Posts Tagged ‘Artensterben’

Roman Hüppi: Selbstversorgungsgrad neu denken!

8. Juli 2021
Copyright: Roman Hüppi

Copyright: Roman Hüppi

Der Selbstversorgungsgrad, wie er heute verstanden wird, ist ein gern zitiertes Relikt aus früheren Zeiten und wird politisch missbraucht. Eigentlich keine ernst zu nehmende Zahl, meint Heidi. Zudem gehen die Bauern von der irrigen Meinung aus, dass sie agrarpolitisch im Zentrum sind; sie haben heute auch weitgehend das Sagen WAS WIE produziert wird. Die Bauern sind zwar wichtig, aber übergeordnet sind die Ernährung der in der Schweiz lebenden Bevölkerung und die Umwelt. Wir haben ein Bundesamt für Landwirtschaft statt ein Bundesamt für Ernährung.

Es ist höchste Zeit, das wenig aussagekräftige Mass „Selbstversorgungsgrad“ zu überdenken. Genau dies hat Roman Hüppi von der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETHZ), Nachhaltige Agrarökosysteme, getan. Er sagt: „Der Selbstversorgungsgrad beurteilt die Leistung des Agrarsektors im Licht der Ernährungssicherheit. Den aktuellen Herausforderungen der Landwirtschaft wird er aber nicht gerecht.“

Ein Update für den Selbstversorgungsgrad

Roman Hüppi: „… Ernährungssicherheit ist in der Schweiz seit jeher ein wichtiges Ziel. Für aktuelle Krisen ist der klassische Selbstversorgungsgrad meiner Ansicht nach aber eine zweifelhafte Referenz: Im Kontext von Klimawandel, Artensterben und ernährungsbedingten Volkskrankheiten ist seine Aussagekraft beschränkt. Für die anstehende Debatte schlage ich vor, diesen wichtigen Gradmesser der Landwirtschaft an heutige Herausforderungen anzupassen.

Gemäss Bund beträgt der Schweizer Brutto-​Selbstversorgungsgrad der letzten Jahre etwa 60 Prozent.1 Berücksichtigt man, dass rund ein Viertel der Tierproduktion auf importierten Futtermitteln (jährlich 1.4 Millionen Tonnen) beruht, sinkt der Netto-​Wert auf 50 Prozent. Die andere Hälfte importieren wir. Hoch selbstversorgend sind wir bei tierischen Nahrungsmitteln (Milchprodukte 115 %, Fleisch 80 %). Bei pflanzlichen Produkten ist die Schweiz mit 40 Prozent hingegen eher selbst-​unterversorgt. Gerechnet wird in Nahrungsenergie.

Diese Metrik entstand in der Not der Weltkriege und ist eindimensional auf die Produktion von Kalorien getrimmt. Aus Sicht der Versorgung macht es Sinn, möglichst viele Nahrungsmittel im Inland zu produzieren. Bis heute lässt sich jede weitere Intensivierung der Landwirtschaft mit dem steigenden Selbstversorgungsgrad legitimieren.“

Weitere Informationen und die folgenden Kapitel finden Sie im Zukunftsblog der ETH:

  • Auf Kalorienproduktion getrimmt
  • Selbstversorgend – dank importierter Energie
  • Wir ernähren uns nicht nur von Kalorien

Im Folgenden noch das letzte Kapitel:

Welche Landwirtschaft wollen wir?

„Für mich ist klar: Die Landwirtschaft von morgen muss nachhaltig sein und mehrere Funktionen erfüllen. Sie muss die Menschen sicher mit gesunden Nahrungsmitteln versorgen, das Klima und das Kulturland schützen und die Biodiversität bewahren.

