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Klima: REDD+ Waldprojekte in Drittweltländern – Wem nützen sie?

4. März 2021

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REDD+ ist ein moderner Ablass-Handel unter dem Motto „Lieber selber nichts gegen den Klimawandel tun, aber einen Obulus in eine Kasse zahlen und nicht so genau wissen, was und wem dies nützt.“ Die Projektbetreiber loben ihre Arbeit in höchsten Tönen, Forschung zweier Organisationen zeigt schwerwiegende Probleme auf.

Wir können das alles nicht prüfen … was sollen wir glauben? Was sicher ist: Wir müssen hier und jetzt viel tun und sollten mit „unseren Händen“ nicht zur Zerstörung anderswo beitragen – wie dies aktuell rund um den Erdball der Fall ist. Auch in Drittweltländern könnten wir reiche Länder viel Gutes bewirken, wenn wir nur wollten. Plünderung und einseitige Schaffung von Naturraum für „unser Klima“ ist nicht der Weg.

Wikipedia: REDD+ (Reducing Emissions from Deforestation and Forest Degradation and the role of conservation, sustainable management of forests and enhancement of forest carbon stocks in developing countries, dt. etwa „Verringerung von Emissionen aus Entwaldung und Waldschädigung sowie die Rolle des Waldschutzes, der nachhaltigen Waldbewirtschaftung und des Ausbaus des Kohlenstoffspeichers Wald in Entwicklungsländern“) ist ein seit 2005 auf den Verhandlungen der internationalen Klimarahmenkonvention (UNFCCC, United Nations Framework Convention on Climate Change) diskutiertes Konzept, mit dem der Schutz von Wäldern als Kohlenstoffspeicher finanziell attraktiv gemacht werden soll.

Forschungsbericht über zwei Projekte

Ein aktueller Bericht von Action pour la Promotion et Protection des Peoples et Espèces Menacées (APEM) und Rainforest Foundation UK untersucht die sozialen Auswirkungen von zwei REDD-Projekten in der Provinz Mai Ndombe in der Demokratischen Republik Kongo. Der Bericht basiert auf Basisforschung, die über zwei Jahre hinweg durchgeführt wurde. Das Forschungsteam befragte mehr als 400 Menschen in 26 Dörfern innerhalb von zwei REDD-Projekten: dem Integrated REDD+ Plateau Project (PIREDD Plateau), das vom World Wide Fund for Nature (WWF) geleitet wird, und dem Wildlife Works Carbon (WWC) Mai Ndombe REDD+ Projekt.

Schwerwiegende Probleme

Der Bericht fasst die Probleme wie folgt zusammen:

  • Die Projekte holten nicht die freie, vorherige und informierte Zustimmung der lokalen Gemeinschaften für REDD+ Aktivitäten ein, was zu Verwirrung und Konflikten in den Projektgebieten führte.
  • Es gibt ein erschreckend geringes Mass an Einbezug der Leute in den Gemeinden, die REDD+-Aktivitäten umsetzen sollen, insbesondere bei Frauen.
  • Viele der versprochenen Leistungen sind entweder noch nicht erbracht worden oder die Gemeinden sind mit der Umsetzung unzufrieden.
  • Lokale Entwicklungskomitees, die als Schnittstelle zu den Projekten eingerichtet wurden, repräsentieren die Gemeinden nicht angemessen, ihre Mitglieder sind nicht ausreichend darüber informiert, was REDD+ ist, und ihnen fehlen oft die notwendigen Ressourcen, um REDD+-Aktivitäten umzusetzen.
  • Es gibt unzureichende Bemühungen, die Besitzverhältnisse der lokalen Gemeinschaften zu klären und zu stärken, was sie anfällig für Landspekulation und Migration macht.
  • Die Pläne zur Bewirtschaftung der natürlichen Ressourcen im PIREDD-Plateau bilden die traditionellen Landnutzungssysteme der Gemeinden nicht angemessen ab und haben zu Streitigkeiten über Landgrenzen geführt. Frauen wurde die Lebensgrundlage entzogen und in einigen Dörfern hat die Aktivität zu Nahrungsmittelknappheit geführt.
  • Das Fehlen funktionierender Beschwerdemechanismen für die beiden Projekte bedeutet, dass die Gemeinden kaum eine Möglichkeit haben, Hilfe für die Lösung dieser Probleme zu erhalten.
  • Die Fähigkeit der lokalen Regierung, das REDD+ Programm zu beaufsichtigen, ist trotz jahrelanger sogenannter „REDD Readiness“-Aktivitäten immer noch sehr mangelhaft.
  • Die Interventionen scheinen auch wenig Einfluss auf die Reduzierung von Entwaldung und Degradierung zu haben und haben in einigen Fällen sogar den Waldverlust beschleunigt.

