Posts Tagged ‘chemische Industrie’

Warten auf den „Stummen Frühling“?

21. Mai 2018

Anlässlich der Stunde der Gartenvögel 2018 von BirdLife Schweiz haben Freiwillige aus 1160 Gärten 35’000 Vögel aus 127 Arten gemeldet. Auf den ersten Blick scheint das viel zu sein, aber es sind jedes Jahr weniger. „Der Siedlungsraum und insbesondere Gärten und Pärke bieten vielen Vögeln einen Lebensraum. Heute kommen im Siedlungsraum sogar meist mehr Vögel vor als im Landwirtschaftsland. Doch die Zahl der Vögel und die Artenvielfalt schwinden auch hier.“

Das Monitoring der Schweizerischen Vogelwarte zeigt, dass der Rückgang der Vögel besonders stark ist im Landwirtschaftsgebiet. Eigentlich ist es logisch: Viele Gifte -> weniger Unkraut und Insekten -> weniger Vögel. Weitere Faktoren spielen mit wie etwa – so meint Heidi – die häufige Mahd mit kurz danach folgendem Verpacken des Schnittguts in Siloballen; viele Insekten und Kleintierchen wie Heugümper werden zum Vieh- statt Vogelfutter.

Schweizer Bauernverband fordert Grundlagenforschung

Niemand weist den Bauern allein die Schuld zu, doch zahlreiche Studien zeigen bereits, dass sie mit Abstand die Hauptlast am Rückgang der Insekten und Vögel tragen. Trotzdem fordert der Leiter Pflanzenbau des Schweizer Bauernverbands, David Brugger, die Politik auf, Mittel für Grundlagenforschung bereitzustellen. Das Monitoring allein sei nicht ausreichend, die Ursache des Rückgangs der Vögel bestimmen zu können. Das sind die bekannten Ablenkmanöver: Zeit gewinnen statt handeln!

Zugvögel: DDT … Neonicotinoide … ?

Nicht nur die „einheimischen“ Pestizide sind in Vögeln zu finden, Zugvögel bringen aus ihren Winterquartieren Pestizide zurück, die bei uns längst verboten sind. DDT wurde durch die Neonicotinoide ersetzt, welche in der EU jetzt für den Einsatz im Freiland verboten wurden. Ein „zugelassenes“ Pestizid ist eben ein Pestizid von welchem man die schädlichen Wirkungen noch nicht kennt.

Gemäss Untersuchungen von CLM Research and Advice, BA Culemborg NL, wurden 14 verschiedene Pestizide in Schwalben gefunden. Die getesteten Proben enthalten ein oder mehrere Mittel gegen Insekten, Pilze und Unkräuter. Es wurden auch Mittel gefunden, die in Europa nicht mehr oder nie verwendet wurden. Das Insektizid DDT war das häufigste: Es wurde in 93% der Proben gefunden. Die Konzentrationen stellen wahrscheinlich keine akute Gefahr für die Vögel dar, heisst es, aber tote Schwalben wurden nicht untersucht, auch nicht die Eier.

Die chemische Industrie produziert/exportiert weiterhin Pestizide, welche bei uns längst verboten sind weil sie die Umwelt stark schädigen, etwa Paraquat. Besonders in Drittweltländern werden sie in grossen Mengen weiterhin angewendet, oft ohne die nötigen Sicherheitsmassnahmen; wer möchte schon z.B. bei grosser Hitze Schutzkleidung tragen? Und wir beziehen von solchen Ländern Nahrungsmittel!

Stunde der Gartenvögel: Zahlen lassen aufhorchen, Medienmitteilung BirdLife Schweiz vom 18.5.18.

Gefährdung von Vögeln: Die Schweiz ist Spitzenreiterin, NZZ vom 18.5.18.

Der stumme Frühling, Wikipedia

EU verbietet bienengefährdende Wirkstoffe, FAZ vom 27.4.18

Cocktail van pesticiden gevonden in boerenzwaluw, CLM vom 14.5.18.

Cocktail van pesticiden gevonden in boerenzwaluw, BioJournal vom 17.5.18

This Pesticide Is Prohibited in Britain. Why Is It Still Being Exported? Paraquat, one of many pesticides that can’t be used in Europe but is sold in the United States and elsewhere, has been linked to Parkinson’s disease in a growing body of research. New York Times 2016

DDT, Wikipedia

Neonicotinoide, Wikipedia

21.5.18 HOME

Wahl Schöneuter-Champion an der Swiss Red Night 2017

18. September 2017

Am 9.9.17 fand die Swiss Red Night 2017 statt. Aus der ganzen Schweiz wurden 97 Tiere für diesen Anlass nach Bern transportiert. Richter Fabrice Menoud aus Môtier war von den Tiere mehr als begeistert und ist überzeugt, dass man mit dieser Qualität auf der ganzen Welt mithalten kann.

Zitat aus der STS-Recherche «Viehausstellungen 2016»: „Die vom Schweizer Tierschutz STS in den vergangenen Monaten besuchten Viehausstellungen – Swiss Expo Lausanne, Tier & Technik St. Gallen und Expo Bulle – hinterliessen bezüglich Organisation, Durchführung, Sauberkeit und Versorgung der Tiere einen guten Eindruck.

Dennoch überwiegt ein negatives Gesamtbild. Grund dafür sind die häufig gesehenen, offensichtlich schmerzhaften Rieseneuter, welche nur mehr einen staksigen Gang der Tiere zulassen. Das ist ein klares Indiz für deutlich verlängerte Zwischenmelkzeiten bei vielen der präsentierten Kühe, was in der Tierschutzverordnung explizit verboten ist. Bei einem Grossteil der Kühe fanden sich denn auch verklebte Zitzen, um Milchfluss infolge der überdehnten Euter zu unterbinden.“

Kontrolliert wird nicht. Heidi vermutet, dass die Euter dieser Kühe mit einem Griff in die Trickkiste „grandioser“ gemacht wurden. Zucht auf Höchstleistungen ist logisch aus der Sicht von Veterinären (nicht alle sind so!), Futtermittel- und Futterzusatz-Produzenten sowie der chemischen Industrie. Diese verdienen gut an den „Wegwerfkühen“. Nicht umsonst hängen UFA-Werbetafeln gut sichtbar im Ring.

Erst kürzlich wurde von der Forschung „bewiesen“, dass die intensive Haltung besser rentiert als massvolle Weidehaltung! Gibt es keine anderen Kriterien als das Geld? Solche Tiere sind kaum mehr weidetauglich. Es ist erschreckend wie gefühlslos gewisse Leute sind. Vorbilder für Hochleistungszucht gibt es leider auch an Ausbildungsstätten, mehr davon demnächst.

Wahl zur Schöneuter-Champion, Swiss Red Night 2017. Ausschnitt aus dem Video des Schweizer Bauern.

Wahl zur Schöneuter-Champion, Swiss Red Night 2017. Ausschnitt aus dem Video des Schweizer Bauern.

Wahl zur Schöneuter-Champion, Swiss Red Night 2017, Video Schweizer Bauer.

STS-Recherche «Viehausstellungen 2016»: Von der Viehschau zur Cow-Show

Noch immer werden Kuhzitzen mit Sekundenleim verklebt, Martina Schnyder, Espresso vom 30.3.17

Macy in Love ist Grand-Champion, Schweizer Bauer vom 9.9.17

18.9.17 HOME


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