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Verschmähte Erdbeeren!

20. Februar 2020
400 g Erdbeeren mit viel Plastik und - so vermutet Heidi - wenig Geschmack. Typisch für solche Ware ist das Weiss beim Stiel; die Früchte wurden unreif geerntet. Erdbeeren reifen nach der Ernte nicht nach, da nützen auch die grünen Blätter nichts. Sogar mit 50% Rabatt kein Schnäppchen! Copyright: Maria R.

400 g Erdbeeren mit viel Plastik und – so vermutet Heidi – wenig Geschmack. Typisch für solche Ware ist das Weiss beim Stiel; die Früchte wurden unreif geerntet. Erdbeeren reifen nach der Ernte nicht nach, da nützen auch die grünen Blätter nichts. Sogar mit 50% Rabatt kein Schnäppchen! Copyright: Maria R.

Heidi freut sich jedes Jahr auf die ersten Erdbeeren. Bis sie blühen und reif sind, dauert es noch lange. Auch wenn dieses Jahr jetzt schon Frühlingsgefühle aufkommen, die Schneeglöcklein blühen und die Temperaturen konstant auf Rekordniveau sind, Erdbeeren sind in der Schweiz und Umgebung noch lange nicht reif.

Auch wenn in Verpflegungsstätten und Confiserien das ganze Jahr Erdbeertörtchen angeboten werden, viele KonsumentInnen scheinen langsam zu wissen, dass die roten Früchte, welche jetzt im Laden angeboten werden, von weit her kommen und dieses Angebot – allen Verkaufargumenten zum Trotz – bedenklich ist. Da macht Bio nur einen kleinen Unterschied. Die Erdbeeren kommen in der Regel aus Gebieten mit Wassermangel, schlechten Arbeitsbedingungen bis hin zur Sklaverei und schwer durchschaubaren Produktionsweisen. Hinzu kommt die aufwändige Verpackung für den langen Transport, welcher Lärm und Verschmutzung verursacht.

Warten wir doch geduldig auf das der Jahreszeit entsprechende Erdbeerangebot. Die Grossverteilen reden viel von saisonal, aber Worte sind Worte! Wo bleiben die Taten?

Bienen lieben Erdbeerblüten

Übrigens: Bienen lieben Erdbeerblüten sehr, das zeigt die Studie eines Forschungsteams der Georg-August-Universität Göttingen und der Universitäten von Sussex und Würzburg. Sie fanden heraus, dass Honigbienen Erdbeerfelder bevorzugen, auch wenn direkt in der Nähe der Raps blühte. Nur bei starker Rapsblüte waren weniger Honigbienen im Erdbeerfeld zu beobachten. Wildbienen wählten hingegen konstant das Erdbeerfeld.

Ihr Tanz verrät: Honigbienen fliegen auf Erdbeeren. Medieninformation Georg-August-Universität Göttingen 23.1.20

Erdbeergenuss bedroht Weltnaturerbe. Heidis Mist 25.3.12

19.2.20 HOME

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Heidi empfiehlt: Referendum „Stop Palmöl“ unterschreiben!

16. Februar 2020

In der Regenzeit verwandeln sich Strassen in Indonesien immer wieder in Morast, sind nicht befahrbar. Deshalb kann ein Teil der Palmölernte nicht rechtzeitig in die Mühlen gebracht werden, er verfault. Videos, welche solche Bilder zeigen, sind zahlreich auf youtube.

In der Regenzeit verwandeln sich Strassen in Indonesien immer wieder in Morast, sind nicht befahrbar. Deshalb kann ein Teil der Palmölernte nicht rechtzeitig in die Mühlen gebracht werden, er verfault. Videos, welche solche Bilder zeigen, sind zahlreich auf youtube.

Im Freihandelsabkommen mit Indonesien ist grossartig die Rede von „Nachhaltigkeit“. Unzählige Publikationen zeigen jedoch, dass der Anbau von Palmöl in vielen Punkten zerstörerisch ist und die Rückverfolgbarkeit eine Illusion. Bisher gibt es keine Zeichen für Besserung in naher Zukunft. Weitere Gründe sprechen für eine Unterschrift auf dem Referendumsbogen „Stop Palmöl“, welcher hier erhältlich ist: Stop Palmöl. Und: Sammeln Sie auch Unterschriften bei Ihren Bekannten, an Veranstaltungen …

Nicht nachvollziehbare Lieferketten

Trase (Transparent supply chains for sustainable economies) hat in Zusammenarbeit mit der University of California, Santa Barbara, die Lieferketten untersucht und ist zum Schluss gekommen:

  • Fünf grosse Unternehmensgruppen kontrollieren zwei Drittel der Raffinerien und des Exports.
  • Hunderte von Unternehmen und Unternehmensgruppen besitzen Mühlen und Plantagen, Hundertausende von unabhängigen Kleinbauern tragen zur Produktion bei, die grossen Exporteure kontrollieren jedoch nur einen kleinen Teil der Mühlen und Plantagen.
  • Die Raffinerien müssen daher Palmöl von ausserhalb ihrer eigenen Gruppe beziehen. Palmölversorgungsketten sind aber wegen ihrer Vielfalt und mangelnden Transparenz nur schwer aufzuzeigen.
  • Die Kapazität der Mühlen ist heute mehr als doppelt so gross wie die Produktion. Dies deutet auf grosse Wachstumspläne hin. Dafür sind Neupflanzungen nötig, was ein hohes Risiko für die Wälder ist.

Solange Palmölhändler keine Transparenz gewährleisten können, ist es den Konsumgüterherstellern und -einzelhändlern nicht möglich zu garantieren, dass ihre Lieferungen aus längst abgeholztem Urwald stammen.

Plantagen verändern das Klima – Erträge sinken

In den abgeholzten Gebieten ist die Temperatur gemäss einer Studie um 1,7°C höher als im Urwald, hingegen haben die Niederschläge abgenommen.

Douglas Sheil, Professor an der Norwegian University of Life Sciences sagt: „Die Ölpalme  ist am produktivsten, wenn die Luftfeuchtigkeit das ganze Jahr über konstant ist. Die Bedingungen, die wir sehen, sind tendenziell trockener und weniger gleichmässig, was die Erträge verringert.“

Geringere Erträge könnte die Forderung nach einer weiteren Ausweitung der Ölpalmenplantagen anregen, was zu Lasten von mehr Wald gehen und das Problem verschärfen würde.

Lieferanten führender Unternehmen für Waldbrände verantwortlich

Eine am 4.11.19 veröffentlichte Studie von Greenpeace Malaysia zeigt, dass die führenden Konsumgüterunternehmen Unilever, Mondelez, Nestlé und Procter & Gamble (P & G) sowie führende Palmölhändler wie Wilmar Palmöl von Produzenten kaufen, welche im Zusammenhang mit zahlreichen Bränden in Indonesien stehen. Alle Unternehmen kaufen Palmöl von Plantagen, welche wegen der Brände 2019 untersucht werden und gegen welche wegen der Brände 2015 bis 2018 gerichtliche Schritte eingeleitet wurden.

Mehr als zwei Drittel der Erzeugergemeinschaften, die am häufigsten mit wiederkehrenden Bränden in Verbindung gebracht werden, sind Mitglieder des Runden Tisches für nachhaltiges Palmöl (RSPO). Unilever, Mondelez, Nestlé und P & G werden von Palmölproduzenten beliefert, die zwischen 2015 und 2018 für 150’000 bis 190’000 Hektar verbranntes Land angeklagt sind. Wilmar, der weltweit grösste Palmölhändler, bezieht von Produzenten, welche verdächtigt sind, für 8’000 Brandherde im Jahr 2019 verantwortlich zu sein. Ähnlich hoch sind die Zahlen für die übrigen Grossen der Branche.

81% der Plantagen verstossen gegen Vorschriften

Eine Untersuchung der indonesischen Regierung hat ergeben, dass die überwiegende Mehrheit der im Land betriebenen Ölpalmenplantagen gegen eine Reihe von Vorschriften verstösst. Dazu gehören fehlende Genehmigungen, Eingriffe in Schutzgebiete und die Nichteinhaltung nationaler Nachhaltigkeitsstandards.

Schweizer Palmöl-Netzwerk sucht Nachhaltigkeit

Viele Schweizer Lebensmittelhersteller möchten nicht auf Palmöl verzichten und suchen nachhaltiges Palmöl. Einige haben ein „Palmöl-Netzwerk“ gegründet: Barry Callebaut AG, Coop Genossenschaft, Florin AG, Migros-Genossenschafts-Bund, Nestlé Suisse SA, Nutriswiss AG und Pro Fair Trade AG. Sie wollen das WWF-Label RSPO (Roundtable on Sustainable Palm Oil) glaubwürdiger machen. Das vom Bundesrat als „nachhaltig“ bezeichnete RSPO soll also „super nachhaltig“ werden.

„Nachhaltiges“ Palmöl aus Kolumbien oder Brasilien?

