Archive for the ‘Pflanzenschutzmittel’ Category

Heidis Sonntagsrundschau

14. April 2019

Was schon seit Jahrzehnten bekannt ist oder heute neu geschrieben wurde, das muss Heidi nicht wiederkäuen. Hier ein paar Lesetipps.

  • Bio und Pestizide. Auch in Mals im Südtirol kennt man die Schweizer „Pestizid-Landschaft“. Und seit Jahrzehnten ist bekannt, dass Abdrift ein Problem ist, aber die Behörden kümmert das wenig. Wir selber müssen Druck aufsetzen.
    Zu Wohnzonen gibt es nicht einmal einen vorgeschriebenen Pufferstreifen, ausser für Helikopter-Sprühflüge.
    Kleine Presseschau von Johannes Fragner-Unterpertinger, Mals, über u.a. die mit den schwer abbaubaren Neonicotinoiden verseuchten Schweizer Böden. Welche Pestizide sonst noch in den Böden sind, das wissen die Götter!

Seit Wochen werden wir mit Osterangeboten überhäuft, oft mit Palmöl drin. Erliegen wir der Versuchung, „Massen“ zu kaufen und dies erst noch, ohne die Etikette mit den Inhaltsstoffen vorher zu lesen?

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NZZ gewährt Syngenta-Mann Tarnung

6. April 2019
Gastkommentare in der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ) sind beliebt. Am 5.4.19 durfte Joel Meier seine Meinung äussern. Der Titel des Beitrags tönt verlockend: „Der Kampf gegen Food-Waste beginnt auf dem Acker“. Weiter heisst es: „Die Verweigerungshaltung, wie sie in zwei Volksinitiativen zur massiven Einschränkung beziehungsweise zum Verbot von Pflanzenschutz zum Ausdruck kommt, verschärft das Problem der Lebensmittelverschwendung.“

Wer hat das geschrieben? Die NZZ: „Joel Meier ist Präsident der Schweizerischen Gesellschaft für Phytomedizin. Die Phytomedizin beschäftigt sich mit Pflanzenkrankheiten.“ Das ist aber nur die halbe Wahrheit. Joel Meier ist seit 1977 bei Syngenta im Bereich Pflanzenschutz tätig. Die NZZ verschweigt uns die themenbezogenen Interessen des Autors. Solche Verschleierungstaktik ist schlecht für den Ruf einer Zeitung.

Der Kampf gegen Food-Waste beginnt auf dem Acker, NZZ 5.4.19

Pflanzenschutz damals und heute: Aus Sicht des Feldexperten, Syngenta 4.4.18

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Glyphosat fördert Phosphor-Überdüngung

24. März 2019

Ein Verbot von Glyphosat, dem weitweit am häufigsten eingesetzten Unkrautvernichtungsmittel, wird schon lange diskutiert und das Herbizid ist Gegenstand von Prozessen. Gestreitet wird über die Eigenschaft „vermutlich krebserregend“. Doch es gibt noch einen weiteren Grund, der Sorge bereitet: Die Überdüngung mit Phosphor.

Marie-Pier Hébert und ihre Kollegen von der kanadischen McGill University erklären: „Glyphosat enthält 18,3 Massenprozent Phosphor. Damit repräsentiert seine Ausbringung einen Einstrom anthropogenen Phosphors in die Umwelt.“ Das zunehmend in Böden und Gewässern vorkommende Herbizid trägt also auch zur Überdüngung bei.

Lesen Sie den interessanten Artikel auf scinexx, das wissensmagazin:

Glyphosat: Unterschätzte Phosphorschleuder, Herbizid setzt ähnlich viel Phosphor frei wie Tenside – und fördert so die Überdüngung.

The overlooked impact of rising glyphosate use on phosphorus loading in agricultural watersheds, Frontiers in Ecology and the Environment (esa), 5.12.18

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Umweltschutz-Ausrede: Es braucht noch Forschung!

18. März 2019

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Vom Winde verweht: Pestizide in der Luft im Vinschgau

13. März 2019
Weidenden Kühen neben Obstplantage im Obervinschgau.

Weidenden Kühen neben Obstplantage im Obervinschgau.

Jeder zehnte Apfel in Europa kommt aus Südtirol. Diese intensive Obstwirtschaft ist nur möglich, weil in den Plantagen sehr häufig mit Pestiziden gespritzt wird. Weil die Wirkstoffe vom Wind durch die Luft verbreitet werden, gibt es am Ort grosse Konflikte um den Einsatz der Gifte. Welche Stoffe wann und wie weit durch die Luft verbreitet werden, zeigt die Untersuchung des Umweltinstituts München „Vom Winde verweht“.

