Asia’s Environmental ‘Eden’ in Crisis

15. Juni 2018
Copyright: ALERT.

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Kaum ein Tag vergeht ohne Meldung über Umweltzerstörungen in grossem Ausmass. Heute der Brief von Bill (James Cook University, Australien) mit der Bitte: „Please forward this message to others who’d be interested.“ Der Notruf gilt dem Leuser Nationalpark im Norden Sumatras. Er ist der letzte Ort auf der Erde, wo Orangutans, Tiger, Elefanten und Rhinozeros immer noch zusammen leben.

Gemäss einer Studie, die soeben in ScienceDirect veröffentlicht wurde, ist dieses Ökosystem von globaler Bedeutung für Biodiversität und Ökosystemleistungen immer stärker durch Infrastrukturprojekte bedroht.  „Der einzige Weg, Leuser zu retten, ist, die dröhnenden Bulldozer zum Schweigen zu bringen,“ sagt William (Bill) F. Laurance, Prof. emeritus, Australian Laureate & Price Bernhard Chair in International Nature Conservation und Direktor Centre for Tropical Environmental and Sustainability Science, James Cook University, Australien.

Copyright: Matt Gibson.

Copyright: Matt Gibson.

Infrastructure development and contested forest governance threaten the Leuser Ecosystem, Indonesia, ScienceDirect, Elsevier, Volume 77, September 2018, Pages 298-309.

Asia’s Environmental ‘Eden’ in Crisis, Bill Laurance, ALERT vom 14.6.18.

15.6.18 HOME

Umweltschutz: Wo ist der Rechtsstaat?

14. Juni 2018
Justitia sieht Umweltdelikte selten. Darunter leiden unzählige Menschen und die Umwelt, besonders Flora und Fauna.

Justitia sieht Umweltdelikte selten. Darunter leiden unzählige Menschen und die Umwelt, besonders Flora und Fauna.

Die taz schrieb am 12.6.18 unter dem Titel Pestizidabdrift in der Landwirtschaft – Die Gefahr von nebenan: „Immer wieder werden Pestizide in Gewässer, Gärten oder auf Nachbarfelder geweht. 10 Fragen und Antworten zu dem unsichtbaren Gift.

Zwei Kommentare zeigen, dass nicht nur Heidi vergeblich Justitia anruft … es ist auch anderswo nicht besser. Wir müssen trotzdem immer wieder den Rechtsstaat einfordern, denn wozu gibt es Gesetze?

Kommentar von KHALED CHAABOUTÉ

„… Bei uns richte ich mich immer an die Untere Landschaftsbehörde, aber das sind hier auf dem Lande die selben CDU-Typen, die mit dem Bauern im Schützenverein und Kirchenchor sind, da passiert nicht viel bzw. ist in Sachen Eingreifen bei Umweltkriminalität noch nie etwas passiert, auch wenn über den NABU gemeldet wird.

Kommentar von Opa-Krempel

„… Im Übrigen stimme ich dem Kommentar von KHALED CHAABOUTÉ zu, was die Aussichtslosigkeit von Beschwerden angeht. Z.B. der hiesige Bürgermeister geht meinem Eindruck nach mit den Bauern der Umgebung geradezu ins Bett. Meine mehrfachen Beschwerden bei der Gemeinde führten zu NICHTS, außer daß ich nun dort als Querulant gelte.“

Kommentar von Heidi

Genauso ist es bei uns! Und keine Besserung in Sicht.

Über 1000 Orangutans durch illegale Abholzung in Indonesien bedrohnt

International Animal Rescue (IAR) rettet einen Orangutan in West Kalimantan. Copyright: Greenpeace.

International Animal Rescue (IAR) rettet einen Orangutan in West Kalimantan. Copyright: Greenpeace.

Gesetze, Verträge, Labels (z.B. RSPO) usw. sind oft nicht das Papier wert, auf dem sie gedruckt sind. Gemäss Untersuchungen von Greenpeace gibt es in Sungai Putri, einem 57’000 Hektaren grossen Torfmoor-Primärwald, sechs illegale Abholzungsstellen. Das Gebiet ist eines der letzten Refugien der Orangutans.

Over 1000 orangutans threatened by illegal operations in Indonesia, Greenpeace International, 5.6.18.