Bio Suisse glaubt, „die Lösung“ schon gefunden zu haben, denn z.B. COOP setzt auf „nachhaltiges“ Bio-Palmöl. Herkunftsländer für Bio-Knospe-Palmöl sind Kolumbien und Brasilien sowie Madagaskar. Wie genau man bei diesen Herkünften hinschauen darf, wird die Zukunft weisen. Heidi verweist auf ihren Artikel Von Cocain, Palmöl und Raps vom 23.9.15. Die massive Urwaldabholzung in Brasilien muss hier nicht im Detail aufgezeigt werden, denn sie ist regelmässig in den Medien.

Kolumbien: Am 28. Januar 2016 verabschiedete der Präsident Juan Manuel Santos ein umstrittenes Gesetz, das die Bildung von Zonen für ländliche, soziale und wirtschaftliche Entwicklung (ZIDRES) ermöglichen soll.

Neu für die landwirtschaftliche Produktion erschlossene Naturgebiete sind besonders gut für den Biolandbau geeignet, denn es gibt dort keine Pestizid-Altlast, Bio kann von Anfang an betrieben werden. Daher werden für Bio gerne bisher unberührte Gebiete unter den Pflug genommen, was bereits in den USA zu Kritik führte, ist aber auch in Osteuropa gang und gäbe.

Kritiker wie der Anwalt der Comisión Colombiana de Juristas (CCJ), Jhenifer Mojica, sagte: „Die Zonen, in denen die ZIDRES geplant sind, sind Regionen mit biologischer Vielfalt in denen das Land durch kleinbäuerliche Landwirtschaft mehr oder weniger erhalten wurde. Der Ölpalmenanbau hingegen leitet den Grundwasserspiegel um, verändert die Bodenzusammensetzung und führt Agrochemikalien wie Glyphosat in empfindliche, abgelegene ökologisch wertvolle Gebiete ein.“

In Kolumbien wird sehr viel Regenwald für den Anbau von Ölpalmen vernichtet. Hinter Indonesien, Malaysia und Thailand steht Kolumbien bereits auf Rang vier der Palmöl-produzierenden Länder.

… oder Madagaskar?

Gerne wird auf Afrika ausgewichen, wo auch China grosse Flächen für landwirtschaftliche Produktion erwirbt. Die für Palmölplantagen geeigneten Gebiete weisen eine hohe Artenvielfalt auf, dazu gehören auch Affen. Naturschützer machen sich besonders Sorgen für Afrikas Primaten. In Afrika gibt es fast 200 Affenarten, von denen viele bereits gefährdet sind. In Madagaskar sind 87% der Affenarten vom Aussterben bedroht.

Die Zerstörung von Lebensräumen ist einer der Hauptgründe, weshalb alle Menschenaffen vom Aussterben bedroht sind. Die Einführung von Palmölplantagen in Afrika dürfte den Verlust ihres Lebensraums beschleunigen.

Es gäbe noch viel zu schreiben, aber Heidi macht hier einen Punkt und meint:

„Zu viele PolitikerInnen folgen dem Ruf des Geldes, eingeflüstert von InteressenvertreterInnen. Es wird eng auf der Erde. Wirklich „NACHHALTIGES“ Palmöl zu finden, das dürfte schwierig sein.“

Haben Sie das Referendum „Stop Palmöl“ schon unterschrieben?

Leserbrief vom 16.2.20: Ich fuhr vor etwa 20 Jahren durch Borneo, durch kilometerweite Aschenfelder. Alle ca. 200 Meter wurde ein knapp grüner Baum stehen gelassen, damit die Waldgeister und andere Geister noch einen unbehelligten Rückzug- und Schlafplatz haben … Das ist kein Witz, leider hatte ich auf dieser Reise keine Kamera dabei, aber ich sehe dieses erbärmliche Bild immer noch in meiner Erinnerung. 

Corporate ownership and dominance of Indonesia’s palm oil supply chains. Trase, Auriga, The University of California, Santa Barbara, Januar 2020.

Less rainforest, less rain: A cautionary tale from Borneo. Mongabay 23.4.19

81% of Indonesia’s oil palm plantations flouting regulations, audit finds. Mongabay 25.8.19

Burning down the House: How Unilever and other global brands continue to fuel Indonesia’s fires. Greenpeace Malaysia 4.11.19

Dossier: Palmöl und die Freihandelsabkommen mit Malaysia und Indonesien. August 2018

Palmöl-Nachhaltigkeit soll geölt werden. alimenta 11.2.20

Nachhaltiges Palmöl. COOP

How Colombia became Latin America’s palm oil powerhouse. Mongabay 31.5.18

Palmöl – das grüne Erdöl, Faszination Regenwald

Palm oil: A new threat to Africa’s monkeys and apes? BBC 14.8.18

Die Nachhaltigkeit im Handelsabkommen mit Indonesien mit besonderem Fokus auf die Regulierung des Palmöl‐Imports. Dr. iur. Elisabeth Bürgi Bonanomi, Rechtsanwältin Senior Research Scientist Dozentin Nachhaltigkeit & Recht Centre for Development and Environment CDE Universität Bern. 15.3.19

Der Palmöl-Boom in Indonesien: Zur PolitischenÖkonomie einer umkämpften Ressource. Alina Brad, transcript Edition Politik 2019, ISBN: 978-3-8394-4757-4

Dossier: Palmöl – ein Alltagsprodukt mit Schattenseiten. Brot für Alle, 3/2017

THE GREAT PALM OIL SCANDAL. LABOUR ABUSES BEHIND BIG BRAND NAMES. Amnesty International 2016

Heidis Artikel über Palmöl

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Fleisch: Es weihnachtet sehr …

21. Dezember 2019
Copyright: Mathias

Copyright: Mathias

Nicht nur vor Weihnachten, das ganze Jahr über offerieren die Grossverteiler %-Fleisch. Welcher Anteil davon aus der Schweiz stammt, welcher aus dem Ausland, das weiss Heidi nicht. Es ist aber klar, dass Fleisch ein veredeltes Produkt ist. Die Produktion benötigt viel Wasser, Hilfsmittel und Land. Beim importierten Fleisch kommen noch die Transportkosten hinzu. Ob Flugzeug oder Schiff, die Umweltverschmutzung ist hoch.

Was viele immer noch nicht wissen: Feedlots!

Quelle Kassensturz SRF 15.1.19: In so genannten Feedlots bekommen Mastrinder in Übersee statt Weidegras vor allem Getreide. Das ist für Rinder nicht artgerecht.

  • Die Schweiz importiert rund einen Fünftel des Rindfleisches. Ein grosser Teil davon kommt aus Südamerika, USA oder Australien.
  • Dort werden Rinder in den letzten Monaten häufig in sogenannten Feedlots gemästet: Viehgatter ohne Zugang zu Weiden.
  • Statt mit Gras werden sie hauptsächlich mit Kraftfutter gemästet – eine artfremde Fütterung, die Krankheiten begünstigen kann.
  • Fleisch aus Feedlots muss nicht deklariert werden. Die Konsumenten erfahren also nicht, ob das Fleisch aus solcher Haltung stammt.

Feedlots in Übersee Ungesunde Mastform für Premium-Rindfleisch, SRF 15.1.19

Bilder von Feedlots

Umweltverschmutzung durch Schiffe

Quelle Umweltbundesamt D: Beim Vergleich mit anderen Verkehrsträgern müssen verschiedene Umweltwirkungen berücksichtigt werden, somit ist die Frage nicht pauschal zu beantworten.

Beispielweise ist der Ausstoss an Kohlendioxid (CO2) pro transportierter Tonne Ware auf einem grossen Schiff deutlich geringer als beispielsweise bei dem Transport per Lkw oder Flugzeug. Jedoch liegen die Emissionen von Luftschadstoffen – wie Russ oder Schwefeldioxid – weit höher. Auch ist die Schifffahrt mitverantwortlich für Müllteppiche auf dem Meer, Öl am Strand oder das Einschleppen fremder Tier- und Pflanzenarten.

Wie umweltfreundlich ist der Transport mit einem Seeschiff? Umweltbundesamt Deutschland

Der Weihnachtsbraten

Die Festtage sind auch Genusstage. Man darf sich durchaus Fleisch leisten, aber bitte aus tierfreundlicher und umweltschonender Haltung aus der Nähe. Es muss ja nicht immer ein viel begehrtes Filet sein. Die wertvollsten Stücke werden zu dieser Zeit massenhaft gekauft. Sogar Siedfleisch darf auf den Weihnachtstisch, ist es doch – zusammen mit all dem Gemüse gekocht – sehr schmackhaft. Und wer Eier konsumiert, sollte ab und zu ein Suppenhuhn zubereiten, denn sonst landen diese im Müll oder der Biogasanlage. Wieso nicht ein Suppenhuhn am Fest der Liebe?

Bereiten wir uns auf die Festtage vor, lassen wir uns nicht durch die %%%%%%% verführen!

