Posts Tagged ‘Betrug’

Kompensationen stoppen den Klimawandel nicht

9. Juni 2022

Chris Lang von REDD-Monitor verweist in seinem neuesten Beitrag auf das Statement von Amazon Watch und 170+ weiteren Organisationen, das am 6.10.21 veröffentlicht wurde. Heidi hat es mithilfe von DeepL übersetzt.

Kompensationen stoppen den Klimawandel nicht

Klimabedingte Waldbrände, Überschwemmungen, Dürren und andere extreme Wetterereignisse betreffen täglich jeden Winkel der Erde.

Doch die Industrie für fossile Brennstoffe, die grossen Energieversorger, die grosse Landwirtschaft, die grosse Finanzwelt – und ihre politischen Verbündeten – drängen auf Kompensationsprogramme, die es ihnen ermöglichen, weiterhin die Treibhausgase freizusetzen, welche die Klimakrise verursachen, indigenen, schwarzen und anderen bereits marginalisierten Gemeinschaften zu schaden und nachhaltige land- und forstwirtschaftliche Verfahren zu untergraben.

Die Wissenschaft ist eindeutig: Wir müssen rasch aus fossilen Brennstoffen und emissionsintensiven landwirtschaftlichen Praktiken wie der Massentierhaltung aussteigen und gleichzeitig Wälder, Feuchtgebiete und andere natürliche Kohlenstoffsenken schützen. Jede Verzögerung bedeutet grössere Auswirkungen auf unser Klima und mehr Verschmutzung in historisch überlasteten Gemeinwesen[1].

Wir rufen führende Politiker auf der ganzen Welt auf, sich uns anzuschliessen und Kompensationsprogramme abzulehnen, da diese „Pay-to-pollute“-Praktiken nichts anderes als falsche und schädliche Lösungen für die Klimakrise sind.

