gülle: Dünger oder Gewässerverschmutzerin?

2. März 2015
Copyright: Reto

Copyright: Reto

Der Umgang mit Gülle erfordert einiges an Fachwissen, damit die Gülle ein wertvoller Dünger ist und nicht etwa die Gewässer oder das Grundwasser verschmutzt. Besonders im Frühling, wenn die Böden nach der Schneeschmelze noch nass sind, ist Vorsicht angebracht. Heidi hat folgenden Brief erhalten:

Liebes Heidi

Wir spazierten mit dem Hund, da sah ich im Bach Schaum. Das Wasser war bräunlich. Ich kann mir nicht vorstellen, woher der Dreck kommt. Ein Gülle- oder Abwassereinleitung? Eine frisch begüllte Wiese war nicht zu sehen … Du kannst die Fotos verwenden.

Freundliche Grüsse Reto.

Danke, Reto! Wertvolle Informationen zum aktuellen Thema: Gülle ausbringen bei Schnee und Frost, UFA-Revue Newsticker vom 2.3.15

Hier noch zwei negative Beispiele:

Schaffhausen, Gülle verschmutzt Gewässer: „In Schleitheim SH wurde am Donnerstag ein Bach durch widerrechtliches Ausbringen von Gülle verschmutzt. Der Landwirt wurde verzeigt, die Auswirkungen auf die Umwelt werden untersucht.“ Schweizer Bauer vom 2.3.15

Bern, 1000 Fische sterben wegen Gülle: „Vergangenen Montag ging die Meldung bei der Kantonspolizei Bern ein, wonach bei einem Landwirtschaftsbetrieb in Bütschwil (Gemeinde Schüpfen BE) Jauche ausgetreten sei.“ Schweizer Bauer vom 24.2.15

Copyright Reto

Copyright Reto

2.3.15 HOME

Gilt ein Gesetz auch für Bauern?

27. Februar 2015

Grundwasser

„Jetzt bin ich wieder einmal stolz auf meinen Kanton!“ Mit diesen Worten stürmte der Geissenpeter zur Tür herein, „wo du doch dauernd Schlechtes über meine Heimat schreibst. Was würde Johanna Spyri denken?“ Heidi richtete den Timer für das Brot im Ofen, denn Peters Benehmen kündigte ein langes Gespräch an.

„Ich habe endlich die Beilage Hofdünger der UFA-Revue vom Dezember 2014 gelesen. Im Artikel Richtig planen – bessere Wirkung von Gaël Monnerat steht beim Untertitel Vorgehen (siehe Seite 51) «… Der Vollzug obliegt den Kantonen: Sie organisieren die Kontrollen und bewilligen Notausträge bei ungünstigen Wetter- und Bodenverhältnissen. Die Bewilligungspraxis unterscheidet sich von Kanton zu Kanton, so ist entweder die Gemeinde, der Bezirk oder der Kanton zuständig… Die zuständigen Stellen entlassen den Landwirt, wenn es zu einer Gewässerverschmutzung kommt, jedoch nicht aus seiner Verantwortung. Werden Quellen oder Wasserläufe verschmutzt, ist der Bauer für die entstandenen Schäden verantwortlich. » Und wenn das Grundwasser verschmutzt wird?“

Peter fuhr fort: „Siehst du, nicht einmal die UFA-Revue ist richtig informiert! Die Behörden im Kanton Graubünden haben schon längst erkannt, dass sie keine Bewilligungen für gesetzeswidriges Handeln ausstellen dürfen. Zwar brauchte es deine Erläuterung des Sachverhalts, aber – immerhin – sie haben es eingesehen. Und die ewig gestrigen Unterländer? Sie wissen heute noch nicht, dass ein Gesetz ein Gesetz ist. Du hast doch schon darüber geschrieben? Bitte, bitte bring einen Link zu den entsprechenden Artikeln an!“

