Posts Tagged ‘Bayer’

Klimakonferenz oder Notfalltreffen der Lobbyisten?

21. November 2022
Schlafende Schafe am See

Schlafende Schafe am See

Schon lange ist klar, dass der Klimawandel eine ernsthafte Gefahr für die Menschheit ist. Dringendes Handeln ist nötig. Wie auch immer: Die Natur wird sich anpassen können, wenn auch mit Verlusten, für die Menschen sieht es schlechter aus. Wichtige Probleme werden nicht angegangen wie etwa George Monbiot in seinem Beitrag The Silence of the Lambs in The Guardian vom 9.11.22 schreibt. Offensichtlich haben viele Angst um ihr Geschäft. Es geht um Gewinne, Wachstum und „weiter wie bisher“.

Unsere grossen Probleme sind Klimawandel, Bevölkerungswachstum, chemische Verschmutzung, sauberes und ausreichendes Wasser und Abfälle. Es ist also zwingend nötig, dass bestimmte Wirtschaftszweige massiv abgebaut werden. Aber die Drachen wehren sich mit allen Mitteln dagegen, die Lobbyisten schwärmen aus und finden viel zu oft Gehör.

Agrar-Lobbyisten an der COP27

So reisten denn viele Lobbyisten an die Klimakonferenz COP27. DeSmog berichtete am 18.11.22, dass die Zahl der Agrarlobby-Delegierten wie Fleischverpacker JBS, Cargill oder Bayer von 76 im Jahr 2021 auf mindestens 160 in diesem Jahr gestiegen ist. Die Analyse von DeSmog ergab einen Anstieg der Teilnahme von Unternehmen aus dem gesamten industriellen Lebensmittel- und Landwirtschaftssektor.

27 Lobbyisten, die mit den fünf grössten Pestizidherstellern der Welt in Verbindung stehen, haben sich registriert. Diese Zahl ist grösser als die einiger Länderdelegationen. Die 35 Delegierten, die mit den grössten Fleisch- und Molkereikonzernen und den dazugehörigen Lobbygruppen in Verbindung stehen, sind grösser als die Delegationen der Philippinen und Haiti, die zu den Ländern gehören, die am stärksten vom Klimazusammenbruch betroffen sind.

„Die Lobbyisten der Agrarindustrie sind dazu da, das Thema zu verwirren und sinnvolle Massnahmen zu blockieren“, kommentiert Monica Vargas Collazos von der gemeinnützigen Organisation GRAIN. „Es gibt keine Möglichkeit, die Klimakrise zu bewältigen, wenn unser Lebensmittelsystem in den Händen dieser Konzerne liegt.“

Die Landwirtschaft, die für schätzungsweise ein Drittel aller globalen Emissionen verantwortlich ist, stand bei den Klimaverhandlungen weiter oben auf der Tagesordnung als bei jeder anderen Runde. Jüngste Untersuchungen von DeSmog haben jedoch die Förderung „falscher Lösungen“ durch die Industrie aufgedeckt (wie z.B. Hightech-Pläne zur Senkung des Methananteils von Kuh-Rülpsen), die von der US-geführten AIM for Climate-Koalition befürwortet wurden, die auf der COP27 industriefreundliche, „klimafreundliche“ Innovationen propagiert hat.

Laute Stimmen der Grossen

„Es ist eine schlechte Nachricht, dass diese COP nicht nur mit Lobbyisten für fossile Brennstoffe, sondern auch mit ihren Freunden aus der grossen Agrarindustrie vollgepackt ist“, sagt Veronica Oakeshott, Leiterin des Forests Team bei Global Witness, die letzte Woche aufgedeckt hat, dass über 600 Vertreter von umweltverschmutzenden Energieunternehmen für die COP27 angemeldet waren – ein Anstieg von 25 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. „Diese Liste enthält einige der zerstörerischsten Unternehmen der Welt, und sie sollten nur mit äusserster Vorsicht an der COP teilnehmen“, erklärte sie gegenüber DeSmog. „Eine so grosse Präsenz erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass die Klimaziele verwässert werden, und übertönt die Stimmen anderer an der Landwirtschaft beteiligter Akteure, wie Landwirte, Aktivisten und Kleinbauernorganisationen.“

Im Allgemeinen haben sowohl die Unternehmen für fossile Brennstoffe als auch die Tierhaltung auf die drohenden Regulierungsmassnahmen auf ähnliche Weise reagiert: Sie wollen als wichtiger Teil der Lösung angesehen werden und sind bereit, an marginalen Änderungen herumzubasteln, anstatt über den Wandel des Systems zu sprechen, den wir so dringend brauchen.“

„Die Lobbyisten der Fleisch- und Milchindustrie wenden die gleiche Taktik an wie die der fossilen Brennstoffindustrie“, sagte Diana Ruiz von Greenpeace gegenüber DeSmog. „Sie säen öffentliche Zweifel durch Medienkampagnen und untergraben den wissenschaftlichen Konsens über den Beitrag der Viehwirtschaft zur Klimakrise.“

The Silence of the Lambs. George Monbiot, The Guardian 9.11.22

Big Ag Delegates More Than Double at COP27. Clare Carlile, Rachel Sherrington and Hazel Healy in DeSmog vom 18.11.22

.

21.11.22 HOME

Datenschutzerklärung

Der Pestizidatlas 2022 ist da!

18. Oktober 2022
Wenige Konzerne aus dem Norden teilen sich den milliardenschweren Pestizidmarkt auf.

Wenige Konzerne aus dem Norden teilen sich den milliardenschweren Pestizidmarkt auf.

Vorwort Pestizidatlas 2022:

Im Bier und im Honig, auf Obst und Gemüse, im Gras auf Spielplatzen und sogar im Urin und in der Luft – überall lassen sich mittlerweile Spuren von Pestiziden aus der Landwirtschaft nachweisen. Dabei ist die Erkenntnis, dass sich Pestizide negativ auf die menschliche Gesundheit auswirken, keineswegs neu. Auch ist seit Jahren bekannt, dass sie massiv Insekten und Pfanzen schädigen und Gewässer kontaminieren.

Bereits 1962 veröffentlichte Rachel Carson ihr weltweit anerkanntes Buch „Silent Spring“ – der stumme Frühling, in dem die Biologin die schädlichen Auswirkungen der Pestizidanwendung beschrieb. Es gilt als wegweisend für die Umweltbewegung und als eines der einfussreichsten Sachbücher unserer Zeit. Seitdem wurden viele Pestizide vom Markt genommen. Neue kamen mit dem Versprechen hinzu, sie seien ungefährlicher für Gesundheit und Umwelt. Ein Versprechen, das selten eingelöst wurde.

