Posts Tagged ‘Agroscope’

Warum füttern wir unsere Autos mit Nutzpflanzen, wenn Menschen hungern müssen?

30. Juni 2022

Diese Frage stellt George Monbiot heute (30.6.22) in seiner Kolumne in The Guardian.

Monbiot schreibt:

„Moderne Biokraftstoffe werden als Segen für das Klima angepriesen. In grossem Massstab eingesetzt, sind sie jedoch nicht nachhaltiger als Walöl.

Was kann man über Regierungen sagen, die sich inmitten einer weltweiten Nahrungsmittelkrise dafür entscheiden, stattdessen Maschinen zu füttern? Man könnte sagen, sie seien verrückt, gefühllos oder grausam. Aber diese Worte reichen kaum aus, um die Verbrennung von Nahrungsmitteln zu beschreiben, während Millionen Menschen verhungern.“

Lesen Sie hier weiter: Why are we feeding crops to our cars when people are starving? George Monbiot, The Guardian 30.6.22

Und in der Schweiz?

Wenigstens machen wir das in der Schweiz „nur indirekt“ über Biogas aus Hofdünger der zu zahlreichen Nutztiere und teilweise vermeidbaren Lebensmittelabfällen aus Industrie, Handel, Haushalt und Gastronomie, zu Deutsch „Food waste“. Die Biomasse stammt teilweise von importierten Futter- und Lebensmitteln aus meist ärmeren, armen oder sehr armen Ländern. Ein Teil der Abfälle könnte gut auch direkt als Dünger aufbereitet werden.

Doch früher träumte man auch hierzulande vom Einsatz von Pflanzen als Rohstoff für Energie. Es wurde gepröbelt etwa mit Chinaschilf und mit Rapsöl. So heisst es im FAT-Bericht Nr. 427 von 1993 der Vorgängerorganisation von Agroscope in Tänikon (TG):

„In der Landwirtschaft sind bei stagnierendem Verbrauch die Erträge so angestiegen, dass in den nächsten Jahren in der Schweiz nach Schätzung der Experten etwa 80’000 Hektaren Produktionsflächen frei werden. Neben der Einführung extensiver Produktionsformen und der Ausscheidung ökologischer Ausgleichsflächen könnten auf einem Teil dieser freiwerdenden Wiesen und Äcker Nachwachsende Rohstoffe produziert werden.

Es ist hinlänglich bekannt, dass die Erdölvorräte zwar noch riesig, aber doch nicht unerschöpflich sind. Es müssen daher alle Möglichkeiten erneuerbarer Energien untersucht werden.“

Weiter wird der Erfinder des Dieselmotors, Rudolf Diesel, zitiert. Um das Jahr 1900 sei die Verfügbarkeit von fossilem Treibsstoff so schlecht gewesen, dass er für seine Motorenversuche Pflanzenöl benutzt habe.

Die FAT machte Versuche mit Traktoren und Mercedes-Bussen. Im praktischen Einsatz mit Rapsmethylester (RME) waren fünf Busse der Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ) im normalen Linienverkehr während eines Jahres.

Die Experten haben sich getäuscht. Der Landverschleiss dauert bis heute an, das Wachstum der Bevölkerung, der Fahrzeuggrösse, der Siedlungen und der Infrastrukturen auch. Dass Nachwachsende Rohstoffe Ackerflächen, Wald usw. benötigen ist einigen inzwischen klar geworden!

FAT-Bericht Nr. 427, 1993. Rapsmethylester als Treibstoff für Dieselmotoren

30.6.22 HOME

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Heidis Beeren-Pestizid-Spiel für Schlechtwettertage

25. Mai 2022
Ein interessantes Dokument!

Ein interessantes Dokument!

Beeren im Hausgarten sind eine Freude und können ohne Pflanzenschutzmittel produziert werden. Reif geerntet und ohne Transport sofort auf den Tisch! Für den Handel zu produzieren ist nicht ganz so einfach, denn es sind meist riesige Monokulturen und die Beeren müssen den Transport und die Verkaufszeit im Laden überstehen. Allfällige Schäden wirken sich auf den Gewinn aus.

Im Profi-Beerenanbau werden viele Pestizide eingesetzt. Einen Einblick in diese „Wissenschaft“ geben nachfolgende Dokumente.

  • Pflanzenschutzmittelstrategien Beeren 2020 (kein neueres vorhanden), Berufsbildungszentrum Natur und Ernährung, Kanton Luzern.
    Dieses Dokument gibt einen guten Überblick wann gespritzt werden soll/kann, inkl. Wartefristen.
  • Pflanzenschutzmittelliste für die in den Beerenkulturen bewilligten Herbizide, Fungizide, Insektizide und Akarizide, Agroscope Transfer | Nr. 419 / 2022
    Agroscope informiert in diesem Dokument eingangs über die nicht mehr bewilligten Pestizide, bietet Entscheidungshilfen für die Anti-Resistenz-Strategie, informiert über eine Studie betr. Pflanzenschutzmittel mit hohem Risiko, über Applikationstechnik, Konzentration und Wasservolumen mit Beispielen sowie den Einsatz und die Einstellung von Spritzgeräten. Dann folgen viele Seiten mit Tabellen für einzelne Kulturen. Interessant sind immer wieder die Wartefristen.

Heidis Beeren-Pestizid-Spiel

Bringen Sie eine Tabelle auf den Bildschirm (muss allenfalls kopiert und dann gedreht werden), wählen Sie ein Pestizid aus, suchen Sie es im Pflanzenschutzmittelverzeichnis des Bundesamts für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) und studieren Sie die Auflagen, Bemerkungen und Gefahrenkennzeichnung.

Zum Beispiel das Fungizid Dagonis für Erdbeeren:

Dagonis, abgerufen von Heidi am 25.5.22, Achtung bei jeder Revision des Pflanzenschutzmittelverzeichnisses ändert der Link! Heidi war Dagonis bisher nicht bekannt. Sie hat es zufällig ausgewählt.

