Archive for the ‘Wasser’ Category

Weiter wie bisher auf Kosten von Indigenen Völkern?

22. September 2022

Quelle: Munduruku Indigenous communities oppose REDD project on their territory. Chris Lang, REDD-Monitor 21.9.22

Die Munduruku-Indigenen der Flüsse Oberer und Mittlerer Tapajós und Unterer Teles Pires im Brasilianischen Amazonas trafen sich kürzlich im Dorf Sawre Muybu. Eines der Themen auf der Tagesordnung war ein vorgeschlagenes REDD-Projekt (Reducing Emissions from Deforestation and Forest Degradation/Verringerung von Emissionen aus Entwaldung und Waldschädigung) im Munduruki-Gebiet. Die Munduruku-Gemeinschaften sind gegen dieses REDD-Projekt. In einem offenen Brief im Namen der Munduruku-Gemeinschaften heisst es,

Wir wissen, dass diese „Lösungen“, die von aussen kommen, unsere Lebensweise und unsere Autonomie, über das Gebiet nachzudenken und es zu pflegen, nicht respektieren. Wir brauchen kein Unternehmen, das die Nutzung unseres Territoriums kontrolliert und uns sagt, wie wir den Wald erhalten sollen. Wir wissen, dass die Unternehmen, die diese „Konzessionen“ machen, damit fortfahren wollen, andere Orte zu zerstören, und dass sie mit dem Geld verdienen wollen, was wir seit Tausenden von Jahren in unserem Land machen.

In dem Schreiben heisst es, dass Carbonext und das Unternehmen Mapel Marochi Agriculture e Pecuária, ein Klimaschutzprojekt im Crepori-Nationalwald einzurichten. Im Juli 2022 gab Shell bekannt, dass es 38 Millionen US-Dollar in Carbonext investiert hat.

Von Quecksilberverschmutzung und CO2-Zertifikaten

GegenStrömung dokumentierte die deutschsprachige Übersetzung des „Brief der Munduruku vom Oberen und Mittleren Tapajós und vom Unteren Teles Pires“ vom 16. September 2022 aus der aldeia Sawre Muybu.

Das Original kann hier eingesehen werden. Wie die Munduruku selbst ihre Konsultation mit dem von ihnen festegelten Protokoll definieren, können Sie hier lesen.

Brief der Munduruku vom Oberen und Mittleren Tapajós und vom Unteren Teles Pires

Wir, Kaziken, Kazikinnen, Krieger, Kriegerinnen, Lehrer, Lehrerinnen, Frauen sowie die Vereinigungen Pariri, Wakoborũn, Aro, Arikico, Da’uk, Movimento Ipereg Ayũ und CIMAT, haben uns am 14. September 2022 in der aldeia Sawre Muybu versammelt, wo wir eine Anhörung organisierten, um die Forschungsergebnisse der Oswaldo-Cruz-Stiftung über den hohen Quecksilbergehalt in unserem Körper und in dem Fisch, den wir täglich essen, zu besprechen. Alles, was wir schon geahnt hatten, die Symptome, haben wir hier gesehen, wir sehen nun das Ergebnis. Wir sind auf der Suche nach einer Lösung. Erstens wollen wir, dass die Garimpo-Bergbauaktivitäten in unserem Gebiet dringend eingestellt werden. Wir beschuldigen die derzeitige Regierung für ihr Versäumnis und die Tatsache, dass sie uns durch die Quecksilberkontamination krank macht.

Garimpo-Bergbau macht nur krank. Neben Quecksilber gibt es in unserer Region auch einen Ausbruch von Malaria, sowie Durchfall, Hunger und juckende Haut. Unsere Flüsse werden zerstört, unsere Bäche sterben ab und unsere Fische sterben aus. Heute trinken wir schmutziges Wasser, unsere Kinder baden in Flüssen, die mit Schlamm verschmutzt sind, und wir fischen in Wasser, das wie Milch aussieht. Wir waren sehr traurig, als wir die Ergebnisse sahen – wer will schon, dass seine Kinder krank sind? Zusätzlich zu den Krankheiten werden unsere Anführer bedroht und haben bereits unter schwerer Gewalt gelitten, ihre Häuser wurden niedergebrannt und der Sitz der Verbände und Widerstandsorganisationen in Jacareacanga wurde zerstört.

Während wir hier versammelt waren, um über die Vergiftungen zu sprechen und um eine Lösung für die Gesundheit unseres Volkes zu finden, erreichten uns Nachrichten, Fotos und Videos eines Treffens, organisiert durch die Associação Pusuru und das in der aldeia Karapanatuba unter Anwesenheit munizipaler Behördenvertreter stattfand, über CO2-Gutschriften. Auf diesem Treffen bot eine Firma der Associação Geld an, Geld, das unsere Verwandten nur täuscht und Spaltung hervorruft. Der Geldkoffer wird angeboten, um in das Territorium zu gelangen. Woher kommt dieses Geld? Wir wissen bereits seit Januar 2022, dass die Firma Carbonext und die Firma Mapel Marochi Agricultura e Pecuária LTDA versuchen, Projekte für CO2-Gutschriften in der Floresta Nacional do Crepori einzuführen.  Dieser Ort, den die Regierung als Schutzgebiet bezeichnet hat, ist ein eigentlich traditionell durch das Volk der Munduruku besetztes Gebiet, vor allem durch die 25 Dörfer am Rio das Tropas, wo beide Flussufer benutzt werden. Wir haben die Bundesstaatsanwaltschaft bereits darüber in Kenntnis gesetzt, dass wir via Email von diesen Firmen kontaktiert wurden.