Die wichtigsten Ergebnisse sind:

  • Es gibt im Vinschgau von Mitte März bis mindestens Ende August eine Dauerbelastung mit Pestiziden. Für Menschen und Umwelt gibt es in dieser Zeit keine Pause.
  • Einige der Gifte werden sogar kilometerweit durch die Luft transportiert. Zwölf der Wirkstoffe fand das Umweltinstitut auch in einem Garten in Mals, also innerhalb einer geschlossenen Ortschaft. Darunter sind gesundheitsschädliche Mittel, die Krebs und Allergien auslösen können oder die Fruchtbarkeit schädigen. Und sogar auf über 1600 Höhenmeter in einem Seitental wurden noch sechs Wirkstoffe gefunden. Darunter ist das Insektengift Imidacloprid, bei dem weniger als vier Nanogramm ausreichen, um eine Biene zu töten.
  • Es befinden sich immer unterschiedliche Mittel gleichzeitig in der Luft, die sich in ihrer Wirkung gegenseitig beeinflussen können. Ein Beispiel für diesen Cocktaileffekt ist das Insektengift Thiacloprid, das zu den Neonicotinoiden zählt. Wenn es mit bestimmten Fungiziden (Ergosterol-Biosynthese-Inhibitoren) kombiniert wird, ist es für Honigbienen um mehrere Dutzend Mal giftiger als alleine. In einer Bio-Apfelplantage wurden im Mai sowohl Thiacloprid als auch zwei dieser Fungizide gefunden. In der selben Probe waren noch acht weitere Mittel.

Kritik am eropäischen Zulassungsverfahren

Das Umweltinstitut München stellt zudem grosse Mängel am europäischen Zulassungsverfahren fest.

  • Das europäische Zulassungsverfahren ignoriert den Cocktaileffekt und die Dauerbelastung. Es ist fixiert auf die Bewertung von Einzelstoffen in einem wissenschaftlich einfach zu fassenden Rahmen. Das ist unrealistisch, denn de facto sind Mensch und Umwelt einer Vielzahl von Schadstoffen aus unterschiedlichen Quellen zugleich ausgesetzt.
  • Die europäischen Behörden vernachlässigen die Verbreitung von Pestiziden durch die Luft. Bei den vier der sechs Wirkstoffe, die das Umweltinstitut an allen vier Standorten gefunden haben, geht die Europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde (EFSA) davon aus, dass diese nach der Anwendung allenfalls in vernachlässigbaren Mengen in die Luft übergehen und in der Atmosphäre unter dem Einfluss von Sonnenlicht schnell zerfallen. Beim fünften akzeptierte die Behörde Auskünfte der Herstellerfirma, wonach der Stoff nicht volatil ist, als ausreichend für eine Zulassung.
  • Es gibt kein systematisches Monitoring von Pestiziden in der Luft. Weder in Deutschland, noch in Italien oder Österreich gibt es staatliche Programme zur Messung von Pestizid-Wirkstoffen in der Luft. Infolgedessen gibt es keine offiziellen Daten zu den Problemen.
  • Technische Massnahmen reichen nicht aus, um Abdrift zu verhindern. Gerade in Südtirol hat die konventionelle Landwirtschaft in den letzten Jahren immer wieder auf Kritik reagiert und eine Lösung des Problems durch technische Massnahmen versprochen. Die Schäden für Bio-Betriebe und Gefahren für Umwelt, Anwohnerinnen und Anwohner sowie Urlaubsgäste enstehen jedoch weiterhin. Der Staat lässt sie im Regen stehen.

Die einzige Möglichkeit, die Verbreitung von Pestiziden durch die Luft zu verhindern, ist es, keine Pestizide zu verwenden.

Im schweizerischen Münstertal ist man besorgt

Das Vinschgau grenzt an den schweizerischen Nationalpark Biosfera Val Müstair und ist Teil des Unesco Biosphärenreservats Engiadina Val Müstair. Die Landwirtschaft ist zu 80% biologisch. Im Münstertal ist man besorgt über die Messungen des Umweltinstituts München. Der Geschäftsführer des Naturparks Biosfera Val Müstair, David Spinnler, informierte das Amt für Natur und Umwelt (ANU) Graubünden und stellte die Frage, ob man solche Messungen nicht auch in der Val Müstair machen sollte. Quelle: Südostschweiz.

Bild an einer Hauswand in Mals/Südtirol. Der Bürgermeister von Mals, Ulrich Veith, ist verantwortlich für die Gesundheit der Bevölkerung.

