Posts Tagged ‘Bach’

Gewässerschutz-Ziele: Kluft zwischen Gesetz und Wirklichkeit!

6. Januar 2016
An kleinen Bächen sind die Pufferstreifen und das Einhalten der Sicherheitsabstände beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln darum so wichtig, weil hier die Artenvielfalt mangels Verdünnung besonders stark leidet. Copyright: Universität Koblenz-Landau (Medieninformation Insektizidbelastung in Gewässern ist weltweit höher als erwartet, 14.04.15 https://www.uni-koblenz-landau.de/de/aktuell/archiv-2015/studie-insektizidbelastung)

An kleinen Bächen sind die Pufferstreifen und das Einhalten der Sicherheitsabstände beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln darum so wichtig, weil hier die Artenvielfalt mangels Verdünnung besonders stark leidet. Copyright: Universität Koblenz-Landau (Medieninformation Insektizidbelastung in Gewässern ist weltweit höher als erwartet, 14.04.15 https://www.uni-koblenz-landau.de/de/aktuell/archiv-2015/studie-insektizidbelastung)

Der Geissenpeter besuchte Heidi und den Alpöhi, brachte einen Käse und gute Laune mit. Bei Alpenkräuter-Tee und Kuchen diskutierten sie viel und heftig, etwa über verschmutzte Gewässer, Pflanzenschutzmittel (PSM), Nitrat und Sinn von Gesetzen sowie den Gesetzesvollzug. Was Heidi eigentlich wolle, fragte Peter. Sie schaltete den Computer ein, klickte auf den Link zur Gewässerschutzverordnung (GSchV) und scrollte zum Anhang 1. Was auf dem Bildschirm stand, war für Peter völlig neu, denn Gesetze interessieren ihn nicht sonderlich.

Peter: Das Ziel ist also offenbar, die ganzen Lebensgemeinschaften von Pflanzen, Tieren und Mikroorganismen in und an den Gewässern zu schützen. Man will die natürlichen Gewässerfunktionen erhalten. Und die Trink- und Brauchwasserversorgung soll gesichert sein. Ja, das Vorsorgeprinzip! Die Grossmutter sagt auch immer: Vorbeugen ist besser als heilen!“ So fasste Peter das Gelesene zusammen.

Heidi: „Ja, deshalb soll etwa das Grundwasser prinzipiell keine langlebigen künstlichen Substanzen enthalten, auch keine Pestizide oder deren Abbauprodukte. Du siehst also, die Ökosysteme als Ganzes sind, mindestens theoretisch, gut geschützt, auch jene, die vom Grundwasser abhängen. Es gilt daher, nicht nur ein paar Rote Liste-Arten zu schonen, sondern die vernetzten Lebensgemeinschaften.

Für Grundwasser, das als Trinkwasser genutzt wird oder vorgesehen ist, haben die Gesetzesschreiber folgenden Satz verfasst: ‚Die Wasserqualität muss so beschaffen sein, dass das Wasser nach Anwendung einfacher Aufbereitungsverfahren die Anforderungen der Lebensmittelgesetzgebung einhält.‘

Überhaupt: Die Vorsorge ist in verschiedenen Gesetzen gut verankert, doch gelebt wird zu häufig nicht danach. Schade!“

Peter: „Im Anhang 2 GSchV sind Anforderungswerte für verschiedene Stoffe aufgeführt. Was bedeutet Anforderungswert, wo doch alle von Grenzwerten reden?“

Heidi: „Ein Anforderungswert ist quasi ein Warnsignal; er liegt tiefer als ein Grenzwert, wird auch anders begründet; ein Anforderungswert bietet Raum zum Handeln. Das Überschreiten des Werts ist Auslöser für Abwehr- und Sanierungsmassnahmen bzw. müsste es sein. Es ist grundsätzlich davon auszugehen, dass beim Überschreiten des Anforderungswerts das Grundwasser oder das Wasser im Bach verunreinigt ist. Grundwasser, das zur Trinkwassergewinnung genutzt wird, muss saniert werden.“

Peter: „Wie macht man das? Und wie lange dauert es?“

Heidi: „Ich kann darauf keine konkrete Antwort geben, denn das hängt von der Art und dem Ausmass der Verunreinigung ab. Auch die Wirksamkeit der möglichen Massnahmen spielt eine Rolle. Und natürlich die Gefährdung von Mensch, Tier und Umwelt durch den kritischen Stoff oder die Stoffe im Grundwasser. Oft ist es ja eine Mischung. Es kann Jahrzehnte dauern, bis das einmal verschmutzte Grundwasser wieder sauber ist, wenn überhaupt.“

m Eschelisbach TG untersucht das Oekotoxzentrum Eawag/EPFL u.a. den Bachflohkrebs. Wo es ihm gut geht, d.h. verschiedene Entwicklungsstadien vorhanden sind, da gedeihen auch die Fische. Im Bild oben zwei Jugendstadien. Copyright: Ludwig Tent, Lebendige Bäche und Flüsse, https://osmerus.wordpress.com/ Danke für Hinweis und Veröffentlichungsrecht!

Im Eschelisbach TG untersucht das Oekotoxzentrum Eawag/EPFL u.a. den Bachflohkrebs. Wo es ihm gut geht, d.h. verschiedene Entwicklungsstadien vorhanden sind, da gedeihen auch die Fische. Im Bild oben zwei Jugendstadien. Copyright: Ludwig Tent, Lebendige Bäche und Flüsse, https://osmerus.wordpress.com/ Danke für Hinweis und Veröffentlichungsrecht!