Gefährliche Weihnachtszeit – wie das Fest der Liebe Ihrem Herzen zusetzt, NZZ 17.12.18

Suppenhuhn: Rezept von Annemarie Wildeisen

Quelle A.W.: „Vor 20 Jahren noch in jeder noch so kleinen Grossverteilerfiliale erhältlich, ist die Nachfrage nach Suppenhühnern in der Ära von Fertiggerichten und Zeitnot stark zurückgegangen … Aufgrund fehlender Nachfrage werden Suppenhühner nach dem Schlachten oft als Fleischabfall entsorgt. Schade, denn für eine Suppe kommt ein Poulet geschmacklich nie an ein Suppenhuhn heran!

Suppenhuhn, Annemarie Wildeisen

Hühnersuppe gegen Erkältung und Bluthochdruck, Heidis Mist 14.12.11

Probleme verschieben statt lösen … nicht nur beim Palmöl

2. Februar 2019
Kuchenteig mit Schweizer Butter, Bio-Haselnüsse von Gebana, Kirschen aus dem Garten.

Kuchenteig mit Schweizer Butter, Bio-Haselnüsse von Gebana, Kirschen aus dem Garten.

Das Palmöl-Problem ist nur eines von vielen. Man schiebt es im eigenen Interesse im Kreis herum, eine Lösung ist in weiter Ferne. Heidi achtet beim einkaufen auf palmölfrei und verwendet für Gebäcke wie Zopf, Teig für Frucht- und Gemüsewähen sowie Guetzlis Schweizer Butter, dies obwohl sie weiss, dass Ölpalmen pro Fläche den höchsten Ertrag bringen. Eine gute Lösung? Eine schlechte Lösung?

Würde Heidi regelmässig solche Gebäcke essen, dann wäre auch Butter schlecht, denn das Problem für Gesundheit und Umwelt ist die Menge. Es sind die ungeheuren Mengen an Süssigkeiten und verarbeiteten Lebensmittel, die heute konsumiert werden! Wenn COOP in Zukunft Butter statt Palmöl für die Herstellung von Guetzlis verwendet, dann ist dies gut für die Bauern, denn sie produzieren zu viel Milch und subventionierte Butter wird zu Schleuderpreisen exportiert. Aber für die Umwelt sind die vielen Tiere schlecht.

Problem Stickstoffüberschüsse

Zitat aus dem Umweltbericht 2018 des Bundesrates, Seite 45: „Viele Umweltprobleme sind auf Stickstoffverbindungen zurückzuführen. Stickstoffüberschüsse belasten Böden, Gewässer, Meere und das Klima. Dies hat negative Folgen für die Biodiversität und die menschliche Gesundheit. Rund zwei Drittel des über die Luft eingetragenen Stickstoffs haben ihren Ursprung in der Landwirtschaft … Rund 70% der landwirtschaftsbedingten Ammoniakemissionen gehen auf die Rindviehhaltung zurück…“ Berichte schreiben allein genügt nicht, zum Handeln fehlt der Wille allenthalben. Und Deutschland hat diesbezüglich eine Klage der EU hängig.

Probleme ins Ausland verlagern

Anbaufläche für Ölpalmen in Indonesien zwischen 1961 und 2016: Die Grafik zeigt die Anbaufläche (in Quadratkilometern) für Ölpalmen in Indonesien von 1961 bis 2016. Die Auswertung erfolgte am 27.04.2018 mit Hilfe der Datenbank der FAO (FAOSTAT). Quelle: Faszination Regenwald.

Anbaufläche für Ölpalmen in Indonesien zwischen 1961 und 2016: Die Grafik zeigt die Anbaufläche (in Quadratkilometern) für Ölpalmen in Indonesien von 1961 bis 2016. Die Auswertung erfolgte am 27.04.2018 mit Hilfe der Datenbank der FAO (FAOSTAT). Quelle: Faszination Regenwald.

Also doch lieber Palmöl importieren und die Umwelt anderswo verschmutzen? Der Anbau von Palmöl in Indonesien und Malaysia usw. ist nur deshalb schon schwierig, weil die meisten Böden extrem flachgründig sind und daher grosse Düngermengen nötig sind. Gerne wird als Herbizid Paraquat eingesetzt. Das Mittel ist effizienter als Glyphosat, aber auch wesentlich toxischer; es darf bei uns und in vielen anderen Ländern schon lange nicht mehr eingesetzt werden. Quellen und Flüsse (Trinkwasser) werden verschmutzt, auch durch Abwasser der Palmölfabriken und Erosion, denn Urwald auf Hügeln wird abgeholzt, Strassen werden gebaut, Erosion ist vorprogrammiert.

Torfböden nutzen? Hier bestehen nicht nur dieselben Problem wie bei uns im Gemüseparadies Seeland, hinzu kommt die Luftverschmutzung durch das Abbrennen von Torf-Urwäldern, besonders wenn die Feuer ausser Kontrolle geraten, denn Torf ist auch ein Brennstoff. Torf wurde daher in der Schweiz früher abgebaut, davon zeugen noch viele Torfschober. Zudem reissen sich Konzerne das Land für den Anbau von Ölpalmen mit zweifelhaften Methoden unter den Nagel, nicht nur in Indonesien! Die Kleinbauern verschwinden nach und nach.

Also, „wo nötig“ Bio-Palmöl, wie das COOP für die Zukunft vorsieht? Aus Flächen, die vor 1994 gerodet wurden, damals als der Boom so richtig Schwung bekam. Und „wo immer möglich Bevorzugung von Kleinbauern-Kooperativen“, wie es im Projekt des Forschungsinstituts für biologischen Landbau (FiBL) heisst. Zurzeit gibt es weltweit insgesamt drei von Bio Suisse zertifizierte Palmölproduzenten. Diese bauen in Brasilien, Kolumbien und Madagaskar an, in Ländern also, welche noch keinen so schlechten Palmöl-Ruf haben wie Indonesien & Co., aber deswegen keinesfalls die bessere Wahl sind.

Die „COOP-Alternative“ löst aber weder das Mengen- noch das Wachstumsproblem. Diese Lösung dient in erster Linie dem Ruf des Grossverteilers bzw. dem Absatz von (billigeren) palmölhaltigen Produkten. Und wer „weiss“ schon, in welchen Produkten Palmöl „nötig“ ist.

Die Abholzung von Urwald geht aber unvermindert weiter, allen Beteuerungen zum Trotz.

  • Kolumbien: „Never mind cocain – big farming is far worse.“ sagt Liliana M. Dávalos, Assistenzprofessorin an der Stony Brook University in New York in einem Interview im New Scientist vom 8.8.15.
  • Brasiliens Amazonas: 7900 Quadratkilometer Regenwald binnen eines Jahres abgeholzt. Abholzung in einer Größenordnung, die jede Vorstellung sprengt: Regenwald auf einer Fläche von mehr als einer Million Fußballfelder wurde binnen eines Jahres im Amazonas vernichtet. Ein Grund: expandierende Landwirtschaft. Spiegel Online 24.11.18
  • Madagaskar: grösster Verlust an intakter Waldlandschaft: 18,5% von 2000 bis 2013, siehe Tabelle.
  • Gier nach Soja, Holz und Palmöl: In Brasilien, Madagaskar und Indonesien bringen vor allem der Verlust und die zunehmende Zerteilung ihrer Lebensräume die Primaten in Bedrängnis, so der Befund eines internationalen Forscherteams. Der südkoreanische Konzern Daewoo Logistics pachtet 1,3 Millionen Hektar anbaufähiges Land auf Madagaskar für einen Zeitraum von 99 Jahren, um dort Mais und Palmöl anzubauen und die Ernte nach Südkorea zu verschiffen.
  • Die Zahl der getöteten UmweltaktivistInnen war noch nie so hoch wie letztes Jahr. Stark steigt die Zahl jener, die brutal angegriffen werden, weil sie ihr Land gegen zerstörerische Landwirtschaft für den Palmölanbau verteidigen.

Allfällige gesellschaftliche Probleme von ausländischer Hilfe werden gerne ausgeklammert oder übersehen. So haben Europäer in Afrika Bauern gezeigt wie man Reis besser anbaut. Der höher Ertrag liess nicht auf sich warten und ermöglichte es einem Bauern, sich eine zweite Frau zu nehmen; die erste hatte ihm schon 13 Kinder geschenkt. Das hat Heidi kürzlich in der NZZ gelesen. Problem gelöst?

EAT-Lancet und das Pestizide-Problem

Agrarbericht 2016, Bundesamt für Landwirtschaft.

Agrarbericht 2016, Bundesamt für Landwirtschaft.

37 Experten der EAT-Lancet Commission haben drei Jahre an einer Lösung für die beste Ernährung für Gesundheit und Umwelt gearbeitet, denn „food is currently threatening both people and planet. Ähnliche Empfehlungen wurden längst schon von Greenpeace, Ernährungswissenschaftlern, Agroscope, FiBL usw. gemacht: Mehr Früchte, Gemüse, Körner, Nüsse, Knollen und sehr viel weniger Fleisch, Milchprodukte und Zucker.

