Archive for the ‘Pflanzenschutzmittel’ Category

Jakobs- und Alpenkreuzkraut sind Futterpflanzen für viele Insekten – Wieso also bekämpfen?

29. Juni 2022
Insekten lieben das Jakobskreuzkraut. Für sie ist es nicht giftig.

Insekten lieben das Jakobskreuzkraut. Für sie ist es nicht giftig.

Walti hat Heidi darauf aufmerksam gemacht, dass die Insekten auf ihren Ringelblumen (siehe Die Ringelblume hat viele Liebhaber) keine Käfer ist, sondern Grüne Distelwanzen. Bei dieser Gelegenheit hat er Heidi ein Foto von einem Jakobskreuzkraut mit Biene und Schmetterling geschickt sowie von einer Weide mit vielen Kreuzkräutern und dem Hinweis: „Alle Jahre wieder, müsste bekämpft werden, die Samen werden mit dem Wind überall hin vertragen!!“

Diese Jakobskreuzkräuter müssten bekämpft werden.

Das Jakobs- und Alpenkreuzkraut sind in ungepflegten Wiesen und Weiden ein Problem, denn sie sind für die Nutztiere giftig. Zwar meiden die Tiere die Pflanzen weil sie bitter sind, aber im Heu und Silo sind sie immer noch giftig und die Tiere können an Leberkrebs erkranken.

Wenn Bienen fleissig giftige Kreuzkräuter besuchen, gelangen Pyrrolizidinalkaloiden in den Honig. Der Übergang von Pyrrolizidinalkaloiden in den Nektar und mit diesem in Honig wurde nachgewiesen. Untersuchungen ergaben eine geringere Belastung bei deutschen Honigen. In 50% der untersuchten Fälle lag die Belastung jedoch bei 250 µg/kg Honig. Noch kritischer ist dies bei Honigen aus Übersee. Nicht alles Natürliche ist also gesund!

So bekämpfen Sie die Kreuzkräuter nachhaltig

PaturaALPINA ist ein Verbundprojekt zum Thema „Problempflanzen auf Alpen“ zwischen Agridea, Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL), Agroscope und dem Büro Alpe. Mit finanzieller Unterstützung des Bundesamts für Landwirtschaft (BLW) wird das praktische und theoretische Wissen im Umgang mit Problempflanzen im Sömmerungsgebiet aufgearbeitet und digitalisiert. Die Inhalte werden auf der Website, in Kurzfilmen auf youtube und dem Agridea-App verbreitet und aktualisiert.

Was sagt PaturaALPINA über das Alpenkreuzkraut?

Das Alpenkreuzkraut kommt häufig auf nährstoffreichen Viehlägerplätzen oder an feuchten Standorten auf Alpweiden vor. Dort gilt es vor allem wegen seiner „Giftigkeit“ als Problempflanze. Es gibt verschiedene Möglichkeiten das Alpenkreuzkraut auf Alpweiden zu regulieren. Im Video wird anschaulich erklärt wie man das macht.

Video zur Regulierung des Alpenkreuzkrauts

Das sagt Fritz Fässler, Bewirtschafter Alp Hessisbohl Oberloch im Hoch-Ybrig SZ.

Das sagt Fritz Fässler, Bewirtschafter der Alp Hessisbohl Oberloch im Hoch-Ybrig SZ. Bild aus dem Video.

Jakobskreuzkraut, Wikipedia

Heidis weitere Artikel über Herbizide auf Alpen

Jakobskreuzkraut oder Arnika?

Die Blüten des Jakobskreuzkrautes und der Arnika sind ähnlich, so dass man sie verwechseln könnte. Hingegen sind die Blätter der beiden Pflanzen sehr verschieden und der Wuchs auch. Der drüsenhaarige Stängel der Arnika ist einfach oder höchstens wenigästig verzweigt und besitzt meist ein bis zwei, selten drei gegenständige Paare Laubblätter. Beim Jakobskreuzkraut entwickelt sich im zweiten Jahr eine oft dunkelrot überlaufene, aufrechte Sprossachse (Stängel) mit Blütenständen. Bei den leierförmig fiederteiligen Laubblättern sind die unregelmässigen und stumpf gezähnten Abschnitte zum Ende hin verbreitert; an ihrer Basis weisen sie Öhrchen auf.

Das erste Foto in diesem Beitrag stammt von der gleichen Pflanze wie das folgende Foto von der ganzen Pflanze. Hier sieht man klar, dass es keine Arnika ist. Auf beiden Fotos ist das Jakobskreuzkraut zu sehen.

Alpenkreuzkraut.