Lesen Sie den vollständigen Brief hier: Brief der Munduruku vom Oberen und Mittleren Tapajós und vom Unteren Teles Pires. GegenStrömung 17.9.22

Munduruku Indigenous communities oppose REDD project on their territory. Chris Lang, REDD-Monitor 21.9.22

Stickstoff: Globale Überdosis

20. September 2022
Veröffentlichungen: WDR 5 Quarks, Quarks Storys, WDR ZeitZeichen, Deutschlandfunk Nova, Deutschlandfunk.

Veröffentlichungen von Anne Preger bei: WDR 5 Quarks, Quarks Storys, WDR ZeitZeichen, Deutschlandfunk Nova, Deutschlandfunk.

Eine Leserin hat Heidi auf dieses Buch aufmerksam gemacht.

Die Erde leidet an vielen menschlichen Eingriffen. Die Wissenschaftsjournalistin Anne Preger hat in ihrem Buch Globale Überdosis die Rolle des Stickstoffs untersucht. Unter anderem war sie dafür als Journalist in Residence am Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte (MPIWG) in Berlin. Während ihrer Zeit am MPIWG hat Anne die Geschichte der Stickstoffgewinnung für die Nahrungsmittelproduktion und Kriegsführung erforschen und wie die menschliche Nutzung von Stickstoff die heutige Welt prägt.

Stickstoff im Überfluss verschmutzt Luft und Wasser, greift die Ozonschicht an, macht Menschen krank und vernichtet Artenvielfalt. Wie es zu der globalen Überdosis gekommen ist, was der 2. Juli 1909 damit zu tun hat und was wir konkret dagegen tun können, erklärt Anne Preger in ihrem Buch.

Buchbeschreibung: „Wir überdüngen den Planeten mit Stickstoff. Eigentlich waren alle biologisch nutzbaren Formen des Elements über Milliarden von Jahren eine heiss umkämpfte Mangelware. Um an sie heranzukommen, haben sich Pflanzen und andere Organismen einige Tricks einfallen lassen. Doch vor allem eine Erfindung aus Deutschland hat die Lage seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts drastisch verändert, und inzwischen herrscht statt Mangel ein fataler Überfluss! Zum Glück gibt es nachhaltige Lösungsansätze – und das Beste daran: Wer dieses Problem angeht, schützt nicht nur die Biodiversität und das Klima, sondern gleichzeitig auch die menschliche Gesundheit und hat die Chance, sogar den Welthunger zu besiegen.“

Globale Überdosis. Quadriga Verlag

Anne Preger, RiffReporter, die Genossenschaft für freien Journalismus eG

Globale Überdosis. Stickstoff – die unterschätzte Gefahr für Umwelt und Gesundheit. Hörwelten

Urteil im Fall Spöl: Bauführer freigesprochen

19. September 2022

Das Regionaljournal Graubünden von SRF berichtet soeben: Im Fall des verschmutzten Bachs Spöl fehlten für das Gericht die nötigen Beweise. Der Angeklagte wird nicht verurteilt.

Lesen Sie hier weiter: Urteil im Fall Spöl Trotz Gift im Bach: Gericht spricht Bündner Bauführer frei. SRF 19.9.22

Putsch des Ständerats gegen den Gewässerschutz

9. September 2022

Im Jahre 2010 hat der Schweizerische Fischerei-Verband (SFV) seine Volksinitiative „Lebendiges Wasser“ zugunsten eines Gegenvorschlages zurückgezogen – leider, den daraufhin wurden die Anliegen der Fischer Schritt für Schritt verwässert. Neu droht ein weiterer gewaltiger Rückschlag im Gewässerschutz. Lesen Sie die folgende Medieninformation des SFV von heute:

Ständerats-Kommission: Generalangriff auf Umweltschutzrecht!

Nicht genug Schaden für Fische und Gewässer im Hitzesommer 2022! Jetzt versetzt die Umweltkommission des Ständerates der Natur einen zweiten harten Schlag: Sie fordert faktisch die Aufhebung aller Umweltbestimmungen und insbesondere der Restwasservorschriften. Der Schweizerische Fischerei-Verband SFV erwartet vom Ständerat staatspolitische Verantwortung – und damit die Korrektur der masslosen Entgleisungen der eigenen Kommission. 

Ohne Restwasser keine Fische und keine natürlichen Gewässer! Dieses Prinzip leuchtet jedem Kind ein. Deshalb wurden minimale Mengen von Restwasser bei allen Wasserkraftwerken gesetzlich verankert. Genau diese Vorschriften will jetzt aber die Umwelt- und Energiekommission des Ständerates aushebeln.

Putsch gegen den Gewässerschutz

Im Rahmen der Beratung über die Revision des Energie- und des Stromversorgungsgesetzes hat die Kommission beschlossen, die minimalen Restwasserbestimmungen bis ins Jahr 2035 weitgehend auszuhebeln. Der Schweizerische Fischerei-Verband kritisiert diesen Entscheid in aller Schärfe. „Das ist ein eigentlicher Putsch gegen das Gewässerschutzgesetz“, sagt Zentralpräsident Roberto Zanetti. Der Putsch verstosse gegen Treu und Glauben und den vor elf Jahren geschmiedeten Gewässerschutzkompromiss, der zum Rückzug der Fischer-Initiative geführt hatte. Zudem massakriert dieses Aushebeln die gemeinsame Erklärung des Runden Tisches Wasserkraft an dem sich Wasserkraftbranche, Kantone, Bund und Umweltorganisationen einigen konnten

Im Extremfall alle Kräfte mobilisieren

Die von der Kommission beabsichtigte Sistierung der Restwasserbestimmungen für die nächsten 13 Jahre wäre ein unverzeihlicher Kahlschlag an der Natur. „Die kleine Menge an zusätzlicher Energie steht in keinem Verhältnis zum ökologischen Totalschaden, den man anrichten würde“, so Zanetti. Es dürfe nicht sein, dass die Natur kaltschnäuzig auf dem Altar einer minimen Zusatzproduktion von Energie geopfert werde.