Wir sollten den Selbstversorgungsgrad für diese multifunktionale Landwirtschaft neu denken. Damit wäre diese zentrale Kennzahl auch für heutige Krisen relevant. Und könnte helfen, produktive und ökologische Interessen in der Agrarpolitik zu vereinen.“

Referenzen

1 Agrarbericht 2020: Selbstversorgungsgrad https://www.agrarbericht.ch/de/markt/marktentwicklungen/selbstversorgungsgrad

2 Vision Landwirtschaft: Faktenblatt Nr. 5 (2015): Multifunktionale Landwirtschaft.

3 Guggenbühl 2017: https://www.infosperber.ch/wirtschaft/landwirtschaft/die-​minus-kalorien-der-schweizer-landwirtschaft/

Ein Update für den Selbstversorgungsgrad. Roman Hüppi, Zukunftsblog ETHZ vom 16.6.21

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Schutz vor Pestiziden bis zur Unkenntlichkeit verwässert: Jetzt braucht es ein Ja zur Trinkwasserinitiative

15. Oktober 2020
Grünliberale sagen JA zur Trinkwasserinitiative.

Grünliberale sagen JA zur Trinkwasserinitiative.

Medienmitteilung grünliberale vom 14.10.20:

Das Schweizer Trink- und Grundwasser ist stark mit Pestiziden belastet. Viele Gewässer und Böden sind zudem überdüngt. Die Folgen sind irreversible Schäden am Ökosystem wie Artenstreben und eine Vergiftung unseres Trinkwassers. Zum Schutz von Biodiversität und Gesundheit braucht es dringend Gegensteuer. Bundesrat und Parlament betreiben seit Jahren ein Trauerspiel. Das neuste Kapitel: Die Wirtschaftskommission des Nationalrats hat der Gesetzesrevision zum Gewässerschutz die letzten Zähne gezogen. Ein Ja zur liberal formulierten Volksinitiative «Für sauberes Trinkwasser und gesunde Nahrung» im kommenden Jahr wird somit zwingend.

Seit Jahren wird die zu hohe Belastung unseres Grund- und Trinkwassers mit Pestiziden und Stickstoffüberschüssen immer wieder belegt. Beispielsweise mit der im April 2017 erschienenen Studie der Eidgenössischen Anstalt für Wasserversorgung, Abwasserreinigung und Gewässerschutz (Eawag). Schweizer Kleingewässer weisen eine Vielzahl von Herbiziden, Fungiziden und Insektiziden in zu hohen Konzentrationen auf.

Trotz diesem eindeutigen Handlungsbedarf hat die Wirtschaftskommission des Nationalrats (WAK-N) die Massnahmen dagegen (19.475 Pa.Iv. WAK-SR) nicht verbessert, sondern im Gegenteil weiter verwässert. Weder sollen konkrete Ziele gegen die Überdüngung im Gesetz verankert werden noch die Branche die Pflicht genommen werden. Auch bei den Pestiziden wurde eine entscheidende Schwächung beschlossen, welche ähnliche Schadensfälle wie jüngst mit Chlorothalonil weiter zulässt. Dem Gesetzesprojekt wurden dadurch noch die letzten Zähne gezogen, ein Ja zur Trinkwasserinitiative ist somit zwingend.

Medienmitteilung der Umweltorganisationen 14.10.20

Sauberes Trinkwasser hat für die Kommission des Nationalrats keine Priorität

Aller alarmierenden Befunde aus der Wissenschaft zum Trotz: Eine Mehrheit der Wirtschaftskommission des Nationalrats will das Trinkwasser nicht wirksamer vor Pestiziden und Nährstoffen schützen.

Trinkwasserinitiative (TWI)

Hier geht’s zur Homepage!

15.10.20 HOME

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Bergwanderin fotografiert Löwenzahnwiese

30. April 2020

Löwenzahnwiese auf der Haggenegg SZ. Copyright: Henriett V.

Löwenzahnwiese auf der Haggenegg SZ. Copyright: Henriett V.

Ausflüge in die Berge sind im Moment besonders beliebt, denn Abstandhalten ist hier einfacher als in der Stadt. Henriette war gestern mit ihrem Freund und Hund Rocky auf der Haggenegg, 1450 m ü.M. Extra für Heidi hat sie diese beiden Fotos gemacht und geschrieben: „Man sieht gut die Grenze zwischen intensiv bewirtschafteten Flächen und der übrigen Alp“.

