Posts Tagged ‘Bewässerung’

Nach der Ernte: Blick auf tote Kulturpflanzen und Technik

23. September 2018
Im Hintergrund: frisch gespritzte Streifen, Im Vordergrund: abgestorbene Pflanzen.

Im Hintergrund: frisch gespritzte Streifen, Im Vordergrund: abgestorbene Pflanzen.

Schwarze Folie und mit Herbizid bespritzte Pflanzen.

Schwarze Folie und mit Herbizid bespritzte Pflanzen.

Tote Pflanzen auf mit Folie bedecktem Damm.

Tote Pflanzen auf mit Folie bedecktem Damm.

Die obere Folie ist weg. Plastikschläuche kommen zum Vorschein.

Die obere Folie ist weg. Plastikschläuche kommen zum Vorschein.

Kulturtechnik.

Kulturtechnik.

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Sparsame Bewässerung in der Landwirtschaft

31. Juli 2018
Der von Kristian Marjanovic an der Zürcher Hochschule der Künste entwickelte mobile Nebelfänger ist zur Gewinnung von Wasser in trockenen Küstengebieten gedacht, in denen während der Sommermonate morgens und abends häufig Nebel aufsteigt. Das Gerät kann einfach auf- und abgebaut werden und erzeugt 3 bis 7 Liter Wasser pro Tag. Funktionsfähiger Prototyp, Abschlussarbeit Bachelor. Ausstellung Neue Stoffe – New Stuff, Textilmuseum St. Gallen.

Der von Kristian Marjanovic an der Zürcher Hochschule der Künste entwickelte mobile Nebelfänger ist zur Gewinnung von Wasser in trockenen Küstengebieten gedacht, in denen während der Sommermonate morgens und abends häufig Nebel aufsteigt. Das Gerät kann einfach auf- und abgebaut werden und liefert 3 bis 7 Liter Wasser pro Tag. Funktionsfähiger Prototyp, Abschlussarbeit Bachelor. Ausstellung Neue Stoffe, Textilmuseum St. Gallen.

Die Landwirtschaft ist besonders von der Hitze, dem fehlenden Regen sowie ausgetrockneten Bächen und Flüssen betroffen. Siegfried Gendries von „Lebensraum Wasser – Der Wasser Blog“ schreibt in seinem Artikel Hitzewelle und Dürre: Big Data hilft bei Bewässerung in der Landwirtschaft ausführlich über mögliche Anpassungsstrategien: „Smart Farming könnte die Bewässerung gezielter und wirksamer gestalten – digitale Anwendungen und Big Data, für eine bedarfsgerechtere Bewässerung und gezieltere Düngung der Felder.“

Bodensonden für gezielte Bewässerung

Unter dem Zwischentitel „Schweizer Bodensonden für Bewässerungsbedarf und Internetkommunikation“ stellt Siegfried Gendries eine Technik vor, welche von der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften (HAFL) entwickelt wurde. Angaben zur Bodenfeuchtigkeit helfen, die Bewässerung gezielter zu steuern. Bodensonden messen das Wasser im Wurzelraum, dadurch können der optimale Bewässerungszeitpunkt und die benötigte Bewässerungsmenge ermitteln werden. Zudem werden aus meteorologischen Daten prognostizierte Niederschläge und die Durchwurzelungstiefe der Kulturen für die Empfehlungen berücksichtigt.

Erste Erfahrungen

Forschende der HAFL haben auf Pilotbetrieben in Kartoffel- und Gemüsekulturen mittlerweile über 50 Bodensonden installiert. Diese messen die Bodenfeuchtigkeit bis in eine Tiefe von 60 Zentimetern und übermitteln die Daten via Mobilfunknetz an einen Server. Die LandwirtInnen können die Informationen zu ihren Feldern direkt auf einer Webseite abrufen. Die ersten Erfahrungen sind durchwegs positiv: «Ich konnte unsere bisherige Bewässerungspraktik überprüfen. Es gab mir eine Bestätigung, dass wir in dieser Hinsicht bereits sehr gute Arbeit geleistet haben. Trotzdem kann ich das Wasser jetzt noch gezielter einsetzen», fasst Joël Terrin, der Leiter eines Pilotbetriebs, zusammen.

Bewässerungsnetz

 Die blaue Kurve gibt an, wie viele mm Wasser es im Wurzelraum der Pflanzen hat. Liegt die Kurve im blauen Bereich, hat der Boden mehr Wasser als er speichern kann, es ist also zu nass. Liegt die Kurve im grünen und orangen Bereich, hat es genug Wasser und die Pflanzen können es leicht aufnehmen. Liegt die Kurve im roten Bereich, ist das leicht verfügbare Wasser für die Pflanzen aufgebraucht und eine Bewässerung ist empfohlen. Sonst sind Ertrags- und Qualitätseinbussen zu befürchten.

Die blaue Kurve gibt an, wie viele mm Wasser es im Wurzelraum der Pflanzen hat. Liegt die Kurve im blauen Bereich, hat der Boden mehr Wasser als er speichern kann, es ist also zu nass. Liegt die Kurve im grünen und orangen Bereich, hat es genug Wasser und die Pflanzen können es leicht aufnehmen. Liegt die Kurve im roten Bereich, ist das leicht verfügbare Wasser für die Pflanzen aufgebraucht und eine Bewässerung ist empfohlen. Sonst sind Ertrags- und Qualitätseinbussen zu befürchten.

Im Mai 2018 ging die Webseite www.bewaesserungsnetz.ch online. Interessierte Betriebsleitende können sich eine Sonde kaufen und in die  Plattform integrieren. Die HAFL berät sie und sorgt dafür, dass die Daten ins Netz übermittelt und aufbereitet werden. Im Gegenzug sind die Messungen der Bodensonde dann öffentlich zugänglich.