Alpenkreuzkraut.

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Pestizide: Nahrungssicherheit aufs Spiel setzen?

27. Juni 2022
Video: Stiller Tod – Europas Pestizidproblem und das Artensterben. Copyright: Investigate Europe. Klick auf das Bild führt zum Video.

Video: Stiller Tod – Europas Pestizidproblem und das Artensterben. Copyright: Investigate Europe. Klick auf das Bild führt zum Video.

Wissenschaftler warnen, nun sei die Zeit, um weniger Pestizide einzusetzen und das Artensterben zu bremsen. Der Insektenforscher des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung, Josef Settele (Co-Vorsitzender des Weltberichts zum ökologischen Zustand der Erde), prognostiziert, dass „die Nahrungssicherheit der gesamten Menschheit aufs Spiel gesetzt“ werde, wenn der Einsatz von Ackergiften nicht zeitnah deutlich reduziert werde.

Weitere Infos: Stiller Tod – Europas Pestizidproblem und das Artensterben. Investigate Europe Juni 2022

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Ökozid soll ins Völkerstaatsrecht aufgenommen werden

24. Juni 2022
Treffen von AktivistInnen der Extinction Rebellion in Brüssel

Treffen von AktivistInnen der Extinction Rebellion in Brüssel

40 AktivistInnen der Gruppe Extinction Rebellion (ER) trafen sich in Brüssel. Dabei waren Leute aus Europa, Indigene aus Ecuador, es erzählten Teilnehmende aus Argentinien, Indien, Griechenland und Niger wie die Lebenssituation dort für sie aussieht. Man erfuhr, dass die Kolonisation über den Internationalen Währungsfonds und die internationalen Konzerne immer noch anhält.

Ein Schweizer Teilnehmer war sehr beeindruckt von den Rebellen, die wirklich bereit sind für ihren Kampf für eine bessere Umwelt ins Gefängnis zu gehen. Sie leiden auch darunter, dass in vielen Ländern die Gesetze so ändern, dass sie für Nötigung (am Staat) ins Gefängnis müssen.

ER-AktivistInnen fordern Ökozid-Gesetz

Internationale ER-AktivistInnen blockierten am Montag, 20.6.22, den Haupteingang zum Berlaymont-Gebäude der Europäischen Kommission in Brüssel. Zehn von ihnen klebten am Morgen ihre Hände an die Eingangstüren. Sie fordern die sofortige Einführung eines Ökozid-Gesetzes auf nationaler und EU-Ebene.

Aktis von Extinction Rebellion Frankreich sagte: “Unternehmen und Lobbyisten müssen benannt, zur Rechenschaft gezogen und für ihre Handlungen strafrechtlich verfolgt werden. Die Zerstörung der Umwelt und unserer Lebensgrundlagen muss strafrechtlich angemessen belangt werden.“ Hierfür sei eine Erweiterung des Römischen Statuts des Internationalen Strafgerichtshofs notwendig. Ökozid müsse als fünftes Verbrechen gegen den Frieden aufgenommen werden, neben Völkermord, Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Kriegsverbrechen und dem Verbrechen der Aggression.

EU aktualisiert rechtliche Bestimmungen Umweltverbrechen

Die Europäische Union aktualisiert zur Zeit erstmals die rechtlichen Bestimmungen zu Umweltverbrechen aus dem Jahr 2008 (EU-Verordnung 2008/99). Der derzeitige Kommissionsvorschlag des EU-Justizkommissars Didier Reynders und EU-Umweltkommissars Virginijus Sinkevičius enthält eine Liste mit Delikten zur Umweltkriminalität, Ökozid ist jedoch nicht enthalten. Extinction Rebellion, Stop Ecocide International und die Ecocide Alliance fordern, dass Ökozid – also schwere Umweltverbrechen – in den Vorschlag aufgenommen und international kriminalisiert wird.

Die Aktion fand wenige Tage vor dem Treffen der EU Staats- und RegierungschefInnen in Brüssel statt. Zudem tagte das Europäische Parlament am 22. und 23. Juni, das mehrfach seine Unterstützung für ein Ökozid-Gesetz zum Ausdruck gebracht hat.

Die Aufnahme des Tatbestands des Ökozids würde bedeuten, dass dieser in die Gesetzgebung aller Mitgliedstaaten aufgenommen und den Prozess auf Ebene des Internationalen Strafgerichtshofs erleichtert würde.