Dadurch würde das Klimaproblem, das unsere ungesunde Ernährungsweise verursacht, teilweise entschärft. Was bedeuten z.B. mehr Früchte und Gemüse für die Verschmutzung der Umwelt mit Pestiziden? Mehr, mehr mehr …! Ausser wir ändern radikal die Art und Weise wie wir sie anbauen, denn beim Anbau von Früchten und Gemüsen werden heute besonders viele Pestizide eingesetzt und der Boden ist zeitweise unbewachsen, d.h. die Auswaschungs- und Abschwemmgefahr ist gross. Es genügt nicht „den Pestizideinsatz ein bisschen zu senken“ und finanzielle Anreize für die Bauern zu schaffen, wie das der Aktionsplan Pflanzenschutzmittel des Bundes vorsieht. Der Lancet-Eat-Wandel erfordert eine grundsätzliche Abkehr von der bisherigen nicht nachhaltigen Produktionsweise, wenn wir nicht zusätzliche Probleme schaffen wollen.

Auch die Gefahr der Grundwasserverschmutzung steigt wesentlich, wenn mehr Acker statt Grünland über dem Trinkwasser liegt. Ansätze für eine bessere Lebensmittelproduktion gibt es etwa im Biolandbau, der Regionalen Vertragslandwirtschaft, der Agrarforstwirtschaft, Permakultur … Echte Innovationen sind gefragt und die zwei Pestizid-Initiativen sind wichtige Treiber für Lösungen des bereits heute existierenden Verschmutzungsproblems.

Wie bringen wir das den Leuten bei?

Die täglichen Versuchungen am Eingang eines COOP-Ladens: Fleisch, "hausgemacht" verarbeitet, in viel Wegwerfplastik verpackt ...

Die täglichen Versuchungen am Eingang eines COOP-Ladens: Fleisch, „hausgemacht“ verarbeitet, in viel Wegwerfplastik verpackt …

Im EAT-Bericht heisst es, dass wir die KonsumentInnen davon überzeugen müssten, dass sie anders einkaufen und kochen, während die Bauern und Läden gesündere, nachhaltigere Lebensmittel produzieren und fördern müssten. Dass ein so radikaler Wechsel nicht von selbst kommt, wissen die Autoren des Berichts. Umwelt- und Gesundheitskosten müssten bei der Preisfestlegung berücksichtigt werden, indem man Steuern erhebe, was zu höheren Preisen führen könnte.

Schon bei Diskussionen um die Einführung einer Zucker-Steuer leuchten bei unseren PolitikerInnen und BundesrätInnen die Alarmglocken. CO2-Steuer? Ess-Steuer? Da sieht Heidi schon Wilhelm Tell ins Bundeshaus stürmen, die Armbrust geschultert, im Anhang eine Schar freiheitlicher Berater und in einigen Redaktionsstuben wären die Köpfe rot, während die Finger energisch auf die Tasten hauen, um solches zu verhindern.

In der Schweiz setzt man in solchen Fällen auf die mündigen und informierten KonsumentInnen, auch wenn dies illusorisch ist. Gerne schieben die Interessensvertreter diese Argumentation vor, obwohl sie sich in der Vergangenheit als nicht zielführend erwiesen hat. Also einzige Hoffnung: Die Vernünftigen handeln?

„Wir wissen wie wir 10 Milliarden Menschen ernähren“

World Scientists' Warning to Humanity: A Second Notice. BioScience 2017;67(12:1026-1028. Copyrigh The Author(s). Published by Oxford University Press on behalf of the American Institute of biological Sciences.

World Scientists‘ Warning to Humanity: A Second Notice. BioScience 2017;67(12:1026-1028. Copyrigh The Author(s). Published by Oxford University Press on behalf of the American Institute of biological Sciences.

Ernst Bromeis, der Wasserbotschafter, verliess 2015 nachdenklich die Expo Mailand und sagte zu seiner Familie: „Wir wissen wie wir in Zukunft 10 Milliarden Menschen ernähren werden. Wieso können wir heute nicht 7 Milliarden ernähren?“

Bevölkerungszuwachs

Heidi hat die aktuelle Weltbevölkerung am 2.2.19 um 14 Uhr nachgeschaut:
7 677 456 698 Menschen
Zuwachs 2018: 91 812 002 Menschen oder 1,22 Prozent. Gemäss Prognosen von Bevölkerungswissenschaftlern werden 2050 10 Milliarden Menschen leben, essen und sauberes Wasser trinken wollen. Der Iran ist nur ein Land, dem das Wasser ausgeht. Aber auch das weiss man schon lange!

Aktuelle Bevölkerung der Schweiz: 8 654 303 Menschen
Zuwachs Schweizer Bevölkerung 2018: 99 218 oder 1,16 %.
Prognose für 2050: 9 879 894 Menschen

Die Bevölkerung der Schweiz wuchs 2018 gleich schnell wie die Weltbevölkerung.

Heidis Fragen

Wie ernähren wir 11, 12 und mehr Milliarden Menschen? Wie wird dann unsere Erde aussehen? Wie sauber wird das Wasser sein? Werden wir noch genügend haben? Die Entscheidungsträger schlittern lieber von Krise zu Krise statt die sich abzeichnende Katastrophe zu mindern oder gar zu verhindern. Unabhängige PolitikerInnen braucht die Welt! Der Blick auf Wirtschaftswachstum und Börsenkurse reicht nicht für die Lösung der dringenden Probleme, der Verweis auf Lösungen in der Zukunft durch Innovation und Forschung auch nicht und die Hoffnung auf Künstliche Intelligenz, wo die eigene Intelligenz nicht mehr ausreicht, ist wenig realistisch. An Wunder glauben? Oder das heute Mögliche in Angriff nehmen?

Links

Coop will weniger Palmöl verwenden – und Migros? Coop will wieder Butter in seine Guetsli rühren. Und wo nötig, nur Bio-Palmöl nehmen. Migros setzt dagegen auf ein anderes Label. Isabel Strassheim, 20 minuten vom 5.7.18

Faktenblatt Kleinbauern Palmöl als Sackgasse für Kleinbauern in Malaysia und Indonesien, erarbeitet von Bruno Manser Fonds & Brot für alle im August 2018, unterstützt von zahlreichen Organisationen

Fokus auf Knospe-Palmöl im Regal und in der Forschung, FiBL, Nachricht vom 6.6.18

Borneo Road-Building Spree Among ‘World’s Scariest’ Environmental Threats, ALERT, Alliance of Leading Environmental Researchers & Thinkers, 28.1.19

Wenn der Torfwald brennt, DW vom 6.2.12

Von Cocain, Palmöl und Raps, Heidis Mist vom 23.9.15

Brasiliens Amazonas 7900 Quadratkilometer Regenwald binnen eines Jahres abgeholzt, Spiegel Online vom 24.11.18

Primates in peril: the significance of Brazil, Madagascar, Indonesia and the Democratic Republic of the Congo for global primate conservation, PeerJ – Life & Environment, 15.6.18

Halb Madagaskar zum Nulltarif! Die Presse vom 28.11.8

Deadliest year on record for land and environmental defenders, as agribusiness is shown to be the industry most linked to killings, Global Witness vom 24.7.18

Heidis Artikel über Palmöl

Umweltbericht 2018 des Bundesrates

Nitrateinträge durch Landwirtschaft weiterhin großes Problem, gemeinsame Presseinformation Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), Aktion Agrar, Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Deutsche Umwelthilfe, Deutscher Naturschutzring, Germanwatch, Greenpeace, GRÜNE LIGA, NABU – Naturschutzbund Deutschland und der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft ver.di., 31.1.19

EAT-Lancet Commission Summary Report. This report was prepared by EAT and is an adapted summary of the Commission Food in The Anthropocene: the EAT-Lancet Commission on Healthy Diets From Sustainable Food Systems.

World Scientists’ Warning to Humanity: A Second Notice, ioScience, Volume 67, Issue 12, 1 December 2017, Pages 1026–1028

Wasserknappheit im Iran Den Ajatollahs geht das Wasser aus, SRF 10vor10 vom 1.2.19

Die hausgemachte Katastrophe. Iran geht einer Umweltkatastrophe entgegen, die das Land irreversibel verändern wird. JOURNAL21 vom 11.9.15

Weltbevölkerungsuhr

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Heidis Wort zum Sonntag: Wir wollen den Schwarzen Peter nicht!

4. Februar 2018
Wir KonsumentInnen können den Schwarzen Peter oft gezielt weitergeben ... Augen und Ohren auf!

Wir KonsumentInnen können den Schwarzen Peter oft gezielt weitergeben … Augen und Ohren auf!

Wenn es um Nachhaltigkeit, RSPO, Konsum, Ökologie, Tierschutz, BTS, Pflanzenschutz, Welthandel usw. geht, dann schiebt man uns gerne den Schwarzen Peter zu: „Die Konsumenten wollen das!“ In Wirklichkeit manipuliert man die Konsumenten so gut es eben geht und lässt die Kasse klingeln.

