Posts Tagged ‘Christian Stamm’

Buchempfehlung: DAS GIFT und WIR

23. Oktober 2020
Kapitel 3 "Zukunft" des Buches DAS GIFT und WIR.

Kapitel 3 „Das Zukunftsbild“ des Buches DAS GIFT und WIR.

Auf dem Umschlag des Fachbuchs «DAS GIFT und WIR» steht: Wie der Tod über die Äcker kam und wie wir das Leben zurückbringen können. Beim Lesen dieses Satzes erinnerte ich mich an meine Kindheit. Wir füllten im Herbst die Hurden im Keller mit Äpfeln, Birnen und Kartoffeln. Diesen Vorrat kauften wir bei den Bauern nebenan. Gemüse und Beeren bauten die Eltern im Hausgarten an. Alles war giftfrei, ohne dass wir das «biologisch» genannt hätten. Und das saubere Trinkwasser für Haus, Stall und Dorfbrunnen kam von der Quelle im nahen Wald, für die schon mein Grossvater verantwortlich war. Ja, was ist geschehen? Und was können wir heute tun, um das Gift aus den Lebensmitteln, Böden, Gewässern und der Luft herauszuholen?

Der Umweltzustand und die Verschmutzung unserer Lebensgrundlagen mahnen uns, andere Wege einzuschlagen. Es gibt berechtigte Hoffnung, dass diese erfolgreich sein werden.

Grundlegende Veränderungen sind nötig

Im Buch «DAS GIFT und WIR» zeigen Fachleute aus Forschung und Praxis auf, wie die Landwirtschaft sich verändern muss, damit wir zusammen mit Flora und Fauna leben (überleben) können. Viele wertvollen Diskussionen laufen heute. Die Erkenntnis, dass eine rasche und grundlegende Veränderung stattfinden muss, ist aber noch nicht in der Politik ankommen. Dieses Buch kann dabei helfen.

Die Herausgeber Mathias Forster, Stiftungsrat und Geschäftsführer der Bio-Stiftung Schweiz, und Christopher Schümann, Mitinitiator des Bodenfruchtbarkeitsfonds, haben 450 Seiten mit wertvollen Informationen gefüllt. Mehr als 30 Fachleute beteiligten sich an diesem Buch, welches den BäuerInnen, GärtnerInnen und WinzerInnen gewidmet ist, die gelernt haben, wie man ohne synthetische Pestizide qualitativ hochwertige Lebensmittel erzeugen kann, und jenen, die gerade erst anfangen, das Bisherige in Frage zu stellen und nach neuen Wegen zu suchen.

Von der Gift-Realität in die Zukunft

Das Buch beginnt mit einem dreiteiligen Prolog, geschrieben von Corinne Lepage, Mathias Forster/Christopher Schümann und Eva Inderwildi.

Im ersten Teil „Das vergiftete Leben“ werden die bereits entstandenen Schäden sowie die bekannten und unbekannteren Risiken beschrieben. Autoren bzw. Gesprächspartner sind: Johann G. Zaller, Lars Neumeister, Joseph Amberger, Tanja Busse, Christian Stamm, Kurt Seiler, Peter Clausing, F. Hofmann/U.Schlechtriemen/N. Kohlschütter/R. Vögel, Martin Forter, André Leu und Edward Mitchell.

Im zweiten Teil „Das Panorama“ werden politische, rechtliche, wirtschaftliche und gesellschaftliche Aspekte des Einsatzes von synthetischen Pestiziden beleuchtet. Die folgenden Fachleute berichten über diese Themen: Helmut Burtscher-Schaden, Christopher J. Portier, Angeliki Lyssimachou/Martin Dermine, Ulrike Bickel, L. Gaberell/G. Viret/C. Hoinkes, Volkert Engelsmann und Rainer Weisshaidinger/Adrian Müller.

Im dritten Teil „Das Zukunftsbild“ kommen Praktiker zu Wort, bei denen Landwirtschaft ohne synthetische Pestizide bereits seit Jahren Alltag ist. Ihre Erfahrungen zeigen, dass auf Ackergift gut verzichtet werden kann, wenn die Bereitschaft vorhanden ist, von der Natur, von FachkollegInnen und ForscherInnen zu lernen, welche alternative Methoden der Schädlingsregulierung kennen und bei der Umstellung helfen können. Geschrieben oder Auskunft gegeben haben: Felix zu Löwenstein, Claudia Daniel, Andreas Bosshard, Bernd Kiechle, Christopher Schümann, Hans Braunwalder/Martin Ott, Roland Lenz, Peter Kunz, Bernward Geier, Vandana Shiva, Pawan Chamling, Urs Brändli, Sepp Braun, Peter Grossenbacher, Martin Ott, Martin von Mackensen, Sascha Damaschun, Bernward und Marin Geier, Bernward Geier, Hans Rudolf Herren, Martin Ott.

Verlustanzeigen

Bereichert werden die Fachinformationen durch zweiseitige Beschreibungen von Lebewesen, welche von der heutigen Landwirtschaft besonders betroffen sind. Sie sind aus den Wiesen und Feldern veschwunden, wurden durch Gifte getötet oder ihrer Beute beraubt. Die Lebensweise und die Gründe für die massive Abnahme dieser Arten zeigen exemplarisch das Verschwinden von Arten auf. 13 Beispiele: Der Baumweissling, der Rotkopfwürger, die Heideschrecke, die Bachforelle, die Feldlerche, der Schwalbenschwanz, die Felchen, der Rote Apollo, die Westliche Honigbiene, der Rote Scheckenfalter, die Turteltaube, die Grauschuppige Sandbiene und die Schwarze Mörtelbiene.

Weitere Informationen

Renate Künast, ehemalige Landwirtschaftsministerin in Deutschland, Buchpatin des Buches "Das Gift und wir".

Renate Künast, ehemalige Landwirtschaftsministerin in Deutschland, Buchpatin des Buches „Das Gift und wir“.

„Wir müssen ins Ende des Pestizidzeitalters einsteigen. Warum? Weil wir mit den Pestiziden und der Agrarindustrie einen Raubbau betreiben. Wir verschlechtern das Klima, wir reduzieren die Bodenfruchtbarkeit, wir haben massive Verluste der Artenvielfalt, so dass der natürliche Kreislauf, der ja Landwirtschaft ermöglicht, zerstört wird. Und deshalb: Dies Buch! Mit der Sprengkraft wie Der stumme Frühling von Rachel Carson. Ein Durchritt durch alle Implikationen des Pestizideinsatzes. Und danach weiss man, warum man regenerativ arbeiten muss und Agrarökologie das Stichwort ist.“

Video mit Renate Künast, Buchpatin von „Das Gift und wir“

Video: Das Gift und wir – Mathias Forster im Gespräch mit Florian Schwinn

„Sie finden sich überall: im Trinkwasser, im Gemüse, im Obst, im Getreide, in der Milch, im Bier – in vielen unserer Lebensmittel. Und in uns selbst: im Gewebe, im Urin, in der Muttermilch. Überall da, wo sie nicht hingehören und nicht hingelangen sollen, finden wir die giftigen Hinterlassenschaften der industrialisierten Landwirtschaft, die Rückstände der synthetischen Pestizide. Ihr weltweiter Einsatz ist zu einem gewaltigen Vernichtungsfeldzug geworden, der vielen Pflanzen und Tieren auf dem Land das Überleben unmöglich gemacht hat. Es ist höchste Zeit, das Gift von den Äckern zu verbannen und wieder mit der Natur und dem Leben zusammenzuarbeiten. Dieses Buch zeigt auf, wie die synthetischen Pestizide zur Bedrohung wurden und wie es ohne sie weiter gehen kann und muss.“

Weitere Informationen zum Buch und Leseprobe.

Aktivitäten der Bio-Stiftung Schweiz zur Bewusstseinsbildung für eine Landwirtschaft ohne synthetische Pestizide, Vortragsreihe.

Bestellung

Das Buch ist im Buchhandel erhältlich oder kann direkt bei der Bio-Stiftung bestellt werden:

Preis: 35,- CHF | 29,95 EUR plus Versandkosten
ISBN: 978-3-86489-294-3

info@bio-stiftung.ch

Heidi meint: «DAS GIFT und WIR» ist ein schön gestaltetes Fachbuch für alle, die sich „Zukunft“ wünschen. Eigentlich schade, dass so viel Geld in Gift-Forschung und -Monitoring sowie Produktion mit Giften fliesst.

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Gewässer: Leichenrede frei nach Kurt Marti

29. Dezember 2019
Es war einmal ein Bächlein ...

Es war einmal ein Bächlein …

NaNa:

Leichenrede frei nach Kurt Marti

Der Natur hat es ganz und gar nicht gefallen
dass dieser Bach durch Pestizide starb
erstens war er zu jung
zweitens seinen Betrachtern eine Freude
drittens Wohnraum für Tiere und Pflanzen
viertens Spielplatz für Kinder
fünftens einst erfüllt von klarem Wasser
Was soll jetzt ohne ihn werden?
Wo bleibt die Freude
der Lebensraum
der Spielplatz
das Trinkwasser?
Der Natur hat es ganz und gar nicht gefallen
dass einige von euch dachten das Vergiften habe ihr gefallen
Im Namen des Lebens: Wir protestieren gegen den Tod unseres Baches.