Heidi weiss: „Wenn ein Bauer z.B. Gülle auf Schnee ausbringt und angezeigt wird, dann muss er mit einer Busse und Kürzung der Direktzahlungen rechnen, und zwar auch dann, wenn kein Gewässer sichtbar verschmutzt wird. Etwa das Versickern ins Grundwasser sieht niemand! Die Vorschriften über das Ausbringen von Düngern in der Chemikalien-Risikoreduktions-Verordnung (Anhang 2.6, Ziffer 3.2.1) gelten nicht nur für Bauern, sondern wurden extra der Bauern wegen verfasst, um das Risiko von Grundwasser- und Gewässerverschmutzungen zu senken.“

Peter ergänzte: „Wo genügend Lagerraum für Gülle und Mist vorhanden ist und das Hofdünger-Management stimmt, da gibt es auch kaum echte Notfälle.“

Gerne erfüllt Heidi den Wunsch des Geissenpeters. Im Moment erhält sie sowieso viele Anfragen zum Thema:
Gülle im Bach – was tun?
Wann ist es im Kanton Luzern im Winter erlaubt zu güllen?
Gülle im Winter auf Schnee erlaubt?
Darf man bei Regen Gülle fahren?
Darf man Mist auf Schnee ausbringen?

Das Märchen von der Gülle-auf-Schnee-Bewilligung

Gülle-Schock Mitte Februar 2008

4. Newsletter Grundwasserschutz: Januar 2014: Jedes Jahr im Winter stellen sich Landwirte, Fischereiaufseher, Behörden, Bürgerinnen und Bürger dieselbe Frage aufs Neue: Darf jetzt Gülle ausgebracht werden oder nicht? BAFU 16.12.13

Gülleanwendung im Winterhalbjahr, BAFU, Abteilung Wasser, im Dezember 2013

27.2.15 HOME

Mangelnder Vollzug kostet … am falschen Ort

9. Dezember 2014
Wenn ein Gewässer, das betreffend Abwasser zweifelhaft ist, in Röhren verlegt wird, dann muss ein Kontrollschacht gebaut werden. Dieser verhindert, dass das Ableiten von Schmutzwasser vertuscht werden kann.

Wenn ein Gewässer, das betreffend Abwasser zweifelhaft ist, in Röhren verlegt wird, dann muss ein Kontrollschacht gebaut werden. Dieser verhindert, dass das Ableiten von Schmutzwasser vertuscht werden kann.

Ende Jahr – die Zeit der Bilanzen. Auch Heidi ist damit beschäftigt. Zum ersten Mal verursachte der mangelnde Vollzug der Gewässerschutzgesetzgebung Landwirtschaft im Kanton Graubünden nicht nur Telefon- und Versandspesen, sondern auch hohe Ausgaben. Diesen gegenüber stehen Null Einnahmen. Es ist nicht so wie Ein Mister mit e-Mail-Adresse Misthock@… in seinem Kommentar zur Diaschau Misthaufen im Feld 2010/2011 meint: „… Suchen Sie sich eine richtige Arbeit und hängen Sie nicht an öffentlichen Geldern! Was Sie hier veröffentlichen und erzählen ist wirklich reiner Mist! Mich interessiert auf welchem Misthaufen Ihre Dummheit entstanden ist?!“

Zusammenstellung der bisherigen Kosten

In Röhren verlegen von 44 m Wildbachschalen, damit in Zukunft allfälliges Abwasser nicht mehr in Heidis Garten sickern kann; dies nach jahrelangem Kampf für sauberes Wasser gegen den Widerstand der Gemeinde und mangels Kontrolle der Hofdüngeranlagen gemäss Gewässerschutzverordnung durch das Amts für Landwirtschaft und Geoinformation (ALG). Nach einer „Sanierung“ des betreffenden Bauernhofs auf Anstoss von Heidi durch das ALG im Jahre 2007 leitete der Bauer weiterhin systematisch mehrere Hofabwässer in das Bächlein.