Lesen Sie weiter: REDD-Minus: New report reveals the reality of REDD in Mai Ndombe, Democratic Republic of Congo. REDD-Monitor vom 3.3.21

Aus der Perspektive der Projektbetreuer

MAÏ-NDOMBE : Remarkable achievements with the Integrated REDD+ project – PIREDD. WWF 28.8.18

Wildlife Works Carbon (WWC) Mai Ndombe REDD+ Projekt

Palmölplantagen im Kongo: 100 Jahre Landraub Leiden

18. Februar 2021
Die traditionellen Dorfvorsteher und Einwohner von Lokuto wehren sich gegen die Palmölplantagen. Copyright: RIAO-RDC

Die traditionellen Dorfvorsteher und Einwohner von Lokuto wehren sich gegen die Palmölplantagen. Copyright: RIAO-RDC

Quelle: Rettet den Regenwald, 17.2.21.

Die Palmölplantagen der Firma Feronia-PHC sind mehr als 110 Jahre alt – und eine nicht endende Katastrophe für die Menschen, die in den betroffenen Dörfern in der Demokratischen Republik Kongo leben. Landraub, Gewalt und Verarmung sind dort traurige Realität. Dorfbewohner und Aktivisten von Réseau d’Information et d’Appui aux ONG nationales (RIAO-RDC) stemmen sich dagegen.

Die Regenwälder im Kongo-Becken sind noch zu grossen Teilen intakt. Doch die Umwandlung von Palmhainen zu industriellen Plantagen trägt auch dort zur Zerstörung bei. Eine hundertjährige „Tradition der Vernichtung“ haben dabei die Palmöl-Plantagen von Feronia-PHC in der Demokratischen Republik Kongo. 25’000 Hektar Wald sind ihnen bereits zum Opfer gefallen. Die Grösse der Konzessionen ist gigantisch: Sie erstrecken sich über 107’000 Hektar und sind damit drei Mal so gross wie die Stadt München.

Lesen Sie weiter: 100 Jahre Landraub Leiden – Aktivisten kämpfen gegen Ausbeutung, Gewalt und Umweltzerstörung. Rettet den Regenwald vom 17.2.21

Hintergrund: Kolonialismus und die Beteiligung der Deutschen Investitions- und Entwicklungsgesellschaft (DEG)

Die Menschen in der Region leiden unter einer Mischung aus dem Erbe der Kolonialzeit, den Gewinninteressen ausländische Investmentfirmen und den Aktivitäten internationaler Geldgeber.

Die Wurzeln der Plantagen reichen 110 Jahre zurück, als die belgische Kolonialregierung grosse Waldgebiet an der englischen Geschäftsmann Lord Leverhulme übergab. „The Lever plantations that are set up use forced labour. Though not technically slavery, the semantic difference means little to the many Africans that died because of horrific working conditions.“ Die Konzessionen waren ein Grundstein für den heutigen Weltkonzern Unilever. 2009 hat Unilever seine Ländereien an die kanadische Firma Feronia verkauft. Als diese 2020 pleite ging, erwarb die Investmentfirma Straight KKM aus Mauritius die Plantagen.

Die Gewalt gegen die Bevölkerung im Kongo geht uns auch deshalb etwas an, weil der deutsche Staat an den Skandal-Plantagen von Feronia-PHC beteiligt ist: die Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft (DEG), eine Tochter der Staatsbank KfW, hat 2015 einen Kredit über 16,5 Millionen US-Dollar gewährt; staatliche Entwicklungsbanken aus Grossbritannien, Frankreich, Spanien, Belgien, Holland und den USA haben sich seit 2013 mit mehr als 150 Millionen US-Dollar beteiligt.

