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Gewässerräume: Weitere Verwässerung des Gewässerschutzes knapp verhindert!

4. Oktober 2021
Landwirtschaftsvertreter versuchen immer wieder, den Kompromiss zur zurückgezogenen Volksinitiative der Fischer "Lebendiges Wasser" weiter zu verwässern.

Landwirtschaftsvertreter versuchen immer wieder, den Kompromiss zur zurückgezogenen Volksinitiative der Fischer „Lebendiges Wasser“ weiter zu verwässern.

Nationalrat Werner Hösli SVP hatte am 27.9.19 die Motion 19.4374 eingereicht: Gewässerräume. Geografische und topografische Verhältnisse besser berücksichtigen:

Der Bundesrat ist angehalten, das Bundesgesetz über den Schutz der Gewässer wie folgt anzupassen: In nicht kantonal oder national geschützten Gebieten und Landschaften ausserhalb der Bauzone kann die Grösse des Gewässerraumes verkleinert werden, wenn:

  1. die geografischen und topografischen Verhältnisse dermassen sind, dass der Landwirtschaft resp. dem einzelnen Landwirtschaftsbetrieb ein übermässiger Anteil der ertragreichen Futtergrundlage entzogen wird,
  2. die Düngung im reduzierten Gewässerraum nur mit festem natürlichem Dünger erfolgt und auf die Ausbringung von Gülle und künstlichem Dünger sowie auf den Einsatz von Herbiziden und Pestiziden verzichtet wird.

Voilà! Einmal mehr sollte der Gewässerschutz geschwächt werden bzw. der Kompromiss zur zurückgezogene Volksinitiative Lebendiges Wasser verwässert werden. Beachten Sie dazu die am Schluss des Beitrags verlinkten Artikel von Heidi.

  • Bundesrat
    Der Bundesrat beantragte am 22.11.19 die Ablehnung der Motion.
  • Änderung Motion
    Ziffer 2 der Motion wurde am 14. Januar 2021 von Ständerat Stark zurückgezogen.
  • Ständerat
    Der Ständerat nahm die Motion am 9.3.21 mit 26 : 18 Stimmen an.
    Roberto Zanetti, Ständerat SP Solothurn: „Ich finde, ehrlich gesagt, wenn wir jetzt mitten im Spiel die Spielregeln änderten, dann wäre das gegenüber den Kantonen relativ unfair. Dann würden alle Eigentümer, die vielleicht unzufrieden sind, neue Hoffnung schöpfen. Das würde eine Lawine von Verfahren nach sich ziehen. Das würde die ganze Sache einmal mehr blockieren, weil sich jeder Vorteile verspricht, und das würde insbesondere das seinerzeitige Ehrenwort gegenüber den Initiantinnen und Initianten der Volksinitiative „Lebendiges Wasser“ kompromittieren.“
  • Kommission für Umwelt, Raumplanung und Energie
    Die Kommission für Umwelt, Raumplanung und Energie vom 24. August 2021 beantragt die Annahme von Ziffer 1 mit 13 : 12 Stimmen
  • Nationalrat
    Am 30.9.21 hat der Nationalrat die Motion mit 84 : 100 Stimmen und 1 Enthaltung versenkt.
    Martina Munz, Nationalrätin S Schaffhausen: „Die Revision des Gewässerschutzgesetzes geht auf die Volksinitiative „Lebendiges Wasser“ von 2007 zurück. Aufgrund der Einführung der Gewässerräume wurde die Initiative zurückgezogen. Seither wurde das Gewässerschutzgesetz bereits zweimal abgeschwächt und flexibilisiert, um den Bedürfnissen der Landwirtschaft entgegenzukommen. Gemäss Aussage der Kantone ist das Gesetz jetzt gut anwendbar.“
    Simonetta Sommaruga, Bundesrätin:Alle reden von Biodiversität, doch mit dieser Motion machen Sie gerade das Gegenteil von Biodiversität. Die Motion läuft den Anstrengungen von Bund und Kantonen bezüglich der Förderung der Biodiversität, aber auch der Förderung der Wasserqualität und eines nachhaltigen Hochwasserschutzes zuwider. Sie geht in die andere Richtung. Ich bitte Sie deshalb, diese Motion abzulehnen.“

Eine erneute Beschneidung des minimalen Gewässerraums ist damit vom Tisch. Für einmal konnte sich die Bauernlobby nicht behaupten.

