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IG Zukunft Pflanzenschutz wirbt mit „falschen Fakten“

13. August 2020
Typische Krautfäule-Symptome auf Kartoffelblatt.

Typische Krautfäule-Symptome auf Kartoffelblatt.

Der Geschäftsführer der IG Zukunft Pflanzenschutz, Danial Naghizadeh, ist ein Angestellter der renommierten Werbeagentur Farner, gegründet von Rudolf Farner, dessen Dackel Heidi in ihrer Schulzeit Gassi führen durfte, ein gutmütiger Hund!

Heidi hat auf der Homepage der IG einen Artikel über die Bekämpfung der Kraut- und Knollenfäule der Kartoffel gefunden und war erstaunt, das Folgende zu lesen:

„Erfolgreiche Zusammenarbeit von Produzenten, Wissenschaft und Bund

Die Kartoffelbranche (swisspatat) hat in Zusammenarbeit mit Partnern PhytoPRE entwickelt und finanziert. Das Bundesamt für Landwirtschaft, swisspatat, die Vereinigung Schweizerischer Kartoffelproduzenten, Agroscope und die Hochschule für Agrar-, Forst-  und Lebensmittelwissenschaften HAFL beteiligen sich an dessen Weiterentwicklung.“

Die Fakten!

Mag sein, dass der Werbefachmann die Fakten nicht kennt. Doch Heidi hat sie. Es ist nämlich so, dass zwei Forscher von Agroscope Zürich-Reckenholz (damals hiess diese landwirtschaftliche Forschungsanstalt noch FAP) die Idee für PhytoPRE hatten: Padruot Men Fried und Hans-Rudolf Forrer. Dank der Unterstützung durch die Eigenössischen Alkoholverwaltung konnte das Projekt 1989 starten und Hans Ulrich Gujer angestellt werden. Finanziell unterstützt wurden es am Anfang ausschliesslich von der Eigenössischen Alkoholverwaltung, welche Anfang 2018 in die Eidgenössische Zollverwaltung integriert wurde.

1995 wurde das Team vorübergehend verstärkt durch Keqiang Cao, einem Gast aus Hebei (China). Keqiang, der auf der Basis von täglichen Zählungen des Kraut- und Knollenfäulebefalls von Hunderten Kartoffelblättern in einem Feldversuch in Rümlang und mit der Erfassung von Meteodaten ableiten konnte, wann der Pilz sporuliert und unter welchen Bedingungen er sporuliert. Die Forscher Hans Rudolf Forrer und Markus Ruckstuhl beteiligten sich zudem an einem EU-Projekt, in dessen Rahmen die Regeln der Infektions- und Sporulationsperioden (HISP) des Pilzes entwickelt wurden.

Erst danach haben sich weitere Partner in kleinerem Rahmen an den Entwicklungskosten beteiligt, z.B. die Schweizerische Kartoffelkommission (heute Swisspatat), die kantonalen Zentralstellen für Pflanzenschutz und andere Branchenvertreter. An der Weiterentwicklung ist heute auch die Hochschule für Agrar-, Forst-  und Lebensmittelwissenschaften (HAFL) beteiligt.

Seit 1999 ist Tomke Musa bei Agroscope für den Bestand und die Weiterentwicklung von PhytoPRE verantwortlich. Sie war massgebend für die Entwicklung von PhytoPRE+2000, das nun Internet-basiert und den Kartoffelproduzenten bereits ab Mai 2001 für parzellenspezifische Beratungen zugänglich war. Auch für Bio-PhytoPRE, einer Variante für den Bio-Kartoffelanbau, war Tomke Musa massgebend.

PhytoPRE ist ein Beratungssystem, welches für die LandwirtInnen in Zusammenarbeit mit den LandwirtInnen entwickelt wurde. Ziel von PhytoPRE war immer, die Zahl der Pflanzenschutzmitteleinsätze möglichst gering zu halten und auf das nötige Mass zu beschränken. Das Projekt wird heute durch die Teilnehmerbeiträge, die kantonalen Zentralstellen für Pflanzenschutz, die swisspatat und Agroscope finanziert.