Zum Beispiel: Die Gemeinde wusste spätestens seit 2006, dass der Bauer das Milchzimmerabwasser bachab liess. Nach jahrelanger Untätigkeit verweigerte die Gemeinde im Februar 2013 die Entnahme einer offiziellen Wasserprobe mit dem Hinweis, dies sei ein privates Gewässer. Heidi insistierte und erhielt zwei Pet-Flaschen zum selber-Proben-nehmen vom zweimal täglich den Bach verschmutzenden Milchzimmerabwasser. Als sie am vereinbarten Tag im Dämmerlicht eine Wasserprobe holte, schaute ihr der Bauer oben zu, wo er doch sonst um diese Zeit nie zu sehen war. Die Gemeinde hatte ihn offensichtlich informiert. Und später war das Analyseprotokoll unauffindbar.

Heidis Interventionen bei der Gemeinde bewirkten, dass das Milchzimmerabwasser nach Bautätigkeit neu wahrscheinlich verdünnt bachab fliessen „durfte“, denn fortan war regelmässig Schaum im Wasser zu sehen bis Heidi wieder handelte und zudem von der Gemeinde das Eindolen des betreffenden Gewässerabschnitts, der nicht auf ihrem Grundstück liegt, verlangte. Per Verfügung „löste“ der Gemeindevorstand „das Problem“, indem er mit einem fadenscheinigen Vorwand 65 m „Meteorwasserleitung“ – wie es im Gemeinde-Amtsjargon heisst – noch rasch offiziell privatisierte, um die Kosten nicht übernehmen zu müssen.

Kosten Rekurs gegen die Privatisierungs-Verfügung des Gemeindevorstands (auf Anraten des konsultierten Anwalts zurückgezogen 2013)  CHF 1’298.30
Baubewilligung Amt für Natur und Umwelt  CHF 500 Franken
BAB-Bewilligung Amt für Raumentwicklung  CHF 494.00
Baubewilligung Gemeinde CHF  356.80
Kosten Baugeschäft CHF  7’330.20
Eindolungskosten TOTAL CHF   9’979.30

Die Behörden sparen gerne beim Vollzug. Im Kanton Graubünden ist erstaunlicherweise das Amt für Landwirtschaft und Geoinformation für den Gewässerschutz in der Landwirtschaft verantwortlich, doch die dafür nötigen Ressourcen fehlen. Darunter leiden die Lebewesen in Gewässern und die von Gewässerverschmutzungen Betroffenen. Gewisse Bauern tun und lassen was ihnen beliebt und glauben gar, im Recht zu sein, wenn sie die Umwelt massiv verschmutzen. Heidi empfiehlt weiterhin, die Polizei zu rufen, wenn Gewässer verschmutzt werden oder Bauern Gülle auf schneebedeckten, gefrorenen oder wassergesättigten Boden ausbringen, denn auf eine Meldung an ein Amt folgt nicht immer eine Handlung, siehe Winteranfang in den Bergen.

In einer konzertierten Aktion klagten drei Personen Heidi wegen Ehrverletzung, falscher Anschuldigung und Hausfriedensbruch an. Sie forderten nicht nur das Löschen der Beiträge über die eigenen Umweltverschmutzungen auf Heidis Mist, sondern verlangten auch, dass der ganze Blog vom Internet zu löschen sei. „Sie muss mit dieser Tätigkeit aufhören“, hiess es. Die Kläger konnten vor der Staatsanwaltschaft ihre Anschuldigungen nicht erhärten. Heidi hingegen erbrachte den Wahrheitsbeweis. Überdies war die Klagefrist für einige Artikel abgelaufen. Die Staatsanwaltschaft sprach Heidi frei. Die ihr zugesprochene Entschädigung deckt jedoch nicht alle Kosten.

Anwaltskosten CHF  4’485.35
Entschädigung für abgelehnte Ehrverletzungsklage  CHF 3’248.65
Ungedeckte Kosten Ehrverletzungsklage  CHF 1’236.70

Gesamtkosten CHF  11’216.00

Weitere Kosten werden hier nicht erläutert. Wer soll das bezahlen? Wie hoch wären die Gesamtkosten, wenn Heidi die verschwendete Lebenszeit zum Anwaltstarif verrechnen würde?