  • Naturbasierte Kompensationen können die Verbrennung fossiler Brennstoffe nicht „ausgleichen“. Die Unternehmen, die fossile Brennstoffe herstellen, und andere Verschmutzer würden fossilen Kohlenstoff und biologischen Kohlenstoff gerne völlig austauschbar machen, doch dies entbehrt jeder wissenschaftlichen Grundlage:[2] Fossile Kohlenstoffemissionen sind praktisch permanent, da sie aus Reservoiren tief in der Erde stammen, wo sie seit Millionen von Jahren gespeichert sind. Wenn sie verbrannt werden, verbleibt die Kohlenstoffverschmutzung für Hunderte bis Tausende von Jahren in der Atmosphäre. Im Gegensatz dazu sind Pflanzen, Böden, Ozeane und Wälder „schnell austauschbare“ Kohlenstoffspeicher, die nur eine begrenzte Speicherkapazität haben und den Kohlenstoff im Laufe einiger Jahrzehnte oder manchmal sogar innerhalb weniger Tage wieder an die Atmosphäre abgeben können[3] Ausgleiche bringen diese grundlegende Wissenschaft durcheinander, indem sie die Biosphäre der Erde fälschlicherweise als endlose Quelle potenzieller Speicher für fossile Kohlenstoffemissionen behandeln.
  • Kompensationsgeschäfte jeglicher Art halten die Umweltungerechtigkeit aufrecht. Treibhausgasemittierende Industrien sind unverhältnismässig häufig in armen und farbigen Gemeinschaften angesiedelt, wodurch sie die Hauptlast der Verschmutzung tragen. Ausgleichsregelungen erhöhen die Umweltverschmutzung in diesen Gemeinwesen und verschärfen die Umweltungerechtigkeit.[4] Ausserdem verlagern Ausgleichsregelungen häufig die Last der Emissionsreduzierung vom globalen Norden in den globalen Süden, indem sie die Fortsetzung der Verschmutzung im Austausch gegen Landnahme an anderer Stelle ermöglichen.[5]
  • Die Verwendung von Kompensationsmassnahmen führt wahrscheinlich zu einem Anstieg der Treibhausgasemissionen. Verursacher kaufen häufig Kompensationen für emissionsmindernde Massnahmen eines Unternehmens, damit sie ihre eigenen Emissionen fortführen können. In diesem Fall gelangen die Emissionen weiterhin in die Atmosphäre, so dass die globale Erwärmung weiter anhält. Verursacher kaufen auch Kompensationen für Praktiken, die der Atmosphäre Kohlenstoff entziehen könnten, z. B. durch das Anpflanzen von Wäldern oder den Schutz bestehender Wälder. Die Speicherung von Kohlenstoff in natürlichen Ökosystemen ist jedoch von Natur aus vorübergehend und in hohem Masse reversibel, wie die tragischen Waldbrände im Westen der USA in den letzten Jahren deutlich gezeigt haben.[6] Der gesamte Kohlenstoff kann sehr schnell wieder in die Atmosphäre freigesetzt werden, was wiederum die Emissionen erhöht.
  • Kompensationsgeschäfte können zu Verletzungen der Rechte indigener und in Stämmen lebender Völker führen. Um die Marktnachfrage nach Kompensationsmassnahmen zu befriedigen, ist der Zugang zu riesigen Land- und Waldflächen erforderlich, die bereits von indigenen Völkern, Bauern und lokalen Gemeinschaften genutzt werden. Die Entwickler von Waldkompensationsprojekten haben es daher zunehmend auf indigenes Land abgesehen, was zu Druck und Spaltung in den indigenen Gemeinschaften führt[7].
  • Offsets untergraben die nachhaltige Landwirtschaft und fördern die Konsolidierung in der Landwirtschaft. CO2-Ausgleichsprogramme verleihen bereits mächtigen Unternehmen, einschliesslich Agrarunternehmen und Fabrikfarmen, die seit langem das Einkommen der Landwirte drücken und die ländliche Wirtschaft ausbluten lassen, während sie die Umweltverschmutzung erhöhen, einen zusätzlichen Hebel.[8] Unternehmen und Grossgrundbesitzer sind am besten positioniert, um Offset-Projekte zu entwickeln, die das monokulturelle Modell der Fabrikfarmen mit Mais/Sojabohnen auf Kosten der Kleinbauern, einschliesslich schwarzer und indigener Bauern und Stammesnationen, weiter verankern. Anstatt das industrielle Landwirtschaftsmodell durch den Verkauf von Kompensationen an industrielle Umweltverschmutzer weiter gedeihen zu lassen, sollten politische Entscheidungsträger traditionelle und ökologisch regenerative landwirtschaftliche Praktiken unterstützen.
  • Kompensationsmärkte schaffen mehr Bedingungen für Betrug und Glücksspiel als für Klimaschutzmassnahmen. Bestehende Kompensationsregelungen haben sich bereits als leicht betrugsanfällig erwiesen[9], und der spekulative Handel mit Kompensationsderivaten und anderen Finanzprodukten hat bereits begonnen, wobei das Gewinnstreben von Händlern und Spekulanten Vorrang vor wirtschaftlicher und klimatischer Gerechtigkeit hat[10].

Wir fordern die politischen Entscheidungsträger weltweit auf, Kompensationsprogramme abzulehnen und echte Lösungen für das Klima anzustreben, die fossile Brennstoffe im Boden belassen, nachhaltige Nahrungsmittelsysteme unterstützen, die Abholzung beenden und gleichzeitig die Umweltverschmutzung in den Gemeinschaften an vorderster Front beseitigen.

[1] IPCC, Global Warming of 1.5°C. International Energy Agency, Net Zero by 2050. IPCC, AR6 Climate Change 2021.

[2] Carton et al. “Undoing Equivalence: Rethinking Carbon Accounting for Just Carbon Removal,” Frontiers in Climate, 16 April 2021.

[3] Anderegg, W. et al., Climate-driven risks to the climate mitigation potential of forests, Science 368 (6947) 2020. Mackey, B. et al. 2013., “Untangling the confusion around land carbon science and climate change mitigation policy,” Nature Climate Change, 3(6),pp.552-557, 2013.

[4] Food & Water Watch, “Cap and trade: More pollution for the poor and people of color,” November 2019 at 1 to 2.

[5] Gilbertson, Tamara, Carbon Pricing: A Critical Perspective for Community Resistance, Indigenous Environment Network and Climate Justice Alliance, 2017.

[6] Anderegg, W., “Gambling with the climate: how risky of a bet are natural climate solutions?,” AGU Advances, 2021. Coffield, S.R. et al., “Climate-driven limits to future carbon storage in California’s wildland ecosystems,” AGU Advances, 2021.

[7] Ahmend, N., “World Bank and UN carbon offset scheme ‘complicit in genocidal land grabs – NGOs,” The Guardian, 3 July 2014. Forest Peoples Programme, The Reality of REDD in Peru: Between Theory and Practice, November 2011.