Bild an einer Hauswand in Mals/Südtirol. Der Bürgermeister von Mals, Ulrich Veith, ist verantwortlich für die Gesundheit der Bevölkerung. Er sagt: «Es gibt hier nur einen sinnvollen Grenzwert und der ist null.»

Vom Winde verweht: Pestizide in der Luft im Vinschgau, Umweltinstitut München e.V.

Bei unseren Nachbarn liegt etwas in der Luft, Fadrina Hofmann, Südostschweiz vom 12.3.18

Wenn Pestizide daneben gehen, Vision Landwirtschaft vom 21.2.19

Pestizid-Reduktionsplan Schweiz, Vision Landwirtschaft vom 1.5.16, 27 Organisationen tragen die Stossrichtung des Pestizid-Reduktionsplans mit.

13.3.19 HOME

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Ein Volk von freiheitsliebenden Berglern … ?

12. März 2019

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6. März 2019: 1. Informationsveranstaltung von Delinat für die Trinkwasserinitiative

27. Februar 2019
Vielfalt statt Einfalt. Delinat verbindet landwirtschaftliche Produktion mit Biodiversität. Copyright: Delinat.

Vielfalt statt Einfalt. Delinat verbindet landwirtschaftliche Produktion mit Biodiversität. Copyright: Delinat.

Delinat ist ein besonderes „Weinhaus“. Es verbindet Weinproduktion und Biodiversität und betreibt Forschung. Auf der Homepage ist zu lesen, dass ihre Richtlinien die strengsten Bio-Richtlinien Europas seien. Eckpfeiler der Richtlinien sind:

  • biologische Bewirtschaftung der gesamten Rebfläche
  • sparsame Düngung im geschlossenen Kreislauf
  • durchgehende Begrünung (Ausnahme Trockenzonen)
  • keine chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmittel (Förderung von Nützlingen)
  • schonende Weinbereitung, Hilfsmittel streng limitiert

Delinat organisiert eine Reihe von Informationsveranstaltungen für die Trinkwasserinitiative:

Aus dem Newsletter der Trinkwasserinitiative: „Erfahren Sie aus erster Hand, warum unsere Anliegen so wichtig sind und es diese Initiative braucht. Zusammen mit Bio-Bauern und -Winzern sowie teilweise auch mit Wasserexperten und Tierärzten, informiert Franziska Herren vom Initiativ-Komitee Sie über den Inhalt der Initiative und wie Sie die Initiative unterstützen können.

Im Anschluss freuen wir uns, den Abend mit Ihnen bei einem Apéro mit Bioweinen aus der Schweiz ausklingen zu lassen und weitere Fragen zu beantworten.“

Die 1. Infoveranstaltung findet wie folgt in Bern statt:

Wann:             Mittwoch, 6. März von 19:00 bis 21:00 Uhr
Ort:                 Delinat-Weindepot Bern, Könizstrasse 161, 3097 Bern

Hier können Sie sich für die Veranstaltungen anmelden.

Weitere Delinat-Informationsveranstaltungen

  • St. Gallen: 12. März 2019, 19.00 bis 21.00 Uhr
  • Winterthur: 13. März 2019, 19.00 bis 21.00 Uhr
  • Zürich: 22. März 2019, 17.30 bis 20.00 Uhr
  • Olten: 3. April 2019, 19.00 bis 21.00 Uhr
  • Basel: 17. April 2019, 19.00 bis 21.00 Uhr
  • Uesslingen: 25. April 2019, 19.00 bis 21.00 Uhr
  • Bern: 14. Mai 2019, 19.00 bis 21.00 Uhr
  • Basel: 15. Mai 2019, 19.00 bis 21.00 Uhr
  • Zürich: 22. Mai 2019, 19.00 bis 21.00 Uhr

Die genauen Informationen und den Link zur Anmeldung finden Sie unter Info-Veranstaltungen.

25.2.19 HOME

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Die Bauern haben Angst … Wir schützen, was wir lieben (2)

25. Februar 2019

Das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) hat am 4.2.19 die Verkaufsstatistik von Pflanzenschutzmitteln in der Schweiz für 2008 bis 2017 veröffentlicht. Gerechnet wird in Tonnen, obwohl diese Art von Statistik seit Jahrzehnten kritisiert wird. Im Tagesanzeiger vom 23.2.19 hat Stefan Häni das Thema aufgenommen – höchste Zeit für Heidi, den angefangenen Artikel fertigzuschreiben!