Herzlichen Dank, Henriett!

Löwenzahnwiese auf der Haggenegg SZ. Copyright: Henriett V.

Löwenzahnwiese auf der Haggenegg SZ. Copyright: Henriett V.

Artensterben in Zürich – Insekten finden immer weniger Nahrung. SRF vom 27.4.20

Auf grünen Fettwiesen verhungern Insekten, Eva Caflisch, Seniorenweb vom 28.4.20

30.4.20 HOME

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Palmöl: Argumente des Bundesrats auf wackligen Beinen

27. Juni 2016

All das Gerede um angeblich nachhaltiges Palmöl ändert nichts an der Tatsache, dass weiterhin hemmungslos Urwald abgeholzt wird. Copyright Astrid Walz.

All das Gerede um angeblich nachhaltiges Palmöl ändert nichts an der Tatsache, dass weiterhin hemmungslos Urwald abgeholzt wird. Copyright Astrid Walz.

„Der Bundesrat ist sich der ökologischen und sozialen Probleme im Zusammenhang mit der Palmölproduktion bewusst und engagiert sich in dieser Frage auf verschiedenen Ebenen. Er hebt in diesem Zusammenhang auch die Komplexität dieser Problematik hervor, insbesondere angesichts der grossen Bedeutung des Palmölanbaus für die Beschäftigung und die Armutsbekämpfung in den ländlichen Gebieten der Produktionsländer fest…“ So beginnt die ablehnende Stellungnahme des Bundesrats vom 22.6.16 zur Motion 16.3332 von SVP-National Jean-Pierre Grin, welche verlangt, dass der Bundesrat bei den Verhandlungen mit Malaysia Palmöl vom Freihandelsabkommen ausnimmt.

Es wäre ehrlicher, wenn der Bundesrat schriebe: „… insbesondere angesichts der grossen Bedeutung des Palmöls für unsere Lebensmittelindustrie, denn es ist billig (billiger als Schweizer Rapsöl) und lässt sich leicht verarbeiten. Diese Vorteile wiegen die Nachteile in den Produktionsgebieten bei Weitem auf, die da sind: Landgrabbing, Verdrängen der einheimischen Lebensmittelproduktion, Bodenzerstörung, Pestizide, Gewässerverschmutzung, Luftverschmutzung durch Brandrodung, Klimaveränderung, Urwaldzerstörung, Zerstörung des Lebensraums der Orang-Utan und zahlreicher weiterer vom Aussterben bedrohten Arten. Was die Schweizer KonsumentInnen anbetrifft, übernimmt der Bundesrat die volle Verantwortung für die gesundheitlichen Auswirkung des Palmöls …“

Die einheimische Bevölkerung leidet – nur wenige helfen ihr wirklich

Gefällter Meranti-Baum. Die Nüsse dieser Bäume liefern ein hochwertiges Öl. Copyright: Astrid Walz

Gefällter Meranti-Baum. Die Nüsse dieser Bäume liefern ein hochwertiges Öl. Copyright: Astrid Walz

Entgegen den Behauptungen des Bundesrates geht es der Bevölkerung gerade wegen des Palmöls schlecht. Astrid Walz (Name von der Redaktion geändert) schrieb Heidi kürzlich Folgendes:

Die grosse Überschwemmung ist vorbei, und die Baumaschinen fahren wieder auf. So wie es aussieht, wird die Regenzeit immer kürzer, dafür sind die Regenfälle heftiger. Der Boden kann wegen der Entwässerungsgräben in den Palmölplantagen immer weniger Wasser speichern. Die Trockenzeit wird immer länger, und es wird nicht mehr lange gehen, bis wir wieder von Busch-Wald und Torf-Bränden hören werden und die verschmutzte Luft uns krank macht.

Die Auswirkungen auf den verbleibenden Wald „Agroforest“ sind sichtbar, die letzten grossen Bäume können gefällt und abtransportiert werden, etwa ein Meranti-Baum (Foto), dessen Früchte ein wertvolles Öl enthalten, die vielseitig verwendbare Illipébutter, welche z.B. von Lush als Hautpflegemittel gepriesen wird.

Wir kämpfen weiter für unsere Zukunft, für unsere Lebensgrundlage.

Liebe Grüsse Astrid

In seinem Blog vom Januar 2014 schildert Willie Smits, wie es den Dajak bei ihrem Kampf gegen die Palmölfirmen geht und welche miesen Tricks die Palmöl-Gesellschaften anwenden. Willie Smits ist Tierschützer und Forstwissenschaftler. Auf Borneo (Indonesien) gründete er 1991 die Borneo Orangutan Survival Foundation (BOS), die weltweit grösste Organisation zum Schutz der unmittelbar vom Aussterben bedrohten Orang-Utans, Quelle Wikipedia. 2001 gründete Smits die Masarang Foundation zur Bekämpfung von Abholzung, Artensterben und Kinderarmut.

„… Aber trotz ständiger Erinnerungen und Besuchen bei vielen Regierungsstellen wurde keines der Versprechen gehalten und dann schickten die Firmen die Bulldozer zurück und fingen wieder an mit dem Abholzen, auch wieder in dem wunderschönen Wald, der von den Menschen geschützt wurde und auf Land, auf dem sie keinerlei Rechte hatten. Natürlich wird der RSPO, wenn er nachfragt, von den Firmen hören, dass die Arbeiter, die mit Kettensägen in diese Wälder eindringen, nur lokale Einheimische seien. Aber es kommen alle aus der Sambas-Region, einem Gebiet nahe der Küste, das bekannt ist für seine erfahrenen Kettensägen-Arbeiter, die von fast allen Palmöl-Firmen angeheuert werden, um die Drecksarbeit in West-Kalimantan zu machen! …

… Ich hörte wieder mal von so vielen schmutzigen Tricks, die diese Firmen routinemässig anwenden, dass es mich absolut wütend machte, dass es anscheinend keine Möglichkeit gibt, dass ein Aussenstehender einen wirklichen Umschwung für die lokalen Dajak bewerkstelligen kann, die nach dem Gesetz, sogar dem Grundrecht des Staates Indonesien, Rechte an ihren traditionellen Wäldern haben. Um diese Rechte zu zerstören, muss man ihre Kultur zerstören. Und genau das passiert gerade in grossem Stil.“

Palmöl: Der anhaltende Kampf der Seberuang Dajak, Netzfrauen, 18.2.14

Der Strassenbau fördert Erosion und Gewässerverschmutzung. Copyright: Astrid Walz.

Der Strassenbau fördert Erosion und Gewässerverschmutzung. Copyright: Astrid Walz.

Gegen die Korruption anzukommen, ist fast unmöglich.

Interview von Dagny Lüdemann mit dem Wissenschaftler Tampung Saman. Saman kämpft auf Borneo gegen die Zerstörung des Regenwalds. Er berichtet über Erfolge und Widerstände. Meine Heimat wurde vernichtet, ZEIT ONLINE, 20.11.9.

Gesundheitsrisiko Palmöl

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) warnt vor Palmöl: „Prozesskontaminanten auf Basis von Glycerin, die in Palmöl, aber auch anderen Pflanzenölen, Margarinen und einigen verarbeiteten Lebensmitteln enthalten sind, geben Anlass zu möglichen Gesundheitsbedenken für Verbraucher in jüngeren Altersgruppen, die durchschnittliche Mengen dieser Lebensmittel verzehren, sowie für sämtliche Altersgruppen bei grossen Verzehrmengen.“

Die in diesen Produkten enthaltenen Glycidyl-Fettsäureester (GE) sind genotoxisch und kanzerogen. „Die GE-Exposition von Säuglingen, die ausschliesslich Säuglingsanfangsnahrung zu sich nehmen, ist besonders besorgniserregend, da sie den für die öffentliche Gesundheit als unbedenklich geltenden Wert bis zum Zehnfachen übersteigt.“

„Für die meisten Menschen trägt Palmöl wesentlich zur Exposition gegenüber 3-MCPD und 2-MCPD bei … Die Schätzwerte für die durchschnittliche und hohe Exposition gegenüber 3-MCPD (beide Formen) bei jüngeren Altersgruppen einschliesslich Jugendlicher (bis 18 Jahre) überschreiten den TDI-Wert (tolerierbare tägliche Aufnahmemenge) und sind potenziell gesundheitsbedenklich …“

Unser Bundesrat schreibt in seiner Antwort auf die Motion Grin: „Zu den gesundheitlichen Bedenken hat sich der Bundesrat bereits geäussert (vgl. Interpellation Hausammann 15.4125). Er ist der Meinung, dass Palmöl für die Konsumentinnen und Konsumenten kein Gesundheitsrisiko darstellt, solange diese die Empfehlungen der Schweizer Lebensmittelpyramide berücksichtigen.“ Wenn es um’s Geld geht, wird ausgeklammert, was nicht ins Schema passt. Zudem klaffen die Schweizer Agrarpolitik und Lebensmittelpyramide weit auseinander, siehe Erfolgreiches EU-Projekt Mittelmeer-Diät, Heidis Mist, 29.1.15.

Tengkawang-Fabrik – schonende Nutzung des Urwalds bringt Mehrwert

Bild aus dem Video über die Tengkawang-Fabrik, Solutions from the Jungle: The Tengkawang Factory. Copyright: Willie Smits

Bild aus dem Video über die Tengkawang-Fabrik, Solutions from the Jungle: The Tengkawang Factory. Copyright: Willie Smits

Der Urwald ist für die Einheimischen ein grosser Supermarkt. Er liefert ihnen Materialien und Lebensmittel. Was die Palmölplantagen am meisten verändert haben, das ist das Klima. Willie Smits und die Masarang Foundation helfen den Einheimischen, Mehrwert aus dem Urwald zu holen, indem sie die Tengkawang-Nuss der Meranti-Bäume sammeln und verarbeiten. Diese Bäume wachsen nur in einem Mischwald. Mit dem Unterhalt der Nussbäume wird auch der Wald geschützt und automatisch das Wasser, die Biodiversität und das Klima.

Die Einheimischen profitieren so am meisten. Eine kleine Investition bringt ihnen eine hohe Rendite. Wer Nüsse abliefert, erhält nicht nur einen guten Kilopreis, sondern auch sofort das Geld. Die Öl-Presse arbeitet bei 90°C. Nichts wird weggeworfen. Die Pressrückstände dienen als Futter für Fische, Hühner, Schweine. Der ausgeklügelte Holzofen nutzt auch das aus dem Holz entweichende Gas und liefert als Rückstand Pflanzenkohle statt Asche. Diese dient als Dünger in den Pflanzgärten. „Wir schauen, dass die Palmölplantagen nicht zu uns kommen … Die Natur gehört nicht nur uns, sondern der ganzen Welt“, sagt ein Einheimischer.

Solutions from the Jungle: The Tengkawang Factory, youtube 13:38, Project by Willie Smits and the Masarang Foundation.

Bedrohte Pflanzen und Tiere

Wo Agroforstwirtschaft betrieben wird, ist die Artenvielfalt noch relativ hoch. Copyright: Astrid Walz.

Wo Agroforstwirtschaft betrieben wird, ist die Artenvielfalt noch relativ hoch. Copyright: Astrid Walz.

Die Vielfalt von Flora und Fauna in den Urwäldern ist ausserordentlich hoch. Es ist wahrscheinlich, dass noch längst nicht alle Arten entdeckt worden sind. Werden wir je von diesen Tieren und Pflanzen hören, bevor der Palmöl-Boom sie für immer ausgelöscht hat?

„166 Pflanzenarten kommen nur im Dschungel von Borneo vor. Auch 35 von mehr als 200 verschiedene Säugetieren leben ausschliesslich auf Borneo, genau wie 35 Arten von Fischen. Ganz zu schweigen von der unglaublichen Vielfalt an Insekten, Amphibien und Reptilien, die sich in dem feuchtwarmen Klima im dichten Regenwald wohlfühlen.“ Dagny Lüdemann, Leiterin der Ressorts Wissen, Studium und Digital der ZEIT ONLINE, hat eine eindrückliche Galerie zusammengestellt. Bedrohte Vielfalt im Dschungel von Borneo: Auf Borneo leben einzigartige Arten. Wie lange noch?

In den Regenwäldern wächst etwa die seltene, hoch spezialisierte Riesenrafflesie (Rafflesia Arnoldii), welche vom Aussterben bedroht ist. Sie lebt als Parasit vollständig im Inneren ihrer Wirtspflanze. Erst wenn die Blütenknospen das Gewebe des Wirts durchbrechen wird sie sichtbar. Die Blüten sind die grössten des Pflanzenreichs: 1 m Durchmesser, bis 11 kg schwer. Am häufigsten wird sie in den Tropen von Indonesien gefunden.

Ein Elefantenkalb betrauert seine vergiftete Mutter. Copyright: picture alliance/dpa.

Ein Elefantenkalb betrauert seine vergiftete Mutter. Copyright: picture alliance/dpa.

Im Bundesstaat Sabah auf der Insel Borneo wurden Anfang 2013 vierzehn Borneo-Zwergelefanten vergiftet. Arbeiter einer Ölpalmplantage sollen Rattengift ausgelegt haben, um die Elefanten daran zu hindern, die Früchte der Palmen zu fressen. Doch verantwortlich ist vor allem Sabahs Premierminister Musa Aman, der immer mehr Konzessionen in Regenwaldgebieten vergibt, damit dort Monokulturen aus Ölpalmen wachsen – nicht selten zu seinem eigenen Vorteil…“, Malaysia opfert seine Elefanten für Palmöl, Rettet den Regenwald, Petition bis 24.4.15. Die Zwergelefanten stammen ursprünglich aus Java. Die auf Borneo lebenden 1’500 Elefanten sind die letzten Überlebenden ihrer Art. Wie kamen die Zwerg-Elefanten auf die Insel Borneo? Andreas Moser, SRF, 7.2.13.

Düstere Zeiten gibt es auch für den nachtaktiven „Sonnenbär“. Wenig weiss man über die Lebensweise und Verbreitung dieses Einzelgängers und kann daher seine Bestandesgrösse und Gefährdung nur schätzen. Sicher ist jedoch, dass die Bestände in den letzten Jahren abgenommen haben. Schuld daran sind vor allem: Vernichtung seines Lebensraums, Wilderei und illegaler Tierhandel.

Und der RSPO? 1. Sanktion / 1. Austritt

Obwohl die Anforderungen für das RSPO-Labels (Runder Tisch für nachhaltiges Palmöl) klein sind, werden sie oft nicht eingehalten. Bisher hatte der „Runde Tisch Palmöl“ noch nie sanktioniert. Auf Druck von Umwelt- und Gesellschaftsaktivisten wurde endlich zur Kenntnis genommen, dass der Grosskonzern IOI Urwälder zerstört, Torfland entwässert und in Borneo und Sarawak in Landkonflikte mit der lokalen Bevölkerung verwickelt ist (Landgrabbing). Per 4.4.16 nun wurde zum ersten Mal ein Konzern suspendiert: IOI. Dieser ist Lieferant von Nestle, Unilever, Mars, Kelloggs usw. und besitzt die grösste Palmöl-Raffinerie in Europa. Der Entscheid fiel Anfang April am Sitz des RSPO in Zürich. Top palm oil producer sues green group over deforestation allegations, The Guardian, 9.5.16.

Der Konzern ist weltweit tätig. Es ist daher nicht auszuschliessen, dass nicht nachhaltiges IOI-Palmöl als RSPO-zertifiziert auf Umwegen den Weltmarkt erreicht.

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Der RSPO hat 2’819 Mitglieder, nur 33 davon sind Non-Profit-Organisationen. Erstmals hat ein Mitglied den RSPO verlassen: Am 10.5.16 trat PanEco als Mitglied des RSPO zurück. „Wichtigster Treiber war ein neu eingeführter Artikel in der Resolution des RSPO, der, PanEco‘s Meinung nach, seine Mitglieder zwingt, den RSPO unhinterfragt als perfekten Service für die Gesellschaft zu bewerben. In der Realität bestehen jedoch viele Probleme: Einerseits verstiessen einige Mitglieder schwerwiegend gegen die RSPO-Richtlinien und Gründungsdokumente – Dies zeigen die zahlreichen Fälle, die im RSPO-Beschwerde-System dokumentiert sind. Andererseits wurden zahlreiche Berichte veröffentlicht, die ernsthafte Probleme innerhalb der Administration und in den internen Prozessen der Organisation aufzeigen…“ Nachhaltiges Palmöl, PanEco, 7.6.16.

Ein weiterer Grund ist die Untätigkeit des RSPO gegenüber Verstössen, dies auch im Falle der PT Sisirau (jetzt PT Ibris Palm), welche für schuldige befunden worden war, Orang-Utan-Lebensraum zerstört zu haben. Die Tiere verhungerten. PanEco resigns from RSPO over ‘sheer level of inaction’, Mongabay, 3.6.16.

Orang Utan Kaffee eignet sich bestens als Mitbringsel oder Geschenk.

Orang Utan Kaffee eignet sich bestens als Mitbringsel oder Geschenk.

Fazit

Es gibt nur wenig ECHT nachhaltiges Palmöl. Das sogenannt nachhaltige RSPO-Palmöl stammt im besten Fall von Urwaldflächen, welche bereits gerodet sind. Doch das möchten Bundesrat, Lebensmittelindustrie und Grossverteiler nicht wahrhaben. Mag sein, dass der Bumerang, den sie werfen, irgendwann zu uns zurückkehrt. Das schmutzige Geschäft geht weiter, ausser wir wehren uns energisch. Eine Sofortmassnahme ist: Wir meiden verarbeitete Lebensmittel und kaufen keine Artikel mit Palmöl drin! Palmöl muss seit 1.1.16 deklariert werden.

Heidis aktuelle Empfehlung

Selber gebackener Walliser-Aprikosen-Kuchen. Teig aus Schweizer Butter, Glyphosat-freiem Bio-Mehl, Salz und Wasser; das Kuchenteig-Rezept von swissmilk. Dazu schmeckt Orang Utan Kaffee wunderbar: „Unser Orang Utan Kaffee stammt von Kleinbauernfamilien, die ihre Kaffeegärten ökologisch bewirtschaften und sich verpflichten, den Regenwald und seine Tiere zu schützen. Im Gegenzug erhalten die Familien eine Prämie von EUR 0,50 pro kg Rohkaffee. Mit einer weiteren Prämie von EUR 0,50 pro kg Kaffee wird das Sumatra Orang-Utan-Schutzprogramm gefördert …“ Erhältlich online oder bei ViCafe Bellevue oder Goldbrunnenplatz, Zürich, oder in Eglisau.

Weitere Artikel zu Palmöl auf Heidis Mist:

Borneo: Palmöl und Kautschuk statt Lebensmittel

Von Cocain, Palmöl und Raps

Palmöl: Bundesrat argumentiert mit fragwürdigem RSPO-Label

Palmöl? RSPO? Eigentlich nichts Neues!

Warnung: Nichts Neues!

Heidi und der BFP-Osterhase

Nachtrag 3.7.16

Nach der Flucht vor den Flammen: Orang-Utans wieder in Freiheit, SRF 1.7.16

27.6.16 HOME


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