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Das Honigbienen-Dilemma

17. August 2022
Diese Erdbiene hatte Heidis Kakteentopf als Wohnstädte ausgesucht, schleppt fleissig ausgeschnittene Teile von Rosenblättern in die Höhle.

Diese Blattschneiderbiene hatte Heidis Kakteentopf als Wohnstädte ausgesucht, schleppte fleissig ausgeschnittene Teile von Rosenblättern in die Höhle.

Heidi hat im Beitrag Es summen die Bienen … geschrieben, dass man die kleine Inlandproduktion von Honig erhöhen könnte, denn sie beträgt nur ein Drittel des Bedarfs. Dies muss aber sorgfältig geplant sein, wenn man den weiteren 570 Bienenarten, die in der Schweiz leben, nicht schaden will.

Honigbienen gelten als Botschafterin einer intakten Land(-wirt)schaft und werden als Bestäuberin in Wert gesetzt. Sie sind Generalistinnen. Dies im Gegensatz zu den Wildbienen, welche im Extremfall auf eine einzige Pflanze als Pollenlieferantin angewiesen sind. So braucht zum Beispiel eine sich selbst erhaltende Population der Knautien-Sandbiene mit 50 Weibchen für sich alleine knapp 1’000 Pflanzen der Feld-Witwenblume. Und wo in unseren eintönig grünen Wiesen findet man noch so viele Witwenblumen? Je nach wissenschaftlicher Studie und Gegend der Untersuchung sind die Wildbienen für die Bestäubung landwirtschaftlicher Kulturen sogar wichtiger als die Honigbienen.

Boomende Stadtimkerei

Die Präsidentin des Vereins Natur im Siedlungsgebiet (NimS), Christine Dobler Gross hat in ihrem Kommentar zu Heidis Bienenbericht von gestern auf eine Seite der Bienenfachstelle des Kantons Zürich verwiesen, wo zu lesen ist, dass Städte artenreichen Wildbienengemeinschaften einen Rückzugsraum bieten und ein enormes Potenzial für die Wildbienenförderung bergen. Mit dem Trend zur Stadtimkerei werden seit gut zehn Jahren immer mehr Honigbienen in Siedlunsgebieten gehalten. Eine Studie der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) zeigt, dass die aktuelle Honigbienenpopulation das begrenzte Blütenangebot in der Stadt Zürich schon jetzt stark übernutzt und dadurch die Wildbienen konkurrenziert.

Die Biodiversitätskrise

Die Artenvielfalt ist weiterhin im Sinkflug. Nicht allein, aber massgeblich daran schuld ist unsere intensive Landwirtschaft. Die blumenreichen Wiesen sind längst verschwunden, Landschaften ausgeräumt, Pestizide allgegenwärtig, selbst auf Alpen werden Herbizide zur Bekämpfung von „Unkräutern“ wie Farnen und Brennnessel gespritzt.

Konkurrenz zwischen Honig- und Wildbienen vermeiden

Der Verein IG Wilde Biene in Zürich verweist auf Die 12 wichtigsten wissenschaftlichen Arbeiten zur Konkurrenz-Situation zwischen Honigbienen und Wildbienen. Heidi zitiert aus einer in Science veröffentlichten Studie von Jonas Geldmann and Juan P. González-VaroScience, beide University of Cambridge, übersetzt und zusammengefasst von IG Wilde Biene:

„Die Autoren betrachten die Schädigung der Wildbienen durch Wirtschaftsvölker der Honigbiene als erwiesen. Sie sprechen von der Verbreitung von Erregern durch Honigbienen sowie von der Nahrungs-Konkurrenz, insbesondere nach der Blüte der Nutzpflanzen im industrialisierten Agrarraum (Trachtlücken). Sie verweisen ausserdem auf den falschen Kontext, der – auch von mangelhaft informierten NGOs – zwischen dem Honigbienen-Sterben und ökologischen Aspekten hergestellt wird: Für Geldmann & Gonzáles-Varo handelt es sich dabei nicht um Fragen umweltpolitischer sondern ausschliesslich landwirtschaftlicher Bedeutung. Sie verlangen, dass die Bienenzucht als landwirtschaftliche Errungenschaft wahrgenommen und nicht mit dem Erhalt von Wildtieren vermischt wird.