Wer ist die IG Zukunft Pflanzenschutz?

Die IG wurde am 9. Januar 2019 gegründet vom Verband Schweizer Gemüseproduzenten (VSGP), Schweizer Obstverband (SOV), JardinSuisse, der Swiss Convenience Food Association (scfa) sowie swisspatat mit dem Ziel, die zwei Pestizid-Volksinitiativen zu bodigen. Der Wirtschaftsverband Economiesuisse unterstützt die IG mit 1 bis 2 Millionen Franken für die Abstimmungskampagne. Bei Economiesuisse ist Scienceindustries organisiert mit der Gruppe Agro (Syngenta, Bayer, BASF usw.), welche u.a. den Internetauftritt Der Pflanzenschützer unterhält.

Und der Schweizer Bauernverband?

Der Schweizer Bauernverband (SBV) war zuerst nicht begeistert von der neuen IG, koordiniert nun aber seine Kampagne gegen die beiden Pestizid-Volksinitiativen mit jener der IG bzw. Economiesuisse.

Heidi meint: PhytoPRE ist so gut und zeitgemäss, dass man dieses geistige Eigentum sogar klaut! Wie vor 30 Jahren ist das Ziel dasselbe: Spritzen nur wenn nötig (nicht nach Spritzplan!).

Nachtrag vom 23.9.20: Nachdem zwei Mails unbeantwortet geblieben waren, konnte heute der Geschäftsführer telefonisch erreicht und folgende Änderung bewirkt werden: „Agroscope hat mit finanzieller Unterstützung von swisspatat das Prognosesystem PhytoPRE entwickelt.“ Zwar war swisspatat zu Beginn nicht beteiligt, ist auch nicht die Hauptfinanzquelle, aber was soll’s! Sie haben ihren Beitrag geleistet.

Wir sind der Krautfäule einen Schritt voraus. IG Zukunft Pflanzenschutz, abgerufen am 13.8.20

Alkohol. Eidgenössische Zollverwaltung

Informationen über PhytoPRE von Agroscope

Pflanzenschutz-Kampagnen: Droht eine Verzettelung der Kräfte? Adrian Krebs, Bauernzeitung 11.1.20

13.8.20, aktualisiert 23.9.20 HOME

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Heidis Frühlingsspaziergang mit Klara

30. April 2018
Beim Schloss Marschlins suhlen sich Schweine in der nassen Erdgrube, andere fressen frisches Gras.

Beim Schloss Marschlins suhlen sich Schweine in der nassen Erdgrube, andere fressen frisches Gras.

Klara sehnte sich nach den Bergen. Sie wollte die blühenden Bäume und Wiesen sehen und natürlich die Geissen. Jetzt, wo noch Schnee auf den Gipfeln liegt, ist es besonders schön im Heidiland. Kurzerhand packte sie den Koffer. Fräulein Rottenmeier, noch immer von der Grippe geschwächt, musste zuhause bleiben. Sie legte aber persönlich eine Tüte mit frischen weissen Brötchen für die Grossmutter in Klaras Koffer. Und schon ging’s los. Sebastian brachte Klara zum Bahnhof Frankfurt.

Am ersten Tag nach der Ankunft fuhren Heidi und Klara mit dem Postauto nach Malans, wanderten zum Schloss Marschins und von dort über den Fürstenwald nach Chur. Hoch oben auf der Fürstenalp forschten einst Pioniere der landwirtschaftlichen Forschungsanstalt Zürich-Reckenholz. Reorganisationen, die immer kopfloser wurden, haben die Institution geschwächt. Jetzt droht dem renommierten Forschungplatz das Ende: Abbau und Umzug in die Forschungswüste Posieux, weitab von den Zürcher Partnern.

In den Gärten blühte bereits der Flieder. Der Wind nahm Pollen von dunklen Tannen weg und trug sie in die Höhe, wo sie kurze Zeit wie Nebelschwaden vor dem Wald dahinzogen.