Überschreitung planetarer Grenzen

Ein kürzlich veröffentlichter Bericht der United Nations Office for Disaster Risk Reduction (UNDRR) belegt, dass diverse planetare Grenzen bereits überschritten sind und dass die Welt sich »auf ein globales Kollapsszenario« zubewegt. UN-Generalsekretär Antonio Guterres bescheinigt globales politisches Versagen und beklagt die kollektive Blindheit hinsichtlich der akuten ökologischen und klimatischen Bedrohungslage.

AktivistInnen von Extention Rebellion in Brüssel

AktivistInnen von Extinction Rebellion in Brüssel

24.6.22 HOME

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Deutsches Gerichtsurteil: Glyphosat-Kontamination von Honig ist „Eigentumsverletzung“

22. Juni 2022

Um sein Feld von Unkraut freizuhalten, hat ein Landwirt in Brandenburg üppig Glyphosat gespritzt. Das Gift landete im Honig eines benachbarten Bienenstocks. Laboranalysen ergaben, dass die zulässige Rückstandshöchstmenge für Glyphosat bis zu 152-fach überschritten wurde. Der Imker musste sowohl das Wachs als auch den Honig vernichten, seinen Betrieb gab er auf. Der Imker reichte daher eine Schadenersatzklage gegen das Unternehmen ein.

Eine Zivilkammer des Gerichts gab am 20.6.22 der Klage des Mannes statt. Das beklagte landwirtschaftliche Unternehmen muss ihm nun 14’544 Euro zahlen. Der Imker sei mit seiner Klage »vollumfänglich durchgedrungen«, sagte der Gerichtssprecher. Die Zivilkammer sah in der Kontamination des Honigs mit Pflanzengift eine Eigentumsverletzung. Das beklagte Agrarunternehmen beging nach Einschätzung des Gerichts eine rechtswidrige fahrlässige Pflichtverletzung. Die Bienenkästen waren für jedermann sichtbar aufgestellt.

Das Urteil sei jedoch keine Entscheidung darüber, ob konventionell arbeitende Agrarunternehmen immer mit Bienenflug rechnen müssen.

»Eigentumsverletzung« – Imker bekommt Schadensersatz für von Glyphosat verseuchten Honig. Spiegel Wirtschaft 20.6.22

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Pestizide in der Luft: potentielle Gefahr für die Artenvielfalt und den Menschen

21. Juni 2022
bb. 4. Prozentualer Beitrag zur humantoxikologischen Einstufung von Fungiziden (30 Wirkstoffe), Herbiziden (24 a.i.) und Insektiziden (13 a.i.), die mit Passivsammlern (nur PUF) nachgewiesen wurden. Es wurden nur eindeutige Klassifizierungen berücksichtigt. Die Interpretation der Gefahren für die menschliche Gesundheit basiert auf der Pesticide Properties Database (Lewis et al., 2016) und der EU-Pestiziddatenbank (EC, 2021a).

https://heidismist.files.wordpress.com/2022/06/pestizide_luft_mensch.jpg Abb. 4. Prozentualer Beitrag zur humantoxikologischen Einstufung von Fungiziden (30 Wirkstoffe), Herbiziden (24 a.i.) und Insektiziden (13 a.i.), die mit Passivsammlern (nur PUF) nachgewiesen wurden. Es wurden nur eindeutige Klassifizierungen berücksichtigt. Die Interpretation der Gefahren für die menschliche Gesundheit basiert auf der Pesticide Properties Database (Lewis et al., 2016) und der EU-Pestiziddatenbank (EC, 2021a).

Quelle: Pesticides in ambient air, influenced by surrounding land use and weather, pose a potential threat to biodiversity and humans. Science of The Total Environment.

Ein Forschungsteam um Johann G. Zaller der Universität für Bodenkultur Wien hat zusammen mit Wissenschaftlern von TIEM Integrierte Umweltüberwachung und der Medizinischen Universität Wien das Vorkommen von Pestiziden in der Luft untersucht. Sie stellten eine weit verbreitete Luftverschmutzung durch Pestizide fest, was darauf hindeutet, dass die derzeitigen Umweltverträglichkeitsprüfungen, Feldanwendungstechniken, Schutzmassnahmen und Vorschriften nicht ausreichen, um die Umwelt und den Menschen vor einer potenziell schädlichen Exposition zu schützen.

Analyse von Zusammenhängen

Es ist nur wenig darüber bekannt, wie Anzahl und Konzentration von Pestizidrückständen in der Luft durch die Landnutzung, Wechselwirkungen mit meteorologischen Parametern oder durch substanzspezifische chemisch-physikalische Eigenschaften beeinflusst werden und welche potenziellen toxikologischen Gefahren dies für Nichtzielorganismen, einschliesslich des Menschen, mit sich bringen könnte.