19.4374 Motion vom 27.9.19: Gewässerräume. Geografische und topografische Verhältnisse besser berücksichtigen. Werner Hösli, Nationalrat SVP

Debatte Ständerat vom 9.3.21: 19.4374 Motion Hösli Werner. Gewässerräume. Geografische und topografische Verhältnisse besser berücksichtigen

24.08.2021 – Kommission für Umwelt, Raumplanung und Energie des Nationalrates (pdf)

Debatte Nationalrat vom 30.9.21: 19.4374 Motion Hösli Werner. Gewässerräume.  Geografische und topografische Verhältnisse besser berücksichtigen

Das grosse Puff mit den Pufferstreifen am Wasser: Kein Ende in Sicht. Heidis Mist vom 7.1.21

Gewässerschutzverordnung Art. 41a Abs. 5 Bst. d: Es kam wie es kommen musste! Heidis Mist vom 25.11.20

Bauern fordern: Kein Gewässerraum für 80% der Bäche. Heidis Mist vom 19.8.16

Weitere Verwässerung des Gewässerschutzes verhindern! Heidis Mist 27.7.16

Der Acker rückt näher an den Bach, Heidis Mist 29.5.13

Mit dem Wasser macht man keine Kompromisse!, Heidis Mist 11.6.13

„Harmonisierte“ Pufferstreifen an Gewässern, Heidis Mist 25.5.14

4.10.21 HOME

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Auenwälder, wo sind sie geblieben?

22. September 2021
Der Leipziger Auwald - ein Nachruf? Video 1:34:19 NuKLA e.V. 13.1.2

Der Leipziger Auwald – ein Nachruf? Video 1:34:19 NuKLA e.V. 13.1.21

Gerade eingetroffen ist der folgende Brief. Was sich darin auf Deutschland bezieht, gilt auch für die Schweiz:

Liebe Freundinnen und Freunde der lebendigen Bäche und kleinen Flüsse (diesmal bis hin zu den grossen)

Wer sich auf Google Earth z.B. durch Deutschland bewegt, erkennt das Ausmass menschlicher Eingriffe und erschrickt. Gewässerbegleitende Bäume fehlen weitgehend, ganz zu schweigen von früher vorhanden gewesenen Auwäldern. Hinsichtlich Erosionsminderung, Biodiversitätswiedergewinnen bis zum Abwenden von Klima-bezogenen Schäden bleibt viel zu tun – oft genug muss überhaupt erst damit gestartet werden.

Da ist es interessant, „von der anderen Seite“ zu kommen, aus Bereichen, in denen Auwald (noch) vorhanden ist. Eine solche Stelle ist der Leipziger Auwald, ebenfalls durch Wasserbau stark beeinflusst, aber verbesserungsfähig.

So leite ich die Einladung zum diesjährigen Auensymposium des Vereins NuKLA, Naturschutz und Kunst Leipziger Auwald, weiter – s. unten.

Wer vom 6. bis 9. Oktober nicht nach Leipzig reisen kann, hat die Möglichkeit, die Veranstaltung per Livestream zu verfolgen, Link dazu ebenfalls unten.

Herzlich grüsst

Ludwig Tent, Wedel
[Mein Blog, gelegentlich kleine Neuigkeiten]
http://osmerus.wordpress.com

[Gewässerschutz für Bäche und kleine Flüsse]
www.salmonidenfreund.de

Das Symposium

Heidi ist sicher, dass auch SchweizerInnen aus dem Reichtum von gesammeltem Wissen lernen können.

Das Symposium vom 6. bis 8.10.21 findet nicht nur in Präsenz sondern auch zusätzlich als live-Stream statt: über den Youtube Kanal der Organisatoren NuKLA kann alles live verfolgt werden!

Dafür reicht es aus, den NuKLA Youtube-Kanal zu abonnieren (oder einfach hineinzuschauen):

https://www.youtube.com/channel/UCExdVCs2g4CiyLRLG22JMdw .