„Die Konsumenten sind mündig!“, heisst es etwa, wenn Krankheitsprävention gefördert werden sollte: Tabak, Zucker, Fett, Alkohol, Mobilität usw. Oder wenn es um Wachstum geht: „Davon profitieren auch die Armen, besonders in den Drittweltländern.“ Allgemein herrscht die Meinung: „Die Konsumenten sind gut informiert.“ Wirklich?

  • Die Kartoffellager sind wegen der guten Ernte 2017 reichlich gefüllt. Doch die Konsumenten verlangen Frühkartoffeln (Milchhändler importiert Kartoffeln), Bauernzeitung vom 26.1.18). Import kommt z.B. aus Israel, wo das Grundwasser stetig sinkt. Frühkartoffeln bringen dem Handel eine gute Marge.
  • Schauen wir uns ein paar „mündige“ Konsumenten an! 30% Rabatt auf Nutella:
    VIDEOS – Scènes d’émeute pour du Nutella en promotion dans des supermarchés. In einem Video hört man eine Frau schreien: « Ma grand-mère est en train de se faire écraser pour du Nutella ! » Man wird uns sagen: Bei uns wäre das nicht möglich.
  • „Die Konsumenten wollen immer mehr Fleisch essen“, heisst es. Wir zahlen Steuern für die Fleischwerbung von Proviande. Aktionen – so scheint es wenigstens Heidi – gibt es besonders häufig bei Fleisch: 30%, 40%, 50% … Die billigsten Fleisch- und Wurstwaren von Migros, Coop, Spar, Aldi … findet man bei Aktionis.ch. Was billig angeboten wird, das wird auch gekauft. Von einem Einkaufszentrum ins andere fährt der gut informierte Konsument. Das Auto steht bereit! Oder der Bus fährt alle 15 Minuten.
  • Grosse Flächen Urwald sind schon abgeholzt, also wird es bald nur noch „nachhaltige“ Soya und „nachhaltiges“ Palmöl geben bzw. weitere „nachhaltige“ Produkte wie Quinoa … aus fernen Ländern. Also kein Grund zur Änderung unseres Konsumverhaltens!
  • Die Containerschiffe aus China brauchen für den Rückweg Ballast. Daher ist es „umweltschonend“, wenn wir Güter nach China schicken. Der Holztransport von Zürich nach Basel ist teurer als jener von Basel nach China. Zwar sind Christbaum-Kerzenhalter von COOP aus China unbrauchbar, da sie kein Gelenk haben für die vertikale Ausrichtung der Kerzen. Aber es ist vermutlich möglich, Christbäume in China für den Import in die Schweiz zu züchten, welche exakt horizontale Äste haben. Analoges gilt auch für z.B. den Lufttransport von Erdbeeren aus Kalifornien.

Die Liste lässt sich beliebig verlängern … der Schwarze Peter bleibt bei uns. Wollen wir ihn? Wir können Einfluss nehmen: Auf die modischen Nutella-Berliner verzichten, unsere Einkaufsgewohnheiten langsam aber sicher ändern. Es muss ja nicht so karg sein wie früher, als auch bei uns die Wenigverdienenden sich sehr wenig leisten konnten.

Vieles, was man uns als nachhaltig anpreist, ist es nicht. Je häufiger die Profiteure ihre Slogans wiederholen und dabei an Marge und Gewinn denken, desto mehr glauben sie selber daran. Schicken wir den Schwarzen Peter zurück an Verantwortliche, Marketing-Psychologen, Politiker, den Bundesrat …

Verkaufspsychologie kann nützlich sein

Das Design von Läden ist nicht neutral. Die Detailhändler wissen wie sie die Kunden dazu bringen, bestimmte Produkte zu kaufen und v.a. viel zu kaufen. Sie nutzen die Schwächen der Kunden hemmungslos aus.

Läden könnten die Kunden aber auch so manipulieren, dass es zu deren Vorteil ist, z.B. dass sie gesündere Lebensmittel kaufen und die Umwelt geschont wird. Psychologen, Marketing-Experten und einige Läden haben diese Idee getestet, siehe Video How your supermarket could manipulate you for your own good, BBC vom 26.1.18 sowie folgenden Beitrag zum Thema Healthy eating: The mind games of supermarket, BBC vom 9.9.14.

1950er Jahre: Die Freude von Kindern an Süssigkeiten

Heidi hat kürzlich von Martina ein paar Aufsatzhefte aus den 1950er Jahren erhalten. Hier ein Zitat:

Am Montag durften wir von 8-10 Uhr Baden gehen. Margrit, Vreni und ich mussten laufen. Als wir bei Schmids ankamen, fragte uns Frau Schmid, ob sie uns eine Bestellung für Beck Arnold mitgeben könne. Wir sagten: „Wir gehen schon dort hin.“ Da gab sie uns die Bestellung und einen Bonbon. Den Bonbon schleckten wir gerne in der Hitze. Als wir bei Arnolds die Bestellung abgaben, bekamen wir wieder einen Bonbon. Den ersparten wir auf den Heimweg …

Süssigkeiten waren damals selten. Dafür war jeweils die Freude gross, wenn die Kinder etwas Besonderes erhielten, eine Tafel Schokolade zum Geburtstag oder Lebkuchen vom Samichlaus. Heute will man gar den Chinesen das Schoggi-Essen schmackhaft machen, meist mit Palmöl drin.

Konventionelle Milchbäuerin sagt: Wir haben es satt!

"Wenn ich mit Natur-, Tier- und Umweltschützern rede, dann merk' ich sehr schnell, dass wir alle gemeinsam in einem Boot sitzen, denn wir alle leiden unheimlich unter einem System, das da heisst: immer billiger und immer mehr" Kirsten Wosnitza. Copyright: Wir haben es Satt!

„Wenn ich mit Natur-, Tier- und Umweltschützern rede, dann merk‘ ich sehr schnell, dass wir alle gemeinsam in einem Boot sitzen, denn wir alle leiden unheimlich unter einem System, das da heisst: immer billiger und immer mehr“ Kirsten Wosnitza. Copyright: Wir haben es Satt!

Klare Worte spricht Kirsten Wosnitza an der Veranstaltung Wir haben es satt in Berlin. Sie ist konventionelle Milchbäuerin und Sprecherin des Landesteams Schleswig-Holstein des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter (BDM). Applaus ist ihr sicher. Hören Sie, was diese engagierte Frau Ihnen zu sagen hat: Wir haben es Satt 2018 – Kirsten Wosnitza.

Wo hört der Fortschritt auf, wo beginnt der Rückschritt – global gesehen?

FOKUS: Der Tod ist Teil des Geschäfts. Marcel Niedermann und Rachel Honegger, SRF 10 vor 10 vom 2.2.18

Strafanzeige wegen Tierquälerei: „…Oder anders formuliert: Die Tierrechtler wollen ein System kippen, von dem selbst Landwirte sagen, dass sie sich zuerst daran gewöhnen mussten.“ Bauernzeitung vom 3.2.18

Beschwerde gegen Palmöl-Label von Migros und Coop, Tagesanzeiger vom 28.1.18

Oil Palm and Coconut Under Threat, Authorities Say. EMTV vom 25.1.18

Heidis Artikel zu Palmöl

Schweizer Rohstoff-Export – Asiaten wollen mehr Schweizer Holz. Matthias Heim, Tagesanzeiger vom 6.5.17

God’s giant miracle carrots, BBC vom 27.1.18

Werbepsychologie, Wikipedia

4.2.18 HOME

Cypermethrin oder der Glaube der Ämter an ihre Anforderungswerte

14. Dezember 2017
Bildschirmfoto 14.12.17 zu Cypermethrin/Insektizid von Sintagro. Quelle: Pflanzenschutzmittelverzeichnis Bundesamt für Landwirtschaft.

Bildschirmfoto 14.12.17 zu Cypermethrin/Insektizid von Sintagro. Quelle: Pflanzenschutzmittelverzeichnis des Bundesamt für Landwirtschaft.

Das Bundesamt für Umwelt (BAFU) will Anforderungen an die Wasserqualität von oberirdischen Gewässern anpassen: nach oben und nach unten. Die in der Vernehmlassung vorgeschlagenen Werte sind z.T. sehr „genau“, dies obwohl die Basisdaten kaum eine solche Genauigkeit aufweisen dürften. Etwa ist für S-Metolachlor ein Wert für die chronische Belastung von 0,69 μg/l angegeben. Ob soviel Präzision kann man sich verneigen oder dies als vorgetäuschtes „Wissen“ beiseite legen. So ein Unsinn, meint Heidi!

Aus Oberflächengewässern werden 20% des Trinkwassers gewonnen. Und Oberflächengewässer speisen das Grundwasser!

Cypermethrin: COOP geht weiter als der Bund

Gelesen in der Bauernzeitung vom 13.2.17: „Coop gehe beim Einsatz von Pestiziden «bedeutend weiter, als dies der Bund fordert», sagt Mediensprecherin Andrea Bergmann. In der Schweiz sei der Einsatz von Methomyl und Zeta-Cypermethrin gesetzlich erlaubt. Diese Wirkstoffe würden jedoch von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) «als highly hazardous» eingestuft, d.h. «hochgefährlich» für die Gesundheit des Menschen. «Aus diesem Grund verbietet Coop deren Einsatz», so Bergmann.“

Für die Gemüseproduzenten ist das unverständlich.