Die Wissenschaftler installierten passive Luftsammler (Polyurethan-PUF- und Polyester-PEF-Filtermatrizen) in 15 Regionen mit unterschiedlicher Landnutzung in Ostösterreich für bis zu 8 Monate. Die Proben wurden mittels Gaschromatographie/Massenspektrometrie auf 566 Substanzen untersucht. Es wurden Zusammenhänge zwischen Häufigkeit und Konzentrationen von Pestiziden, Landnutzung, meteorologischen Parametern, Stoffeigenschaften und Jahreszeit analysiert.

67 Wirkstoffe gefunden

Gefunden wurden insgesamt 67 Pestizidwirkstoffe (24 Herbizide, 30 Fungizide, 13 Insektizide) mit 10 bis 53 Pestiziden pro Standort. Die Herbizide Metolachlor, Pendimethalin, Prosulfocarb, Terbuthylazin und das Fungizid HCB wurden in allen PUF-Probenehmern gefunden, Glyphosat in allen PEF-Probenehmern; Chlorpyrifos-ethyl war das am häufigsten vorkommende Insektizid, das in 93% der Probenehmer gefunden wurde. Die höchsten Konzentrationen wiesen das Herbizid Prosulfocarb (725 ± 1218 ng Probe−1), das Fungizid Folpet (412 ± 465 ng Probe−1) und das Insektizid Chlorpyrifos-ethyl (110 ± 98 ng Probe−1) auf.

Pestizide auch in Nationalparks und Stadtzentrum

Anzahl und Konzentration der Pestizide nahmen mit zunehmendem Anteil an Ackerland in der Umgebung zu. Pestizide wurden jedoch auch in zwei Nationalparks (10 und 33 Pestizide) oder einem Stadtzentrum (17 Pestizide) gefunden. Die Anzahl und Konzentration der Pestizide änderte sich zwischen den Jahreszeiten und korrelierte mit der Landnutzung, der Temperatur, der Strahlung und dem Wind, wurde aber nicht von der Flüchtigkeit der Substanzen beeinflusst.

Hohes Toxizitätspotential für Menschen

Die potenzielle ökotoxikologische Belastung von Säugetieren, Vögeln, Regenwürmern, Fischen und Honigbienen stieg mit zunehmender Pestizidzahl und -konzentration. Das Humantoxizitätspotenzial der nachgewiesenen Pestizide war hoch, wobei durchschnittlich 54% akut toxisch, 39% reproduktionstoxisch, 24% kanzerogen und 10% endokrinschädigend waren.

Mehrere dieser Pestizide stellen möglicherweise ein toxikologisches Risiko für Organismen, einschliessich des Menschen, dar, aber die Auswirkungen einer solchen Kontamination sind nicht gut bekannt. Ein Aspekt, der in der wissenschaftlichen und öffentlichen Debatte selten angesprochen wird, ist die Tatsache, dass die in Luftproben gefundenen Pestizide auch in privaten Gärten, Naturschutzgebieten oder auf Feldern von Biobetrieben abgelagert sein können.

Schutz ungenügend

Die Ergebnisse deuten auch darauf hin, dass die regulatorischen Leitlinien zur Exposition von Anwendern, Arbeitnehmern, Anwohnern und Umstehenden (EFSA, 2014) unzureichend sind. Daher empfehlen die ForscherInnen eine allgemeine Verringerung der Pestizidexposition, wie sie in der europäischen „Form-to-Fork“-Strategie für nachhaltige Landwirtschaft vorgesehen ist.

Ausbringpraxis muss verbessert werden

Eine Voraussetzung für weitere Forschung wäre die systematische Überwachung von Pestiziden in der Luft und anderen Medien, wie sie bereits für die Pestizidüberwachung von Lebensmitteln besteht (EPRS, 2018). Insgesamt zeigen die Ergebnisse, dass die Ausbringungspraxis von Pestiziden als Vorsichtsmassnahme verbessert werden sollte, um die Gesundheit von Mensch und Umwelt vor unkontrollierter Pestizidexposition zu schützen.

Pestizide in der Luft, die von der Landnutzung und dem Wetter in der Umgebung beeinflusst werden, sind eine potenzielle Gefahr für die biologische Vielfalt und den Menschen.

Pesticides in ambient air, influenced by surrounding land use and weather, pose a potential threat to biodiversity and humans. Johann G.Zallera,, MarenKruse-Plaßb, UlrichSchlechtriemenc, EdithGrubera, MariaPeera, ImranNadeemd, HerbertFormayerd, Hans-PeterHuttere, LukasLandlera. Science of The Total Environment, Volume 838, Part 2, 10 September 2022, 156012

Pestizide in der Schweizer Luft

Greenpeace hat von Mai bis November 2019 an vier Standorten Pestizid-Untersuchung mit Passivsammlern gemacht.