Mit dieser Registrierung bekommt man, unabhängig vom Symposium, immer dann ein Signal, sobald auf unserem Kanal etwas Neues erscheint.

Hier geht es zum Programm des Symposiums: https://www.nukla.de/programm-2021/
und hier zu den Dokumentation früherer Symposien: https://www.nukla.de/auenoekologiesymposium/

Wer ist NuKLA?

NuKLA e.V. und das Aueninstitut Lebendige Flüsse formulieren Forderungen für den Schutz und die Entwicklung des Flora-Fauna-Habitat-(FFH)Gebiets “Leipziger Auensystem”

Natur ist komplex. Und oftmals ist es schwer, die komplexen Vorgänge in der Natur mit wenigen Worten zu beschreiben. Aber auch menschliche Gesellschaften sind nicht einfach. Im Naturschutz kommen beide Themen zusammen und so wird es noch schwieriger.

Dennoch haben wir, NuKLA e.V. und das Aueninstitut Lebendige Flüsse, uns der Aufgabe gestellt, unsere Forderungen betreffs des FFH-Gebietes “Leipziger Auensystem” für unsere Mitglieder, Förderer, Freunde, Partner, aber auch sonstige Interessierte sowie für Menschen, die sich mit dem Leipziger Auensystem beruflich befassen, zusammenzutragen.

Mögen unsere Forderungen dazu beitragen, dass der Schutz des FFH-Gebietes “Leipziger Auensystem” in Zukunft noch verbessert werden wird.

Lesen Sie hier weiter: Wir fordern für den Schutz und die künftige Entwicklung des FFH-Gebiets „Leipziger Auensystem“

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Ferien?

14. August 2021
Beobachten und entdecken ...

Beobachten und entdecken …

Arbeiten, ernten, essen, konservieren ...

Arbeiten, ernten, essen, konservieren …

Ferien? Nein! Aber Gartenarbeit, konservieren, beobachten und lesen, z.B.: Flora, Fauna, und … Funga? Der Fall für ein drittes ‚F.‘. Pilze sind für reiche und nachhaltige Ökosysteme von grundlegender Bedeutung. Aber sie sind immer noch nicht ausdrücklich gesetzlich geschützt.

Chile ist einzigartig in seinem rechtlichen Engagement für diese sporenproduzierenden Organismen. Als taxonomische Gruppe sind Pilze sowohl allgegenwärtig als auch vielfältig und umfassen Schimmelpilze, Hefen, Pilze und eine Vielzahl anderer Organismen. Ausserdem werden sie bei den weltweiten Schutzbemühungen weitgehend vernachlässigt. Von den schätzungsweise 2,2 bis 3,8 Millionen Pilzarten auf der Erde wurden etwa 450 von der International Union for Conservation of Nature (Internationale Naturschutzunion) für die Aufnahme in die Rote Liste der bedrohten Arten bewertet, ein gross angelegter Versuch, den Erhaltungszustand von Arten auf der ganzen Welt zu erfassen. Gruppen wie Säugetiere, Vögel und Amphibien sind vollständig oder fast vollständig bewertet worden, während Pilze weniger als ein Prozent aller bisherigen Bewertungen ausmachen.

Lesen Sie weiter: Flora, Fauna, and … Funga? The Case for a Third ‘F.’ Jonathan Moens, Undark vom 9.8.21

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Raubtiere im Garten … (2)

6. August 2021

Katze zwischen zwei Kartoffelfurchen auf dem Weg zum gestrigen Scheissplatz. Unter einem wuchernde Brombeertrieb durch.

Katze heute um halb fünf Uhr zwischen zwei Kartoffelfurchen auf dem Weg zum gestrigen Scheissplatz. Unter einem wuchernde Brombeertrieb durch.

Die beiden bereits vorgestellten Raubtiere in Heidis Garten sind unschuldig, was die hinterlassene Scheisse der Nacht vom 5. auf den 6.8.21 betrifft. Hier im Bild eine Schwester oder ein Bruder der Katze mit viel Weiss.

Per Mail eingetroffen ist folgender Link mit der Bemerkung: “ 1,6 Mio Katzen, eine halbe Mio Hunde. Eine typische Wohlstandsverirrung. Die Menge Abfall. Und das ganze Geschäft der Züchtung, ganz schlimm.