Mit Blick in die Zukunft

Die Forschenden meinen: «Und eines ist unbestritten: Ein effizienter Umgang mit der Ressource Wasser wird wegen des Klimawandels künftig noch wichtiger werden – auch in der Schweiz, dem Wasserschloss Europas.»

Sparen im Wasserschloss, Andreas Keiser und Andrea Marti, Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften (HAFL).

Hitzewelle und Dürre: Big Data hilft bei Bewässerung in der Landwirtschaft, Siegfried Gendries, Lebensraum Wasser – Der Wasser Blog vom 28.7.18.

31.7.18 HOME

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Weltwassertag 2018: Wiederaufforstung, Feuchtgebiete und Grundwasser

22. März 2018
Der Wasserbotschafter Ernst Bromeis schreibt: "Die letzten Monate habe ich intensiv im Hintergrund für weitere Expeditionen gearbeitet. Es ist mein Bestreben, die Botschaft vom „Blauen Wunder“ hinaus in die Welt zu tragen. Auf diesem Weg durfte ich im Rahmen des World Economic Forum Davos u.a. auch den Nobelpreisträger und Klimaaktivisten Mr. Vice President Al Gore treffen. Copyright: Das Blaue Wunder.

Der Wasserbotschafter Ernst Bromeis schreibt:
„Die letzten Monate habe ich intensiv im Hintergrund für weitere Expeditionen gearbeitet. Es ist mein Bestreben, die Botschaft vom „Blauen Wunder“ hinaus in die Welt zu tragen. Auf diesem Weg durfte ich im Rahmen des World Economic Forum Davos u.a. auch den Nobelpreisträger und Klimaaktivisten Mr. Vice President Al Gore treffen. Copyright: Das Blaue Wunder.

Im UN-Weltwasserbericht 2018 steht: „3,6 Milliarden Menschen und damit fast die Hälfte der Weltbevölkerung leben in Gebieten, die mindestens einen Monat pro Jahr von Wassermangel bedroht sind. 2050 werden es vermutlich bis zu 5,7 Milliarden sein.

Der UN-Weltwasserbericht 2018 zeigt: „Naturbasierte Lösungen“ wie Wiederaufforstung, Nutzung von Feuchtgebieten und gezielte Grundwasseranreicherung können eine wichtige Rolle bei der Verbesserung von Wasserversorgung und -qualität spielen. Diese Ansätze wurden bisher weitestgehend ignoriert, so die Autoren. UNESCO-Generaldirektorin Audrey Azoulay stellte den Weltwasserbericht am 19.3.18 am 8. Weltwasserforum (WWF) in Brasilien vor.“

Wo Urwald für Plantagen gerodet wird, da braucht es auch Strassen.

Wo Urwald für Plantagen gerodet wird, da braucht es auch Strassen.

Das ist schwere Arbeit! Denn es wird abgeholzt wie verrückt, in Südamerika, Afrika, Asien und Australien, sogar UNESCO-Weltnaturerbe-Wald ist kein Tabu. Profiteure dieser Zerstörungen sind wir, die reichen Länder. Ein Ende ist nicht abzusehen, denn Welthandel und Wachstum sind die Leitlinien unserer Politik. Die Rechte der Einheimischen werden missachtet, ihr Trinkwasser oft verschmutzt und das knappe Wasser für die Produktion von Exportlebensmittel gebraucht. Wichtigste Ursachen der Abholzung sind:

  • Brandrodung für Ackerland und Rinderweiden
  • Anlage von Palmölplantagen, Soja, Bananen- oder Kaffeeplantagen
  • Ausbeuten von Bodenschätzen wie Eisenerz, Gold, Öl, Gas
  • Bau von grossen Staudämmen zur Energiegewinnung
  • Holzschlag für Tropenholz oder Papier

Feuchtgebiete werden trockengelegt für die Landwirtschaft und wertvolles Ackerland in rasantem Tempo überbaut oder mit Infrastrukturen belegt.

Blue Community Schweiz

Die Initiative Blue Communities wurde vom Council of Canadians lanciert, einer kanadischen Organisation für soziale und ökologische Gerechtigkeit. Städte, Gemeinden, Hochschulen und andere Institutionen, können eine Blue Community werden. Als Blue Community halten sie sich an vier konkrete Grundsätze:

  • Anerkennung des Wassers als Menschenrecht
  • Wasserdienstleistungen bleiben in der öffentlichen Hand
  • Leitungswasser anstelle von Flaschenwasser trinken
  • Eine Blue Community pflegt öffentliche Partnerschaften mit internationalen Partnern

Die Blue Community ist am Weltwasserforum in Brasilien zusammen mit anderen Schweizer Organisationen, wie Helvetas, am Stand, welcher von der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) organisiert wird. Sie versteht sich als unabhängige Stimme am WWF, das allgemein als Forum der Konzerne gilt. Für diese Teilnahme hat die Blue Community sich folgende Ziele gesetzt:

  1. Anhand zweier konkreter Beispiele wird dargestellt, wie Wasser als Allgemeingut verstanden und verwaltet werden kann.
  2. Schweizer Player in der Entwicklungshilfe sollen motiviert werden, vermehrt auf öffentlich-öffentliche Partnerschaften zu setzen, um den Zugang zu Trinkwasser auszubauen und so das Wasser als öffentliches Gut anzuerkennen.
  3. Das Blue Community Netzwerk zeigt, dass auch Handlungen von lokalen Akteuren zur Erhaltung des Allgemeingutes Wasser beitragen und helfen, die Entwicklungsagenda 2030 der UNO (SDGs) umzusetzen.
  4. Wasser wird immer knapper und wird immer häufiger zur Ware. Es wird diskutiert, warum Wasser gegen Privatisierung geschützt werden muss und welche Rolle dabei zivilgesellschaftliche Organisationen haben können.
    Als Beispiel dienen die Privatisierungsintentionen der brasilianischen Regierung, die in Zusammenarbeit mit internationalen Firmen den Zugang zu Trinkwasser in Brasilien gefährden könnten.