Insgesamt wurden pro Standort und Messzeitraum 213 Pestizidwirkstoffe und Metaboliten analysiert. Als Standorte wurden biologisch bewirtschaftete Betriebe in unterschiedlichen Schweizer Gegenden ausgewählt. An Standort A im Wallis wird Obst- und Weinbau betrieben, an Standort B in der Nordwestschweiz Ackerbau, an Standort C im Mittelland ebenfalls Ackerbau und an Standort D in der Ostschweiz Obstbau. An allen Standorten war sowohl im Sommer als auch im Herbst eine mehrfache Belastung mit Pestiziden festzustellen. Dabei war Standort A der am stärksten belastete und Standort B der am wenigsten belastete.

Insgesamt konnten 25 verschiedene Pestizidwirkstoffe bzw. Metaboliten nachgewiesen werden. Am häufigsten wurden die Fungizide Folpet, Captan, Chlorothalonil und Cyprodinil, die Herbizide Terbuthylazin, Metolachlor und Pendimethalin sowie das Insektizid Chlorpyrifos nachgewiesen.

Auch längst verbotene Pestizide

Es wurden 13 unterschiedliche Fungizid-Wirkstoffe nachgewiesen, sieben Herbizid-Wirkstoffe sowie drei verschiedene Insektizide bzw. Akarizide, darunter der Wirkstoff Brompropylat, der seit 2010 nicht mehr zugelassen ist. Ausserdem wurden zwei Metaboliten gefunden: AMPA, ein Abbauprodukt von Glyphosat, sowie 4,4′-DDE, ein Abbauprodukt des längst nicht mehr zugelassenen DDT, das aber so persistent ist, dass es in der Umwelt nach wie vor präsent und sehr weit verbreitet ist.

Diese explorative Untersuchung zeigt, dass es in der Schweiz – wie in anderen Ländern auch – ein Problem mit der Verfrachtung von Pestiziden gibt. Eine grösser angelegte Untersuchung mit mehreren Standorten und häufigeren Probenentnahmen über die gesamte Spritzsaison hinweg scheint angebracht, um die Belastung im Zeitverlauf feststellen zu können.

Abdrift-Massnahmen ungenügend

Dass Pestizide nicht auf der Fläche bleiben, auf der sie ausgebracht wurden, ist ein bekanntes Problem. In der Schweiz gibt es deshalb auch Massnahmen, die die Abdrift von Pestiziden verringern sollen. Diese sind in den «Weisungen betreffend die Massnahmen zur Reduktion der Risiken bei der Anwendung von Pflanzenschutzmitteln» festgehalten (BLW 2020). Allerdings gelten die Weisungen nur für bestimmte Pestizide. Die vorliegende explorative Untersuchung gibt deutliche Hinweise darauf, dass die darin festgehaltenen Massnahmen nicht ausreichend sind, um die Verfrachtung von Pestiziden durch die Luft zu vermeiden.

Diese Untersuchung zeigt, dass es auch in der Schweiz ein Problem mit der Verfrachtung von Pestiziden gibt. Eine grösser angelegte Untersuchung mit noch mehr Standorten, einer grösseren Anzahl an Wirkstoffen und häufigeren Probenentnahmen über die gesamte Spritzsaison hinweg, würde eine Feststellung der Belastung über einen Zeitverlauf ermöglichen und erscheint sinnvoll. Bisher gibt es in der Schweiz keine systematische Untersuchung der Verfrachtung von Pestiziden durch die Luft.

Pestizide in der Schweizer Luft. Greenpeace 11.11.20

21.6.22 HOME

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Ein US-Gericht erklärt Glyphosat-Zulassung als rechtswidrig

20. Juni 2022
Das Original, seit 1974

Das Original, seit 1974

Die US-Umweltschutzbehörde EPA wurde am Freitag von einem Bundesberufungsgericht angewiesen, erneut zu prüfen, ob Glyphosat, der Wirkstoff im Unkrautvernichter Roundup der Bayer AG (BAYGn.DE), unzumutbare Risiken für Mensch und Umwelt birgt.

In einer 3:0-Entscheidung stimmte das Berufungsgericht des 9. US-Bundesbezirks mit mehreren Umweltschutz-, Landarbeiter- und Lebensmittelsicherheitsgruppen darin überein, dass die EPA nicht ausreichend geprüft hat, ob Glyphosat Krebs verursacht und gefährdete Arten bedroht.