Wartefrist: 1 Tag (Strategiepapier Kanton LU gibt 1 Woche an)

Anwendung: Stadium 11-81 (BBCH), 81 = Beginn der Fruchtreife

Gefahrenkennzeichnung:

  • Die angegebene Aufwandmenge bezieht sich auf Stadium „Vollblüte bis Beginn Rotfärbung der Früchte“, 4 Pflanzen pro m² sowie eine Referenzbrühmenge von 1000 l/ha. Die Aufwandmenge ist gemäss den Weisungen der Zulassungsstelle an das Stadium der zu behandelnden Kultur anzupassen.
  • Ansetzen der Spritzbrühe: Schutzhandschuhe + Schutzanzug tragen.
  • Bei Anwendung im Gewächshaus ist dieses vor dem Wiederbetreten gründlich zu lüften.
  • SPa 1: Zur Vermeidung einer Resistenzbildung maximal 3 Behandlungen pro Kultur und Jahr mit Produkten aus den Wirkstoffgruppen FRAC Nr. 3 (DeMethylation Inhibitors, DMI = Sterolsynthesehemmer, SSH) oder FRAC Nr.7 (Succinate Dehydrogenase Inhibitors, SDHI).

Gefahrenkennzeichnungen:

  • Darf nicht in die Hände von Kindern gelangen.
  • EUH401Zur Vermeidung von Risiken für Mensch und Umwelt die Gebrauchsanleitung einhalten.
  • H317Kann allergische Hautreaktionen verursachen.
  • H351Kann vermutlich Krebs erzeugen.
  • H362Kann Säuglinge über die Muttermilch schädigen.
  • H410Sehr giftig für Wasserorganismen mit langfristiger Wirkung.
  • SP 1Mittel und/oder dessen Behälter nicht in Gewässer gelangen lassen.

Also „Wartefrist 1 Tag“, „Kann vermutlich Krebs erzeugen“, „Kann Säuglinge über die Muttermilch schädigen“. „Sehr giftig für Wasserorganismen mit langfristiger Wirkung“ sind sehr, sehr viele Pestizide. Solche Einträge machen Heidi nachdenklich und sie stellt sich die Frage: „Nehmen die Behörden die Verantwortung, die ihnen obliegt, wahr? Handeln Sie in unserem Interesse oder eher im Sinne des Gewinns der Pestizidproduzenten?

Nun wählen Sie ein weiteres Pestizid aus und suchen es im Pflanzenschutzmittelverzeichnis. Klar, manchmal sind es harmlose Produkte, aber viele sind für Mensch und Umwelt schädlich, selbst bei ordnungsgemässer Anwendung. Kontrollen sind fast inexistent. Einmal mehr sei darauf hingewiesen, dass auch problematische Pestizide für die Luftapplikation zugelassen sind.

Viele Stunden hat Heidi mit dem Pflanzenschutzmittelverzeichnis verbracht, doch sie kommt nie aus dem Staunen heraus.

Pestizide in Früchten und Gemüsen: Regierungen kommen ihren gesetzlichen Verpflichtungen nicht nach. Heidis Mist 24.5.22

Laute Lobby für einen stillen Frühling

15. Mai 2022
Copyright: CORPORATE EUROPE OBSERVATORY

Copyright: CORPORATE EUROPE OBSERVATORY

CORPORATE EUROPE OBSERVATORY hat die giftigen Lobbying-Taktiken der Pestizidindustrie gegen Farm to Fork aufgedeckt.

Achtung, die Lobby ist auch in der Schweiz aktiv, z.B. mit breit gestreuten Falsch-Informationen in den Medien am vergangenen Wochenende durch den Syngenta-CEO Erik Fyrwald oder schon länger mit den regelmässigen News von Swiss-Food.ch, einer Plattform von Syngenta und Bayer, welche von der gleichen Kommunikationsfirma betrieben wird wie die Homepage der Science for CRISPR (Grüne Biotechnologie), der Kommunikationsplan AG in Zürich. Es stellt sich die Frage: Wer finanziert Science for CRISPR? Von einem beteiligten Kollegen hat Heidi keine Antwort erhalten. Ein Agroscope-Forscher hat sich mit „Universität Bern“ präsentiert, obwohl er dort nur eine einzige Vorlesung bestreitet. Eine eigenartige Interessengemeinschaft, meint Heidi.

Pestizide sind eine der Hauptursachen für den dramatischen Rückgang der biologischen Vielfalt, eine ökologische Katastrophe, die sich in einem fortgeschritteneren Stadium befindet als die Klimakrise und die „Integrität lebender Systeme“ gefährdet, von denen auch der Mensch abhängt, wie das Stockholmer Resilienz-Zentrum anhand von neun planetarischen Grenzen feststellt.

Bauern und Gesellschaft sind die Verlierer

Eine aktuelle Studie von Le Basic zeigt, dass die Kosten für die Auswirkungen des Pestizideinsatzes in Europa auf die menschliche Gesundheit, die Wasserqualität, die Böden und schliesslich die Nahrungsmittelproduktion – Kosten, die von der Gesellschaft durch öffentliche Ausgaben getragen werden müssen – viel höher sind als die Nettogewinne der Pestizidbranche selbst. Die Autoren des Berichts kommen zum Schluss, dass das derzeitige Agrarmodell vor allem der Agrarindustrie und den Lebensmittelkonzernen zugute gekommen ist, während die Landwirte aufgrund der instabilen Weltmarktpreise für ihre Erzeugnisse die Verlierer sind.

Um der ernsten Bedrohung durch die Krise der biologischen Vielfalt zu begegnen, will die EU ihre Abhängigkeit von Pestiziden bis 2030 um mindestens 50 Prozent reduzieren. Ein weiteres Ziel ist, den Anteil des ökologischen Landbaus bis 2030 auf 25 Prozent zu erhöhen, was ein wichtiger Weg zur Reduzierung von Pestiziden ist. Dies hat die Pestizidindustrie in einen Überlebensmodus versetzt. Ein durchgesickertes Dokument der Pestizid-Lobbygruppe CropLife Europe zeigt, dass sie zwar grosse Töne spuckt, wenn es darum geht, den Green Deal zu unterstützen, in Wirklichkeit aber eine Vielzahl von Lobbytaktiken einsetzt, um ehrgeizige, verbindliche Ziele zu untergraben.

Synthetische Pestizide nur als letztes Mittel

Seit 2009 setzt die EU die Richtlinie über die nachhaltige Verwendung von Pestiziden um, die den Einsatz von Pestiziden „nachhaltig“ machen soll: Synthetische Pestizide sollten grundsätzlich nur „als letztes Mittel“ eingesetzt werden. In der Praxis haben die EU-Länder und -Institutionen jedoch kläglich versagt, diese Politik umzusetzen. Dasselbe gilt für die Schweiz gemäss Ökologischem Leistungsausweis.

Zwei Drittel des Pestizidmarktes halten vier Pestizidriesen: Bayer-Monsanto, BASF, Syngenta (in chinesischem Staatsbesitz) und Corteva (Dow-Dupont). Der weltweite Umsatz mit Pestiziden hat sich in den letzten 20 Jahren verdoppelt.