Das BLW stellt für die Gesamtverkaufsmenge seit 2013 einen Abwärtstrend fest, besonders bei Herbiziden. Die Glyphosat-Verkäufe haben gegenüber 2008 um 45% abgenommen. Auch die Menge der Pestizide, die ausschliesslich in der konventionellen Landwirtschaft angewendet werden dürfen, ist rückläufig. Dagegen nimmt die Menge der Pestizide zu, die sowohl in der biologischen als auch in der konventionellen Landwirtschaft eingesetzt werden können.

Die Gründe für diesen Trend dürften vielfältig sein. Daher ist es nicht möglich, daraus konkrete Schlüsse zu ziehen:

  • Die Verkaufszahlen stammen von den Firmen, die Pestizide verkaufen. Eine Prüfung der Angaben ist nicht möglich.
  • Eine Pestizid-Verkaufsstatistik in Tonnen sagt nichts, aber auch gar nichts aus über die Umwelt- und Gesundheitsbelastung.
  • Die Bauern sind durch die vielen Medienberichte über negative Auswirkungen sensibilisiert, z.B. Glyphosat.
  • Die Bauern machen sich Sorgen um ihre Gesundheit sowie jene der Familie und der Angestellten.
  • Die Bauern halten sich vermehrt an die Vorgaben des Ökologischen Leistungsnachweises. Sie müssen/müssten sie einhalten, wenn sie Direktzahlungen erhalten wollen. Das betrifft fast alle Bauern.
  • Die Bauern probieren weniger schädliche Bio-Mittel aus.
  • Die Bauern beachten vermehrt die Pufferstreifen, welche sie eigentlich schon lange einhalten müssten.
  • Die Bauern fühlen sich beobachtet, fahren daher nicht mehr so gerne mit der Spritze aufs Feld, besonders dann, wenn sie einen Schutzanzug tragen müssen/müssten.
  • Es gibt mehr Bio-Bauern. Sie beweisen, dass es anders auch geht.
  • Die Witterung war zumindest im 2018 günstig für das Weglassen von Spritzungen nach Spritzplan.
  • Angst vor dem Erfolg der Pestizid- und Trinkwasserinitiative.
  • Angst vor Image-Einbusse.
  • Mag sein, dass auch der Aktionsplan Pflanzenschutzmittel des Bundes eine gewisse Wirkung zeigt.
  • Verunsicherung über die Belastung/Zerstörung der Produktionsgrundlagen durch Gifte.
  • Auch die Bauern lieben Bienen.

Es wird interessant sein zu sehen wie sich die Zahlen in den nächsten Jahren entwickeln, besonders dann, wenn im BLW endlich an einer aussagekräftigeren Statistik gebastelt wird.

Neuer Internet-Auftritt der Initiative "Für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide"

Neuer Internet-Auftritt der Initiative „Für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide“

Soeben angelaufen ist die Kampagne der Initiative „Für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide“: #LebenstattGift.

Verkaufsstatistik von Pflanzenschutzmitteln in der Schweiz, Medienmitteilung des Bundesamts für Landwirtschaft vom 4.2.19

Bauern kaufen weniger Pestizide – wie schädlich sie sind, bleibt offen, Stefan Häne, Tagesanzeiger vom 23.2.19

Volksentscheid ohne saubere Grundlage, Stefan Häne, Tagesanzeiger vom 22.2.19

Die Bauern haben Angst … Wir schützen, was wir lieben, Heidis Mist vom 25.1.19

Die Bauern haben Angst … 0-Parzellen, Heidis Mist vom 20.1.19

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EU: Einigung über Transparenz bei der Risikobewertung von Pestiziden

13. Februar 2019
In der Südtiroler Gemeinde Mals wehrt man sich mit Abstandsvorschriften gegen Pestizide und will auch sonst einen neuen Weg beschreiten. Der Malser Weg Die Frauen von HOLLAWINT sind wichtige Förderer des Malser Wegs.

In der Südtiroler Gemeinde Mals wehrt man sich mit Abstandsvorschriften gegen Pestizide und will auch sonst einen neuen Weg beschreiten.
Der Malser Weg
Die Frauen von HOLLAWINT, Netzwerk für nachhaltiges Leben Mals Südtirol, sind wichtige Förderer des Malser Wegs.

Beim Vorschlag der EU-Kommission zu mehr Transparenz bei der Risikobewertung von Pestiziden und anderen lebensmittelrelevanten Chemikalien ist in der Nacht auf Dienstag eine Einigung erzielt worden. Nach der umstrittenen Zulassung des Herbizids Glyphosat haben Unterhändler von EU-Parlament und Mitgliedsstaaten eine Reform der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) beschlossen.

Die Reform ist auch eine Reaktion der Kommission auf die Europäische Bürgerinitiative „Stop Glyphosat“, die von mehr als einer Million EU-Bürger mit ihrer Unterschrift mitgetragen wurde. Angekündigt wurde sie Ende 2017 am selben Tag, als die EU-Kommission auch die Verlängerung des umstrittenen Herbizids für weitere fünf Jahre verabschiedete.

Die geforderte Transparenz soll nun unter anderem dadurch erreicht werden, dass die Bürger „automatisch Zugang zu allen Studien und Informationen erhalten“, sagte Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis. In besonderen Fällen, etwa bei umstrittenen Substanzen, könne die EU-Kommission Efsa künftig dazu anhalten, zusätzliche Studien in Auftrag zu geben. Ausserdem einigten sich Parlament und Mitgliedstaaten darauf, die in Parma ansässige EU-Behörde mit zusätzlichen Mitteln auszustatten.

Quellen:

Safe and transparent food chain: provisional agreement on availability and independence of scientific studies, Medienmitteilung European Council vom 12.2.19

Agreement on the Commission’s proposal on transparency and sustainability of the EU risk assessment model in the food chain – Questions and Answers, European Commission vom 11.2.19

Großer Erfolg: Geheimhaltung von Industriestudien in Pestizidzulassung ist beendet, Global2000 vom 12.2.19

Großer Erfolg für die Zivilgesellschaft: Mehr Transparenz im EU-Zulassungsverfahren für Pestizide und Co. vereinbart, Sven Giegold, Mitglied der Grünen Fraktion im Europaparlament, Sprecher Europagruppe Grüne

EU will nach Glyphosat-Streit mehr Transparenz bei Zulassungsverfahren, Deutschlandfunk vom 12.2.19

Pestizide – EU will mehr Transparenz bei Glyphosat-Zulassung, Der Standard vom 12.2.19

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Probleme verschieben statt lösen … nicht nur beim Palmöl

2. Februar 2019
Kuchenteig mit Schweizer Butter, Bio-Haselnüsse von Gebana, Kirschen aus dem Garten.

Kuchenteig mit Schweizer Butter, Bio-Haselnüsse von Gebana, Kirschen aus dem Garten.

Das Palmöl-Problem ist nur eines von vielen. Man schiebt es im eigenen Interesse im Kreis herum, eine Lösung ist in weiter Ferne. Heidi achtet beim einkaufen auf palmölfrei und verwendet für Gebäcke wie Zopf, Teig für Frucht- und Gemüsewähen sowie Guetzlis Schweizer Butter, dies obwohl sie weiss, dass Ölpalmen pro Fläche den höchsten Ertrag bringen. Eine gute Lösung? Eine schlechte Lösung?

Würde Heidi regelmässig solche Gebäcke essen, dann wäre auch Butter schlecht, denn das Problem für Gesundheit und Umwelt ist die Menge. Es sind die ungeheuren Mengen an Süssigkeiten und verarbeiteten Lebensmittel, die heute konsumiert werden! Wenn COOP in Zukunft Butter statt Palmöl für die Herstellung von Guetzlis verwendet, dann ist dies gut für die Bauern, denn sie produzieren zu viel Milch und subventionierte Butter wird zu Schleuderpreisen exportiert. Aber für die Umwelt sind die vielen Tiere schlecht.

Problem Stickstoffüberschüsse

Zitat aus dem Umweltbericht 2018 des Bundesrates, Seite 45: „Viele Umweltprobleme sind auf Stickstoffverbindungen zurückzuführen. Stickstoffüberschüsse belasten Böden, Gewässer, Meere und das Klima. Dies hat negative Folgen für die Biodiversität und die menschliche Gesundheit. Rund zwei Drittel des über die Luft eingetragenen Stickstoffs haben ihren Ursprung in der Landwirtschaft … Rund 70% der landwirtschaftsbedingten Ammoniakemissionen gehen auf die Rindviehhaltung zurück…“ Berichte schreiben allein genügt nicht, zum Handeln fehlt der Wille allenthalben. Und Deutschland hat diesbezüglich eine Klage der EU hängig.

Probleme ins Ausland verlagern

Anbaufläche für Ölpalmen in Indonesien zwischen 1961 und 2016: Die Grafik zeigt die Anbaufläche (in Quadratkilometern) für Ölpalmen in Indonesien von 1961 bis 2016. Die Auswertung erfolgte am 27.04.2018 mit Hilfe der Datenbank der FAO (FAOSTAT). Quelle: Faszination Regenwald.

Anbaufläche für Ölpalmen in Indonesien zwischen 1961 und 2016: Die Grafik zeigt die Anbaufläche (in Quadratkilometern) für Ölpalmen in Indonesien von 1961 bis 2016. Die Auswertung erfolgte am 27.04.2018 mit Hilfe der Datenbank der FAO (FAOSTAT). Quelle: Faszination Regenwald.

Also doch lieber Palmöl importieren und die Umwelt anderswo verschmutzen? Der Anbau von Palmöl in Indonesien und Malaysia usw. ist nur deshalb schon schwierig, weil die meisten Böden extrem flachgründig sind und daher grosse Düngermengen nötig sind. Gerne wird als Herbizid Paraquat eingesetzt. Das Mittel ist effizienter als Glyphosat, aber auch wesentlich toxischer; es darf bei uns und in vielen anderen Ländern schon lange nicht mehr eingesetzt werden. Quellen und Flüsse (Trinkwasser) werden verschmutzt, auch durch Abwasser der Palmölfabriken und Erosion, denn Urwald auf Hügeln wird abgeholzt, Strassen werden gebaut, Erosion ist vorprogrammiert.

Torfböden nutzen? Hier bestehen nicht nur dieselben Problem wie bei uns im Gemüseparadies Seeland, hinzu kommt die Luftverschmutzung durch das Abbrennen von Torf-Urwäldern, besonders wenn die Feuer ausser Kontrolle geraten, denn Torf ist auch ein Brennstoff. Torf wurde daher in der Schweiz früher abgebaut, davon zeugen noch viele Torfschober. Zudem reissen sich Konzerne das Land für den Anbau von Ölpalmen mit zweifelhaften Methoden unter den Nagel, nicht nur in Indonesien! Die Kleinbauern verschwinden nach und nach.

Also, „wo nötig“ Bio-Palmöl, wie das COOP für die Zukunft vorsieht? Aus Flächen, die vor 1994 gerodet wurden, damals als der Boom so richtig Schwung bekam. Und „wo immer möglich Bevorzugung von Kleinbauern-Kooperativen“, wie es im Projekt des Forschungsinstituts für biologischen Landbau (FiBL) heisst. Zurzeit gibt es weltweit insgesamt drei von Bio Suisse zertifizierte Palmölproduzenten. Diese bauen in Brasilien, Kolumbien und Madagaskar an, in Ländern also, welche noch keinen so schlechten Palmöl-Ruf haben wie Indonesien & Co., aber deswegen keinesfalls die bessere Wahl sind.

Die „COOP-Alternative“ löst aber weder das Mengen- noch das Wachstumsproblem. Diese Lösung dient in erster Linie dem Ruf des Grossverteilers bzw. dem Absatz von (billigeren) palmölhaltigen Produkten. Und wer „weiss“ schon, in welchen Produkten Palmöl „nötig“ ist.

Die Abholzung von Urwald geht aber unvermindert weiter, allen Beteuerungen zum Trotz.

  • Kolumbien: „Never mind cocain – big farming is far worse.“ sagt Liliana M. Dávalos, Assistenzprofessorin an der Stony Brook University in New York in einem Interview im New Scientist vom 8.8.15.
  • Brasiliens Amazonas: 7900 Quadratkilometer Regenwald binnen eines Jahres abgeholzt. Abholzung in einer Größenordnung, die jede Vorstellung sprengt: Regenwald auf einer Fläche von mehr als einer Million Fußballfelder wurde binnen eines Jahres im Amazonas vernichtet. Ein Grund: expandierende Landwirtschaft. Spiegel Online 24.11.18
  • Madagaskar: grösster Verlust an intakter Waldlandschaft: 18,5% von 2000 bis 2013, siehe Tabelle.
  • Gier nach Soja, Holz und Palmöl: In Brasilien, Madagaskar und Indonesien bringen vor allem der Verlust und die zunehmende Zerteilung ihrer Lebensräume die Primaten in Bedrängnis, so der Befund eines internationalen Forscherteams. Der südkoreanische Konzern Daewoo Logistics pachtet 1,3 Millionen Hektar anbaufähiges Land auf Madagaskar für einen Zeitraum von 99 Jahren, um dort Mais und Palmöl anzubauen und die Ernte nach Südkorea zu verschiffen.
  • Die Zahl der getöteten UmweltaktivistInnen war noch nie so hoch wie letztes Jahr. Stark steigt die Zahl jener, die brutal angegriffen werden, weil sie ihr Land gegen zerstörerische Landwirtschaft für den Palmölanbau verteidigen.

Allfällige gesellschaftliche Probleme von ausländischer Hilfe werden gerne ausgeklammert oder übersehen. So haben Europäer in Afrika Bauern gezeigt wie man Reis besser anbaut. Der höher Ertrag liess nicht auf sich warten und ermöglichte es einem Bauern, sich eine zweite Frau zu nehmen; die erste hatte ihm schon 13 Kinder geschenkt. Das hat Heidi kürzlich in der NZZ gelesen. Problem gelöst?

EAT-Lancet und das Pestizide-Problem

Agrarbericht 2016, Bundesamt für Landwirtschaft.

Agrarbericht 2016, Bundesamt für Landwirtschaft.

37 Experten der EAT-Lancet Commission haben drei Jahre an einer Lösung für die beste Ernährung für Gesundheit und Umwelt gearbeitet, denn „food is currently threatening both people and planet. Ähnliche Empfehlungen wurden längst schon von Greenpeace, Ernährungswissenschaftlern, Agroscope, FiBL usw. gemacht: Mehr Früchte, Gemüse, Körner, Nüsse, Knollen und sehr viel weniger Fleisch, Milchprodukte und Zucker.

Dadurch würde das Klimaproblem, das unsere ungesunde Ernährungsweise verursacht, teilweise entschärft. Was bedeuten z.B. mehr Früchte und Gemüse für die Verschmutzung der Umwelt mit Pestiziden? Mehr, mehr mehr …! Ausser wir ändern radikal die Art und Weise wie wir sie anbauen, denn beim Anbau von Früchten und Gemüsen werden heute besonders viele Pestizide eingesetzt und der Boden ist zeitweise unbewachsen, d.h. die Auswaschungs- und Abschwemmgefahr ist gross. Es genügt nicht „den Pestizideinsatz ein bisschen zu senken“ und finanzielle Anreize für die Bauern zu schaffen, wie das der Aktionsplan Pflanzenschutzmittel des Bundes vorsieht. Der Lancet-Eat-Wandel erfordert eine grundsätzliche Abkehr von der bisherigen nicht nachhaltigen Produktionsweise, wenn wir nicht zusätzliche Probleme schaffen wollen.

Auch die Gefahr der Grundwasserverschmutzung steigt wesentlich, wenn mehr Acker statt Grünland über dem Trinkwasser liegt. Ansätze für eine bessere Lebensmittelproduktion gibt es etwa im Biolandbau, der Regionalen Vertragslandwirtschaft, der Agrarforstwirtschaft, Permakultur … Echte Innovationen sind gefragt und die zwei Pestizid-Initiativen sind wichtige Treiber für Lösungen des bereits heute existierenden Verschmutzungsproblems.

Wie bringen wir das den Leuten bei?

Die täglichen Versuchungen am Eingang eines COOP-Ladens: Fleisch, "hausgemacht" verarbeitet, in viel Wegwerfplastik verpackt ...

Die täglichen Versuchungen am Eingang eines COOP-Ladens: Fleisch, „hausgemacht“ verarbeitet, in viel Wegwerfplastik verpackt …

Im EAT-Bericht heisst es, dass wir die KonsumentInnen davon überzeugen müssten, dass sie anders einkaufen und kochen, während die Bauern und Läden gesündere, nachhaltigere Lebensmittel produzieren und fördern müssten. Dass ein so radikaler Wechsel nicht von selbst kommt, wissen die Autoren des Berichts. Umwelt- und Gesundheitskosten müssten bei der Preisfestlegung berücksichtigt werden, indem man Steuern erhebe, was zu höheren Preisen führen könnte.

Schon bei Diskussionen um die Einführung einer Zucker-Steuer leuchten bei unseren PolitikerInnen und BundesrätInnen die Alarmglocken. CO2-Steuer? Ess-Steuer? Da sieht Heidi schon Wilhelm Tell ins Bundeshaus stürmen, die Armbrust geschultert, im Anhang eine Schar freiheitlicher Berater und in einigen Redaktionsstuben wären die Köpfe rot, während die Finger energisch auf die Tasten hauen, um solches zu verhindern.

In der Schweiz setzt man in solchen Fällen auf die mündigen und informierten KonsumentInnen, auch wenn dies illusorisch ist. Gerne schieben die Interessensvertreter diese Argumentation vor, obwohl sie sich in der Vergangenheit als nicht zielführend erwiesen hat. Also einzige Hoffnung: Die Vernünftigen handeln?

„Wir wissen wie wir 10 Milliarden Menschen ernähren“

World Scientists' Warning to Humanity: A Second Notice. BioScience 2017;67(12:1026-1028. Copyrigh The Author(s). Published by Oxford University Press on behalf of the American Institute of biological Sciences.

World Scientists‘ Warning to Humanity: A Second Notice. BioScience 2017;67(12:1026-1028. Copyrigh The Author(s). Published by Oxford University Press on behalf of the American Institute of biological Sciences.