Die Autoren anerkennen die Bedeutung der Honigbiene im Agrarraum, aber sie fordern, dass auch dort die Konkurrenz mit Wildbienen berücksichtigt wird. Dies, so die Autoren, müsse über differenzierte Einschätzungen erfolgen, wo und in welcher Dichte Honigbienen die benötigte Bestäubungsleistung an Massenkulturen erbringen können, ohne Wildpflanzen sowie Wildbestäuber zu schädigen. Ausdrücklich zu berücksichtigen sei bei diesen Bewertungen die natürlich bestehende Bestäubungsleistung durch anwesende Wildbestäuber.

Geldmann & Gonzáles-Varo setzen voraus, dass Europa dem amerikanischen Beispiel angepasster imkerlicher Praxis während der Blühlücken im Agrarraum wird folgen müssen, da Honigbienen während solcher Phasen am intensivsten mit den Wildbestäubern konkurrieren. Bienenstände müssen von blütenarmen in blütenreichere Räume bewegt und Bienenvölker (bspw. durch frühzeitige Entnahme des Honigs) erkleinert werden.“

Auf der Basis solcher Studien sollte eine allfällige Förderung der Honigbiene stattfinden.

Direktzahlungsverordnung Art. 14a

Der Bund will die Biodiversität im Ackerbaugebiet fördern. Besonders hier sind in den letzten Jahrzehnten zahlreiche Arten ausgestorben oder heute vom Aussterben bedroht. Dazu hat er den „Art. 14a Anteil an Biodiversitätsförderflächen auf Ackerfläche“ in die Direktzahlungsverordnung aufgenommen. Betriebe mit mehr als 3 Hektaren offener Ackerfläche in der Tal- und Hügelzone müssen zur Erfüllung des erforderlichen Anteils an Biodiversitätsförderflächen mindestens 3,5 Prozent der Ackerfläche in diesen Zonen als Biodiversitätsförderflächen ausweisen. Die Inkraftsetzung dieses Artikels wird wegen des Ukraine-Kriegs um ein Jahr auf 2024 verschoben.

Die Artenvielfalt im verarmten Ackerbaugebiet sollte künftig also zunehmen, vielleicht so viel, dass die Honigbienenhaltung verstärkt werden kann.

Eisiger Wind bläst …

Es gibt „Volksvertreter“, welche offenbar die Artenvielfalt als überflüssig erachten. Einer davon ist der Bergbauer, Präsident des Kälberzüchter-Verbands und SVP-Nationalrat Marcel Dettling. Er ist überzeugt, dass „Die Zeit des Schmetterling-Zählens“ vorbei ist. Seine Haltung ist nicht neu, aber der Ukraine-Krieg hat den eifrigen Politiker beflügelt. Er will zusammen mit SVP-Nationalrätin Esther Friedli mit einer neuen Initiative Gegensteuer geben. Der Selbstversorgungsgrad soll auf mindestens 60 Prozent steigen. Und die Viehwirtschaft soll gestärkt werden. Dies berichtete der Blick am 15.8.22.

Eine Erhöhung des Selbstversorgungsgrades wäre problemlos möglich, wenn die KonsumentInnen endlich auf die Wissenschaft und Gesundheitsempfehlungen hörten und nur noch einen Drittel des heute konsumierten Fleisches essen würden, dafür mehr pflanzliches Eiweiss konsumierten. Hoffen auf die vernünftigen Bauern? Tierbestände gehen nur ganz leicht zurück, steigen etwa beim Huhn, das mit viel importiertem Futter ernährt wird. Die Schweineproduzenten (ebenfalls viel importiertes Futter, das direkt vom Menschen gegessen werden könnte) klagen einmal mehr (Schweinezyklus) über tiefe Preise.

Die Umweltbelastung aus der Tierhaltung (Ammoniaemissionen, Nitrat im Grundwasser, überdüngte Gewässer, Wälder, Naturschutzgebiete) ist hoch. Die Tierproduktion belegt zudem ausgedehnte ackerfähige Böden für die Futterproduktion. Beim Getreide sieht man den Zweck der Äcker nicht, aber die Maisäcker sind grösstenteils NICHT für Polenta und Mais-Chips. Und massenhaft weiden Rindviecher auf Wiesen, die volkswirtschaftlich sinnvoller als Äcker genutzt würden.

