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Petition an die UNO: Verträge mit der Bolloré-Gruppe und deren Tochter Socfin beenden!

16. Dezember 2021
Protest gegen die Plantagenfirma Okomu Oil Palm Oil in Nigeria (© Okpamakhin Initiative)

Protest gegen die Plantagenfirma Okomu Oil Palm Oil in Nigeria (© Okpamakhin Initiative)

Erst gerade hat Heidi ihre LeserInnen über den Fall Socfin in Sierra Leone informiert (Land Grabbing, nicht Einhalten von Gesetzen, Menschenrechtsverletzungen usw.). Der Weltkonzern hat aus steuertechnischen Gründen eine Niederlassung in der Schweiz. Das Imperium ist seit über einem Jahrhundert in Afrika präsent. Dank der Übernahme alter Kolonialunternehmen verwaltet Socfin Ölpalmen- und Kautschukplantagen, die zu den bedeutendsten der Welt gehören.

Forderung von 40 Organisationen aus 16 Ländern

Am 24. Mai 2021 haben 40 Organisationen aus 16 Ländern die UNO aufgefordert, alle Geschäftsbeziehungen mit der Bolloré-Gruppe und ihren Tochterunternehmen zu beenden. Gründe: Korruption, Landraub und Umweltzerstörung. Die UNO hat weder darauf noch auf den jüngsten Brief des Oakland Institute vom 11. November 2021 reagiert.

Offenbar kann allein die Öffentlichkeit die UNO davon überzeugen, das Richtige zu tun.

Petition an die UNO

Nun hat Rettet den Regenwald e.V. die folgende Petition lanciert:

Die UNO bekämpft Armut, lindert Hunger und tritt für Kinderrechte ein. Mit welchen Firmen sie dabei arbeiten, beachten UNDP, WFP und Unicef jedoch nicht sorgfältig genug. So ist die Bolloré-Gruppe einer ihrer grössten Dienstleister, obwohl sie der Korruption und über die Tochter Socfin der Verwicklungen in Landraub bezichtigt wird.

Appell an Welternährungsprogramm (WFP), UN-Entwicklungsprogramm (UNDP), Unicef

„Wir raten der UNO, alle Verträge mit der Bolloré-Gruppe, der Korruption und deren Tochter Socfin Landraub und Umweltzerstörung vorgeworfen wird, zu beenden.“

Sehr geehrter Herr Beasley,
sehr geehrter Herr Steiner,
sehr geehrte Frau Fore,

die Bolloré-Gruppe ist ein wichtiger Dienstleister der Vereinten Nationen, was ihr jedes Jahr 50 Millionen US-Dollar für Logistik und andere Leistungen einbringt. Zwischen 2015 und 2019 haben verschiedene UN-Organisationen mehr als 200 Verträge mit der Firmengruppe im Wert von über einer Viertel Milliarde Dollar unterschrieben. Ihre drei Organisationen decken rund 95 Prozent dieses Betrags ab.

Wir rufen Ihre Institutionen dazu auf, alle Geschäftsbeziehungen mit der Bolloré-Gruppe und ihren Tochtergesellschaften aus den folgenden Gründen zu beenden:

  • Die Bolloré-Gruppe ist durch ihren Anteil von 39,4 Prozent an der Socfin-Gruppe an Kautschuk- und Palmölplantagen beteiligt. Socfin kontrolliert nahezu 400’000 Hektar Konzessionen für Plantagen in Asien und Afrika. Wo immer deren Tochterunternehmen in Nigeria, Kamerun, Sierra Leone, der Elfenbeinküste und Kambodscha aktiv sind, haben Einwohner über rabiate Methoden wie Landraub berichtet. Wiederholt wurden lokale Gemeinschaften Opfer von Gewalt, Bedrohung und willkürlichen Festnahmen.
  • Die Bolloré-Gruppe wurde der Korruption und illegaler Praktiken in einer Reihe von Geschäften zur Erlangung von Hafen-Konzessionen in Afrika beschuldigt. Am 26. Februar 2021 hat die Bolloré-Gruppe im Zusammenhang mit Korruptionsvorwürfen in Togo einen Deal mit der Staatsanwaltschaft und eine Geldbusse von 12 Millionen Euro akzeptiert.

Alle Dokumente und Zusammenhänge, die Grundlage für die obigen Aussagen sind, sind im Bericht „Doing Business With the Bolloré Group“ des Oakland Institute dargelegt.

Vor dem Hintergrund der dokumentierten Vorwürfe von illegalen Praktiken und Korruption erscheint es als eklatanter Verstoss gegen die „Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte“, die „Kriterien zur Auswahl von Dienstleistern“ und des „United Nations Global Compact“, wenn UN-Organisationen und Programme Geschäftsbeziehungen zur Bolloré-Gruppe unterhalten.