Freiwilligkeit, Scheinlösungen und Deregulierung

Die Lobbying-Taktiken der Pestizidindustrie reichen von der Panikmache mit „Auswirkungsstudien“ über die Mobilisierung von Drittländern (vor allem der USA), um Druck auf die EU auszuüben, bis hin zur Ablenkung der Entscheidungsträger mit freiwilligen Verpflichtungen oder anderen Scheinlösungen. Während sie die Reduktionsziele mit allen Mitteln bekämpfen, setzen sich Konzerne wie Bayer auch für die Deregulierung von gentechnisch verändertem Saatgut und neuen Techniken wie CRISPR-Cas ein und drängen auf digitale Hilfsmittel für Landwirte. Dies ist Teil ihres neuen Geschäftsmodells, um den Umsatz mit Pestiziden auszugleichen oder zu ergänzen.

Sogar die russische Invasion in der Ukraine wird für die Ziele der Pestizideindustrie instrumentalisiert. In Wirklichkeit hat der Krieg gegen die Ukraine die Abhängigkeit der Landwirtschaft von fossilen Brennstoffen und Düngemitteln (beides wichtige russische Exporte) gezeigt. Die grossen Bedrohungen sind die Klima- und Biodiversitätskrisen, die dringend angegangen werden müssen, auch in der Ernährungs- und Landwirtschaft.

Viele Millionen Euros für Lobbying

Die Lobbykampagne der Industrie ist gut ausgestattet. Laut dem Eintrag von Bayer im EU-Transparenzregister für Lobbyarbeit aus dem Jahr 2021 gab der Konzern 6,5 bis 7 Millionen Euro für Lobbyarbeit bei den EU-Institutionen aus. In diesem Jahr beauftragte Bayer nicht weniger als acht Lobbyfirmen. Die Einträge von BASF, Syngenta, Corteva und CropLife Europe wurden zuletzt für das Jahr 2020 aktualisiert und die selbst angegebenen Zahlen reichen von 600’000 € bis 3,2 Millionen €. Aber wie Corporate Europe Observatory in der Vergangenheit berichtet hat, könnten die tatsächlichen Zahlen viel höher sein.

Die Lobby-Kampagne wird auf europäischer und internationaler Ebene von den Industrie-Lobbygruppen CropLife Europe und CropLife International sorgfältig orchestriert. Eine durchgesickerte Präsentation der Social-Media-Strategie 2020-2021 von CropLife Europe, die Corporate Europe Observatory zugespielt wurde, gewährt Einblicke in die wahren Ziele und Prioritäten der Industrie und liefert zusätzliche Beweise für ihre Lobbying-Taktiken. Dieser Bericht basiert ausserdem auf Hunderten von Dokumenten, die CORPORATE EUROPE OBSERVATORY erhalten hat von der Europäischen Kommission durch Anfragen im Rahmen der Informationsfreiheit, persönliche Kommunikation mit beteiligten Akteuren, EU-Konsultationseinreichungen und die Teilnahme an Lobbyveranstaltungen und von der Europäischen Kommission organisierten „Stakeholder-Treffen“.

Was macht die Industrie?

Der Bericht zeigt, dass die Pestizidindustrie zwar behauptet, den EU Green Deal zu unterstützen, aber:

  • für partielle Auswirkungsstudien bezahlt hat, um Angst vor wirtschaftlichen Verlusten zu schüren und ein ungerechtes Bild zu zeichnen;
  • zahlreiche Medienveranstaltungen und Artikel inszeniert hat, um eine Echokammer rund um die „Auswirkungs“-Studien zu schaffen;
  • von einer von den USA angeführten Industrie-Regierungs-Koalition gegen „Farm to Fork“ profitieren;
  • Druck von Drittländern auf die EU ausüben, um die internationalen Aspekte der Farm-to-Fork-Ziele zu untergraben;
  • die Durchsetzung zu untergraben;
  • sich zwar gegen verbindliche, ehrgeizige Zielvorgaben aussprechen, aber gleichzeitig die Diskussion über die Zielvorgaben als Vorwand nutzen, um unerprobte neue Technologien zu fördern und zu deregulieren (z. B. digitale Technologien, Drohnen, neue GVO), einschliesslich Scheinlösungen.

Dieser Bericht zeigt, dass die EU-Ziele für die Lieferung vom Erzeuger zum Verbraucher (Farm to Fork), ein wesentliches Element des EU Green Deal, von der Industrie stark angegriffen wird. Auf der anderen Seite haben über 70 Organisationen die Europäische Kommission gewarnt, dass die Optionen, die derzeit auf dem Tisch liegen, bei weitem nicht ausreichend sind und zu viele Schlupflöcher offen lassen. Es ist von grösster Wichtigkeit, dass der Vorschlag der Europäischen Kommission zur Reduzierung von Pestiziden die Forderungen der EU citizens’ initiative, ‘Save Bees and Farmers’, unterstützt von 250 Organisationen, widerspiegelt und ein Höchstmass an Ehrgeiz aufweist, das über eine 50 Prozent Reduktion hinausgeht.

Syngenta und Bayer bearbeiten in der Schweiz intensiv ihre LeserInnen von Swiss-Food. Schreiben „Die Zukunft ist regenerativ“. Sie reden von Schutz der natürlichen Ressourcen und hoher Produktivität, attackieren den Biolandbau, schreiben von Nachhaltigkeit, Kreislaufwirtschaft … werfen mit Schlagwörtern um sich und meinen eigentlich: Profit für die Industrie. Scheinheilige wehren sich für ihre Produkte.

Heidi rät: „Seid wachsam und löst euch von der chemischen Illusion!“

Hier der Link zur vollständigen Studie: A loud lobby for a silent spring. CORPORATE EUROPE OBSERVATORY, März 2022

Rachel Carson, Wikipedia

Farm to Fork strategy. EU

Dear Scientist and Friend in Kyiv

Tannenhäher bettelt Futter von PassantInnen.

Nutcracker begs food from passers-by.

I am outraged that companies and organisations are using the terrible war in your country to promote their interests and increase profits.

I am busy in the garden, so I have not written to you every day. Moreover, there is a lot of misinformation that I am also fighting against.

I wish you peace.

Heidi

15.5.22 HOME

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Wie moderne Lebensmittel ihre Nährstoffe zurückgewinnen können

7. Mai 2022
Heidis Spinat

Heidis Spinat

Rachel Lovell schrieb für BBC einen aufschlussreichen Beitrag über unser Ernährungssystem: How modern food can regain its nutrients. Heidi hat daraus ein paar Abschnitte mithilfe von DeepL übersetzt. Wenn Sie Zeit haben, lesen Sie den ganzen wichtigen Beitrag auf Englisch.