[8] Institute for Agriculture and Trade Policy, “Why carbon markets won’t work for agriculture,” January 2020 at 2.

[9] Elgin, B., “A Top U.S. Seller of Carbon Offsets Starts Investigating Its Own Projects,” Bloomberg. 5 April 2021.

[10] Hache, F., Shades of Green: The Rise of Natural Capital Markets and Sustainable Finance, Green Finance Observatory, March 2019.

Offsets don’t stop climate change. Chris Lang, REDD-Monitor vom 7.6.22

Die Schweiz setzt stark auf Kompensation und Technologie. Die Technologien sind aufwändig (Material, Energie …), deren Funkionieren, Effizienz und Preis grösstenteils noch vage, Speicher ungewiss und möglicherweise mit Auslandabhängigkeit und Bau von Leitungen verbunden.

Von Sparen, Mobilität usw. redet unser Bundesrat nicht. Das wäre unpopulär. Die aktuell sieben bilateralen Abkommen für Klimaschutz-Projekte sind – so meint Heidi – eigentlich so etwas wie Klima-Kolonialismus.

Medieninformation des Bundesrats vom 3.6.22: Bundesrat genehmigt Abkommen mit Thailand für den Klimaschutz:

„An seiner Sitzung vom 3. Juni 2022 hat der Bundesrat ein bilaterales Abkommen mit Thailand genehmigt, das dem Klimaschutz dient. Der Vertrag schafft die Rahmenbedingungen, damit die Schweiz in Thailand Klimaschutz-Projekte zur Verminderung der CO2-Emissionen umsetzen kann. Die erreichten Emissionsverminderungen kann sie an ihr Reduktionsziel anrechnen. Die Schweiz hat bereits ähnliche Abkommen mit Peru, Ghana, Senegal, Georgien, Vanuatu und Dominica abgeschlossen“

9.6.22 HOME

Datenschutzerklärung

Suisse-Bilanz: Es war einmal ein 10%-Fehlerbereich …

28. Januar 2022
In der Schweiz sind Hofdünger im Überschuss vorhanden! Übrigens: In der EU muss die Gülle auf unbestelltem Ackerland innerhalb von 4 Stunden eingearbeitet werden, nicht so in der Schweiz.

In der Schweiz sind Hofdünger im Überschuss vorhanden! Übrigens: In der EU muss die Gülle auf unbestelltem Ackerland innerhalb von 4 Stunden eingearbeitet werden, nicht so in der Schweiz.

Einst wurde der Ökologische Leistungsausweis (ÖLN) geschaffen. Dieser sollte sicherstellen, dass die Schweizer Bauern ökologisch wirtschaften; er ist Voraussetzung für den Bezug von Direktzahlungen. Wer immer Kritik an den tatsächlichen Verhältnissen äussert, der/die hält zur Antwort: Die meisten Bauern erfüllen den ÖLN und halten sich an die Gesetze. Nur hapert es schon bei den Gesetzen und erst recht bei deren Vollzug durch die Kantone. Wir wissen es längst: Die landwirtschaftlichen Umweltziele werden nicht erreicht.

Löchrige Suisse-Bilanz

Seit die Suisse-Bilanz geschaffen wurde, weiss man, dass sie einem Emmentaler gleicht, viele Löcher hat. Kontrolleure wissen z.B., dass Futter oder Mineraldünger zugekauft werden, ohne dass Bauern diese deklarieren, aber sie haben keine Möglichkeit, dies zu beweisen. Und wenn zweimal monatlich der Futtermittellieferant zum Bergbauern hochfährt, dann ist vermutlich mehr Futter – sprich Dünger – auf dem Betrieb, als die Umwelt erträgt.

Freipass für regelmässige Überschüsse

Hinzu kommt, dass die Suisse-Bilanz den Bauern einen Fehlerbereich von 10% zugesteht. Wenn die Bilanz einmal um 10% überzogen wird, dann wird dies toleriert, denn im nächsten Jahr liegt die Bilanz vielleicht 10% unter dem Soll, durchschnittlich aber bei 100%. Ein Fehlerbereich ist eigentlich: plus oder minus 10%. So mindestens hatten die Fachleute diese Regelung ursprünglich gedacht.

In Wirklichkeit sind viele Böden überdüngt, Bäche, Flüsse und Grundwasser leiden unter den Nährstofflasten, welche man nicht wegreden kann. Und man weiss, dass beschissen wird, massiv beschissen wird!