Geschäfte mit der Bolloré-Gruppe widersprechen auch dem Auftrag Ihrer Institutionen, Hunger und Leid zu lindern und Entwicklung zu fördern.

Wir raten Ihren Institutionen daher dazu, alle Geschäftsbeziehungen mit der Bolloré-Gruppe und ihrer Tochterunternehmen zu beenden.

Mit freundlichen Grüssen

Vorwürfe an die Socfin- und Bolloré-Gruppe

Die Vorwürfe kreisen um die Socfin-Gruppe. Socfin betreibt Kautschuk- und Palmöl-Plantagen in zehn afrikanischen und asiatischen Ländern und hat einen schlechten Ruf: Wo immer dessen Tochterunternehmen aktiv sind, berichten Einwohner über rabiate Methoden wie Landraub. So identifizierten Augenzeugen Sicherheitskräfte der Socfin Tochterfirma Okomu Oil Palm Plantation Plc und Angehörige der Armee als Täter, als im Mai 2020 das nigerianische Dorf Ijaw-Gbene niederbrannte.

Die Bolloré-Gruppe wurde zudem der Korruption und illegaler Praktiken bei der Erlangung von Hafen-Konzessionen in Afrika beschuldigt, schreibt das Oakland Institute in der Studie „Doing business with the Bolloré Group“. Am 26. Februar 2021 hat die Bolloré-Gruppe im Zusammenhang mit Korruptionsvorwürfen in Togo einen Deal mit der Staatsanwaltschaft und eine Geldbusse von 12 Millionen Euro akzeptiert.

Die Bolloré-Gruppe ist dennoch ein wichtiger Dienstleister der Vereinten Nationen, darunter das Welternährungsprogramm, das Entwicklungsprogramm und Unicef. Die Verträge bringen der Gruppe jedes Jahr 50 Millionen US-Dollar für Logistik und andere Leistungen ein.

Heidi empfiehlt Ihnen, die Petition zu unterschreiben.

Petition: Rat an die UNO: Keine Verträge mehr mit der Bolloré-Gruppe. Rettet den Regenwald e.V.

Heidis Artikel über Socfin:

Large-scale Land Acquisition in Africa: Impacts, Conflicts and Human Rights Violations. Sierra-leonische Organisation Sierra Leone Network for the Right to Food (Silnorf) gemeinsam mit Brot für alle und zahlreichen weiteren Partnerorganisationen, 10.12.21

Investitionen für Menschen, nicht für Grossplantagen. Brot für Alle 10.12.21

São Tomé und Príncipe: durch Plantagen bedrohte endemische Arten. Heidis Mist 15.1.21

São Tomé e Príncipe: So findet man Bio-Knospe-Palmöl! (2) Heidis Mist 14.1.21

São Tomé e Príncipe: So findet man Bio-Knospe-Palmöl! Heidis Mist 13.1.21

Kennen Sie São Tomé e Príncipe? Paradies-Opfer für Palmöl. Heidis Mist 15.12.20

Socfin: Verluste im Süden, Gewinne in der Schweiz. Heidis Mist 21.10.21

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Sierra Leone: Der Fall Socfin

13. Dezember 2021

Die Studie über Socfin in Sierra Leone wird von diesen Organisationen unterstützt

Die Studie über Socfin in Sierra Leone wird von diesen Organisationen unterstützt

Den LeserInnen von Heidis Mist ist der Weltkonzern Socfin, mit steuertechnischer Niederlassung in der Schweiz, bekannt vom Fall São Tomé e Príncipe, siehe Links am Schluss dieses Beitrags.

Am 10.12.21 veröffentlichte die sierra-leonische Organisation Sierra Leone Network for the Right to Food (Silnorf) gemeinsam mit Brot für alle und zahlreichen weiteren Partnerorganisationen drei Fallstudien (Addax, Socfin, Feronia) mit politischen Forderungen, die sich an Regierungen in Europa und Afrika sowie an Institutionen der Entwicklungsfinanzierung richten. Darin fordern sie die Schaffung von öffentlichen und rechenschaftspflichtigen Finanzierungsmechanismen, die die Menschen darin unterstützen, Ernährungssouveränität aufzubauen, das Menschenrecht auf Nahrung zu verwirklichen, Ökosysteme zu schützen und wiederherzustellen sowie den Klimanotstand zu bekämpfen.

Drei Zitate aus der Fallstudie The Case of Socfin in Sierra Leone, übersetzt von Heidi mithilfe von DeepL.

Land Grabbing in Africa

Die Nachfrage nach Land und natürlichen Ressourcen hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten aufgrund der Lebensmittelpreiskrise von 2008 und der daraus resultierenden Landspekulationen deutlich erhöht. Dies führte zu einem Anstieg von grossflächigen Landkäufen (LSLAs), die auch als Land Grabbing bezeichnet werden. Seit dem Jahr 2000 wurden über 25 Millionen Hektar Landgeschäfte auf dem gesamten afrikanischen Kontinent getätigt.

Während die LSLAs grösstenteils von privaten Akteuren durchgeführt werden, wird der Landerwerb von den Regierungen gefördert und finanziell unterstützt. Dies gilt auch für die Regierungen des Globalen Südens, die Hindernisse für Landtransfers abbauen, sowie Regierungen im Globalen Norden, von denen viele diese Landgeschäfte über ihre öffentlichen Entwicklungsbanken finanzieren. Die Kurzinformationsserie befasst sich mit dem komplexen Geflecht von Geldgebern, nämlich private Beteiligungsfonds und europäische Entwicklungsfinanzierungsinstitutionen, die entweder indirekt oder direkt zahlreiche Landerwerbsprojekte in Afrika finanziert haben. Diese LSLAs gehen mit Menschenrechtsverletzungen und Konflikten einher, wobei die lokalen Gemeinschaften die Last des entstandenen Schadens tragen.

Der Fall von Socfin in Sierra Leone

Der gross angelegte Landerwerb durch Socfin Agricultural Company in Sahn Malen, Sierra Leone, ist die Ursache für schwerwiegende Land- und Sozialkonflikte und zahlreiche Menschenrechtsverletzungen in den betroffenen Gemeinden. Von Anfang an prangerten die Gemeinschaften die Landpachtvereinbarung an und insistierten, dass sie ohne ihre aktive, freie, vorherige und informierte Zustimmung (FPIC) abgeschlossen worden war.

Zugleich war die Entschädigung für das gepachtete Land unzureichend, und die Grenzen der familieneigenen Ländereien wurden nicht abgesteckt. Seitdem sind mehrere Probleme aufgetaucht, sie reichen von den Rechten auf Land, Nahrung, Wasser und einer gesunden Umwelt bis hin zu den Rechten der Arbeiter, den Rechten der Frauen, den Rechten älterer Menschen und dem Recht auf Bildung. Hinzu kommen schwerwiegende Verletzungen und Missbräuche der bürgerlichen und politischen Rechte, einschliesslich der Rechte auf friedliche Versammlung und Vereinigung, körperliche Unversehrtheit und eindeutige Fälle von Kriminalisierung von Menschen, welche Menschenrechte verteidigen.

Konkrete Empfehlungen für den Fall Socfin

An die Europäische Union:

  1. Verabschiedung verbindlicher Menschenrechts- und Umweltvorschriften für EU-Unternehmen für ihr Handeln im Ausland, mit starken Durchsetzungsmechanismen und spezifischen  Verpflichtungen hinsichtlich angemessener Konsultationen, freier, vorheriger und informierter Zustimmung und gerechter Entschädigung.
  2. Gewährleistung des Zugangs zur Justiz und zu wirksamen Rechtsmitteln.
  3. Ergreifen der erforderlichen Massnahmen zur Regulierung der SOCFIN und um sicherzustellen, dass die Aktivitäten der SOCFIN in Sierra Leone nicht aufheben oder beeinträchtigen: den Genuss  der wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Rechte, einschliesslich administrativer, gesetzgeberischer, ermittlender, gerichtlicher und anderer Massnahmen, wie die Überwachung durch Organisationen betreffend Einhaltung des nationalen Rechts und der Menschenrechtsstandards durch SOCFIN und die Erarbeitung von Berichten zuhanden der zuständigen nationalen und europäischen Institutionen.

Lesen Sie hier weiter: Large-scale Land Acquisition in Africa: Impacts, Conflicts and Human Rights Violations

Investitionen für Menschen, nicht für Grossplantagen. Brot für Alle 10.12.21

São Tomé und Príncipe: durch Plantagen bedrohte endemische Arten. Heidis Mist 15.1.21

São Tomé e Príncipe: So findet man Bio-Knospe-Palmöl! (2) Heidis Mist 14.1.21

São Tomé e Príncipe: So findet man Bio-Knospe-Palmöl! Heidis Mist 13.1.21

Kennen Sie São Tomé e Príncipe? Paradies-Opfer für Palmöl. Heidis Mist 15.12.20

Socfin: Verluste im Süden, Gewinne in der Schweiz. Heidis Mist 21.10.21

Weitere 88 Artikel von Heidi über Palmöl

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Socfin: Verluste im Süden, Gewinne in der Schweiz

21. Oktober 2021

Medienmitteilung von Brot für alle, Alliance Sud und dem Netzwerk Steuergerechtigkeit vom 20.10.21:

Der Luxemburger Agrarkonzern Socfin verschiebt Gewinne aus der Rohstoffproduktion in den Schweizer Tiefsteuerkanton Freiburg. Diese Steuervermeidung geht Hand in Hand mit Profitmaximierung auf Kosten der Bevölkerung in den betroffenen Regionen in Afrika und Asien. Ein Bericht von Brot für alle, Alliance Sud und des Netzwerks Steuergerechtigkeit zeigt erstmals auf, wie diese Praxis genau funktioniert. Mitverantwortlich dafür ist auch die Schweiz: Ihre Dumpingpolitik in der Konzernbesteuerung ist eine der Stützen dieses ungerechten Systems.

Der in Luxemburg registrierte Konzern Socfin besitzt in zehn Ländern Afrikas und Asiens Konzessionen für mehr als 380’000 Hektar Land, was fast der Fläche des Schweizer Ackerlandes entspricht. Auf 15 Plantagen produziert er Palmöl und Kautschuk und verkauft dieses auf den globalen Märkten. Die Struktur des Konzerns ist komplex. Klar ist jedoch, dass ein grosser Teil des Kautschuks über die in Freiburg ansässige Tochterfirma Sogescol FR gehandelt wird. Die ebenfalls in Freiburg domizilierte Socfinco FR kümmert sich derweil um das Management der Plantagen und stellt konzernintern Dienstleistungen zur Verfügung.

Socfin erzielte 2020 einen konsolidierten Gewinn von 29,3 Millionen Euro. Der Bericht analysierte die Gewinne pro Mitarbeiter:in in den verschiedenen Ländern und stellte eine sehr ungleiche Verteilung fest: In den afrikanischen Ländern, in denen Socfin tätig ist, machte der Konzern einen Profit von gut 1’600 Euro pro MitarbeiterIn. Ganz anders präsentiert sich das Bild bei den Schweizer Socfin-Töchtern. Sie verzeichneten im letzten Jahr einen Gewinn von 116’000 Euro pro MitarbeiterIn, also rund 70 Mal mehr als in Afrika. Zwischen 2014 und 2020 resultierte in der Schweiz sogar ein durchschnittlicher Gewinn pro MitarbeiterIn von mehr als 200’000 Euro.

Niedrige Steuern – hohe Gewinne

Wie kommen diese konzerninternen Differenzen bei der Verteilung der Gewinne zustande? Die Erklärung liefert laut dem Bericht von Brot für alle, Alliance Sud und des Netzwerks Steuergerechtigkeit ein Blick auf die Steuerraten der Länder, in denen Socfin tätig ist: Die Gewinne im Verhältnis zur Anzahl Beschäftigter sind am höchsten, wo die Steuern am niedrigsten sind. In den afrikanischen Ländern bewegt sich der Steuersatz zwischen 25 und 33 Prozent. In der Schweiz hingegen wird Socfin mit weniger als 14 Prozent besteuert. Dies ist ein typisches Muster für konzerninterne Gewinnverschiebungen mit dem Ziel, Steuern zu vermeiden.

Diese Praxis ist bei multinationalen Unternehmen weit verbreitet, und sie ist auch nicht zwangsläufig illegal. Sie ist aber in jedem Fall ungerecht, denn sie entzieht den Produktionsländern im Süden für deren Entwicklung dringend benötigte Steuereinnahmen und verstärkt so die globale Ungleichheit. Jährlich werden so rund 80 Milliarden Euro Gewinne aus Entwicklungsländern in Tiefsteuergebiete wie die Schweiz verschoben. Das sind weit mehr als die Hälfte der jährlichen globalen Ausgaben in der öffentlichen Entwicklungszusammenarbeit.

Wie die Gewinne in den Konzernen verschoben werden, ist für die Öffentlichkeit (wegen mangelnder Transparenz) und für die Steuerbehörden (wegen mangelndem Willen oder fehlender Ressourcen) meist schwer nachzuvollziehen. Im Falle von Socfin liegen indessen geographisch gegliederte Finanzberichte vor, die Aufschluss über Struktur und Inhalt der internen Transaktionen geben. Über konzerninterne Rechnungen für Handel, Beratung, Lizenzen oder andere Dienstleistungen landet ein grosser Teil der Einnahmen aus den in Afrika und Asien produzierten Gütern in der Schweiz. Ob die Höhe dieser intern verrechneten Kosten die OECD-Regeln für interne Transaktionen respektiert, wie Socfin dies geltend macht, können nur die Steuerbehörden aufgrund einer detaillierten Prüfung feststellen.

Schweiz muss transparenter werden

Die satten Gewinne in der Schweiz sind eine Seite der Medaille, die Situation auf den Plantagen im Süden die andere. Socfin profitiert dort von sehr vorteilhaften Landkonzessionen, während der Konzern die betroffene Bevölkerung nur ungenügend kompensiert, minimale Löhne für harte Arbeit zahlt und die versprochenen sozialen Investitionen nur unvollständig umsetzt. Trotz dieser für Socfin vorteilhaften Bedingungen schreiben einzelne Plantagen wie etwa die Kautschuk-Plantage LAC in Liberia gar anhaltende Verluste – laut dem Bericht ein weiterer Hinweis auf mögliche Gewinnverschiebungen aus Afrika in die Steueroase Schweiz.

Die Schweiz profitiert derweil massiv von solchen Gewinnverschiebungen: Fast 40 Prozent der Gewinnsteuereinnahmen der Kantone und des Bundes sind auf derartige Transaktionen zurückzuführen. Um den damit verbundenen Missständen zu begegnen, muss sie ihre Steuerpolitik dringend transparenter gestalten und so genannte «Rulings» (Steuerabkommen mit einzelnen Firmen) öffentlich machen. Das Gleiche gilt für die Länderberichte, die Konzerne in der Schweiz im Rahmen des internationalen Country-by-Country-Reportings der OECD erstellen müssen. Diese sind derzeit nur für Steuerbehörden einsehbar. Grundsätzlich muss die Schweiz ein internationales Unternehmenssteuersystem fördern, das Gewinne dort besteuert, wo sie erarbeitet wurden, und nicht dort, wo die Steuersätze am tiefsten sind.

Protestaktion in Freiburg

Am 20.10.21 forderte Brot für alle mit einer Protestaktion vor dem Sitz von Sogescol und Socfinco in Freiburg den Socfin-Konzern auf, Steuervermeidung und Gewinnverschiebungen innerhalb der Konzernstrukturen zu stoppen. Socfin soll zudem auf die Forderungen der lokalen Gemeinschaften eingehen, umstrittenes Land zurückgeben und dafür sorgen, dass allen ArbeiterInnen auf seinen Plantagen existenzsichernde Löhne gezahlt werden.

Bericht «Steueroptimierung auf Kosten der Ärmsten»

Brot für alle

Alliance Sud

Netzwerk Steuergerechtigkeit

Cultivating Fiscal Inequality: The Socfin Report

Plantation giant Socfin accused of dodging taxes in Africa. Ashoka Mukpo, Mongabay 21.10.21: „… Socfin’s founder, Adrien Hallet, learned how to cultivate rubber while working in the Congo during the brutal colonial rule of Belgian King Leopold II, later establishing the world’s first industrial oil palm plantation in Indonesia in 1911. Today, the company still has holdings dotted across West Africa, where it has been repeatedly accused of land grabbing and human rights abuses.“

In an email to Mongabay, Socfin refuted the report’s allegations, saying the company is in “strict compliance with the rules in force.”

21.10.21

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Bundesrat muss Palmölverordnung überarbeiten

6. April 2021

Offensichtlich nimmt der Bundesrat das Volk nicht ernst: Handel vor Nachhaltigkeit!

MEDIENMITTEILUNG DER PALMÖL-KOALITION[1] vom 1.4.21

Bundesrat muss Palmölverordnung überarbeiten

Das Stimmvolk hat sich mit 51.6% nur ganz knapp für das Freihandelsabkommen mit Indonesien ausgesprochen. Entsprechend hoch sind die Erwartungen an die versprochenen Nachhaltigkeitsanforderungen. Die Palmöl-Koalition fordert daher eine Überarbeitung der vom Bund präsentierten Palmölverordnung.

(BERN) Mit der Abstimmung über das Freihandelsabkommen mit Indonesien ist die Debatte über die bedenklichen Palmölimporte nicht vorbei. Im Gegenteil: in einer Verordnung müssen nun die versprochenen Nachhaltigkeitsanforderungen im Detail geregelt werden. Der Bundesrat hat dazu seinen Vorschlag in Vernehmlassung gegeben.

Bei genauerer Betrachtung wird schnell klar, dass diese Verordnung ungenügend ist. So werden schwache Labels anerkannt, die zwar auf dem Papier gut klingen, in der Umsetzung und Kontrolle jedoch grosse Mängel aufweisen. Ebenfalls bleibt unklar, was mit fehlbaren Importeuren geschieht, denn ein wirksames Sanktionssystem ist nicht vorgesehen. Eine solche minimalistische Umsetzung widerspricht dem Versprechen des Bundesrates, mit welchem er die Stimmbevölkerung von seinem Freihandelsabkommen überzeugt hat.

Die Palmöl-Koalition fordert insbesondere folgende drei Anpassungen:

  • Vor Inkrafttreten der Verordnung muss eine zweite Benchmarking-Studie vorliegen, die neben den Kriterien auch die Umsetzung und Wirksamkeit der Labels bewertet.
  • Die Liste der in der Verordnung vorgeschlagenen Standards muss auf «POIG» und «RSPO 2018 Identity Preserved» reduziert werden. «RSPO 2013», «RSPO 2018 Segregated» und «ISCC» sind zwingend zu streichen.
  • Das Kontroll- und Sanktionssystem muss in der Verordnung präzisiert werden, damit es die Einhaltung der Nachhaltigkeitskriterien sicherstellen kann.

Weitere, spezifischere Forderungen stellen die in der Palmöl-Koalition vertretenen Organisationen in ihren jeweiligen Stellungnahmen.

Damit importiertes Palmöl dem Anspruch auf nachhaltige Produktion tatsächlich genügt, sind die erwähnten Korrekturen unabdingbar. Setzt der Bund aber die Verordnung in ihrer jetzigen, minimalistischen Fassung in Kraft, verliert er in Sachen Nachhaltigkeit jegliche Glaubwürdigkeit, und künftige Freihandelsabkommen dürften es an der Urne schwer haben. Daher zählt die Koalition auf die Kooperation des SECO.

[1] Associazione consumatrici e consumatori della Svizzera italiana, Alliance Sud, Brot für Alle, Bruno Manser Fonds, Fédération Romande des Consommateurs, Green Boots, PanEco, Pro Natura, Public Eye, Schweizer Bauernverband, Schweizerische Getreideproduzentenverband, Soldiar Suisse, Uniterre

Heidis 80 weitere Artikel über Palmöl

6.4.21 HOME

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Kennen Sie São Tomé e Príncipe? Paradies-Opfer für Palmöl

15. Dezember 2020

Briefmarke von São Tomé e Príncipe

Briefmarke von São Tomé e Príncipe

Nachhaltig ist heute alles, es kommt nur auf den Blickwinkel an, aus welchem man etwas betrachtet. Nachdem das indonesische und malaysische Palmöl trotz RSPO-Label etwas in Verruf geraten ist, suchen viele anderswo nachhaltiges Palmöl, z.B. in Afrika oder Südamerika. Bio Suisse hat jetzt für COOP „nachhaltiges“ Bio-Palmöl in São Tomé e Príncipe gefunden, siehe BIOAKTUELL 10/2020.

São Tomé e Príncipe ist der zweitkleinste Staat Afrikas, ein Inselstaat im Golf von Guinea. Er beherbergt eine Vielzahl von Vogelarten, z.B. grosse Bestände von Graupapageien, dann Frösche, Schlangen und Chamäleons. São Tomé e Príncipe ist ein Hot-Spot der Artenvielfalt, beherbergt viele Arten, die nur dort vorkommen.

Einst Kolonie von Portugal

Die zwei Inseln sind geprägt vom Kolonialismus. 1485 wurde die erste portugiesische Niederlassung gegründet. Sie diente als Umschlagplatz für den Sklavenhandel zwischen Afrika, Portugal, Brasilien und den karibischen Inseln, auch siedelte Portugal von der Inquisition ausgewiesene Juden sowie Strafgefangene hieher um. Ab 1572/3 war São Tomé direkt der portugiesischen Krone unterstellt. Plantagen wurden angelegt mit wechselnden Monokulturen wie Zuckerrohr, später Kaffee und seit 1850 Kakao, dann folgten Palmen, heute boomen Ölpalmen.

Die Kolonialherrschaft endete erst 1975. Seither wechseln sich Regierungen ab, die relativ instabil sind; und über Korruption wird berichtet.

Reisehinweise EDA für São Tomé e Príncipe

Das Eidgenössisches Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) schreibt:

  • Es kann sporadisch zu Spannungen und Demonstrationen kommen, bei denen Ausschreitungen und gewaltsame Zusammenstösse zwischen Demonstranten und den Sicherheitskräften möglich sind.
    Meiden Sie grosse Menschenansammlungen und Kundgebungen jeder Art
    .
  • Im Golf von Guinea kommt es zu Piratenüberfällen. Beachten Sie die spezifischen Informationen
  • Während der Regenzeit (Oktober bis Mai) sind die Strassen teilweise nur schwer passierbar. Benutzen Sie vorzugsweise ein Geländefahrzeug. Von nächtlichen Überlandfahrten wird abgeraten.
  • Es wird davon abgeraten, militärische Installationen, Flughäfen, Brücken, Bauten und Einrichtungen der Verwaltung und oder den Präsidentenpalast sowie öffentliche Gebäude zu fotografieren. Das Fotografieren solcher strategisch wichtigen Objekte kann zu Auseinandersetzungen mit der Polizei führen. Vergehen gegen das Betäubungsmittelgesetz können mit mehrjährigen Gefängnisstrafen und Geldbussen bestraft werden. Die Polizei nutzt ihr Recht, jemanden längere Zeit festzuhalten, bevor offiziell Anklage erhoben wird. Die Haftbedingungen sind sehr schwierig.
  • Gleichgeschlechtliche Handlungen werden allgemein missbilligt.
  • Die medizinische Versorgung ist nicht gewährleistet. In der Regel verlangen Krankenhäuser eine Vorschusszahlung, bevor sie Patienten behandeln. Eigenes Verbandsmaterial und Wegwerfspritzen können sich als nützlich erweisen. Für die Behandlung ernsthafter Krankheiten und Verletzungen wird die Rückkehr nach Europa empfohlen …

Über einst wahre Naturparadiese und Heiligtümer

Weekend Premium berichtete am 29.12.19: „Im zu Ende gehenden Jahr haben die Medien der Welt über Brasilien und die Abholzung gesprochen, die den Amazonaswald in schwindelerregendem Tempo verarmt. Es gibt aber auch andere Orte auf der Welt, einst wahre Naturparadiese und Heiligtümer der Artenvielfalt, über die weniger gesprochen wird, denen aber das gleiche Schicksal droht …

Der Notstand in São Tomé heisst Entwaldung. Und die Schuld liegt bei den multinationalen Konzernen, die den Äquatorialwald durch Palmölplantagen ersetzt haben. Das Hauptprodukt dieser Pflanzen, das Palmöl, ist in der Tat billig, profitabel und vielseitig und kann auf der ganzen Welt nicht nur in der Lebensmittelindustrie, sondern auch in einer unendlichen Anzahl von Produkten, einschliesslich Kosmetika, Zahnpasta, Reinigungsmitteln und Biodiesel, verwendet werden. Alles jedoch auf Kosten von Natur und Umwelt.“

In São Tomé wurden seit 2010 etwa 1’800 Hektar Wald für Ölpalmenplantagen zerstört. Es wird mobilisiert, um diese Ausdehnung einzudämmen und den Wald und die lokale Bevölkerung zu schützen.

Das Imperium Socfin im Steuerparadies Schweiz

Socfin, ein Belgischer Konzern, ist weltweit führend auf dem Palmölmarkt. Er hat Anfang 2000 in São Tomé e Príncipe 5’000 Hektaren Landnahme ausgehandelt oder verhandelt für Industrieplantagen. Das ist kein Zufall, denn Belgien hatte in den Anbauländern Kolonien und investierte dort früh.

Das Socfin-Imperium ist seit über einem Jahrhundert in Afrika präsent. Dank der Übernahme alter Kolonialunternehmen verwaltet Socfin Ölpalmen- und Kautschukplantagen, die zu den bedeutendsten der Welt gehören. In Afrika hat Socfin in folgenden Ländern Niederlassungen: São Tomé e Príncipe, Demokratische Republik Kongo, Liberia, Nigeria, Ghana, Sierra Leone, Kamerun und Elfenbeinküste. Der französische Konzern Bolloré hält fast 40 Prozent der Anteile.

2010 hat Socfin den Firmensitz aus steuertechnischen Gründen in die Schweiz verlegt, nach Fribourg, da das Unternehmen hier lediglich 10 Prozent des Gewinns versteuern muss, gegenüber 34 Prozent in Belgien. Auch die Sozialabgaben für das Personal seien geringer in der Schweiz, gab Socfin in einem Interview mit La Liberté bekannt. Für diesen Standort ausschlaggebend waren auch private Kontakte von Führungskräften.

Seit Jahren wird Socfin wegen angeblicher Menschenrechtsverletzungen auf seinen Plantagen gerügt. Mehrere Klagen und Beschwerden wurden wegen angeblichen Fehlverhaltens eingereicht, darunter Unregelmässigkeiten bei Landerwerbsprozessen, schlechte Arbeits- und Wohnbedingungen und die fehlende nachhaltige Einbindung der lokalen Bauern. Socfin weist die Kritik zurück und sagt, das Ziel sei es, die Entwicklung in Afrika voranzutreiben und sicherzustellen, dass die lokalen Gemeinden und ihre Arbeiter davon profitieren.

So wird Socfin etwa Land Grabbing in Sierra Leone vorgeworfen. Das kirchliche Hilfswerk Brot für alle beschuldigt Socfin in einem im Februar 2019 veröffentlichten Bericht, mehr als zwei Dutzend Dörfer in Liberia für die Erweiterung von Kautschuk-Plantagen zerstört und deren Einwohner vertrieben zu haben.

Eine sehr detaillierte Geschichte über Socfin hat Mongabay im Juni 2020 veröffentlicht.

Romane über São Tomé und Príncipe

Als bedeutendster Romanautor auf São Tomé und Príncipes gilt seit seinem Roman „Tal der Illusionen“ (O Vale das Ilusões) von 1956 der neorealistisch geprägte Sum Marky (1921–2003). In „Am Altar des Gesetzes“ (No Altar da Lei) (1960) und in Vila Flogá (1963) etwa thematisierte er das Massaker von Batepá im Jahr 1953, als Gutsbesitzer mit Repressionen eine Welle der Gewalt gegen die schwarze Bevölkerungsmehrheit in São Tomé und Príncipe auslösten. Das Thema der kolonialen Unterdrückung nahm er auch in seinem letzten Roman „Chronik eines erdachten Kriegs“ (Crónicas de uma Guerra Iventada) (2001) wieder auf.

COOP und Bio Suisse auf kolonialen Pfaden

Bio Suisse stuft Palmöl als „kritischen Rohstoff“ ein, aber geht trotzdem Geschäfte mit einem Imperium ein, dessen Ruf schon nach wenigen Klicks im Internet vom Bildschirm heult. Per 31.3.21 ist Kakao und Palmöl von Agripalma (Socfin) aus São Tomé und Príncipes Bio Suisse zertifiziert: CERTIFICADO Basel, 31.01.2020, siehe auch Socfin -> Certifications.

Bio Suisse hat angeblich bereits in Kolumbien, Brasilien und Madagaskar „nachhaltiges“ Palmöl für COOP gefunden, siehe Heidi empfiehlt: Referendum „Stop Palmöl“ unterschreiben!

Bioaktuell 10/2020: „Bio Ostschweiz beantragte die Unterstützung des Referendums «Stop Palmöl» und damit die Nein-­Parole zum Freihandelsabkommen mit Indonesien. Weil Bio Suisse nicht
direkt betroffen sei, schlug der Vorstand vor, keine Parole zu
fassen. 48 Delegierte unterstützten das (34 Nein, 14 Enthaltungen).

Nachhaltiges Umdenken ist nötig

Es wäre an der Zeit, dass Verantwortliche in Organisationen, Politik und Industrie das Problem Palmöl in seiner ganzen Dimension erfassten, denn es geht weiter als nur zur zerstörerischen Produktion, sondern betrifft auch andere Aspekte wie Gesundheitsfragen, Umweltwirkungen von Transport und Mobilität, Klimaerhitzung usw. Wann endlich werden wir lernen?

Heidi meint: Die Suche nach „nachhaltigem“ Palmöl wird immer absurder.

Quellen

BIOAKTUELL 10/2020

São Tomé und Príncipe, Wikipedia

Bolloré, Wikipedia

Reisehinweise für São Tomé und Príncipe, veröffentlicht am 19.3.20, gültig am 15.12.20. Eidgenössisches Departement für
auswärtige Angelegenheiten (EDA)

Oil palm in Africa: past, present and future scenarios – 2013 update. Ricardo Carrere, World Rainforest Movement

L’EMPIRE SOCFIN – Part 1 – SAO TOMÉ. Micha Patault, Fotos 2020

Agripalma, Socfin.

Un empire très exotique à Fribourg, Socfin, Interview in La Liberté 28.6.17

Sao Tomé e Principe, un ecosistema a rischio per colpa dell’uomo. Weekend Premium 19.12.19

How the legacy of colonialism built a palm oil empire. Mongabay 26.6.20

Wie Kolonialismus und deine Handseife zusammenhängen. Mongobay 30.9.20

Degradationsrisiken tropischer Waldökosysteme – Multifaktorielle Fernerkundungs- und GIS-basierte Modellierung der Landschaftsvulnerabilität. Umgesetzt am Fallbeispiel von São Tomé. Inaugural-Dissertation Universität Heidelberg, Diplom-Geographin Signe Mikulane, 19.6.19

Kautschuk-Konzern vertreibt Bauern in Liberia. Brot für alle

São Tomé & Príncipe: Inseln der Illusionen Geo

Heidis weitere 40 Artikel über Palmöl

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