Trotz vieler Verschärfungen in den Zulassungsverfahren und freiwilliger und verbindlicher Vereinbarungen zum Umgang mit Pestiziden werden sechzig Jahre nach Carsons Buch weltweit so grosse Mengen Pestizide ausgebracht wie nie zuvor. Laut einer aktuellen Studie ist die Zahl der jährlich von Pestizidvergiftungen betroffenen Menschen auf 385 Millionen gestiegen, und der Pestizideinsatz ist als ein Hauptverursacher des Artenrückgangs anerkannt. Insbesondere in Ländern mit grosser Artenvielfalt hat der Anbau von gentechnisch verändertem Soja dazu beigetragen, dass der Pestizideinsatz dramatisch steigt.

In Deutschland hat sich die eingesetzte Pestizidmenge in den letzten Jahrzehnten nur minimal verringert. Bemühungen um eine Reduktion des Pestizideinsatzes und seiner schädlichen Auswirkungen auf Mensch, Natur und Umwelt fehlte bislang offenkundig der politische Wille.

Kaum ein Land weltweit hat eine ambitionierte Pestizid-Reduktionsstrategie oder gar Konzepte für eine Landwirtschaft, die wirklich unabhängig vom chemischen Pfanzenschutz ist. Und das nicht ohne Grund: Der Markt für Pestizide ist lukrativ. Nur wenige gut vernetzte und einfussreiche Agrarchemiekonzerne teilen ihn unter sich auf. Ganz vorne mit dabei: deutsche Unternehmen wie Bayer und BASF. Kein Wunder also, dass Deutschland einer der grössten Pestizidexporteure der Welt ist.

Die vielversprechenden Wachstumsmärkte der Pestizidunternehmen liegen längst nicht mehr in Europa, sondern vor allem in Lateinamerika und Asien. Aber auch in afrikanische Länder werden zunehmend Pestizide exportiert – nicht zuletzt solche, die in der EU aufgrund ihrer gesundheits- oder umweltschädigenden Wirkung nicht mehr zugelassen oder verboten sind.

Noch nie in der Geschichte wurden weltweit so viele Pestizide eingesetzt wie heutzutage“

Eine langjährige Forderung der internationalen Zivilgesellschaft lautet deshalb: endlich Gesetze zu schaffen, die konsequenterweise diese giftigen Exporte verbieten. Dass die neue Bundesregierung sich in ihrem Koalitionsvertrag verpfichtet hat, entsprechend zu handeln, lässt hoffen.

Um endlich die international verpflichtenden Biodiversitätsziele zu erreichen, schreitet die EU nun voran: Sie fordert von den Mitgliedsländern bis 2030 eine Reduktion des Pestizideinsatzes und der damit zusammenhängenden Risiken um fünfzig Prozent. Aus Sicht der 1,2 Millionen europäischen Bürgerinnen und Bürger, die bis zum September 2021 die Bürgerinitiative „Save Bees and Farmers“ unterschrieben haben, geht diese Forderung jedoch nicht weit genug. Sie fordern einen kompletten Ausstieg aus der Nutzung chemischer Pestizide bis 2035.

In diesem Zusammenhang hat uns interessiert, ob eine ambitionierte Politik zur Reduktion von Pestiziden eine breitere Unterstützung auch unter jungen Menschen in Deutschland fndet. Daher haben wir im Rahmen einer repräsentativen Umfrage junge Menschen befragt – und konnten feststellen: Die meisten wünschen sich eine sehr deutliche Reduktion des Pestizideinsatzes in Deutschland, um insbesondere die Umwelt und Gewässer vor Einträgen zu schützen. Wie auch bei vorangegangenen Umfragen zum Klimaschutz und zum Tierwohl ergibt sich aus der Umfrage ein klarer Handlungsauftrag für die neue Bundesregierung. Freiwillige Beschränkungen sind für die jungen Menschen keine Option. Es sollte ernsthafte und wirksame Kontrollen und gleichzeitig Unterstützung für die Bäuerinnen und Bauern geben, damit sie weniger Pestizide verwenden.

Für eine ökologische Trendwende braucht es Umdenken in der  Landwirtschaft – und politischen Willen.

Durch die Klimakrise werden Pflanzenkrankheiten, Schädlungsbefall und Extremwetterlagen in vielen Teilen der Welt zunehmen. Um den dadurch erhöhten Druck auf nützliche und unverzichtbare Insekten- und Pfanzenpopulationen zu verringern, müssen sich unsere Agrarsysteme darauf einstellen, diesen Herausforderungen auch mit weniger Pestiziden zu begegnen. Dafür müssen sie vielfältiger werden und Nützlinge als Verbündete schützen und einsetzen. Den Kampf mit der Natur und nicht gegen sie zu führen, ist eine enorme Aufgabe. Für ihr Gelingen müssen wir die Weichen jetzt stellen. Deshalb wollen wir mit diesem Atlas Daten und Fakten für eine lebendige Debatte liefern.

Barbara Unmüßig, Heinrich-Böll-Stiftung

Olaf Bandt, Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland

Doris Günther, Pestizid Aktions-Netzwerk

Dorothee D’Aprile, Le Monde Diplomatique

Pestizidatlas 2022, Heinrich-Böll-Stiftung

Pestizidatlas 2022, Schweizer Ausgabe, Public Eye

Der verzweifelte Kampf für den Absatz von Pestiziden

22. Juli 2022
Das Fungizid Valbon ist auch zugelassen für nichtberufliche Verwendung in Chicorée, Endivien, Kopfsalat, Lattich, Knoblauch, Schalotten, Zwiegeln und Kartoffeln.

Das Fungizid Valbon ist auch zugelassen für nichtberufliche Verwendung in Chicorée, Endivien, Kopfsalat (Anzucht von Jungpflanzen), Lattich, Knoblauch, Schalotten, Zwiebeln und Kartoffeln (Wartefrist 3 Wochen, Frühkartoffeln 2 Wochen/Frage: Ist in der kühleren Jahreszeit die Abbauzeit kürzer????!!!).

Onkel Kurt hatte eine Lehre als Wagner (auch Stellmacherei genannt) absolviert. Doch immer weniger war sein Handwerk gefragt: er musste sich eine andere Stelle suchen. Frohen Mutes machte er sich in Genf auf die Suche. Tüchtige Leute waren gefragt, so fand er einen Job als Ausläufer und Mann für Alles bei einer Bank. Die Arbeit gefiel ihm, und er blieb bis zur Pensionierung der Firma treu, inzwischen ist er gestorben.

Schwieriger ist es wohl für die Giftmischer. Sie vergoldeten die Chemikalienlager, die nach dem 2. Weltkrieg übrig blieben, forschten unentwegt weiter und fanden viele neuen Herbizide, Insektizide, Fungizide … mit zum Teil verheerender Wirkung auf die Umwelt, auf die Insekten, Vögel, Gesundheit usw. Ein Teil der Bauern liegt ihnen treu zu Füssen und sorgt weiterhin für Absatz und Gewinn, ein anderer Teil versucht es, mit Blick in die Zukunft, ohne diese synthetischen Pestizide. Auch Regierungen, Politiker und einfache Leute haben gemerkt, dass es so nicht weitergehen kann. Was tun?