Kanton Bern: Palmöl bei Freihandel ausklammern. Der Grosse Rat des Kantons Bern hat eine Standesinitiative beschlossen, wonach Palmöl aus einem möglichen Freihandelsabkommen mit Malaysia ausgeklammert werden soll. LID 7.6.18.

13.6.18 HOME

In Mals dürfen Pestizide vorläufig gespritzt werden

13. Juni 2018
Am 1.5.18 fuhr der Filmer von Nals nach Bozen mit dem Fahrrad. "Familien, Kinder, Alte, Junge … unterwegs. KEIN Hinweisschild, das auf die Gefahr des Pestizid-Einsatzes hinweist. ÜBERALL Pestizid-spritzende Obstbauern, der arroganteste ist der auf’m Video ..."

Am 1. Mai 2018 fuhr der Filmer von Nals nach Bozen mit dem Fahrrad. „Familien, Kinder, Alte, Junge … unterwegs. KEIN Hinweisschild, das auf die Gefahr des Pestizid-Einsatzes hinweist. ÜBERALL Pestizid-spritzende Obstbauern, der arroganteste ist der auf’m Video …“ Video Pestizide & Fahrradwege.

Zufällig am Tag der Veröffentlichung von Heidis Artikel Beatrice Raas: „Nein, ich geb‘ nicht auf!“ hat das Verwaltungsgericht in Bozen die Malser Pestizid-Verordnung bis zur eigentlichen Verhandlung ausgesetzt; diese findet im Januar 2019 statt. Bis dahin darf gespritzt werden wie eh und je. Nach Abwägung aller Interessen kam das Gericht zum Schluss: „… dass private Interessen einstweilig vorrangig zu behandeln sind.“ Erst kurz vor der Verhandlung hatte der eigentlich „neutrale“ Beratungsring ein Gutachten vorgelegt, gemäss welchem es keine ausreichenden Alternativen zu den chemisch-synthetischen Mitteln gebe.

„Wie machen’s denn die vielen Bio-Bauern?“ frägt man sich in Mals. Noch enger wird man zusammenstehen und den demokratisch gefällten Entscheid der Gemeinde über die Abstandsvorschriften und für eine pestizidfreie Zukunft verteidigen.

KATASTROPHE IN MALS: JETZT GEHEN DIE OBSTBAUERN ZU WEIT! Das Wunder von Mals, Facebook 13.6.18.

Der Malser Weg

Spritzmittel-Verbot auf Eis gelegt, Tageszeitung vom 14.6.18

Das Bozner Verwaltungsgericht hat die Verordnung bis zur meritorischen Verhandlung am 12. Juni ausgesetzt. Malser Pestizidverordnung ausgesetzt, salto 17.5.18

Auf einer ausgebuchten internationalen Konferenz im Europäischen Wirtschafts- und Sozialaussschuss (EWSA) stellten Vertreter aus Mals und Amerika den Malser Weg vor. Der Malser Weg führt erneut nach Brüssel, Medienmitteilung PAN Europe vom 11.6.18.

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Internationales Theater: JÖÖÖÖ!

13. Juni 2018

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Beatrice Raas: „Nein, ich geb‘ nicht auf!“

12. Juni 2018
Die Geschichte des pestizidfreien Dorfes Mals im Südtirol begann im Coiffeur-Salon von Beatrice Raas. Copyright: Ralph Weihermann, Alexander Schiebel

Die Geschichte des pestizidfreien Dorfes Mals im Südtirol begann im Coiffeur-Salon von Beatrice Raas. Copyright: Ralph Weihermann, Alexander Schiebel

Im alten Südtiroler Dorf Mals hat Beatrice Raas zusammen mit Freundinnen den Stein für eine pestizidfreie Landwirtschaft ins Rollen gebracht. Viele unterstützen sie, u.a. auch der Apotheker Johannes Fragner-Unterpertinger. In einer Volksabstimmung stimmten 76% der Bevölkerung diesem Ziele zu.

Was bewegte die Malser, sich gegen Pestizide zu wehren? Nehmen Sie sich eine halbe Stunde Zeit, dies im folgenden Film zu erfahren: Leben ohne Ackergift – Das unbeugsame Dorf im Vinschgau. Ralph Weihermann, Alexander Schiebel, WDR 3.4.18

Es scheint, dass das Problem der Verschmutzung von Luft, Boden, Wasser und Lebensmitteln mit Pestiziden und Düngern immer häufiger diskutiert wird. Nachdenken und nach Lösungen suchen ist für unsere Zukunft wichtig. Geschrieben und geredet wird viel. Werden die Behörden und PolitikerInnen auch handeln?