Das BLW will es wissen

Die Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften (HAFL) hat im Jahr 2020 im Auftrag des Bundesamts für Landwirtschaft (BLW) die einzelbetriebliche Methodik der Suisse-Bilanz verwendet, um eine nationale Nährstoffbilanz für den gesamten Schweizer Landwirtschaftssektor zu berechnen. Damit wurde geprüft, ob die Stickstoff- und Phosphorbilanzen aus gesamtsektoraler Sicht eingehalten werden. Die Ergebnisse zeigen, dass der nationale Stickstoffsaldo die erlaubte Grenze von 110% des Pflanzenbedarfs bei fast allen berechneten Szenarien überschreitet. Dies ist ein Indiz dafür, dass in der Praxis nicht alle Nährstoffmengen korrekt deklariert werden.

Abschaffung 10%-Fehlerbereich

Das BLW möchte den 10%-Fehlerbereich, der von den Bauern als Freipass zu Überschüssen missbraucht wird, schon seit Jahren abschaffen. Im Agrarbericht 2021 schreibt es:

„Die Projektergebnisse unterstreichen die Wichtigkeit einer zukünftig griffigen Mitteilungspflicht beim Einsatz von Mineraldünger und Kraftfutter, aber auch bei der Zu- und Wegfuhr von Grundfutter. Diese Pflicht würde dazu beitragen, dass die effektiven Nährstoffmengen präzise erfasst werden und Saldo-Werte von über 110 % nicht mehr auftreten.

Die Studie zeigt weiter, dass mit einer zusätzlichen Reduktion des Spielraums bei den «ausgewählten Suisse Bilanz-Parametern» und/oder einer «Streichung der 10%-Toleranz» ein zusätzlicher, grosser Beitrag zur Reduktion der N- und P-Düngung und damit auch der Nährstoffüberschüsse geleistet werden kann. Die damit einhergehende Verknappung des Nährstoffangebots würde u.a. auch eine Substitution von importiertem Mineraldünger mit einheimischen Hofdünger bewirken und folglich zu einem effizienteren Umgang mit den Nährstoffen führen.“

Den vollständigen Bericht finden Sie hier:Stickstoffsaldo einer sektoralen Suisse Bilanz, Agrarbericht 2021

Heidis Frage: „Kommen wir mit Selbstdeklaration ans Ziel?“

Parlamentarische Initiative. BLW

19.4480 Interpellatio: Wie ambitioniert ist der bundesrätliche Stickstoff-Absenkpfad tatsächlich? Kathrin Bärtschy

Stickstoff in der Schweizer Landwirtschaft – Ziele und Massnahmen nicht umweltrechtskonform. Vision Landwirtschaft. Vision Landwirtschaft

Der ÖLN ist eine durchzogene Erfolgsgeschichte. Vision Landwirtschaft

Absenkpfade Nährstoff- und Pestizidemissionen. Agrarallianz

Fach-, Umwelt- und Konsumentenorganisationen begrüssen konkrete Zielvorgabe der Pestizid- und Nährstoffreduktion, Pro Natura 18.8.21

28.1.22 HOME

Datenschutzerklärung

Heidi und der betrügerische Kaminfegermeister

14. April 2016
Lachend unterschrieb der Kaminfegermeister die Bestätigung mit den betrügerisch verrechneten Posten, die ihm Heidi vorlegte.

Lachend unterschrieb der Kaminfegermeister die Bestätigung mit den betrügerisch verrechneten Posten, die ihm Heidi vorlegte.

Da war er nun, der Kaminfegermeister. Zum ersten Mal sah ihn Heidi, denn seine Arbeiter erledigten Jahr für Jahr die Arbeit. Strahlend trat er in die Küche, den Meter schwingend. Doch Heidi bremste ihn, legte dem lachenden Mann eine Bestätigung vor und drückte ihm einen Kugelschreiber in die Hand. Zuerst solle er unterschreiben und damit bestätigen was er Heidi alles ungerechtfertigt verrechnet hatte:

  • Regiearbeiten, welche nicht geleistet wurden
  • Kleinmaterial, das nicht existiert
  • Kachelofen mit sechs statt mit drei Zügen
  • Zentralheizungsherd über 20 statt unter 20 kWh