Eine kleine Geschichte

Heidi könnte viele unerfreuliche Geschichten zum Thema erzählen, sie beschränkt sich hier auf eine schöne. Am Tag der Einvernahme durch die Staatsanwaltschaft war Warenmarkt. Als Heidi auf den Zug wartete, gesellte sich ein indischer Wahrsager zu ihr. Er sagte: „Heute haben Sie einen grossen Erfolg und am 15. Mai dreimal Glück.“ Zufällig ist der 15. Mai der Geburtstag von Heidis Mist und, wie sich viele Monate später herausstellte, war die Einvernahme tatsächlich ein grosser Erfolg.

Nachtrag 29.9.16: Der Vertreter der Gemeinde bestritt anlässlich einer polizeilichen Einvernahme Vorwürfe betr. Beihilfe vollumfänglich. Die Staatsanwaltschaft Graubünden hat ein Strafverfahren gegen ihn und den Bauern eingestellt mit der Begründung: Gemäss Art. 319 Abs.1 lit. a StPO ist ein Strafverfahren unter anderem dann einzustellen, wenn kein Tatverdacht erhärtet ist, der eine Anklage rechtfertigt. Die ist dann der Fall, wenn nach der gesamten Aktenlage nicht genügend Anhaltspunkte für das Vorliegen einer strafbaren Handlung gegeben ist und somit ein Freispruch zu erwarten ist. Das Verfahren ist einzustellen, wenn die Möglichkeit einer Verurteilung bei Würdigung sämtlicher Umstände als unwahrscheinlich oder jedenfalls deutlich geringer als ein Freispruch erscheint (Beschluss II. Strafkammer des Kantonsgerichts von Graubünden vom 17. Oktober 2012/19. November 2012, SK2 12 21, E. 2b).

Nachtrag 12.10.16: Gegen die Einstellung des Strafverfahrens wurde Beschwerde eingereicht.

Nachtrag 23.11.16: Die Beschuldigten weisen die Vorwürfe vollumfänglich zurück.

10.12.14 HOME

Graubünden: Güllen in Notfällen

13. Januar 2014
Einfacher Wasserkreislauf wie Heidi ihn in der Unterstufe lernte. Gülle war damals noch ein kostbarer Dünger, der gezielt für das Wachstum der Pflanzen eingesetzt wurde und kaum die Gewässer verschmutzte.

Einfacher Wasserkreislauf wie Heidi ihn in der Unterstufe lernte. Gülle war damals noch ein kostbarer Dünger, der gezielt für das Wachstum der Pflanzen eingesetzt wurde und kaum die Gewässer verschmutzte.

Wer den Tierbestand der eigenen Futterbasis anpasst, genügend Lagerkapazität für die Hofdünger hat und das Ausbringen von Gülle und Mist sorgfältig plant, kann während der Vegetationsruhe ruhig schlafen, auch wenn einmal der Frühling auf sich warten lässt. Trotzdem ist ein Winter-Notfall nicht ganz auszuschliessen, etwa wenn wegen einer geborstenen Wasserleitung grosse Mengen Wasser in die Güllengrube fliessen. Was tun? In erster Linie gilt es, freie Lagerkapazität in der Nähe zu suchen, damit die Gülle umgepumpt werden kann. Günstig wäre es, wenn die Kantone Listen mit Lagermöglichkeiten führten. Der Kanton Aargau z.B. hat ein Merkblatt über die Düngerplanung und das Vorgehen bei einem Notfall erarbeitet, siehe Düngerplanung wichtig für die Wintermonate, Kanton Aargau, Abteilung Landwirtschaft.