Erklärung von Amy van Saun, leitende Anwältin beim Center for Food Safety (CFS) und Hauptanwältin in diesem Fall:

„Der heutige Tag ist ein monumentaler Sieg für Landarbeiter, Wildtiere und die Öffentlichkeit. Das Gericht hat die Zulassung von Monsantos Glyphosat durch die EPA für rechtswidrig erklärt und die EPA dafür gerügt, dass sie reale Beweise für Krebsrisiken bei der Verwendung von Glyphosat ignoriert und die Auswirkungen auf gefährdete Arten nicht einmal in Betracht gezogen hat.“

U.S. EPA ordered to reassess glyphosate’s impact on health, environment. Reuters 17.6.22

Federal Court Holds Glyphosate Registration Unlawful, Cites Cancer Risks, Endangered Species Risks. Center for Food Safety 17.6.22

UNITED STATES COURT OF APPEALS, FOR THE NINTH CIRCUIT. No. 20-70787, EPA No. EPA-HQ-OPP-2009-0361 17.6.22

Glyphosat, Wikipedia

20.6.22 HOME

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Author Thursday Pick: Daily Poison

17. Juni 2022
Ämter, Politik und Landwirtschaft unterschätzen immer noch die Gefahr der Pestizide.

Ämter, Politik und Landwirtschaft unterschätzen immer noch die Gefahr der Pestizide.

Der Springer-Verlag hat gestern das Buch Daily Poison von Johann G. Zaller zur „Donnerstagsauswahl“ gekürt. Auf Deutsch erschienen ist zuerst „Unser täglich Gift“. Das englische Buch ist eine Erweiterung und Aktualisierung des deutschsprachigen. Die Buchbeschreibung:

This book is a sound science report about the consequences of pesticides to nature, health and environment.

The book shares essential insights into the use of pesticides in agriculture, discusses the politics, rhetoric and profits involved, addresses the potential health and ecological risks of pesticides in our daily lives, and debates possible solutions. Is agriculture without pesticides possible at all?

Moreover, the author gives insight into his scientific work, the set-up of the experiments, and also writes about his very own experiences with the media and press after publication of his studies.

For many years, Johann G. Zaller, an ecologist at the University of Natural Resources and Life Sciences in Vienna, and his team, have been researching applied chemicals and their effects on the environment. Their findings, together with relevant literature and media reports, are presented in this book, which offers a unique resource for anyone who wants to know the nature and background of pesticides and how we come into contact with them in our daily lives.

Ever ate an apple? Read this book!

Daily Poison, Johann G. Zaller

Unser täglich Gift, Johann G. Zaller

Synthetische Pestizide: Vortrag von Johann G. Zaller, Universtität für Bodenkultur Wien. Heidis Mist

Weitere Artikel von Heidi mit Stichwort Johann G. Zaller

25.5.21

17.6.22 HOME

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Heidis „Frühkartoffeln“

16. Juni 2022
Heute hat Heidi die ersten Kartoffeln geerntet, zwar noch nicht schalenfest, aber sie heute gekocht und gegessen!

Heute hat Heidi die ersten Kartoffeln geerntet, zwar noch nicht schalenfest, aber das macht nichts, denn sie werden heute gekocht und gegessen!

Wer selber Kartoffeln anbaut, kann jetzt vorsichtig im Damm Erde wegschieben und schauen, ob es schon kleine Kartoffeln gibt. Heidi hat das heute getan und war erstaunt, schon so schöne, relativ grosse Exemplare zu finden. Die Staude lässt Heidi intakt, damit sie weiter produzieren kann.

Die üblichen Frühkartoffeln kommen entweder von weit her aus einem wärmeren Gebiet oder aus Folientunnels. Das ist nicht unproblematisch, denn unter den Folien ist es schön warm und feucht, ideale Bedingungen für den Kraut- und Knollenfäulepilz. So ist es nicht erstaunlich, dass in der Schweiz die Krautfäule-Epidemie jeweils in Frühkartoffelfelder beginnt, und zwar seit Beginn der Aufzeichnungen von PhytoPRE, dem Warn- und Prognosemodell von Agroscope Zürich-Reckenholz. Das bedeutet, dass die normalen Kartoffelfelder (je nach Wetter) ab diesem Zeitpunkt gespritzt werden müssen.