Agrarexporte: Ausverkauf von Wasser

Der hohe Wasserverbrauch für Agrargüter, die Deutschland und die EU (das gilt auch für die Schweiz) importieren, führt zu Armut und Vertreibung in den Ländern des Südens. Darauf macht das evangelische Hilfswerk Brot für die Welt (Berlin) im Vorfeld des Weltwassertages am 22. März aufmerksam und fordert verbindliche Regeln gegen den Ausverkauf von Wasser und einen nachhaltigen Umgang mit den globalen Wasserressourcen.

Die Landwirtschaft ist für 70% der weltweiten Wasserentnahmen verantwortlich. Um die wachsende Weltmarktnachfrage nach Soja für die Fleischindustrie, Zuckerrohr für Biosprit, Baumwolle und Kaffee zu stillen, fliessen enorme Wassermengen auf der Südhalbkugel ganzjährig in künstliche Bewässerung. Der intensive Düngemittel- und Pestizideinsatz belastet zudem die Wasserqualität. Quelle: Weltagrarbericht – Agrarexporte: Verbindliche Regeln gegen den Ausverkauf von Wasser gefordert, 19.3.18

Unbezahlbar versus umsonst

Copyright: Das Blaue Wunder

Copyright: Das Blaue Wunder

Veranstaltung mit Ernst Bromeis in Davos:

„Hat die Wirtschaft das letzte Wort, wenn es um die nachhaltige Nutzung der Ressourcen geht? Muss die Welt vermessen und in Wert gesetzt werden, damit sie nicht an die Wand gefahren wird?

Anlässlich des UNO-Weltwassertages 2018 diskutieren Pfarrerin Cornelia Camichel Bromeis und Wasserbotschafter Ernst Bromeis-Camichel mit den Anwesenden über aktuelle ethische und ökonomische Fragen. In einer marktwirtschaftlich konditionierten Welt scheint alles einen Preis haben zu müssen, damit es geschätzt wird. Cornelia Camichel und Ernst Bromeis bringen mit religiösen und philosophischen Impulsen ihre Sichtweisen dar und versuchen eine Brücke zu den grossen Wasserthemen einer globalisierten Welt zu schlagen.

Ausgangspunkt für die gemeinsame Abendveranstaltung der evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Davos Platz mit dem Blauen Wunder ist die Jahreslosung 2018 der evangelischen Kirchen: „Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers, umsonst.“ Dieser Vers aus der Offenbarung, dem letzten Buch der Bibel, wird auch den blauen Faden bilden für die Diskussion.

Der Eintritt zur Veranstaltung am Donnerstag, 22. März ist frei.
Veranstaltungsort ist die Kirche St. Johann in Davos Platz.
Beginn um 20 Uhr.
Die Kollekte geht an das Hilfswerk Kids of Africa.“

News Trinkwasserinitiative

Am Weltwassertag 2017 wurde die Trinkwasserinitiative lanciert. Bereits im Januar konnte sie mit mehr als nötig Unterschriften eingereicht werden. Bleiben Sie auf dem Laufenden, lesen Sie die News der Trinkwasserinitiative!

Links

Alternatives Weltwasserforum 2018, Vorbereitung in Deutschland, Brot für die Welt und Allianz der öffentlichen Wasserwirtschaft (AöW)

Wem gehört das Wasser? Domradio.de vom 20.3.18

Indonesia women face daily swim for clean water, The express Tribune 22.3.18

Brasilien: Weltwasserforum und Privatisierung in Kritik, Brasilien Portal vom 12.3.18

Weltwasserforum in Brasilien gestartet, ZDF vom 18.3.18

Weltwasserforum in Brasilien – Hier fehlt etwas. Die Konferenz berät über den Wassermangel. In Südafrika und Spanien hat die Dürre bedrohliche Ausmaße. taz vom 16.3.18

World Bank Group – Water

Heidis Artikel zu Palmöl

22.3.18 HOME

Heidis Wort zum Sonntag: Schadstoff-Recycling

17. Juli 2016
Im Sommer 2015 wurde den Bauern zum Teil verboten, Wasser für die Bewässerung aus Bächen zu pumpen, weil der Wasserstand tief war.

Im Sommer 2015 wurde den Bauern zum Teil verboten, Wasser für die Bewässerung aus Bächen zu pumpen, weil der Wasserstand tief war.

Wir SchweizerInnen sind TOP im Recycling. Spätestens seit 14.7.16 ist klar: Wir recyclieren auch Schadstoffe. Unter dem Titel Grosse Defizite beim biologischen Zustand der Schweizer Fliessgewässer informierte das Bundesamt für Umwelt (BAFU) über Ergebnisse der Nationalen Beobachtung Oberflächengewässerqualität (NAWA) 2011–2014: „… Die Qualität des Gewässer-Ökosystems ist also an mindestens 30 Prozent der betrachteten Messstandorte erheblich beeinträchtig … Besondere Aufmerksamkeit muss dabei den kleinen Fliessgewässern gewidmet werden. Sie machen 75% des Gewässernetzes aus und sind wichtig für die Biodiversität …“

Aus dem Fazit des ausführlichen Berichts: „… Der Gewässerzustand an den NAWA-Messstellen wurde tendenziell umso schlechter bewertet, je höher der Abwasseranteil sowie der Siedlungs- und intensiven Landwirtschaftsflächenanteil im Einzugsgebiet oder je schlechter der ökomorphologische Zustand sind …“

Die Landwirtschaft braucht Wasser aus Bächen zum Bewässern. Also gelangen Schadstoffe aller Art auf die Felder und in den Boden. In Jahren mit geringen Niederschlägen wie 2015 ist die Konzentration bedeutend höher. So recyclieren die Bauern Schadstoffe der Zivilisation und Pflanzenschutzmittel. Das richtige Mittel zur richtigen Zeit am richtigen Ort?

17.7.16 HOME

Sorgloser Umgang mit dem Wasser, z.B. Engadin

25. April 2016
Das Engadin ist niederschlagsarm. Die beschränkten Wasserressourcen müssen daher in ihrer Güte und Menge besser geschützt werden.

Das Engadin ist niederschlagsarm. Die beschränkten Wasserressourcen müssen daher in ihrer Güte und Menge besser geschützt werden.

Ein Tourist ist beeindruckt vom Rauschen des Inns, vom herrlichen Kunstschnee auf den Pisten, er liebt das quellfrische Wasser aus dem Hahn, freut sich über die saftig grünen Wiesen im Sommer und die plätschernden Brunnen, welche einst Zentrum des Dorflebens im Engadin waren.

Doch ein Expertenblick sieht mehr. Der Wasserfachmann Klaus Lanz hat das Wasser im Engadin im Auftrag des WWF Schweiz untersucht und seine Studie über Nutzung, Ökologie und Konflikte an den Wassertagen Engadin Scuol 2016 vorgestellt. Er formulierte zahlreiche Empfehlungen für eine Wasserwirtschaft mit Zukunft. Heidi hat die wichtigsten Punkte herausgepickt.

Das höchst wertvolle Gut „Wasser“ zu erhalten, es intelligent und schonend zu nutzen ist das oberste Ziel wasserwirtschaftlicher Planung.

Der Naturraum Engadin

Das Engadin ist eines der höchstgelegenen bewohnten Täler Europas, 1600 bis 1800 m ü.M. Trotzdem sind die Niederschlagsmengen gering, durchschnittlich 1138 mm pro Jahr. Dies prägt die Landschaft. Im Sommer verdunstet im Talgrund deutlich mehr Wasser als durch Regen nachgeliefert wird. Besonders wenig Niederschlag erhält das Unterengadin. 70 bis 80% der Jahresabflüsse werden dort durch Schnee gespiesen.

Mit steigender Schneefallgrenze durch die Klimaerwärmung fliesst mehr Wasser im Winter direkt ab und fehlt dann im Sommer und Herbst. Der Anteil des Gletscherschmelzwassers ist gering und geht laufend zurück.

Die Wasserressourcen im Engadin sind kaum dokumentiert. Mit den wenigen verfügbaren Daten lässt sich keine Strategie der Gewässernutzung entwickeln. Eine solche ist aber nötig, um Versorgungsengpässen vorzubeugen, denn die negativen Auswirkungen von Wassermangel auf Tourismus, Trinkwasserversorgung, Landwirtschaft usw. sind sehr hoch.

Daten zur Trinkwasserversorgung fehlen

Die Engadiner Gemeinden müssen ihre Trinkwasserquellen untersuchen und besser schützen. Wann fällt wie viel Wasser an? Sind die Quellen vor Verschmutzungen ausreichend geschützt?

Die Engadiner Gemeinden müssen ihre Trinkwasserquellen untersuchen und besser schützen. Wann fällt wie viel Wasser an? Sind die Quellen vor Verschmutzungen ausreichend geschützt?

Der Trinkwasserverbrauch aus dem öffentlichen Netz wird nur an wenigen Orten gemessen, denn die Kosten der Wasserversorgung werden überwiegend pauschal auf der Basis von Wohnungsfläche und Nutzungsart (Wohnen, Gewerbe) abgerechnet. Es besteht kein Anreiz zum Wassersparen. Über die Ursachen von hohem Wasserverbrauch kann nur spekuliert werden. Netzverluste? Hoher Privat- oder Hotellerieverbrauch? Gewerbe? Beschneiung? Strategische Planung ist so nicht möglich. Die Einführung von Verbrauchsmessungen ist zentral.

Das Trinkwasser stammt grösstenteils aus hochgelegenen Quellen. Stark touristisch orientierte Gemeinden mit extremem Spitzenverbrauch (auch für die Beschneiung) haben Grundwasserpumpwerke eingerichtet, einzelne werden nur sporadisch gebraucht. Das Unterengadin ist arm an Grundwasser. Aus Qualitätsgründen kommt Bachwasser als Trinkwasser nirgends zum Einsatz.

Meist unbekannt ist die Ergiebigkeit der Quellen, desgleichen die jahreszeitlichen Schwankungen des Anfalls von Quellwasser. Dies ist besonders bedenklich, da die Schüttungsmengen viel aussagen über die Qualität des Wassers. Starke Schwankungen weisen darauf hin, dass die Quelle erheblich von Niederschlägen beeinflusst ist und somit auch der Verschmutzungsgefahr durch umliegende Flächen ausgesetzt. Kontinuierliche Messungen von Abfluss und Wassertemperatur sind für eine sichere Versorgung mit Trinkwasser erforderlich.

Der Quellschutz ist längst nicht überall gewährleistet. In jedem Fall sollte die unmittelbare Quellumgebung vorsorglich freigehalten werden von Weidetieren, Wanderwegen und anderen potenziellen Schadstoffverursachern. Auch muss der bauliche Zustand der Quellfassungen kontrolliert und optimiert werden.

Im Talgebiet wird der Schutz des Grundwassers immer anspruchsvoller. Die Siedlungen wachsen bis unmittelbar an die Schutzzone. In Samedan befindet sich die Grundwasserfassung gar inmitten eines Golfplatzes, wo Pestizide und Dünger ausgebracht werden. In dieser Ebene befindet sich auch der Flugplatz mit Gefahrenpotential Treibstoff und Enteisungsmittel. Dieses Beispiel zeigt exemplarisch, dass die Orte, an denen gutes und reichliches Trinkwasser gewonnen werden kann, im Engadin seltener werden.

Zahlreich sind die zu treffenden Massnahmen, welche für die Bewirtschaftung und Sicherung des Trinkwassers nötig sind. Die Trinkwasserversorgung soll klar organisatorisch, technisch und ökonomisch von den übrigen Nutzungen getrennt werden, um so Konkurrenz durch Beschneiung, Bewässerung (Landwirtschaft und Gärten) usw. zu vermeiden.

Zielkonflikte zwischen verschiedenen Wassernutzungen werden sich in Zukunft akzentuieren, z.B. Bewässerung in der Landwirtschaft und natürliche Gewässerökologie.

Zielkonflikte zwischen verschiedenen Wassernutzungen werden sich in Zukunft akzentuieren, z.B. Bewässerung in der Landwirtschaft und natürliche Gewässerökologie.

Zunahme der Bewässerung in der Landwirtschaft

Das Wasser für die Bewässerung wird meist lokalen Bergbächen entnommen. Dafür braucht es eine Bewilligung des Kantons, die auch die Restwassermengen festlegt. Die Wasserentnahme-Mengen sind nicht bekannt. Doch wurden da und dort neue Bewässerungssysteme gebaut und die bewässerten Flächen bei dieser Gelegenheit in der Regel erweitert. Die eingesetzte Wassermenge dürfte im letzten Jahrzehnt deutlich zugenommen haben.

Zweck der Bewässerung von Wiesen ist die Sicherung der Futtererträge, wenn zu wenig Regen fällt. Eine Steigerung der Erträge ist nicht erlaubt. Mehrjährige Untersuchungen der Vegetation im Unterengadin belegen aber, dass mit der Bewässerung eine Intensivierung der Bewirtschaftung einhergegangen ist. Dies betrifft vor allem tief gelegene, wenig steile und siedlungsnahe Lagen. Die Bauern schneiden früher und häufiger.

Es ist zu erwarten, dass mit steigender Schneefallgrenze und stärkerer Verdunstung im Sommer der Bewässerungsbedarf weiter steigt. Bei Trockenheit darf der Hauptfischereiaufseher eine höhere Bachwasserentnahme bewilligen als zu Normalzeiten, und er darf das Unterschreiten der vom Kanton verfügten Mindestrestwassermenge gestatten. Dies ist für das Leben in den Gewässern problematisch. Zudem steigt die Temperatur im Wasser zusätzlich, was negative Auswirkungen auf die Lebewesen hat.

Zahlreiche Massnahmen werden empfohlen, wie Analyse des Wasserverbrauchs, ertragssichernde statt -steigernde Praktiken beachten, sparsame Wasserausbringung, Regen- und Schmelzwassersammlung, Bewässerungswasser aus Kraftwerksstauseen usw.

Starke Wasserkraftnutzung – unrentable Kleinkraftwerke

Das Kleinkraftwerk Tasnan ist nur dank KEV rentabel. Die Veränderung des Bachs ist aber schädlich für das Wasserleben und beeinträchtigt die Landschaft. Gemäss Planung der Bergbahnen Motta Naluns soll ein erheblicher Teil des für die Stromgewinnung gefassten Wassers für die Beschneiung der Skipisten in Scuol verwendet werden.

Das Kleinkraftwerk Tasnan ist nur dank KEV rentabel. Die Veränderung des Bachs ist aber schädlich für das Wasserleben und beeinträchtigt die Landschaft. Gemäss Planung der Bergbahnen Motta Naluns soll ein erheblicher Teil des für die Stromgewinnung gefassten Wassers für die Beschneiung der Skipisten in Scuol verwendet werden.

Der Inn und seine Nebenflüsse werden erst seit Mitte des 20. Jahrhunderts intensiv für die Produktion von Energie genutzt. 70% der Engadiner Wasserkraft liefert das zweitgrösste Kraftwerk der Schweiz, die Zentrale Pradella in Scuol.

In jüngster Zeit wurden zahlreiche Nebenflüsse des Inns mit Kleinkraftwerken verbaut, nur noch wenige grössere Seitenbäche sind nicht energetisch genutzt. Und es geht in diesem Stil weiter, obwohl die Kleinkraftwerke wegen ihrer geringen und saisonal ungünstigen Stromausbeute unrentabel sind. Theoretisch! Aber unser kurzsichtiges Parlament hatte hohe Subventionen für Kleinkraftwerke gesprochen, deshalb sind diese dank kostendeckender Einspeisevergütung (KEV) für die Gemeinden attraktiv.

Die neuen Kleinkraftwerke Suscasca, Lavinuoz und Tasnan erhöhen die Stromausbeute nur minimal, verschlechtern aber die Gewässerökologie und das Landschaftsbild stark. Angesichts des geringen Nutzens sollten die letzten Wildbäche im Engadin unverbaut erhalten bleiben.

Weitere Probleme, welche zu lösen sind: Restwassermengen sichern, Schwall-Sunk-Effekt verringern, Wehranlagen in Bezug auf die Durchgängigkeit für Fische und den Geschiebehaushalt sanieren.

Kunstschnee: Der Durst nach Wasser ist grenzenlos!

Ziel sollte es sein, Schneekanonen gezielt und möglichst naturschonend einzusetzen. Zu beachten ist zudem die Verfügbarkeit von Wasser am jeweiligen Ort.

Ziel sollte es sein, Schneekanonen gezielt und möglichst naturschonend einzusetzen. Zu beachten ist zudem die Verfügbarkeit von Wasser am jeweiligen Ort.

Das Wasser von hochgelegenen Bächen und Quellen in den Skigebieten reicht in den meisten Fällen für die Beschneiung nicht aus. Das Wasser muss dann mit hohem Energieeinsatz und entsprechenden Kosten mehrere hundert Höhenmeter in die Beschneiungsgebiete hinaufgepumpt werden. Deshalb wurden in St. Moritz, Pontresina, Scuol und Samnaun Speicherseen in grosser Höhe gebaut. Diese speisen sich jedoch nur teilweise aus dem Schmelzwasser der Einzugsgebiete, so dass sie in der Regel mit Wasser aus tieferen Lagen gefüllt werden müssen.

Heute ist die durchgehende Beschneiung ganzer Abfahrten Standard, so dass auch bei völligem Ausbleiben von Schneefällen Wintersport möglich ist. Dies erfordert enorme Wassermengen in relativ kurzer Zeit. Das Hauptproblem der Beschneiung ist ein schlecht definierter, nach oben praktisch unbegrenzter Wasserbedarf. Je mehr Wasser zur Verfügung steht, desto mehr wird eingesetzt. Auch Trinkwasserquellen werden für die Beschneiung genutzt.

Jeder Wasserbezug hat ökologische und landschaftliche Folgen und ist mit Einschränkungen anderer Nutzungen verbunden. Die Bündner Behörden haben keinen Überblick über die Beschneiungs-Infrastrukturen und die Ressourcennutzung. Umnutzung von Trinkwasseranlagen zugunsten der Beschneiung werden dem Kanton von den Gemeinden nicht gemeldet, obwohl dies gemäss Art.6, Abs. 2 der Verordnung des EDI über Trink-, Quell- und Mineralwasser vorgeschrieben wäre. Seit einigen Jahren werden Beschneiungsleitungen auch nicht mehr im Wasserversorgungsatlas des Bundes erfasst.

Die Wasserressourcen und die Finanzmittel für Wintersportinfrastrukturen sind knapp. Ohne regionale Kooperation und Koordination ist ein langfristig effizienter Einsatz kaum zu verwirklichen. Dazu braucht es Daten und klare Ziele. Diese fehlen heute.

Unerwünschte Folgen des Hochwasserschutzes

Die Revitalisierung der Inn-Auen bei Bever dient dem Hochwasserschutz und der Natur.

Die Revitalisierung der Inn-Auen bei Bever dient dem Hochwasserschutz und der Natur.

Den stärksten Einfluss auf die Gewässer des Engadins üben die Bauten aus, welche der Nutzung der Wasserkraft und dem Hochwasserschutz dienen. Auenwälder wurden vom Fluss abgeschnitten, 115 grössere Fischwanderhindernisse im Rahmen des Hochwasserschutzes gebaut usw. Das Wasserbaugesetz, Art. 4, Abs. 2, schreibt vor, dass in Zukunft Hochwasserschutz möglichst gewässerschonend und naturnah ausgeführt werden muss; laut Gewässerschutzgesetz sollen die Gewässer ausreichend Raum haben.

Hochwassergefährdete Flächen dürfen konsequent nicht mehr überbaut werden. Die Chancen von Hochwasserschutz verbunden mit Revitalisierung gilt es dort zu ergreifen, wo das Kosten-Nutzen-Verhältnis gut ist. Zahlreiche Hochwasserverbauungen sind baldmöglichst nach den ökologischen Vorgaben des Wasserbaugesetzes zu sanieren.

Wasser im Engadin

Der ausführliche Bericht ist abrufbar unter: Klaus Lanz 2016: Wasser im Engadin – Nutzung, Ökologie, Konflikte, Studie im Auftrag des WWF Schweiz, Evilard.

Ökostrom aus den letzten Bergbächen, Heidis Mist 12.5.11

Weltwassertag 2014: Kleinkraftwerke ohne Ende, Heidis Mist 22.3.14

Gesamtschweizerisch besteht ebenfalls Handlungsbedarf, siehe Nationales Forschungsprogramm NFP 61 Nachhaltige Wassernutzung

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Grundwasser: Widersprüchliche Politik

19. April 2014
Das meiste Wasser, welches wir trinken oder das unsere Brunnen speist, stammt aus dem Grundwasser.

Das meiste Wasser, welches wir trinken oder das unsere Brunnen speist, stammt aus dem Grundwasser.

Das Grundwasser lebt. Kleinstlebewesen – wie Bakterien und Krebse – bilden Lebensgemeinschaften, welche noch wenig erforscht sind. Ihre Vielfalt ist gross und typisch für einen Standort. Die Tierchen gelangen bei der Entnahme von Grundwasser in die Trinkwasserversorgung. Wer sie kennt, kann aufgrund der Artenzusammensetzung und Dichte auf die Qualität des Trinkwassers schliessen. Die Grundwasser-Lebensgemeinschaften sind auch Frühwarnsysteme für Veränderungen des Wasserhaushalts in Feuchtgebieten, denn wenn man feststellt, dass sich die oberirdischen Lebensgemeinschaften verändert haben, dann sind die Feuchtgebiete bereits nachhaltig geschädigt. Am 22. Mai 2014 findet das Landauer Fachtreffen Tiere im Trinkwasser statt, Universität Koblenz-Landau, Institut für Grundwasserökologie IGÖ GmbH; es richtet sich an Vertreter der Wasserwirtschaft, mehr über Grundwasserökologie.

Der Brunnenkrebs „Parabathynella badenwuerttembergensis“ lebt im Grundwasser; ein uraltes Tier aus einer Zeit, die über 200 Millionen Jahre zurückliegt. Foto: PD

Der Brunnenkrebs „Parabathynella badenwuerttembergensis“ lebt im Grundwasser; ein uraltes Tier aus einer Zeit, die über 200 Millionen Jahre zurückliegt. Foto: PD

Es ist daher nicht verwunderlich, dass in der Gewässerschutzverordnung (GSchV SR 814.201) nicht nur Vorschriften zum Schutz des Grundwassers enthalten sind, sondern in Anhang 1 (Art. 2) auch ökologische Ziele für unterirdische Gewässer formuliert wurden: Die Biozönose (der Lebensraum) unterirdischer Gewässer soll naturnah und standortgerecht sein sowie typisch für nicht oder nur schwach belastete Gewässer.

Der Druck auf das Grundwasser ist heute gross. Weil die Lebewesen im Grundwasser rasch auf Veränderungen ihres Lebensraums reagieren, stellt sich die Frage nach der Erreichbarkeit der Ziele bzw. der künftigen Qualität unseres Trinkwassers.

Die Politik fördert Wasserkraftwerke ... längst nicht alle Projekte sind sinnvoll. Historisches Wasserrad beim Rheinfall

Die Politik fördert Wasserkraftwerke … längst nicht alle Projekte sind sinnvoll. Historisches Wasserrad beim Rheinfall.

Zum Beispiel: Damit die wachsende Nachfrage nach Energie befriedigt werden kann (Wirtschaftswachstum und Energiewende!), wird der Ausbau der Wasserkraftwerke gefördert. Wenn Wasser in Druckstollen, statt in Gewässern fliesst, dann sickert auch weniger Wasser in den betreffenden Grundwasserstrom; das Niveau sinkt. Dies wiederum bewirkt weniger Wasser im Boden und, je nach Standort, leiden die darauf wachsenden Pflanzen an Wassermangel, d.h. landwirtschaftliche Kulturen oder Golfrasen … müssen (mit Grundwasser) bewässert werden, was die Kosten und den Wasserverbrauch erhöht sowie den Grundwasserspiegel weiter senkt. Der Klimaerwärmung wegen (Vermindern der Emission von Treibhausgasen) fördert die Politik den Stromverbrauch, z.B. durch Elektroautos. Auch Energieministerin Doris Leuthard, ist elektromobil. Und: Kommt das Fracking, eine weitere Gefahr für das Grundwasser? Schiefergas – Wissenswertes zum Hydraulic Fracturing (Fracking), EAWAG, April 2013. Am 22.11.13 wurde die Initiative „Keine Vergiftung unserer Böden durch Erdgasförderung“ lanciert: Stopp Fracking.

Mehr Einwohner - mehr Bauten. Höhere Ansprüche - grössere Wohn- und versiegelte Aussenflächen. Zunehmender Grundwasserverbrauch.

Mehr Einwohner – mehr Bauten. Höhere Ansprüche – grössere Wohn- und versiegelte Aussenflächen. Zunehmender Grundwasserverbrauch.

Weitere Beispiele der Veränderung des Grundwassers durch die Politik: Der Wasserverbrauch und somit das Heraufpumpen von Grundwasser nimmt mit dem Bevölkerungswachstum zu, auch mit der intensiven Tourismusförderung durch das Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) und die Kantone. Durch den grassierenden Bau von Häusern und Strassen (4,20 m breite Kantonsstrassen in die entlegendsten Berggebiete) fliesst mehr Niederschlagswasser direkt in Fliessgewässer statt über den Boden ins Grundwasser (wenn Land für den Gewässerraum benötigt wird, dann schreien die Bauern Zeter und Mordio, wenn es um Verbreiterung der Strassen für den Transport von Baumaterial, Futter, Vieh und Touristen geht, dann herrscht Stille; eine Stille wie man sie sonst kaum mehr in der Schweiz erleben kann). Allgemein sind Massnahmen gegen die Klimaerwärmung stark auf grünes Wirtschaftswachstum (Fotovoltaik, Gebäudeisolation, Energieeffizienz, Biogas usw.) und Freiwilligkeit ausgerichtet; Aufrufe zum Sparen bringen kaum Wählerstimmen.

Auch Coca Cola hat das Geschäft mit dem Leitungswasser entdeckt: Wasserdispenser und Cola-Kapseln.http://lebensraumwasser.com/2014/02/11/coca-cola-plant-den-vertrieb-von-wasserspendern/

Auch Coca Cola hat das Geschäft mit dem Leitungswasser entdeckt: Wasserdispenser und Cola-Kapseln. http://lebensraumwasser.com/2014/02/11/coca-cola-plant-den-vertrieb-von-wasserspendern/

Klimaerwärmung und Grundwasser? Wenn Gletscher schmelzen, die Schneefallgrenze in höhere Lagen klettert, weniger Schnee und Regen fällt, mehr Wasser verdunstet, mehr Wasser für Bewässerung, zum Durstlöschen, für wohltuendes Duschen … gebraucht wird, dann sinkt der Grundwasserspiegel und, nicht zu vergessen, auch das Grundwasser wird wärmer. Gelangt weiterhin die gleiche Menge an Schadstoffen ins Grundwasser, so nimmt ihre Konzentration zu, d.h. dort, wo die Verschmutzung heute schon hoch ist, müssen Trinkwasserfassungen geschlossen werden oder zumindest fallen hohe Aufbereitungskosten an.

Auch die Agrarpolitik hilft fleissig beim Anheizen des Klimas, indem sie einseitig die Tierproduktion mit den entsprechenden Treibhausgasen fördert; daran ändert auch die Abschaffung der Tierhalterbeiträge wenig. Gegen verbesserten Schutz des Trinkwassers vor Pestiziden haben sich die Bauern 1999 erfolgreich gewehrt, und beim Bundesamt für Landwirtschaft ist niemand bereit, dieses heisse Eisen aufzunehmen. So dürfen in der Grundwasserschutzzone S2, welche fast bis zur Entnahmestelle für Trinkwasser reicht, weiterhin Pestizide ausgebracht werden, obwohl der Bundesrat einmal die gute Absicht hatte, dies zu verbieten, siehe Bundesrat gewichtet Freiheit der Bauern höher als Trinkwasserqualität, Heidis Mist, 6.2.13. Brachliegende Felder im Winter bergen weitere Gefahren sowie Ausbringen von Düngern und Pflanzenschutzmitteln, vor allem wenn die Menge hoch ist oder der Zeitpunkt schlecht gewählt (z.B. im Kanton Graubünden werden regelmässig abgeerntete Felder, etwa Maisfelder, im Herbst mit Mist und/oder Gülle gedüngt, obwohl keine Pflanzen den Dünger aufnehmen können und der Mais erst im darauffolgenden Sommer die Nährstoffe aufnehmen könnte, ja könnte, denn dann ist ein grosser Teil ausgewaschen). Die Berglandwirtschaft wird noch stärker als bisher gefördert, obwohl die Energieffizienz sehr schlecht ist.

Gefahr der Grundwasserverschmutzung durch monatelange Lagerung von ungedecktem Mist im Feld in Graubünden, und zwar durch die Behörden offiziell toleriert!

Gefahr der Grundwasserverschmutzung durch monatelange Lagerung von ungedecktem Mist im Feld in Graubünden, und zwar durch die Behörden offiziell toleriert!

Weitere Gefahren sind Verkehr, Industrie, alte Deponien, Schadstoffe aus der Luft, welche durch den Boden sickern, Abwasser aus lecken Leitungen oder ungenügender Abwasserreinigung, undichten Güllegruben und nicht ordnungsgemäss gelagerter Mist (z.B. in den Kantonen Graubünden und Tessin werden die Hofdüngeranlagen auch heute noch nicht von Amtes wegen kontrolliert, obwohl das Gesetz dies schon lange vorschreibt), Abbau von Kies und Sand, unsachgemässe Tiefenbohrungen usw.

Gewisse Behörden sind – trotz der allgegenwärtigen Gefahren für das Grundwasser – offensichtlich nicht bereit, im Interesse der Bevölkerung und der Grundwasserlebewesen die Probleme zu lösen. Gesetze sind zum Teil vorhanden, doch der Vollzug funktioniert oft nicht. So gaukeln uns die Regierenden und ihre VerwalterInnen vor, dass sie den Durchblick hätten und uns vor Gefahren schützen wollten, doch in Tat und Wahrheit ziehen sie an jenen Fäden unseres vernetzten Systems besonders stark, die den Faktor Geld näher bringen, ohne allzu viele Gedanken an die allfälligen Folgen ihres Tuns zu verschwenden. Völlig überrascht stehen sie dann vor der Kamera, wenn „unerwartete“ Nebeneffekte „zuschlagen“, selbst dann, wenn vorausschauende Geister in den Ämtern davor gewarnt hatten. Was, wenn es ihnen mit dem herbeigewünschten Geld so erginge wie Midas mit dem Gold? Alles, was sie berühren wird zu Geld, auch das Essen …

Pete Seeger, Folksänger und Aktivist sang an seinem letzten Auftritt im vergangenen Herbst 2013 beim Farm Aid Festival zugunsten der amerikanischen bäuerlichen Familienbetriebe zusammen mit Wille Nelson und Neil Young das Lied von Woody Guthrie  This Land is Your Land; am Schluss des Lieds (2:25) sang er eine neue Strophe gegen die Fracking-Vorhaben im Bundesstaat New York:
New York is my home,
New York is your home
From the upstate highway to the ocean foam
With all kinds of people
Yes, we’re polychrome
New York was meant to be frack free.

Was Switzerland meant to be frack free?

Seien wir wachsam und aktiv, denn auf jene, die wir dafür bezahlen, dass sie uns schützen, ist kein Verlass! Heidi jedenfalls wird sich weiterhin für die Lebewesen im Grundwasser einsetzen.

Schema Grundwasserbildung, aus Wegleitung Grundwasserschutz BAFU

Schema Grundwasserbildung, aus Wegleitung Grundwasserschutz BAFU

Grundwasserschutz, Bundesamt für Umwelt (BAFU)

Gefahren für das Grundwasser, BAFU

Wegleitung Grundwasserschutz

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Kreislauf der Krankheitskeime

23. März 2012
DSC02806_Montreux_Fischer

Fischen in Montreux am Genfersee. Krankheitserreger können über Gewässer ins Trinkwasser und Bewässerungswasser gelangen.

ZDF Abendteuer Wissen berichtete am 12.11.08 über bedrohliche Erreger in der Kanalisation: Zeitbombe Trinkwasser. Mit einer Medieninformation informierten WissenschaftlerInnen des Schweizer Wasserforschungsinstituts Eawag gestern über antibiotikaresistente Keime, die mit dem Siedlungsabwasser, speziell mit dem Abwasser aus Spitälern in den Genfersee gelangen, Antibiotikaresistenzen auf dem Vormarsch.“… Für Nadine Czekalski, welche im Rahmen ihrer Dissertation den Hauptteil der Untersuchungen gemacht hat, sind die Befunde «kein Grund zur Panik». 3 km neben der Einleitung des Kläranlagenablaufs in den See liegt eine grössere Trinkwasserfassung. In Sedimentproben aus der Nähe dieser Fassung haben die Forscher zwar Multiresistenzen nachweisen können, jedoch nicht im dortigen Seewasser. Ausserdem wird das Seewasser aufbereitet, bevor es ins Leitungsnetz von Lausanne eingespeist wird. Czekalski und Bürgmann sind sich jedoch einig, dass Vorsorge angebracht ist. Immerhin werden rund 15% der Schweizer Abwässer nach ihrer Reinigung direkt in Seen eingeleitet…“ Und wie viele fliessen ungereinigt direkt in Bäche und Seen? Auch heute noch! Wie viel Abwasser und Gülle aus der Landwirtschaft?

In der Schweiz wird vermehrt bewässert, einerseits weil die Folien- und Gewächshaus-Produktion stark zugenommen hat, andererseits, weil es aufgrund der Klimaerwärmung im Sommer trockener ist als früher. Das Bewässerungswasser wird zum Teil direkt den Flüssen entzogen. Enthält das Wasser Krankheitserreger wie EHEC oder Antibiotika-resistente Krankheitserreger aus der Tierhaltung oder dem Abwasser aus Spitälern oder von kranken Leuten, so gelangen diese auf die Kulturen und in den Boden, womit der „Kreislauf“ geschlossen ist. Da helfen auch die vom Bundesamt für Gesundheit als sicher deklarierten Hygieneempfehlungen in der Küche nichts. Übrigens, gestern war der Weltwassertag, Tagesschau Weltwassertag: Wasser sparen – Nahrung sichern.

Nachtrag 7.9.12: Bodenbakterien geben Resistenzen weiter, Spiegel online Wissenschaft
The Shared Antibiotic Resistome of Soil Bacteria and Human Pathogens, Science

23.3.12 HOME


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