SVGW fordert konkrete Massnahmen für Trinkwasserschutz

Franziska Herren hat mit der Trinkwasser-Initiative viel Bewegung in den Gewässerschutz gebracht. Sehr salopp ist man bisher mit der Ressource Wasser umgegangen, höchste Zeit, dass sich dies ändert. Copyright: SVGW.

Franziska Herren hat mit der Trinkwasser-Initiative viel Bewegung in den Gewässerschutz gebracht. Sehr salopp ist man bisher mit der Ressource Wasser umgegangen, höchste Zeit, dass sich dies ändert. Copyright: SVGW.

Analysen zum Thema «Trinkwasserschutz und Agrarpolitik 2022» standen im Mittelpunkt der Vortrags- und Podiumsveranstaltung des Schweizerischen Vereins des Gas- und Wasserfachs (SVGW) vom 7.6.18 in Solothurn. Teilnehmende waren VertreterInnen von Bundesämtern und kantonalen Institutionen, Gemeinden, Wasserversorger, Verbänden sowie Vertreter von Forschung und Wirtschaft. Im Zentrum des politischen Interesses stand der politische Umgang mit der Trinkwasser-Initiative, über die derzeit in Bundesbern beraten wird.

Lesen Sie weiter!

SVGW fordert konkrete Massnahmen für Trinkwasserschutz, Aqua & Gas, 8.6.18.

SVGW am Infoanlass zur «Trinkwasserinitiative» in Bern. Landwirtschaftlicher Klub der Bundesversammlung. Aqua & Gas, 31.5.18.

«Es braucht einen intelligenten indirekten Gegenvorschlag». Markus Küng (IWB) und Andreas Hirt (ESB), beide Mitglieder des SVGW-Vorstands, erläutern im Interview die Haltung des SVGW zur Trinkwasser-Initiative. Obwohl der SVGW die Ziele der Initiative gutheisst, schlägt er eine andere Vorgehensweise vor. Dabei wird er von den Kantonen unterstützt, wie Kurt Seiler, Amtsleiter des Interkantonalen Labors, im Interview ausführt.

Pflanzen schlauer schützen

«Rückstandfreies» Obst und Gemüse (zéro résidu de pesticides) aus Frankreich: Der Verzicht auf Pflanzenschutzmittel wird immer mehr zum Marketingargument.

«Rückstandfreies» Obst und Gemüse (zéro résidu de pesticides) aus Frankreich: Der Verzicht auf Pflanzenschutzmittel wird immer mehr zum Marketingargument.

„Wir müssen die Umwelt- und Gesundheitsrisiken von Pflanzenschutzmitteln senken. Totalverbote sind aber das falsche Mittel“, meint Robert Finger. Er plädiert für intelligenten Pflanzenschutz.

„Glyphosat, Neonikotinoide und Trinkwasserinitiative – über den Verzicht auf Pflanzenschutzmittel wird derzeit intensiv diskutiert. Obwohl: Ohne Pflanzenschutz kommt unser Ernährungssystem nicht aus. Andererseits bergen gerade Pflanzenschutzmittel unbestrittene Risiken für Mensch und Umwelt.“

Diesen lesenswerten Artikel finden Sie hier: Pflanzen schlauer schützen, Robert Finger, Professor für Agrarökonomie und Agrarpolitik, ETH Zürich, Agrarökonomische Kommentare zur Schweizerischen Agrarpolitik.

12.6.18 HOME

Oberengadiner Misthaufen für Heidi

3. Juni 2018

Werner hat Heidi ein paar Fotos von Misthaufen aus dem Oberengadin geschickt. Die LeserInnen von Heidis Mist wissen, dass auch in dieser Bündner Gegend illegal Mist gelagert wird und Heidi hat mit eigenen Augen gesehen, dass es im Engadin noch mehr Delinquenten gibt. Hier finden sie die rechtlichen Vorgaben:

Mist-Zwischenlager auf dem Feld

3.6.18 HOME

 

