Posts Tagged ‘Chlorothalonil’

Von der Pest zum Coronavirus und den Pestiziden

27. Mai 2020
Heidis Heidelbeeren am Morgen, 27.5.20. Heidi muss sich noch etwas gedulden, in der Zwischenzeit Erdbeeren essen, dafür sind die Heidelbeeren frisch aus dem Garten garantiert pestizidfrei; die Erdbeeren auch! Dies im Gegensatz von vielen importierten. <a href="https://www.srf.ch/news/schweiz/heidelbeer-boom-chemie-cocktail-auf-import-fruechten" target="_blank" rel="noopener">Heidelbeer-Boom - Chemie-Cocktail auf Import-Früchten</a>, Roger Müller, Kassensturz vom 19.5.20

Heidis Heidelbeeren am Morgen, 27.5.20. Heidi muss sich noch etwas gedulden, in der Zwischenzeit Erdbeeren essen, dafür sind die Heidelbeeren frisch aus dem Garten garantiert pestizidfrei; die Erdbeeren auch! Dies im Gegensatz von vielen importierten. Heidelbeer-Boom – Chemie-Cocktail auf Import-Früchten, Roger Müller, Kassensturz vom 19.5.20

Es wird viel geschrieben, gefilmt und gesagt. Heidi verlinkt einen herausragenden Artikel und verweist auf die Rundschau des Schweizer Fernsehens von heute abend.

Von der Pest zum Coronavirus

Der Artikel stammt von Marc Chesney, Professor der Finanzwissenschaften an der Universität Zürich, und ist im Infosperber erschienen. Zitate:

„Das Ende der Pandemie kann zu Fortschritten führen, falls wir uns von der Finanzlogik und der zügellosen Globalisierung entfernen.

Der Roman von Albert Camus «Die Pest» wird oft als Metapher für die Braune Pest der Nazis interpretiert, deren Ausbreitung Tod und Unglück hinterliess. Das Buch ist auch insofern prophetisch, als es das Auftreten und die Ausbreitung einer Epidemie vorwegnimmt und beschreibt.

Fazit: Das Ende der Pandemie kann entweder zu Fortschritten oder zu Rückschritten führen. Grossbanken verschaffen sich Gehör, damit die bescheidenen Regulierungen, die nach der Krise von 2008 mühsam eingeführt wurden, wieder rückgängig gemacht werden. Besonders umweltbelastende Unternehmen lobbyieren ihrerseits, damit die im Laufe der Jahre eingeführten Standards geschwächt werden. In beiden Fällen dient ihnen als Vorwand, dass sich die Wirtschaft durch die Beseitigung von Regulierungen schneller erholen würde. Es liegt an den Bürgerinnen und Bürgern, aktiv und wachsam zu sein, um einen solchen «Krisenausgang» zu vermeiden. Er würde unweigerlich zu weiteren Katastrophen führen. Um noch einmal Albert Camus zu zitieren: «Der Pestbazillus stirbt oder verschwindet nie».“

Von der Pest zum Coronavirus. Marc Chesney, Infosperber vom 25.5.20

Chesney ist Autor des Buches «Die permanente Krise – Der Aufstieg der Finanzoligarchie und das Versagen der Demokratie».

Die Pest, Albert Camus, Wikipedia

Pestizid im Trinkwasser Grenzwert ums 22-fache überschritten

Diesen Cartoon von NaNa hat Heidi am 8. März 2018 veröffentlicht. Er ist immer aktuell, nur einzelne Personen wechseln: <a href="https://heidismist.wordpress.com/2018/03/08/grenzwerte-erhoehen-beliebtes-spiel-der-maechtigen/" target="_blank" rel="noopener">Grenzwerte erhöhen – beliebtes Spiel der Mächtigen</a>: Wo der Einzelne nur an sich denkt, wird die Gesamtheit nimmer vorwärtskommen. Jakob Bosshart, 1862 – 1924.

Diesen Cartoon von NaNa hat Heidi am 8. März 2018 veröffentlicht. Er ist immer aktuell, nur einzelne Personen wechseln: Grenzwerte erhöhen – beliebtes Spiel der Mächtigen: Wo der Einzelne nur an sich denkt, wird die Gesamtheit nimmer vorwärtskommen. Jakob Bosshart, 1862 – 1924.