Die Grundnahrungsmittel im Supermarkt sind grösser, saftiger und attraktiver geworden. Aber ihr Nährstoffgehalt hat damit nicht Schritt gehalten. Um die gesündesten Lebensmittel anzubauen, müssen wir erst einmal verstehen, was wir in sie hineinstecken.

Geringerer Nährwert seit 1950

Der Nährwert einiger beliebter Gemüsesorten, von Spargel bis Spinat, ist seit 1950 erheblich gesunken. Eine US-Studie aus dem Jahr 2004 ergab, dass der Gehalt an wichtigen Nährstoffen in einigen Gartenkulturen um bis zu 38% niedriger ist als noch Mitte des 20. Jahrhundert. Im Durchschnitt der 43 untersuchten Gemüsearten sank der Kalziumgehalt um 16%, der Eisengehalt um 15% und der Phosphorgehalt um 9%. Bei den Vitaminen Riboflavin und Ascorbinsäure war ein deutlicher Rückgang zu verzeichnen, während der Proteingehalt leicht zurückging. Ähnliche Rückgänge wurden auch bei den Nährstoffen in Weizen beobachtet. Was ist passiert?

Während die Grüne Revolution dazu beitrug, den Hunger in der Welt zu bekämpfen, haben wir es heute mit einem globalen Lebensmittelsystem zu tun, das in einigen Fällen darauf ausgelegt ist, Kalorien und kosmetische Perfektion zu liefern, aber nicht unbedingt Nährstoffe. Dies trägt zu einem Phänomen bei, das als „versteckter Hunger“ bekannt ist: Die Menschen fühlen sich satt, sind aber möglicherweise nicht gesund, weil ihr Essen viele Kalorien, aber wenig Nährstoffe enthält. Es mag zunächst widersinnig klingen, aber übergewichtige Menschen können einen Nährstoffmangel aufweisen. Kann man also die Nährstoffqualität unserer Lebensmittel wiederherstellen?

Bodengesundheit fördern

Forschungsresultate deuten darauf hin, dass je mehr Pilze und Mikroben im Boden aktiv sind, desto besser können die Nährstoffe in die Pflanzen und in unsere Lebensmittel gelangen. Mit anderen Worten: Ein Boden, in dem es von Pilzen und Bakterien nur so wimmelt, ist besser in der Lage, Nährstoffe in eine Form aufzuspalten, welche die Pflanzen leichter aufnehmen können.

Der Einfluss von Mykorrhizapilzen ist so gross, dass er kommerziell genutzt wird, um die Produktivität von Pflanzen zu verbessern. Wenn dieses kommerziell hergestellte Pulver zur Beschichtung von Wurzeln oder Saatgut verwendet wird, haben die daraus resultierenden Auswirkungen auf die Ernteerträge einige Landwirte dazu veranlasst, diese bemerkenswerten Pilze künstlichen Agrochemikalien vorzuziehen.

Der US-amerikanische Landwirt Cory Atley bewirtschaftet 8’000 Hektar Mais- und Sojabohnenanbaufläche in Ohio und hat den Einsatz von Inokulanzien getestet: „Wir versuchen wirklich, uns auf die Bodengesundheit zu konzentrieren, und wenn man den Aspekt der Bodengesundheit in den Griff bekommt, wird sich das auf die Pflanzengesundheit auswirken. Wir verwenden immer noch synthetischen Dünger, aber immer weniger, etwa 25% weniger. Wir versuchen, mehr von dem aufzubrechen, was bereits in unserem Boden vorhanden ist, anstatt dem Boden ständig mehr hinzuzufügen.“

Landwirte für Nährstoffertrag bezahlen

Was wir brauchen, ist ein Lebensmittelproduktionssystem, das den Nährstoffgehalt von Lebensmitteln überwacht und allgemein vergleichbar macht, und ein Handelsmodell, das den Nährstoffgehalt über alles andere stellt. „Die Landwirte müssen für den tatsächlichen Nährstoffertrag bezahlt werden, nicht nur für die Masse der Produkte. Das derzeitige Modell, bei dem pro Tonne Getreide bezahlt wird, ist aus Sicht der menschlichen Gesundheit nicht sinnvoll“, sagt McGrath, Professor für Boden- und Pflanzenwissenschaften bei Rothamsted Research in England.

Der Beitrag schliesst mit dem Hinweis, dass Zusammenhänge zwischen Ernährung und Landwirtschaft komplex sind und vieles noch nicht vollständig verstanden ist. Es brauche noch mehr Forschung. Aber angesichts von mehr als zwei Milliarden Menschen weltweit, die von Mikronährstoffmangel betroffen sind, könnte die Verfolgung der Spur der Nährstoffe sehr viel Gutes bewirken.

Weitere Verluste in der Lebensmittelindustrie

Heidi meint: „Zusätzlich zu diesem Verlust gehen bei der Herstellung von verarbeiten Lebensmittel weitere Nährstoffe verloren, z.B. Backwaren. Heidi kauft Getreidekörner und mahlt sie unmittelbar vor dem Brotbacken. Solches Brot ist aromatischer und nährstoffreicher. Wenn die nährstoffreichen Keimlinge in einer industriellen Mühle auch vermahlen würden, dann wäre das Mehl nicht lange haltbar.“

Mykorrhiza in der Schweiz

Etwa 80% aller Landpflanzen können mit arbuskulären Mykorrhiza-Pilzen in Symbiose leben und so z.B.  ihre Versorgung mit Phosphor sichern. Das ist besonders wichtig, da weltweit die Phosphorvorräte am Versiegen sind.

Im Schweizer Biolandbau sind Mkorrhiza längst ein Thema, genauso wie die Bodengesundheit. Das ist wichtig, da keine Mineraldünger eingesetzt werden dürfen. Auf der Hilfsmittelliste 2022 für den biologischen Landbau in der Schweiz sind drei Mykorrhiza-Produkte aufgeführt.