Peter: „Das leuchtet mir einigermassen ein. Aber wie kommt es, dass Anforderungswerte um das 20- bis 90fache überschritten werden, wie im Eschelisbach bei Güttingen (TG)? Das Bundesamt für Landwirtschaft sagt, dass dies ’sicher kein Risiko für Mensch und Umwelt‘ sei. Das irritiert mich. Hier im Anhang 1 der GSchV, Ökologische Ziele für oberirdische Gewässer, lese ich

‚Die Wasserqualität soll so beschaffen sein, dass:
b) im Wasser, in den Schwebstoffen und in den Sedimenten keine künstlichen, langlebigen Stoffe enthalten sind;
c) andere Stoffe, die Gewässer verunreinigen können und die durch menschliche Tätigkeit ins Wasser gelangen können, im Gewässer nur in nahe bei Null liegenden Konzentrationen vorhanden sind, wenn sie dort natürlicherweise nicht vorkommen.‘

Da liegen doch Welten zwischen Gesetz und Wirklichkeit! Wie kommt das, was meinst du? Zum Glück bin ich zur Zeit bloss Geisshirt, und – dir zuliebe – bekämpfe ich seit letztem Sommer die Unkräuter nicht mehr mit Chemie.“

Heidi: „Ich weiss, du gibst dir Mühe. Doch heute ist die Anwendung von PSM für viele so selbstverständlich, dass das ewige Spritzen kaum hinterfragt wird, d.h. durch alle Böden verteidigt wird*, und zwar auch dann, wenn es andere wirksame Methoden gäbe.

Klipp und klar ist in der Gewässerschutzverordnung verankert, dass gehandelt werden muss, wenn ein Anforderungswert überschritten wird, z.B. 0,1 µg/l je Wirkstoff PSM, und zwar völlig unabhängig davon, ob ’sicher kein Risiko für Mensch und Umwelt‘ besteht. Der Eschelisbach erfüllt die Anforderungen an ein Gewässer nicht im Entferntesten.

Bemerkenswert ist, dass dieser Missstand nicht durch Behörden, sondern durch das Schweizer Fernsehen öffentlich gemacht wurde. Wie viele „Eschelisbäche“ gibt es?“

Alpöhi: „Mich stört, dass die Gewässer in den Obstbau-, Weinbau- und Ackerbaugebieten nicht gezielt und systematisch untersucht werden; es würde mich gar nicht überraschen, wenn sie sogar noch stärker verschmutzt wären, als wir annehmen. Risiko? Peter, du weisst doch ganz genau, welchen riesigen Einfluss eure InteressenvertreterInnen auf Behörden und Parlament haben! Aber wenigstens dann, wenn ein Anforderungswert überschritten ist, müsste doch die zuständige kantonale Behörde gemäss Art. 47 der GSchV handeln. Das kann dir Heidi besser erklären.“

Heidi:Die kantonale Behörde muss (müsste!!!):

  • Die Art, das Ausmass und die Ursache der Verunreinigung ermitteln und bewerten.
  • Sodann muss sie prüfen, welche Massnahmen technisch und betrieblich möglich sind, z.B. müsste sie den Zuströmbereich ausscheiden, innerhalb desselbigen den Pestizideinsatz einschränken und, falls nötig, die im Übermass vorhandenen Wirkstoffe verbieten, grössere Gewässerabstände vorschreiben und abklären, ob Drainagen oder andere direkte Verbindungen zwischen behandelten Flächen und dem betroffenen Gewässer bestehen.
  • Die Behörde muss zudem die Wirksamkeit der Massnahmen ermitteln und die geeigneten Massnahmen zum Beheben der Ursachen der Verunreinigungen anordnen.

Du siehst, es gibt viel Arbeit für die BeamtInnen, wenn sie das Problem ernst nehmen. Und es ist ein grosses Problem! Handlungsbedarf besteht auch beim Grundwasser, denn Rückstände von Pestiziden, d.h. von Pflanzenschutzmittel-Wirkstoffen und -Abbauprodukten, treten landesweit an 20% der Messstellen in Konzentrationen von über 0,1 µg/l auf. In intensiv ackerbaulich genutzten Gebieten liegen die Konzentrationen einzelner oder mehrerer Substanzen sogar an 70% der Messstellen über diesem Wert.

Nicht viel besser sieht es beim Nitrat aus. Der Anforderungswert von 25 mg/l wird landesweit an bis zu 25% der beprobten Messstellen deutlich überschritten. In überwiegend ackerbaulich genutzten Gebieten liegen die Konzentrationen an bis zu 60% der Messstellen über diesem Wert.

Wird das Warnsignal von den zuständigen Behörden wahrgenommen? Wird gehandelt? Das frage ich mich immer wieder. Wahrscheinlich wartet man in den meisten Fällen ab. Worauf? Auf ein Wunder?“

Grundwasser bildet sich vor allem durch Versickern von Niederschlagswasser. Grafik: Claus J. Lienau, München, © Quelle: Bayerisches Landesamt für Umwelt; einmaliges Nutzungsrecht für diese Veröffentlichung erteilt durch LfU.

Grundwasser bildet sich vor allem durch Versickern von Niederschlagswasser. Grafik: Claus J. Lienau, München, © Quelle: Bayerisches Landesamt für Umwelt; einmaliges Nutzungsrecht für diese Veröffentlichung erteilt durch LfU.