Im Kanton Graubünden hatte das Amt für Natur und Umwelt (ANU) zusammen mit dem Amt für Landwirtschaft und Geoinformation (ALG)  ein Merkblatt Güllen in Notlagen erarbeitet, das gute Informationen enthielt, jedoch auch einzelne gravierende Mängel aufwies. Es ist seit mehr als drei Jahren leer bzw. enthält den Hinweis „Dieses Merkblatt wird zurzeit überarbeitet!“ Verantwortlich für den Gewässerschutz in der Landwirtschaft ist im Kanton Graubünden erstaunlicherweise das ALG, so dass die Gefahr von Interessenkonflikten besteht. Heidi meint: „Eine gründliche Überarbeitung scheint dies zu sein! Vielleicht nach dem Leitspruch Gut Ding muss Weile haben. Oder ist ein Gordischer Knoten zu lösen?“

Schema Nährstoffverluste, Quelle Bodenseekonferenz

Schema Nährstoffverluste, Quelle Bodenseekonferenz

Im Dokument Düngepraxis der Bodenseekonferenz heisst es unter dem Titel ‚Minimierung der Umwelteinflüsse dank guter Düngepraxis‘: „… Die Erfahrungen zeigen, dass konsequente Kontrollen in Kombination mit Bussen und Sanktionen einen wichtigen Beitrag zur Einhaltung einer guten landwirtschaftlichen Praxis leisten.“
In dieser Beziehung besteht Handlungsbedarf, nicht nur in Graubünden.

12.1.14 HOME

Darf jetzt Gülle ausgebracht werden?

9. Januar 2014
Da und dort wird jetzt Gülle ausgebracht. Die Gefahr, dass dadurch das Grundwasser und Oberflächengewässer verschmutzt werden ist gross.

Da und dort wird jetzt Gülle ausgebracht. Die Gefahr, dass dadurch das Grundwasser und Oberflächengewässer verschmutzt werden ist gross.

„Wer käme denn auf die Idee, im Winter stickstoffhaltige Mineraldünger auszubringen? Das wäre doch pure Verschwendung …“ heisst es in der Einleitung zum 4. Newsletter Grundwasserschutz: Januar 2014 des Bundesamts für Umwelt (BAFU). Und weiter: „… Die Grundwasserreserven erneuern sich hauptsächlich im Winterhalbjahr, wenn mehr Niederschläge fallen, als Wasser über die Verdunstung oder den Abfluss in Oberflächengewässern verloren geht. Gleichzeitig sind viele Felder abgeerntet bzw. die vorhandenen Pflanzen haben ihr Wachstum weitgehend eingestellt und nehmen deshalb kaum Stickstoff (in Form von Ammonium oder Nitrat) auf. Die Gefahr, dass das sehr gut wasserlösliche Nitrat im Herbst oder während kurzer wärmerer Perioden im Winter ins Grundwasser ausgewaschen wird, ist daher sehr gross …“

Weitere Informationen zur Gefahr der Gewässerverschmutzung und über rechtliche Aspekte siehe 4. Newsletter Grundwasserschutz: Januar 2014. Es lohnt sich, den ganzen Newsletter zu lesen.

Bereits im Dezember 2013 hat die Abteilung Wasser des BAFU über die Problematik der Gülleanwendung im Winterhalbjahr berichtet u.a. auch über den ‚Notaustrag‘: „… Bei zahlreichen Gemeinden besteht irrtümlicherweise die Ansicht, dass mittels einer Ausnahmebewilligung der Gülleaustrag (sogenannter Notaustrag) zur Unzeit bewilligt werden kann, wenn sich ein Bauer an die Gemeinde wendet. Für solche Bewilligungen besteht keine Rechtsgrundlage. Dass die Landwirte der Gemeinde oder einer anderen für den Vollzug des Gewässerschutzes zuständigen Stelle melden, dass die Güllelager demnächst voll sein werden und deshalb unter Umständen ein Notaustrag erforderlich werden könnte, ist aber dennoch sinnvoll und für die Minimierung des Risikos einer Gewässerverschmutzung unabdingbar.

Ist ein Gülle-Notaustrag zur Unzeit unabdingbar, besteht Anlass zur Annahme, dass die Güllelagerkapazität des betreffenden Betriebs ungenügend ist oder dass der betroffene Landwirt ein Problem bei seinem Lagermanagement hat. Eine entsprechende Kontrolle und Beratung zur Überwindung der Notsituation und für die Zukunft drängt sich daher in jedem Fall auf…“ Vollständiges PDF-Dokument des BAFU  vom 16.12.13:
Gülleanwendung im Winterhalbjahr (2013)

9.1.14 HOME


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