Ein Anwendungsbeispiel zeigt das Forschungsinstitut für Biologischen Anbau (FiBL): Vielerorts sind Hochstammobstbäume im besten Ertragsalter mit abgestorbenen Ästen und Trieben, wenig Zuwachs oder abgehende Bäume anzutreffen. Die Ursachen sind vielfältig. Eine oberflächliche Düngung ist für Bäume oft wenig zielführend. 2018 wurden in einem Versuch mit einem Bodenrevitalisierungsgerät spezifische Mykorrhiza-Pilzsporen und Bakterienstämme zugeführt, kombiniert mit einer physikalischen Bodenlockerung durch Einpumpen von Luft in den Wurzelraum der Bäume. Mit der Erhöhung der Artenvielfalt an Mykorrhizen und Bakterien, welche sich gegenseitig positiv beeinflussen, soll die Nährstoffverfügbarkeit erhöht und das Wurzelwachstum verbessert werden.

Andermatt Biocontrol, der Schweizer Pionier im biologischen Pflanzenschutz, schreibt über die Wirkungsweise von Lalrise Max, einem Produkt, das keimfähige Sporen von Arbuskulären Mykorrhiza-Pilzen enthält: Mykorrhiza-Pilze (Glomus intraradices) gehen mit der Pflanzenwurzel eine symbiotische Beziehung ein. Dies ermöglicht eine bessere Erschliessung der Nährstoffe und des Wassers im Boden und beeinflusst die Bodenstruktur. Der positive Einfluss auf das Pflanzenwachstum ist vor allem bei mehrjährigen Kulturen sichtbar. Die stressbedingte Schwächung von Kulturpflanzen an Extremstandorten kann deutlich reduziert werden.

Schweizerischen Sammlung von Mykorrhizapilzen

Das Interesse an diesen Pilzen hat von Seiten der Forschung sowie der Industrie und der Öffentlichkeit in den letzten Jahren stark zugenommen. Aus diesem Grund ist die landwirtschaftliche Forschungsanstalt Agroscope am Aufbau einer schweizerischen Sammlung von Mykorrhizapilzen, um Anwender, Produzenten und Forscher mit verschiedensten Mykorrhizapilzen bedienen zu können.

Das Agroscope-Service-Center für Mykorrhizapilze bietet eine Reihe von Dienstleistungen an:

  1. Bestimmung der Mykorrhiza-Arten und der Sporendichten
  2. Qualitätskontrolle von kommerziellem Mykorrhiza-Inokulum
  3. Bestimmung des Wurzelbesiedlungsgrads und des Infektionspotentials der Kulturpflanzen mit Mykorrhizapilzen.
  4. Verkauf von Mykorrhizainokulur

Die landwirtschaftliche Beratungszentrale Agridea hat ein Merkblatt über Mykorrhiza herausgegeben: Bauer sucht Pilz – Eine fruchtbare Beziehung. Die Bedeutung der Mykorrhizapilze für die Landwirtschaft verstehen – Massnahmen zur Förderung kennenlernen.

HobbygärtnerInnen setzen ebenfalls Mykorrhiza-Pilze ein.

Mykorrhiza in Deutschland und Österreich

Auch in Deutschland und Österreich werden Mykorrhizapilze erforscht. Die Resultate sind erfolgversprechend. Ein Beispiel: 2014 konnten Wissenschaftler der Universität für Bodenkunde Wien (BOKU) eher per Zufall einen Zusammenhang zwischen dem Befall von Blattläusen und dem Vorhandensein von Regenwürmern nachweisen. Blattläuse stehen demnach in funktioneller Beziehung zu Regenwürmern im Boden. Die Forscher sehen dabei auch einen Zusammenhang mit den Mykorrhizapilzen, wobei die Pflanze als eine Art Vermittler zwischen der Ober- und Unterwelt fungiert.

How modern food can regain its nutrients. Rachel Lovell, BBC

Die Geschichte vom aromatischen Brot. Heidis Mist 26.5.21

Landwirtschaft mit der Natur. Regenerative Landwirtschaft Diese Bauern produzieren ohne Pestizide. Netz Natur vom 10.12.20

Baumrevitalisierung mit Mykorrhizapilzen und Bakterien. BIOaktuell 24.6.19

Soziales Netzwerk im Boden. Medienmitteilung Agroscope 3.12.9

Schweizerische Sammlung für Arbuskuläre Mykorrhizapilze (SAF). Agroscope

Faszination Regenwurm. Bodenfruchtbarkeitsfonds

Symbiose sorgt für Phosphor – Ein Pilz wirft pflanzliche Protonenpumpe an. Pflanzenforschung.de 4.6.14

Frühling ??????? ??????? ??????? ??????? ??????? ??????? ??????? ??????? ??????? ?

Dear Scientist and Friend in Kyiv. While the war continues in your country, the first daffodils are blooming in some places here. There are meadows full of gentian and daffodils. I wish you peace. Heidi

Dear Scientist and Friend in Kyiv. While the war continues in your country, the first daffodils are blooming in some places here. There are meadows full of gentian and daffodils. I wish you peace. Heidi

7.5.22 HOME

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Eigentlich würde 1 Label genügen

23. Februar 2022
Spargeln aus Mexiko. Copyright: Ferdinand

Spargeln aus Mexiko. Copyright: Ferdinand

Der Label-Salat wird immer grösser. Wie soll man sich da zurechtfinden? Heidi hat eine Idee: Nur 1 Label bitte! Alle sagen ja, was sie verkaufen sei nachhaltig. Grossverteiler erhalten sogar Auszeichnungen für Nachhaltigkeit. Auch die Bauernschaft besteht darauf, dass ihre Produkte nachhaltig seien.

Also nehmen wir sie alle doch beim Wort, schaffen wir ein einziges Label, eines, das ECHT Nachhaltigkeit zertifiziert, ECHT zertifiziert! Natürlich müssten dann auch die importierten Waren ECHT nachhaltig sein. So könnte man mit dem Label einfach unterscheiden was aus der Schweiz kommt und was importiert wird. Also Transparenz und keine Qual der Wahl. 1 Label und 1 WIRKSAME Kontrolle.

Die neueste Schnapsidee∗ stammt von Agroscope: Ein Klima-Label! Das heisst, wir KonsumentInnen wüssten endlich, wie stark wir mit unserem Kaufverhalten das Klima und somit uns selber schädigen, sofern die Bewertung korrekt ist. Dann hätten wir die Wahl, Produkte, die mehr oder weniger schlecht für das Klima sind, zu wählen und das bei mehreren Produktionsarten wie Bio oder Bio-Knospe oder IP Suisse oder konventionell oder Demeter usw., denn die Produktionsart sagt zu wenig aus über die Klimawirkung.

Die viel gelobte, nicht funktionierende Eigenverantwortung müsste in erster Linie für Händler gelten, besonders für unsere Grossverteiler, die z.B. im Winter viele klimaschädlichen Gemüse und Früchte aus aller Welt verkaufen. Dann würden die Spargeln aus Peru, die Heidelbeeren aus Südafrika, die Himbeeren aus Spanien usw. rasch aus den Ladengestellen verschwinden – vielleicht.

Doch Halt! Was macht Ferdinand künftig? Er ernährt sich jetzt fast ausschliesslich von all den 50-Prozent-Aktionen „VERWENDEN statt VERSCHWENDEN“ für leicht verderbliche Produkte, die meist mit dem Flugzeug transportiert werden; ob mit oder ohne CO2-Kompensation spielt keine Rolle, denn die Zertifikate bringen in der Regel dem Klima wenig oder sogar nichts, nur den Verkäufern viel Geld. Armer Ferdinand! Er müsste einen fairen Preis für Saisongerechtes zahlen.

∗ Schnapsidee war Heidi gerade zuvorderst, weil SRF am Morgen in 100 Sekunden Wissen die Entstehung der Schnapsidee erklärte.

Nachtrag 23.2.22 – oder vom Humbug von Bewertungen!

Im saldo 3/2022 vom 15.2.21: «M-Check»-Sterne der Migros sagen wenig aus. „… Laut Migros mache der «M-Check» ­transparent, «wie nachhaltig das  ­bezeichnete Produkt ist». Ausschlaggebend sei, wie viel CO2 durch Herstellung, Transport und Verpackung ausgestossen werde … Mangos, Bananen, Erdbeeren und anderes Obst und Gemüse erhalten im «M-Check» die Bestnote von 5 Sternen – egal, wo und wie sie hergestellt, verpackt und transportiert wurden. Nur eingeflogene Produkte erhalten lediglich zwei Sterne … Die Migros bewertet die Produkte nicht einzeln, sondern fasst sie zu Gruppen wie «Äpfel» oder «Schokolade» zusammen. Deren Durchschnittswerte vergleicht sie dann mit der Klimabilanz des restlichen Sortiments. Es sei zu aufwendig, jedes Produkt einzeln zu bewerten, schreibt die Migros.“

Spargeln aus Peru«Muss Gemüse von so weither in die Schweiz importiert werden?» 20minuten 22.2.22

Spargeln aus Mexiko. Margreth Rinderknecht

Eingeflogen: Erdbeeren aus Spanien, Spargel aus Mexiko. Kochwerte

Warum sind Spargeln so teuer? Juckerfarm 18.4.17

23.2.22 HOME

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Alle Jahre wieder: Beginn Kraut- und Knollenfäule-Epidemie in Frühkartoffeln!

29. Mai 2021
Die Sorte Osira, Sortenblatt Agroscope, Swisssem uns Swisspatat.

Die Sorte Osira, Sortenblatt Agroscope, Swisssem und Swisspatat, 2018.

Vor mehr als 30 Jahren wurde an der landwirtschaftlichen Forschungsanstalt Zürich-Reckenholz (heute Agroscope) das Warn- und Prognosemodell PhytoPRE für die Kraut- und Knollenfäule der Kartoffel entwickelt und inzwischen laufend verfeinert. Heute gibt es auch Varianten für IP und Bio.

Seit Beginn der Aufzeichnungen von PhytoPRE brach die Pilz-Epidemie regelmässig in Frühkartoffelfeldern aus. Wenn die Folien weggenommen werden, dann nimmt der Wind die Sporen des Pilzes mit. Frühkartoffeln anbauen, vertreiben bzw. kaufen und essen ist höchst unökologisch und unfair gegenüber all den ProduzentInnen, die danach Pestizide spritzen müssen, wenn die Bedingungen (Feuchte, Temperatur) für die Entwicklung von Phytophthora infestans günstig sind, unfair auch uns KonsumentInnen gegenüber, welche die gespritzten Kartoffeln essen und von den höheren Spritzmittelkosten betroffen sind. Die Frühkartoffelanbauer hingegen kassieren einen höheren Preis, daher ist der Anbau beliebt!

2018 neu bewilligt: hoch anfällige Sorte Osira

Wie der Schweizer Bauer berichtet, ist auch dieses Jahr die Epidemie in einem Frühkartoffelfeld ausgebrochen, auf der Sorte Osira in Dorf ZH. Die Sorte Osira ist hoch anfällig für die Krautfäule und mittel anfällig für die Knollenfäule sowie anfällig für Krebs und hoch schlagempfindlich, also Gefahr für Food Waste. Sie wurde als „Verarbeitungssorte“ 2018 in die Sortenliste aufgenommen. Osira eignet sich für die Chipsherstellung. Hier finden Sie alle Eigenschaften von Osira.

Schweizer Bauer vom 22.5.21: „Die Produzenten sollten so schnell wie möglich eine Fungizidbehandlung durchführen, wenn der Krautfäulebefall im Umkreis von 5 km liegt.

Ab dem Abdecken müssen grundsätzlich alle Folienkartoffeln überwacht und mit einem teilsystemischen Fungizid geschützt werden, und auch die übrigen Kartoffeln sollten kontrolliert werden.

Infektionen müssen der kantonalen Fachstelle für Pflanzenschutz gemeldet werden oder an PhytoPre, Telefon 058 468 72 39 oder www.phytopre.ch.“

Heidi meint: „Die Abschaffung des Anbaus von Folienkartoffeln ist nicht im Aktionsplan zur Risikoreduktion und nachhaltige Anwendung von Pflanzenschutzmittel des Bundes enthalten. Also müssen wir KonsumentInnen vernünftigerweise auf Frühkartoffeln verzichten, selbst wenn sie als Aktion billig angeboten werden! Chips? Das ist ein extrem hoher Kartoffelpreis pro kg mit viel Verpackung (Abfall), also nur für seltene Anlässe sinnvoll! Wer eine Friteuse hat, kann sie auch selber frisch herstellen.

Und wieso wird eine so anfällige Sorte in den Sortenkatalog aufgenommen? Weil es die Industrie so will?“

Erste Krautfäule entdeckt. Schweizer Bauer vom 22.5.21

IG Zukunft Pflanzenschutz wirbt mit „falschen Fakten“. Heidis Mist vom 13.8.20

Folienkartoffeln verursachen höheren Pestizid-Einsatz im regulären Kartoffelbau. Heidis Mist vom 11.3.18

29.5.21 HOME

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Cancan mit Syngenta, Agroscope und Fenaco

12. Mai 2021

Unsere verführerische Landwirtschaftslobby

Im 2/4-Takt verführen Syngenta, Agroscope und Fenaco die Bauern.