Cypermethrin von Sintagro ist gemäss Pflanzenschutzmittelverzeichnis des Bundesamts für Landwirtschaft (BLW) für 73 Kulturen bzw. gegen 24 Schädlinge zugelassen. Die Reaktion der Bauern auf das COOP-Verbot zeigt, dass dieses Mittel häufig eingesetzt wird.

Der neue Anforderungswert für Cypermethrin in oberirdischen Gewässern beträgt 0,00044 μg/l oder bei chronischer Belastung 0,00003 μg/l). Was geschieht wohl, wenn 0,00045 μg/l gemessen werden? Vielleicht muss man zu diesem Thema Pro Natura befragen, heisst es doch in deren Medieninformation Starke Verschmutzung des Doubs eindeutig bewiesen vom 30.3.17: „Bei Morteau wurden Cypermethrin-Belastungen bis zum 1,5-fachen des Grenzwerts gemessen.“ Verglichen mit den vom BAFU vorgeschlagenen Anforderungswerten dürften die Überschreitungen das Tausendfache und mehr der neuen Werte betragen.

Beruhigungspille für die Bauern, nicht aber für die Konsumenten

Kontrollen gibt es nur wenige, denn das käme viel zu teuer. Nur schon die zahlreichen Wirkstoffe, welche zugelassen sind, und erst recht die verschiedenen Formulierungen mit unterschiedlicher Toxizität setzen dem Datenhunger Grenzen. Untersucht wird eine Auswahl von Stoffen, die im entsprechenden Gewässer „erwartet“ werden.

Für die KonsumentInnen nicht unbedingt beruhigend sind ein paar Sätze, die Heidi in der Weisung des Bundesamts für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) zur  Verordnung des EDI über Trinkwasser sowie Wasser in öffentlich zugänglichen Bädern und Duschanlagen (TBDV) gelesen hat:

Fall 1: In der Regel Risiko für die Gesundheit

Bei einer Überschreitung der Höchstwerte folgender Stoffe, die im Anhang 2 festgelegt sind, ist in der Regel von einem Risiko für die Gesundheit auszugehen (Fall 1):“ Es folgt eine Liste von 21 Stoffen, darunter Arsen, Blei, Cadmium usw. Pestizide werde keine aufgeführt. „In diesen Fällen müssen Massnahmen zur möglich raschen Wiederherstellung des gesetzlichen Zustandes angeordnet werden. Die verantwortliche Person des Betriebs soll dazu verpflichtet werden, die Ursachen der Kontamination abzuklären.

Die Besonderheit beim Trinkwasser besteht darin, dass in der Regel nicht empfohlen wird, die Versorgung eines Wassernetzes vollständig zu unterbrechen – auch wenn das Wasser die Gesundheit gefährdet und nicht konsumiert werden darf. Ausnahmeregelungen können für einen definierten Zeitraum verhängt werden, wobei die Dauer der Massnahmen vom Risiko für die Gesundheit abhängt, das die Überschreitung darstellt. Wenn es keine Alternative gibt, besteht die wichtigste Massnahme darin, die betroffene Bevölkerung zu warnen und das Netz mit genusstauglichem Wasser zu reinigen, um die Kontamination unter den Höchstwert zu senken.

Fall 2: Nicht in jedem Fall ein Risiko für die Gesundheit

Für Höchstwerte des Anhangs 2, die für Stoffgruppen wie „Pestizide“ oder „organische chemische Verbindungen mit unbekannter Toxizität aber bekannter chemischer Struktur“ festgelegt sind, besteht bei einer Überschreitung nicht in jedem Fall ein Risiko für die Gesundheit (Fall 2). Es muss im Einzelfall eine eingehende Beurteilung des spezifischen Stoffes in Einbezug des BLV erfolgen.“ Für einzelne Pestizide gilt generell ein Höchstwert von 0,1 µg/l, für die Summe aller Pestizide sind es 0,5 µg/l.

Gibt es noch Fragen? Heidis Feststellung: Der Wille zum Verschleiern ist gross, jener zum Handeln klein. Bei jeder einzelnen Höchstwertüberschreitung (so sie gemessen!) müsste also zusammen mit dem BLV die Lage eingehend beurteilt werden. Das ist viel Arbeit!

Zu viele Pestizide im Schweizer Trinkwasser. Das Schweizer Hahnenburger ist gefährdet. Gemäss den Wasserversorgern weist jede fünfte Trinkwasserfassung eine zu hohe Konzentration auf. Tagesanzeiger vom 18.6.17.

14.12.17 HOME

Kenia: Langzeitstudie widerlegt Klischee „Bio nicht effektiv“

13. Juli 2016
Wie lang ist der Maiskolben? Das Projektteam sammelt Daten zur Produktivität auf dem SysCom-Versuchsfeld in Chuka (Foto: Peter Lüthi, Biovision).

Wie lang ist der Maiskolben? Das Projektteam sammelt Daten zur Produktivität auf dem SysCom-Versuchsfeld in Chuka (Foto: Peter Lüthi, Biovision).

Ein Leser hat Heidi den Link zu einem gestern erschienen Artikel von watson zugestellt. Danke! Er passt hervorragend zu Heidis Artikel Zentrum Paul Klee: Ein Kunstmuseum mit Acker, Bienen, Biodiversität… vom 10.7.16. Nachfolgend ein paar Zitate, doch es lohnt sich den ganzen Artikel zu lesen. Darin ist auch ein Video über die Push-Pull-Methode eingebettet.

„… Bio ist zwar gut und recht, aber leider nicht effektiv. So lautet das gängige Klischee, auch unter Experten …

… Doch auch führende Experten können sich irren. Das zeigen die Resultate einer Langzeitstudie, die vom Forschungsinstitut für biologische Landwirtschaft (FiBL) in Kenia in Zusammenarbeit mit dem staatlich-kenianischen Agroforschungsinstitut ICIPE durchgeführt wurde. Unterstützt wurde die Forschung von Biovision, einer Stiftung für ökologische Entwicklung (siehe Kasten), aber auch vom Eidgenössischen Departement für Entwicklungszusammenarbeit (Deza), dem liechtensteinischen Entwicklungsdienst und von Coop …“

Lukas Rüttimann, Deza:  „Die konventionelle Landwirtschaft hat das Hungerproblem nicht gelöst. Für uns hat die organische Landwirtschaft das grösste Potenzial für die Zukunft.“

Wie diese kleinen Biobauern die industrielle Landwirtschaft abhängen – in JEDER Hinsicht, watson 12.7.16.

Biologische Landwirtschaft gleichauf mit konventionellen Anbaumethoden in den Tropen, Medieninformation FiBL vom 30.6.16.

13.7.16 HOME

Theoretisch sind Grundwasser, Bäche und Flüsse gut geschützt

29. Januar 2016

Heidi hat den Geissenpeter eingeladen. Sie möchte ihm zeigen wie gut die Gewässer eigentlich geschützt sind, auch vor Verschmutzungen aus der Landwirtschaft. Wenn nur die Vorschriften eingehalten würden!

Heidi: „Im Gewässerschutzgesetz (GSchG) ist Grundsätzliches geregelt. Wenn das Grundwasser oder das Wasser in einem Bach nicht mehr naturnah ist, dann hat jemand mindestens einen Gesetzesartikel übertreten. Ein Indiz für eine durch Menschen verursachte Verschmutzung ist das Überschreiten eines Anforderungswerts an die Wasserqualität. Diese Werte – das weisst du schon – findest du im Anhang 2 der Gewässerschutzverordnung (GSchV). Ich zeige dir nur diejenigen Artikel, welche die Landwirtschaft besonders betreffen.

Die zuständige Behörde muss bei Überschreitung eines Anforderungswerts das Warnsignal beachten und handeln. Das steht deutsch und deutlich in der Gewässerschutzverordnung, nämlich im Art. 47 und im Anhang 4 Ziffer 212. Tut sie das nicht, setzt sie die Sicherheit des Trinkwassers aufs Spiel und gefährdet die Lebensgemeinschaft im entsprechenden Gewässer.“

Peter: „Wenn ich das so höre, scheint mir, dass unsere Behörden ziemlich risikofreudig sind. Könnte man sie nicht einklagen, so wie das in Dänemark beim unzureichenden Klimaschutz geschehen ist?“

Heidi: „Schon möglich. Man müsste es einmal probieren: Klage gegen eine säumige Behörde. Das tönt spannend. Suche mir doch einen Sponsor, dann mach‘ ich das! Aber fangen wir jetzt mit dem gratis Nachschlagen im GSchG an, denn für eine solche Klage braucht es einen tüchtigen Anwalt und Geld!“

Peter: „Halt! Ich habe noch eine Frage: Wie wissen die Behörden, ob ein Gewässer verschmutzt ist, wo doch längst nicht alle Bäche untersucht werden?“

Heidi: „Natürlich ist auch dies ein Problem. Die Ämter müssten diesbezüglich viel mehr tun. Doch wer zahlt das? Überall wird gespart, auch bei den Behörden, ausser beim Subventionieren der Landwirtschaft!