7. Juni 2018: SVGW lädt ein zum Fachaustausch „Trinkwasserschutz und Agrarpolitik 2022“

29. Mai 2018
Unser Trinkwasser muss besser geschützt werden. Copyright: SVGW

Unser Trinkwasser muss besser geschützt werden. Copyright: SVGW

Früher hatten viele Häuser und Dörfer eine eigene Quelle. Die Bewirtschaftung der landwirtschaftlichen Flächen wurde intensiviert und die Bauern hielten immer mehr Tiere, weshalb Quellfassungen in tiefere Bodenschichten verlagert oder aufgegeben werden mussten. Heute beziehen wir das meiste Trinkwasser über riesige teure Infrastrukturen aus dem Grundwasser, einen Teil aus Oberflächengewässern. Doch auch hier wächst der Verschmutzungsdruck durch die Landwirtschaft und Gesellschaft, so dass Trinkwasserversorger bereits Grundwasserfassungen aufgeben oder mit Steuergeldern sanieren mussten. Zudem besteht die Gefahr der Übernutzung unserer Ressource Wasser.

Trinkwasser-Initiative: SVGW fordert Gegenvorschlag

Der Schweizerische Verein des Gas- und Wasserfaches (SVGW) hat Sympathien für die Ziele der Trinkwasser-Initiative. Er fordert einen pragmatischen und zielführenden indirekten Gegenvorschlag. Aus diesem Grund hat er Forderungen formuliert und einen Fachaustausch im Alten Spital Solothurn organisiert, der am Donnerstag, 7. Juni 2018 stattfindet.

Heidi meint: „Dies wird wohl ein interessanter Anlass werden, nehmen doch Referenten und Podiumsteilnehmer aus folgenden Institutionen teil: Bundesamt für Umwelt, Bundesamt für Landwirtschaft, Schweizer Bauernverband, Bio Suisse … ).“

Zusammenfassung der Forderungen des SVGW:

Die Trinkwasserressourcen müssen planerisch besser geschützt werden (RPG, GSchG, DZV)

  • Planungspflicht: Kantone und Gemeinden werden zu einer verbindlichen Planung in der Trinkwasserversorgung verpflichtet (regional/kantonal/lokal). Die bundesrechtlichen Vorgaben inkl. Schutzzonen sind innert 5 Jahren zu vollziehen.
  • Sicherung des Vollzugs und der Finanzierung: Werden geltende Anforderungswerte für das Grundwasser nicht eingehalten, müssen innert 5 Jahren rechtskräftige Zuströmbereiche ausgeschieden und geeignete Massnahmen festgelegt werden.
    Die Direktzahlungen an die Landwirte werden so angepasst, dass die Einhaltung der gewässerschutzrechtlichen Vorgaben dauerhaft gesichert ist. Zum heutigen Zeitpunkt betrifft dies insbesondere Nitrat sowie Pflanzenschutzmittel und deren Abbauprodukte.

Fremdstoffeinträge sind zu reduzieren, insbesondere sind die Vorgaben an den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln zu verschärfen (GSchG, GSchV, PSMV)

  • Keine Pflanzenschutzmittel in Schutzzonen: Im Sinne der Vorsorge wird der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in den Schutzzonen verboten. Davon ausgenommen sind die für „Bio“ zugelassenen Pflanzenschutzmittel.
  • Keine Fremdstoff im Zuströmbereich: Werden kritische Fremdstoffe in Fassungen in einem Gehalt von mehr als 0,1 µg/l pro Einzelstoff bzw. mehr als 0,5 µg/l pro Stoffgemisch festgestellt, ist deren Einsatz im Zuströmbereich zu verbieten.
  • Saubere Gewässer: Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln wird im Einzugsgebiet verboten, wenn deren Konzentration in Oberflächengewässern über den SVGW-Forderungen liegt (0,1 µg/l für Einzelsubstanzen resp. 0,5 µg/l für Summe der Pflanzenschutzmittel und Abbauprodukte).

Indirekter Gegenvorschlag Trinkwasser-Initiative

Der SVGW betont die Notwendigkeit von Massnahmen für die Stärkung des Trinkwasserschutzes und steht als Partner zur Ausarbeitung und Unterstützung eines substantiellen indirekten Gegenvorschlages zur Verfügung.

Hier finden Sie das Programm des SVGW-Fachaustausches „Trinkwasserschutz und Agrarpolitik 2022“

„Trinkwasserinitiative“: SVGW fordert pragmatischen und zielführenden indirekten Gegenvorschlag, Positionspapier vom 20.3.18

29.5.18 HOME

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Der stumme Frühling – Zur Notwendigkeit eines umweltverträglichen Pflanzenschutzes

28. Mai 2018

 

„Einträge von Pestziden sind neben dem Klimawandel, massiven
Veränderungen der globalen Nährstoffkreisläufe, der Zerstörung von
Lebensräumen und weiteren Faktoren eine wesentliche Grösse im Konzept der planetaren (Belastungs-)Grenzen, wonach das Überschreiten kritscher Grenzwerte zu tiefgreifenden Störungen im Erdsystem führt.“ Die Natonale Akademie der Wissenschaften Leopoldina hat ein Diskussionspapier über Pestizide und ihren Auswirkungen verfasst. Das Fazit lautet:

„Die konventionelle landwirtschaftliche Pflanzenschutzpraxis hat einen Punkt erreicht, an dem wichtige Ökosystemfunktonen und Lebensgrundlagen ernsthaft in Gefahr sind. Bisherige Lösungsansätze sind an ihre Grenzen gekommen und es besteht dringender Bedarf zu handeln; Ansätze hierzu wurden in dieser Schrift formuliert. Das kritsche Hinterfragen lange akzeptierter Dogmen und Praktiken sowie eine interdisziplinäre Herangehensweise sind hierfür unabdingbar.

Insgesamt müssen die vielfältigen Umweltbelastungen durch Pestizide im grösseren Rahmen der europäischen Agrar- und Chemikalienpolitik gesehen und behandelt werden. In beiden Bereichen ist grundsätzliches Umdenken erforderlich. Auch globale Aspekte müssen berücksichtgt werden, z.B. bei den in grossen Mengen importierten Soja-Futtermitteln, deren Produkton nicht den hiesigen Regularien entspricht und Belastungen mit problematischen und hierzulande verbotenen Pestiziden in unbekannter Höhe mit sich bringen kann. Die intensive, konventionelle Landwirtschaft lässt sich in der heutigen Form aus vielen Gründen nicht langfristig fortführen; ihre Umweltbelastungen (z.B. Nitratbelastung des Grundwassers, Habitatverlust für Vögel und Insekten, Bodenverdichtung, Verlust der biologischen Vielfalt einschliesslich der Diversität von Fruchtpflanzen) sind zu hoch und dennoch ist der wirtschaftliche Ertrag für viele Landwirte zu niedrig. Die Pestizidproblematk muss als ein wichtiger Aspekt dieses systemischen Problems und seiner Lösungen gesehen werden.

Die Chemikalienproblematk gestaltet sich ähnlich, geht aber insgesamt über die Pestizidproblematik hinaus. Auch das Zulassungsverfahren für Chemikalien erfordert – trotz der Einführung von REACH116 – ein Umdenken (116 REACH ist eine Verordnung der Europäischen Union, um den Schutz der menschlichen Gesundheit und der Umwelt vor den Risiken, die durch Chemikalien entstehen können, zu verbessern und zugleich die Wettbewerbsfähigkeit der chemischen Industrie in der EU zu erhöhen. Darüber hinaus fördert sie Alternativmethoden zur Ermittlung schädlicher Wirkungen von Stoffen, um die Anzahl von Tierversuchen zu verringern.).

Zentral ist, dass Pestizide im Zusammenhang mit der Anwesenheit vieler anderer Substanzen, denen Mensch und Umwelt ausgesetzt sind (Pharmazeutika, Biozide, Düngemittel, Industriechemikalien), betrachtet werden müssen. Die Kombinatonswirkungen mehrerer Substanzen, die gleichzeitig oder auch nacheinander auf einen Organismus einwirken, wie dies in Tankmischungen oder durch sequenzielle Anwendungen (Spritzserien) erfolgt, werden in der Risikobewertung systematsch ausgeblendet. Dadurch werden die Risiken durch Chemikalien systematsch unterschätzt.

Wir sind der Überzeugung, dass die hier aufgezeigten Erkenntnisse über unerwünschte Wirkungen von Pestiziden eine massgebliche Bedeutung für die Zulassungsentscheidung und für die Anwendung von Pestiziden haben müssen und dass die kontinuierliche wissenschafliche Beobachtung der Wirkungen von Pestiziden effektiv in das Kontrollsystem einzuspeisen ist. Dies bedeutet, dass das Kontrollsystem auch nach der Zulassungsphase konsequent zur Generierung weiteren Risikowissens anhalten muss.

Es sollte im Interesse aller sein, Anbau- und Pflanzenschutzstrategien zu erarbeiten, die langfristg ausreichende Erträge gewährleisten, ohne dabei die Umwelt nachhaltig zu schädigen. Wesentliche Grundlagen hierfür bieten u.a. ein konsequenter integrierter und ökologischer Pflanzenbau – d.h. Pestzideinsatz nur als ultma ratio, eine standortgerechte Frucht- und Sortenwahl, die Zucht von konkurrenzstarken und gegen Schaderreger resistenten Sorten und ein möglichst massvoller Einsatz möglichst spezifscher, wenig persistenter Agrochemikalien. Wir plädieren zu diesem Zweck entschieden für einen partizipativen Ansatz mit allen betroffenen Akteuren. Basis der Verhandlungen sollten gemeinsame Werte sein, insbesondere langfristg sauberes Trinkwasser, Nahrungsmittelsicherheit und eine vielfältige, artenreiche und ästhetisch ansprechende Umwelt.

Insgesamt halten wir fest, dass es bei Weitem unzureichend wäre, die Pestizidproblematk mit punktuellen, spezifischen Massnahmen anzugehen, da sie eng mit verschiedenen anderen Faktoren gekoppelt und daher schwerer zu bearbeiten und zu lösen ist als isolierte Probleme. Deshalb ist es dringend geboten, die Pestizidproblematk als systemisches Problem zu sehen und zu behandeln. Andernfalls werden sich Entwicklungen wie Insektenschwund, Aussterben von Vogelarten, Grundwasser- und Bodenbelastung durch Pestizidrückstände etc. weiter verschärfen. Neben spezifischen und lokalen Massnahmen müssen in der europäischen Agrar- und Chemikalienpolitk unbedingt neue Perspektiven gefunden werden.“

Der stumme Frühling – Zur Notwendigkeit eines umweltverträglichen Pflanzenschutzes, Natonale Akademie der Wissenschaften Leopoldina,  2018 | Diskussion Nr. 16

28.5.18 HOME

Immer wieder illegales Spritzen von Herbiziden

23. Mai 2018
Copyright: Christine G.

Copyright: Christine G.

Aufgrund des Artikels Illegaler Herbizideinsatz am Pilgerweg hat Heidi weitere Meldungen und auch Fotos ohne Worte von gesetzeswidrigem Herbizideinsatz erhalten. Zum Beispiel Anna T. besuchte ein Konzert im Künstlerhaus Boswil. Sie war verärgert, an diesem Ort der Musik illegal todgespritze Pflanzen sehen zu müssen; leider hat sie kein Foto gemacht.

Hier finden Sie, liebe LeserInnen, Heidis Artikel zum Thema mit Hinweis auf Gesetze, Empfehlungen und Links.

Copyright: Christine G.

Copyright: Christine G.

Copyright: Christine G.

Copyright: Christine G.

23.5.18 HOME

Illegaler Herbizideinsatz am Pilgerweg

23. Mai 2018
Verbotenes Spritzen von Herbizid auf Kiesplatz vor einer Kapelle am Pilgerweg, Kanton Schwyz. Copyright Barbara F.

Verbotenes Spritzen von Herbizid auf Kiesplatz vor einer Kapelle am Pilgerweg, Kanton Schwyz. Copyright Barbara F.

Nicht nur Bauern verwenden Pestizide. Immer wieder sind es auch Behörden, welche sogar illegal Pestizide ausbringen, obwohl sie eigentlich für den Vollzug der Gesetze verantwortlich sind. Oder wer hat hier auf dem Kiesplatz vor der Kapelle am Pilgerweg im Kanton Schwyz Herbizid gespritzt? Gemäss Chemikalien-Risikoreduktions-Verordnung, Anhang 2.5, 1.1, 2, ist dies verboten:

2 Pflanzenschutzmittel, die dazu bestimmt sind, unerwünschte Pflanzen oder Pflanzenteile zu vernichten oder auf ein unerwünschtes Pflanzenwachstum Einfluss zu nehmen, dürfen zudem nicht verwendet werden:

a. auf Dächern und Terrassen;
b. auf Lagerplätzen;
c. auf und an Strassen, Wegen und Plätzen;
d. auf Böschungen und Grünstreifen entlang von Strassen und Gleisanlagen.

Illegaler Herbizideinsatz. Copyright: Barbara F.

Illegaler Herbizideinsatz. Copyright: Barbara F.

23.5.18 HOME


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