Bachsedimente

Biotests mit Organismen mit verschiedenen Ernährungs- und Lebensstrategien, nämlich Muschelkrebsen, Zuckmückenlarven und Fadenwürmern … «Wir waren überrascht zu sehen, dass an allen Standorten mehrere Sedimentproben für mindestens eine der getesteten Arten toxisch waren, wobei die Muschelkrebse am empfindlichsten reagierten», sagt Projektleiterin Carmen Casado-Martinez.

Quelle: Ökotoxikologische Wirkungen durch Pflanzenschutzmittel in Bachsedimenten, eawag News vom 12.12.19

Pyrethroide

Dabei hat sich gezeigt, dass durch die Pyrethroid- und Organophosphat-Insektizide ein höheres Risiko für Wirbellose ausgelöst wird als durch alle anderen gemessenen Pflanzenschutzmittel zusammen. Im Extremfall sind die Risiken bis 50fach erhöht, im Durchschnitt um den Faktor 2,5.

Quelle: Pyrethroide im Visier. eawag News vom 4.11.19

Pflanzenschutzmittel

«Bei vier von fünf Bächen würde selbst eine zehnfach extensivere Landwirtschaft im Einzugsgebiet wohl noch zu Überschreitungen der Qualitätskriterien führen», sagt Christian Stamm, «in diese Kategorie fallen rund 13’000 Kilometer Schweizer Bachläufe.»

Quelle: Zu viele Pflanzenschutzmittel in kleinen Bächen, myScience 2.4.19

Kurt Marti · Leichenreden

Man soll von Toten nichts Schlechtes sagen, heißt es. In seinen ‚Leichenreden‘ hinterfragt Kurt Marti diese Konvention und wehrt sich gegen die gängigen Abschiedsrituale, gegen die gut gemeinten Worte und tröstenden Phrasen. Er schreibt ehrlich und schonungslos über das Leben, das Sterben und den Tod, immer verbunden mit einem tiefen Verständnis für Angst, Verdrängung und Abwehr, die den Verlust eines Menschen begleiten. Martis lyrische Totenreden sind ein Klassiker der Schweizer Literatur. Seit ihrer Erstveröffentlichung haben sie nichts von ihrer Aktualität und Brillanz verloren. Selten wurde so offen über den Tod und die Trauer geschrieben.

Kurt Marti, Leichenreden. ISBN 978-3-312-00277-1, Nagel & Kimche

Der Tod und danach im Denken und Dichten von Kurt Marti, Josef Fux, Maturaarbeit Gymnasium St. Klemens Ebikon, September 2003

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Pestizide: Die schmutzigsten 11

12. Juni 2019

Gabriele Schachermayr, Vizedirektorin Bundesamt für Landwirtschaft (BLW), geht davon aus, dass (nur!) der Grossteil der Pestizide, welche von der Eawag als schädlichste Pestizide für Wasserorganismen eingestuft wurde, verboten wird. „Es braucht also noch mehr Druck von aussen“, meint Heidi und stellt sich die Frage: „Wie lange wird es dauern bis zur Umsetzung des Verbots? Betroffen sind nur Pestizide, deren Schädlichkeit für das Wasserleben untersucht wurden, wie steht es mit jenen, die den Bodenorganismen, den fliegenden Insekten und Vögeln besonders schaden, von Abdrift betroffen sind? Auch hier besteht noch massiver BLW-Handlungsbedarf“

Zitat aus dem Kassensturz vom 11.6.19:

Das Wichtigste in Kürze:

  • In den letzten 20 Jahren sind die Fangzahlen aus Schweizer Flüssen und Bächen massiv zurückgegangen.
  • Eine wichtige Rolle dabei könnten Pestizide aus der Landwirtschaft spielen. Diese bedrohen Wasserlebewesen – wichtiges Futter für Fische.
  • Die Wasserforschungsinstitut Eawag hat für «Kassensturz» eine Liste von elf problematischen Giften zusammengestellt.
  • Das Bundesamt für Landwirtschaft geht davon aus, dass ein Grossteil dieser elf Stoffe verboten wird.

Heidis Schlusswort: „Eigentlich ist vieles schon längst bekannt, auch dass der Wille zum Handeln fehlt!“

12.6.19 HOME

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