Die grossen Giftmischer versuchen mit allen Mitteln weiterhin Wachstum zu generieren. Sie probieren alle möglichen Mittel aus, um die Leute bei der Stange zu halten, mit mässigem Erfolg. Besondere Anstrengungen machen sie in armen Ländern, wo noch zu wenig Wissen über die Wirkung ihrer Gifte vorhanden ist. Doch nicht überall sind sie willkommen. Dies zeigen viele Berichte. Heidi verlinkt hier drei, welche in der letzten Woche erschienen sind:

Diese Liste liesse sich beliebig weiterführen!

.

22.7.22 HOME

Datenschutzerklärung

Ein US-Gericht erklärt Glyphosat-Zulassung als rechtswidrig

20. Juni 2022
Das Original, seit 1974

Das Original, seit 1974

Die US-Umweltschutzbehörde EPA wurde am Freitag von einem Bundesberufungsgericht angewiesen, erneut zu prüfen, ob Glyphosat, der Wirkstoff im Unkrautvernichter Roundup der Bayer AG (BAYGn.DE), unzumutbare Risiken für Mensch und Umwelt birgt.

In einer 3:0-Entscheidung stimmte das Berufungsgericht des 9. US-Bundesbezirks mit mehreren Umweltschutz-, Landarbeiter- und Lebensmittelsicherheitsgruppen darin überein, dass die EPA nicht ausreichend geprüft hat, ob Glyphosat Krebs verursacht und gefährdete Arten bedroht.

Erklärung von Amy van Saun, leitende Anwältin beim Center for Food Safety (CFS) und Hauptanwältin in diesem Fall:

„Der heutige Tag ist ein monumentaler Sieg für Landarbeiter, Wildtiere und die Öffentlichkeit. Das Gericht hat die Zulassung von Monsantos Glyphosat durch die EPA für rechtswidrig erklärt und die EPA dafür gerügt, dass sie reale Beweise für Krebsrisiken bei der Verwendung von Glyphosat ignoriert und die Auswirkungen auf gefährdete Arten nicht einmal in Betracht gezogen hat.“

U.S. EPA ordered to reassess glyphosate’s impact on health, environment. Reuters 17.6.22

Federal Court Holds Glyphosate Registration Unlawful, Cites Cancer Risks, Endangered Species Risks. Center for Food Safety 17.6.22

UNITED STATES COURT OF APPEALS, FOR THE NINTH CIRCUIT. No. 20-70787, EPA No. EPA-HQ-OPP-2009-0361 17.6.22

Glyphosat, Wikipedia

20.6.22 HOME

Datenschutzerklärung

Insektenkiller – Wie Chemieriesen unser Ökosystem zerstören

13. Juni 2022
ARTE: Insektenkiller - Wie Chemieriesen unser Ökosystem zerstören

Aus dem ARTE-Film „Insektenkiller – Wie Chemieriesen unser Ökosystem zerstören“. Klicken Sie auf das Bild!

Heute vor einem Jahr haben Initianten aus der Westschweiz und der Deutschschweiz je einen Achtungserfolg mit Volksinitiativen erzielt: 40 Prozent JA-Stimmen. Die Volksinitiative für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide und die Trinkwasserinitiative wurden zwar abgelehnt, aber haben immerhin das Thema auf den Tisch gebracht und einiges bewirkt. Es waren gewöhnliche Leute aus dem Volk. Unterstützung fanden sie aber von zahlreichen Fachleuten und Gleichgesinnten, welche sauberes Trinkwasser und pestizidfreie Lebensmittel wollen. Gegen sich hatten diese tapferen KämpferInnen nicht nur den Bundesrat und die Parlamentsmehrheit, sondern auch einen Grossteil der Bauern und die ganze Agrar- und Industrielobby mit der Taktik „Angst machen“.

Das ist Vergangenheit, aber das Artensterben geht weiter, die bekannten und unbekannten Schäden auch, und wir zahlen die hohen externen Kosten für dieses Wirtschaften. So freut sich Heidi über jede Bäuerin, jeden Bauern, die/der ohne die schädlichen Pestizide Lebensmittel für uns produziert.

Das Pestizidproblem ist gross, der Wille für umfassende Lösungen klein. Einem Teil der Bauern ist es egal, wenn Schmetterlinge, Vögel usw. sterben, einem Teil der Bevölkerung auch, wenn nur der Preis tief ist. Und die Grossverteiler sind in erster Linie auf Umsatz und Profit aus, legen aber Wert darauf, als „nachhaltig“ wahrgenommen zu werden.

Der Ukrainekrieg hat das Angstschüren belebt, besonders in der Pestizidindustrie. Die PolitikerInnen reden viel, machen etwas, aber entfaltet dies die für den Schutz unserer Lebensgrundlagen nötige Wirkung?

Zum Abstimmungs-Jubiläum macht Heidi auf einen ARTE-Film aufmerksam, der viele Aspekte des Pestizidproblems behandelt und die Entstehungsgeschichte erzählt, die mit dem Ende des 2. Weltkriegs und den überflüssig gewordenen Chemikalien beginnt und ähnlich verläuft wie die Geschichte des Tabaks. Eigentlich müsste diese Dokumentation Pflichtlektion in landwirtschaftlichen Schulen sein.

Klicken Sie hier: Insektenkiller – Wie Chemieriesen unser Ökosystem zerstören. ARTE, 1:32. Es gäbe auch unzählige wissenschaftliche Publikationen zu verlinken, die aufschrecken, oder Recherchen, die aufzeigen mit welchen Mitteln die grossen Pestizidhersteller zu „wissenschaftlichen“ Ergebnissen von Hochschulen kommen. Der ARTE-Film ist lang, aber wichtig. Mehr solls heute nicht sein!

13.6.22 HOME

Datenschutzerklärung

Werden neue Gentech-Pflanzen den Pestizideinsatz verringern?

21. Mai 2022
GLOBAL 2000 und Friends of the Earth Europe

GLOBAL 2000 und Friends of the Earth Europe

Zitate aus der Medienmitteilung von GLOBAL 2000 Wien vom 12.5.22:

Die Konsultation zum EU-Gentechnikrecht läuft. In der Befragung schwingt der Wunschtraum der Pestizidreduktion durch Neue Gentechnik (NGT)-Pflanzen in der Landwirtschaft mit. Die österreichische Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 und Friends of the Earth Europe fassen in einem Report die Belege zusammen: Alte wie neue Gentechnik-Pflanzen werden den Pestizideinsatz nicht verringern.