Heidi meint: „Wir müssen uns vehement für eine umweltschonende Landwirtschaft einsetzen und den engstirnigen Politikern die Stirn bieten, denn es ist unsere Lebensgrundlage, die wir verteidigen.“

Nahrungskonkurrenz zwischen Honig- und Wildbienen. Bienenfachstelle Kanton Zürich

Konkurrenz zwischen Honigbienen und Wildbienen – Die 12 wichtigsten wissenschaftlichen Arbeiten zur Konkurrenz-Situation zwischen Honigbienen und Wildbienen. IG Wilde Biene

Conserving honey bees does not help wildlife – High densities of managed honey bees can harm populations of wild pollinators. Jonas Geldmann and Juan P. González-Varo, Science (6374), 392-393.359 26.1.18, DOI: 10.112

Mehr Nahrungsmittel – weniger ökologisch: SVP lanciert neue Bauern-Initiative. Blick 15.8.22

Es summen die Bienen … Heidis Mist 16.8.22

17.8.22 HOME

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Wo ist der Pufferstreifen am Bach?

28. September 2014
Malanser Mühlbach bei Maienfeld: Man kann messen wie man will, der Pufferstreifen ist viel zu klein.

Malanser Mühlbach bei Maienfeld: Man kann messen wie man will, der Pufferstreifen ist viel zu klein.

Das Bundesamt für Umwelt (BAFU) und jenes für Landwirtschaft (BLW) wollen uns Steuerzahlenden weismachen, dass die neue Messmethode der Pufferstreifen ab Uferlinie kaum einen Einfluss hat auf die Verschmutzung der Gewässer mit Pestiziden und Düngern, denn es gebe nur wenige kleine Bäche, die davon betroffen seien. Heidi hat gerechnet und festgestellt, dass diese Aussage nicht stimmt, siehe Mit dem Wasser macht man keine Kompromisse! Wer mit offenen Augen durch die Landschaft geht, sieht auch, dass es viele „betroffene“ Bäche gibt, und – nicht nur das – dass an vielen Bächen die Pufferstreifen nicht eingehalten werden.

Im Moment gibt es noch sechs verschiedene Arten möglicher Pufferstreifen an Bächen, siehe „Harmonisierte“ Pufferstreifen an Gewässern? Nehmen wir für den Malanser Mühlebach bei Maienfeld (siehe Bild oben) die Extrembeispiele an:

  1. Die Behörden haben auf die Ausscheidung eines Gewässerraums verzichtet, und der Bauer bezieht keine Direktzahlungen, da er pensioniert ist. Das ist durchaus möglich, denn der Malanser Mühlbach fällt unter die vielen Ausnahmen, ist ein künstlich angelegtes Gewässer, das im 18. Jahrhundert für den Betrieb von Mühlen, Sägen usw. angelegt worden war, siehe Merkblatt Gewässerraum und Landwirtschaft, Punkt 2.3. In diesem Fall ist der Pufferstreifen für Pestizide und Dünger gemäss Chemikalien-Risikoreduktions-Verordnung (ChemRRV) 3 m breit, und zwar gemessen ab Uferlinie nach der neuen Schweizer Messmethode. Der aktuelle Pufferstreifen beträgt etwa 1,5 m, ist also halb so breit wie er sein sollte. Auch wenn der Bauer den 3 m Pufferstreifen einhalten würde, dann läge der Acker sehr nahe am Bach, d.h. die Gefahr der Gewässerverschmutzung ist gross.
  2. Der Gewässerraum wurde weder ausgeschieden, noch wurde auf die Festsetzung eines Gewässerraums verzichtet. Die Kantone haben bis 2018 Zeit, diese Aufgabe zu erledigen; in der Regel dauert es in vielen Kantonen ein paar Jahrzehnte länger. Es gilt also immer noch die alte Regelung, die auch internationaler Standard ist: Messung des Pufferstreifen ab Böschungsoberkante. Nehmen wir an, dass der Bauer – wie die meisten seiner Kollegen – Direktzahlungen bezieht, dann muss er gemäss Direktzahlungsverordnung (DZV) einen 6 m breiten Pufferstreifen ab Böschungsoberkante einhalten. Der Maisacker ist also 6 m zu nahe am Bach.