Die Sorgfaltspflicht gemäss Art. 3 GSchG gilt für jedermann. Wenn wegen Verschmutzungen Massnahmen nötig sind, muss gemäss Art. 3a der Verursacher die Kosten dafür tragen.“

Peter: „Wie findet man den Schuldigen, wenn das Grundwasser durch Pflanzenschutzmittel oder Nitrat verschmutzt ist?“

Heidi: „Ja eben, das wäre mit Aufwand verbunden und unangenehm, also bezahlt oder leidet die Allgemeinheit. Man müsste die landwirtschaftliche Praxis hinterfragen und ändern.

Es ist gemäss Art. 6 verboten, Stoffe, die Wasser verunreinigen können, in Gewässer einzubringen oder sie versickern zu lassen. Solche Stoffe dürfen aber auch nicht ausserhalb eines Gewässers ausgebracht oder abgelagert werden, wenn die Gefahr besteht, dass das Gewässer verschmutzt wird. Solche Stoffe können Mistwasser von Misthaufen auf dem Feld oder Siloballensaft sein. Im Anhang 2 GSchV Absatz 11 f steht zudem, dass die Wasserqualität so beschaffen sein muss, dass Stoffe, die durch menschliche Tätigkeit ins Gewässer gelangen, die Fortpflanzung, Entwicklung und Gesundheit empfindlicher Pflanzen, Tiere und Mikroorganismen nicht beeinträchtigen.

Das ist zwar einleuchtend, aber du weisst besser als ich, dass dieses Verbot von deinen KollegInnen häufig übertreten wird. Auch systematisch übertreten, nicht nur in Graubünden! Zwar können Unfälle passieren, aber was da so alles unter „Unfall“ läuft, das kenne ich zur Genüge.“

Peter: „Wieso steht hier nichts über das Pflanzenschutzmittel- und Düngerverbot an Bächen?“

Heidi: „Die Pufferstreifen sind in der Chemikalien-Risikoreduktions-Verordnung geregelt. Für Pflanzenschutzmittel im Anhang 2.5, für Dünger im Anhang 2.6. Zusätzlich gilt Art. 41c GSchV Extensive Gestaltung und Bewirtschaftung des Gewässerraums. Doch Art. 41 wird laufend verwässert und torpediert, ist also umsetzungsmässig im Moment nicht besonders aktuell.

Art. 14 GSchG enthält verschiedene Vorschriften für die Nutztierhalter. Anzustreben ist etwa eine ausgeglichene Nährstoffbilanz. Peter, erlaube mir die Bemerkung, dass beim Bilanzieren leicht gemogelt werden kann, z.B. kauft ein Bauer Futter oder Dünger zu, aber gibt dies in der Bilanz nicht an!

Peter: „Ich weiss! Das stört selbst gewisse Kontrolleure. Ich kenne ein zuständiges Amt, dem Wille und Mut fehlen, den Kontrolleuren strengeres Durchgreifen im Allgemeinen zu ermöglichen. Zudem ist es ihnen oft verwehrt, die Direktzahlungen zu kürzen. Aber Direktzahlungen sind schliesslich Steuergelder! Darum können sie die Bauern, welche betrügen, nicht zur Rechenschaft ziehen. Das schadet dem Ruf der Kontrolleure, unserem Ruf, der Umwelt und dem Vertrauen in den ÖLN (Ökologischer Leistungsnachweis).“

Heidi: „Da übertreibst du wohl gewaltig. Was kann eurem Ruf schon schaden?! Einen Teil eurer Werbung zahlen wir mit Steuergeldern und COOP und Migros helfen wacker mit. Nicht nur deshalb meide ich die Grossverteiler! Und dann wird die Bilanz systematisch überzogen: 110% sind erlaubt. Zwar gibt’s jetzt sanftes Gegensteuer für Problemgebiete und -betriebe (Anhang 1, Absatz 2.1.6 und 2.17 Direktzahlungsverordnung), aber so schnell verschwinden Traditionen in der Landwirtschaft nicht.

Vorgeschrieben ist auch die erforderliche Hofdünger-Lagerkapazität, die mindestens drei Monate betragen muss. Weil dies zu wenig ist, schreiben verschiedene Kantone für Neubauten fünf Monate vor, was auch der Empfehlung in der Vollzugshilfe Baulicher Umweltschutz für das Talgebiet entspricht, sechs Monate für das Berggebiet, dies wiederum entspricht der allgemeinen EU-Vorschrift.

Eine ausreichende Kapazität ist wichtig zum Schutz der Gewässer. Auch heute noch wird Gülle und Mist auf Schnee, gefrorenen oder nassen Boden ausgebracht. Entsprechende Anzeigen landen gerne in Amtsschubladen, wo sie verstauben. Das passiert besonders häufig in Kantonen, in welchen die Verantwortung für den Gewässerschutz Landwirtschaft beim Landwirtschaftsamt angesiedelt ist, wie in Graubünden, was eigentlich ein No-Go ist.“

Peter: „Fritz feierte letzte Wochen den 50. Geburtstag. Ich war eingeladen. Er sagte: ‚Ich darf meinen Mistsickersaft und das Milchzimmerabwasser in den Bach leiten. Das ist Gewohnheitsrecht!‘ Hans doppelte nach: ‚Ich mache das mit den Laufhofabwasser genauso, denn meine Güllegrube ist zu klein.‘ Stimmt das? Gilt auch Gewohnheitsrecht?“

Heidi: „So ein Unsinn! Das Wasser muss sauber bleiben. Es versickert teilweise ins Grundwasser oder dient anderen Leuten im Tiefland als Trinkwasser.

Peter:Art. 27 GSchG über die Bodenbewirtschaftung lese ich gleich selber: ‚Böden sind entsprechend dem Stand der Technik so zu bewirtschaften, dass die Gewässer nicht beeinträchtigt werden, namentlich nicht durch Abschwemmung und Auswaschung von Düngern und Pflanzenbehandlungsmitteln.‘ Tönt gut, aber was genau ist der Stand der Technik?“

Heidi: „Ehrlich gesagt, das weiss ich auch nicht. Wenn ich so uralte rauchende Gefährte von Nebenerwerbsbauern umher fahren sehe, Pestizid-Wolken oder Gülleschwaden Richtung Wald und Bächlein driften, das Regenwasser in den Fahrspuren auf Feldern liegen bleibt …

Du hast aber Art. 15 übersprungen, Erstellung und Kontrolle von Anlagen und Einrichtungen. Wie ich aus zuverlässiger Quelle weiss, hat – nur etwa drei Kantone ausgenommen – kein Kanton die Prüfung der bestehenden Anlagen abgeschlossen. Die Umsetzung der Dichtigkeitsprüfung von Hofdüngeranlagen ist in den meisten Kantonen erst in der Planungs- oder Testphase. Und es soll auch Kantone geben, wo sie noch gar nicht an die Hand genommen wurde.

Das entspricht einer voll krassen Missachtung von Art. 77. Die Kantone hätten dafür sorgen müssen, dass innert 15 Jahren nach Inkrafttreten des GSchG sämtliche Lagereinrichtungen saniert sind. 25 Jahre (!) sind jetzt verstrichen, und zahlreiche Kantone haben noch nicht einmal richtig mit Kontrollieren angefangen. So eine Schlamperei! Und das Kontrollieren ist erst der Anfang. Wie lange geht es, bis die Anlagen saniert oder stillgelegt sind?“

Peter: „Das weiss ich nicht, jedenfalls lange. Erhalten wir Bundesgelder für die Sanierung?“

Heidi: „Bundesgelder? Natürlich gab es damals auch dafür Bundesgelder, doch die Eingabefrist ist längst abgelaufen. Kluge Bauern haben in die Hofdüngeranlagen investiert: mithilfe von Steuergeldern!

Peter: „Noch eine Frage: Wenn den Kantonen das Geld fehlt, sie die Gewässer-Sanierungsmassnahmen kaum zahlen können? Was dann?“

Heidi: „Für diesen Fall hat der Bund 1999 Art. 62a, Massnahmen der Landwirtschaft, geschaffen! Das sind die sogenannten Gewässerschutzprojekte in der Landwirtschaft. Sie dienen der Sanierung von durch die Bauern verschmutzten Gewässern. Der Hauptanteil der Kosten wird vom Bund getragen, den restlichen Betrag können sich verschiedene Parteien teilen (Kantone, Gemeinden, Wasserversorger, Sponsoren).

Die Erfahrungen zeigen, dass die Wasserqualität an den meisten Projektorten tatsächlich besser geworden ist, doch nachhaltig sind die Projekte nach meiner Auffassung von Nachhaltigkeit nicht, denn ohne den regelmässigen Zustrom von Steuergeldern funktioniert der Schutz nicht. Die Projekte sind eine Symptom-, keine Ursachenbekämpfung. Standortgerechte Nutzung wäre die Lösung des Problems ohne Subventionen.

Der Bund kann die Kantone, gestützt auf Art. 64, auch beim Ermitteln der Ursachen der ungenügenden Wasserqualität unterstützen. Weitere Hilfe kann er leisten für die Aufklärung der Bevölkerung, die Ausbildung von Fachleuten, das Inventarisieren von Wasserversorungsanlagen und Grundwasservorkommen usw. Für Erfolg versprechende neuartige Anlagen ist zudem eine Risikogarantie möglich (Art. 64a).“

Peter: „Damit könnte man doch sicher mehr tun! Hier, in Art. 70, sind die Sanktionen. Das interessiert mich. Mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe wird bestraft, wer vorsätzlich gegen die Art. 6, 22, 35, 37, 38, 39 Abs. 2 und 44 verstösst. Handelt der Täter fahrlässig, so ist die Strafe Geldstrafe bis zu 180 Tagessätzen.

Wer in anderer Weise vorsätzlich dem GSchG oder einer Einzelverfügung zuwiderhandelt, wird nach Art. 71 mit einer Busse bis zu 20’000 Franken bestraft.

Auch Gehilfenschaft ist strafbar.“

Heidi: „Das scheint mir wichtig zu sein. Besonders deshalb, weil Gemeinden gerne den Bauern beim Vertuschen von Gewässerverschmutzungen helfen.

Wenn du willst, kann ich dir das alles aufschreiben, dann kannst du nachschauen, wenn du etwas nicht mehr weisst.“

Peter: „Das wäre nicht schlecht, denn das kann ich mir nicht alles merken. Jetzt muss ich noch die Geissen holen, wird es doch langsam dunkel. Wir sehen uns am Sonntag wieder, wenn du die Grossmutter besuchst. Sie freut sich schon lange darauf.“

Heidi: „Tut mir leid, dass ich sie vernachlässigt habe, aber es war so viel los.“

Gewässerschutz-Ziele: Kluft zwischen Gesetz und Wirklichkeit!, Heidis Mist 6.1.16

Gewässerschutzprojekte: Sind sie nachhaltig? (5) Pflanzenschutzmittel, «le Boiron des Morges» (VD), Heidis Mist 2.10.15

Gewässerschutzprojekte: Sind sie nachhaltig? (4) TOTAL Bundesbeiträge bis Ende 2014, Heidis Mist 6.8.15

Gewässerschutzprojekte: Sind sie nachhaltig? (3) Phosphorprojekte Sempachersee & Co., Heidis Mist 30.7.15

Gewässerschutzprojekte: Sind sie nachhaltig? (2) Gäu Solothurn, Heidis Mist 24.7.15

Gewässerschutzprojekte: Sind sie nachhaltig? (1) Heidis Mist 20.6.15

24.1.16 HOME

Truthahn und Poulet: Es weihnachtet sehr!

1. Dezember 2015

Heidis Aufruf, nur Schweizer Poulet und Truthahn zu kaufen, wird immer wieder gelesen, besonders vor Weihnachten. Dies zeigt die Statistik per 1.12.15 für den Beitrag Nur Schweizer Poulet und Truthahn kaufen! vom 6.12.11. Der Artikel ist heute mit total 4’044 Direktaufrufen immer noch mit grossem Abstand der am meisten gelesene. An Aktualität hat er nichts eingebüsst, siehe Trutenfleisch aus Qual-Mast: Coop erneut in der Kritik, SRF Kassensturz vom 24.6.14.

Das Tierwohl ist ein wichtiges Anliegen der Bevölkerung und sollte deshalb auch vermehrt Eingang in die intensive Schweizer Schweine- und Rindviehmast finden.

1.12.15 HOME

„Biologisch abbaubare“ Kunststoffe verschmutzen Gewässer

22. November 2015
Aus dem Bericht der UNEP: Biodegradable Plastics & Marine Litter, Misconceptions, Concerns and Impacts on Marine Environments, United Nations Environment Programme (UNEP), 2015.

Aus dem Bericht der UNEP: Biodegradable Plastics & Marine Litter, Misconceptions, Concerns and Impacts on Marine Environments, United Nations Environment Programme (UNEP), 2015.

In einem soeben erschienenen Bericht der Vereinigten Nationen ist zu lesen, dass als „biologisch abbaubar“ bezeichneter Biokunststoff selten im Meer abgebaut wird, weil es industrielle Kompostieranlagen und hohe Temperaturen während längerer Zeit braucht, um ihn zu zersetzen.

„Forget recycling“ heisst es zudem im Bericht von BBC Biodegradable plastics not breaking down in ocean, UN report says, 19.11.15. Es sei kaum möglich, Kunststoff und Biokunststoff sauber zu trennen. Dies verursache Probleme bei der Wiederverwertung, denn Biokunststoff kann die Eigenschaften des Kunststoffes verändern. Es bestehe die Gefahr, dass als „biologisch abbaubar“ bezeichneter Biokunststoff das Littering fördere, heisst es weiter, denn die Leute glaubten, dass das, was sie wegwerfen, kein Abfall sei, sich von selbst zersetze. Biodegradable Plastics & Marine Litter, Misconceptions, Concerns and Impacts on Marine Environments, United Nations Environment Programme (UNEP), 2015.

Auch die Schweiz trägt zum Plastikmüll im Meer bei, siehe Erste Bestandesaufnahme von Mikroplastik in Schweizer Gewässern, Medieninformation Bundesamt für Umwelt (BAFU) vom 11.12.14.

Bald ein Verbot von Wegwerf-Plastiksäcken?

National- und Ständerat haben 2012 die Motion Stopp der Verschmutzung durch Wegwerf-Plastiksäcke von Dominique de Buman (1.10.10) angenommen. Darin steht: „Es geht nicht darum, diese Plastiksäcke ausschliesslich durch biologisch abbaubare Plastiksäcke und Papiersäcke zu ersetzen, sondern vor allem durch wiederverwendbare Säcke, die teilweise auch aus rezykliertem PET hergestellt werden.“ Doch der Bundesrat tut sich schwer mit einem Verbot. Natürlich sind die Plastiksack-Produzenten, die Kehrichtverbrenner und der Detailhandel dagegen, d.h. wie immer kämpft Geld gegen Natur. Anfang 2016 sollte das Verbot, wenn es zustande kommt, in Kraft treten.

Die Migros Waadt ging mit gutem Beispiel voraus und führte eine Gebühr von 5 Rappen pro Sack (Biokunststoff) ein. Der Verbrauch ging um 94% zurück, siehe Ökologischer Nutzen durch Plastiksäckli-Verbot?, Judith Schärer, Der Öko(b)log vom 24.10.15.

Noch immer lautet die Standardfrage beim Einkaufen im Warenhaus des „ökologischsten Grossverteilers der Welt“ Coop: „Möchten Sie einen Sack?“, auch wenn Heidi nur ein (kleines) Produkt gekauft hat. Die gleiche Frage hört sie regelmässig in Bäckereien, Apotheken …

Aller Anfang ist leicht!

Eine Bäckersfrau erzählte Heidi eine schöne Geschichte: „Ein älterer Herr kauft regelmässig bei mir ein. Er zieht jeweils aus der kleinen Tasche des dunklen Anzugs, in welcher üblicherweise ein Pochettli (Einstecktuch) steckt, eine Plastiktüte. Mit der Zeit geht diese aber kaputt. Etwa einmal im Monat gebe ich ihm eine neue.“

Runder Tisch Kunststoffrecycling, Kunststoffe, BAFU

Unser Boden wird immer häufiger mit Kunststoff bedeckt, auch "biologisch abbaubarem". Es heisst, die kompostierbaren Folien könnten einfach untergepflügt werden. Ist das gut?<br /> Meist wird bei uns PE-Kunststoff eingesetzt, in China jedoch PVC. Eine Studie dokumentiert die massive Verschmutzung von Landwirtschaftsböden mit Phthalsäureester in China anhand eines Modells: Empirical estimation of pollution load and contamination levels of phthalate esters in agricultural soils from plastic film mulching in China, Environ Earth Sci (2013) 70:239–247, http://www.researchgate.net/publication/257794301_Empirical_estimation_of_pollution_load_and_contamination_levels_of_phthalate_esters_in_agricultural_soils_from_plastic_film_mulching_in_China

Unser Boden wird immer häufiger mit Kunststoff bedeckt, auch „biologisch abbaubarem“. Es heisst, die kompostierbaren Folien könnten einfach untergepflügt werden. Ist das gut?
Meist wird bei uns PE-Kunststoff eingesetzt, in China jedoch PVC. Eine Studie dokumentiert die massive Verschmutzung von Landwirtschaftsböden mit Phthalsäureester in China anhand eines Modells: Empirical estimation of pollution load and contamination levels of phthalate esters in agricultural soils from plastic film mulching in China, Environ Earth Sci (2013) 70:239–247.

Empirical estimation of pollution load and contamination levels of phthalate esters in agricultural soils from plastic film mulching in China, Environ Earth Sci (2013) 70:239–247

22.11.15 HOME


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