Heidi hat letztes Jahr erneut darüber berichtet: Alle Jahre wieder: Beginn Kraut- und Knollenfäule-Epidemie in Frühkartoffeln! Heidis Mist 29.5.21

Folienkartoffeln verursachen höheren Pestizid-Einsatz im regulären Kartoffelbau. Heidis Mist vom 11.3.18

16.6.22 HOME

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Insektenkiller – Wie Chemieriesen unser Ökosystem zerstören

13. Juni 2022
ARTE: Insektenkiller - Wie Chemieriesen unser Ökosystem zerstören

Aus dem ARTE-Film „Insektenkiller – Wie Chemieriesen unser Ökosystem zerstören“. Klicken Sie auf das Bild!

Heute vor einem Jahr haben Initianten aus der Westschweiz und der Deutschschweiz je einen Achtungserfolg mit Volksinitiativen erzielt: 40 Prozent JA-Stimmen. Die Volksinitiative für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide und die Trinkwasserinitiative wurden zwar abgelehnt, aber haben immerhin das Thema auf den Tisch gebracht und einiges bewirkt. Es waren gewöhnliche Leute aus dem Volk. Unterstützung fanden sie aber von zahlreichen Fachleuten und Gleichgesinnten, welche sauberes Trinkwasser und pestizidfreie Lebensmittel wollen. Gegen sich hatten diese tapferen KämpferInnen nicht nur den Bundesrat und die Parlamentsmehrheit, sondern auch einen Grossteil der Bauern und die ganze Agrar- und Industrielobby mit der Taktik „Angst machen“.

Das ist Vergangenheit, aber das Artensterben geht weiter, die bekannten und unbekannten Schäden auch, und wir zahlen die hohen externen Kosten für dieses Wirtschaften. So freut sich Heidi über jede Bäuerin, jeden Bauern, die/der ohne die schädlichen Pestizide Lebensmittel für uns produziert.

Das Pestizidproblem ist gross, der Wille für umfassende Lösungen klein. Einem Teil der Bauern ist es egal, wenn Schmetterlinge, Vögel usw. sterben, einem Teil der Bevölkerung auch, wenn nur der Preis tief ist. Und die Grossverteiler sind in erster Linie auf Umsatz und Profit aus, legen aber Wert darauf, als „nachhaltig“ wahrgenommen zu werden.

Der Ukrainekrieg hat das Angstschüren belebt, besonders in der Pestizidindustrie. Die PolitikerInnen reden viel, machen etwas, aber entfaltet dies die für den Schutz unserer Lebensgrundlagen nötige Wirkung?

Zum Abstimmungs-Jubiläum macht Heidi auf einen ARTE-Film aufmerksam, der viele Aspekte des Pestizidproblems behandelt und die Entstehungsgeschichte erzählt, die mit dem Ende des 2. Weltkriegs und den überflüssig gewordenen Chemikalien beginnt und ähnlich verläuft wie die Geschichte des Tabaks. Eigentlich müsste diese Dokumentation Pflichtlektion in landwirtschaftlichen Schulen sein.

Klicken Sie hier: Insektenkiller – Wie Chemieriesen unser Ökosystem zerstören. ARTE, 1:32. Es gäbe auch unzählige wissenschaftliche Publikationen zu verlinken, die aufschrecken, oder Recherchen, die aufzeigen mit welchen Mitteln die grossen Pestizidhersteller zu „wissenschaftlichen“ Ergebnissen von Hochschulen kommen. Der ARTE-Film ist lang, aber wichtig. Mehr solls heute nicht sein!

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Die FAO soll ihre Partnerschaft mit dem Verband der Pestizid-Industrie brechen!

10. Juni 2022
PAN International

PAN International

Am 15.5.22 berichtete Heidi über die Lobby-Aktivität von CropLife International: Laute Lobby für einen stillen Frühling. Nun fordern 430 Organisationen der Zivilgesellschaft und indigener Völker vom Rat der FAO ein Ende der Partnerschaft mit der Pestizid-Industrie.

„Der folgende Text ist eine Übertragung der englischen Pressemitteilung von PAN International ins Deutsche.

Im Vorfeld der 170. Sitzung des Rates der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO), die am 13. Juni beginnt, erheben 430 Organisationen der Zivilgesellschaft und indigener Völker aus 69 Ländern weltweit ihre Stimme gegen die Partnerschaft der UN-Organisation mit CropLife International, dem Industrieverband, der die grössten Pestizidhersteller der Welt vertritt.

In dem von Pesticide Action Network (PAN) übermittelten Schreiben an die Mitglieder des Rates der FAO, das von 10 weiteren globalen Netzwerken unterstützt und von insgesamt 430 Organisationen mitgetragen wird, fordern diese von den Rats-Mitgliedern unverzüglich Massnahmen zur Beendigung dieser Partnerschaft zu ergreifen und erinnern die FAO an ihre Verpflichtungen zur Einhaltung der Menschenrechte. Die 430 Organisationen äussern ihre Besorgnis darüber, wie sich die CropLife-Mitgliedsunternehmen (BASF, Bayer Crop Science, Corteva Agriscience, FMC und Syngenta) „in die nationale Politik einmischen und enormen Druck auf Regierungen ausüben, die Massnahmen zum Schutz von Mensch und Umwelt vor Pestizidschäden ergreifen.“

Die Forderung nach einem Ende dieser „Toxic Alliance“ stützt sich auf die anhaltenden Bedenken der Zivilgesellschaft und der Organisationen indigener Völker sowie auf den, auf der 49. Sitzung des Menschenrechtsrates geäusserten Empfehlung des UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung „die Vereinbarung mit CropLife International im Hinblick auf Menschenrechtsbelange zu überprüfen“ und „zu erwägen, den Generaldirektor der FAO anzuweisen, die Vereinbarung zu kündigen“.

Im Rahmen der Strategie für das Engagement des Privatsektors unterzeichnete die FAO im Oktober 2020 eine Absichtserklärung mit CropLife, in einer Vielzahl von Bereichen zusammenzuarbeiten. „Die Vertiefung der Zusammenarbeit zwischen der FAO und CropLife International wirkt allen Bemühungen um ein schrittweises Verbot hochgefährlicher Pestizide, wie es der FAO-Rat bereits 2006 zur Prüfung empfohlen hat, direkt entgegen“, heisst es in dem Schreiben der Verbände.

„Diese Partnerschaft besteht nun seit über eineinhalb Jahren, und die Bemühungen der FAO, globale Massnahmen zum Ausstieg aus dem Einsatz hochgefährlicher Pestizide und deren Verbot voranzutreiben, sind zum Stillstand gekommen“, sagte Keith Tyrell, Vorsitzender von PAN International. „Wie die Unterzeichner in diesem Brief unterstreichen, sind die Mitgliedstaaten und die FAO aufgerufen, Agrarökologie zu fördern, um ökologisch basierte Lebensmittel- und Landwirtschaftssysteme zu ermöglichen, die ohne den Einsatz von giftigen Pestiziden auskommen.“

In dem Schreiben wird zudem darauf hingewiesen, dass die FAO-eigene Sorgfaltspflicht beinhaltet, dass Unternehmen, die in Menschenrechtsverletzungen verwickelt sind, als potenzielle Partnern ausgeschlossen werden können. Die unterzeichnenden Organisationen des heute versendeten Briefes an den FAO-Rat erklären, „dass der Einsatz von gefährlichen Pestiziden nicht vereinbar sei, mit den von den Vereinten Nationen geschützten Rechten auf: Gesundheit; saubere, gesunde und nachhaltige Umwelt; sichere Arbeitsbedingungen; angemessene Ernährung; sicheres und sauberes Wasser und sanitäre Einrichtungen; ein Leben in Würde; und den Rechten von indigenen Völkern, Frauen, Kindern, Arbeitern, Bauern und anderen Menschen, die in ländlichen Gebieten arbeiten“.

Darüber hinaus verdeutlicht der vorgelegte Bericht „Addressing the Conflict of Interest and Incompatibility der FAO-Partnerschaft mit CropLife International“, die Notwendigkeit, die als „giftige Allianz“ von der Zivilgesellschaft und indigenen Völker bezeichnete Zusammenarbeit zwischen der FAO und der Pestizid-Industrie zu beenden.

Dieser Bericht wurde dem FAO-Rat von PAN und zehn anderen globalen Organisationen unterbreitet, die die Kampagne anführen.

Ein separater Bericht mit dem Titel „Corporate Capture of FAO: Industry’s Deepening Influence on Global Food Governance„, der Beiträge von PAN International enthält, wurde der FAO und den Mitgliedsstaaten ebenfalls rechtzeitig vor der FAO-Ratssitzung vorgelegt. Der Bericht hebt die Partnerschaft mit CropLife als eine der Fallstudien hervor, die den Trend verdeutlichen, dass Konzerne auf Kosten von Staaten, kleinen Lebensmittelproduzenten, indigenen Völkern und der Zivilgesellschaft immer mehr Einfluss erhalten.“

430 Organisationen der Zivilgesellschaft und indigener Völker fordern vom Rat der FAO ein Ende der Partnerschaft mit der Pestizid-Industrie. PAN Germany 9.6.22

Laute Lobby für einen stillen Frühling. Heidis Mist 15.5.22

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