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Pestizide in Argentinien: „Wir wurden vergiftet und wir werden weiterkämpfen.“

30. Mai 2022

Der Deutschlandfunk berichtet: „Während in Europa immer mehr Pestizide verboten werden, machen deutsche Firmen mit ihnen in Argentinien gute Geschäfte. Als Kinder an Krebs starben, haben sich die Mütter des Ortes Ituzaingó zusammengeschlossen, um gegen die Anbaumethoden zu kämpfen.“ Nach einem jahrelangen Kampf erreichten die Frauen vor Gericht, dass Pestizide nur zweieinhalb Kilometer entfernt von Wohnhäusern eingesetzt werden dürfen.

In der Schweiz ist kein Abstand zu Wohnzonen vorgeschrieben. Aus dem Helikopter dürfen die meisten Pestizide bis 30 m an Wohnzonen versprüht werden, für einzelne besonders gefährliche sind lächerliche 60 m Pufferstreifen Pflicht.

Jährlich werden in Argentinien über 200  Millionen Liter Glyphosat versprüht, das ist der höchste Verbrauch pro Einwohner weltweit. 84 Prozent der Soja-Produktion gehen in den Export: als Bohne, Schrot, Öl oder Biodiesel. Während Sojabohnen und Soyaöl nach China exportiert werden, landet der Sojaschrot in Europa in den Futtertrögen der Massentierhaltung.

Marcos Filardi, Menschenrechtsanwalt und Mitglied des Lehrstuhls für Ernährungssouveränität der Universität von Buenos Aires kritisiert diese Landwirtschaft, die sich seit den 1990er Jahren in Argentinien etabliert hat. Sie hängt von genmanipuliertem Saatgut und Pestiziden ab und begann mit zwei Versprechen:

  1. Diese Technologie sei notwendig, um den Hunger in der Welt zu bekämpfen und Argentinien müsse dazu einen Beitrag leisten. Das sei ein Mythos, denn der Hunger hat weltweit zugenommen.
  2. Der Einsatz von Pestiziden würde abnehmen. Aber er habe seit 1996 um 1’500 Prozent zugenommen.

Lesen Sie den vollständigen Beitrag hier: Sojaanbau in Argentinien: „Wir wurden vergiftet“. Deutschlandfunk Kultur 24.5.22

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Werden neue Gentech-Pflanzen den Pestizideinsatz verringern?

21. Mai 2022
GLOBAL 2000 und Friends of the Earth Europe

GLOBAL 2000 und Friends of the Earth Europe

Zitate aus der Medienmitteilung von GLOBAL 2000 Wien vom 12.5.22:

Die Konsultation zum EU-Gentechnikrecht läuft. In der Befragung schwingt der Wunschtraum der Pestizidreduktion durch Neue Gentechnik (NGT)-Pflanzen in der Landwirtschaft mit. Die österreichische Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 und Friends of the Earth Europe fassen in einem Report die Belege zusammen: Alte wie neue Gentechnik-Pflanzen werden den Pestizideinsatz nicht verringern.

“Ein Blick nach Südamerika zeigt: Der Herbizideinsatz vervielfachte sich in den letzten 25 Jahren auf den Gentechnik-Feldern und machte mittelfristig mehr und stärkere Pestizide notwendig. Aber auch gegen diese Herbizide entwickeln die ‘Super-Unkräuter’ Resistenzen und verbreiten sich weiter. So nimmt der Gentechnik-Pestizid-Teufelskreis seinen Lauf”, skizziert Brigitte Reisenberger, Gentechniksprecherin von GLOBAL 2000.

Geschäftsmodell: patentiertes Saatgut + Pestizid

Die grossen Biotech-Konzerne und Gentechnik-Lobbyisten geben an, dass sich die neuen gentechnisch veränderten Pflanzen von denen der ersten Generation unterscheiden und sie den Einsatz von Pestiziden verringern werden. Aber auch hier deuten die Belege in eine andere Richtung. Viele Neue Gentechnik-Pflanzen, die sich derzeit in der Entwicklungspipeline befinden, zielen genau wie die alte Gentechnik auf Herbizidtoleranz ab.

Eine Untersuchung des JRC (Joint Research Center) der EU auf Grundlage von Informationen der Gentechnik-EntwicklerInnen ergab: Herbizidtoleranz ist mit 6 von 16 Pflanzen die grösste Merkmalsgruppe Neuer Gentechnik-Pflanzen, die kurz vor der Kommerzialisierung stehen. ”Dies ist nicht überraschend, da das Geschäftsmodell vieler Saatgut- und Chemieunternehmen ist, patentiertes Gentechnik-Saatgut von herbizidtoleranten Pflanzen und die dazugehörigen Pestizide gleich im Doppelpack zu verkaufen. Vor allem grosse Konzerne profitieren davon, wenn LandwirtInnen in diesem Teufelskreis der Pestizide verbleiben – denn Bayer, Corteva, Syngenta und BASF sind nicht nur grosse Gentechnik-Produzenten, sondern beherrschen zugleich auch die globalen Pestizidmärkte“, so Brigitte Reisenberger.

Mangelhafte Konsultation zu EU-Gentechnikrecht

In der öffentlichen Konsultation zum EU-Gentechnikrecht suggeriert die Europäische Kommission, dass Neue Gentechnik-Pflanzen zur Reduktion von Pestiziden beitragen würden. “Belege liefert die Europäische Kommission hierfür nicht, sondern wiederholt im Fragebogen vage Nachhaltigkeitsversprechungen der Biotech-Industrie, ohne diese systematisch zu überprüfen”, kritisiert Brigitte Reisenberger. Die Verfolgung der Gentechnik zur Pestizidreduktion lenkt von zukunftsweisenden umwelt- und biodiversitätsfreundlichen Ansätzen ab. Agrarökologische und biologische Landwirtschaft sind systembasiert, nicht auf isolierte genetische Merkmale ausgerichtet und halten die Bäuerinnen und Bauern nicht in der Abhängigkeit von chemisch-synthetischen Pestiziden.

Entwicklungsstadien Gentechnik-Pflanzen

Heidi hat aus dem Bericht der EU Current and future market applications of new genomic techniques. Joint Research Centre (European Commission) zwei Abbildungen kopiert, um die Bedeutung der Entwicklung und der Techniken zu veranschaulichen sowie die Schlussfolgerungen.

Abbildung 3. NGTs, die in den in der Datenbank identifizierten Pflanzen verwendet werden.

Copyright: Joint Research Centre (European Commission)

Copyright: Joint Research Centre (European Commission)

Abbildung 6. NGT-produzierte Pflanzen in den vier Entwicklungsstadien (kommerziell, vorkommerziell, fortgeschrittene Forschung und Entwicklung und frühe Forschung und Entwicklung), nach Pflanzengruppen.

Copyright: Joint Research Centre (European Commission)

Copyright: Joint Research Centre (European Commission)

Vergleich Kulturen NGT-Forschung / Pestizideinsatz in der Schweizer Landwirtschaft

Im Agrarbericht 2020 werden die in der Schweizer Landwirtschaft eingesetzten Pestizidmengen und Anwendungen pro Kultur 2009-2018 aufgeführt. Ein Vergleich der NGT-Forschung, siehe Figure 6 oben im Bericht des Joint Research Centre (European Commission), und des Pestizideinsatzes pro Kultur in der Schweiz zeigt, dass die aktuelle NGT-Forschung, zumindest im nächsten Jahrzehnt unser Pestizidproblem nicht lösen kann. Weitaus am meisten geforscht wird für neue NGT-Getreidesorten. In der Schweiz ist der Pestizideinsatz in Getreide gering, dies trotz nicht optimalen Klimabedingungen für Getreide. Hingegen kaum NGT-Forschung gibt es für Bäume, wo doch der schweizerische Kernobstbau Spitzenreiter ist im Einsatz von Pestiziden zusammen mit den Reben. Auch im Steinobstanbau wird viel gespritzt.

Das Spritzproblem im Rebberg haben innovative Weinbauern mit den Piwi-Sorten gelöst. Bundesrat Parmelin und seine MitarbeiterInnen haben denn auch den Betrieb Lenz am 29.3.22 besucht. Offensichtlich interessiert sich zumindest das Bundesamt für Landwirtschaft für diese Rebsorten, die keine Pestizide benötigen. Noch immer werden bei Neupflanzungen anfällige alte Sorten gesetzt, wo man doch im Weinbau den Pestizid-Einsatz auf Null senken könnte. Das Pestizidproblem im Rebbau ist uralt, Piwi-Sorten gibt es schon lange, aber was der Bauer nicht kennt … Schade eigentlich für die Umwelt und unsere Gesundheit!

Für die gesunde Ernährung besonders wichtig sind Früchte und Gemüse; hier wird nur wenig geforscht auf der Ebene der NGTs. Für die grossen Züchter dürften sie nicht interessant sein wegen der Vielfalt. Kommerziell gewinnbringend sind wohl eher die eintönigen riesigen Getreidemonokulturen und Maisfelder.

Agrarbericht 2020, Kapitel Umwelt

Agrarbericht 2020, Kapitel Umwelt

Schlussfolgerungen Joint Research Centre

Die NGT der Gruppe 1, insbesondere die auf CRISPR basierenden, werden in der Agrar- und Ernährungswirtschaft aktiv und zunehmend eingesetzt, Industrie und Medizin bei allen untersuchten Organismen (Pflanzen, Pilze, Tiere, Mikroorganismen und menschliche Zellen). Dank seiner Flexibilität, Erschwinglichkeit und einfachen Anwendung eröffnet CRISPR zahlreiche neue Möglichkeiten in Bezug auf die Organismen, in denen es eingesetzt werden kann, und die Eigenschaften, die damit erzielt werden können, und es erreicht auch viele Akteure weltweit.

Für diese Studie wurde ein umfangreicher Datensatz gesammelt, der einen sehr guten Überblick über die  derzeitige und potenzielle Nutzung von NGTs für kommerzielle Zwecke. Derzeit werden weltweit nur wenige Anwendungen vermarktet (ein Pflanzenprodukt, ein Mikroorganismus für die Freisetzung in die Umwelt und mehrere Mikroorganismen für die geschlossene Produktion kommerzieller Moleküle), aber es gibt etwa 30 identifizierte Anwendungen (bei Pflanzen, Tieren und Mikroorganismen), die sich in einem vorkommerziellen Stadium befinden und kurzfristig (innerhalb von 5 Jahren) auf den Markt kommen könnten.

Wenn die in dieser Studie identifizierten Anwendungen, die sich in einem fortgeschrittenen FuE-Stadium befinden in einem Jahrzehnt kommerziell werden, könnten bis 2030 über hundert Pflanzen und mehrere Dutzend Tiere und medizinische Anwendungen auf dem Markt sein. Man kann mit Sicherheit sagen, dass die meisten dieser bis 2030 kommerzialisierten Anwendungen auf Techniken der Gruppe 1 (CRISPR) und einige auf Techniken der Gruppe 2 beruhen. Der Reifegrad von Anwendungen der Gruppen 3 und 4 sind im Hinblick auf die kommerzielle Freigabe weniger ausgereift.

Ein Sektor von besonderem Interesse ist die Nutzung von Mikroorganismen für industrielle Zwecke, wo NGT-Anwendungen nicht ausgesondert werden können (wie bei Pflanzen, Tieren oder klinischen Versuchen), weil die NGTs bereits aufgegriffen werden und in den routinemässigen genetischen Werkzeugkasten zur Stammesverbesserung aufgenommen und eingebettet werden. Es scheint, dass die Verwendung von NGTs bereits in vielen Fällen eine Realität sind, was wahrscheinlich durch die Verwendung von Mikroorganismen in geschlossenen Systemen und die Tatsache erleichtert wird, dass das Endprodukt nicht das Ziel ist. In der Bioökonomie ist es sehr wahrscheinlich, dass sich NGTs schneller durchsetzen werden als Mikroorganismen, die industrielle biobasierte Moleküle (z. B. Biokraftstoffe) produzieren.

Der Bereich der pharmazeutischen und kosmetischen Produkte, die aus Mikroorganismen gewonnen werden, stellt eine Datenlücke in dieser Studie dar, aber wir glauben, dass es sich auch um einen ein sehr wichtiger Anwendungsbereich für NGTs in Produkten handelt, die möglicherweise bereits auf dem Markt sind. Im medizinischen Bereich gibt es vielversprechende Anwendungen von CRISPR-gestützten Techniken und anderen NGTs zur Bekämpfung von Krankheiten zu bekämpfen, und in vielen Fällen haben die Anwendungen bereits Patienten erreicht, in Phase I und Phase I/II der klinischen Versuche. Dank der Flexibilität von CRISPR/Cas, sowohl in Bezug auf die Sequenzspezifität als auch in Bezug auf verschiedene Verwendungszwecke wird es bereits bei der Suche nach Lösungen für den schnellen Nachweis von COVID-19 und auch bei einigen therapeutischen Optionen gegen diese Krankheit eingesetzt.

Unsere Datenbank der NGT-Anwendungen weist auf die Vereinigten Staaten und China als die häufigsten Herkunftsländer, insbesondere in den marktnahen Phasen. Die EU, insbesondere Deutschland und Frankreich, ist ebenfalls aktiv. Dank der Flexibilität und Erschwinglichkeit von NGTs (insbesondere CRISPR) sind auch mehrere Entwicklungsländer in diesem Bereich aktiv, vor allem im Agrarsektor.

Hier finden Sie die ausführlichen Informationen:

Report analysiert Gentechnik-Pestizid-Teufelskreis in Landwirtschaft – GLOBAL 2000: Neue Gentechnik-Pflanzen werden Pestizideinsatz nicht verringern. GLOBAL 2000 12.5.21

Der Gentechnik-Pestizid-Teufelskreis. Friends of the Earth Europe, GLOBAL 2000, Mai 2022

Neue Gentechnik: Echter Klimaschutz sieht anders aus! GLOBAL 2000, 14.3.22

Neue Gentechnik-Pflanzen in der Entwicklungs-Pipeline. GLOBAL 2000 7.4.22

Current and future market applications of new genomic techniques. Joint Research Centre (European Commission) 19.4.21

Agrarbericht 2020, Umwelt, Pflanzenschutzmittel

Gelassene Stimmung mit Bundesrat Parmelin. Weingut Lenz 29.3.22

Laute Lobby für einen stillen Frühling. Heidis Mist 15.5.22

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E-Auto … Kobalt … COP26 … Glencore … Sklaven …

10. November 2021
Autobahnraststätte Heidiland, Maienfeld GR

Autobahnraststätte Heidiland, Maienfeld GR

Wir wissen es: Die Politik kurbelt die E-* an wie wild. Wie wenn wir genügend Strom hätten für all die Autos, die Geräte, die Maschinen, die Lichtinstallationen …! Gerade hat man gemerkt, dass die Versorgung langfristig unter Umständen nicht sichergestellt ist, denn nicht nur die Schweiz will unendlich viel Strom, wo doch sonst alles mehr oder weniger beim Alten bleiben soll nach dem Motto „Wir müssen uns nicht einschränken!“

Quelle: The Guardian 8.11.21

Ein paar Zitate aus dem Artikel (Battery life Africa) ‘Like slave and master’: DRC miners toil for 30p an hour to fuel electric cars.

Die Namen Tesla, Renault und Volvo sagen Pierre* nichts. Er hat noch nie etwas von einem Elektroauto gehört. Aber wenn er sich jeden Morgen in der geschäftigen, staubigen Stadt Fungurume im südlichen Bergbaugürtel der Demokratischen Republik Kongo auf den Weg zur Arbeit macht, ist er das erste Glied in einer Lieferkette, die die Revolution der Elektrofahrzeuge und ihr Versprechen einer kohlenstofffreien Zukunft vorantreibt.

Pierre baut Kobalt ab, eines der begehrtesten Mineralien der Welt und ein Hauptbestandteil der Batterien, welche die meisten Elektrofahrzeuge antreiben.

Er sagt, sein Grundlohn betrage umgerechnet 2,60 £ (3,50 $) pro Tag, aber wenn er die Mittagspause durcharbeitet und Überstunden macht, kann er bis zu 3,70 £ verdienen. Das Warten auf das Mittagessen lohnt sich nicht: Er sagt, er bekomme nur zwei kleine Brötchen und einen Karton Saft.

„Der Lohn ist sehr, sehr gering. Das bereitet mir Kopfschmerzen … In der Mine wird so viel verdient und wir verdienen so wenig“, sagt er.

Schlechte Behandlung in Chinesischen Unternehmen

… Er ist über einen Subunternehmer in der Tenke Fungurume Mine (TFM) beschäftigt, einer der grössten Industrieminen des Landes, die zu 80% dem chinesischen Unternehmen China Molybdenum (CMOC) gehört.

… In einer Reihe von Minen, die von chinesischen Unternehmen betrieben werden, erhoben Arbeiter Vorwürfe der Diskriminierung und des Rassismus, die an die Kolonialzeit erinnerten.

… The Guardian hat die Kobalt-Lieferkette von TFM und anderen industriellen Minen über eine Reihe von Raffinerien und Batterieherstellern bis hin zu einigen der weltweit führenden Elektroautohersteller, darunter Tesla, VW, Volvo, Renault und Mercedes-Benz, verfolgt.

… Obwohl einige Batterie- und Automobilhersteller den Kobaltanteil in ihren Batterien reduziert haben, wird das Verkaufsvolumen von Kobalt in diesem Sektor in den kommenden zehn Jahren um das Vier- bis Fünffache steigen.

… Im Laufe der Untersuchung sagten die vom Guardian befragten Arbeitnehmer, dass sie die Art und Weise, wie sie behandelt werden, zutiefst verärgert, sich aber machtlos fühlen, dagegen zu protestieren. „Es ist eine schockierende Situation, aber ich kann den Job nicht aufgeben, weil ich keine andere Wahl habe“, sagt einer. „Wo kann ich einen anderen Job finden?“

Subunternehmen

… In einigen Bergwerken wird jedoch die Mehrheit der Arbeiter – beispielsweise fast 70% bei TFM – über Subunternehmer angestellt. Der Einsatz von Subunternehmern kann dazu führen, dass sich die Arbeitnehmer in einer äusserst prekären Lage befinden: Sie werden häufig mit Kurzzeitverträgen oder gar ohne Vertrag eingestellt, haben nur begrenzte Sozialleistungen, niedrige Löhne und müssen ständig mit einer Kündigung rechnen.

Schweizer Konzern wäscht grün

… In einigen Bergwerken wird jedoch die Mehrheit der Arbeiter – beispielsweise fast 70% bei TFM – über Subunternehmer angestellt. In seinem kleinen Büro in Kolwezi zeigt Kashal dem Guardian eine Liste von angeblich mehr als 50 Subunternehmern, die von der Kamoto Copper Company (KCC) Mine, die dem Schweizer Rohstoff- und Bergbaugiganten Glencore gehört, eingesetzt wurden.

„Glencore setzt viele Subunternehmer ein, so dass die Beschäftigten vom Subunternehmer und nicht von Glencore abhängig sind. Auf diese Weise tragen sie keine Verantwortung und können einen Vertrag jederzeit beenden“, sagt Kashal.

Lesen Sie hier weiter:

‘Like slave and master’: DRC miners toil for 30p an hour to fuel electric cars. Pete Pattisson, The Guardian 8.11.21

10.11.21 HOME

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Chinas Massnahmen gegen Erosion und Überschwemmungen fördern globalen Kahlschlag

3. August 2021
Das Schweizer Fernsehen brachte heute einen interessanten Beitrag über Aufforstung von Wüste. Heidi hat daher nachgeschaut wie es sonst mit dem Wald in China steht.

Das Schweizer Fernsehen brachte am 2.8.21 einen interessanten Beitrag über Aufforstung von Wüste, denn Sandstürme sind ein grosses Problem für die betroffenen Städte. Heidi hat nachgeschaut wie es sonst um den Wald in China steht.

Vorwiegend in Berggebieten Chinas wurden Mitte des 20. Jahrhunderts Wälder systematisch gerodet, um das Holz für den wirtschaftlichen Aufbau zu nutzen und landwirtschaftliche Anbauflächen für die wachsende Bevölkerung zu schaffen. Dies führte zu einer Zunahme des Oberflächenabflusses und der Bodenerosion. Die Folge sind höhere Sedimentfrachten und Hochwasserspitzen in den Flüssen, welche Menschen, Infrastrukturen und Trinkwasserversorgung gefährden.

Die zunehmenden Überschwemmungen führten zu einer Änderung der chinesischen Landnutzungspolitik. Die landwirtschaftliche Nutzung auf Hängen steiler als 30 Grad wurde landesweit verboten, die weitere Rodung von Wäldern am Hang untersagt, die ungeregelte Holznutzung beschränkt und Aufforstungsprogramme gestartet. Gerodet wird aber immer noch, etwa von 2002 bis 2020  76’000 Hektar an Primärwald, dessen Fläche in diesem Zeitraum um 4,4% zurückging.

China fördert den globalen Kahlschlag

Um Flutkatastrophen vorzubeugen, hat China das Bäumefällen in seinen eigenen Forsten gestoppt. Stattdessen werden nun gigantische Holzmengen aus den übrigen Ländern Südostasiens und aus Russland importiert, auch der Schwarzmarkt blüht. Seit drei Jahrzehnten beutet Asiens grösster Holzverbraucher Japan systematisch die Urwälder Südostasiens aus. Nun wird befürchtet, dass Chinas extrem gewachsener Einfuhrbedarf auch noch den Rest der grünen Wildnis in der Region vernichtet.

Auch Schweizer Holz wird nach China exportiert. Michael Gautschi, Direktor von Holzindustrie Schweiz, sagte 2018, es werde rund ein Prozent des Schweizer Holzes nach China exportiert. Ökologisch seien solche Transporte nicht so schlimm: «Das Holz wird in die Container geladen, mit denen Waren aus China in die Schweiz verschifft werden.» Oder sollte man eher sagen: „Holz kommt verarbeitet in Containern zurück?“ Zum Beispiel Bau- und Möbelholz, Tischplatten, Balken, Bretter, Geländer, Fournier landen auf den Weltmarkt und werden auch in die Schweiz vertrieben. Vor Weihnachten 2020 verkaufte die Migros Wallhölzer aus Buchenholz made in China und Alibaba und Made-in-China bieten zahlreiche Holzprodukte an.

Wenn ein Geschäft ökonomisch aufgeht, dann lässt sich ökologisch Absurdes durch schöne Worte rechtfertigen.

Aufforstungen in China. Waldwissen.net, Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft

Global Forest Watch, China.

China befördert den globalen Kahlschlag. GEO

Holz-Export nach China empört Naturschützer. Pressereader vom 17.10.18

Schweizer Rohstoff-Export Asiaten wollen mehr Schweizer Holz. Matthias Heim, SRF vom 6.5.17

Made-in-China

Alibaba

Holz bleibt das Material der Wahl für zukunftsfähige Bauten. Lignum vom 5.4.21

Grossauftrag in China geht an Häring AG. späne

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Artenvielfalt: Symptombekämpfung genügt nicht!

22. Juni 2021
Im Süden Chinas wurden die meisten einheimischen Regenwälder für Nutzpflanzen wie Gummibaumplantagen abgeholzt, wie hier in der Region Xishuangbanna zu sehen. Copyright: William Laurance.

Im Süden Chinas wurden die meisten einheimischen Regenwälder für Nutzpflanzen wie Gummibaumplantagen abgeholzt, wie hier in der Region Xishuangbanna zu sehen. Copyright: William Laurance.

Ein dringender Apell, Lehren aus Chinas wandernden Elefanten zu ziehen, von Bill Laurance, Direktor des Centre for Tropical Environmental and Sustainability Science (TESS), James Cook University, Australien:

„Was können wir von Chinas wandernden Elefanten lernen? Zunächst einmal ist klar, dass sich viele Menschen in China und darüber hinaus viel leichter von grossen, charismatischen Tieren wie Elefanten motivieren lassen als von eher nebulösen Konzepten wie dem Verlust und der Degradierung von Ökosystemen.

Wenn wir uns also um ökologische Nachhaltigkeit in unserer dicht besiedelten Welt bemühen, müssen wir mehr eindrucksvolle Geschichten erzählen, die Hoffnung wecken und die Vorstellungskraft der Menschen anregen.

Chinas Bemühungen, seine wandernden Elefanten zu retten, sind lobenswert, aber vergessen wir nicht die blutigen Konflikte mit den Giganten

Wilde Elefanten sind ehrfurchtgebietend – selbst wenn sie versuchen, einen zu töten, wie ich 2004 feststellte.

Damals untersuchte ich, wie Wilderer und Holzfäller die einheimischen Säugetiere im Kongobecken Afrikas bedrohen. Ich schlich mich an eine Herde von Waldelefanten heran, als sie plötzlich auf mich zustürmten wie wütende, ausser Kontrolle geratene Bulldozer. Die wütenden Tiere waren mir dicht auf den Fersen, und ich entkam nur knapp, indem ich mich in ein Gewirr von Lianen stürzte, zitternd vor Angst, aber auch seltsam fasziniert von all dem.

Vielen Bewohnern Südchinas muss es ähnlich ergangen sein. Eine Herde von 15 asiatischen Elefanten, angeführt von erwachsenen Weibchen, ist letztes Jahr aus dem Xishuangbanna National Nature Reserve, nahe der chinesischen Grenze zu Myanmar und Laos, aufgebrochen. Seitdem sind sie etwa 500 Kilometer nach Norden gereist und nähern sich nun der pulsierenden Stadt Kunming und ihren sieben Millionen Einwohnern.

Niemand weiss genau, wohin die Elefanten gehen oder warum. Aber zwei Dinge sind klar: Die Elefanten hatten wahrscheinlich Mühe, in ihrem ursprünglichen Lebensraum zu überleben, und die chinesischen Bemühungen, die Elefanten zu retten, kollidieren mit den aggressiven Investitions- und globalen Entwicklungsstrategien des Landes.

Auf den ersten Blick klingt dies nach einem Szenario, das für die Elefanten sehr schlecht ausgehen könnte. Wenn Dickhäuter und Menschen aufeinanderprallen, verlieren in der Regel die Elefanten.

Doch es gibt Hoffnung für die wandernde Herde. Asiatische Elefanten sind in China eine gesetzlich geschützte Art.

Hunderte von Polizisten, unterstützt von Drohnen, überwachen die unerschrockenen Tiere, während Wildhüter versuchen, sie mit Futterködern und Strassensperren mit Hunderten von Lastwagen von bewohnten Gebieten wegzulenken. Bisher wurden etwa 3’500 Menschen vorübergehend evakuiert, um den Weg für die Elefanten frei zu machen.

Das grosse Ganze verfehlt

Solche Bemühungen sind lobenswert, aber fehl am Platz. Sie bekämpfen nur die Symptome des Umweltstresses (vertriebene Elefanten), aber nicht die „Krankheiten“, unter denen die Elefanten in China und darüber hinaus leiden.

Erstens könnten die wandernden Elefanten durchaus gezwungen gewesen sein, umzuziehen, weil ihre Heimat in Südchina durch die menschliche Entwicklung zerstört wurde.

Schon vor 15 Jahren, als ich zum ersten Mal die Region Xishuangbanna besuchte, wurden dort die ursprünglichen Regenwälder zerstört, vor allem durch Abholzung für exotische Gummibaumplantagen.

Mit grossem Aufwand versucht China, die bedrängte Elefantenbande auf der Suche nach einer neuen Heimat zu retten.

Aber als die Nation, die für mehr Lebensraumzerstörung, Wilderei und Treibhausgasemissionen verantwortlich ist als jede andere, trägt China eine besondere Verantwortung, eine nachhaltige Entwicklung zu fördern – nicht nur innerhalb Chinas, sondern auch in Übersee.

Lassen Sie uns Chinas Bemühungen zur Rettung seiner wandernden Elefanten begrüssen, während wir gleichzeitig bedenken, dass es als Nation und wirtschaftliche Supermacht noch viel mehr zu tun hat, um sicherzustellen, dass unser Planet für gefährdete Wildtiere – und auch für uns – lebenswert bleibt.“

Lesen Sie den vollständigen Artikel hier: China’s efforts to save its wandering elephants are laudable, but let’s not forget its bloody conflicts with the giants. The Conversation 20.6.21

22.6.21 HOME

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Urwaldzerstörung auch in Peru für Palmöl

13. April 2021

Regenwaldzerstörung für Palmöl in Peru. Copyright: Diálogo Chino

Regenwaldzerstörung für Palmöl in Peru. Copyright: Diálogo Chino

In den für den Anbau von Palmöl geeigneten Gebieten geschieht weltweit dasselbe, auch in Peru. Dieser Bericht wurde am 5.11.15 von Diálogo Chino veröffentlicht – also nichts Neues eigentlich! Diálogo Chino ist die einzige unabhängige journalistische Plattform, die sich dem besseren Verständnis der chinesisch-lateinamerikanischen Beziehungen und den Herausforderungen der nachhaltigen Entwicklung widmet.

Seit der Jahrtausendwende hat die peruanische Regierung den Anbau von Palmen gefördert, die ein Öl produzieren, das in Biokraftstoffen, Kosmetika und verarbeiteten Lebensmitteln verwendet wird – aber einer der Hauptfaktoren für die Zerstörung des Regenwaldes in tropischen Regionen ist. Gemäss den Vorschlägen der Regierung soll die für Palmölplantagen vorgesehene Landfläche in Peru bis 2020 von derzeit (2015) 60’000 Hektar auf zwei Millionen Hektar zunehmen, wobei der Anbau auf bereits abgeholztem Land stattfinden soll.

Aber das Fehlen von Landtiteln für indigene Gemeinden, gepaart mit schlechter Regierungsführung und Überwachung der Abholzung, bedeutet, dass die lokalen Regierungen kommunale Gebiete an multinationale Investoren verkaufen. Lokal registrierte Firmen, die von internationalen Unternehmen gegründet wurden, werden beschuldigt, ungestraft Urwald zu zerstören, und die indigene Bevölkerung wird mit Gewalt bedroht, weil sie sich gegen den Anbau von Ölpalmen wehrt, sagt der indigene Führer der Shipibo-Konibo Robert Guimaraes Vasquez.

Plantaciones de Pucallpa SAC rodet Berichten zufolge Wald in der Shipibo-Konibo-Gemeinde Santa Clara de Uchunya in der peruanischen Ucayali-Region, profitiert aber von der Zertifizierung durch den Industrieverband Roundtable for Sustainable Palm Oil (RSPO), der von grünen Gruppen als Feigenblatt für Regenwaldzerstörung bezeichnet wird. Die Environmental Investigation Agency (EIA) sagt, dass Plantaciones de Pucallpa Verbindungen zum tschechischen Palmöl- und Kakao-Tycoon Dennis Melka hat, der weitere Plantagen in Peru anstrebt, um die wachsende Nachfrage aus China und Indien zu befriedigen, berichtet die Financial Times.

Im Gespräch mit Diálogo Chino spricht Guimaraes, der auf Einladung des Forest People’s Programme in London war, über die Auswirkungen der Palmöl-Expansion im peruanischen Amazonasgebiet, Widersprüche in der Waldpolitik der Regierung und die Bedeutung der Durchsetzung robuster Nachhaltigkeitsstandards.

Lesen Sie auch noch das Interview hier:

Palm oil expansion in Peru is killing our people, says indigenous leader. Robert Soutar, Diálogo Chino, 5.11.15

Über Missstände in Peru hat auch „Rettet den Regenwald e.V.“ berichtet:

Peru: Coronavirus in der Palmölindustrie. Rettet den Regenwald, 24.6.20

Prosecutor targets ‘ringleader’ Dennis Melka in Peru cacao case. Earthsight, 19.8.19

Heidis weitere 81 Artikel über Palmöl

12.4.21 HOME

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Pestizide: Das ist kein April-Scherz!

1. April 2021

Übersetzung der Zusammenfassung von Risk of pesticide pollution at the global scale, erschienen am 29.3.21 in Nature Geoscience:

Pestizide werden häufig zum Schutz der Nahrungsmittelproduktion und zur Deckung des weltweiten Nahrungsmittelbedarfs eingesetzt, sind aber auch allgegenwärtige Umweltschadstoffe, die negative Auswirkungen auf die Wasserqualität, die Artenvielfalt und die menschliche Gesundheit haben. Hier verwenden wir eine globale Datenbank von Pestizidanwendungen und ein auf den Raum bezogenes Umweltmodell, um die weltweite Geographie des Umweltverschmutzungsrisikos abzuschätzen, das durch 92 Wirkstoffe in 168 Ländern verursacht wird. Wir betrachteten eine Region als verschmutzungsgefährdet, wenn die Pestizidrückstände in der Umwelt die No-Effect-Konzentration überstiegen, und als hochgefährdet, wenn die Rückstände diese um drei Grössenordnungen überschritten.

Wir stellen fest, dass 64% der weltweiten landwirtschaftlichen Nutzfläche (etwa 24,5 Mio. km2) von einer Pestizidbelastung durch mehr als einen Wirkstoff bedroht sind und 31% ein hohes Risiko aufweisen. Von den hochgefährdeten Flächen befinden sich etwa 34% in Regionen mit hoher Biodiversität, 5% in wassergefährdeten Gebieten und 19% in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen. Wir identifizieren Wassereinzugsgebiete in Südafrika, China, Indien, Australien und Argentinien als besonders besorgniserregende Regionen, weil sie ein hohes Pestizidverschmutzungsrisiko aufweisen, eine hohe Artenvielfalt besitzen und unter Wasserknappheit leiden.

Unsere Studie erweitert frühere Pestizid-Risikobewertungen, da sie mehrere Wirkstoffe berücksichtigt und die Risiken in verschiedenen Umweltkompartimenten auf globaler Ebene integriert.

Tang, F.H.M., Lenzen, M., McBratney, A. et al. Risk of pesticide pollution at the global scale. Nat. Geosci. (2021). https://doi.org/10.1038/s41561-021-00712-5

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Fast alles wächst! Wohin geht die Reise?

19. April 2019

Längst nicht nur die Bauern sind am Klimawandel schuld. Auch wir. Wir subventionieren den Tourismus mit unseren Steuern und fördern die Mobilität auf Strasse, Schiene und in der Luft mit unseren Abstimmungs- und Wahlentscheiden. Aktuell: Legendäre Oster-Staus statt gemütlicher Spaziergang im nahen Wald, Feld oder Park.

Heidi könnte eine riesige Link-Liste anfügen. Sie beschränkt sich auf einen einzigen. Zwar ist das konkrete Problem weit entfernt, aber im Allgemeinen doch so nah.

The Toll of Tourism: Can Southeast Asia Save Its Prized Natural Areas?, Nithin Coca, Yale School of Forestry & Environmental Studies, 18.4.19:

From Thailand to Bali, a huge increase in tourists, many from China and other rapidly developing economies, is straining sensitive ecosystems to the breaking point. Some countries are trying to control the boom, with a few closing popular destinations to allow damaged areas to heal.

19.4.19 HOME

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Antibiotika-resistente Keime: grosser Handlungsbedarf!

9. November 2018

Eigentlich wissen wir es: Der Antibiotikaverbrauch muss bei Mensch und Tier massiv eingeschränkt werden. Doch auch die Versorgung mit überlebenswichtigen Antibiotika ist gefährdet.

Die Bauern

Die Schweizer Bauern setzen besonders viele Antibiotika ein, auch Reserveantibiotika, welche vielen Menschen das Leben retten könnten, wenn sie nicht in der Tierproduktion eingesetzt würden und somit Resistenzen gegen diese letzten Behandlungsmöglichkeiten verursachten. Reserveantibiotika – das ist eine alte Forderung von Fachleuten – sollten in der Tierproduktion verboten werden.

Diese Grafik aus dem Agrarbericht 2016 des Bundesamts für Landwirtschaft zeigt, dass die Schweizer Bauern für Euterbehandlungen mehr als die doppelte Menge Antibiotika einsetzten als jene in den 26 Vergleichsländer. Nur zwei Länder, nämlich Zypern und Litauen, verwenden mehr.

Diese Grafik aus dem Agrarbericht 2016 des Bundesamts für Landwirtschaft zeigt, dass die Schweizer Bauern für Euterbehandlungen mehr als die doppelte Menge Antibiotika einsetzten als jene in den 26 Vergleichsländer. Nur zwei Länder, nämlich Zypern und Litauen, verwenden mehr.

Die Menschen

Die Darmflora setzt sich aus Milliarden nützlicher, für die Gesundheit essentieller Bakterien zusammen. Dieses Mikrobiom wird durch eine Therapie mit Antibiotika oft weitestgehend zerstört.

Neuste Forschungsergebnisse zeigen, dass nach einer Antibiotika-Therapie zuerst krankmachende Keime auftauchen. Das Mikrobiom hatte sich in einer Studie an gesunden Männern nach einem halben Jahr fast vollständig erholt. Aber eben nur fast: „Einige empfindlichen Bakterienarten bleiben dauerhaft verschwunden“, sagt Sofia Forslund vom Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) in Berlin. „Aufgrund des offenbar dauerhaften Verlusts einzelner Arten und der erhöhten Zahl der Resistenz-Gene zeige die Studie einmal mehr, wie wichtig es sei, Antibiotika mit Bedacht zu verabreichen.“

Die Pharma – obskure Lieferketten

Wie in anderen Branchen auch, produziert die Pharmaindustrie in Billigländern. Der reiche Westen exportiert schmutzige Prozesse in arme Länder. SRF berichtete am 8.11.18 über das grosse Problem: „Internationale Pharmakonzerne beziehen Antibiotika-Wirkstoffe aus Indien. Rund um viele lokale Fabriken sind grosse Mengen Antibiotika in der Umwelt. So entstehen gefährliche, resistente Keime, die sich global ausbreiten. Das Risiko einer Infektion steigt. …

… Die Supererreger aus Indien sind nicht nur in Schweizer Spitälern durch erkrankte Reisende angekommen, man findet sie auch in der Umwelt: Im Basler Abwasser entdeckten Mikrobiologinnen vor zwei Jahren erstmals sogenannte NDM-Resistenzen. «ND» steht für Neu Delhi, weil ein Keim mit dieser Resistenz erstmals dort gefunden wurde.“

Forschung wird kaum noch betrieben, da Krebsforschung offenbar gewinnversprechender ist. Die Lieferketten für Antibiotika aus China, via Indien sind undurchsichtig, aber am Schluss steht „Sandoz“, „Roche“ „Mepha“ usw. auf der Verpackung, ohne Hinweis auf die Herkunft.

Wohin in die Ferien?

Billigland? Bauernhof? … Oder vielleicht einfach ins Heidiland? Oder zuhause bleiben?

Schweizer Bauern spritzen rekordmässig Antibiotika, Beobachter vom 25.10.18

Neues Antibiotikaresistenz-Gen in Milch entdeckt, Medienmitteilung Universität Bern vom 26.4.17

Milchqualität und Rohmilchkäse haben ihren Antibiotika-Preis, Heidis Mist vom 2.1.16

Nutztiere: Antibiotika-Einsatz deutlich gesunken, Bauernzeitung 9.11.18

Recovery of gut microbiota of healthy adults following antibiotic exposure, Nature Microbiologyvolume 3, pages1255–1265 (2018)

Nach einer Antibiotika-Therapie: Darmflora regeneriert nicht vollständig, Laborpraxis vom 7.11.18

Pharma trägt dazu bei, dass Superkeime entstehen, SRF vom 8.11.18

Der unsichtbare Feind – Multiresistente Keime auf dem Vormarsch, SRF vom 8.11.18

Vom 12. bis 18. November 2018 findet die internationale Antibiotika-Awareness-Woche statt. Strategie Antibiotikaresistenten (StAR), Medieninformation Schweizerische Eidgenossenschaft vom 8.10.18

«Nutze sie richtig, es ist wichtig» – Bund startet Kampagne zum Umgang mit Antibiotika, Der Bundesrat, 9.11.18

9.11.18 HOME

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Heidis Wort zum Sonntag: Wir wollen den Schwarzen Peter nicht!

4. Februar 2018

Wir KonsumentInnen können den Schwarzen Peter oft gezielt weitergeben ... Augen und Ohren auf!

Wir KonsumentInnen können den Schwarzen Peter oft gezielt weitergeben … Augen und Ohren auf!

Wenn es um Nachhaltigkeit, RSPO, Konsum, Ökologie, Tierschutz, BTS, Pflanzenschutz, Welthandel usw. geht, dann schiebt man uns gerne den Schwarzen Peter zu: „Die Konsumenten wollen das!“ In Wirklichkeit manipuliert man die Konsumenten so gut es eben geht und lässt die Kasse klingeln.

„Die Konsumenten sind mündig!“, heisst es etwa, wenn Krankheitsprävention gefördert werden sollte: Tabak, Zucker, Fett, Alkohol, Mobilität usw. Oder wenn es um Wachstum geht: „Davon profitieren auch die Armen, besonders in den Drittweltländern.“ Allgemein herrscht die Meinung: „Die Konsumenten sind gut informiert.“ Wirklich?

  • Die Kartoffellager sind wegen der guten Ernte 2017 reichlich gefüllt. Doch die Konsumenten verlangen Frühkartoffeln (Milchhändler importiert Kartoffeln), Bauernzeitung vom 26.1.18). Import kommt z.B. aus Israel, wo das Grundwasser stetig sinkt. Frühkartoffeln bringen dem Handel eine gute Marge.
  • Schauen wir uns ein paar „mündige“ Konsumenten an! 30% Rabatt auf Nutella:
    VIDEOS – Scènes d’émeute pour du Nutella en promotion dans des supermarchés. In einem Video hört man eine Frau schreien: « Ma grand-mère est en train de se faire écraser pour du Nutella ! » Man wird uns sagen: Bei uns wäre das nicht möglich.
  • „Die Konsumenten wollen immer mehr Fleisch essen“, heisst es. Wir zahlen Steuern für die Fleischwerbung von Proviande. Aktionen – so scheint es wenigstens Heidi – gibt es besonders häufig bei Fleisch: 30%, 40%, 50% … Die billigsten Fleisch- und Wurstwaren von Migros, Coop, Spar, Aldi … findet man bei Aktionis.ch. Was billig angeboten wird, das wird auch gekauft. Von einem Einkaufszentrum ins andere fährt der gut informierte Konsument. Das Auto steht bereit! Oder der Bus fährt alle 15 Minuten.
  • Grosse Flächen Urwald sind schon abgeholzt, also wird es bald nur noch „nachhaltige“ Soya und „nachhaltiges“ Palmöl geben bzw. weitere „nachhaltige“ Produkte wie Quinoa … aus fernen Ländern. Also kein Grund zur Änderung unseres Konsumverhaltens!
  • Die Containerschiffe aus China brauchen für den Rückweg Ballast. Daher ist es „umweltschonend“, wenn wir Güter nach China schicken. Der Holztransport von Zürich nach Basel ist teurer als jener von Basel nach China. Zwar sind Christbaum-Kerzenhalter von COOP aus China unbrauchbar, da sie kein Gelenk haben für die vertikale Ausrichtung der Kerzen. Aber es ist vermutlich möglich, Christbäume in China für den Import in die Schweiz zu züchten, welche exakt horizontale Äste haben. Analoges gilt auch für z.B. den Lufttransport von Erdbeeren aus Kalifornien.

Die Liste lässt sich beliebig verlängern … der Schwarze Peter bleibt bei uns. Wollen wir ihn? Wir können Einfluss nehmen: Auf die modischen Nutella-Berliner verzichten, unsere Einkaufsgewohnheiten langsam aber sicher ändern. Es muss ja nicht so karg sein wie früher, als auch bei uns die Wenigverdienenden sich sehr wenig leisten konnten.

Vieles, was man uns als nachhaltig anpreist, ist es nicht. Je häufiger die Profiteure ihre Slogans wiederholen und dabei an Marge und Gewinn denken, desto mehr glauben sie selber daran. Schicken wir den Schwarzen Peter zurück an Verantwortliche, Marketing-Psychologen, Politiker, den Bundesrat …

Verkaufspsychologie kann nützlich sein

Das Design von Läden ist nicht neutral. Die Detailhändler wissen wie sie die Kunden dazu bringen, bestimmte Produkte zu kaufen und v.a. viel zu kaufen. Sie nutzen die Schwächen der Kunden hemmungslos aus.

Läden könnten die Kunden aber auch so manipulieren, dass es zu deren Vorteil ist, z.B. dass sie gesündere Lebensmittel kaufen und die Umwelt geschont wird. Psychologen, Marketing-Experten und einige Läden haben diese Idee getestet, siehe Video How your supermarket could manipulate you for your own good, BBC vom 26.1.18 sowie folgenden Beitrag zum Thema Healthy eating: The mind games of supermarket, BBC vom 9.9.14.

1950er Jahre: Die Freude von Kindern an Süssigkeiten

Heidi hat kürzlich von Martina ein paar Aufsatzhefte aus den 1950er Jahren erhalten. Hier ein Zitat:

Am Montag durften wir von 8-10 Uhr Baden gehen. Margrit, Vreni und ich mussten laufen. Als wir bei Schmids ankamen, fragte uns Frau Schmid, ob sie uns eine Bestellung für Beck Arnold mitgeben könne. Wir sagten: „Wir gehen schon dort hin.“ Da gab sie uns die Bestellung und einen Bonbon. Den Bonbon schleckten wir gerne in der Hitze. Als wir bei Arnolds die Bestellung abgaben, bekamen wir wieder einen Bonbon. Den ersparten wir auf den Heimweg …

Süssigkeiten waren damals selten. Dafür war jeweils die Freude gross, wenn die Kinder etwas Besonderes erhielten, eine Tafel Schokolade zum Geburtstag oder Lebkuchen vom Samichlaus. Heute will man gar den Chinesen das Schoggi-Essen schmackhaft machen, meist mit Palmöl drin.

Konventionelle Milchbäuerin sagt: Wir haben es satt!

"Wenn ich mit Natur-, Tier- und Umweltschützern rede, dann merk' ich sehr schnell, dass wir alle gemeinsam in einem Boot sitzen, denn wir alle leiden unheimlich unter einem System, das da heisst: immer billiger und immer mehr" Kirsten Wosnitza. Copyright: Wir haben es Satt!

„Wenn ich mit Natur-, Tier- und Umweltschützern rede, dann merk‘ ich sehr schnell, dass wir alle gemeinsam in einem Boot sitzen, denn wir alle leiden unheimlich unter einem System, das da heisst: immer billiger und immer mehr“ Kirsten Wosnitza. Copyright: Wir haben es Satt!

Klare Worte spricht Kirsten Wosnitza an der Veranstaltung Wir haben es satt in Berlin. Sie ist konventionelle Milchbäuerin und Sprecherin des Landesteams Schleswig-Holstein des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter (BDM). Applaus ist ihr sicher. Hören Sie, was diese engagierte Frau Ihnen zu sagen hat: Wir haben es Satt 2018 – Kirsten Wosnitza.

Wo hört der Fortschritt auf, wo beginnt der Rückschritt – global gesehen?

FOKUS: Der Tod ist Teil des Geschäfts. Marcel Niedermann und Rachel Honegger, SRF 10 vor 10 vom 2.2.18

Strafanzeige wegen Tierquälerei: „…Oder anders formuliert: Die Tierrechtler wollen ein System kippen, von dem selbst Landwirte sagen, dass sie sich zuerst daran gewöhnen mussten.“ Bauernzeitung vom 3.2.18

Beschwerde gegen Palmöl-Label von Migros und Coop, Tagesanzeiger vom 28.1.18

Oil Palm and Coconut Under Threat, Authorities Say. EMTV vom 25.1.18

Heidis Artikel zu Palmöl

Schweizer Rohstoff-Export – Asiaten wollen mehr Schweizer Holz. Matthias Heim, Tagesanzeiger vom 6.5.17

God’s giant miracle carrots, BBC vom 27.1.18

Werbepsychologie, Wikipedia

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