“Ein Blick nach Südamerika zeigt: Der Herbizideinsatz vervielfachte sich in den letzten 25 Jahren auf den Gentechnik-Feldern und machte mittelfristig mehr und stärkere Pestizide notwendig. Aber auch gegen diese Herbizide entwickeln die ‘Super-Unkräuter’ Resistenzen und verbreiten sich weiter. So nimmt der Gentechnik-Pestizid-Teufelskreis seinen Lauf”, skizziert Brigitte Reisenberger, Gentechniksprecherin von GLOBAL 2000.

Geschäftsmodell: patentiertes Saatgut + Pestizid

Die grossen Biotech-Konzerne und Gentechnik-Lobbyisten geben an, dass sich die neuen gentechnisch veränderten Pflanzen von denen der ersten Generation unterscheiden und sie den Einsatz von Pestiziden verringern werden. Aber auch hier deuten die Belege in eine andere Richtung. Viele Neue Gentechnik-Pflanzen, die sich derzeit in der Entwicklungspipeline befinden, zielen genau wie die alte Gentechnik auf Herbizidtoleranz ab.

Eine Untersuchung des JRC (Joint Research Center) der EU auf Grundlage von Informationen der Gentechnik-EntwicklerInnen ergab: Herbizidtoleranz ist mit 6 von 16 Pflanzen die grösste Merkmalsgruppe Neuer Gentechnik-Pflanzen, die kurz vor der Kommerzialisierung stehen. ”Dies ist nicht überraschend, da das Geschäftsmodell vieler Saatgut- und Chemieunternehmen ist, patentiertes Gentechnik-Saatgut von herbizidtoleranten Pflanzen und die dazugehörigen Pestizide gleich im Doppelpack zu verkaufen. Vor allem grosse Konzerne profitieren davon, wenn LandwirtInnen in diesem Teufelskreis der Pestizide verbleiben – denn Bayer, Corteva, Syngenta und BASF sind nicht nur grosse Gentechnik-Produzenten, sondern beherrschen zugleich auch die globalen Pestizidmärkte“, so Brigitte Reisenberger.

Mangelhafte Konsultation zu EU-Gentechnikrecht

In der öffentlichen Konsultation zum EU-Gentechnikrecht suggeriert die Europäische Kommission, dass Neue Gentechnik-Pflanzen zur Reduktion von Pestiziden beitragen würden. “Belege liefert die Europäische Kommission hierfür nicht, sondern wiederholt im Fragebogen vage Nachhaltigkeitsversprechungen der Biotech-Industrie, ohne diese systematisch zu überprüfen”, kritisiert Brigitte Reisenberger. Die Verfolgung der Gentechnik zur Pestizidreduktion lenkt von zukunftsweisenden umwelt- und biodiversitätsfreundlichen Ansätzen ab. Agrarökologische und biologische Landwirtschaft sind systembasiert, nicht auf isolierte genetische Merkmale ausgerichtet und halten die Bäuerinnen und Bauern nicht in der Abhängigkeit von chemisch-synthetischen Pestiziden.

Entwicklungsstadien Gentechnik-Pflanzen

Heidi hat aus dem Bericht der EU Current and future market applications of new genomic techniques. Joint Research Centre (European Commission) zwei Abbildungen kopiert, um die Bedeutung der Entwicklung und der Techniken zu veranschaulichen sowie die Schlussfolgerungen.

Abbildung 3. NGTs, die in den in der Datenbank identifizierten Pflanzen verwendet werden.

Copyright: Joint Research Centre (European Commission)

Copyright: Joint Research Centre (European Commission)

Abbildung 6. NGT-produzierte Pflanzen in den vier Entwicklungsstadien (kommerziell, vorkommerziell, fortgeschrittene Forschung und Entwicklung und frühe Forschung und Entwicklung), nach Pflanzengruppen.

Copyright: Joint Research Centre (European Commission)

Copyright: Joint Research Centre (European Commission)

Vergleich Kulturen NGT-Forschung / Pestizideinsatz in der Schweizer Landwirtschaft

Im Agrarbericht 2020 werden die in der Schweizer Landwirtschaft eingesetzten Pestizidmengen und Anwendungen pro Kultur 2009-2018 aufgeführt. Ein Vergleich der NGT-Forschung, siehe Figure 6 oben im Bericht des Joint Research Centre (European Commission), und des Pestizideinsatzes pro Kultur in der Schweiz zeigt, dass die aktuelle NGT-Forschung, zumindest im nächsten Jahrzehnt unser Pestizidproblem nicht lösen kann. Weitaus am meisten geforscht wird für neue NGT-Getreidesorten. In der Schweiz ist der Pestizideinsatz in Getreide gering, dies trotz nicht optimalen Klimabedingungen für Getreide. Hingegen kaum NGT-Forschung gibt es für Bäume, wo doch der schweizerische Kernobstbau Spitzenreiter ist im Einsatz von Pestiziden zusammen mit den Reben. Auch im Steinobstanbau wird viel gespritzt.

Das Spritzproblem im Rebberg haben innovative Weinbauern mit den Piwi-Sorten gelöst. Bundesrat Parmelin und seine MitarbeiterInnen haben denn auch den Betrieb Lenz am 29.3.22 besucht. Offensichtlich interessiert sich zumindest das Bundesamt für Landwirtschaft für diese Rebsorten, die keine Pestizide benötigen. Noch immer werden bei Neupflanzungen anfällige alte Sorten gesetzt, wo man doch im Weinbau den Pestizid-Einsatz auf Null senken könnte. Das Pestizidproblem im Rebbau ist uralt, Piwi-Sorten gibt es schon lange, aber was der Bauer nicht kennt … Schade eigentlich für die Umwelt und unsere Gesundheit!

Für die gesunde Ernährung besonders wichtig sind Früchte und Gemüse; hier wird nur wenig geforscht auf der Ebene der NGTs. Für die grossen Züchter dürften sie nicht interessant sein wegen der Vielfalt. Kommerziell gewinnbringend sind wohl eher die eintönigen riesigen Getreidemonokulturen und Maisfelder.

Agrarbericht 2020, Kapitel Umwelt

Agrarbericht 2020, Kapitel Umwelt

Schlussfolgerungen Joint Research Centre

Die NGT der Gruppe 1, insbesondere die auf CRISPR basierenden, werden in der Agrar- und Ernährungswirtschaft aktiv und zunehmend eingesetzt, Industrie und Medizin bei allen untersuchten Organismen (Pflanzen, Pilze, Tiere, Mikroorganismen und menschliche Zellen). Dank seiner Flexibilität, Erschwinglichkeit und einfachen Anwendung eröffnet CRISPR zahlreiche neue Möglichkeiten in Bezug auf die Organismen, in denen es eingesetzt werden kann, und die Eigenschaften, die damit erzielt werden können, und es erreicht auch viele Akteure weltweit.

Für diese Studie wurde ein umfangreicher Datensatz gesammelt, der einen sehr guten Überblick über die  derzeitige und potenzielle Nutzung von NGTs für kommerzielle Zwecke. Derzeit werden weltweit nur wenige Anwendungen vermarktet (ein Pflanzenprodukt, ein Mikroorganismus für die Freisetzung in die Umwelt und mehrere Mikroorganismen für die geschlossene Produktion kommerzieller Moleküle), aber es gibt etwa 30 identifizierte Anwendungen (bei Pflanzen, Tieren und Mikroorganismen), die sich in einem vorkommerziellen Stadium befinden und kurzfristig (innerhalb von 5 Jahren) auf den Markt kommen könnten.

Wenn die in dieser Studie identifizierten Anwendungen, die sich in einem fortgeschrittenen FuE-Stadium befinden in einem Jahrzehnt kommerziell werden, könnten bis 2030 über hundert Pflanzen und mehrere Dutzend Tiere und medizinische Anwendungen auf dem Markt sein. Man kann mit Sicherheit sagen, dass die meisten dieser bis 2030 kommerzialisierten Anwendungen auf Techniken der Gruppe 1 (CRISPR) und einige auf Techniken der Gruppe 2 beruhen. Der Reifegrad von Anwendungen der Gruppen 3 und 4 sind im Hinblick auf die kommerzielle Freigabe weniger ausgereift.

Ein Sektor von besonderem Interesse ist die Nutzung von Mikroorganismen für industrielle Zwecke, wo NGT-Anwendungen nicht ausgesondert werden können (wie bei Pflanzen, Tieren oder klinischen Versuchen), weil die NGTs bereits aufgegriffen werden und in den routinemässigen genetischen Werkzeugkasten zur Stammesverbesserung aufgenommen und eingebettet werden. Es scheint, dass die Verwendung von NGTs bereits in vielen Fällen eine Realität sind, was wahrscheinlich durch die Verwendung von Mikroorganismen in geschlossenen Systemen und die Tatsache erleichtert wird, dass das Endprodukt nicht das Ziel ist. In der Bioökonomie ist es sehr wahrscheinlich, dass sich NGTs schneller durchsetzen werden als Mikroorganismen, die industrielle biobasierte Moleküle (z. B. Biokraftstoffe) produzieren.

Der Bereich der pharmazeutischen und kosmetischen Produkte, die aus Mikroorganismen gewonnen werden, stellt eine Datenlücke in dieser Studie dar, aber wir glauben, dass es sich auch um einen ein sehr wichtiger Anwendungsbereich für NGTs in Produkten handelt, die möglicherweise bereits auf dem Markt sind. Im medizinischen Bereich gibt es vielversprechende Anwendungen von CRISPR-gestützten Techniken und anderen NGTs zur Bekämpfung von Krankheiten zu bekämpfen, und in vielen Fällen haben die Anwendungen bereits Patienten erreicht, in Phase I und Phase I/II der klinischen Versuche. Dank der Flexibilität von CRISPR/Cas, sowohl in Bezug auf die Sequenzspezifität als auch in Bezug auf verschiedene Verwendungszwecke wird es bereits bei der Suche nach Lösungen für den schnellen Nachweis von COVID-19 und auch bei einigen therapeutischen Optionen gegen diese Krankheit eingesetzt.

Unsere Datenbank der NGT-Anwendungen weist auf die Vereinigten Staaten und China als die häufigsten Herkunftsländer, insbesondere in den marktnahen Phasen. Die EU, insbesondere Deutschland und Frankreich, ist ebenfalls aktiv. Dank der Flexibilität und Erschwinglichkeit von NGTs (insbesondere CRISPR) sind auch mehrere Entwicklungsländer in diesem Bereich aktiv, vor allem im Agrarsektor.

Hier finden Sie die ausführlichen Informationen:

Report analysiert Gentechnik-Pestizid-Teufelskreis in Landwirtschaft – GLOBAL 2000: Neue Gentechnik-Pflanzen werden Pestizideinsatz nicht verringern. GLOBAL 2000 12.5.21

Der Gentechnik-Pestizid-Teufelskreis. Friends of the Earth Europe, GLOBAL 2000, Mai 2022

Neue Gentechnik: Echter Klimaschutz sieht anders aus! GLOBAL 2000, 14.3.22

Neue Gentechnik-Pflanzen in der Entwicklungs-Pipeline. GLOBAL 2000 7.4.22

Current and future market applications of new genomic techniques. Joint Research Centre (European Commission) 19.4.21

Agrarbericht 2020, Umwelt, Pflanzenschutzmittel

Gelassene Stimmung mit Bundesrat Parmelin. Weingut Lenz 29.3.22

Laute Lobby für einen stillen Frühling. Heidis Mist 15.5.22

21.5.22 HOME

Datenschutzerklärung

Laute Lobby für einen stillen Frühling

15. Mai 2022
Copyright: CORPORATE EUROPE OBSERVATORY

Copyright: CORPORATE EUROPE OBSERVATORY

CORPORATE EUROPE OBSERVATORY hat die giftigen Lobbying-Taktiken der Pestizidindustrie gegen Farm to Fork aufgedeckt.

Achtung, die Lobby ist auch in der Schweiz aktiv, z.B. mit breit gestreuten Falsch-Informationen in den Medien am vergangenen Wochenende durch den Syngenta-CEO Erik Fyrwald oder schon länger mit den regelmässigen News von Swiss-Food.ch, einer Plattform von Syngenta und Bayer, welche von der gleichen Kommunikationsfirma betrieben wird wie die Homepage der Science for CRISPR (Grüne Biotechnologie), der Kommunikationsplan AG in Zürich. Es stellt sich die Frage: Wer finanziert Science for CRISPR? Von einem beteiligten Kollegen hat Heidi keine Antwort erhalten. Ein Agroscope-Forscher hat sich mit „Universität Bern“ präsentiert, obwohl er dort nur eine einzige Vorlesung bestreitet. Eine eigenartige Interessengemeinschaft, meint Heidi.

Pestizide sind eine der Hauptursachen für den dramatischen Rückgang der biologischen Vielfalt, eine ökologische Katastrophe, die sich in einem fortgeschritteneren Stadium befindet als die Klimakrise und die „Integrität lebender Systeme“ gefährdet, von denen auch der Mensch abhängt, wie das Stockholmer Resilienz-Zentrum anhand von neun planetarischen Grenzen feststellt.

Bauern und Gesellschaft sind die Verlierer

Eine aktuelle Studie von Le Basic zeigt, dass die Kosten für die Auswirkungen des Pestizideinsatzes in Europa auf die menschliche Gesundheit, die Wasserqualität, die Böden und schliesslich die Nahrungsmittelproduktion – Kosten, die von der Gesellschaft durch öffentliche Ausgaben getragen werden müssen – viel höher sind als die Nettogewinne der Pestizidbranche selbst. Die Autoren des Berichts kommen zum Schluss, dass das derzeitige Agrarmodell vor allem der Agrarindustrie und den Lebensmittelkonzernen zugute gekommen ist, während die Landwirte aufgrund der instabilen Weltmarktpreise für ihre Erzeugnisse die Verlierer sind.