Dieser Generalangriff auf sämtliche Umweltbestimmungen und insbesondere den Gewässerschutz könnten die Fischerinnen und Fischer nicht akzeptieren. Falls es nötig wird, ist der Schweizerische Fischerei-Verband bereit, alle nötigen Kräfte zu mobilisieren, um den Totalschaden zu verhindern.

Vorerst aber hofft der Schweizerische Fischerei-Verband auf die ökologische Sensibilität und das staatspolitische Verantwortungsgefühl des Ständerates. Es ist zu hoffen, dass im Ratsplenum doch noch politische Vernunft und Verhältnismässigkeit einkehren.

Befristete Reduktion der Restwassermenge – zähneknirschend

Der Schweizerische Fischerei-Verband hat die vom Bundesrat geplante, zeitlich befristete Erhöhung der Winterproduktion bei Wasserkraftwerken zähneknirschend und widerwillig zur Kenntnis genommen.  „Die sehr geringe Mehrproduktion steht in einem krassen Missverhältnis zu den ökologischen Risiken!“, so Zanetti. Weitergehende Angriffe auf die minimalen Restwasserbestimmungen sind weder nötig noch akzeptabel.

Ständerats-Kommission: Generalangriff auf Umweltschutzrecht! Medieninformation Schweizerischer Fischerei-Verband 9.9.22

Heidi verlinkt diese Informationen, die sie auf der SFV-Homepage gefunden hat.

Hände weg vom Restwasser!

Ohne Wasser kein Leben. Seit Jahrzehnten setzt sich der SFV für angemessene Restwassermengen ein. Der SFV informiert über Restwasser – so auch mit dem neuen Faktenblatt.

Das neue Faktenblatt zum Thema Restwasser ist aufgeschaltet.

Faktenblatt Restwasser

Und weiterführende Informationen zum Thema

Zum Beispiel Wägitaler Aa

Der Kanton SZ hat die Mündung der Wägitaler Aa, das Lachner Aahorn, mit Steuergeldern revitalisiert. Dieser „Erfolg“ wurde nach 11 Monaten Bauzeit gefeiert. Aber Restwasser fliesst nicht immer. Muss nicht immer fliessen. Da staunt Heidi einmal mehr. Es lohnt sich, genauer hinzuschauen.

Heidis Beiträge mit dem Stichwort Restwasser

Das Problem mit dem energiesparenden Wasserkocher: Einkaufen mit Heidi

9. September 2022
Wasserkocher Ottoni Fjord Nero. Das Wasser kommt nicht in Kontakt mit Plastik, nur der untere Teil ist aus Kunststoff.

Heidis Wasserkocher Ottoni Fjord Nero. Das Wasser kommt nicht in Kontakt mit Plastik, nur der untere Teil ist aus Kunststoff.

Unser Bundesrat ruft zum freiwilligen Stromsparen auf. Eine der Massnahmen ist das Kochen von Wasser mit einem Wasserkocher statt auf dem Herd. Leider fehlen Empfehlungen für den Kauf. Aber das wäre wahrscheinlich ein Eingriff in die Freie Marktwirtschaft, wo doch die Industrie fast alles verkaufen darf, was Gewinn verspricht.

Vor vielen vielen Jahren wollte Heidi einen Wasserkocher kaufen, genauer: einen Wasserkocher ohne Plastik. Einfach? Nein, fast unmöglich, denn die Industrie verpasst auch den Wasserkochern mit wenig Plastik meist einen Kunststoff-Wasserstandsanzeiger oder -Deckel. Damals gab es noch einige gute Haushaltgeschäfte: Hoffnungslos! Im Internet traf Heidi viele Leute, die dasselbe suchten, v.a. junge Familien mit Kleinkindern, für welche Weichmacher aus Plastik eine erhebliche Gefahr für die Entwicklung ist. Es heisst zwar wie bei den Pestiziden „ein bisschen“ ist gefahrlos … nur Heidi glaubt das schon lange nicht mehr, denn wenig von vielen Chemikalien sind nicht harmlos bzw. man hat eigentlich keine Ahnung was sie bewirken.

Nach langem Suchen wurde Heidi in Italien fündig bei Ottoni Fabbrica in Gravellona Toce. Auf der Homepage ist heute zu lesen: „Wasserkocher: Elektrische Wasserkocher, komplett aus 100% hochwertigem Edelstahl 18/10 mit herausnehmbaren Edelstahlfilter aus Antikalkstahl. Absolut kein Kunststoff-Kontakt mit Wasser und Dampf. Ihr Kaffee/Tee wird einen anderen Geschmack haben.“

Ottoni Fabbrica liegt in der Nähe des Lago Maggiore.

Ottoni Fabbrica liegt in der Nähe des Lago Maggiore.

Die Ottoni-Wasserkocher werden in vielen Variationen heute auch in der Schweiz angeboten, etwa bei Manufactum, Frohkost usw. Aber damals war es unmöglich, einen in der Schweiz zu kriegen! Also bestellte Heidi den Wasserkocher direkt in der Fabrik. An einem schönen Dezembertag reisten Heidi und der Alpöhi nach Locarno, übernachteten dort und fuhren weiter nach Italien, wo sie bei Ottoni Fabbrica herzlich empfangen wurden und den Wasserkocher in Empfang nehmen konnten. Auf der Rückreise übernachteten sie in Domodossola und feierten dort in einer Pizzeria Alpöhis Geburtstag.

Soeben hat Heidi im Internet „Wasserkocher ohne Plastik“ gesucht und bereits der erste Link, der keine Anzeige war, brachte im stern vom 7.8.22 Informationen: Glas, Edelstahl oder KeramikWasserkocher ohne Plastik: Geht das überhaupt? Fünf Geräte im Vergleich:

„Wasserkocher aus Plastik enthalten sogenannte Weichmacher, die schädlich für unsere Gesundheit sind. Aus diesem Grund sollten Modelle aus Kunststoff nicht genutzt werden, um darin Wasser zu erhitzen. Aber gibt es überhaupt plastikfreie Wasserkocher auf dem Markt? Die Antwort lautet: Jein.“

Wenn Sie einen Wasserkocher kaufen, dann achten Sie darauf, dass das Wasser nicht mit Plastik in Kontakt kommt – also, ein Ottoni ist eine sichere und zugleich schöne Wahl. Sollten Sie schon einen aus Kunststoff besitzen, dann empfiehlt Heidi Ihnen, diesen zu ersetzen. Das generiert zwar Abfall, ist aber für Ihre Gesundheit besser.

Oh du heiliger Mist!

7. September 2022
Naturschutzgebiet Ibergeregg: Heidis Misthaufenblick hat sofort weiter oben am Weg ...

Naturschutzgebiet Ibergeregg: Heidis Misthaufenblick hat sofort weiter oben am Weg …

... den Misthaufen entdeckt, an wunderschöner Aussichtslage.

… den Misthaufen entdeckt, an wunderschöner Aussichtslage.

Wieder einmal sind die geöffneten Tabs in Heidis Browser so zahlreich, dass sie fast nicht weiss wo anfangen. Eigentlich wollte sie das Drama des ausgetrockneten UNESCO-Naturerbes Coto de Doñana thematisieren und den Marche funèbre von Chopin verlinken. Seit mehr als zehn Jahren schreibt sie immer wieder über die wasserverschleissenden Erdbeeren, Himbeeren usw., bio und konventionell, die wir aus diesem Gebiet auch mitten im Winter beziehen, angeblich nachhaltig.

Am Sonntag sind Fotos von einem illegal gelagerten Misthaufen im Naturschutzgebiet Ibergeregg SZ eingetroffen und am Tag darauf ein Blog-Beitrag von Martin Sager, Direktor des Schweizerischen Vereins des Gas- und Wasserfaches (SVGW), mit dem Titel Heiliger Mist.

Auch wenn die Zahl der illegal gelagerten Misthaufen stark rückläufig ist, so ist es die Menge der umweltschädlichen Dünger nicht. Ammoniak-Emissionen belasten nicht nur unsere Gesundheit, sondern auch den Wald, Naturschutzgebiete, naturnahe Flächen … und Stickstoff und Phosphor verschmutzen Gewässer und Grundwasser. So ist es denn an der Zeit, dieses leide Thema in den Vordergrund zu stellen. Hinzu kommen die Pestiziden und deren Metaboliten im Wasser.

Über Misthaufen hat Heidi schon viel geschrieben, sie sind selbstredend. Das Verschmutzungsproblem Dünger ist weiterhin ungelöst.

Hier sei nur der Lead von Sagers Blog-Beitrag veröffentlicht, den vollständigen Kurzbeitrag lesen Sie am besten bei Aqua & Gas:

„Obwohl seit 1998 mit Artikel 62a des Gewässerschutzgesetzes substanzielle Mittel in Massnahmen der Landwirtschaft zur Senkung von übermässigen Gewässerbelastungen durch Nitrat, Phosphor und Pflanzenschutzmittel fliessen, ist die Verunreinigung des Grundwassers mit Nährstoffen kaum zurückgegangen. Gleichzeitig werden alle konkreten Massnahmen, die den Einsatz von Gülle und Dünger reduzieren wollen, im Parlament torpediert.“

Heiliger Mist. Martin Sager, SVGW, Aqua & Gas

Containerriese auf der Elbe: Wo bleibt das Wasser?

26. August 2022
Ausschnitt aus Film NDR

Ausschnitt aus Film NDR

Hamburg hat einen wichtigen Hafen. Das Problem ist nur, der Fluss, der ihn erschliesst, die Elbe, ist zu wenig tief und breit. Oder anders gesagt, die Schiffe werden immer grösser. Heidi hat schon über die Probleme mit der Vertiefung und Verbreiterung der Elb-Fahrrinne geschrieben. Kein Wunder, dass jetzt das Wasser fehlt. So „fehlt“ unten im Tidefluss mindestens 1/2 bis 3/4 am normalen Flutwasserstand.

Wegen eines zu geringen Wasserstands in der Elbe hat ein 400 Meter langes Containerschiff am Donnerstag einen Zwischenstopp vor dem Airbus-Gelände in Hamburg-Finkenwerder einlegen müssen. Die „HMM Algeciras“ musste ihre Fahrt vorläufig beenden. Das Schiff hatte kurz zuvor den Hafen verlassen. Weil in der Elbe zurzeit zu wenig Wasser ist, bestand die Gefahr, dass das vollbeladene Containerschiff nicht bis zur Elbmündung kommen würde.

Der Containerriese musste warten, bis das Wasser so hoch stand, dass eine sichere Fahrt möglich war. Heute morgen (26.8.22) setzte sie ihre Fahrt fort. Zielhafen ist Tanger-Med in Marokko. Die „HMM Algeciras“ ist eines der größten Containerschiffe der Welt. Sie ist 400 Meter lang, 61 Meter breit und hat Platz für rund 24’000 Standardcontainer.

Ein Kenner der Probleme schrieb Heidi: „Da die Elbe nunmal keinen Gletscher hat, und wenn dann noch Ostwind herrscht … Wenn dann solch Unvernunft mit an die 14 m Tiefgang die 120 km bis zur Nordsee zurücklegen will – dann passiert sowas schonmal. Auch schon passiert: Da diese Riesenkästen mit ihren Containern nicht nur tief, sondern auch hoch hinausragen, stellen sie hervorragende „Segelfläche“. Da setzt schonmal ein starker Seitenwind so`n Teil hier auf das Watt. Zum Glück selten und zum noch grösseren Glück ist nicht mehr passiert. Lernt der Mensch? So lange er lebt?“

Wenig Wasser: Containerriese muss auf der Elbe Stopp einlegen. NDR 26.8.22

Alle blicken nach Davos – Heidi hat die Elbe im Visier. Heidis Mist 20.1.17

2019 – Start einer weiteren Vertiefung und Verbreiterung der Elbe-Fahrrinne. Heidis Mist 24.7.19

Das Honigbienen-Dilemma

17. August 2022
Diese Erdbiene hatte Heidis Kakteentopf als Wohnstädte ausgesucht, schleppt fleissig ausgeschnittene Teile von Rosenblättern in die Höhle.

Diese Blattschneiderbiene hatte Heidis Kakteentopf als Wohnstädte ausgesucht, schleppte fleissig ausgeschnittene Teile von Rosenblättern in die Höhle.

Heidi hat im Beitrag Es summen die Bienen … geschrieben, dass man die kleine Inlandproduktion von Honig erhöhen könnte, denn sie beträgt nur ein Drittel des Bedarfs. Dies muss aber sorgfältig geplant sein, wenn man den weiteren 570 Bienenarten, die in der Schweiz leben, nicht schaden will.

Honigbienen gelten als Botschafterin einer intakten Land(-wirt)schaft und werden als Bestäuberin in Wert gesetzt. Sie sind Generalistinnen. Dies im Gegensatz zu den Wildbienen, welche im Extremfall auf eine einzige Pflanze als Pollenlieferantin angewiesen sind. So braucht zum Beispiel eine sich selbst erhaltende Population der Knautien-Sandbiene mit 50 Weibchen für sich alleine knapp 1’000 Pflanzen der Feld-Witwenblume. Und wo in unseren eintönig grünen Wiesen findet man noch so viele Witwenblumen? Je nach wissenschaftlicher Studie und Gegend der Untersuchung sind die Wildbienen für die Bestäubung landwirtschaftlicher Kulturen sogar wichtiger als die Honigbienen.

Boomende Stadtimkerei

Die Präsidentin des Vereins Natur im Siedlungsgebiet (NimS), Christine Dobler Gross hat in ihrem Kommentar zu Heidis Bienenbericht von gestern auf eine Seite der Bienenfachstelle des Kantons Zürich verwiesen, wo zu lesen ist, dass Städte artenreichen Wildbienengemeinschaften einen Rückzugsraum bieten und ein enormes Potenzial für die Wildbienenförderung bergen. Mit dem Trend zur Stadtimkerei werden seit gut zehn Jahren immer mehr Honigbienen in Siedlunsgebieten gehalten. Eine Studie der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) zeigt, dass die aktuelle Honigbienenpopulation das begrenzte Blütenangebot in der Stadt Zürich schon jetzt stark übernutzt und dadurch die Wildbienen konkurrenziert.

Die Biodiversitätskrise

Die Artenvielfalt ist weiterhin im Sinkflug. Nicht allein, aber massgeblich daran schuld ist unsere intensive Landwirtschaft. Die blumenreichen Wiesen sind längst verschwunden, Landschaften ausgeräumt, Pestizide allgegenwärtig, selbst auf Alpen werden Herbizide zur Bekämpfung von „Unkräutern“ wie Farnen und Brennnessel gespritzt.

Konkurrenz zwischen Honig- und Wildbienen vermeiden

Der Verein IG Wilde Biene in Zürich verweist auf Die 12 wichtigsten wissenschaftlichen Arbeiten zur Konkurrenz-Situation zwischen Honigbienen und Wildbienen. Heidi zitiert aus einer in Science veröffentlichten Studie von Jonas Geldmann and Juan P. González-VaroScience, beide University of Cambridge, übersetzt und zusammengefasst von IG Wilde Biene:

„Die Autoren betrachten die Schädigung der Wildbienen durch Wirtschaftsvölker der Honigbiene als erwiesen. Sie sprechen von der Verbreitung von Erregern durch Honigbienen sowie von der Nahrungs-Konkurrenz, insbesondere nach der Blüte der Nutzpflanzen im industrialisierten Agrarraum (Trachtlücken). Sie verweisen ausserdem auf den falschen Kontext, der – auch von mangelhaft informierten NGOs – zwischen dem Honigbienen-Sterben und ökologischen Aspekten hergestellt wird: Für Geldmann & Gonzáles-Varo handelt es sich dabei nicht um Fragen umweltpolitischer sondern ausschliesslich landwirtschaftlicher Bedeutung. Sie verlangen, dass die Bienenzucht als landwirtschaftliche Errungenschaft wahrgenommen und nicht mit dem Erhalt von Wildtieren vermischt wird.

Die Autoren anerkennen die Bedeutung der Honigbiene im Agrarraum, aber sie fordern, dass auch dort die Konkurrenz mit Wildbienen berücksichtigt wird. Dies, so die Autoren, müsse über differenzierte Einschätzungen erfolgen, wo und in welcher Dichte Honigbienen die benötigte Bestäubungsleistung an Massenkulturen erbringen können, ohne Wildpflanzen sowie Wildbestäuber zu schädigen. Ausdrücklich zu berücksichtigen sei bei diesen Bewertungen die natürlich bestehende Bestäubungsleistung durch anwesende Wildbestäuber.

Geldmann & Gonzáles-Varo setzen voraus, dass Europa dem amerikanischen Beispiel angepasster imkerlicher Praxis während der Blühlücken im Agrarraum wird folgen müssen, da Honigbienen während solcher Phasen am intensivsten mit den Wildbestäubern konkurrieren. Bienenstände müssen von blütenarmen in blütenreichere Räume bewegt und Bienenvölker (bspw. durch frühzeitige Entnahme des Honigs) erkleinert werden.“

Auf der Basis solcher Studien sollte eine allfällige Förderung der Honigbiene stattfinden.