Heidi meint, dass Beispiel 2 am ehesten zutrifft. Wer ist zuständig für Kontrolle und Vollzug? Die Kantone! Sie überlassen diese undankbaren Aufgaben den (untätigen) Gemeinden. Im Kanton Graubünden führt das Amt für Landwirtschaft und Geoinformation zwar Pufferstreifen-Kontrollen durch, doch scheint dies die Bauern nicht sonderlich zu beeindrucken. Die Bussen sind klein, die Amtsschubladen gross.

Die Oberaufsicht ist auf verschiedene Bundesstellen verteilt. Etwa im Beispiel 1 ist die Abteilung Luft und Chemikalien des BAFU (ChemRRV) dafür verantwortlich. Im Beispiel 2 das BLW (DZV) und das BAFU (ChemRRV). Es scheint Heidi, dass es die Oberkontrolle nur auf dem Papier gibt.

Es gilt also, Kontrolle und Oberkontrolle zu fordern! Und nicht nur das. Die Schweizer Messmethode ab Uferlinie ist ein Kniefall vor der Bauern-Lobby. Heidi fordert eine Rückkehr zur internationalen Messmethode ab Böschungsoberkante. Wer macht mit?

Unkrautvertilgungsmittel und Dünger wurden im Maisacker am Mühlbach in Heidis Heimat bis an den Ackerrand ausgebracht, d.h. auch auf dem Pufferstreifen.

Unkrautvertilgungsmittel und Dünger wurden im Maisacker am Mühlbach in Heidis Heimat bis an den Ackerrand ausgebracht, d.h. auch auf dem Pufferstreifen.

28.9.14 HOME

Fehlender Pufferstreifen am Auenwald

12. Juli 2012

Der Übergang von Wald zu Feld und Wiese ist eines der wertvollsten Biotope. Deshalb ist ein 3 m breiter Pufferstreifen entlang des Waldes vorgeschrieben. Dieser darf nicht gedüngt werden, der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln ist verboten, auch dürfen hier keine Siloballen gelagert werden. Die Vielfalt an Pflanzen und Tieren ist gross, sofern die Gesetzte beachtet werden.

Nachtrag 21.7.12: Ein Fachmann schreibt Heidi: „Deine Beobachtungen am Waldrand sind ein schwerer Verstoss gegen das Gesetz und den ÖLN.“ Der ÖLN oder Ökologische Leistungsnachweis ist Voraussetzung für den Bezug von Direktzahlungen.

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Bezieht dieser Bauer Direktzahlungen? Die Wahrscheinlichkeit ist gross, da für 97% der gesamten landwirtschaftlich genutzten Fläche DZ-Steuergelder ausbezahlt werden. Wenn also JA zutrifft, dann müsste hier eine 3 m breite Grün- oder Streuefläche sein, ein Pufferstreifen zum Schutze des Auenwalds am Rhein bei Haldenstein.

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Auch wenn der Bauer keine Direktzahlungen beziehen sollte, dann dürfte er den Pufferstreifen nicht mit Pflanzenschutzmitteln behandeln. Der kahle Feldrand und der unkrautfreie Pufferstreifen weisen darauf hin, dass der Bauer widerrechtlich Unkrautvertilgungsmittel gespritzt hat.

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Die Fahrspur entlang des Auenwalds deutet auf eine Pflanzenschutzbehandlung hin. Dieses Jahr sind Pilzkrankheiten ein grosses Problem. Weil das Mikroklima am Waldrand feuchter ist, wäre deshalb in einem ungespritzten Pufferstreifen Pilzebefall zu erwarten. Doch davon keine Spur. Deshalb vermutet Heidi, dass im Pufferstreifen rechtswidrig auch Fungizide eingesetzt wurden.

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Gleicher Acker am 20.8.10, überbelichtetes Foto. Gemistet bis an den Waldrand. Gemäss Chemikalien-Risikoreduktions-Verordnung und Direktzahlungsverordnung darf im 3 m breiten Pufferstreifen am Waldrand auch nicht gedüngt werden. Jahr für Jahr wird hier (nicht nur hier!), von der Bahn aus gut sichtbar, gegen die Gesetzte verstossen, ohne dass dies irgend jemanden stört, ausser Heidi natürlich.

12.7.12 HOME


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