Jährlich geben wir 1,5 Milliarden Franken für Haustiere aus

So viel sind uns Katzen und Hunde wert.

Was wäre ein grosser Haustier-Report, ohne die Kosten für unsere Vierbeiner unter die Lupe zu nehmen. Im Gegensatz zu anderen Branchen kennt der Haustierbedarf keine Krise. Blick vom 19.10.20

Raubtiere im Garten …

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Gestern auf der Alp …

13. Juli 2021

Diese Woche eine kleine Bergwanderung? Die Wettervorhersage zeigte Montag (12.7.21) als einzigen Tag ohne Regen. Also los – auf die Alp Novai bei Klosters.

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Kühe auf dem 2013 fahrtauglich gemachten weiteren Weg zur Alphütte Novai

Strukturverbesserung ...

Strukturverbesserung … Wie wird die Weide künftig aussehen?

Vorne bestehende Weide, hinten strukturverbessert.

Vorne bestehende Weide, hinten strukturverbessert.

Oberhalb der Alp Novai in einer kleinen Waldlichtung am Steilhang Blumen- und Insektenpracht.

Ein Gelber Vierfleckbock verpflegt sich auf einer Blütendolde.

Ein Gelber Vierfleckbock verpflegt sich auf einer Blütendolde.

Hier und dort sonnt sich ein Heugümper.

Hier und dort sonnt sich ein Heugümper.

Schmetterling auf schon zerfressener Storchenschnabelblüte

Schmetterling landet auf zerfressener Storchenschnabelblüte

Biodiversität: Natur-Wunder und -Wunden. Heidis Mist vom 31.8.13

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Neue Schweizer Heilige: Das Schizovreneli

5. Juli 2021
Heidi: "Oh, Heiliges Schizovreneli, willst du nicht auswandern?"

Heidi: „Oh, Heiliges Schizovreneli, willst du nicht auswandern?“

Es ist wohl an der Zeit, dass Heidi unter der Rubrik „Schwerpunkt“ einen neuen Punkt anfügt mit Links zu allen neuen Schweizer Heiligen von NaNa, denn es sind schon einige. Als Heidi über die „Heiligen Kühe“ schrieb, da hatte NaNa Heidis Mist noch nicht entdeckt. Die Möglichkeiten, Heilige zu ernennen, sind in der Schweizer Landwirtschaft vielfältiger als der Wille, nachhaltig zu werden.

Artenschutz ist eine Schwäche der Schweiz. Heidis Mist vom 4.7.21

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Artenschutz ist eine Schwäche der Schweiz

4. Juli 2021
Herbizideinsatz 2019 in Wytweide bei Tramelan.

Herbizideinsatz 2019 in Wytweide bei Tramelan.

Saldo berichtete am 2.12.20, dass die Schweiz in Westeuropa im Artenschutz Schlusslicht ist, dies obwohl die Schweizer Bauern von 2014 bis 2018 1,5 Milliarden Franken für die Förderung der Artenvielfalt erhielten. Markus Fischer, Professor für Pflanzenphysiologie an der Universität Bern und Experte beim UN-Weltbiodivesitätsrat sagte gegenüber dem Tages-Anzeiger, ein Grund für diese Entwicklung sei, dass der Bund den Bauern erlaubt, auch auf Biodiversitätsfeldern Glyphosat und weitere Herbizide zu verspritzen, wenn die „Problempflanzen“ nicht mit „angemessenem Aufwand“ mechanisch bekämpft werden können.

Hier finden Sie die bewilligten Wirkstoffe: Herbizideinsatz in Biodiversitätsförderflächen – bewilligte Wirkstoffe. BLW.

Grossflächiger Herbizideinsatz in Wytweiden

Bund und Kantone fördern auch die traditionellen Wytweiden im Jura. Offensichtlich ist den Bauern der Aufwand für die mechanische Eindämmung der Brombeeren zu gross. Heidi hat schon über die grossflächigen Herbizidaktionen berichtet, die regelmässig stattfinden, ebenso über die vielen umwelt- und gesundheitsschädigenden Mottfeuer in Wytweiden. Im Artikel Grossflächiger Herbizideinsatz in Wytweide zeigt Heidi Methoden wie sich Brombeeren gut mechanisch bekämpfen lassen.

Plakat: Pâturage-du-Droit Tramelan

Plakat: Pâturage-du-Droit Tramelan

Seit Mai hängt an einem Zaun in Tramelan ein Plakat von NATURA mit der Meldung, dass hier ein Projekt zur Eindämmung der Verbuschung laufe.

Karte des Projektgebietes


NATURA, das beauftragte Umweltbüro

NATURA, das beauftragte Umweltbüro

Heidi wollte Projektdetails und Kosten erfahren und wissen, wer das bezahlt. Sie hat am 25.5.21 schriftlich angefragt, aber bisher keine Antwort erhalten.

Grossflächiger Herbizideinsatz in Wytweide. Heidis Mist vom 24.9.20

Foto 24.9.20: grossflächiger Herbizideinsatz in Wytweide

Foto 24.9.20: grossflächiger Herbizideinsatz in Wytweide

Herbizideinsatz in Biodiversitätsförderflächen – bewilligte Wirkstoffe. BLW

Berner Jura: Gesundheitsschädlicher Rauch aus Wytweiden und Wald (3). Heidis Mist vom 2.5.21

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Wie schadet Stickstoff unserem Planeten?

27. Juni 2021
Stickstoffverschmutzung kann die Ozonschicht zerstören. NASA/SCIENCE PHOTO LIBRARY

Stickstoffverschmutzung kann die Ozonschicht zerstören. NASA/SCIENCE PHOTO LIBRARY

Aus dem Englischen übersetzt mit Hilfe von DeepL

„Wenn wir uns nicht um Stickstoff kümmern, wird der Umgang mit allen anderen Umweltproblemen sehr viel schwieriger“ sagt Mark Sutton, UK Centre for Ecology and Hydrology. Er untersucht Verschmutzungen durch Stickstoff seit Jahrzehnten.

Der Wissenschaftsjournalist Andrew Zaleski berichtete im New Scientist vom 15.5.21 über das Thema, Titel: Der Stickstoff-Notstand: Wie wir unsere vergessene Umweltkrise beheben. Die Stickstoffverschmutzung vergiftet unser Wasser und setzt unserer Luft zu – und sie verschlimmert andere Umweltprobleme. Aber wenn wir uns jetzt organisieren, können wir zurückschlagen, bevor es zu spät ist.

The godfather of pollution

Andrew Zalenski beginnt seinen Beitrag über Stickstoff „The godfather of pollution“ wie folgt: „Es gibt ein unsichtbares Gas in der Erdatmosphäre, das eine Umweltkrise nährt. Die Schäden werden jedes Jahr schlimmer. Wenn die Dinge unkontrolliert bleiben, steuern wir auf eine globale Katastrophe zu. Und hier ist das Beunruhigendste an diesem Gas: Es ist nicht Kohlendioxid.

Stickstoff gilt normalerweise als harmloses Zeug, schliesslich macht dieser farblose Stoff 78 Prozent der Erdatmosphäre aus. Wenn Sie eine erfrischende Brise auf Ihren Wangen spüren, sind es meist Stickstoffmoleküle, die vorbeirauschen. In unseren Ökosystemen findet ein natürlicher Kreislauf von Stickstoff aus der Luft in und aus unseren Böden statt, wo er einen wichtigen Nährstoff für Pflanzen bildet. Das Problem ist, dass dieser Kreislauf durch die Aktivitäten des Menschen gefährlich aus dem Gleichgewicht geraten ist. Das Ergebnis ist, dass Stickstoff in schädlichen Formen die weitere Umwelt überschwemmt.

Einige der Auswirkungen dieser Krise sind schon seit langem bekannt. Wir wissen zum Beispiel seit langem, dass die Verschmutzung durch stickstoffhaltige Verbindungen zu Algenblüten führt, welche die Wasserwege verstopfen. Aber auch andere Auswirkungen rücken jetzt ins Blickfeld, wie zum Beispiel die Art und Weise, wie die Stickstoffverschmutzung Torfmoore abtötet. Stickstoffhaltige Verbindungen schädigen auch das empfindliche Gleichgewicht der Atmosphäre.“

Schweiz: forschen, forschen …

In der Schweiz wurden viele Studien zu Problemen mit Stickstoff und parlamentarische Vorstösse gemacht. Etwa die Anfrage vom 13.9.12 im Nationalrat 12.1077 „Stickstoffüberschuss in der Landwirtschaft. Forschungslücken schliessen“ von Kathy Riklin: „Stickstoff ist der wichtigste Treiber in der landwirtschaftlichen Produktion und relevant in verschiedenen Umweltbereichen …“ Aus der Antwort des Bundesrates: „… Es sind bereits heute solide Grundlagen zur Thematik vorhanden, welche durch die verschiedenen landwirtschaftlichen Akteure umgesetzt werden können … Der Bundesrat wird eine Eingabe für ein NFP (Nationales Forschungsprojekt) zum Thema Stickstoff wie alle NFP-Eingaben im Rahmen einer Gesamtschau über den aktuellen schweizerischen Forschungsbedarf beurteilen.“

Das Problem Stickstoff ist seit Jahrzehnten in der Schweizer Politik und Forschung präsent, doch ist in dieser Zeit keine wesentliche Besserung eingetreten: zweithöchste Ammoniak-Emissionen in Europa, hohe Nitratgehalte im Grundwasser der Ackerbaugebiete, überdüngte Böden, Artenvielfalt im Sinkflug.

So schadet Stickstoff unserem Planeten

1. Tote Zonen im Meer

Regen kann Nitrate in Wasserläufe und Ozeane spülen. Diese Verschmutzung durch Stickstoff führt zu Algenblüten, die bei ihrer Zersetzung Sauerstoff verbrauchen und das Leben im Wasser ersticken. Das Ergebnis ist eine wässrige „tote Zone“, von denen es mehr als 400 in den Weltmeeren gibt, darunter eine riesige im Golf von Mexiko.

2. Luftverschmutzung

Autos und Kraftwerke stossen Stickoxide aus, die zu den wichtigsten Vorläufern der Luftverschmutzung gehören, die als Feinstaub bezeichnet wird. Diese winzigen Partikel können in unsere Lungen eingeatmet werden, wo sie Gewebeschäden verursachen, welche mit einer Reihe von Gesundheitsproblemen einhergehen.

3. Versauerung des Bodens

Das gleiche Nitrat, das sich in die Wasserwege einschleichen kann, kann auch wichtige Nährstoffe aus dem Boden ziehen, einschliesslich Magnesium und Kalzium. Dadurch kann der Boden zu sauer werden, so dass die Pflanzen die Nährstoffe nicht mehr richtig aufnehmen können.

4. Ozonabbau

Durch die steigende Ammoniakbelastung nimmt der Säuregehalt der Luft ab. Bestimmte Lebensräume, wie z. B. Torfmoore, sind darauf angewiesen, dass die Luft leicht sauer ist. In Nordirland führt dieses Problem zum Abbau von Sphagnum-Torfmoosen, einem wichtigen Speicher für Kohlendioxid.

5. Alkalische Luft

Überschüssiges Nitrat kann von Bakterien in Distickstoffoxidgas umgewandelt werden. In grossen Höhen reagiert dieses mit ultraviolettem Licht und zerfrisst die Ozonschicht, die uns vor UV-Strahlen schützt. Der Schaden ist schwer rückgängig zu machen, denn Lachgas hat eine Lebensdauer von 120 Jahren.

Probleme und Lösungen sind längst bekannt, aber die Politik will das Problem nicht angehen!

Lesen Sie den vollständigen Beitrag hier: The nitrogen emergency: How to fix our forgotten environmental crisis. Andrew Zaleski, New Scientist vom 15.5.21. Falls Sie keinen Zugang zum Artikel haben, schreiben Sie Heidi, sie kann Ihnen ein PDF schicken.

27.6.21 HOME

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Artenvielfalt: Symptombekämpfung genügt nicht!

22. Juni 2021
Im Süden Chinas wurden die meisten einheimischen Regenwälder für Nutzpflanzen wie Gummibaumplantagen abgeholzt, wie hier in der Region Xishuangbanna zu sehen. Copyright: William Laurance.