Direktzahlungsverordnung Art. 14a

Der Bund will die Biodiversität im Ackerbaugebiet fördern. Besonders hier sind in den letzten Jahrzehnten zahlreiche Arten ausgestorben oder heute vom Aussterben bedroht. Dazu hat er den „Art. 14a Anteil an Biodiversitätsförderflächen auf Ackerfläche“ in die Direktzahlungsverordnung aufgenommen. Betriebe mit mehr als 3 Hektaren offener Ackerfläche in der Tal- und Hügelzone müssen zur Erfüllung des erforderlichen Anteils an Biodiversitätsförderflächen mindestens 3,5 Prozent der Ackerfläche in diesen Zonen als Biodiversitätsförderflächen ausweisen. Die Inkraftsetzung dieses Artikels wird wegen des Ukraine-Kriegs um ein Jahr auf 2024 verschoben.

Die Artenvielfalt im verarmten Ackerbaugebiet sollte künftig also zunehmen, vielleicht so viel, dass die Honigbienenhaltung verstärkt werden kann.

Eisiger Wind bläst …

Es gibt „Volksvertreter“, welche offenbar die Artenvielfalt als überflüssig erachten. Einer davon ist der Bergbauer, Präsident des Kälberzüchter-Verbands und SVP-Nationalrat Marcel Dettling. Er ist überzeugt, dass „Die Zeit des Schmetterling-Zählens“ vorbei ist. Seine Haltung ist nicht neu, aber der Ukraine-Krieg hat den eifrigen Politiker beflügelt. Er will zusammen mit SVP-Nationalrätin Esther Friedli mit einer neuen Initiative Gegensteuer geben. Der Selbstversorgungsgrad soll auf mindestens 60 Prozent steigen. Und die Viehwirtschaft soll gestärkt werden. Dies berichtete der Blick am 15.8.22.

Eine Erhöhung des Selbstversorgungsgrades wäre problemlos möglich, wenn die KonsumentInnen endlich auf die Wissenschaft und Gesundheitsempfehlungen hörten und nur noch einen Drittel des heute konsumierten Fleisches essen würden, dafür mehr pflanzliches Eiweiss konsumierten. Hoffen auf die vernünftigen Bauern? Tierbestände gehen nur ganz leicht zurück, steigen etwa beim Huhn, das mit viel importiertem Futter ernährt wird. Die Schweineproduzenten (ebenfalls viel importiertes Futter, das direkt vom Menschen gegessen werden könnte) klagen einmal mehr (Schweinezyklus) über tiefe Preise.

Die Umweltbelastung aus der Tierhaltung (Ammoniaemissionen, Nitrat im Grundwasser, überdüngte Gewässer, Wälder, Naturschutzgebiete) ist hoch. Die Tierproduktion belegt zudem ausgedehnte ackerfähige Böden für die Futterproduktion. Beim Getreide sieht man den Zweck der Äcker nicht, aber die Maisäcker sind grösstenteils NICHT für Polenta und Mais-Chips. Und massenhaft weiden Rindviecher auf Wiesen, die volkswirtschaftlich sinnvoller als Äcker genutzt würden.

Heidi meint: „Wir müssen uns vehement für eine umweltschonende Landwirtschaft einsetzen und den engstirnigen Politikern die Stirn bieten, denn es ist unsere Lebensgrundlage, die wir verteidigen.“

Nahrungskonkurrenz zwischen Honig- und Wildbienen. Bienenfachstelle Kanton Zürich

Konkurrenz zwischen Honigbienen und Wildbienen – Die 12 wichtigsten wissenschaftlichen Arbeiten zur Konkurrenz-Situation zwischen Honigbienen und Wildbienen. IG Wilde Biene

Conserving honey bees does not help wildlife – High densities of managed honey bees can harm populations of wild pollinators. Jonas Geldmann and Juan P. González-Varo, Science (6374), 392-393.359 26.1.18, DOI: 10.112

Mehr Nahrungsmittel – weniger ökologisch: SVP lanciert neue Bauern-Initiative. Blick 15.8.22

Es summen die Bienen … Heidis Mist 16.8.22

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Überschreiten PFAS eine planetare Grenze?

15. August 2022
Quelle: Outside the Safe Operating Space of a New Planetary Boundary for Per- and Polyfluoroalkyl Substances (PFAS)

Quelle: Outside the Safe Operating Space of a New Planetary Boundary for Per- and Polyfluoroalkyl Substances (PFAS)

Quelle: Outside the Safe Operating Space of a New Planetary Boundary for Per- and Polyfluoroalkyl Substances (PFAS). Ian T. Cousins,, Jana H. Johansson, Matthew E. Salter, Bo Sha, and Martin Scheringer. ACS Publications 2.8.22. Übersetzt von Heidi mithilfe von DeepL.

Es wird die Hypothese aufgestellt, dass die Umweltverschmutzung durch Per- und Polyfluoralkylsubstanzen (PFAS) eine separate planetarische Grenze definiert und dass diese Grenze überschritten wurde. Diese Hypothese wird durch den Vergleich der Werte von vier ausgewählten Perfluoralkylsäuren (PFAAs), d.h. Perfluoroctansulfonsäure (PFOS), Perfluoroctansäure (PFOA), Perfluorohexansulfonsäure (PFHxS) und Perfluorononansäure (PFNA) in Regenwasser, Böden und Oberflächengewässer mit kürzlich vorgeschlagenen Richtwerten getestet.

Grenzwerte oft weit überschritten

Auf der Grundlage der vier betrachteten PFAAs kommt man zu dem Schluss, dass die PFOA- und PFOS-Konzentrationen im Regenwasser oft weit über den von der US-Umweltschutzbehörde (EPA) empfohlenen Werten für die lebenslange Trinkwasserversorgung liegen und die Summe der oben genannten vier PFAAs (Σ4 PFAS) im Regenwasser oft über den dänischen Trinkwassergrenzwerten liegt, die ebenfalls auf Σ4 PFAS basieren; die PFOS-Werte im Regenwasser liegen häufig über der Umweltqualitätsnorm für Oberflächengewässer im Binnenland der Europäischen Union; und die atmosphärische Ablagerung führt auch dazu, dass die Böden weltweit ubiquitär kontaminiert sind und häufig über den vorgeschlagenen niederländischen Richtwerten liegen.

PFAS rasch einschränken!

Daraus wird der Schluss gezogen, dass die globale Verbreitung dieser vier PFAA in der Atmosphäre dazu geführt hat, dass die planetarische Grenze für chemische Verschmutzung überschritten wurde. Die PFAA-Konzentrationen in der Atmosphäre sind aufgrund der hohen Persistenz der PFAA und ihrer Fähigkeit, in der Hydrosphäre, einschliesslich der aus den Ozeanen emittierten Gischt-Aerosole, kontinuierlich zu zirkulieren, besonders schlecht reversibel.

Aufgrund der geringen Reversibilität der Umweltexposition gegenüber PFAS und der damit verbundenen Auswirkungen ist es von entscheidender Bedeutung, dass die Verwendung und Emission von PFAS rasch eingeschränkt wird.

Grosse Investitionen nötig

Schliesslich kommt die Forschergruppe zum Schluss, dass PFAS eine neue planetarische Grenze definieren, die überschritten wurde, da die PFAS-Konzentrationen in den Umweltmedien überall über den Richtwerten liegen. Unabhängig davon, ob man der Schlussfolgerung zustimmt, dass die planetarische Grenze für PFAS überschritten ist oder nicht, ist es dennoch höchst problematisch, dass überall auf der Erde, wo sich Menschen aufhalten, die kürzlich vorgeschlagenen Gesundheitsempfehlungen nicht ohne grosse Investitionen in fortschrittliche Reinigungstechnologie erreicht werden können.

Obwohl PFOS und PFOA von einem der grössten Hersteller (3M) bereits vor 20 Jahren aus dem Verkehr gezogen wurden, wird es noch Jahrzehnte dauern, bis die Konzentrationen in Gewässern und Niederschlägen an Land die niedrigen Werte von Pikogramm pro Liter erreichen.

Nur die Spitze des Eisbergs – Tausende von PFAS

Darüber hinaus sind die mit PFOS, PFOA oder Σ4-PFAA verbundenen Probleme wahrscheinlich nur die Spitze des Eisbergs, da es viele Tausende von PFAS gibt und die mit den meisten von ihnen verbundenen Risiken unbekannt sind.

Angesichts der Auswirkungen des chemischen Fussabdrucks der Menschheit auf die Gesundheit des Planeten ist es von grosser Bedeutung, eine weitere Eskalation des Problems der grossflächigen und langfristigen Exposition der Umwelt und des Menschen gegenüber PFAS zu vermeiden, indem die Verwendung von PFAS so weit wie möglich rasch eingeschränkt wird.

Verwendung von PFAS

Quelle: PFAS Wikipedia

Die Verbindungen werden in der Textilindustrie zur Herstellung wasserabweisender, atmungsaktiver Textilien und in der Papierindustrie zur Herstellung von schmutz-, fett- und wasserabweisenden Papieren verwendet. Weitere Einsatzgebiete sind die Fotoindustrie, die Herstellung von Feuerlöschmitteln, die Luftfahrt und die Galvanische Industrie. Sie können auch Bestandteil von Schmier- und Imprägniermitteln sein. Bei der Herstellung der Fluorpolymere PTFE (Polytetrafluorethylen, „Teflon“) und PVDF (Polyvinylidenfluorid) wird PFOA als Emulgator eingesetzt. Bei dieser Anwendung tritt PFOA als Prozessemission und als Verunreinigung in Endprodukten auf. PFAS sind unter anderem ein Bestandteil von Skiwachs.

Im bluesign-System, welches für eine nachhaltige Herstellung von Textilien eintritt und umweltbelastende Stoffe aus dem Fertigungsprozess ausschliesst, sind zahlreiche PFAS in der Negativliste enthalten, darunter Perfluoralkylsulfonate, Perfluorcarboxylate und Fluortelomerverbindungen.

Zumindest in den USA enthalten viele Kosmetika schädliche PFAS.

Heidi meint: „Das Zulassungsverfahren muss dringend geändert werden, und zwar ohne Rücksicht auf den Druck der Industrie! Entscheidend ist der Schutz unserer Gesundheit und unseres Lebensraums, nicht der Profit der Industrie.“

Outside the Safe Operating Space of a New Planetary Boundary for Per- and Polyfluoroalkyl Substances (PFAS). Ian T. Cousins,, Jana H. Johansson, Matthew E. Salter, Bo Sha, and Martin Scheringer. ACS Publications 2.8.22

Belastet mit PFAS Weltweit fallen mit dem Regen Chemikalien vom Himmel. SRF 11.8.22

PFAS: stabil und überall, auch im Skiwachs und Wasser. Heidis Mist 28.9.21

PFAS: Die versteckte Gefahr auf Ihrem Gestell. Heidis Mist 29.9.21

Hohe Krankheitslast und Kosten durch PFAS. Heidis Mist 29.7.22

Grosses Fischsterben: „Es zerreisst uns das Herz …“

12. August 2022

Medieninformation des Schweizerischen Fischerei-Verbands (SFV) vom 12.8.22.

In der Schweiz ist ein grosses Fischsterben im Gang!

Die Befürchtungen des Schweizerischen Fischerei-Verbandes (SFV) sind eingetreten: Aktuell findet ein Fischsterben historischen Ausmasses statt! Gewisse Arten sind lokal existenziell gefährdet. Umso vehementer wehrt sich der SFV dagegen, dass aus den Bächen auch noch der letzte Tropfen für die Wasserkraft genutzt wird.

Aus dem ganzen Mittelland, dem Jurasüdfuss und der Ostschweiz melden Fischerinnen, Fischer und Kantone in hoher Kadenz ausgetrocknete Gewässer und tote Fische. „Es ist die reinste Katastrophe, man kann es leider nicht anders sagen“, hält Roberto Zanetti als Zentralpräsident des Schweizerischen Fischerei-Verbandes fest. SFV-Geschäftsführer David Bittner ergänzt: „Es zerreisst uns das Herz, wenn wir zusehen müssen, wie die Fische nach Sauerstoff schnappen oder leblos in den ausgetrockneten Pfützen der Gewässer liegen.“

Politik ist gefordert

Der Schweizerische Fischerei-Verband muss feststellen, dass es um den qualitativen Zustand unserer Gewässer schlecht steht, auch wenn die blauen Seen und grünen Ufer der Tourismus-Werbung ein anderes Bild vermitteln. „Die Politik ist jetzt wirklich gefordert, und zwar auf nationaler, kantonaler und auch kommunaler Ebene“, erklärt SFV-Zentralpräsident und Ständerat Roberto Zanetti.

  • Kurzfristig müssen die (kantonalen) Behörden eine restriktive Praxis für Wasserentnahmen sowie einen respektvollen Umgang mit den Rückzugshabitaten der kältebedürftigen Fische umsetzen.
  • Der SFV pocht auf die schnellere Umsetzung des geltenden Gewässerschutzgesetzes. Dringend nötig sind Massnahmen zur Aufwertung der Gewässer und Wiederherstellung der freien Fischwanderung, damit die Fische in Trockenperioden selbständig kühlere und tiefere Bereiche auffinden können. Dafür braucht es an den Ufern Bäume zur Beschattung und Abkühlung sowie im Wasser Totholzstrukturen wie Wurzeln und Wurzelstöcke als Verstecke und Ruckzugsorte für die Fische.
  • Viel Potenzial liegt beim Lebenselixier Wasser selbst, Fische sowie alle Wassertiere und -pflanzen brauchen ganz einfach „Wasser zum Leben“.

Hände weg vom Restwasser!

Von grösster Bedeutung für das Wohl der Fische sind genügend Restwassermengen. Damit spricht SFV-Zentralpräsident Roberto Zanetti  den Druck gewisser Kreise auf die Lockerung der Restwasservorschriften und sagt: „Es darf und kann nicht sein, dass gerade in schwierigen Zeiten auch noch der letzte Tropfen aus den Gewässern für die Wasserkraft zur Energieerzeugung abgezogen werden soll und den Fischen noch mehr Wasser weggenommen wird.“ Zumal das Potential der Wasserkraft bereits zu über 95 Prozent ausgeschöpft sei. Der kurzfristige ökonomische Nutzen stünde schlicht und einfach in keinem Verhältnis zum unumkehrbaren ökologischen Schaden.

Forellen und Äschen sterben

Das Fischsterben durch die Hitze zerstört mit einem Schlag brutal das jahrelange Hegen und Pflegen der Gewässerabschnitte und der Fischbestände durch die lokalen Fischereivereine, Pachtgruppen und Fischereibehörden. Besonders stark vom Fischsterben betroffen sind die kältebedürftigen Arten, insbesondere Forellen und Äschen. Unter Druck geraten aber auch zunehmend Nasen, Barben, Groppen, Elritzen und Schmerlen. Bereits 20 Grad Wassertemperatur bedeutet für sie Stress, ab 23 Grad wird es kritisch und über 25 Grad lebensbedrohlich. Aktuell werden in Bächen und Flüssen vielerorts täglich neue Rekordtemperaturen gemeldet, oft deutlich über 25 Grad.

Noch mehr Arten könnten verschwinden

Der Schweizerische Fischerei-Verband ist hoch alarmiert, wenn er in die Zukunft schaut. Bereits heute sind drei Viertel aller einheimischen Fischarten gefährdet, vom Aussterben bedroht oder bereits ausgestorben. „Wir müssen alles daransetzen, dass unsere Gewässer lebendig bleiben“, so Bittner. Er zitiert Modellrechnungen des Bundes, wonach es im Mittelland bis in einigen Jahrzehnten bei einem weiteren Anstieg der globalen Temperaturen gar keine Forellen und Äschen mehr geben wird, „falls Gesellschaft und Politik nicht endlich griffige Massnahmen gegen den Klimawandel und die Biodiversitätskrise ergreifen“. Flüsse und Bäche müssten schneller wieder in einen natürlicheren Zustand gebracht werden. Nur so seien Fische in der Lage, die hohen Temperaturen abzufedern.  

Heidis Beiträge zu Restwasser:

Im Artikel vom 17.6.17 (also vor mehr als fünf Jahren) mit dem Titel Wägitaler Aa: Restwasser saniert – aber wie! schrieb Heidi am Schluss:

„Es wird immer wärmer. Schnee und Eis für Wasser im Sommer werden rar. Regen ist „unzuverlässig“: Manchmal zu viel, dann wieder lange Trockenperioden. Wie wird sich dies auf das Restwasser auswirken? Je weniger Wasser in einem Gewässer fliesst, desto höher Schadstoffkonzentrationen.

Der Druck auf die Gewässer steigt. Vergoldung – Geld vor Wasserleben.“

Seither hat sich wenig geändert, ausser das Ausmass der Schäden. Die „Katastrophe“ hat sich längst angemeldet, nur will niemand die Türe für Lösungen öffnen!

Heidis Beiträge mit dem Stichwort „Restwasser“

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12.8.22 HOME

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