Cancan entstand 1830 in Paris. Die berühmteste Musik zum Tanz schuf Jacques Offenbach in seiner Operette Orpheus in der Unterwelt, die 1858 Premiere hatte. Im Moulin Rouge gehört der Cancan bis heute zu den Attraktionen. Quelle: Wikipedia.

(GHT): Orpheus in der Unterwelt. Gerhard-Hauptmann-Theater

Bei den Abstimmungen zu Pestizid- und Trinkwasser-Initiative geht es nicht allein darum, ob wir unsere Umwelt und unsere Gesundheit besser schützen wollen. Beide Vorlagen sind eine Kampfansage an das mächtigste Kartell des Landes, den «agro-industriellen Komplex».

12.5.21 HOME

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Trinkwasserinitiative: Ökobilanzen sind auch als Waffen beliebt

3. Juli 2020

Mit den Ökobilanzen oder Lebenszyklusanalysen ist es so eine Sache, je nach Auftraggeber und Ziel kommt für fast dasselbe Untersuchungsobjekt ein ganz anderes Resultat aus der Box. Diese Art von Forschung lebt stark von den Faktoren, welche man einbezieht oder eben nicht. Viele Annahmen werden in ein Modell gefüttert, Annahmen, welche richtig oder falsch sein können.

Fazit der Agroscope-Studie

Agroscope, die landwirtschaftliche Forschungsanstalt des Bundesamts für Landwirtschaft (BLW) liess zum zweiten Mal eine Studie über die Auswirkungen der Trinkwasserinitiative erstellen. Resultat: „Die Studie hat gezeigt, dass die Massnahmen der Trinkwasserinitiative die Belastung von Gewässern in der Schweiz mit Pestiziden und Nährstoffen reduzieren und die Biodiversität im Inland leicht verbessern können. Im Gegensatz dazu nimmt die Umweltbelastung im Ausland stark zu, verursacht durch steigende Nahrungsmittelimporte. Die Verbesserung der Wasserqualität in der Schweiz muss also mit teilweise deutlichen TradeOffs in den Herkunftsländern der Importe erkauft werden. Die TWI-Massnahme «Pestizidverzicht» allein hätte weniger starke Trade-Offs; diese werden vor allem durch die Massnahme des reduzierten resp. extensivierten Tierbestandes verursacht.“

Agroscope publiziert Studie zu Umweltfolgen der Trinkwasserinitiative, Medieninformation Agroscope vom 3.7.20

Vision Landwirtschaft: Mit Tricks zum gewünschten Resultat

Bereits die erste Agroscope-Studie wurde analysiert und kritisiert. Vision Landwirtschaft hat nun auch die zweite Studie unter die Lupe genommen und viele Mängel gefunden, welche die Trinkwasserinitiative in ein schlechtes Licht rücken.

Vision Landwirtschaft: „Punktgenau zu den Verhandlungen der WAK-Ständerat zur Trinkwasserinitiative (TWI) veröffentlichte die Forschungsanstalt Agroscope heute ihre zweite Analyse zu den Auswirkungen der Trinkwasserinitiative.

Doch nicht nur mit ihrem exakten Timing macht Agroscope Politik. Auch der Inhalt ist mehr Politik als Wissenschaft. Die Studie bestätigt zwar eine Vorläuferstudie, die bereits feststellte: Eine Annahme der Trinkwasserinitiative würde in der Schweiz den Pestizideinsatz um zwei Drittel verringern und die Wasser- und Umweltqualität entsprechend massiv verbessern.

Mit der neuen Studie will Agroscope nun aber herausgefunden haben, dass die Trinkwasserinitiative letztlich eben doch schlecht für die Umwelt sei. Grund: die Schweiz müsste aufgrund verringerter Erträge mehr Nahrungsmittel importieren. Und jede aus dem Ausland importierte Kalorie sei massiv umweltschädlicher als die in der Schweiz produzierten Lebensmittel.

Um diese abenteuerliche Aussage zu belegen – mit der Agroscope im übrigen zahlreichen anderen Studien widerspricht – legt die Forschungsanstalt der Modellierung geradezu haarsträubende Annahmen zugrunde.“

Lesen Sie weiter: Wenn eine Forschungsanstalt Politik macht: Vision Landwirtschaft distanziert sich von Agroscope-Studie zur Trinkwasserinitiative, Vision Landwirtschaft vom 3.7.20

Fachleute und WissenschaftlerInnen unterstützen die Trinkwasserinitiative

4aqua - Die Stimme des Wassers

4aqua – Die Stimme des Wassers

4aqua: „Wir sind Fachleute und WissenschaftlerInnen, die tagtäglich die Belastung unserer Trinkwasserressourcen und Gewässer zu sehen und spüren bekommen. Den durch Pestizide und andere Schadstoffe verursachten dringenden Handlungsbedarf können wir aus erster Hand bestätigen. Deshalb haben wir uns zusammengeschlossen. Damit unser Wasser eine faktenbasierte, politische Stimme und einen wirksamen Schutz erhält.“

Wir unterstützen die Trinkwasserinitiative, weil… Lesen Sie hier weiter.

4aqua – die Stimme des Wassers

Wenn Fachleute laut werden müssen: 4aqua fordert griffigeren Schutz der Schweizer Gewässer und Trinkwasserressourcen. Medienmitteilung vom 30.6.20

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Unverantwortlich: Lernende spritzt Duplosan KV-Combi ohne Schutzhandschuhe und -brille

19. Juni 2020

In der Rubrik "Was die Lernende diese Woche erlebt hat" schildert Mirjam Schnider in der Bauernzeitung vom 19.6.20 wie sie auf einer Alp Blacken und Germer mit Duplosan KV-Combi bekämpft hat. Walter K. hat Heidi diesen Artikel zugestellt.

In der Rubrik „Was die Lernende diese Woche erlebt hat“ schildert Mirjam Schnider in der Bauernzeitung vom 19.6.20 wie sie auf einer Alp Blacken und Germer mit Duplosan KV-Combi bekämpft hat. Walter K. hat Heidi diesen Artikel zugestellt.