Im Süden Chinas wurden die meisten einheimischen Regenwälder für Nutzpflanzen wie Gummibaumplantagen abgeholzt, wie hier in der Region Xishuangbanna zu sehen. Copyright: William Laurance.

Ein dringender Apell, Lehren aus Chinas wandernden Elefanten zu ziehen, von Bill Laurance, Direktor des Centre for Tropical Environmental and Sustainability Science (TESS), James Cook University, Australien:

„Was können wir von Chinas wandernden Elefanten lernen? Zunächst einmal ist klar, dass sich viele Menschen in China und darüber hinaus viel leichter von grossen, charismatischen Tieren wie Elefanten motivieren lassen als von eher nebulösen Konzepten wie dem Verlust und der Degradierung von Ökosystemen.

Wenn wir uns also um ökologische Nachhaltigkeit in unserer dicht besiedelten Welt bemühen, müssen wir mehr eindrucksvolle Geschichten erzählen, die Hoffnung wecken und die Vorstellungskraft der Menschen anregen.

Chinas Bemühungen, seine wandernden Elefanten zu retten, sind lobenswert, aber vergessen wir nicht die blutigen Konflikte mit den Giganten

Wilde Elefanten sind ehrfurchtgebietend – selbst wenn sie versuchen, einen zu töten, wie ich 2004 feststellte.

Damals untersuchte ich, wie Wilderer und Holzfäller die einheimischen Säugetiere im Kongobecken Afrikas bedrohen. Ich schlich mich an eine Herde von Waldelefanten heran, als sie plötzlich auf mich zustürmten wie wütende, ausser Kontrolle geratene Bulldozer. Die wütenden Tiere waren mir dicht auf den Fersen, und ich entkam nur knapp, indem ich mich in ein Gewirr von Lianen stürzte, zitternd vor Angst, aber auch seltsam fasziniert von all dem.

Vielen Bewohnern Südchinas muss es ähnlich ergangen sein. Eine Herde von 15 asiatischen Elefanten, angeführt von erwachsenen Weibchen, ist letztes Jahr aus dem Xishuangbanna National Nature Reserve, nahe der chinesischen Grenze zu Myanmar und Laos, aufgebrochen. Seitdem sind sie etwa 500 Kilometer nach Norden gereist und nähern sich nun der pulsierenden Stadt Kunming und ihren sieben Millionen Einwohnern.

Niemand weiss genau, wohin die Elefanten gehen oder warum. Aber zwei Dinge sind klar: Die Elefanten hatten wahrscheinlich Mühe, in ihrem ursprünglichen Lebensraum zu überleben, und die chinesischen Bemühungen, die Elefanten zu retten, kollidieren mit den aggressiven Investitions- und globalen Entwicklungsstrategien des Landes.

Auf den ersten Blick klingt dies nach einem Szenario, das für die Elefanten sehr schlecht ausgehen könnte. Wenn Dickhäuter und Menschen aufeinanderprallen, verlieren in der Regel die Elefanten.

Doch es gibt Hoffnung für die wandernde Herde. Asiatische Elefanten sind in China eine gesetzlich geschützte Art.

Hunderte von Polizisten, unterstützt von Drohnen, überwachen die unerschrockenen Tiere, während Wildhüter versuchen, sie mit Futterködern und Strassensperren mit Hunderten von Lastwagen von bewohnten Gebieten wegzulenken. Bisher wurden etwa 3’500 Menschen vorübergehend evakuiert, um den Weg für die Elefanten frei zu machen.

Das grosse Ganze verfehlt

Solche Bemühungen sind lobenswert, aber fehl am Platz. Sie bekämpfen nur die Symptome des Umweltstresses (vertriebene Elefanten), aber nicht die „Krankheiten“, unter denen die Elefanten in China und darüber hinaus leiden.

Erstens könnten die wandernden Elefanten durchaus gezwungen gewesen sein, umzuziehen, weil ihre Heimat in Südchina durch die menschliche Entwicklung zerstört wurde.

Schon vor 15 Jahren, als ich zum ersten Mal die Region Xishuangbanna besuchte, wurden dort die ursprünglichen Regenwälder zerstört, vor allem durch Abholzung für exotische Gummibaumplantagen.