Ernst Bromeis, der Wasserbotschafter, verliess 2015 nachdenklich die Expo Mailand und sagte zu seiner Familie: „Wir wissen wie wir in Zukunft 10 Milliarden Menschen ernähren werden. Wieso können wir heute nicht 7 Milliarden ernähren?“

Bevölkerungszuwachs

Heidi hat die aktuelle Weltbevölkerung am 2.2.19 um 14 Uhr nachgeschaut:
7 677 456 698 Menschen
Zuwachs 2018: 91 812 002 Menschen oder 1,22 Prozent. Gemäss Prognosen von Bevölkerungswissenschaftlern werden 2050 10 Milliarden Menschen leben, essen und sauberes Wasser trinken wollen. Der Iran ist nur ein Land, dem das Wasser ausgeht. Aber auch das weiss man schon lange!

Aktuelle Bevölkerung der Schweiz: 8 654 303 Menschen
Zuwachs Schweizer Bevölkerung 2018: 99 218 oder 1,16 %.
Prognose für 2050: 9 879 894 Menschen

Die Bevölkerung der Schweiz wuchs 2018 gleich schnell wie die Weltbevölkerung.

Heidis Fragen

Wie ernähren wir 11, 12 und mehr Milliarden Menschen? Wie wird dann unsere Erde aussehen? Wie sauber wird das Wasser sein? Werden wir noch genügend haben? Die Entscheidungsträger schlittern lieber von Krise zu Krise statt die sich abzeichnende Katastrophe zu mindern oder gar zu verhindern. Unabhängige PolitikerInnen braucht die Welt! Der Blick auf Wirtschaftswachstum und Börsenkurse reicht nicht für die Lösung der dringenden Probleme, der Verweis auf Lösungen in der Zukunft durch Innovation und Forschung auch nicht und die Hoffnung auf Künstliche Intelligenz, wo die eigene Intelligenz nicht mehr ausreicht, ist wenig realistisch. An Wunder glauben? Oder das heute Mögliche in Angriff nehmen?

Links

Coop will weniger Palmöl verwenden – und Migros? Coop will wieder Butter in seine Guetsli rühren. Und wo nötig, nur Bio-Palmöl nehmen. Migros setzt dagegen auf ein anderes Label. Isabel Strassheim, 20 minuten vom 5.7.18

Faktenblatt Kleinbauern Palmöl als Sackgasse für Kleinbauern in Malaysia und Indonesien, erarbeitet von Bruno Manser Fonds & Brot für alle im August 2018, unterstützt von zahlreichen Organisationen

Fokus auf Knospe-Palmöl im Regal und in der Forschung, FiBL, Nachricht vom 6.6.18

Borneo Road-Building Spree Among ‘World’s Scariest’ Environmental Threats, ALERT, Alliance of Leading Environmental Researchers & Thinkers, 28.1.19

Wenn der Torfwald brennt, DW vom 6.2.12

Von Cocain, Palmöl und Raps, Heidis Mist vom 23.9.15

Brasiliens Amazonas 7900 Quadratkilometer Regenwald binnen eines Jahres abgeholzt, Spiegel Online vom 24.11.18

Primates in peril: the significance of Brazil, Madagascar, Indonesia and the Democratic Republic of the Congo for global primate conservation, PeerJ – Life & Environment, 15.6.18

Halb Madagaskar zum Nulltarif! Die Presse vom 28.11.8

Deadliest year on record for land and environmental defenders, as agribusiness is shown to be the industry most linked to killings, Global Witness vom 24.7.18

Heidis Artikel über Palmöl

Umweltbericht 2018 des Bundesrates

Nitrateinträge durch Landwirtschaft weiterhin großes Problem, gemeinsame Presseinformation Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), Aktion Agrar, Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Deutsche Umwelthilfe, Deutscher Naturschutzring, Germanwatch, Greenpeace, GRÜNE LIGA, NABU – Naturschutzbund Deutschland und der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft ver.di., 31.1.19

EAT-Lancet Commission Summary Report. This report was prepared by EAT and is an adapted summary of the Commission Food in The Anthropocene: the EAT-Lancet Commission on Healthy Diets From Sustainable Food Systems.

World Scientists’ Warning to Humanity: A Second Notice, ioScience, Volume 67, Issue 12, 1 December 2017, Pages 1026–1028

Wasserknappheit im Iran Den Ajatollahs geht das Wasser aus, SRF 10vor10 vom 1.2.19

Die hausgemachte Katastrophe. Iran geht einer Umweltkatastrophe entgegen, die das Land irreversibel verändern wird. JOURNAL21 vom 11.9.15

Weltbevölkerungsuhr

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