Alpöhi: „Behörden sind oft überlastet. Während sie nichts unternehmen, gelangen aus verschmutzten Bächen und durch Versickern von Niederschlägen weiterhin Schadstoffe ins Grundwasser. Ein weiteres Problem ist die Speisung des Grundwassers. Der Wasserverbrauch pro Kopf sinkt zwar, aber die Einwohnerzahl steigt, und es braucht immer mehr Wasser zum Bewässern usw. Wenn es mit dem Siedlungs- und Strassenbau so weitergeht, dann fliesst immer noch mehr Wasser oberirdisch ab, statt unsere Grundwasserreserven zu speisen.

Wir haben eben früher in der Schule noch gelernt, wie Grundwasser entsteht; das wurde wohl aus den Lehrplänen gestrichen. Und wie es mit den Niederschlägen in Zukunft aussehen wird, das wissen wir nicht. Sicher aber müssen wir dem Grundwasser schon heute Sorge tragen!“

Heidi: „Das Bayerische Landesamt für Umwelt hat eine gute Dokumentation zusammengestellt über Wasser, Wasserforscher.de, mit separaten Seiten für Schüler und Lehrer. Darin gibt’s ein Kapitel Wie entsteht Grundwasser. Anschaulich beschrieben und bebildert. Das musst du dir einmal anschauen, Peter!“

Peter: „In der landwirtschaftlichen Schule lernten wir den Wasserkreislauf, aber das habe ich längst vergessen, und, ehrlich gesagt, das interessierte mich damals nicht.

Langsam brummt mir der Kopf vor lauter Paragraphen! Ihr könnt mir ein anderes Mal weitererzählen. Ich habe sowieso der Grossmutter versprochen, ihr heute noch etwas vorzulesen. Und danach möchte ich Bulle und Bär anschauen, Der Bulle von Tölz.“

Nachdenklich schaut Heidi dem Peter nach. Was hatte ihr Herr Sesemann kürzlich geschrieben? „Wir haben schon lange einen Aktionsplan Pflanzenschutzmittel, aber genützt hat er bisher nicht viel.“

Derweil übt die Schweizer Armee für das WEF. Es dröhnt am Himmel. Je nach Wetter wird man die Spuren von Drohnen sehen.

Biomonitoring mit Gammarus pulex im landwirtschaftlich intensiv belasteten Eschelisbach, Thurgau, Oekotoxzentrum Eawag-EPFL, Zentrum für angewandte Ökotoxikologie in der Schweiz. Gammarus pulex ist der Bachflohkrebs.

Zustand des Grundwassers, Bundesamt für Umwelt BAFU

* Erklärung der Redewendung durch alle Böden und ihrer Herkunft für NichtschweizerInnen siehe Kommentar zu Durch alle Böden — Neue (alte) Schweizer Lieblingsredewendungen, Blogwiese, 18.2.8

8.1.16 HOME

Heidis Wort zum Samichlaus

6. Dezember 2015

„Die Umwelt kollabiert erst in der Zukunft. Darum glauben wir, für Gegenmassnahmen sei noch alle Zeit…“ schrieb Alex Bänninger einleitend zum Artikel vom 3.12.15 Nach uns die Sintflut, mit Blick auf den Klimagipfel in Paris im JOURNAL21.ch. Bänninger verweist auf die Ablehnung der Initiative „Grüne Wirtschaft“ mitsamt Gegenvorschlag des Bundesrates durch das Parlament. Mit dem gleichen Denken wäre das politische Handeln auch auf anderen Gebieten blockiert, schreibt er weiter. Das sei aber nicht der Fall, weil die Folgen eines gesetzgeberischen Stillstands kurzfristig spürbar würden.

Selbst wenn ein Umweltschutzgesetz geschrieben werden darf, dann hat es oft einen geringeren Wert als die Gesetze rund um Eigentum oder Strassenverkehr, meint Heidi. Diebe werden verfolgt und bestraft, wer mit 80 km/h innerorts fährt wird hart angegangen.

Stellen Sie sich vor, eine Autofahrerin rast mit 500 km/h durch ein Dorf. Ein klarer Fall für die Justiz. Übertragen von den Pestizid-Verhältnissen in Gewässern könnten es auch 5’000 km/h sein, d.h. in einer Stunde nach New York; das lässt sich auch mit neuester Technik innerorts nicht bewerkstelligen. Doch wer sucht schon nach den Verursachern von Pestizid-Limiten-Überschreitungen dieser Grössenordnung in Gewässern?

Lieber kennt man in den Ämter den Zustand der Bäche und Bächlein gar nicht, denn sonst müsste man eventuell auch handeln. Was wären die Konsequenzen? Viel Arbeit für den Schmutzli!

6.12.15 HOME

Stallbau ohne Mistlager (2)

4. März 2015
Stallbau ohne Mistlager, Foto 28.1.11. Vier Jahre danach sieht es ähnlich aus: Viel Mist liegt vor dem Stall. Was tun die zuständigen Behörden?

Stallbau ohne Mistlager, Foto 28.1.11. Vier Jahre danach sieht es ähnlich aus: Viel Mist liegt vor dem Stall. Was tun die zuständigen Behörden?

Im Moment häufen sich Leseranfragen über Gülle und Mist. Zum Beispiel liege vor dem Stall ohne Mistlager in Haldenstein wieder viel, viel Mist, ähnlich wie früher. Das sehe man vom Zug aus. Ob denn die Behörden nichts dagegen unternähmen? Heidi hat es auch gesehen, jedoch möchte sie jetzt keine Zeit dafür verschwenden, Fotos zu machen. Wieso keine „alten“ Fotos für den Dauermissstand? Auch vom BIO-Mist im Feld in Malans? Natürlich sind das längst nicht die einzigen! Hier die Links du den alten Artikeln. Sie sind auch 2015 aktuell.