In einem Feld lagen Plastikteile, doch wächst bereits Gras drüber. Heidi schrieb am 18.3.18 ausführlich über das Problem: <a href="https://heidismist.wordpress.com/2018/03/18/plastik-im-salat-in-den-erdbeeren/" target="_blank" rel="noopener">Plastik im Salat, in den Erdbeeren ...?</a> Die NZZ stellte am 27.4.18 eine Studie der Universität Bern vor: <a href="https://www.nzz.ch/schweiz/alarmierender-befund-schweizer-naturschutzgebiete-sind-voll-mikroplastik-ld.1381444" target="_blank" rel="noopener">«Alarmierender Befund»: Schweizer Naturschutzböden sind voll Mikroplastik.</a>

In einem Feld lagen Plastikteile, doch wächst bereits Gras drüber. Heidi schrieb am 18.3.18 ausführlich über das Problem: Plastik im Salat, in den Erdbeeren …? Die NZZ stellte am 27.4.18 eine Studie der Universität Bern vor: «Alarmierender Befund»: Schweizer Naturschutzböden sind voll Mikroplastik.

Nicht weit entfernt vom Acker mit den Plastikteilchen liegt ein grosser Misthaufen.

Nicht weit entfernt vom Acker mit den Plastikteilchen liegt unübersehbar ein langer Misthaufen.

Er sieht ziemlich ausgewaschen aus. Klara: "Da wächst ja schon Gras auf dem Mist."

Er sieht ziemlich ausgewaschen aus. Klara: „Da wächst ja schon Gras auf dem Mist.

Üppig wachsen die Pflanzen rundherum.

Üppig wachsen die Pflanzen rundherum.

Der Hahnenfuss liebt nähr- und stickstoffreiche Böden, die feucht sind. Frisch ist er giftig für das Vieh, als Heu ist er es jedoch nicht. Und in Siloballen?

Der Hahnenfuss liebt nähr- und stickstoffreiche Böden, die feucht sind. Frisch ist er giftig für das Vieh, als Heu ist er es jedoch nicht. Und in Siloballen?

Selten sehen Klara und Heidi blühenden Wiesenkerbel, einen "Güllezeiger" ...

Selten sehen Klara und Heidi blühenden Wiesenkerbel, einen „Güllezeiger“ …

... auch der Löwenzahn mag ein reiches Angebot an Nährstoffen. Er hat die Wiesen bis in hohe Lagen erobert und so viele andere Blütenpflanzen und Gräser verdrängt.

… auch der Löwenzahn mag ein reiches Angebot an Nährstoffen. Er hat die Wiesen bis in hohe Lagen erobert und so viele andere Blütenpflanzen und Gräser verdrängt.

Heidi: "Schau Klara! Seit Jahren liegt das grüne Ding hier im Wald." Klara: "Ob das als Unterkunft für Wildschweine gedacht ist?"

Heidi: „Schau Klara! Seit Jahren liegt das grüne Ding hier im Wald.“ Klara: „Ob das als Unterkunft für Wildschweine gedacht ist?“

Auch im Rebberg: Wie gesät Löwenzahn.

Auch im Rebberg: Wie gesät wächst der Löwenzahn.

Heidi: "Die Unkräuter in den meisten Rebanlagen werden mit Herbiziden bekämpft." Klara: "Bei uns gibt es immer mehr Biobetriebe." Heidi: "Bei uns auch, aber der Bund fördert sie zuwenig, nicht einmal im Aktionsplan Pflanzenschutzmittel-Risikoreduktion! Das ist eine flaue Angelegenheit. Zum Glück gibt es zwei Volksinitiativen gegen Pestizide, die Druck machen. Gegen den Willen der meisten Bauern erarbeitet das Bundesamt für Landwirtschaft jetzt einen Gegenvorschlag zur Trinkwasser-Initiative. Ich bin gespannt!"