Spätestens mit der Pleite von Feronia hätte sich die DEG für die leidende Bevölkerung der Dörfer einsetzen können – und hat das nur unzureichend getan. Die Gemeinden fordern die Rückgabe des Landes, dessen Nutzung ihnen seit über 100 Jahren ohne ihre Zustimmung verwehrt wird. Eine Koalition von deutschen und internationalen Organisationen setzt die Entwicklungsbanken daher unter Druck.

Spendenaktion: 100 Jahre Landraub Leiden – Aktivisten kämpfen gegen Ausbeutung, Gewalt und Umweltzerstörung. Rettet den Regenwald vom 17.2.21

Petition: Lassen Sie die unschuldigen Dorfbewohner frei!

Die Einwohner von mehr als 100 Dörfern sind von den Palmölplantagen der Firma PHC betroffen. Copyright RIAO-RDC

Die Einwohner von mehr als 100 Dörfern sind von den Palmölplantagen der Firma PHC betroffen. Copyright RIAO-RDC

Die Einwohner von Mwingi und Bolesa brauchen unsere Hilfe: Im Anschluss an einen Protestmarsch wurden mehrere Dorfbewohner festgenommen, die sich gegen die Palmölfirma PHC im Kongo wehren. Wir fordern die sofortige Freilassung und ein Ende von Gewalt, Kriminalisierung und Landraub. Die Einheimischen müssen endlich zu ihrem Recht kommen.

Die Einwohner zahlreicher Gemeinden in der Demokratischen Republik Kongo leiden seit Jahrzehnten unter den Palmölplantagen. Immer wieder kommt es zu Gewalt: 2019 wurde der Dorfbewohner Joel Imbangola erschlagen, 2015 starb ein Ehepaar, dem der Diebstahl einiger Palmölfrüchte vorgeworfen worden war.

Unter den jetzt festgenommenen sind örtliche Mitglieder der Menschenrechtsorganisation RIAO-RDC, die die Gemeinden bei deren Protestmarsch unterstützt hatte. Anlass war der erwartete Besuch des neuen Besitzers der Firma Feronia-PHC, Herrn Mpinga. Seine auf Mauritius registrierte Kapitalgesellschaft hatte die Plantagen erst 2020 übernommen.

Den Dorfbewohnern wird vorgeworfen, eine Revolte initiiert zu haben. Ausserdem werden ihnen Fotoaufnahmen und Interviews mit Journalisten zum Vorwurf gemacht. Zwei von ihnen wurden dem Vernehmen nach auch mit dem Tod bedroht, auch von körperlicher Gewalt und sexuellen Übergriffen gegen Frauen wird berichtet.

Die Ursachen des Konflikts reichen 110 Jahre zurück, als die ersten Plantagen angelegt wurden. Die Einheimischen haben dem nie zugestimmt, ihnen wurde das Land ihrer Ahnen und damit ihre Lebensgrundlage schlicht geraubt.

Akut muss verhindert werden, dass die Festgenommenen in die Provinzhauptstadt Kisangani geschafft werden. Dort könnten sie für mehrere Monate ohne Anklage inhaftiert werden.

Wir fordern:

– Die Festgenommenen müssen sofort freigelassen werden.

– Gewalt, Kriminalisierung und Landraub müssen ein Ende haben.

– Die von den Plantagen betroffenen Einheimischen müssen endlich zu ihrem Recht kommen.

– Europäische Entwicklungbanken müssen bei ihrem Kunden Feronia-PHC auf die Erfüllung dieser Forderungen drängen.

Friedliche Meinungsäusserung darf nicht in willkürlicher Verhaftung und Gewalt enden.

Petition: Lassen Sie die unschuldigen Dorfbewohner frei! Rettet den Regenwald vom 17.2.21

 

Referendum Stop Palmöl!

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17.2.21 HOME

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