Um der ernsten Bedrohung durch die Krise der biologischen Vielfalt zu begegnen, will die EU ihre Abhängigkeit von Pestiziden bis 2030 um mindestens 50 Prozent reduzieren. Ein weiteres Ziel ist, den Anteil des ökologischen Landbaus bis 2030 auf 25 Prozent zu erhöhen, was ein wichtiger Weg zur Reduzierung von Pestiziden ist. Dies hat die Pestizidindustrie in einen Überlebensmodus versetzt. Ein durchgesickertes Dokument der Pestizid-Lobbygruppe CropLife Europe zeigt, dass sie zwar grosse Töne spuckt, wenn es darum geht, den Green Deal zu unterstützen, in Wirklichkeit aber eine Vielzahl von Lobbytaktiken einsetzt, um ehrgeizige, verbindliche Ziele zu untergraben.

Synthetische Pestizide nur als letztes Mittel

Seit 2009 setzt die EU die Richtlinie über die nachhaltige Verwendung von Pestiziden um, die den Einsatz von Pestiziden „nachhaltig“ machen soll: Synthetische Pestizide sollten grundsätzlich nur „als letztes Mittel“ eingesetzt werden. In der Praxis haben die EU-Länder und -Institutionen jedoch kläglich versagt, diese Politik umzusetzen. Dasselbe gilt für die Schweiz gemäss Ökologischem Leistungsausweis.

Zwei Drittel des Pestizidmarktes halten vier Pestizidriesen: Bayer-Monsanto, BASF, Syngenta (in chinesischem Staatsbesitz) und Corteva (Dow-Dupont). Der weltweite Umsatz mit Pestiziden hat sich in den letzten 20 Jahren verdoppelt.

Freiwilligkeit, Scheinlösungen und Deregulierung

Die Lobbying-Taktiken der Pestizidindustrie reichen von der Panikmache mit „Auswirkungsstudien“ über die Mobilisierung von Drittländern (vor allem der USA), um Druck auf die EU auszuüben, bis hin zur Ablenkung der Entscheidungsträger mit freiwilligen Verpflichtungen oder anderen Scheinlösungen. Während sie die Reduktionsziele mit allen Mitteln bekämpfen, setzen sich Konzerne wie Bayer auch für die Deregulierung von gentechnisch verändertem Saatgut und neuen Techniken wie CRISPR-Cas ein und drängen auf digitale Hilfsmittel für Landwirte. Dies ist Teil ihres neuen Geschäftsmodells, um den Umsatz mit Pestiziden auszugleichen oder zu ergänzen.

Sogar die russische Invasion in der Ukraine wird für die Ziele der Pestizideindustrie instrumentalisiert. In Wirklichkeit hat der Krieg gegen die Ukraine die Abhängigkeit der Landwirtschaft von fossilen Brennstoffen und Düngemitteln (beides wichtige russische Exporte) gezeigt. Die grossen Bedrohungen sind die Klima- und Biodiversitätskrisen, die dringend angegangen werden müssen, auch in der Ernährungs- und Landwirtschaft.

Viele Millionen Euros für Lobbying

Die Lobbykampagne der Industrie ist gut ausgestattet. Laut dem Eintrag von Bayer im EU-Transparenzregister für Lobbyarbeit aus dem Jahr 2021 gab der Konzern 6,5 bis 7 Millionen Euro für Lobbyarbeit bei den EU-Institutionen aus. In diesem Jahr beauftragte Bayer nicht weniger als acht Lobbyfirmen. Die Einträge von BASF, Syngenta, Corteva und CropLife Europe wurden zuletzt für das Jahr 2020 aktualisiert und die selbst angegebenen Zahlen reichen von 600’000 € bis 3,2 Millionen €. Aber wie Corporate Europe Observatory in der Vergangenheit berichtet hat, könnten die tatsächlichen Zahlen viel höher sein.

Die Lobby-Kampagne wird auf europäischer und internationaler Ebene von den Industrie-Lobbygruppen CropLife Europe und CropLife International sorgfältig orchestriert. Eine durchgesickerte Präsentation der Social-Media-Strategie 2020-2021 von CropLife Europe, die Corporate Europe Observatory zugespielt wurde, gewährt Einblicke in die wahren Ziele und Prioritäten der Industrie und liefert zusätzliche Beweise für ihre Lobbying-Taktiken. Dieser Bericht basiert ausserdem auf Hunderten von Dokumenten, die CORPORATE EUROPE OBSERVATORY erhalten hat von der Europäischen Kommission durch Anfragen im Rahmen der Informationsfreiheit, persönliche Kommunikation mit beteiligten Akteuren, EU-Konsultationseinreichungen und die Teilnahme an Lobbyveranstaltungen und von der Europäischen Kommission organisierten „Stakeholder-Treffen“.

Was macht die Industrie?

Der Bericht zeigt, dass die Pestizidindustrie zwar behauptet, den EU Green Deal zu unterstützen, aber:

  • für partielle Auswirkungsstudien bezahlt hat, um Angst vor wirtschaftlichen Verlusten zu schüren und ein ungerechtes Bild zu zeichnen;
  • zahlreiche Medienveranstaltungen und Artikel inszeniert hat, um eine Echokammer rund um die „Auswirkungs“-Studien zu schaffen;
  • von einer von den USA angeführten Industrie-Regierungs-Koalition gegen „Farm to Fork“ profitieren;
  • Druck von Drittländern auf die EU ausüben, um die internationalen Aspekte der Farm-to-Fork-Ziele zu untergraben;
  • die Durchsetzung zu untergraben;
  • sich zwar gegen verbindliche, ehrgeizige Zielvorgaben aussprechen, aber gleichzeitig die Diskussion über die Zielvorgaben als Vorwand nutzen, um unerprobte neue Technologien zu fördern und zu deregulieren (z. B. digitale Technologien, Drohnen, neue GVO), einschliesslich Scheinlösungen.

Dieser Bericht zeigt, dass die EU-Ziele für die Lieferung vom Erzeuger zum Verbraucher (Farm to Fork), ein wesentliches Element des EU Green Deal, von der Industrie stark angegriffen wird. Auf der anderen Seite haben über 70 Organisationen die Europäische Kommission gewarnt, dass die Optionen, die derzeit auf dem Tisch liegen, bei weitem nicht ausreichend sind und zu viele Schlupflöcher offen lassen. Es ist von grösster Wichtigkeit, dass der Vorschlag der Europäischen Kommission zur Reduzierung von Pestiziden die Forderungen der EU citizens’ initiative, ‘Save Bees and Farmers’, unterstützt von 250 Organisationen, widerspiegelt und ein Höchstmass an Ehrgeiz aufweist, das über eine 50 Prozent Reduktion hinausgeht.

Syngenta und Bayer bearbeiten in der Schweiz intensiv ihre LeserInnen von Swiss-Food. Schreiben „Die Zukunft ist regenerativ“. Sie reden von Schutz der natürlichen Ressourcen und hoher Produktivität, attackieren den Biolandbau, schreiben von Nachhaltigkeit, Kreislaufwirtschaft … werfen mit Schlagwörtern um sich und meinen eigentlich: Profit für die Industrie. Scheinheilige wehren sich für ihre Produkte.

Heidi rät: „Seid wachsam und löst euch von der chemischen Illusion!“

Hier der Link zur vollständigen Studie: A loud lobby for a silent spring. CORPORATE EUROPE OBSERVATORY, März 2022

Rachel Carson, Wikipedia

Farm to Fork strategy. EU

Dear Scientist and Friend in Kyiv

Tannenhäher bettelt Futter von PassantInnen.

Nutcracker begs food from passers-by.

I am outraged that companies and organisations are using the terrible war in your country to promote their interests and increase profits.

I am busy in the garden, so I have not written to you every day. Moreover, there is a lot of misinformation that I am also fighting against.

I wish you peace.

Heidi

15.5.22 HOME

Datenschutzerklärung

Monsanto hat jahrzehntelang krebserregende Chemikalien in Flüsse geleitet

8. März 2022

Danke, lieber Leser, für diese Meldung.

Der SPIEGEL Wirtschaft schreibt soeben: Kalifornien verklagt Monsanto wegen Umweltverschmutzung.

Der Ärger des Chemiekonzerns Bayer mit Monsanto nimmt kein Ende: Das Unternehmen soll in den USA jahrzehntelang krebserregende Chemikalien in Flüsse geleitet haben. Nun geht die Staatsanwaltschaft dagegen vor.

Monsanto wird in Kalifornien verklagt. Jahrzehntelang soll die US-Tochter des Chemiekonzerns Bayer wissentlich hochgiftige Stoffe in die Flüsse geleitet haben. Die Staatsanwaltschaft der Stadt Los Angeles wirft dem Unternehmen die wissentliche Verschmutzung der Gewässer vor. Bis 1979 soll die Praxis bestanden haben.

Die Stoffe, von denen in der Klage die Rede ist, sind sogenannte polychlorierte Biphenyle (PCBs). PCBs können in der Umwelt kaum abgebaut werden …

Lesen Sie den vollständigen Artikel hier: Kalifornien verklagt Monsanto wegen Umweltverschmutzung. SPIEGEL Wirtschaft 8.3.22 09.50

8.3.22 HOME

Datenschutzerklärung

Der Bauer, sein Kind und die Sanduhr

13. Mai 2021
Gluten_der_feind_in_deinem_Brot_K

Aus dem Film „Gluten, der Feind in deinem Brot“. Copyright: TAG FILM UND GRAFFITIDOC IOTA PRODUCTION

Andrea Cenacchi: „Vor 20 Jahren habe ich beschlossen, von konventioneller auf biologische Landwirtschaft umzustellen. Anlass war meine kleine Tochter, die heute 20 Jahre alt ist. Sie krabbelte damals im Garten, während ich in der Nähe mit dem Traktor Unkrautvernichter verspritzte. Als ich wieder Richtung Garten fuhr und meine Tochter dort sah, hatte ich plötzlich das Gefühl, ich würde gerade die nächste Generation vergiften. Ich habe meinen Hof in einen lebenden Organismus verwandelt, einen multifunktionalen Kreislauf, der ergänzt wird durch ein Gasthaus, in dem ich am Wochenende Gäste beherberge. Das Essen besteht zu 70 Prozent aus meinen eigenen Produkten.“

Gluten_der_feind_in_deinem_Brot__Sanduhr_K

Die Sanduhr unseres Ernährungs-/Landwirtschaftssystems. Copyright: TAG FILM UND GRAFFITIDOC IOTA PRODUCTION

Im Film Gluten, der Feind in deinem Brot ist auch von der Sanduhr die Rede. Oben die vielen Bauern, an der engen Stelle die paar wenigen Konzerne, welche den Lebensmittel-Weltmarkt beherrschen, die Macht haben, Gesetze schreiben, Preise festlegen, und unten die Milliarden von KonsumentInnen, die sich dieser Sanduhr unterwerfen. Heidis Frage: „Müssen wir das? Müssen sich die Bauern diesem System fügen oder könnten sie zusammen mit den KonsumentInnen Neues schaffen?“

Heidi empfiehlt: „Sehen Sie sich an diesem regnerischen Tag diesen Film an. Er enthält viele, wichtige Informationen über unser Ernährungs- und Landwirtschaftssystem und das Versagen der Behörden. Die Vielfalt und Klarheit der Fakten ist überwältigend – wohl der beste Film zu diesem Thema, den Heidi je gesehen hat. Wenn wir Schlüsse daraus ziehen, dann können sich unsere Zukunftsaussichten erfreulich verbessern.“

Nachfolgend ein paar Ausschnitte aus dem Film.

„Unterschiede Grenzwert für Glyphosat in Gemüse und Getreide.“ Copyright: TAG FILM UND GRAFFITIDOC IOTA PRODUCTION

 

Martin Pigeon: „In Europa werden kritische Produkte wie Glyphosat v.a. von den Herstellern selbst getestet und bewertet.“ Copyright: TAG FILM UND GRAFFITIDOC IOTA PRODUCTION

 

Gluten_der_feind_in_deinem_Brot_Alternative_K

Jennifer Clapp: „In unserem globalen Ernährungssystem wächst die Entfernung. Zum einen die reale Strecke, welche die Lebensmittel vom Erzeuger bis zum Verbraucher zurück legen – das sind im Durchschnitt 2’500 Kilometer – und es gibt eine geistige Entfernung. Uns fehlen grundlegende Einsichten in die Art und Weise wie unsere Nahrung produziert wird. Die grossen Entfernungen in unserem globalisierten Ernährungssystem haben verschleiert, wo sich Geld und Macht konzentrieren, in welchem Mass uns die Lebensmittelkonzerne ihre Regeln aufzwingen und damit den Verbrauchern wie auch den Erzeugern jede Macht nehmen. Copyright: TAG FILM UND GRAFFITIDOC IOTA PRODUCTION“

 

„Wir müssten ein neues Konzept für die Landwirtschaft entwickeln. Aber ist Landwirtschaft ohne Chemie überhaupt möglich?“ Copyright: TAG FILM UND GRAFFITIDOC IOTA PRODUCTION

 

Ob die biologische Landwirtschaft die Weltbevölkerung ernähren kann? Ja, das kann sie. Doch dafür müssen wir vieles ändern. Im Grunde das gesammte Produktionssystem. Copyright: TAG FILM UND GRAFFITIDOC IOTA PRODUCTION

Giovanni Dinelli:„Ob die biologische Landwirtschaft die Weltbevölkerung ernähren kann? Ja, das kann sie. Doch dafür müssen wir vieles ändern. Im Grunde das gesammte Produktionssystem.“ Copyright: TAG FILM UND GRAFFITIDOC IOTA PRODUCTION

Gluten, der Feind in deinem Brot. Video 1:18:13 von TAG FILM UND GRAFFITIDOC IOTA PRODUCTION

FOOD. Jennifer Clapp

13.5.21 HOME

Datenschutzerklärung

Kennen Sie die IG Bio?

11. April 2021
Das sind die Mitglieder der IG BIO. Noch nicht aufgeführt auf der Mitgliederliste sind neue: Schweizer Zucker AG, Spécial T. by Nestlé, Chocolat Schönenberger AG

Das sind die Mitglieder der IG BIO. Noch nicht aufgeführt auf der Mitgliederliste sind neue: Schweizer Zucker AG, Spécial T. by Nestlé, Chocolat Schönenberger AG

Die IG Bio beschreibt auf ihrer Homepage ihre Aufgabe wie folgt: „Die IG BIO repräsentiert und vertritt branchenübergreifend die Interessen der Unternehmer in der Schweizer BIO-Wertschöpfungskette – ab der Primärproduktion bis zur Herstellung und Abgabe des BIO-Lebensmittel.

Die IG BIO wurde am 19. Mai 2015 gegründet. Die Gründung erfolgte auf Aufruf der schweizerischen Zertifizierungsstellen, von Vertretern des Bundesamtes für Landwirtschaft (BLW), des Bundesamts für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) und des Lebensmittelvollzugs sowie der BIO-Labelgeber.

Das erste, kurzfristige Arbeitsziel der IG BIO ist die Erarbeitung einer rechtssicheren und pragmatischen Lösung in Bezug auf Rückstandsfunde in BIO-Lebensmitteln, insbesondere durch die Ausarbeitung einer Leitlinie zur guten Verfahrenspraxis.“

Kurz zusammengefasst: Ursprung der Gründung der IG Bio sind die Pestizid-Abdrift-Problematik und Phosphin* bei der Lagerung.

*Weitere Informationen siehe Kontamination von Biogetreide
mit Phosphin,  Schlussbericht Sarah Bögli, Regula Bickel, Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) vom 26.10.18.

Anlässlich der Generalversammlung vom 30.8.20 feierte die IG Bio ihr 5-Jahr-Jubiläum und diskutierte mit Urs Niggli, ex-Direktor Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) „Vision Bioland Schweiz 2030″. Im Bericht heisst es: „Alle Teilnehmer waren sich einig, dass der Anteil von Bio von derzeit 10% noch gehörig gesteigert werden kann. Dies wäre für eine nachhaltige und gesunde Ernährung der Schweizer Bevölkerung auch dringend erforderlich, aber nur dann umsetzbar, wenn Behörden, Produzenten, Verarbeiter und Handel dieses Ziel vordringlich und gemeinsam verfolgen. Dafür wird die IG BIO sich auch in Zukunft einsetzen.“

Folgen den Worten auch Taten? Nein! Sowohl der Vorstand von Bio Suisse, der an der GV der IG Bio mit Urs Brändli vertreten war, wie auch die IG Bio lehnen die Trinkwasserinitiative ab, die IG Bio sagt gar 2x NEIN zu den Pestizidinitiativen. Die Delegierten von Bio Suisse haben bereits in der letzten Delegiertenversammlung JA zur Volksinitiative für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide gesagt, am 14.4.21 werden sie entscheiden, ob sie dem NEIN ihres Vorstands zur Trinkwasserinitiative folgen sollen oder sich doch lieber für mehr Ökologie im Biolandbau einsetzen wollen mit einem zweiten JA. Es ist zu hoffen!

IG Bio ist nicht allein an der Effingerstrasse 6a

Weitere Organisationen an der gleichen Adresse, eine Häufung also von Inderessenvertretern:

Umwelt- und gesundheitsschonende Produktion nicht erwünscht

Wenn man die Liste der Mitglieder der IG BIO und der an der gleichen Adresse zu findenden Organisation studiert, erstaunt es nicht, dass diese Käufer und Verarbeiter von Bioprodukten gegen die beiden Volksinitiativen sind. Sie wollen ihre Privilegien behalten mit folgenden Auswirkungen:

  • Weiterhin hohe Tierbestände: lieber tierische Produkte wie Käse, antibiotikafreie Bio-Milch usw. in alle Welt exportieren und dafür Bio-Gemüse, -Früchte usw. billiger importieren als nachhaltig in der Schweiz produzieren.
  • Weiterhin Menschen, Meere, Tierwelt und Ökosysteme durch lange Transportwege schädigen statt Pflanzenproduktion in der Region und saisonalen Konsum fördern und verkaufen ohne riesige Umwege von „regionalen Produkten“ über Zentralen.
  • Weiterhin Moore, Wälder, Schutzwälder, Naturschutzgebiete, vielfältige Wiesen und unsere Gesundheit mit Ammoniak-Emissionen schädigen.
  • Weiterhin Klimaerwärmung fördern.
  • Weiterhin das Grundwasser mit Nitrat füttern.
  • Weiterhin Gülle- und Misttransporte über lange Strecken, auch ins Ausland mit Subventionen stützen oder gar zahlen (Sempachersee & Co.).
  • Weiterhin den prophylaktischer Antibiotikaeinsatz bei Nutztiere mit dem Rezept des Tierarztes, der daran gut verdient, zulassen und dadurch die Resistenzbildung auch von Reserveantibiotika fördern.
  • Weiterhin viele langlebige antibiotikaresistenten Keime über die Gülle auf Wiesen und Felder bringen.
  • Weiterhin Neonicotinoide in Gewächshäusern spritzen lassen.
  • Weiterhin Rückstände von Pestiziden im Wasser, im Boden, natürlichen Ökosystemen, in Esswaren tolerieren.
  • Weiterhin Pestizide verspritzen ohne Kontrolle.
  • Weiterhin in vielen Bächen und Bächlein Pestizidkonzentrationen weit über dem Höchstwert messen – wir zahlen!
  • Weiterhin töten oder schädigen von Lebewesen, von Nützlingen, nicht nur von Schädlingen.
  • Weiterhin Gefährdung unserer Gesundheit durch toxische Stoffe.
  • In Zukunft zahlen wir SteuerzahlerInnen für teure Trinkwasseraufbereitungsanlagen – wir!
  • Weiterhin …
  • Weiterhin (fast) wie bisher!

Heidi meint: „Meine Herren und Damen, so darf es nicht weitergehen! Wo die Politik versagt, da müssen WIR handeln: 2x JA!

11.4.21 HOME

Datenschutzerklärung

 


%d Bloggern gefällt das: