Posts Tagged ‘Ausnahmebewilligung’

Viele Düngersäcke auf drei Alpen

25. September 2019
2 x 21 Säcke mit Dünger vor einem Alpstall. Copyright: Janik

2 x 21 Säcke mit Dünger vor einem Alpstall. Copyright: Janik

Das schöne Wetter nutzte Janik für Wanderungen. Gerne verpflegt er sich in Berggasthäusern und redet mit Einheimischen. Was er vor einem Alpstall sah, das erstaunte ihn sehr: Dünger – so viele Düngersäcke! Er rechnete. 1 Palett à 21 Säcke à 50 kg = 1050 kg, also mehr als 2 Tonnen Dünger. Und die Weiden, so meint Janik, sahen fett aus.

Hier die Beschreibung des Inhalts. Copyright: Janik.

Hier die Beschreibung des Inhalts. Copyright: Janik.

Janik kam später bei zwei Alpen der Oberallmeindkorporation (OAK) Schwyz vorbei. Auch dort standen Palette mit Düngersäcken.

Zur OAK gehören 8’000 Hektaren produktives Alpgebiet mit
156 Alpeinheiten. Das Weidegebiet erstreckt sich von 800 bis 2’200 m ü.M. Die OAK besteht seit 1114. Ihr Slogan: „regional verankert – dem Fortschritt und der Tradition verpflichtet“. Die OAK gibt den Alpbewirtschaftern auch Herbizide ab. Fortschritt!?

Palett mit Düngersäcken auf einer Alp der OAK. Copyright: Janik.

Palett mit Düngersäcken auf einer Alp der OAK. Copyright: Janik.

Blick auf eine verunkrautete Weide dieser Alp. Copyright: Janik.

Blick auf eine verunkrautete Weide dieser Alp. Copyright: Janik.

Janik sagte zum Geissenpeter: „Es ist wirklich bedenklich, auf der einen Seite spritzen sie Herbizide, auf der anderen Seite bringen sie Dünger aus und fördern damit wieder Problempflanzen. Ja wo sind wir denn?

Zitate aus dem Agrarbericht 2018:

Nachhaltige Nutzung im Sömmerungsgebiet

Alpweiden sollen nachhaltig bewirtschaftet werden; dieses Prinzip wird folgendermassen konkretisiert:

  • Die Sömmerungsbetriebe müssen sachgerecht und umweltschonend bewirtschaftet werden, ohne zu intensive oder zu extensive Nutzung. Naturschutzflächen sind vorschriftsgemäss zu bewirtschaften.
  • Die Düngung der Weideflächen erfolgt grundsätzlich mit alpeigenem Dünger (Mist, Gülle). Stickstoffhaltige Mineraldünger und alpfremde flüssige Dünger dürfen nicht verwendet werden. Für die Zufuhr von anderen Düngern (z. B. Phosphor oder Kalk) ist eine Bewilligung notwendig.
  • Die Tiere werden mit alpeigenem Gras gefüttert. Zur Überbrückung witterungsbedingter Ausnahmesituationen sowie für Milchtiere ist eine begrenzte Futterzufuhr möglich.
  • Die Weiden sind vor Verbuschung und Vergandung zu schützen. Problempflanzen sind zu bekämpfen. Ein Leitfaden für die Beurteilung der Flächen ist auf der Internetseite der Agridea abrufbar.

Beschriftung Düngersäcke. Copyright: Janik

Heidis Fazit: Nachhaltigkeit ist vielerorts nur ein Wort und Ausnahmebewilligungen sind immer wieder die Regel bzw. ein gerne genutztes Schlupfloch. Oder wird gar ohne Bewilligung gedüngt? Das wusste Janik nicht.

Agrarbericht 2018, Sömmerungsbetriebe, Bundesamt für Landwirtschaft (Achtung: Oft ändern beim BLW die Links in kurzer Zeit … also in einem solchen Fall eine Suchmaschine benutzen!)

Verbuschung und Problempflanzen im Sömmerungsgebiet – Leitfaden für Kontrollierende, agridea

Link zu Heidis zahlreichen Artikeln über Herbizide auf Alpen

25.9.19 HOME

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Misthaufen und Abwasser im Tessin

2. Februar 2014
Schon sehr lange liegt dieser Bio-Knospe-Mist auf einer Tessiner Wiese, üppiges Pflanzenwachstum auf 1'500 m ü.M.

Schon sehr lange liegt dieser Bio-Knospe-Mist auf einer Tessiner Wiese, üppiges Pflanzenwachstum auf 1’500 m ü.M.