Nicht zu glauben, aber er unterschrieb ohne zu zögern! Dann nahm er die Deckel zu den drei Zügen weg und vermass sie, denn die Züge sind für ihn nicht die Züge, sondern die Länge der Züge in Metern. Dass dem nicht so ist, hatte Heidi schon im Internet gelesen; derselben Meinung war auch ein Kontrolleur der Brandschutzstelle der Gebäudeversicherung Graubünden (GVG). Die GVG schrieb: „Diese Berechnungsmethode und Verrechnungspraxis entspricht nicht dem Kaminfegertarif und ist aus der Sicht der GVG nicht korrekt.“

Der Kaminfegermeister lachte dauernd, was Heidi gewaltig nervte: „Sie haben mich Jahr für Jahr betrogen: Das ist nicht zum Lachen!“ Der Kaminfegermeister: „Wissen Sie, das ist eine dreckige Arbeit. Es ist ganz normal, dass ich Ihnen mehr verrechne. Was haben Sie gearbeitet? Sicher haben Sie mehr verdient als ich.“ Und schon lachte er wieder!

Noch nie hat Heidi diesen Mann in Arbeitskleidung gesehen. Aufgrund der Taxpunkte, welche Minuten bedeuten, schätzte sie den Stundenlohn, verglich ihn mit jenem des Elektrikers und kam zum Schluss, dass der Kaminfegermeister keinen Grund zur Klage hat. Wenn auch, als ehemaliger Vize-Präsident des Bündner Kaminfegermeister-Verbands hätte er ja Einfluss auf den Tarif nehmen können.

Tatsächlich hat der Kaminfegermeister gut Lachen, denn was passiert ihm schon? Einen anderen Kaminfeger wählen? Das ist nicht möglich, denn der Kaminfeger wird in Graubünden von Amtes wegen zugeteilt. Eine Rechnung muss innert 30 Tagen bei der GVG beanstandet werden. Die Betrügereien liegen grösstenteils mehr als fünf Jahre zurück, also sind sie verjährt. Wer klagt schon den Kaminfegermeister ein wegen eines so kleinen Betrags?

Heidi stellt die Frage: „Riskiert der Kaminfegermeister seinen Ruf indem er einen einzigen Kunden betrügt? Oder betrügt er auch andere?“

Aus der Stellungnahme der GVG: „Die GVG erwartet, dass der Kaminfeger die Kundschaft über den Mehraufwand (vorgängig, vor Ort) informiert, für spätere Rückfragen rapportiert und auf der Rechnung separat ausweist.“ Was sagte der Kaminfeger-Arbeiter: „Die Verschmutzung war nicht übermässig, weshalb es auch keine Rapporte gibt.“

„Das Kleinmaterial macht der Chef!“ antwortete ein anderer Kaminfeger auf Heidis Frage. Alles klar? Und der Posten „Administration“? Was meint der GVG dazu: „Administrationskosten sind in den tarifierten Kosten bereits enthalten. Kleinmaterial, welches zusätzlich zum üblichen, zeitgemässen Arbeitsmaterial der Kaminfegerarbeit verwendet wird, kann aus Sicht der GVG der Kundschaft verrechnet werden – es gilt auch hier der Grundsatz der Information gegenüber der Kundschaft und Transparenz in der Rechnungstellung.“

Mehr als 500 Franken verrechnete der Kaminfegermeister Heidi ungerechtfertigt. Hätte sie nicht schon früher einmal reklamiert, dann betrüge der Deliktbetrag jetzt 1’500 Franken. Im Weltvergleich ein kleiner Betrüger, aber trotzdem ärgerlich.

Im Gegensatz zu Heidi ist die GVG zuversichtlich: „Wir bedauern, dass auf den Rechnungen von Herrn X nicht alle Kosten korrekt ausgewiesen wurden und werden diesbezüglich das Gespräch mit ihm persönlich noch führen. Trotz der Fragen, welche die Kaminfegerrechnungen aufgeworfen haben, haben wir Herrn X in den letzten Jahren als sehr gewissenhaften und zuverlässigen Kaminfegermeister erlebt…“

Den Kaminfegertarif erhält man nicht einfach so. Auf der Homepage des Bündner Kaminfegermeister-Verbands ist er jedenfalls nicht zu finden. Heidi hat ihn im Internet aufgespürt. Wer kein Internet hat? Bei der GVG verlangen: 081 258 90 00! Es lohnt sich also, die Rechnungen sorgfältig gemäss Tarif zu kontrollieren und allenfalls von der GVG überprüfen zu lassen. Für alle Fälle: Hier der aktuelle Bündner Kaminfegertarif.

Der Kaminfegermeister ist nicht untätig: Die 2. Mahnung seiner letzten Rechnung liegt vor Heidi. Nach soviel Aufwand die erste korrekte Rechnung. Was tun?

15.4.16 HOME

Glückliche Schweine, Ziegen, Schafe…?

31. Oktober 2014
Die Grossverteiler zeigen uns Woche für Woche Bilder von paradiesischen Zuständen in der Fleischproduktion, während der Bund seinen Verpflichtungen zur Information über die Tatsachen nicht nachkommt. Foto Heidi: Coopzeitung vom 28.10.14.

Die Grossverteiler zeigen uns Woche für Woche Bilder von paradiesischen Zuständen in der Fleischproduktion, während der Bund seinen Verpflichtungen zur Information über die Tatsachen nicht nachkommt. Foto Heidi: Coopzeitung vom 28.10.14.

Der Schwarze Peter wird regelmässig herum geschoben, wenn es um das Wohl bzw. mangelnde Wohl von Nutztieren geht. Die KonsumentInnen sind schuld, die Direktzahlungen, die ProduzentInnen, die Gesetze, der Vollzug … „Gemäss Artikel 5 Absatz 2 des Tierschutzgesetzes ist der Bund verpflichtet, die Bevölkerung über Tierschutzfragen zu informieren. Dennoch weiss sie nachweislich wenig darüber, wie Tiere gehalten werden.“ heisst es in der Interpellation 14.3822 von Bastien Girod vom 25.9.14: Schweine-Report. Welche Konsequenzen ziehen?

Wer weiss schon, dass Schweine, Kälber und Rinder gemäss Tierschutzverordnung keinen Auslauf ins Freie haben müssen? Und Schafe und Ziegen? Sie verschwinden oft über Winter in dunklen Ställen.

Der Schweizer Schweine-Report von tier-im-fokus.ch (TIF) zeigt Missstände im Vollzug und auf Gesetzesebene. Bedenklich ist, dass sich auch ein Vorstandsmitglied von Suisseporcs nicht an das Tierschutzgesetz hält und seine Käufer erst noch betrügt, zu lesen in folgendem Leserbrief von Hansuli Huber, Schweizer Tierschutz (STS):

Suisseporcs Vorstandsmitglied verurteilt

Wenn in der Vergangenheit Tierschutzverstösse auf Schweinebetrieben aufgedeckt wurden, wiegelte die Suisseporcs-Geschäftsführung stets ab. Die Schweizer Schweineschutzvorschriften seien sehr streng und bei den Verstössen handle es sich um bedauerliche Einzelfälle.

Diese Tierschutz-Defensivtaktik des Verbandes ist nun einem Vorstandsmitglied zum Verhängnis geworden. In dessen 1’200er Maststall wurde den Tieren offenbar die gesetzlich vorgeschriebene Beschäftigung über Jahre hinweg verweigert, und mit der Hygiene war es nicht zum Besten gestellt. Zudem wurden die Schweine widerrechtlich zu einem höheren Preis als QM vermarktet. Missachtung des Tierwohls und Betrug an Abnehmern und Konsumenten sind keine Kavaliersdelikte.

Es ist zu hoffen, dass die Suisseporcs nun einen internen Reinigungsprozess durchführt. Wir wünschen uns eine starken Verband, der in Zukunft beim Tierschutz nicht permanent auf der Bremse steht, sondern aus eigener Einsicht und Verantwortung gegenüber den Tieren sich endlich stark macht für eine zeitgemässe, ethisch vertretbare und artgemässe Schweinehaltung in unserem Land!“

Ob Gewässerschutz oder Tierschutz, immer wieder sind es nichtstaatliche Organisationen oder Privatpersonen, welche Missstände aufdecken und Druck für Veränderungen ausüben müssen. Das wäre doch Aufgabe der Behörden, findet Heidi.

Bekannter Schweinezüchter verurteilt, Zuger Verbandsfunktionär betrog beim Schweinepreis, Zentral+ vom 31.10.14. „Er nennt sich selbst den «Schweinepapst der Zentralschweiz». Der Mann ist Käser und hält Mastschweine, denen er Molke verfüttert. Nun aber musste er sich vor dem Zuger Strafgericht wegen Widerhandlungen gegen das Tierschutzgesetz, Betrugs und Urkundenfälschung verantworten…“

31.10.14 HOME

.


%d Bloggern gefällt das: