Posts Tagged ‘Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen’

Pestizide: Nun hat auch die Wirtschaftskommission des Ständerats Angst!

12. Februar 2020
Berndeutsch.ch: Nume nid gschprängt! Langsam, langsam; nur mit der Ruhe, nur nichts überhasten! (BLV= Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen).

Berndeutsch.ch: Nume nid gschprängt! Langsam, langsam; nur mit der Ruhe, nur nichts überhasten! (BLV= Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen).

Der Pöstler ist am 11.2.20 spät dran, Heidi schon in der Küche. Der Alpöhi holt die Post, setzt sich an den Küchentisch und beginnt die NZZ zu lesen. Plötzlich schaut er von der Zeitung auf und ruft Heidi zu:

Alpöhi: „Endlich machen sie etwas, die Schlafmützen!“

Heidi: „Welche meinst du? Es gibt davon viele!“

Alpöhi: „Die Wirtschaftskommission des Ständerats! Ich lese dir den Artikel vor, dann kannst du weiterkochen, denn ich habe Hunger. Der Titel ist schon vielversprechend:

 «Nägel mit Köpfen» bei den Pestiziden: Das Risiko soll bis 2027 halbiert werden.

Lange hat das Parlament auf Druck der Bauernlobby Konzessionen bei den Pestiziden verweigert. Nun will die Wirtschaftskommission des Ständerats das korrigieren.

Fungizide im Trinkwasser, Insektizide in Flüssen: Seit Monaten jagt eine Negativschlagzeile über Pflanzenschutzmittel die nächste. Das Bundesamt für Landwirtschaft und das Parlament haben bisher versucht, das Problem auszusitzen. Nun geht die Wirtschaftskommission des Ständerats in die Offensive: Sie fordert, dass die Risiken von Pflanzenschutzmitteln bis in sieben Jahren um die Hälfte reduziert werden. Wird das Ziel nicht erreicht, soll der Bundesrat weiterführende Massnahmen umsetzen müssen, zum Beispiel eine Lenkungsabgabe auf Pestizide.

Heidi: „Immerhin! Das war ja nicht mehr zu übersehen, überhören … Aber sie geben den Bauern wieder viel Zeit und Markus Ritter wird wie üblich nach Forschung und Beweisen fragen. Vielleicht hat die Wirtschaftskommission nur Angst vor der Annahme der Pestizid-Initiativen durch das Volk. Eine Lenkungsabgabe auf Pestizide ist überfällig, darf nicht in eine ferne Zukunft verschoben werden. Und du weisst ja wie es mit den Kontrollen ist: Gewisse Kantone – und das sind nicht wenige – machen jahrzehntelang nichts.“

Alpöhi: „Wir werden ja sehen, ob das Parlament die Gewässerverschmutzungen ernst nimmt oder im alten erfolgreichen Stil verwässert.“

Lesen Sie weiter: «Nägel mit Köpfen» bei den Pestiziden: Das Risiko soll bis 2027 halbiert werden. Angelika Hardegger, NZZ 11.2.20

Rosinenpicken im Pestizid-Medienwald

Nulltoleranz für Pestizide im Trinkwasser? «Keine Hektik»! Stefan Häne, Tages-Anzeiger 31.1.20

Abwarten und belastetes Wasser trinken!

Ein unveröffentlichtes Schreiben zeigt, wie der Bund das «wahrscheinlich krebserregende» Chlorothalonil in den Griff kriegen will – mit «verhältnismässigen» Massnahmen.

… Bereits als gesichert gilt laut Seiler Folgendes: Der neu unter den Grenzwert fallende Metabolit R471 811 kommt in deutlich höheren Konzentrationen vor als R417 888, der letztes Jahr in aller Munde war. Die bislang vorliegenden Resultate würden die Befunde der Eidgenössischen Wasseranstalt Eawag bestätigen. In den meisten Fällen dürfte es laut Seiler nicht mehr möglich sein, das Problem mit Wasserverdünnen zu lösen. Zudem ist die Zahl der betroffenen Wasserversorgungen gewachsen: «Es gibt wohl kaum eine Wasserversorgung in landwirtschaftlich intensiv bewirtschafteten Regionen, die nicht betroffen ist.»

Chlorothalonil im Trinkwasser Zwei Drittel der Aargauer Trinkwasserfassungen neu betroffen. SRF, Regionaljournal Aargau-Solothurn 4.2.20

Das BLV informiert: Vorgehen bzgl. Chlorothalonil-Metaboliten in der Schweiz. Aqua & Gas 31.1.20. Folgendes hält das BLV fest:

… Es sind verhältnismässige Massnahmen zu treffen. Kann eine Verbesserung der Situation ohne grossen Aufwand erreicht werden, so muss diese so bald als möglich angegangen werden. Ist keine rasche Lösung möglich, sind Überlegungen zur Verbesserung der Wasserqualität voranzutreiben. Dabei sind auch regionale oder überregionale Betrachtungen anzustellen.

… Je nach Situation kann beispielsweise die Ausscheidung eines Zuströmbereiches, der Zusammenschluss mit einer anderen Trinkwasserversorgung oder die Erschliessung einer weiteren, vom Ackerbau unabhängigen Trinkwasserquelle eine nachhaltige Lösung darstellen.

Heidi und NaNa meinen: „Taktik: Verdünnen, verdünnen, verdünnen … und schweigen! Solange es geht!“

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Des Schweizers weisse Weste: Export von giftigen Pestiziden

26. Januar 2020

NaNa/Heidi

Exportiertes verbotenes Pestizid kommt in Lebensmitteln zurück

Zum Beispiel: Das in der Schweiz verbotene Pestizid Profenofos wird von Syngenta im Wallis produziert, dann exportiert und kommt in Lebensmitteln in die Schweiz zurück.

Tobias Tscherrig schreibt im Infosperber vom 17.1.20: „Denn Lebensmittel, die unter Einsatz von Profenofos im Ausland produziert werden, dürfen in die Schweiz importiert werden. So verweist «Public Eye» auf eine Analyse des Bundesamts für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) über Pestizidrückstände im Jahr 2017. Profenofos wurde in 41 Lebensmitteln nachgewiesen, vor allem in Gemüse sowie verschiedenen Früchten und Gewürzen aus Asien. Damit ist Profenofos das am häufigsten nachgewiesene verbotene Pestizid in Schweizer Nahrungsmitteln.“

Menschenrecht und Nachhaltigkeit hier …

Dass Profenofos in Brasilien das häufigste Pestizid ist, welches das Trinkwasser verschmutzt, ist unserem Bundesrat egal, obwohl die Schweiz sich verpflichtet hat, dem Zugang zu sauberem Wasser als Menschenrecht nachzuleben und ihn im Rahmen der UN-Nachhaltigkeitsziele zu fördern.

… Wachstum der Schweizer Exportwirtschaft dort!

Bundesrat Guy Parmelins Rede am Aussenwirtschaftsforum in Zürich:

„… Die Mercosur-Staaten sind mit 260 Millionen Einwohnern schon jetzt ein wichtiger Zielmarkt für die Schweizer Exportwirtschaft und weisen ein grosses Wachstumspotential auf. Bereits heute exportiert die Schweiz Güter im Wert von mehr als 3 Milliarden Franken pro Jahr in diese Länder…

… Der Bundesrat verfolgt daher eine klare Strategie, um ausländische Märkte zu öffnen und der heimischen Exportwirtschaft so möglichst gute Rahmenbedingungen zu bieten.“

Lesen Sie den vollständigen Artikel von Tobias Tscherrig im Infosperber:

Schweiz exportiert gefährliche Pestizide. Tobias Tscherrig, Infosperber 17.1.20

Ansprache von Bundesrat Guy Parmelin, Aussenwirtschaftsforum 2019, Zürich. Medienmitteilung vom 26.3.19

Zu giftig für die Schweiz – aber exportierbar allemal. Der Bund 15.3.19

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Was hat Pythagoras mit den mangelnden Kontrollen in Schlachtbetrieben zu tun?

15. Januar 2020
Thymian mit Schmetterling. Wer findet ihn?

Thymian mit Schmetterling. Wer findet ihn?

Die Medien berichten über die mangelnden Kontrollen in Schlachtbetrieben. Es ist ein bisschen überall so, dass es viele Gesetze gibt, aber wenig Vollzug bzw. viele geschlossenen Augen: Im Gewässerschutz, Tierschutz usw. und offenbar auch in Schlachtbetrieben.

Zufällig hat Heidi gestern in Ovids Metamorphosen gelesen, 15. Buch, Kapitel „Pythagoras“. Man muss nicht gleich Vegetarier werden, aber der blumige Text könnte dazu anregen, über den übermässigen Verzehr von Fleisch nachzudenken:

… auch hat er (Pythagoras) als erster Klage dagegen erhoben, dass man Tiere als Speise auftischt; als erster hat er seinen Mund – der zwar weise war, aber keinen Glauben fand – geöffnet, um solche Worte zu sprechen:

„Hütet euch, ihr Sterblichen, euern Leib mit mörderischen Speisen zu entweihen! Gibt es doch Feldfrucht, gibt es doch Obst, das mit seinem Gewicht die Äste herabzieht, und an Reben schwellende Trauben; gibt es doch süsse Kräuter und solche, die erst im Feuer weich und mild werden können; und man raubt euch ja weder die flüssige Milch noch den Honig, der nach Thymianblüten duftet. Verschwenderisch schenkt die Erde ihren Reichtum, friedliche Nahrung, und bietet euch Speise ohne Mord und Blut. Mit Fleisch stillen Tiere den Hunger, und auch sie nicht alle. Denn Pferde, Schafe und Rinder leben von Gras. Diejenigen aber, deren Wesen ungezähmt und wild ist, armenische Tigerinnen, zornmütige Löwen und Bären samt den Wölfen, freuen sich an blutigem Frass, Weh! Welch schwerer Frevel ist es, Leib in Leib zu bestatten, mit gierig hinabgeschlungenem Fleisch sein Fleisch zu mästen und als Lebewesen von eines anderen Lebewesens Tod zu leben! Freut es dich etwa, mitten unter den reichen Schätzen, welche die Erde, die beste der Mütter, hervorbringt, nur jämmerlich verwundete Tiere mit grausamem Zahn zu kauen und den Brauch der Cyclopen zu erneuern? Und wirst du etwa nur, wenn du einen anderen vernichtest, den Hunger deines fressgierigen, deines entarteten Bauches zu stillen vermögen?

Doch jene alte Zeit, die wir die goldene nennen, war mit Baumfrüchten und erdentsprossenen Kräutern glücklich und besudelte den Mund nicht mit Blut. Damals flatterten die Vögel ohne Sorge auf ihren Schwingen durch die Luft, unerschrocken hoppelte der Hase mitten über die Fluren und die eigene Vertrauensseligkeit hatte den Fisch nicht am Angelhaken baumelnd lassen; alles war ohne Falsch, ohne Angst vor Arglist und voller Frieden …“

Tierschutz und Fleischkontrolle in Schlachtbetrieben: Grössere Anstrengungen sind nötig, Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen, Medieninformation vom 14.1.20

«Schweine sterben mit schlimmsten Schmerzen», 20minuten 14.1.20

Kein Futter, kein Wasser, zu schwache Elektroschocks: So leiden Tiere auf Schweizer Schlachthöfen. Blick 14.1.20

Ovid: Metamorphosen, Reclam

Der Fall Bichwil: Ein Skandal! (2) Neues Wappen Oberuzwil

1. Oktober 2019
Die Gemeinde Oberuzwil schützt "seinen Brändle". Das Naturschutzgebiet Chegelwis in Bichwil ist bereits grösstenteils zerstört. Das kümmert die Gemeindebehörden offenbar nicht. Die Alpakas von Adrian Brändle trampeln weiterhin dort herum, wo der geschützte Lebensraum von Amphibien ist, aber diese kaum eine Überlebenschance haben.

Die Gemeinde Oberuzwil schützt „seinen Brändle“. Das Naturschutzgebiet Chegelwis in Bichwil ist bereits grösstenteils zerstört. Das kümmert die Gemeindebehörden offenbar nicht. Die Alpakas von Adrian Brändle trampeln weiterhin dort herum, wo der geschützte Lebensraum von Amphibien ist, aber diese kaum eine Überlebenschance haben.

Der Fall Bichwil: Ein Skandal! Heidis Mist vom 26.9.19

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Der Fall Bichwil: Wenn Richter den Vollzug verhindern

15. Mai 2019

Alpakazucht Bichwil

Dass auf dem Alpakazuchtbetrieb in Bichwil SG vieles nicht ordentlich läuft, sehen wohl alle, die einen kritischen Blick über den Zaun werfen. Was die Tierhaltung anbetrifft, hat die kantonale Behörde viel Aufwand betrieben, Verbesserungen verlangt, die Einhaltung von Gesetzen gefordert und auch geklagt. Doch der Tierhalter war nicht einsichtig, rekurierte. Die Richter des Kreisgerichts Wil in Flawil sprachen Adrian Brändle am 3.4.12 frei. Der Unschuldige darf auch weiterhin Alpakahalter ausbilden. Die kantonale Vollzugsbehörde investierte viel Zeit in diesen Betrieb, erfolglos. Sie hat resigniert. Alles ist rechtens, so das Kreisgericht. Oder etwa nicht?

Welche Gründe führten die Richter für den Freispruch an? Ihre Argumentation möchte Heidi kennen. Im Sinne des Öffentlichkeitsprinzips müsste man eigentlich Einsicht in das Gerichtsurteil erhalten.

Unrat, Kot und Alpaka im Naturschutzgebiet

Unrat, Kot und Alpaka im Naturschutzgebiet

Und wer kümmert sich um das Naturschutzgebiet? Sofortmassnahmen gibt es offensichtlich keine. Lässt man das Gebiet solange zerstören bis es wertlos ist?

Unrat und Weide bedrohen ein Naturschutzgebiet, Heidis Mist vom 3.5.19

Das BLV will nichts mit Bichwil zu tun haben! Heidis Mist vom 5.5.19

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Das BLV will nichts mit Bichwil zu tun haben!

8. Mai 2019

Die lokalen und kantonalen Behörden haben im Fall Bichwil versagt. Sie kennen die Missstände seit Jahren, handeln aber nicht. Heidi hat beim Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) angeklopft.

Darf der Alpakazüchter Adrian Brändle weiterhin Alpakahalter ausbilden?

Antwort BLV: „Der SKN wurde bei uns regelkonform eingereicht und die Anerkennung nach der festgelegten Frist auch erneuert.“

Weiter bat Heidi das BLV, im Fall Brändle zum Rechten zu sehen.

Antwort BLV: „Sie müssen sich direkt an die zuständige kantonale Vollzugsbehörde wenden.

Das kantonale Veterinäramt ist für den Vollzug und somit für die Kontrollen zuständig.

Lassen Sie dem kantonalen Veterinäramt möglichst aussagekräftige Bilder und eine sachliche Beschreibung der Situation zukommen. Falls angezeigt, können die kantonalen Behörden Kontrollen durchführen.

https://www.blv.admin.ch/dam/blv/de/dokumente/import-export/import/adressliste-kantonalen-veterinaeraemter-db.pdf.download.pdf/Adressliste%20der%20kantonalen%20Veterinaeraemter.pdf

Bezüglich Naturschutzgebiet müssen Sie sich ebenfalls an die zuständige kantonale Stelle wenden.“

Muss Heidi etwas tun? Sie hat dem BLV geschrieben: „Ich bin eine Steuerzahlerin, keine Kontrolleurin, keine Gemeindepräsidentin oder kantonale Beamtin. Ich muss mich also nicht an andere Stellen, etwa kantonale, wenden …

… Einmal mehr stelle ich fest: Es gibt Gesetzte. Die Kantone sind für den Vollzug verantwortlich, nehmen ihn aber nicht wahr. Der Bund will nichts von seiner Oberaufsicht hören. Fazit: Alle sind NICHT verantwortlich.“

Übrigens: Jetzt weiden Alkpakas in einer frisch gemisteten Wiese. Auch das hat Heidi dem BLV gemeidet.

Lesen Sie die Geschichte über das Naturschutzgebiet und die Alpakazucht in der Chegelwis in Bichwil:

Unrat und Weide bedrohen ein Naturschutzgebiet, Heidis Mist vom 3.5.19

Nachtrag vom 15.5.19: Was die Tierhaltung anbetrifft, hat die kantonale Behörde viel Aufwand für Verbesserungen betrieben, die Einhaltung von Gesetzen gefordert und auch geklagt. Doch der Tierhalter war nicht einsichtig, machte Rekurs. Die Richter des Kreisgerichtes Wil haben ihn am 3.4.12 freigesprochen.

Der Fall Bichwil: Wenn Richter den Vollzug verhindern, Heidis Mist vom 15.5.19

Politik und Artenvielfalt

Der Flora und Fauna geht es miserabel. Ein Aufschrei geht gerade um die Welt. Wird dieser von Bundesrat und Parlament gehört? Oder wird er samt Echo an den harten Wänden des Bundeshauses und der Amtsstuben verhallen?

Weltbiodiversitätsrat warnt vor Artensterben

Medieninformation Naturwissenschaften Schweiz: „Das Artensterben beschleunigt sich fortwährend und ist bereits 10- bis 100-mal höher als im Durchschnitt der vergangenen 10 Millionen Jahre. Insgesamt sind 0,5 bis 1 Million von rund 8 Millionen Arten gefährdet, warnt der Weltbiodiversitätsrat IPBES am Montag im ersten globalen Bericht zum Zustand der Biodiversität und der Ökosystemleistungen. Der dramatische Zustand der Natur hat enorme Konsequenzen für die menschliche Existenz. So sind 14 von 18 Leistungen der Natur wie Bestäubung oder saubere Luft am Schwinden.“

Weltbiodiversitätsrat warnt vor drastisch beschleunigtem Artensterben, Akademie der Naturwissenschaften Schweiz (SCNAT) vom 6.5.19

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Unrat und Weide bedrohen ein Naturschutzgebiet

4. Mai 2019

Blick in das Naturschutzgebiet, das sich in der Chegelwis in Bichwil befindet. Viel Unrat liegt herum und Alpakas weiden darin, haben freien Zugang. Das Land bis zur Strasse ist für die Tiere eingezäunt. Es gibt keinen öffentlichen Zugang zum Schutzgebiet. Klick für grösseres Bild.

Ein kleines Naturschutzgebiet ist es „nur“, das in der Chegelwi(e)s in Bichwil SG liegt. Doch gerade solche Biotope sind für die Biodiversität und Vernetzung wichtig. Oft genug verschwinden oder degenerieren sie. Viele sind heute bedroht, da kein grosses Auge über ihnen wacht. Die Naturschutzorganisationen haben Arbeit genug mit ihren Gebieten und den allgemeinen Umweltproblemen.

Zwei Enten sind am Weiher interessiert, doch wie geht es der übrigen Flora und Fauna? Kot liegt auf dem Boden.

Das Naturschutzgebiet war einst eine Kiesgrube. Nachdem die Ausbeutung aufgegeben wurde, entwickelte sich ein Biotop. Lehrer besuchten es einst mit Schülern und erklärten ihnen Mölche und Kaulquappen. Die Ökonzept GmbH erarbeitete 2007 für die Chegelwis ein Aufwertungsprojekt. Trotzdem weiden dort seit Jahren Alpakas und allerlei Unrat und Holz lagert im ebenen Teil.

Dort wo heute braune Erde ist, müssten eigentlich Büsche mit Krautsaum und hohem Gras stehen. Bald würden junge Frösche aus dem Teich kommen. Diese brauchen Grünzeug nicht nackte Erde. Wenn es noch Frösche gibt, dann steht Ihnen und den jungen Fröschchen ein kurzes Leben bevor, denn eine Hundertschaft an Alpacas trampeln die kleinen Tiere zu Tode. Ausserhalb des Naturschutzgebietes gedeihen jetzt die Wiesen, das Gras ist fast 50 cm hoch, aber im Schutzgebiet sieht Heidi viel nackte Erde.

Zustand des Naturschutzgebietes im August 2017. Damals war kein „Trockensommer“ wie 2018. Man sieht grosse kahle Flecken. Die dunkelgrünen weisen auf Überdüngung hin und allerlei Abgelagertes ist sichtbar. Klicken Sie auf das Bild zur besseren Beurteilung.

Die Gemeinde Oberuzwil kennt die Missstände seit Jahren, sie wurde zudem von Ortsansässigen wiederholt auf den miserablen Zustand des Naturschutzgebietes aufmerksam gemacht, trotzdem hat sie der zerstörerischen Tätigkeit bisher kein Ende gesetzt. Aktuell sucht man offenbar nach „Lösungen“ und revidiert die Schutzverordnung. Die Nutzung der Chegelwis widerspricht krass der Schutzverordnung, in welcher auch der Vollzug geregelt ist, inkl. Ahndung bei Zuwiderhandlungen gemäss Bundesgesetz über den Natur- und Heimatschutz (NHG). Unter Art. 12 der Schutzverordnung „Biotope und Weiher (BioT)“ ist zu lesen:

  1. Biotope und Weiher sind als naturnahe Flächen zu erhalten. Alle Tätigkeiten und Massnahmen, die eine Gefährdung dieser Gebiete mit sich bringen, sind verboten. Notwendige Pflegemassnahmen haben objektbezogen und fachgerecht zu erfolgen.
  2. Die im Plan bezeichneten Weiher mit ihrer natürlichen Umgebung dürfen in ihrer flächenmässigen Ausdehnung nicht verändert werden.

Auf den angrenzenden Wiesen liegt viel Kot, was von Kontrolleuren beanstandet werden müsste, siehe Tierschutz-Kontrollhandbuch Lamas und Alpakas BLV.

Man darf gespannt sein, wie es weiter geht. Offenbar steht ganz neu eine Baumulde beim Alpaka-Hof von Adrian Brändle, dem „Bewirtschafter“ des Hofes und des Naturschutzgebietes. Heidi weiss aber nicht wozu sie dient, denn es gibt dort auch Bauten für die nach den Aussagen eines Beamten, der nicht genannt werden will, wahrscheinlich keine Baubewilligung vorliegt. Zwar hat der Vater von Brändle schon 2013 ein Baugesuch für eine Scheune mit Alpakastall sowie Pferdeboxen und -ausläufe eingereicht, aber, wie es scheint, erfolglos, denn im Mitteilungsblatt der Gemeinde Oberuzwil vom 25. August 2017 hat Heidi Seite 7 ein „nachträgliches Baugesuch“ für „Erstellung Unterstände, Hofplatz und Pferdeausläufe“ auf Grundstück Nr. 751, Chegelwies, gefunden. Der Gesuchsteller ist Adrian Brändle, der Grundeigentümer hingegen Johann Rudolf Brändle, der Vater von Adrian Brändle. Ob inzwischen eine Bewilligung erteilt wurde, das weiss Heidi nicht. Google Street View 2013 zeigt Aufnahmen einzelner Bauten und, aus der Perspektive der Unterdorfstrasse, auch die grosse Bogenhalle. Was tun die Behörden?

Brändle kaufte die Liegenschaft zusammen mit dem Naturschutzgebiet, wusste also von Anfang an, dass sein Sohn dieses nicht nutzen darf. Die Schutzfläche wurde also willentlich massiv geschädigt. Der Stall, welcher vor der Übernahme des Landwirtschaftsbetriebs durch Brändle bestand, enthält Pferdeboxen und ist vermietet.

Der CVP-Politiker, ehemalige Kantonsrat, ehemalige Berufs- und Laufbahnberater des Bezirk Untertoggenburg, ehemalige Bundesdelegierter der CVP des Kantons St. Gallen und erfolgreiche Sportler Johann Rudolf Brändle, Jahrgang 1943, konnte den Landwirtschaftsbetrieb um die Jahrtausendwende kaufen, dies obwohl die Voraussetzungen für den Kauf gemäss Bundesgesetz über das bäuerliche Bodenrecht (BGBB) nicht gegeben waren, denn er ist nicht Selbstbewirtschafter. Lesen wir doch den Art. 63 des BGBB Verweigerungsgründe: „1 Die Bewilligung zum Erwerb eines landwirtschaftlichen Gewerbes oder Grundstücks wird verweigert, wenn: a. der Erwerber nicht Selbstbewirtschafter ist.“ Das Landwirtschaftsamt SG hatte trotzdem den Segen gegeben.

Dass überall Futter bereitsteht ist klar, wenn man solche Weiden sieht. Es gilt, die 150, oder bisweilen 250, Alpakas zu ernähren. Das Futter muss in erheblichen Mengen zugekauft werden. Von Biodiversität keine Spur.

Seit 2000 betreibt Brändles Sohn, siehe seine Internetseite, eine PERU Alpakazucht. Er hält nach eigenen Angaben 150 Alpakas. Auch wenige Pferde sind auf dem Hof mit Reitplatz. Der Reitplatz liegt unmittelbar neben dem Naturschutzgebiet; er war aber schon vom früheren Besitzer gebaut worden. Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) hat Brändle als Organisation für die Ausbildung von Lama- und Alpaka-Halter/innen anerkannt. Auf der am 21.8.19 aktualisierten Liste ist erfreulicherweise Brändle nicht mehr aufgeführt.

Blick auf den „Hof“. Zeitweise soll der Mist in der Bogenhalle meterhoch liegen. Der Mist wird mit dem Mistzetter ausgebracht. Schon bald, manchmal schon nach wenigen Tagen, stehen die Alpakas in der Weide. Tiere mögen kein mit Mist „gewürztes“ Futter. Dies ist auch vom hygienischen Standpunkt aus problematisch. Krankheiten und Parasiten können so leicht übertragen werden.

Blick auf Hof, Weiden und Naturschutzgebiet im August 2017. Wer das Bild mit einem Klick vergrössert, sieht die geneigte kahle Fläche im Naturschutzgebiet. Wer die Luftansicht von Google Earth anschaut, stellt grosse kahle Flächen fest; die Aufnahme stammt höchstwahrscheinlich vom 1.8.18, nicht, wie fälschlicherweise von Google deklariert, „2019“.

Heidis Fragen: Gibt es für solche „Landwirtschaft“ Direktzahlungen? Wo ist die Nachhaltigkeit? Was trägt dieser Betrieb zur Ernährungssicherheit bei? Wieso hat die Gemeinde Oberuzwil so lange nichts gegen die illegalen Bauten und die zerstörerische Bewirtschaftung des Naturschutzgebietes unternommen?

Heidi wird das Naturschutzgebiet (ehemalige Kiesgrube) und die Chegelwis, im Auge behalten, denn wo einflussreiche Leute tun und lassen was ihnen gefällt, auch Gesetzeswidriges, und die Behörden wegschauen, da braucht es Öffentlichkeit.

Nachtrag vom 15.5.19: Was die Tierhaltung anbetrifft, hat die kantonale Behörde viel Aufwand für Verbesserungen betrieben, die Einhaltung von Gesetzen gefordert und auch geklagt. Doch der Tierhalter war nicht einsichtig, machte Rekurs. Die Richter des Kreisgerichtes Wil haben ihn am 3.4.12 freigesprochen.

Der Fall Bichwil: Wenn Richter den Vollzug verhindern, Heidis Mist vom 15.5.19

Futternapf

Alpakas auf der „Weide“.

Plan Naturschutzgebiet Chegelwis

Plan Schutzwald

Das Naturschutzgebiet befindet sich in der Grünnutzungszone, nicht in der Landwirtschaftszone.

Die Wiesen und das Naturschutzgebiet liegen im Gewässerschutzbereich AU

Das BLV will nichts mit Bichwil zu tun haben! Heidis Mist vom 7.5.19

Der Spiegel von Behörden und Gesellschaft, Seite 29 und 30

Jetzt geht es den Amriswiler Alpakas an die Wolle, Tagblatt vom 28.6.18

Alpakas grasen auf vielen Märkten, Tagblatt vom 25.7.12

Gemeinde- und Schulrat verkleinern? Tagblatt vom 21.5.10

Athletisch wie seine Vierbeiner, Pferde Woche vom 16.8.11

Alpacastallnet: Forum einer weiteren Internetseite von Adrian Brändle, seit 2008 nicht mehr aktualisiert.

3.5.19 HOME

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Ab 2019 Kontrollpunkte für den Gewässerschutz! Aber …

26. November 2018

Wenn ein Kontrolleur einen landwirtschaftlichen Betrieb unter die Lupe nimmt, muss er viele Punkte „abhaken“. Umso wichtiger ist es, dass auch der Gewässerschutz thematisiert wird. Nicht nur Heidi, auch Vollzugspersonen wünschen sich schon lange Kontrollpunkte für den Schutz der Gewässer. Heidi hat nun aufgrund eines Hinweises einige in Acontrol * gefunden. Sie fragte sich … und dann das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW): „Seit wann gibt es die Rubrik Gewässerschutz?“

Antwort des BLW: „Die Kontrollrubrik 20.01 Gewässerschutz wurde für die Datenerfassung ab 2019 neu in Acontrol eingeführt. Die darin enthaltenen Kontrollpunkte sind im Gegensatz zu den landwirtschaftlichen und den veterinärrechtlichen Kontrollpunkten unverbindlich. Sie entsprechen einer Empfehlung der KVU (Konferenz der Vorsteher der Umweltschutzämter der Schweiz). Derzeit gibt es in Acontrol keine weiteren Kontrollpunkte dieser Art.“

Heidis Freude dauerte somit nicht lange. Die letzte Rubrik von Acontrol, Gewässerschutz, ist also unverbindlich, wird wohl in diversen Kantonen ignoriert werden. Heidi meint: „Ohne verbindliche Kontrollpunkte – keine Kontrolle, ohne Kontrolle – keine Sanktionen, ohne Sanktionen – keine Verbesserung des Gewässerschutzes.“

Hier finden Sie die Tabelle der Gewässerschutz-Kontrollpunkte.

* Acontrol ist ein Informationssystem zur Verwaltung und Erfassung standardisierter Kontrolldaten im Bereich der Primärproduktion und weiterer Kontrolldaten des Veterinärdienstes Schweiz. Es wurde gemeinsam vom Bundesamt für Landwirtschaft BLW und dem Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen BLV aufgebaut und ist Teil des zentralen Informationssystems für die Lebensmittelkette.

Fiktives Beispiel einer Kontrolle

Wie die Kontrolle eines Landwirtschaftsbetriebs aussehen könnte, hat Heidi 2011 im folgenden Beitrag beschrieben. Damals wollte das BLW die neue Kontrollverordnung klammheimlich „durchwinken“, d.h. beschränkte die Zahl der Adressaten. Heidi schrieb: „Im Moment hat das BLW die totale Revision der Inspektionskoordinationsverordnung (VKIL) in die Vernehmlassung geschickt. Die Sonntagszeitung vom 5.6.11 titelt dazu: Trotz EHEC-Seuche: Bund will Kontrollen bei Bauern abbauen.“

Das BLW verteilt jedes Jahr fast 3 Milliarden Franken Steuergelder gutgläubig an die Bauern, Heidis Mist vom 14.6.11

Vom Wert einer guten Gesetzgebung, Heidis Mist vom 7.5.14

26.11.18 HOME

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Cartoon von NaNa zur Glyphosat-Medieninformation des BLV

11. Mai 2018

Glyphosatrückstände in Lebensmitteln: Kein Gesundheitsrisiko für Konsumenten, Medieninformation des Bundesamts für Lebensmittelsicherheit und
Veterinärwesen (BLV) vom 9.5.18.

11.5.18 HOME

Unser Bundesrat und die „exakte“ Wissenschaft!

11. Mai 2018
Offizielles Bundesratsfoto 2018, selbstaufklärend!

Offizielles Bundesratsfoto 2018, selbstaufklärend!

Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) beruhigt das Schweizer Volk in der Medieninformation vom 9.5.18 wie folgt: „… Erst beim täglichen Konsum von beispielsweise 72 kg Teigwaren, 655 kg Brot, 10 kg Kichererbsen oder 1600 Liter Wein pro Kopf wäre mit gesundheitsschädigenden Folgen durch Glyphosatrückstände zu rechnen.

… Der Bundesrat sieht nach der Gesamtbeurteilung durch das BLV aus gesundheitlicher Sicht keinen Handlungsbedarf. „

Ob so viel „wissenschaftlicher Exaktheit“ und sektoriellem Denken bleibt Heidi die Sprache weg. Sie hat noch rasch im Pflanzenschutzmittelverzeichnis des Bundesamts für Landwirtschaft (BLW) nachgeschaut, z.B. das Herbizid mit der Handelsbezeichnung „Glyphosat“:

  • H315 Verursacht Hautreizungen.
  • H411 Giftig für Wasserorganismen, mit langfristiger Wirkung.
Kurzkennzeichnung - Vorsicht gefährlich Kurzkennzeichnung - Gewässergefährdend

Ein Silberstreifen am Horizont: Zahlreiche Bürgerinitiativen, die Glyphosat-freien Kommunen in Deutschland, Österreich, Portugal, die pestizidfreien Kommunen in Frankreich, Schweiz (60, Initiative von Greenpeace) … die im Dezember 2017 eingereichte Standesinitiative im Kanton Zürich usw.

Glyphosatrückstände in Lebensmitteln: Kein Gesundheitsrisiko für Konsumenten, Medieninformation des Bundesamts für Lebensmittelsicherheit und
Veterinärwesen (BLV) vom 9.5.18.

Standesinitiative zum Verbot der Anwendung des Wirkstoffes Glyphosat, Parlamentarische Initiative dreier Mitglieder des Kantonsrats Zürich, eingereicht am 11.12.17.

11.5.18 HOME


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