Zur Erinnerung: Es besteht die Gefahr, dass das Grundwasser – unsere wichtigste Trinkwasserquelle – durch Sickerwasser verschmutzt wird oder Mistsaft in Bäche abfliesst und dort Lebewesen tötet.

BTS, Fotovoltaik oder Gewässerschutz?

Stallbau ohne Mistlager

Diaschau Misthaufen im Feld 2014

Stallbauten Graubünden: Bauabnahme unzureichend?

Die meisten Bündner Misthaufen, die monatelang im Feld liegen, sind nicht gedeckt. Hier eine Ausnahme. Ebenfalls Stallbau ohne Mistlager. Keine Kontrolle? Keine Streichung der Direktzahlungen nach so vielen Jahren? Foto 14.7.10

Die meisten Bündner Misthaufen, die monatelang im Feld liegen, sind nicht gedeckt. Hier eine Ausnahme. Ebenfalls Stallbau ohne Mistlager. Keine Kontrolle? Keine Streichung der Direktzahlungen nach so vielen Jahren? Foto 14.7.10

4.3.15 HOME

Mini-Rückblick mit Zahlen und Fakten

31. Dezember 2014
Zur Erinnerung: Sauberes Grundwasser ist eine Voraussetzung für sauberes Trinkwasser, denn 80% unseres Trinkwassers stammen aus dem Grundwasser.

Zur Erinnerung: Sauberes Grundwasser ist eine Voraussetzung für sauberes Trinkwasser, denn 80% unseres Trinkwassers stammen aus dem Grundwasser.

Eigentlich hatte Heidi das Blog-Jahr 2014 abgeschlossen, doch dann traf der WordPress-Rückblick 2014 für Heidis Mist ein. Drei Rubriken und Erinnerungen haben sie zurück an den Computer gelockt.

Einmal mehr hat es kein einziger Artikel über Gewässerschutz auf die ersten drei Plätze der am häufigsten gelesenen Artikel geschafft. Gemäss üblicher Medien-Marketing-Strategie müsste Heidi mehr über Tierschutz, Urban Farming und Architektur schreiben. Doch wer kümmert sich dann um die ganz kleinen Tierchen in Bächen, Seen und im Grundwasser?

Die USA haben Österreich von der dritten Stelle der Leserzahlen verdrängt, was insofern nicht erstaunt, als Heidis Mist mehr AbonnentInnen in den USA hat als im Nachbarland Österreich. An erster Stelle ist nach wie vor mit Abstand die Schweiz, gefolgt von Deutschland. Hingegen wurden 83% der Kommentare von AusländerInnen verfasst.

Vieles hat sich 2014 verändert, etwas ist Heidi besonders in Erinnerung. Sie suchte im Sommer die Sektion Grundwasserschutz des Bundesamts für Umwelt, doch diese war verschwunden, einfach weg! Recherchen ergaben, dass die oberste Hüterin unserer wichtigsten Trinkwasser-Ressource aufgelöst und auf zwei neue Sektionen verteilt worden war: Gewässerschutz und Wasserqualität.

Das ist aber noch nicht alles. Der Chef der ehemaligen Sektion Grundwasserschutz, Daniel Hartmann, und sein Stellvertreter, Benjamin Meylan, gingen in Pension, eine willkommene Gelegenheit für das BAFU, zwei Stellen zu streichen. So hat das Grundwasser nicht nur zwei erfahrene Schützer verloren, sondern auch die Zahl der Schützer hat abgenommen, was in einer so kleinen Gruppe von Fachleuten ins Gewicht fällt. Ein solches Vorgehen ist beim Bund eine gängige Praxis: Man spart dort, wo es am reibungslosesten geht. Wird es den Newsletter Grundwasserschutz in Zukunft noch geben? Wohl kaum! Heidi wird ihn vermissen.

Noch zu finden sind viele Informationen über das Grundwasser, Spuren der grossen Leistungen dieser Sektion. Zahlreiche der Errungenschaften werden auch in Zukunft helfen, das Grundwasser zu schützen: Gesetzte, Verordnungen, Wegleitungen, Vollzugshilfen, digitale Schweizer Gewässerschutzkarte usw. sowie das legendäre NAQUA (Nationale Grundwasserbeobachtung), welches von der Sektion Hydrologie betreut wird. Heidi kann sich gut vorstellen, gegen welche Widerstände die Leute zu kämpften hatten. Herzlichen Dank für die hervorragende Arbeit!

Heidi hofft, dass der Grundwasserschutz seinen verkleinerten und zerstückelten Platz halten kann, wünscht viel Erfolg und freut sich auf die Arbeit der übrig gebliebenen Grundwasserschützer. Sie wünscht sich auch, dass die zwei neuen Chefs des Grundwasserschutzes am gleichen Strick zugunsten des unsichtbar in der Tiefe liegenden Schatzes ziehen werden.

Zum Schluss noch etwas Positives: Heidis Mist wird es auch 2015 geben! Das ist nötig, denn z.B. im Bündnerland liegen jetzt schon wieder Misthaufen im Feld über dem Grundwasser (auch Bio-Knospe-zertifizierter Mist); sie werden erfahrungsgemäss monatelang dort bleiben, eine Verschmutzungsgefahr für das Grundwasser. Das ist nicht weiter erstaunlich, weil es nicht nur bei Bauern, sondern auch bei Bündner Ämtern an Einsicht und Vollzugswille mangelt. Also Prosit Neujahr … und auf Wiedersehen oder -lesen im 2015!