Diplosan KV-Combi ist für die Bekämpfung von Disteln, giftigen Kreuzkräutern und Germer zugelassen und hat eine Teilwirkung gegen Blacken (Rumex-Arten). Für die Einzelstockbekämpfung mit einer 1%-igen Lösung wie sie Mirjam Schnider betrieben hat, bestehen folgende Gefahrenkennzeichnungen:

  1. Nachfolgearbeiten in behandelten Kulturen: bis 48 Stunden nach Ausbringung des Mittels Schutzhandschuhe + Schutzanzug tragen.
  2. Beweidung oder Schnitt (Grünfutter oder Konservierung) frühestens 3 Wochen nach der Behandlung. Ausnahme: Für nicht laktierende Tiere beträgt die Wartefrist 2 Wochen.
  3. Ansetzen des Mittels: Schutzhandschuhe + Schutzanzug + Schutzbrille oder Visier tragen. Ausbringen des Mittels: Schutzhandschuhe + Schutzbrille oder Visier tragen.

Schnider beschrieb nicht wie sie das Mittel angesetzt hatte, ob mit oder ohne die erforderlichen Schutzmassnahmen wie Schutzanzug. Das Foto zeigt, auch wenn es etwas unscharf ist (siehe Nachtrag vom 20.6.20), dass sie beim Spritzen keine Schutzhandschuhe und -brille trug. Es ist die Aufgabe des Lehrmeisters, die Lernende zu instruieren, sie auf die Gefahren aufmerksam zu machen und die Massnahmen zu ihrem Schutze zu treffen. Die Gesundheit von Mirjam Schnider wird bei dieser Herbizid-Spritzaktion fahrlässig aufs Spiel gesetzt.

Weidetiere (und Wildtiere!) meiden zwar giftige Pflanzen wie den Germer, aber wenn diese welken, dann erkennen sie die Giftpflanzen nicht mehr. So schreibt die Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen vor, dass die Flächen nach Herbizidbehandlung erst nach vollständigem Absterben und Verfaulen der Pflanzen beweidet werden dürfen.

Duplosan KV-Combi, Pflanzenschutzmittelverzeichnis Bundesamt für Landwirtschaft, Stand 19.6.20. Der "Name des sensibilisierenden Stoffes" ist nicht vermerkt. "Wieso?", frägt sich Heidi.

Duplosan KV-Combi, Pflanzenschutzmittelverzeichnis Bundesamt für Landwirtschaft, Stand 19.6.20. Der „Name des sensibilisierenden Stoffes“ ist nicht vermerkt. „Wieso?“, frägt sich Heidi.

Man verweist auf Gesetze, Vorschriften, Kontrollen … doch in der Praxis sieht vieles anders aus.

Wann kommt das Herbizid-Verbot für Alpen?

Heidis Frage: „Ist dieser Lehrmeister ausreichend ausgebildet für die Ausbildung von Lernenden? Überhaupt, wäre es nicht endlich an der Zeit, die Herbizidspritzerei auf Alpen zu verbieten, zum Schutze der Wildtiere, des Bergwassers, der Umwelt, der Spritzenden? Denn es geht auch ohne!“

„Ein Kurs des Forschungsinstituts für Biologischen Landbau (FiBL) zeigte auf, wie Problempflanzen auf Alpen bekämpft werden können. Natürlich ohne Gift. Denn die immer öfter angewandte Chemiekeule ist weder von dauerhafter Wirkung, noch passt sie zur Naturvielfalt der Alpweiden.“

Problempflanzen auf Alpen

PaturaALPINA informiert über die Bekämpfung von Problempflanzen. So ist etwa zu lesen: „Da ein Germeraufkommen hauptsächlich aufgrund von Unternutzung, zu später Nutzung und / oder unregelmässiger Nutzung auftritt, ist eine rein chemische Regulierung ohne Bewirtschaftungsanpassungen nicht empfehlenswert. Um das Problem der Germerausbreitung an der Wurzel anzupacken, ist eine chemische Regulierung nur in Kombination mit Bewirtschaftungsanpassungen zu empfehlen.“

DigiPlanAlp ist ein Verbundprojekt zum Thema „Problempflanzen auf Alpen“ zwischen Agridea, FiBL, Agroscope und dem Büro Alpe. Im Auftrag des BLW’s wird das bestehende praktische und theoretische Wissen im Umgang mit Problempflanzen im Sömmerungsgebiet aufgearbeitet und digitalisiert. Die Inhalte werden auf dieser Website, in Kurzfilmen auf youtube und dem Agridea-App verbreitet und aktualisiert.

Nachtrag vom 20.6.20: Walter K. hat Heidi auf Anfrage eine besseres Foto geschickt. Darauf ist klar erkenntlich, dass Mirjam Schnider keine Handschuhe trägt, auch keine durchsichtigen.

PaturaALPINA

Bekämpfung des Weissen Germers, Bioaktuell vom 15.4.20

Empfehlungen zum Pflanzenbau und Pflanzenschutz, Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, 23.3.20

Heidis 28 Artikel über Herbizide auf Alpen

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Der Boden – nur ein Hauch Erdgeschichte (2)

10. Mai 2020

Rheintal, eine von vielen "Entwicklungsregionen".

Rheintal, eine von vielen „Entwicklungsregionen“.

Fünf Jahre sind verstrichen seit dem JA von National- und Ständerat für ein Nationales Kompetenzzentrum Boden. Schon vor 50 Jahren wurde über den dringenden Erhalt der Fruchtfolgeflächen geredet, und der massive Bodenverbrauch stand am Pranger.

Erst vor bald 20 Jahren dezimierte das Bundesamt für Landwirtschaft in der ersten Reorganisation der landwirtschaftlichen Forschungsanstalten die Bodenforschung, besonders die Bodenkartierung, der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Agrarökologie und Landbau (heute Agroscope) in Zürich-Reckenholz. Heute liest Heidi in einer Medieninformation des Bundesrates: „Der Bundesrat hat deshalb die beteiligten Ämter beauftragt, ein Konzept für eine schweizweite Bodenkartierung auszuarbeiten.“ Gut so! Aber der „Forschungsunterbruch“ bedeutet auch Verlust von Erfahrung, Wissen … und Tempo.

Und darf man dem Bundesrat vertrauen, wo es doch viele Zielkonflikte mit seiner aktuellen Wachstumsstrategie gibt? Jede Strategie, jeder Aktionsplan für sich? Ohne Zusammenspiel? Lieber Bundesrat, das funktioniert nicht!

Bundesrat beschliesst Strategie und Massnahmen für die Ressource Boden. Medieninformation Bundesrat vom 8.5.20

Der Boden – nur ein Hauch Erdgeschichte. Heidis Mist vom 27.5.15

Vernetztes Denken, Frederic Vester, Wikipedia

Bauboom in der Schweiz Ein Land mauert sich zu: Aus Heidiland wird voralpiner Ruhrpott. Spiegel vom 9.11.7

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