Mit grossem Aufwand versucht China, die bedrängte Elefantenbande auf der Suche nach einer neuen Heimat zu retten.

Aber als die Nation, die für mehr Lebensraumzerstörung, Wilderei und Treibhausgasemissionen verantwortlich ist als jede andere, trägt China eine besondere Verantwortung, eine nachhaltige Entwicklung zu fördern – nicht nur innerhalb Chinas, sondern auch in Übersee.

Lassen Sie uns Chinas Bemühungen zur Rettung seiner wandernden Elefanten begrüssen, während wir gleichzeitig bedenken, dass es als Nation und wirtschaftliche Supermacht noch viel mehr zu tun hat, um sicherzustellen, dass unser Planet für gefährdete Wildtiere – und auch für uns – lebenswert bleibt.“

Lesen Sie den vollständigen Artikel hier: China’s efforts to save its wandering elephants are laudable, but let’s not forget its bloody conflicts with the giants. The Conversation 20.6.21

22.6.21 HOME

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Pestizide sind die wichtigsten Stressoren für empfindliche Insekten in Tieflandbächen

12. Juni 2021
Pesticides are the dominant stressors for vulnerable insects in lowland streams. Water Research Volume 201, 1 August 2021, 117262

Pesticides are the dominant stressors for vulnerable insects in lowland streams. Water Research Volume 201, 1 August 2021, 117262

Forschende des Helmholtz Zentrums für Umweltforschung UFZ in D-04318 Leipzig und des Umweltbundesamts in D-06844 Dessau-Roßlau haben den Einfluss von Pestiziden auf die Zusammensetzung der Wirbellosengemeinschaften in Tieflandbächen untersucht. Die meisten landwirtschaftlich genutzten Bäche haben eine reduzierte Anzahl an gefährdeten Arten. Die derzeitige Zulassung von Pestiziden unterschätzt das ökologische Risiko. Ein Ökosystem-Monitoring ermöglicht eine schützende und validierte Risikobewertung.

Trotz aufwändiger Regulierung von landwirtschaftlichen Pestiziden wurde ihr Vorkommen in Nicht-Zielgebieten in mehreren Felduntersuchungen mit negativen ökologischen Auswirkungen auf Insekten in Verbindung gebracht. Ihr quantitativer Anteil an der Biodiversitätskrise ist jedoch noch nicht bekannt. In einer gross angelegten Studie an 101 Standorten kleiner Tieflandbäche in Mitteleuropa zeigten die Wissenschaftler, dass 83% der landwirtschaftlich genutzten Bäche die pestizidbedingten ökologischen Ziele nicht erfüllten.

Zum ersten Mal konnten sie feststellen, dass die Verschmutzung durch diffuse landwirtschaftliche Pestizidquellen die Hauptursache für die Verringerung empfindlicher Insektenpopulationen in aquatischen Wirbellosen-Gemeinschaften war und damit die Relevanz anderer anthropogener Stressoren wie schlechte hydro-morphologische Struktur und Nährstoffe übertraf.

Die Forschenden stellten fest, dass die derzeitige Zulassung von Pestiziden, die darauf abzielt, unakzeptable schädliche Auswirkungen zu verhindern, das tatsächliche ökologische Risiko unterschätzt, da gemessene Pestizidkonzentrationen in 81% der untersuchten landwirtschaftlichen Fliessgewässer die derzeit zulässigen Konzentrationen überstiegen, bei mehreren Pestiziden die Trägheit des Zulassungsverfahrens die Einbeziehung neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse behindert und die bestehenden Schwellenwerte für Wirbellosen-Toxizität um den Faktor 5,3 bis 40 zu hoch sind.

Um adäquate Umweltqualitätsziele festzulegen, muss der Zulassungsprozess von der Überwachung abgeleitete Informationen über die Auswirkungen von Pestiziden auf der Ebene des Ökosystems einbeziehen. In dieser Publikation leiten die WissenschaftlerInnen solche Schwellenwerte ab, die einen Schutz der wirbellosen Fliessgewässergemeinschaft gewährleisten.

Pesticides are the dominant stressors for vulnerable insects in lowland streams. Elsevier, Water Research Volume 201, 1 August 2021, 117262


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