31.12.14 HOME

Wägitaler Aa: Wo bleibt das Restwasser?

22. Juni 2014
Kein Wasser in der Wägitaler Aa. Ohne Wasser kein Leben.

Kein Wasser in der Wägitaler Aa. Ohne Wasser kein Leben.

Wird einem Bach oder Fluss Wasser entnommen, muss seit 1992 Restwasser im Gewässer bleiben. So staunte Heidi nicht schlecht, als sie am 15.6.14 vor der Wägitaler Aa stand: Viele Steine, kein Wasser. Da und dort ein Tümpel in welchem das Wasser stand, nicht floss. Eine Ausnahmesitutation oder systematisches Fehlen von oberirdischem Wasser? Heidis Nachforschungen haben ergeben, dass dieser Anblick nicht aussergewöhnlich ist.

Das mit Steuergeldern revitalisierte Lachner Aahorn ist ohne sichbares Wasser. So können sich Flora und Fauna nicht entwickeln.

Das mit Steuergeldern revitalisierte Lachner Aahorn ist ohne sichbares Wasser. So können sich Flora und Fauna nicht entwickeln.

Am 27.10.10 hatte das Umweltdepartement des Kantons Schwyz eine Medieninformation verschickt, Projekt Lachner Aahorn abgeschlossen: „Der Turm steht, der Steg und die Informationstafeln sind montiert und die Revitalisierung des Deltas ist abgeschlossen. Nach 11 Monaten Bauzeit wurde das Projekt Lachner Aahorn feierlich eröffnet…“. Wenn’s ums Feiern geht, sind alle gerne dabei, wenn es jedoch gilt, Gesetzte durchzusetzen, dann ist plötzlich niemand mehr aktiv, in diesem Fall weder beim Kanton Schwyz noch beim Bundesamt für Umwelt (BAFU). Keine befriedigende Antwort auf kritische Fragen, dies die Erfahrung des Schwyzer Umweltrats, in welchem alle im Kanton SZ aktiven Umweltorganisationen vereint sind wie Pro Natura, WWF… Der Umweltrat kämpft schon lange für Restwassermengen und gegen die extremen Schwankungen des Wasserstand, den Schwall- und Sunkbetrieb der AG Kraftwerk Wägital; Das Kraftwerk Wägital, Nextroom, Aldo Rota, Prof. Dr. sc. techn., dipl. Werkstoffing. ETH/SIA. Die Wägitaler Aa sei saniert, so heisst es von Amtsseite, doch die Karten werden nicht offengelegen. Was Heidi gesehen hat, das ist kein sanierter Fluss. Falschinformation ist eine weit verbreitete Taktik.

Wenn das Wasser kommt, dann ist dies nicht nur eine Gefahr für den Menschen, sondern v.a. für die Tiere und Pflanzen, die nicht flüchten können.

Wenn das Wasser kommt, dann ist dies nicht nur eine Gefahr für den Menschen, sondern v.a. für die Tiere und Pflanzen, die nicht flüchten können.

Unter dem mangelnden Vollzug der Kantone und der unzulänglichen Oberaufsicht des BAFU leidet die Umwelt. Was tun? Hartnäckig und energisch den Gesetzesbrechern ihre Aufgaben auf den Tisch legen. Im vorliegenden Fall zahlten wir mit Steuergeldern (Kanton und Bund) eine Flussdelta-Revitalisierung, doch es ist kein Wasser im Fluss! Nun gilt es, das Selbstverständliche beim Kanton Schwyz einzufordern: Das Einhalten der Gesetze durch die Wägitaler Kraftwerke! Immer wieder müssen sich Umweltorganisationen und Private um Missstände kümmern. Das wäre eigentlich Aufgabe der Ämter, meint Heidi.

Danke, lieber Leser, für die Korrektur. Wägital schreibt sich mit einem „g“!

Nachtrag 2.8.15: Manchmal führt die Wägitaler Aa reichlich Restwasser, aber z.B. heute sah man fast nur Steine im Flussbett.

22.6.14 HOME

4 Jahre Heidis Mist

14. Mai 2014
Heidibrunnen oberhalb Maienfeld

Heidibrunnen oberhalb Maienfeld

Zufällig ist der Jubiläumsartikel der 300. Beitrag. Ein kleiner Rückblick mit ausgewählten Bildern!

Heidis Lieblingsartikel

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Zweimal täglich Milchzimmerabwasser im Bächlein.

Meistgelesene Beiträge

 

Malans1_bei_Reitzentrum_Laenge_mit_Hof

ausgewaschener „alter Mist“, neuer dunkler Mist

Höchste Zahl der Seitenaufrufe pro Tag immer noch 333

Mitte November 2010 stiegen die Seitenaufrufe rasant an. Ein Kommentar vom 30.11.10 zur Diaschau Misthaufen im Feld 2010/11 liess dann erahnen was los war: „Ich glaube Sie haben effektiv zu langweilig. Suchen Sie sich eine richtige Arbeit und hängen Sie nicht an öffentlichen Geldern! Was Sie hier veröffentlichen und erzählen ist wirklich reiner Mist! Mich interessiert auf welchem Misthaufen Ihre Dummheit entstanden ist?!“ Jemand hatte eine passende e-Mail-Adresse eingerichtet: misthock@… Das Ziel ist klar: Einschüchterung und Verwerfen der Informationen als „falsch“. Hinzuzufügen sei noch, dass Heidis Mist nur Kosten verursacht.