Auch im Tessin sieht Heidi immer wieder Misthaufen, die monatelang ungedeckt im Feld liegen. Weil sie den Zug oder Bus nicht einfach zum Fotografieren anhalten kann, besitzt sie davon keine Fotos, doch Tessiner, welche sich darüber aufregen, haben ihr das bestätigt. Einmal hat sie gar Fotos erhalten und einen Bericht darüber verfasst: Tessiner Misthaufen auf Wiesen. Nun sind von einem anderen Ort Fotos eingetroffen. Danke!

Der Mist sei echt Bio.Inspecta-zertifiziert, beteuert der Fotograf; davon zeugt auch das Knospe-Signet am Zaun, siehe letztes Bild. Heidi hat das Zertifikat dieses Hofs auf dem Internet eingesehen, es handelt sich tatsächlich um einen Bio-Knospe-Betrieb. 10 Jahre lang wurde die Ausnahmebewilligung Gewässerschutz von den Tessiner Behörden verlängert. Seit einem Jahr gibt es sie dank massivem Druck von Privatpersonen nicht mehr, doch geändert hat sich bisher wenig: Hofdünger-Lagerkapazität 0%, wo doch 90% für einen Bio-Vollbetrieb vorgeschrieben sind! Bio.Inspecta und die Behörden drücken alle Augen fest zu.

Blacken sind Nährstoffzeiger. Häufig wachsen sie dort, wo sich Weidetiere regelmässig aufhalten. Aber hier am Steilhang? ...

Blacken sind Nährstoffzeiger. Häufig wachsen sie dort, wo sich Weidetiere regelmässig aufhalten. Aber hier am Steilhang? …

Herkunft des Blacken-Düngers: Die Abwässer von Stall und Haus flossen bis vor einem Jahr in eine Sickergrube, von dort als kleines Bächlein zum Hang: Heute "nur" noch das Hausabwasser ...

Herkunft des Blacken-Düngers: Die Abwässer von Stall und Haus flossen bis vor einem Jahr in eine Sickergrube, von dort als kleines Bächlein zum Hang: Heute „nur“ noch das Hausabwasser …

Der bauliche Gewässerschutz ist Sache der kantonalen Ämter; es sind im Biolandbau keine Sanktionen für Mängel vorgesehen. Die geforderte Lagerkapazität für Hofdünger von 90% ist also eher eine theoretische Grösse. In Kantonen, welche die gemäss Art. 28 der Gewässerschutzverordnung vorgeschriebene Kontrolle der Lagereinrichtungen für Hofdünger und Gärgase nicht durchführen, ist Bio diesbezüglich nicht besser als die übrigen Landbauformen. Der Kanton Tessin hat die Kontrolle einer externen Organisation übergeben, doch scheint es Heidi, dass diese noch nie in dieser Gegend war.

Gewässerschutz-, Umweltschutz- und Natur- und Heimatschutz sind im Sanktionsreglement 2014 Biologische Landwirtschaft relativ pauschal abgehandelt, siehe Punkte 434 und 435.

Die Gesetze und Vorschriften sind das EINE, der Vollzug das ANDERE. Gerne weisen die Bauernvertreter auf die strengen Schweizer Umwelt- und Tierschutzvorschriften hin, übersehen aber ebenso gerne den mangelnden Vollzug.

... und weiter bergab geht's mit den Abwässern; der Bach nimmt sie auf, fliesst zu Tal und mündet in den Ticino. Winterfoto.

… und weiter bergab geht’s mit den Abwässern; der Bach nimmt sie auf, fliesst zu Tal und mündet in den Ticino. Winterfoto.

... ein anderer Stall... alles Bio-Gülle ... und Bio darf man doch!

… ein anderer Stall… alles Bio-Gülle … und Bio darf man doch!

Hier ein kleiner Haufen ...

Hier ein kleiner Haufen …

... dort einer ...

… dort einer …

... und noch einer ...

… und noch einer …

... und noch einer ... Abwasser im Hintergrund ...

… und noch einer … Abwasser im Hintergrund …

... viele kleine Misthaufen irgendwo in der Landschaft ...

… viele kleine Misthaufen irgendwo in der Landschaft …

Dieser Bio-Knospe-Mist (Aufnahme Frühling 2013) wurde inzwischen wegtransportiert und in kleinen Häufchen im Feld deponiert. Der Fotograf meint: "Auch diese Misthäufchen werden nie verteilt werden."

Dieser Bio-Knospe-Mist (Aufnahme Frühling 2013) wurde inzwischen wegtransportiert und in kleinen Häufchen im Feld deponiert. Der Fotograf meint: „Auch diese Misthäufchen werden nie verteilt werden.“

2.2.14 HOME


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