Georg Humbel hat für die Rundschau recherchiert. Die wichtigsten Punkte sind:

  • „Die «Rundschau» hat die Trinkwasserproben auf Rückstände des Pestizids Chlorothalonil untersuchen lassen.
  • Bei neun von zehn Proben liegen die gemessenen Rückstände über dem gesetzlichen Grenzwert von 0.1 Mikrogramm.
  • Das Trinkwasser in der Berner Gemeinde Kappelen überschreitet den Grenzwert um das 22-fache.
  • Laut dem Schaffhauser Kantonschemiker Kurt Seiler kann das Wasser trotzdem «bedenkenlos» getrunken werden.

… Das Verbot des Pestizides sei «nicht nachvollziehbar» und deshalb sei auch der Grenzwert von 0.1 Mikrogramm für die Abbauprodukte im Trinkwasser zu streng. Die im Wasser gemessenen Zerfallsprodukte hätten «keine negativen Auswirkungen auf Mensch und Umwelt», so Syngenta …“

Heidi: „Auf welcher wissenschaftlichen Basis kann ausgerechnet Syngenta negative Auswirkungen auf Mensch und Umwelt ausschliessen? Es sind immer die gleichen Spiele. Wenn irgendetwas stark verschmutzt ist, dann kommt Druck von den Verursachern für die Erhöhung des Grenzwert. Daher braucht es von uns Gegendruck!“

Pestizid im Trinkwasser Grenzwert ums 22-fache überschritten. Georg Humbel, SRF Rundschau vom 27.5.20

Rundschau vom 27.5.20

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Fridays for Future – Netzstreik fürs Klima!

24. April 2020
Ausgetrocknetes Bachbett.

Ausgetrocknetes Bachbett.

Wenn Regen ausbleibt, dann ist der Schutz der Bäche und Flüsse besonders wichtig. Ludwig Tent zitierte in seinem Vortrag auf dem 3. Internationalen Leipziger Auenökologiesymposium: „Beim Betrachten unserer Gewässer in der Landschaft aus der Satelliten-Perspektive fällt ins Auge, wie kahl unsere Landschaft geworden ist. Gewässerrandstreifen fast nirgendwo, dementsprechend fehlt der charakteristische Baumsaum, gar der Auwald, flächendeckend. Daraus resultiert ein Überheizen grundwassergespeister Strecken und eine permanente Stresssituation der sie von Natur aus bewohnenden kalt-stenothermen Arten (Baur 2013).“ (stenotherm: Bezeichnung für Organismen, die nur in einem engen Temperaturbereich leben können.)

Programm 2019: 3. Internationales Leipziger AuenökologiesymposiumWirklich alte Bäume und bewegtes Wasser für die Auenwälder Europas. 10. bis 12. September 2019 – Leipzig. Naturschutz und Kunst – Leipziger Auwald e.V.

Fridays for Future – Klimastreik am 24. April 2020. Osmerus‘ Blog – Lebendige Bäche und Flüsse, Ludwig Tent, 24.4.20

Regen, wo bleibst du nur? SRF vom 20.4.20

Gülle und Trockenheit: In den Thurtaler Bächen hat es zu viel Nitrat. Tagblatt Ostschweiz vom 21.4.20

Trockenheit wird zum Problem: Die Ostschweiz wartet auf einen Dauerregen. Tagblatt vom 25.4.20

Pestizide im Grundwasser: Wegen der Trockenheit wird im Berner Seeland zur Bewässerung von Kulturen Grundwasser aus Brunnen gepumpt, das mit dem Pestizid Chlorothalonil belastet ist. SRF vom 21.4.20

Resilienz in Zeiten des Coronavirus. Regula Hug, Resilienz-Coaching vom 24.4.20

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NaNas Zoo der Pestizid-Metaboliten

10. März 2020

NaNa zitiert:

AQUA & GAS: «NICHT RELEVANT» ODER «RELEVANT»? Wir wollen ein möglichst sauberes Wasser abgeben! Syngenta hat bekanntlich gegen das Verbot von Chlorothalonil Beschwerde eingereicht und kritisiert die Bundesbehörden in der NZZ vom 28.02. scharf. Mit dem Verbot des Wirkstoffs und der Einstufen aller Metaboliten als relevant, hätten sie einen nicht wissenschaftlich basierten Entscheid gefällt.“

Basler Zeitung (His Masters Voice) 20.2.20:Der Chemiekonzern hält das Verbot für «unverhältnismässig und willkürlich»: Selbst wenn ein Wirkstoff wie Chlorothalonil strenger klassifiziert werde, sei ein Metabolit nicht zwingend relevant. Syngenta verlangt vom BLV, die gesetzliche Grundlage für das Vorgehen zu nennen … Syngenta hat beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde gegen das Verbot eingelegt. Es geht nicht zuletzt um viel Geld.“*

Schweizer Kantonschemiker:Die neue Einstufung eines Metaboliten von Chlorothalonil hat somit weitreichende Folgen für betroffene Wasserversorgungen. Dieser Fall zeigt, dass die langjährige Forderung der Kantonschemiker, nicht relevante Metaboliten in die Beurteilung der Zulassung von Wirkstoffen miteinzubeziehen, gerechtfertigt ist.“

Heidi meint:Seit im Jahre 2012 die neue Unterteilung zwischen „relevanten“ und „nicht relevanten“ Metaboliten von Pflanzenschutzmitteln eingeführt wurde, wird dies kritisiert, u.a. durch die Kantonschemiker …Tatsache ist, dass ganz, ganz viele Stoffe schon gar nicht gemessen werden und nicht für alle gibt es wohl Analysemethoden und alle zu untersuchen wäre viel zu teuer. Wer soll das bezahlen? Wer bezahlt das heute? Verursacherprinzip???? Und die Cocktail-Wirkung? Und die Rückstände in Lebensmitteln? Wo bleibt das Vorsorgeprinzip?

*NaNa: Exgüsi, wie hoch war wohl der Gewinn aus dem Chlorothalonil-Verkauf, während rund 50 Jahren!?

Kommentar: «nicht relevant» oder «relevant»? Wir wollen ein möglichst sauberes Wasser abgeben. Paul Sicher, SVGW vom 3.3.20

Verursacherprinzip = Grundsatz des Umweltschutzes

25. Februar 2020

Längst sind viele Grundsätze mit der Gewalt von Lobbyisten aus der Welt geschafft worden und immer häufiger werden Klagen gegen Behörden und Firmen eingereicht. Ein solcher Grundsatz ist das Verursacherprinzip im landwirtschaftlichen Umweltschutz. NaNa hat sich dem Thema angenommen.

NaNa: Zitat aus dem Bericht des Schweizer Fernsehen SRF vom 6.2.20 Chlorothalonil im Trinkwasser Wasserversorger prüft Haftungsklage gegen den Bund.

„Roman Wiget, Geschäftsführer der Seeländischen Wasserversorgung (SWG), überlegt sich nun, den Bund zu verklagen: «Wir prüfen gegenwärtig eine Haftungsklage gegen das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW), welches das Chlorothalonil in den 1970-er Jahren zugelassen hatte.» Hintergrund dieser möglichen Haftungsklage sind die Kosten, welche die Chlorothalonil-Rückstände dem Wasserversorger verursachen. Die SWG plant diese Rückstände mit der sogenannten Umkehrosmose aus dem Wasser zu filtern. Eine entsprechende Anlage kostet eine Million Franken. Kosten, welche schlussendlich die Gebührenzahler berappen müssten.“

Wikipedia: „Das umweltrechtliche Verursacherprinzip (engl. polluter pays principle) ist ein Grundsatz des Umweltschutzes, wonach Kosten umweltrechtlicher Massnahmen dem Verursacher angelastet werden sollen.“

Gewässerschutzgesetz, Art. 3a Verursacherprinzip:  Wer Massnahmen nach diesem Gesetz verursacht, trägt die Kosten dafür.

Wieso soll dies für die Landwirtschaft nicht gelten?

Heidi meint: Es stellt sich die Frage nach dem Verursacher. Hat der Pestizid-Spritzer die Vorgaben nicht eingehalten (beliebte Version der Pestizid-Produzenten)? Hat sich das BLW bei der Erteilung der Bewilligung einseitig auf die Daten der Industrie gestützt? Hat das BLW schlampig gearbeitet? Oder ist die Chemische Industrie schuld an der Misere, indem sie Stoffe auf den Markt bringen, welche umweltschädlich sind?

Auch die Waadtländer Ständerätin Adèle Thorens Goumaz vertritt die Ansicht, dass das Verursacherprinzip gelten soll. In die Pflicht genommen werden sollen die Bewilligungsbehörde für Pestizide sowie die Chemische Industrie.

Chlorothalonil : mettre l’industrie agrochimique face à ses responsabilité. Adèle Thorens Goumaz, Le temps 14.2.20

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Gewässerschutzgesetzgebung: Verbote oder Gebote?

6. Februar 2020
Rhein bei Maienfeld am 31.3.19

Rhein bei Maienfeld am 31.3.19

Ein Leser stürmt schon lange: „Du Heidi, in der Gewässerschutzgesetzgebung da heisst es häufig sollen. Da müsste doch müssen sein!“ Endlich hat Heidi eine rasche Analyse gemacht und in Gesetzen und Verordnungen gesucht.

Anders sieht es in der Strassenverkehrsgesetzgebung aus:

Zugegeben, das ist eine oberflächliche Analyse. Aber sie lässt erahnen, dass die Gewässerschutzgesetzgebung zu viele „Gebote“ statt „Verbote“ enthält. Im Strassenverkehr hingegen ist klar, dass Regeln formuliert wurden, die auch vollzogen werden müssen.

Wenn wir die Gewässer wirklich schützen wollen, dann müssen wir auch verbindliche Regelungen formulieren

Neues zu den Chlorothalonil-Metaboliten!

 In den zwölf Kantonen AG, BE, FR, GE, LU, SH, SO, TG, TI, VD, ZG und ZH wurde an mindestens einer Messstelle der Grenzwert von 0.1 Mikrogramm Chlorothalonil-Abbauprodukten pro Liter Grundwasser übertroffen. Grafik: SRF Quelle: Bafu

In den zwölf Kantonen AG, BE, FR, GE, LU, SH, SO, TG, TI, VD, ZG und ZH wurde an mindestens einer Messstelle der Grenzwert von 0.1 Mikrogramm Chlorothalonil-Abbauprodukten pro Liter Grundwasser übertroffen. Grafik: SRF Quelle: Bafu

Fungizid im Grundwasser Mit Chemikalien belastet – aber «unbedenklich»: In mindestens zwölf Kantonen ist mehr Chlorothalonil im Trinkwasser, als der Grenzwert erlaubt. … Schaut man sich auf einer Karte die zwölf Kantone an, aus denen dem Bundesamt für Umwelt (Bafu) Grundwasser-Messwerte über dem Grenzwert gemeldet wurden, ergibt das eine zusammenhängende Fläche. Betroffen ist die Region quer durchs Mittelland vom Genfer- bis zum Bodensee… SRF 5.2.20

In Biel auch im Seewasser: Qualität des Trinkwassers in Biel und Nidau: Der Energie Service Biel/Bienne informiert seine Kundinnen und Kunden, dass die neuen, seit 1.1.2020 gültigen Höchstwerte für die Chlorothalonil-Abbauprodukte bei einem von elf analysierten Abbauprodukten geringfügig überschritten werden. Energieservice Biel/Bienne 5.2.20

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Pflanzenschutzmittel: Kosten sie uns mehr als sie nützen (2)

2. Februar 2020
Das Fungizid Amarel-Folpet DF mit diesen Gefahrenkennzeichnungen darf gemäss Bundesamt für Landwirtschaft aus der Luft über Rebberge verspüht werden. Stand Pflanzenschutzmittelverzeichnis 2.2.20.

Das Fungizid Amarel-Folpet DF mit diesen Gefahrenkennzeichnungen darf gemäss Bundesamt für Landwirtschaft aus der Luft über Rebberge verspüht werden. Stand Pflanzenschutzmittelverzeichnis 2.2.20.

Wer soll das bezahlen? Diese Frage wird heute in Anbetracht der Verschmutzung des Trinkwassers mit Metaboliten von Chlorothalonil häufig gestellt. Wer soll die Reinigungs- und Sanierungskosten bezahlen? Renate Amstutz, Direktorin des Schweizerischen Städteverbands, verweist zu Recht auf das Gewässerschutzgesetz, denn dieses nennt klar das Verursacherprinzip. Also muss das Geld für die Sanierung bzw. Reinigung des Trinkwassers von jenen Bauern kommen, welche Pestizide einsetzen.

Externe Kosten der Pestizide

Heidi hat vor vier Jahren über eine Studie des Institut national de la recherche agronomique (INRA) informiert, welche den Titel trägt The Hidden and External Costs of Pesticide Use und gleichzeitig auf eine Schweizer Studie aus dem Jahre 2014 hingewiesen: Volkswirtschaftliche Kosten des Pestizideinsatzes in der Schweiz. Die französischen Forscher stellten die provokative Frage: „Pestizide – kosten sie uns mehr als sie uns nützen?“ Die vielfältigen Kosten, welche durch Pestizide verursacht werden, sind bis heute kaum untersucht, dürften aber hoch sein, meint Heidi.

Vier Kategorien versteckte Kosten

Die INRA-Studie listet vier Kategorien versteckter Kosten auf: Umwelt-, Gesundheits-, Regulierungs- und auch Vermeidungskosten. Die ersten quantifizieren die Schädigung der von der Natur angebotenen Ökosystemleistungen (Bestäubung usw.); Gesundheitskosten umfassen Gesundheitskosten, Verlust der Arbeitsproduktivität usw .; zu den Regulierungskosten zählen öffentliche Mittel zur Regulierung und Kontrolle dieser Stoffe oder zur Sanierung kontaminierter Gewässer und deren Umgebung. Was die Vermeidungskosten betrifft, so werden diese hauptsächlich durch die Mehrausgaben jener Haushalte verursacht, die sich für Bio-Lebensmittel entscheiden, um die Aufnahme von Pestiziden zu minimieren.

Nicht nur Heidi hat in letzter Zeit häufig an die INRA-Studie gedacht, auch die Leute der Volksinitiative für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide haben die Studie ausgegraben und auf Twitter verlinkt bzw. einen Beitrag von Le temps vom 28.3.16 Les coûts cachés des pesticides.

Pflanzenschutzmittel: Kosten sie uns mehr als sie nützen? Heidis Mist 23.3.16

Pestizid-Rückstände im Trinkwasser, SRF 10vor10 vom 31.1.20

Volksinitiative für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide

Leben statt Gift auf Twitter

2.2.20 HOME

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„Ich wünsche dir gute Gesundheit!“ Das verpflichtet!

23. Dezember 2019
Sprudelndes Wasser in einem Bündner Wildbach

Sprudelndes Wasser in einem Bündner Wildbach

Gesundheit ist auch politisch

In keiner Jahreszeit wünschen wir unseren Freunden, Bekannten und Kollegen häufiger gute Gesundheit als jetzt. Auch gute Vorsätze für das kommende Jahr sind häufig mit der Gesundheit verbunden: gesünder essen, mehr Bewegung usw. Doch das allein genügt nicht. Saubere Luft, unbelastetes Trinkwasser, schadstofffreie Nahrungsmittel müssen erkämpft werden, denn einfach von sich aus gibt es das nicht mehr, obwohl schon lange Forschungsresultate vorliegen, welche grossen Handlungsbedarf aufzeigen. Wir müssen die Politik aktiv auffordern (oder vielleicht eher zwingen), ihre Aufgaben zu unserem Schutze und für die Umwelt zu erfüllen.

Auf Antibiotika verzichten

Im Anschluss an den Artikel Antibiotika, kritische Antibiotika: Leserbrief von Max möchte Heidi einmal mehr auf die Forderung einer Fachkommission des Bundes von 2014 hinweisen: Antibiotika-resistente Keime sind die «grösste biologische Bedrohung für die Gesundheit der Bevölkerung». In der Schweizer Nahrungsmittelproduktion soll daher ganz auf Antibiotika verzichtet werden, siehe Krankheitsrisiko Antibiotika, SRF 23.11.14. Dies ist eine der bisher unerfüllten Forderungen. Sie ist schon fünf Jahre alt!

Luft, Boden und Wasser schützen

Die Trinkwasserqualität ist im Allgemeinen zwar noch gut, aber das Grundwasser v.a. im Mittelland arg verschmutzt, was den Trinkwasserversorgern grosse Probleme bereitet und den Medien viel Stoff liefert. So hat die Sonntagszeitung am 22.12.19 unter dem Titel Bevölkerung zahlt für Pestizidsünden gemeldet: „Weil die Abbauprodukte von Chlorothalonil das Wasser noch bis zu 20 Jahre belasten, müssen die Gemeinden Millionen in ihre Anlagen investieren.“ Obwohl das Gewässerschutzgesetz das Verursacherprinzip für die Bezahlung von Schäden vorgibt, bezahlen immer „die anderen“.

Schlechter als uns Menschen geht es den Lebewesen in den Gewässern. Der Schweizerische Fischereiverband (SFV) schreibt in der soeben erschienenen Dezember-Nummer seiner Zeitung: „Das Bundesgericht urteilte am 12. Februar 2018, dass das Verbandsbeschwerderecht nach dem Bundesgesetz über den Natur- und Heimatschutz auch auf Pflanzenschutzmittel-Bewilligungen anwendbar ist. Das heisst: Auch der SFV kann sich am Bewilligungsverfahren beteiligen. Dies ist sowohl eine Ehre wie auch eine Verpflichtung. Der SFV wird dieses Instrument nutzen, im Interesse eines umfassenden Schutzes der Fische, ihrer Nahrungsgrundlagen und ihrer Lebensräume.“ Heidi meint: „Das kann interessant werden, lautet doch die Gefahrenkennzeichnung im Pflanzenschutzmittelverzeichnis des Bundesamts für Landwirtschaft bei vielen Pestiziden H410 Sehr giftig für Wasserorganismen mit langfristiger Wirkung.“

Auch die Luft und der Boden sind keineswegs sauber und werden laufend aus vielen Quellen verschmutzt, was unserer Gesundheit direkt oder indirekt über die Nahrung oder das Wasser schaden kann. Auch Luft und Boden benötigen mehr Aufmerksamkeit.

Unsere Forderungen sind wichtig

Wenn wir gute Gesundheit wünschen, dann genügt es nicht sich zurückzulehnen und auf Massnahmen zu warten. Wir müssen selber aktiv werden und von Ämtern und Politikern fordern, dass sie das Nötige veranlassen, um die Umwelt zu schützen oder Verschmutzungen zu sanieren, und zwar auf Kosten der Verschmutzer.

Danke!

Heidi dankt allen LeserInnen für die Treue. Viele haben sie im vergangenen Jahr unterstützt, ihr Informationen und Bilder geschickt oder sie auf Fehler aufmerksam gemacht, etwa gestern als sie schrieb, dass der prophylaktische Einsatz von Antibiotika im Biolandbau per 1.1.16 verboten worden sei. Wahrscheinlich sei das schon immer so gewesen, schrieb postwendend eine Kollegin. Fehler sind ärgerlich, denn Heidi bemüht sich, Fakten auf den Tisch zu legen. Zum Glück ist ein solcher Lapsus zuvor schon lange nicht mehr vorgekommen – oder nicht gemeldet worden?

Heidi wünscht Ihren Leser und Leserinnen alles Gute im 2020, Gesundheit, frohe Stunden und viel Tatendrang!

24.12.19 HOME

Chlorothalonil-Verbot: Was soll das bedeuten ….?

13. Dezember 2019
Folie von Ronald Kozel, Miriam Reinhardt BAFU, Sektion Hydrogeologie, SVGW-Fachtagung „Umgang mit nicht geregelten Fremdstoffen im Trinkwasser“ vom 9.3.12

Folie von Ronald Kozel, Miriam Reinhardt BAFU, Sektion Hydrogeologie, SVGW-Fachtagung „Umgang mit nicht geregelten Fremdstoffen im Trinkwasser“ vom 9.3.12

Die Schweiz hat Chlorothalonil per 1.1.2020 verboten. Ende gut, alles gut?

In der Medieninformation des Bundesamts für Landwirtschaft (BLW) vom 12.12.19 steht: „Zudem teilt das BLV die Einschätzung der EU-Kommission, dass Chlorothalonil als wahrscheinlich krebserregend eingestuft werden muss. Somit sind auch alle Grundwassermetaboliten als relevant anzusehen.“ Bisher haben BLW und BLV (Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen), nicht alle Metaboliten von Chlorothalonil als „relevant“ eingestuft, während die EU alle Metaboliten als relevant eingestuft hatte. Zum Beispiel R 471811 ist auch heute noch auf der Liste Relevanz von Pflanzenschutzmittel-Metaboliten im Grund- und Trinkwasser als „nicht relevant“ aufgeführt. Warum?

Chlorothalonil-Metabolit R 471811

Heidi hat bei der Eawag nachgeschlagen und folgenden Text gefunden: „Ins Visier der Forschenden geraten sind insbesondere Metaboliten von Chlorothalonil, einem Mittel, das gegen Pilzbefall im Getreide-, Gemüse-, Wein- und Zierpflanzenbau eingesetzt wird. Ein Chlorothalonil-Metabolit wurden in sämtlichen 31 Proben gefunden, teils in Konzentrationen bis zu 25mal über dem Anforderungswert für Pestizide im Grundwasser in der Gewässerschutzverordnung und für Trinkwasser im Lebensmittelrecht.“

Frage: Um welchen Metaboliten von Chlorothalonil handelt es sich? Die Antwort dazu findet man in der verlinkten Publikation von Karin Kiefer et al., Seite 16 unter Conclusions: „Chlorothalonil TPs were widely present in groundwater. Chlorothalonil TP R471811 was detected in all samples, even in aquifers with low anthropogenic impact. In 20 out of 31 samples, concentrations exceeded 100 ng/L. The human-toxicological risk needs to be assessed as well as the fate in drinking water treatment.“

New Relevant Pesticide Transformation Products in Groundwater Detected Using Target and Suspect Screening for Agricultural and Urban Micropollutants with LC-HRMS. Water Research, Volume 165, 15 November 2019, 114972

Nun stellt sich die Frage: Wo im Trinkwasser ist der Chlorothalonil-Metabolit R 471811 zu finden? Müssen weitere Trinkwasserfassungen geschlossen werden? Oder ist den VerfasserInnen der BLW-Medieninformation ein Fehler unterlaufen? Oder beharrt das BLW darauf, dass R 471811 für die Schweiz „nicht relevant“ ist?

Wasserversorger kritisierten 2012 die hohen Grenzwerte für „nicht geregelte Fremdstoffe“

Unter dem Titel „Grundwasser: Gefährden neue Grenzwerte das Vorsorgeprinzip?“ berichtete Heidi am 10.3.13 über die SVGW-Fachtagung „Umgang mit nicht geregelten Fremdstoffen im Trinkwasser“ vom 9.3.12. Roman Wiget von der Seeländischen Wasserversorgung forderte daher von den involvierten Bundesämtern eine klare Bekennung zum Vorsorgeprinzip und von den Kantonen eine konsequente Umsetzung der Gewässerschutzgesetzgebung, welche ab Konzentrationen über 100 ng/L geeignete und griffige Massnahmen gegen Pflanzenschutzmittel und andere Fremdstoffe verlangt. „Auch wenn einige Pestizide und Herbizide keine direkte Gesundheitsgefährdung darstellen, sie gehören definitiv nicht ins Trinkwasser“, so auch die Haltung des Branchenverbands der Schweizerischen Trinkwasserversorger, des SVGW.

Die Folien aller Beiträge finden Sie hier: SVGW-Fachtagung „Umgang mit nicht geregelten Fremdstoffen im Trinkwasser“.

Folie von Daniel Hartmann, Sybille Kilchmann BAFU, Sektion Grundwasserschutz. Umgang mit nicht geregelten Fremdstoffen im Trinkwasser SVGW Wasserfachtagung, Olten, 9. März 2012

Folie von Daniel Hartmann, Sybille Kilchmann BAFU, Sektion Grundwasserschutz. Umgang mit nicht geregelten Fremdstoffen im Trinkwasser SVGW Wasserfachtagung, Olten, 9. März 2012

Von Guy Parmelin, Chlorothalonil und einer Tierbedarfshandlung

17. November 2019
Chlorothalonil: Blick ins Pflanzenschutzmittelverzeichnis des Bundesamts für Landwirtschaft

Chlorothalonil: Blick ins Pflanzenschutzmittelverzeichnis des Bundesamts für Landwirtschaft

Die Abbauprodukte von Chlorothalonil ist langlebig im Grundwasser, Trinkwasserfassungen mussten geschlossen werden, das Mittel wurde in der EU verboten, da Verdacht auf krebserregend und sogar erbgutverändernd. Uns SchweizerInnen hat Bundesrat Guy Parmelin ein Verbot per Oktober 2019 in Aussicht gestellt. Und was läuft? Die Beamten sind am Studium von neuen Akten der Chlorothalonil-verkaufswilligen Industrie. Ein Entscheid ist erst im 2020 zu erwarten! Orientieren Sie sich weiter beim Schweizer Fernsehen 10vor10 vom 15.11.19:

„Bundesrat Guy Parmelin versprach das Fungizid Chlorothalonil bis Oktober zu verbieten. Nun ist es November und es gibt noch immer kein Verbot. Die Wasserversorger schlagen Alarm.“

Verunreinigtes Trinkwasser Wird Chlorothalonil gar nicht verboten? SRF 10vor10 vom 15.11.19

Gefahrenkennzeichnung Chlorothalonil

  • H315 Verursacht Hautreizungen.
  • H317 Kann allergische Hautreaktionen verursachen.
  • H318 Verursacht schwere Augenschäden.
  • H332 Gesundheitsschädlich bei Einatmen.
  • H335 Kann die Atemwege reizen.
  • H351 Kann vermutlich Krebs erzeugen.
  • H410 Sehr giftig für Wasserorganismen mit langfristiger Wirkung.

Heidis Frage: Ist das Bundesamt für Landwirtschaft als Zulassungsstelle für Pflanzenschutzmittel unabhängig und vertrauenswürdig?

NaNas Witzecke

Kommt jemand in die Tierbedarfshandlung:

„Guten Tag, ich möchte gern einen Maulkorb.“

„Tut mir leid! Alle ausverkauft! Herr Parmelin war da. Aber kommen sie übermorgen wieder, dann erhalten wir die Occasionsmodelle aus den USA.“

Von Forschungsfreiheit und Forschungszwängen, Heidis Mist 12.11.19

Petition: Keine Zensur der Eawag durch den Bundesrat, Heidis Mist 14.11.19

Wissenschaftler dürfen nicht sagen, wie giftig unser Trinkwasser wirklich ist. Parmelin verpasst ETH-Forschern Maulkorb. Lea Hartmann, Blick 11.11.19

Chlorothalonil: Leserbrief von Paladilhiopsis tschapecki

5. November 2019

Ich bin die Grundwasserschnecke Paladilhiopsis tschapecki. Zeichnung: Heidi.

Liebe Heidi

Für uns Grundwasserschnecken sind die Pestizide eine Pest. Und es sind nicht die einzigen Stoffe, welche uns schaden. Viele meiner Verwandten stehen auf der Roten Liste der bedrohten oder ausgestorbenen Arten. Die Gründe dafür sind vielfältig, aber viele Pestizide sind nicht nur für die Schädlinge, die ihr Menschen bekämpfen wollt, tödlich, sondern auch für uns.

Wieviele Trinkwasserquellen habt ihr schon geschlossen weil der Grenzwert für Chlorothalonil überschritten wurde? Und wir? Wir hocken hier im Grundwasser und niemand hilft uns, nicht einmal die Tierschutzorganisationen.

Dieses Pestizid ist ja nur ein Beispiel für all die Stoffe, welche ihr ins Grundwasser sickern lässt. Obwohl ihr uns in euren Gesetzen versprochen habt, uns zu schützen, passiert nichts. Absolut nichts Nennenswertes. Wir sind halt kein Streichelzoo!

Euer Risiko übers Trinkwasser ist heute nicht allzu hoch im Vergleich zu anderen Belastungswegen. Trotzdem schliesst ihr Trinkwasserfassungen. Eine nach der andern. Es wäre doch sinnvoller, wenn ihr per sofort die Anwendung solcher Pestizide verbieten würdet, zum Nutzen aller.

Es scheint mir, dass ihr Menschen langsam seid. Ihr habt immer noch nicht begriffen, was ihr mit euren chemischen Stoffen alles anrichtet. Wir Grundwasserschnecken denken da schneller, sehen den Schaden unmittelbar und machen uns Sorgen für die Zukunft, denn viele Stoffe bleiben lange im Grundwasser.

Nehmt doch unsere Warnung ernst! Euer Bundesrat will „im Herbst“ darüber entscheiden, ob Chlorothalonil verboten wird oder nicht. Was soll dieses Zaudern? Wir, die Grundwasserschnecken, trauen eurem Bundesrat nicht mehr; zu oft hat er uns schon im Stich gelassen. Doch die Hoffnung geben wir nicht auf. Es gibt ja noch euch: das Volk!

Schon lange wollten wir dir schreiben, aber wir verlieren viel Zeit mit dem Suchen von wenig belastetem Wasser. Endlich haben wir unseren Aktuar bestellt; er wird dir diesen Brief auch übermitteln. Bitte schicke ihn all deinen Bekannten weiter.

Freundliche Grüsse

Paladilhiopsis tschapecki
Sprecherin aller Grundwasserschneckenarten

Das Grundwasser lebt, Heidis Mist 22.2.13

Grundwasserqualität: Das Ziel nicht vergessen! Heidis Mist 13.1.19


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