Am 1.12.10 erreichten die Seitenaufrufe das Maximum von 333. Viele Leute schauten sich die Misthaufen-Diaschaus an, lasen Heidis Gülle- und Mist-Artikel sowie Winteranfang in den Bergen. Offensichtlich war Unruhe in der Bauernschaft. Wohin mit Gülle und Mist? fragte sich auch das Amt für Landwirtschaft und Geoinformation und schrieb einen Artikel für den Bündner Bauern mit eben diesem Titel.

Loewenzahn_Klosters

Löwenzahn-Bergwiesen in Klosters mit Sunnibergbrücke von Christian Menn

In welchen Ländern wird Heidis Mist gelesen?

67%  Schweiz
22%  Deutschland
5%  Österreich
2%  USA
4%  übrige

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Viel zu schmaler Pufferstreifen zwischen Maisfeld und Bach, „Kleines Seezli“ zwischen Flums und Walenstadt.

Grosse Zunahme der Abonnements

Besonders freut sich Heidi über die zweistellige Abo-Zuwachsrate; im letzten Jahr betrug sie 27%. AbonnentInnen erhalten jeden neuen Artikel gratis per e-Mail ins Haus geliefert. Herzlichen Dank liebe Abonnentinnen und Abonnenten in nah und fern (Indien, Kanada …) für die Treue.

Heidi im Wallis oder Tessin?

Ein Leser möchte, dass Heidi ins Wallis zieht, denn – so argumentiert er – dort sei alles noch viel schlimmer. Diesen Wunsch kann Heidi leider nicht erfüllen. Auch im Tessin ist sie gefragt: Eine Leserin hat Heidi Fotos versprochen, zum Publizieren natürlich! So ist es denn immerhin beruhigend zu wissen, dass auch andere Leute die Augen offen haben.

Gerade richtig zum Jubiläum traf folgender Brief ein: „Ich wünsche Heidi weiterhin viel Energie – und eine grosse Leserschaft.“

Das Interesse an Heidis Mist ist ungebrochen.

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Ausländerin erntet Erdbeeren im Churer Rheintal

Ausgewählte Kommentare von LeserInnen

  • Gemeinsam sind wir stark…
  • It’s quite astonishing what has been happening to the bees. Let’s hope some common sense in government prevails. This is a lovely post, Heidi.
  • Was in der Schweiz gilt, trifft leider auch für die gesamte EU zu. Trefflich verstehen die Agrarfunktionäre, Subventionen zu sichern, teils mit so interessanten Bezeichnungen wie “Ausgleichszahlungen”.
    Der Sektor Agrarwirtschaft muss schlicht wie Kommunen, Gewerbe und Industrie seinen Beitrag zur Minderung von Nährstoffaustrag in die Welt (Wasser, Boden, Luft !) mindern.
    Wie Heidi leider zutreffend schreibt, ändert sich das bisherige, ungesunde System aber offenbar erst, wenn der Zahler erwacht. Politik scheint allzu verflochten. Das wiederum kann der Wähler beeinflussen. – Wunsch für 2014: Wähler/(Steuer)Zahler erwache!
  • Ich kenne das Problem gut. Wenn die Behörden nicht energisch einschreiten, dann glauben die Bauern, dass sie im Recht sind und wehren sich gegen Sanierungsmassahmen. Mich ärgert das nicht nur weil ich mir Mühe gebe, korrekt zu wirtschaften, sondern weil die Umwelt darunter leidet und mit ihr wir alle.
  • Schönes Bild, dem kalbert sogar der Miststock… Schon krass, wie amateurhaft da vielerorts gewirtschaftet wird. Danke für Deine offenen Augen, Heidi, das Grundwasser wirds Dir danken, die Blacken-Community weniger. Herzlicher Gruss aus dem Unterland.
  • Mich überrascht eigentlich gar nichts mehr, wir in unserer kleinen Ortschaft haben das gleiche Problem, Verursacher ist ein “Einmann-Betrieb”, gefördert von der EU, der wahrscheinlich gar nicht weiss, wieso er gefördert wird, dem Typen müsste seitens der Behörde genauer auf die Finger geschaut werden, doch die zuständige Behörde ist gegen diesen Typen ziemlich machtlos, weil er sehr gute Verbindungen hat …
Glückwunsch zum Geburtstag!

14.5.14 HOME

Nach dem Pestizid-Cocktail die Beruhigungspille

30. März 2014
Die Beruhigungspille: Trotz hoher Belastung der Flüsse mit Pestiziden sei das Essen von Fischenn unbedenklich, sagt ein Kantonschemiker.

Die Beruhigungspille: Trotz hoher Belastung der Flüsse mit Pestiziden sei das Essen von Fischen unbedenklich, sagt ein Kantonschemiker.

Die Sprache der EAWAG-Forschenden ist – für eine Bundesanstalt – erfreulich klar, pflegen doch viele offizielle Stellen den Verschleierungs-Jargon: Pestizidcocktail in Schweizer Flüssen, Medieninformation EAWAG, Wasserforschungs-Institut des ETH-Bereichs, 5.3.14.

Ein Fischer, aufgeschreckt durch diese schlechte Nachricht in seiner Zeitung, fragte die Redaktion: „Sind die Forellen unter diesen Umständen überhaupt noch bedenkenlos geniessbar?“ Die Antwort des Kantonschemikers: „Moderne Pflanzenschutzmittel sind rasch abbaubar und reichern sich in Fischen kaum an.“ Er verwies auf andere Probleme wie Tierarzneimitteln in Zuchtfischen, Schwermetalle, Dioxine, PCB usw., Pestizidcocktail in den Flüssen soll Fischen und Fischessern nicht schaden, Solothurner Zeitung vom 26.3.14.