Heidi: „Die Unkräuter in den meisten Rebanlagen werden mit Herbiziden bekämpft.“ Klara: „Bei uns gibt es immer mehr Biobetriebe.“ Heidi: „Bei uns auch, aber der Bund fördert sie zuwenig, nicht einmal im Aktionsplan Pflanzenschutzmittel-Risikoreduktion! Das ist eine flaue Angelegenheit. Zum Glück gibt es zwei Volksinitiativen gegen Pestizide, die Druck machen. Gegen den Willen der meisten Bauern erarbeitet das Bundesamt für Landwirtschaft jetzt einen Gegenvorschlag zur Trinkwasser-Initiative. Ich bin gespannt!“

Klara: "Wie lange liegt der Mist schon auf der Erde?" Heidi: "Keine Ahnung! Im Hintergrund, hinter den Löwenzahnwiesen, siehst du das Windrad von Haldenstein."

Klara: „Wie lange liegt der Mist schon auf der Erde?“ Heidi: „Keine Ahnung! Im Hintergrund, hinter den Löwenzahnwiesen, siehst du das Windrad von Haldenstein.“

Ein kurzer Weg führt vom gelbumrahmten Bauernhof zum Misthaufen.

Ein kurzer Weg führt vom gelbumrahmten Bauernhof zum Misthaufen.

Nicht weit vom Misthaufen entfernt wird gebaut. Im Hintergrund der Steinbruch der <a href="https://www.holcim.ch/de" target="_blank" rel="noopener">Holcim</a> in Untervaz. Klara: "Wenn das so weitergeht, dann gibt es bald keinen Platz mehr für Mist." Heidi: "Schon möglich!"

Nicht weit vom Misthaufen entfernt wird gebaut. Im Hintergrund der Steinbruch der Holcim in Untervaz. Zement, Kies und Beton sind das Kerngeschäft. Klara: „Wenn das so weitergeht, dann gibt es bald keinen Platz mehr für Mist.“ Heidi: „Schon möglich!“

Ein schöner Weg führt ins nächste Dorf. Auch hier dominiert der Löwenzahn.

Ein schöner Weg führt ins nächste Dorf. Auch hier dominiert der Löwenzahn.

Neben dem Dorfbach ein Abfallkübel mit der Aufschrift: "für eine saubere Gemeinde Trimmis". Klara: <em>"Da müssten sie aber bei den Bauern genauer hinschauen!"</em> Heidi: <em>"Ja, die Gemeinden nehmen die Neubauten ab, mit geschlossenen Augen. Es gibt welche, die merken nicht einmal, wenn die Mistplatte fehlt oder Abwasser in einen Bach fliesst. Subventionen werden deswegen kaum gekürzt, wenigstens im Kanton Graubünden nicht."</em>

Neben dem Dorfbach ein Abfallkübel mit der Aufschrift: „für eine saubere Gemeinde Trimmis“. Klara: „Da müssten sie aber bei den Bauern genauer hinschauen!“ Heidi: „Ja, die Gemeinden nehmen die Neubauten ab, mit geschlossenen Augen. Es gibt welche, die merken nicht einmal, wenn die Mistplatte fehlt oder Abwasser in einen Bach fliesst. Subventionen werden deswegen kaum gekürzt, wenigstens im Kanton Graubünden nicht.“

An schönster Aussichtslage mit Blick auf Chur lagen Geissen im Gras und blickten neugierig auf, als Klara und Heidi am Zaun stehen blieben.

An schönster Aussichtslage mit Blick auf Chur lagen Geissen im Gras und blickten neugierig auf, als Klara und Heidi am Zaun stehen blieben.

Die beiden Spaziergängerinnen hatten die Stadt Chur erreicht, als Heidi plötzlich rief: <em>"Schau, Klara, hier gibt's viele Wiesenblumen. Das Wiesenschaumkraut ist schon in voller Blüte. Peter weiss, wo es noch artenreiche Wiesen gibt, er wird dir welche zeigen. Sie werden immer seltener."</em>

Die beiden Spaziergängerinnen hatten die Stadt Chur erreicht, als Heidi plötzlich rief: „Schau, Klara, hier gibt’s viele Wiesenblumen. Das Wiesenschaumkraut ist schon in voller Blüte. Peter weiss, wo es noch artenreiche Wiesen gibt, er wird dir welche zeigen. Sie werden immer seltener.“

Marlene Dietrich – Sag mir, wo die Blumen sind

youtube

30.4.18 HOME


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