Also beruhigt weiterschlafen, wo die Sommerzeit uns soeben eine Stunde gestohlen hat? Nein, denn die neuen Bestimmungen betreffend Gewässerraum bringen den Acker und somit die Pestizide näher an die mittleren und kleinen Bäche, jene Bäche also, die in der Schweiz vorherrschen. Zum Beispiel wurde die Messmethode von Pufferstreifen an Gewässern per 1.1.14 so geändert, dass die Masse besser in den „Pestizid-freien Gewässerraum“ passen. Und auch dort, wo ausdrücklich kein Gewässerraum ausgeschieden wird, schrumpft der Pufferstreifen – quasi als Geschenk für die Bauern – beachtlich. Nachfolgend die bauernfreundliche Änderung der Chemikalien-Risikoreduktions-Verordnung, Anhang 2.5, Pflanzenschutzmittel, 1.1 Verbote und Einschränkungen:

1 Pflanzenschutzmittel dürfen nicht verwendet werden:
….. Punkt e

„in oberirdischen Gewässern und in einem Streifen von drei Metern Breite entlang von oberirdischen Gewässern, wobei der Streifen bei Fliessgewässern, für die ein Gewässerraum nach Artikel 41a GSchV2 festgelegt wurde oder bei denen nach Artikel 41a Absatz 5 GSchV ausdrücklich auf die Festlegung eines Gewässerraums verzichtet wurde, ab der Uferlinie und bei den übrigen Fliessgewässern sowie bei stehenden Gewässern ab der Böschungsoberkante gemäss Pufferstreifenmerkblatt «Pufferstreifen richtig messen und bewirtschaften», KIP/PIOCH 2009,3 gemessen wird;“

Alles klar? Passt dies in die neue Agrarpolitik, welche, wie es heisst, ökologisch sein soll? Selbst wenn tatsächlich die Flussfische bedenkenlos konsumiert werden können, was ist mit der übrigen Bach-Flora und -Fauna? Darf man sie bedenkenlos den Pestizid-Bädern aussetzen, die direkt nach einer Sprühaktion (evtl. mit Wind und anschliessendem Regen) noch konzentrierter sein können, als das von der EAWAG entnommene Probenwasser? Ist dies die „neue Biodiversitätsstrategie“? Das Recht des Stärkeren? Heidi meint: „Das darf nicht sein!“  Es gibt noch weitere Probleme mit Gewässerraum und Pestiziden, Heidi bleibt dran!

Noch etwas: Wie stellen sich die Gesetzesschreiber den Vollzug der neuen Pufferstreifen-Regelung vor, wo doch die alte, wesentlich einfachere, vielerorts nicht vollzogen wurde? Akzeptiert man weiterhin den Nicht-Vollzug?

Nachtrag: Fast hätte Heidi die DirektzahlungsempfängerInnen vergessen, das sind etwa 94% der Bauern, für sie gilt weiterhin ein 6 m breiter Pestizid-Pufferstreifen, siehe Direktzahlungsverordnung. Wenn also das Grünland zwischen Bach und Acker keine 6 m breit ist, was Heidi häufig sieht, dann ist dies meist eine widerrechtlich Situation. Nur schaut niemand hin, ausser Heidi natürlich.

Mit dem Wasser macht man keine Kompromisse! Heidis Mist, 11.6.13

Der Acker rückt näher an den Bach, Heidis Mist, 29.5.13

Heidis Artikel-Serie über Pufferstreifen

Wer mehr über den zerstörerischen Menschen und seine Tätigkeit lesen will, dem sei George Monbiot empfohlen. Im neuesten Artikel schreibt er zwar über die Ausrottung grosser Tiere, aber betreffend Konsequenzen menschlichen Handelns ist kaum ein Unterschied zwischen den grossen Tieren und den kleinen Wassertierchen, siehe
Destroyer of Worlds, George Monbiot, Guardian 25th March 2014

„New research suggests there was no state of grace: for two million years humankind has been the natural world’s nemesis.
You want to know who we are? Really? You think you do, but you will regret it. This article, if you have any love for the world, will inject you with a venom – a soul-scraping sadness – without an obvious antidote…“

 30.3.14 HOME

Abwasser gehört in Röhren!

2. Oktober 2012
Bach121001abend02morgenK

Wasser in Heidis Bächlein am Abend 1.10.12 links, am Morgen 2.10.12 rechts.

Das Wasser in Heidis Bächlein verändert sich laufend. Am 18.8.12 z.B. sah es aus wie Cola und schäumte, siehe Im Land wo Milch und Cola fliesst. Am Abend des 1.10.12 war es dunkelbraun, viele Schwebeteilchen trübten es, und der Nitratgehalt betrug „nur“ 10 mg/l. Heute morgen dann, 2.10.12, war das Wasser so klar wie schon lange nicht mehr, Nitratgehalt nur wenige mg/l. Das Erstaunliche daran ist, dass es in den letzten zwei Tagen nicht geregnet hat, also der Regen nicht schuld sein kann an dieser Verschmutzung.

Bach120922_HahnenwasserK

In den letzten Wochen war das Wasser mehr oder weniger bräunlich, links Probe vom 22.9.12, rechts zum Vergleich Hahnenwasser.

In letzter Zeit war das Bächlein meist bräunlich. Der Nitratgehalt des Wassers schwankte zwischen 20 und 30 mg/l. Die Veränderung der Wasserqualität ist in der Regel unabhängig von Niederschlägen. Heidi meint: „Abwasser gehört in Röhren!“

2.10.12 HOME

Diaschau: Ewig schmutziges Bächlein

26. August 2012
DSC03769SchachtSchaum

Systematische Gewässerverschmutzung, amtlich toleriert?

Heidi hat eine Diaschau über „ihr“ Bächlein zusammengestellt: Ewig schmutziges Bächlein. Fotos von zahlreichen Beobachtungen ab Weihnachten 2009. Die Gesetze zum Schutze der Gewässer vor Verschmutzungen durch die Landwirtschaft, Entscheide des Bundesgerichts und  internationale Verpflichtungen der Schweiz interessieren die Bündner Behörden wenig. Auf der Link-Seite des Amts für Landwirtschaft und Geoinformation Graubünden (ALG) ist unter Verordnungen des Bundes immer noch die Stoffverordnung aufgeführt, welche bereits 2005 durch die Chemikalien-Risikoreduktions-Verordnung ersetzt worden war. Eine Kleinigkeit? Schon, aber der mangelnder Vollzug nicht. Und, wie sagte emma bovary in ihrem Kommentar zu Gülle-Saison bald vorüber: „hier verstehen einen die bauern nicht. mist und gülle sind doch bio. und bio darf man …“

Nachtrag 28.9.12: Offenbar hat jemand vom ALG Heidis Mist gelesen, denn der Link zur Stoffverordnung wurde durch einen Link zur Chemikalien-Risikoreduktions-Verordnung ersetzt. Manchmal staunt Heidi wie rasch die Ämter handeln. Oft braucht es selbst bei Offizialdelikten Jahre, wenn überhaupt je gehandelt wird.

26.8.12 HOME

Güllen wenn’s regnet

28. Juli 2011
Guelle_Bach

Gülle fliesst im Bächlein weg; woher kommt sie?

Heidi wird in letzter Zeit oft gefragt, ob man vor oder bei Regen güllen dürfe. Diese Frage lässt sich nicht einfach mit ja oder nein beantworten.

Wenn nur wenig Regen angesagt ist und der Boden trocken, dann kann das Güllen zu diesem Zeitpunkt ein Vorteil sein, da der Boden aufnahmefähiger ist, die Gülle verdünnt wird und die Ammoniak-Emissionen geringer sind. Denn bei völlig ausgetrocknetem Boden mit tiefen Schwundrissen fliesst viel Gülle einfach weg. Zum Beispiel in Schinznach wurde das Trinkwasser verseucht, weil ein Bauer auf ausgetrockneten Boden gegüllt hatte, siehe Gülle im Trinkwasser: Kanton appelliert an Bauern, Aargauerzeitung vom 3.5.11. Übrigens: Der Kanton Aargau will die Bauern in der Beratung und Weiterbildung für das Problem sensibilisieren, der Bauernverband hingegen winkt ab, die Bauern seien genügend sensibilisiert.

Wieviel Regen aber darf es sein? Sicher kein Dauer- oder Gewitterregen. Während der letzten Regenperiode war der Boden vielerorts wassergesättigt (Wasserlachen, Bodenprobe fühlt sich nass und breiig an), trotzdem güllten zahlreiche Bauern. Meistens fliesst die Gülle ungesehen weg, in Schichten, die für die Pflanzen nicht erreichbar sind, dann ins Grundwasser oder in Quellen und Bäche, besondere Gefahr geht von drainierten und unbewachsenen Flächen aus. Oder die Gülle fliesst oberirdisch ab und gelangt so in Gewässer oder über die Strassenentwässerung in Kläranlagen, wo sie den Reinigungsprozess massiv stört.

Auch die Gefahr der Verflüchtigung ist gross, denn in wassergesättigtem, sauerstoffarmem Boden wird Lachgas gebildet, das in die Luft entweicht und zur Klimaerwärmung beiträgt. Lachgas ist pro Molekül 280 Mal klimaschädlicher als CO2, Methan und Lachgas aus der Landwirtschaft, ETH-Klimablog. Es stammt zum grössten Teil aus der Landwirtschaft, steuert 5 Prozent zum Treibhauseffekt bei und ist im Kyoto-Protokoll reglementiert. Zudem ist Lachgas heute die bedeutendste Quelle ozonschädlicher Emissionen, siehe Lachgas, Wikipedia. Besonders aus schweren, überdüngten und feuchten Böden entwicht viel Lachgas in die Luft, siehe Treibhausgas, Wikipedia.

Gülle ist ein flüssiger Dünger: „Flüssige Dünger dürfen nur ausgebracht werden, wenn der Boden saug- und aufnahmefähig ist. Sie dürfen vor allem dann nicht ausgebracht werden, wenn der Boden wassergesättigt, gefroren, schneebedeckt oder ausgetrocknet ist“, siehe Chemikalien-Risikoreduktionsverordnung (ChemRRV), Anhang 2.6, 3.2.1 Stickstoffhaltige und Flüssige Dünger

Düngen zur richtigen Zeit, BAFU 2004

Ausführliche Informationen zur Verminderung gasförmiger Emissionen in der Tierhaltung – Ammoniak, Methangas, Lachgas (pdf), Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten.

Heidi meint: Eine bessere Aus- und Weiterbildung wäre dringend nötig, sie sollte vor allem für nicht ausgebildete Bauern Pflicht sein.

Vielen Dank, lieber Leser, für die Fotos!

28.7.11 HOME

Guelle_Rohr

… aus einem Rohr. Ein Bauer hatte, wie viele seiner Kollegen, auf wassergesättigten Boden gegüllt.


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